CFPs in Renaissance Intellectual History

Dimensionen der Theatrum-Metapher in der Frühen Neuzeit


Source of Information: H-HRE, 2006-08-23
Date of Event: 2007-03-16/17
Location of event: Augsburg , Germany
Deadline for abstracts etc.: 2006-10-31




Interdisziplinäres Symposium, veranstaltet vom Graduiertenkolleg
"Wissensfelder der Neuzeit. Entstehung und Aufbau der europäischen
Informationskultur" am Institut für Europäische Kulturgeschichte der
Universität Augsburg am 16. und 17. März 2007.


Theatralität und Performanz dienen seit längerem als
forschungsstrategische Begriffe, um Kultur und Vergangenheit im
weitesten Sinne als Aufführungsgeschehen zu deuten. Schon für die Frühe
Neuzeit war die Metaphorik des Theaters Deutungsmuster und zentrale
Bezugsgröße im Sinne einer kosmologischen Daseinsbetrachtung. Kaum
untersucht ist bislang, auf welche Weise und auf welchen Ebenen die
zeitgenössische Verwendung der Metapher des Theatrums auch den idealen
Umgang mit Wissen regelte. Ziel der Tagung ist es, die historische
Charakteristik der Theatrum-Metapher herauszuarbeiten und nach ihrer
Reichweite als Modell für die Konfiguration, Repräsentation und
Kommunikation von Wissen zu fragen. Welche spezifischen Funktionen kamen
der Theatrum-Metapher in verschiedenen Diskursen und Medien zu? Vertieft
dürfte zu diskutieren sein, inwieweit die Metapher als eine performative,
also inszenatorische, oder als eine repräsentative Form von
Wissenserschließung aufzufassen ist.

Ein Ausgangspunkt ist die Sammlung und Ordnung von Wissen im Korpus der
Theatrum-Literatur: Auf dem frühneuzeitlichen Buchmarkt ist die Metapher
in spektakulärer Quantität präsent. Ein beträchtlicher Teil der
Theatrum-Titel ist auf Deutsch und stellt als weiteres publizistisches
Phänomen über Begriffe wie "Schau-Bühne" oder "Schau-Platz" den Bezug zum
volkssprachlichen Diskurs her. Hier könnte sich die Frage anschließen,
inwieweit sich an die Theatrum-Metapher eine verstärkte Vorstellung der
Öffentlichkeit von Wissen koppelte. Die Heterogenität und Dynamik der
Metapher überwölbte die verschiedensten Wissensfelder (Sammlungswesen,
Architekturtheorie, Kartographie, Gartenbaukunst etc.). In weiterer
Perspektive lässt sie sich im Kontext von übergeordneten
Ordnungsvorstellungen und Paradigmen, wie dem `Großen Welttheater'
(theatrum mundi) oder der Analogie von Mikro- und Makrokosmos, verorten.
Die Spezifik der Theatrum-Metapher lässt sich möglicherweise durch den
Vergleich mit konkurrierenden `Wissens'-Metaphern pointieren, so mit dem
mittelalterlichen Speculum. Angestrebt ist ein Dialog über die
disziplinären Grenzen von Kunst-, Kulturgeschichte und Philologie hinweg.
Willkommen sind Beiträge, die sich im oben skizzierten Sinn mit den
frühneuzeitlichen Dimensionen der Theatrum-Metaphorik befassen.


Kurzentwürfe von Beitragsvorschlägen (maximal 1 Seite) senden Sie bitte
unter Beigabe einer CV bis zum 31. Oktober am besten per Email.


Ulrike Eisenhut, B.A.
Eichleitnerstraße 30, D-86159 Augsburg
+49-(0)821 / 598-5840
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