Zur Einladung von Professor Christia Mercer, Columbia University, N.Y. als Gastprofessorin im SS 2003

Christia Mercer studierte zunächst, von 1971 - 1974 am Brooklyn College, wo sie den BA, und von 1974 - 1976 an der Rutgers University, wo sie den MA erwarb, Kunstgeschichte, und begann dann, an der gleichen Universität, ihr Studium der Philosophie, in dem sie 1978 ebenfalls das Magister-Examen ablegte. Danach setzte sie das Studium der Philosophie fort, u.a. in Rom, wo sie 1981 an der Gregoriana das "Latin Certificate" erhielt, und von 1981 an in Princeton. Hier erwarb sie 1984 zum zweiten Mal den Magister in Philosophie und - nach einem Studienjahr in Münster (1984-85) als Fulbright Stipendiatin - 1989 den Ph.D. in Philosophie.

Nachdem sie schon von 1987 bis 1989 an der University of Notre Dame als Assistant Professor Philosophie gelehrt hatte, wurde sie 1989 als Assistant Professor an die University of California in Irvine berufen und zwei Jahre später, 1991, an das Department of Philosophy der Columbia University in New York, wo sie bis heute, seit 1997 als Associate Professor, lehrt und im akademischen Jahr 2000/2001 als Direktor des "Institute for Research on Women and Gender" fungierte.

Zur den zahlreichen "awards" und "fellowships" verschiedener Universitäten und Institutionen, die ihre Karriere seit ihrem ersten Magister-Examen in Kunstgeschichte begleiteten, zählen auch ein Humboldtstipendium am Leibniz Archiv in Münster 1993 - 1995, eine Gastprofessur am Department of Philosophy in Oslo im Frühjahr 1998 und ein Stipendium des DAAD im Jahre 2001 und der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel im Sommer 2002.

Im Zentrum der Forschungstätigkeit von Frau Mercer steht die Philosophie des 16. und 17. Jahrhunderts in allen ihren Façetten, von der aristotelischen bis zur platonischen Tradition, von den humanistischen Ansätzen in den Geisteswissenschaften bis zu den neuen Modellen in den Naturwissenschaften. Sie gehört damit zur internationalen Gruppe junger Forscher, die, indem sie, diese beiden Jahrhunderte verbindend, die traditionelle "Epochenschwelle" zwischen Renaissance und früher Neuzeit überwinden, den Mythos des unvorbereiteten "genialen" Neubeginns in der Philosophie und Wissenschaft des 17. Jahrhunderts aufklären und ein organisches Verständnis der philosophischen Genese der Neuzeit erlauben. Dabei konzentriert sie sich - wie der Titel ihres 2001 in der Cambridge UP erschienenen über 500 Seiten starken Buches Leibniz Metaphysics. Its Origins and Development anzeigt - auf die Ursprünge der Philosophie des jungen Leibniz und nimmt dies zum Anlaß, wie an mehr als 25 Aufsätzen abzulesen ist, die philosophische Entwicklung im Deutschland dieser Jahrhunderte aufzuarbeiten, so wie andere dies in den letzten Jahren intensiv in Hinblick auf Descartes für Frankreich und in Hinblick auf Hobbes für England getan haben. Christia Mercers bereits abgeschlossene und noch geplante Forschungen stehen mit ihrer Perspektive auf die Wurzeln der neuzeitlichen Philosophie Deutschlands in der Tradition der Renaissance noch allein, haben aber, wie ca. 40 Einladungen zu Konferenzteilnahmen und Beiträgen in Sammelbänden innerhalb der letzten 7 Jahre zeigen, im Inland und Ausland große Beachtung und Interesse gefunden. Ihre Gastprofessur hat die Aufgabe, Lehrende und Lernende aus dem Bereich der frühneuzeitlichen Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte, aber auch der deutschen Geistesgeschichte im Allgemeinen mit dieser neuen Forschungsperspektive bekannt zu machen und zu neuen Fragestellungen und Forschungsprojekten anzuregen.

Die Lehrtätigkeit von Frau Mercer wird sich auf eine Vorlesung zu zentralen Problemen der Naturphilosophie im Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit und ein Seminar zu den deutschen Wurzeln der Leibniz'schen Philosophie erstrecken. Darüber hinaus wird Frau Mercer regelmäßig zu Gesprächen mit Kollegen und Beratung von Studenten zur Verfügung stehen.


Prof. Dr. Eckhard Keßler