Vivat Germania latina, Vivat Latinitas teutonica!

Carl Joachim Classen

Neue Elemente in einer alten Disziplin

Zu Melanchthons De Rhetorica libri tres *

Für Martin Hengel
zum 14. 12. 2001



Zu Beginn des vierten Kapitels des dritten Buches seiner institutio oratoria bemerkt Quintilian: "Uneinigkeit herrscht darüber, ob es drei oder mehr genera causarum gibt", nicht Fälle, für die man die Rhetorik benötigt, sondern Anwendungsbereiche, für die Regeln aufzustellen sind. Sind es nur die Lobrede, die auf Entscheidungen zielende öffentliche Rede und die Gerichtsrede, wie schon Aristoteles meint und nach ihm die Stoiker, Cicero und viele andere, nicht zuletzt Quintilian selbst, oder vielleicht mehr ? Quintilian deutet an, daß einige Griechen, später gelegentlich Cicero [1] und ein einflußreicher Autor seiner Zeit den Eindruck erweckt hätten, als ob es fast unzählig viele genera gebe (paene innumerabilia: III 4, 2), und er fährt fort: "Denn wenn wir die Aufgabe zu loben und zu tadeln als dritten Teil annehmen, in welcher Gattung werden wir uns dann wohl befinden, wenn wir klagen, trösten, besänftigen, anfeuern, erschrecken, bestärken, lehren, unklar Ausgedrücktes erklären, erzählen, abbitten, danken, beglückwünschen, Vorwürfe machen, schmähen, beschreiben, empfehlen, mitteilen, wünschen, vermuten und so vieles andere ?" [2]

Als eigene genera haben sich diese Redeformen nicht durchgesetzt, weder in der Spätantike noch im Mittelalter noch im Frühhumanismus, wie die Rhetorik des Georg von Trapezunt oder die einschlägigen Kapitel bei Giorgio Valla oder bei Georg Reisch zeigen. [3] Das ist umso erstaunlicher, als wichtige Teile der Literatur im narrare bestehen, andere im describere, andere im interpretari (ob es nun obscure dicta sind oder nicht). Die Erklärung ergibt sich daraus, daß die Rhetorik ursprünglich als Redekunst verstanden wird, Kunst des Redens, nicht des Schreibens. Und obwohl nicht wenige Theoretiker der Rhetorik nicht nur den Stil von Rednern, sondern auch von Dichtern oder Historikern analysieren, um sie als Beispiele anführen zu können, wie Aristoteles und Cicero, Dionys von Halikarnaß und Quintilian, nehmen sie Regeln für das Abfassen derartiger Werke nicht in ihre Rhetoriken auf; für die Dichtung werden Poetiken verfaßt, für die Geschichtsschreibung allenfalls solche nicht rhetorisch orientierten Traktate wie Lukians Schrift "Wie man Geschichte schreiben soll".

Das Mittelalter hat eine wenn auch oft oberflächliche Kenntnis von Ciceros rhetorischen Schriften und von Quintilian sowie durch Boethius von Aristoteles' Topik, vor allem durch die Übersetzungen aus dem Arabischen von dessen Rhetorik. Im Anschluß an Boethius betont man den Unterschied zwischen Rhetorik und Dialektik und neigt mehr und mehr dazu, die Rhetorik der Dialektik unterzuordnen. [4]   Doch das Interesse gilt vor allem den zwei Bereichen, die im Gegensatz zur Antike eine zentrale Bedeutung gewinnen, der Briefstellerei, für die eine ars dictaminis entwickelt wird, und der Predigt (ars praedicandi), daneben auch der ars arengandi. [5]

Entsprechend beschränken sich noch gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts einige Verfasser von Rhetoriken wie Paul Lescher oder Jakob Mennel ganz auf die Brieflehre, [6] was Melanchthon zu einer polemischen Bemerkung in seinem Widmungsbrief zu den De Rhetorica libri tres veranlaßt (p. 5-6), während andere Autoren zu den antiken Vorbildern zurückkehren wie etwa Konrad Celtis (bzw. dessen Quelle [7] ) mit seiner Epitoma in utramque Ciceronis rhetoricam (Ingolstadt 1492), Jakob Locher mit seiner Epithoma rhetorices graphicum (Freiburg 1496) oder Jakob Wimpfeling, der im Anschluß an seine Elegantiae maiores (1499) eine Rhetorica ... pueris utilissima druckt, in deren Widmungsbrief er betont, daß er sich auf Aristoteles, Cicero und Quintilian stützt (fol. E Ir). Er unterscheidet die traditionellen drei Gattungen der Rede und fügt ausdrücklich hinzu, wenn es weitere gebe, seien sie auf diese drei zurückzuführen, z. B. das tröstende (consolatorium) oder das bittende (petitorium) [8] auf das genus deliberativum (fol. E Iv).

Melanchthon ist der erste, der nach Jahrhunderten mit der Tradition bricht. In seinen De Rhetorica libri tres (Wittenberg 1519, hier benutzt: Basel 1519) hebt er einleitend die Bedeutung der Rhetorik hervor, die diese in der Antike für die Erziehung, vor allem für die staatsbürgerliche Erziehung besaß (p. 9-10), beklagt - ähnlich wie Crassus in Ciceros Schrift De oratore (III 122) -, daß sie allmählich von den Philosophen übernommen wurde, und kündigt an, er wolle der Jugend Vorschriften für den Gebrauch von Rhetorik und Dialektik aufzeigen und sie beraten, wie sie die Schriften der Alten zu diesen Disziplinen lesen könne (p. 10).

Dann trennt er die zu behandelnden Redegegenstände ebenso wie Aristoteles in künftige und geschehene (p. 11: futurae und factae, vgl. Arist. rhet. 1358 b 2-8), die künftigen, über die man Erwägungen anstellt (deliberare), und die geschehenen, über die man ein Urteil fällt (in iudicium vocare) oder über die man unabhängig von einer Beurteilung unterrichtet (docere), Lob oder Tadel ausspricht (laudare, vituperare). Auffällig ist, daß Melanchthon hier neben loben und tadeln auch belehren anführt. Denn wenn er auch gleich anschließend wieder der Tradition folgend die drei bekannten Gattungen aufzählt und knapp illustriert, so formuliert er für die dritte, epideiktische, doch wieder ungewöhnlich: "Die darlegende paßt für den, der lehrt, der Ereignisse erzählt, der lobt oder tadelt" (demonstrativum, accomodatum docenti, narranti res gestas, laudanti, vituperanti). Damit führt der junge Melanchthon ein neues Element in die Theorie ein. Gewiß, das docere hat seit alters seinen Platz in der Rhetorik als eine der drei Aufgaben jeden Redners neben erfreuen/besänftigen (delectare/conciliare) und erregen/umstimmen (movere/concitare/flectere), selbst bisweilen durch billigen, beweisen oder überreden (probare, explanare oder persuadere) ersetzt; [9] und diese Aufgaben gilt es in bestimmten Teilen jeder Rede zu erfüllen, das docere vor allem in der Darlegung der Fakten (narratio) und in der Argumentation (confirmatio und refutatio). Doch Melanchthon stellt es hier zusammen mit loben (laudare) und tadeln (vituperare), gleichberechtigt neben überlegen und urteilen. Nur eine Prüfung der folgenden Abschnitte und der ganzen Schrift kann Melanchthons Gründe und Absichten in ihrem Zusammenhang erkennbar werden lassen.

Gleich anschließend zeigt Melanchthon wieder seine Eigenständigkeit. Er nennt als Aufgaben des Redners das Auffinden, die Anordnung und die sprachliche Gestaltung, verzichtet also auf das Erinnern und den Vortrag und verweist für sie ausdrücklich auf die Handbücher (p. 11): Offenbar will er kein vollständiges Lehrbuch verfassen, sondern nur darstellen, was ihm wichtig erscheint, d. h.   den Lernenden den Weg zu den Topoi (loci) der Erfindung, der Beurteilung und der Anordnung erleichtern, weil sie, wie er sagt, von den großen Rhetorikern vernachlässigt und den Dialektikern überlassen bzw. von diesen beansprucht werden (p. 11-12). [10]

Nach kurzem Hinweis auf die Redeteile (orationis partes) wendet sich Melanchthon dann - wie die Rhetorica ad Herennium (I 2), der junge Cicero (inv. I 7) und Quintilian (III 3, 14) und anders als Aristoteles (rhet. 1358 b 7-8) und der ältere Cicero (de orat. I 141; Top. 91) - zunächst dem genus demonstrativum zu, weil aus ihm, wie er formuliert, "die Topoi der Erfindung und das ganze System für die Beurteilung der Dinge erwachsen" (ex ipso loci omnes inventionis, iudicandi ratio tota nascitur) und zwar für alle genera (ad reliqua genera viam munit: p. 12).

Erneut geht Melanchthon eigene Wege. Denn was die Philosophen als Dialektik zu lehren pflegten und auch er selbst so bezeichnet, nimmt er hier für die Rhetorik in Anspruch und ordnet es als Teil dem genus demonstrativum zu: "das was zu den Lehrenden paßt" (quod docentibus accomodatum est), "was im Lehren besteht" (quod in docendo consistit), "die Kunst des Lehrens" (artificium docendi: p. 13), "was erlaubt, das Wesen und die durch bestimmte Topoi bezeichnete Beschaffenheit einer jeden Sache genauestens so zu erklären, daß keinem, der sie untersucht, entgehen kann, was sich überhaupt davon wissen läßt" (quod exacte naturam et conditionem cuiusque rei, certis inscriptam locis sic expedit, ut subterfugere non possit inquirentem, quicquid de instituto sciri omnino licet). Daß Melanchthon hier von der Tradition abweicht, zeigen nicht nur die Bezeichnungen, die er anschließend für dieses genus anführt (μεθοδικόν, ἀποδεικτικόν, διδακτικόν, ἐπιστημονικόν) und die mit Ausnahme von ἀποδεικτικόν sonst nirgends in der Rhetorik begegnen (μεθοδικόν, ἀποδεικτικόν, διδακτικόν, έπιστημονικόν), sondern auch seine weiteren Bemerkungen über die Rolle, die Aristoteles dieser Kunst einräumt (p. 13), die Bezeichnungen und Beschreibungen, die er selbst wählt (p. 13-15), und schließlich die von ihm vorgetragenen Einzelheiten, d. h. die Instrumente des Auffindens (organa inveniendi), [11] die er dann ausführlich erläutert (p. 15-29). Sie lassen keinen Zweifel daran, daß Melanchthon es für notwendig hält, die traditionelle Rhetorik durch einige elementare und grundlegende Aspekte der Dialektik zu ergänzen, und in der Tat, am Ende formuliert er ganz nüchtern und offen: "Und es mag ausreichen, dies über das genus demonstrativum, das zum Lehren passend eigentlich den Dialektikern gehört, dargelegt zu haben". [12]

Die Möglichkeiten, die sich Melanchthon durch die Erweiterung des genus demonstrativum um das docere schafft, nutzt er noch in anderer Weise. Nach Erörterung der loci, d. h. dessen, was er selbst am Schluß ganz offen und unbekümmert "das ganze System des Auffindens beim dialektischen Vorgehen" nennt (p. 28, vgl. auch p. 27), formuliert er unter der Überschrift "Über die erzählende Gattung" (De enarratorio genere): "Vielleicht wird es gestattet sein, was die Römer Erzählung (narratio) nennen, die Griechen Schilderung (διήγησις), der darlegenden Gattung zuzuordnen, denn mit ihr hat sie das meiste gemeinsam. Im übrigen gehört sie nicht zu einer einzigen Gattung, sondern fällt ohne Unterschied in alle". [13] Und dann führt er - unabhängig von der Tradition - zwei ihrer Erscheinungsformen ein, die Paraphrase und die Auslegung (Exegese). [14] Die Paraphrase nimmt Melanchthon zum Anlaß, an Erasmus' Paraphrase von Paulus' Brief an die Römer und an seinen eigenen Rat an die Studenten zu erinnern, den Titusbrief zur Übung zu paraphrasieren (p. 30), und diesen Rat noch mit einer sehr emotionalen Formulierung zu unterstreichen: "Zugrundegehen möchte ich, wenn mir beim Studium etwas wichtiger erschiene für die Ausbildung des Urteilsvermögens als der Gebrauch der Paraphrasen" (p. 31). [15] Im Abschnitt "Über die Methode des Auslegens" (De commentandi ratione) erörtert er, die Grenzen der traditionellen genera überschreitend, verschiedene Formen der Prosadarstellung, die belehrende, die historische, die (zum genus deliberativum gehörende) beratende und die weitausgreifende allegorische und führt dabei mehrere Belege und Beispiele aus der Bibel und aus verschiedenen Kirchenvätern an (p. 33, 34; 35; 38-40).

Damit ergeben sich fünf Charakteristika, durch die sich die ersten Abschnitte von Melanchthons De Rhetorica libri tres von den traditionellen Rhetoriken unterscheiden:

1) Er verzichtet darauf, alle Aspekte zu behandeln, d. h. ein vollständiges Lehrbuch der Rhetorik zu verfassen, und begnügt sich vielmehr damit, die ihm im Hinblick auf eine verbesserte Ausbildung der Jugend wichtig erscheinenden Probleme zu erörtern, und zwar sehr ausführlich, mit dem Ziel, die Lernenden dazu zu bringen, die antiken Handbücher selbst zu lesen und deren Regeln und Ratschläge für ihre eigene Lektüre, für ihr eigenes Urteilen und ihr eigenes Reden und Schreiben zu nutzen.

2) Er wendet sich immer neu polemisch gegen den Unterricht der Philosophen seiner Zeit und deren verfehlte Art, Aristoteles zu interpretieren und nicht dessen Text, sondern eigene Kommentare zu behandeln.

3) Er bezieht seinerseits Elemente der Dialektik in seine Rhetorik ein, da die Dialektik für alle Disziplinen grundlegende Bedeutung besitzt und die Topik traditionell sowohl in der Dialektik wie in  der Rhetorik ihre Anwendung findet. [16]

4) Er macht dies möglich, indem er die traditionell Lob und Tadel gewidmete Gattung, das genus demonstrativum, um das docere, also das Lehren, erweitert; die auf diese Weise entstandene "darstellende Gattung" nutzt er, um auch ausführlich auf Berichten und Auslegen (narrare und commentari) einzugehen.

5) Er wählt Beispiele aus der Bibel und aus den Kirchenvätern.

Sind diese Neuerungen, die dem Leser zu Beginn auffallen, charakteristisch für das ganze Werk, wie sind sie zu erklären und welche Bedeutung haben sie für unser Urteil über die De Rhetorica libri tres, sind sie auch von anderen akzeptiert worden und haben sie sich auf die Dauer bewährt und durchsetzen können ? [17]

Der Hinweis auf die Handbücher für das, was sich zu Erinnern und Vortragen lernen läßt, [18] und damit der Verzicht auf eine vollständige Darstellung des Lehrstoffes ist ebenso wenig vereinzelt wie die Bemerkung zur Zielsetzung des Ganzen. [19] Schon im Widmungsschreiben an seinen Schüler Bernard Maurus (Brackenheim) deutet Melanchthon auf seine gleichsam bescheidene Absicht: "Daher erschien es mir sinnvoll, in knapper Darstellung und auch das nur beiläufig festzuhalten, welches der rechte Gebrauch und Nutzen der Dialektik und welches der der Rhetorik ist und wie jenes aus ihren jeweiligen Autoren bequem gewonnen werden könne". Abschließend betont er noch einmal: "Ich aber schreibe weniges über die Rhetorik und nicht in Muße, vor allem um darzulegen, welchen Nutzen die Dialektik bringt, und daß die Erläuterungsschriften unserer Zeit in keiner Hinsicht von mir gebilligt werden", und er fügt hinzu: "Wenn sich jemand der Literatur auf dem direkten Weg zuwenden will, soll er sich gleich mit den Regeln der Rhetorik befassen, da er bei keinem Studium irgendeinen Fortschritt machen wird, wenn er sie nicht überdenkt und sich nicht angeeignet hat". [20]

Im Laufe seines Werkes weist Melanchthon immer wieder auf die absichtlich von ihm gewählte Kürze, mit der er sich bewußt auf die elementaren Regeln beschränkt [21] und die er durch andere Darstellungen zu ergänzen empfiehlt, z. B. durch Aristoteles in den Analytica posteriora zur Definition (p. 19), in per περὶ ἑρμηνείας zur propositio (p. 44-45) und in den Analytica priora zur dispositio (p. 115), [22] durch Boethius zur Definition (p. 19), durch die Dialektiker zur propositio (p. 44-45), allgemein durch die Philosophen zu den virtutes und vitia (p. 71, auch 102), durch die Juristen zu loci de suspicionibus (p. 101), durch die Rhetoriker zur insinuatio in der Lobrede (p. 50), durch Quintilian zu den Affekten (im genus demonstrativum: p. 74), durch Georg von Trapezunt zu weiteren Regeln zur Lobrede (p. 49) und weiteren Regeln zu den status im genus deliberativum (p. 78), [23] und schließlich durch Petrus Mosellanus zu den Figuren (p. 123). [24] Daneben nennt er nicht selten Werke, in denen andere einen bestimmten Bereich besonders eingehend behandelt haben (ohne ausdrücklich hinzuzufügen, daß er deswegen auf eine ausführliche eigene Erörterung verzichtet), etwa Cicero (elegantissime: p. 45) oder Rudolf Agricola (copiosissime: p. 45) [25] und besonders oft Erasmus' Copia (p. 27; 68; 70; 118; 129). [26] Auch führt er nicht nur selbst zahllose einzelne Beispiele an, sondern gelegentlich die Werke anderer Autoren wie Chrysostomos oder Platon, die reiches Übungsmaterial bieten, so daß er seinerseits darauf verzichten kann, es auszubreiten (p. 106). Wichtiger sind solche Äußerungen Melanchthons zu seinem eigenen Vorgehen, die zugleich auch seine Ziele unmißverständlich deutlich machen. Es muß genügen, eine kleine Auswahl zu zitieren.

Im Abschnitt über die Schemata, d. h. die Wort– und Satzfiguren, heißt es nach dem Hinweis auf Petrus Mosellanus (p. 123): "Mir schien es richtig, mein Vorhaben nur beiläufig (d. h. in knapper Form) durchzuführen, damit sich die Studierenden, irgendwie durch meine Darlegungen angeregt, möglichst rasch den Alten zuwenden. Ich formuliere ohne viel Aufwand, da ich ja im Hinblick auf noch Lernende und vor allem die, die ich selbst unterrichte, den Versuch machen will, ob die Rhetorik irgendwie wiederbelebt werden und jene Praxis der Alten des Deklamierens und Urteilens wieder in unsere Schulen eingeführt werden kann. Früher wurde die Dialektik so unterrichtet, daß sie in jeder Gattung (der Literatur) irgendwie nützlich war, heute lernt man diese Dinge so - und das mit großem Aufwand - daß sie nicht einmal auf irgendeine vernünftige Weise die übrigen Studien unterstützen". Und abschließend formuliert er (p. 130-131): "Meine Absicht war es, das kurz zu behandeln, was vor allem für die Heranwachsenden notwendig ist, wenn sie selbst Texte verfassen wollen, besonders für die, die bei den Dialektikern in die Schule gehen". [27]

Ergänzend seien noch zwei weitere Passagen angeführt, die erste aus dem Abschnitt über das Kommentieren: "Dies schreibe ich, um die Studierenden darauf hinzuweisen, nach welchen Maßstäben Literatur zu beurteilen ist. [28] Denn wer die Erfahrung oder die Begabung besitzt, daß er bei den Autoren zu sehen vermag, warum an dieser Stelle, warum auf diese Weise die Einzelheiten behandelt werden, den muß man für besonders tüchtig halten". Und am Ende seiner Ausführungen zur Lobrede unterstreicht Melanchthon im Anschluß an Bemerkungen zur Bedeutung der Prosopopoiie und der Geschichten von großen Gestalten: "Diese Themen bilden, wenn man sich um sie kümmert, aufs trefflichste das Verständnis für politische Fragen, um literarische nicht zu erwähnen; denn sie werden zu jeglichem Nutzen des menschlichen Lebens verbreitet, im Hinblick auf alle Tätigkeiten, öffentliche und private, ebenso auf jede Form von Literatur (und andere Texte). So soll man nicht auf diejenigen hören, die die Jugend in unpassender Weise unterrichten, also so, daß man sich um nichts weniger kümmert als um die Geschichte". [29]

Melanchthons Ziel ist also offenbar nicht, ein weiteres Handbuch der Rhetorik in üblicher Form zu schreiben, sondern der Jugend Wege aufzuzeigen, um sie vor allem mit Hilfe der rhetorischen Regeln der Alten zum Abfassen eigener Texte und zur Würdigung vorhandener Schriften zu befähigen. [30]

Auch seine Polemik gegen den verbreiteten Unterricht der Philosophen, vor allem der Dialektiker beginnt Melanchthon schon in seinem Widmungsbrief an Maurus, den er gleich in den ersten Sätzen bedauert, da jener "gezwungen werde, sich den unreinen und ungelehrten Schriften zuzuwenden, die gegenwärtig allein philosophisch genannt werden". [31] Diese Polemik durchzieht nicht nur diesen Brief (p. 3; 4; 5; 8), sondern auch die folgenden drei Bücher mit immer wiederkehrender Bissigkeit so häufig, daß es sich erübrigt, alle Passagen anzuführen. Sie wendet sich gegen die Form des allem anderen als Grundlage vorgeschalteten Dialektikunterrichtes [32] ebenso wie gegen die Aristoteleskommentare (p. 8; 31-32; 103-104), die Copulata (p. 46), Johannes Eck (p. 46; 108), Petrus Tartaretus (p. 108), [33] die commentaria dialectica (p. 10) und gegen den unzureichenden rhetorischen Unterricht, gegen die Beschränkung der Kompetenz der Rhetoren. [34]

Mit seiner Polemik steht Melanchthon keineswegs allein. Schon etwa zwei Generationen  vor ihm wird, wie etwa Th. Heath gezeigt hat, [35] sowohl der traditionelle Grammatikunterricht (auf der Basis von Donat und dem Doctrinale) als auch die Unterweisung in der Logik (Dialektik) in Frage gestellt, weil die Humanisten auch Redekunst und Dichtung pflegen wollen. Und während noch J. Eck in seinen Lehrbüchern traditionelle Elemente mit der Terminologie der Modistae und humanistischen Anregungen zu verknüpfen sucht, greift Peter Luder schon 1457 in einer Intimacio Poetae contra artistas (zu Beginn einer Terenzvorlesung) in Heidelberg die Dialektik an, weil sie die Rhetorik zu verdrängen droht. Auch andere üben Kritik an den Lehrern der Dialektik, J. Wimpfeling 1499 ebenfalls in Heidelberg, Erasmus schon früh in seinen Briefen und später in mehreren Schriften, vor allem in der Methodus, R. Agricola in seinem einflußreichen, allerdings erst 1515 veröffentlichten Hauptwerk und H. Bebel in Tübingen in mehreren Schriften, [36] schließlich fast gleichzeitig mit Melanchthon J. L. Vives in seiner Schrift In Pseudodialecticos. [37] Diese Kritik richtet sich gegen die Philosophen und deren Sprache, deren Terminologie, deren Unterricht, der auf Petrus Hispanus' Tractatus aufbaute, [38] und gegen deren Aristoteles-Kommentare, nicht etwa gegen die Dialektik selbst, deren Bedeutung Melanchthon ebenso wenig unterschätzt wie vor ihm Georg von Trapezunt oder die anderen eben Genannten. [39]

Schon in der Antike erkennt man nicht nur die grundlegende Bedeutung der Dialektik, sondern auch deren besondere Beziehung zur Rhetorik sowie die Vergleichbarkeit und Verschiedenheit beider, wie der Anfang der Rhetorik des Aristoteles zeigt und die berühmte Gegenüberstellung durch Zenon, die Cassiodor dem Mittelalter weitergibt und an die auch Melanchthon erinnert. [40] Sowohl Cicero wie Quintilian empfehlen dem Redner, sich mit der Dialektik oder der Topik vertraut zu machen; [41] und ähnlich betont Boethius die allgemeine Bedeutung und Notwendigkeit von inventio und iudicium. [42] Und im Mittelalter wird die Dialektik als grundlegende Disziplin angesehen und entsprechend im Anschluß an Augustin (ord. II 38: ars artium) charakterisiert von Johannes Scotus Eriugena als mater artium oder von Albertus Magnus als ars generalis. [43] Petrus Hispanus definiert sie in seinem weit verbreiteten und oft kommentierten Tractatus (s. A. 33), den sogenannten Summulae logicales, als ars ad omnium methodorum principia viam habens (I 1), [44] was Melanchthon noch 1547 in seinen Erotemata Dialectices zitiert: Dialectica est ars artium, scientia scientiarum, ad omnium methodorum principia viam habens. [45] Gegen die von Petrus Hispanus und seinen Erklärern ausgehende Tradition wendet sich Lorenzo Valla mit seiner Repastinatio dialecticae et philosophiae. Er bestreitet die metaphysische Basis der aristotelischen Kategorien und reduziert diese, dessen System vereinfachend, auf drei: substantia, qualitas und actio. Vor allem sucht er der Dialektik deren dominierende Stellung zu nehmen und sie als Teil der Rhetorik erscheinen zu lassen, genauer als Teil eines Teils, nämlich der inventio. [46] Agricola dagegen beschränkt die Rhetorik auf die Fragen des Stils und konzentriert sich auf die Dialektik, genauer nur einen Teil der Dialektik, die Erfindung (inventio), also ohne die Beurteilung (iudicium): [47] Ausgehend von der Voraussetzung, daß jede Rede über einen Gegenstand das Ziel hat, Hörer zu belehren (I 1), versteht er die Dialektik als "eine Kunst, über ein beliebiges Thema insoweit glaubwürdig zu reden, als das Wesen des betreffenden Gegenstandes Vertrauen einzuflößen imstande ist", [48] d. h. es geht ihm darum, wie seine weiteren Ausführungen lehren, zu einem gegebenen Gegenstand die Aspekte zu finden und zu ordnen, die es einem ermöglichen, über ihn glaubwürdig zu reden, d. h. Dritte zu belehren. [49]

Auf diesem Hintergrund ist Melanchthons Vorgehen in den De Rhetorica libri zu würdigen: seine Polemik gegen die Dialektiker und seine Wertschätzung der Dialektik. In seiner Rede von 1517 hebt er die grundlegende Funktion der Dialektik hervor, während er die Rhetorik in einem Satz abtut: "Sie ist ein Teil der Dialektik, der auf übliche Weise einige Topoi für Argumente bereitstellt" (d. h. zeigt, wo sich Argumente finden lassen), als ob dies deren einzige Aufgabe ist. [50] Dagegen spricht er in seiner Wittenberger Antrittsvorlesung (1518) von der Dialektik als einer Fertigkeit, die andere Rhetorik nennen. [51] Und in seinen De Rhetorica libri schließlich führt er Elemente der Dialektik in die Rhetorik ein (s. A. 11), greift aber zugleich schon im Widmungsbrief den Philosophieunterricht im allgemeinen und die dort vermittelte "ungeordnete Dialektik" an (dialectica illa incondita), die er als Albernheiten (nugae) charakterisiert, und setzt ihr die richtig verstandene, von ihm selbst als wichtig angesehene Dialektik entgegen (p. 4): "Denn ich schätze auch die Dialektik, und im Hinblick auf sie meine ich, daß niemand hinreichend gebildet sein kann, der sich nicht auch sie angeeignet hat" und (p. 4-5) "Von der Dialektik hängt alles ab, die, da sie die Grundlage der Studien bildet, das Übrige nach ihrer Art ordnet". [52] Entsprechend empfiehlt Melanchthon sie als ersten und grundlegenden Lehrgegenstand (p. 6): "Die Dialektik muß zu Beginn gelehrt werden", und er definiert sie (p. 6) als "eines jeden gegebenen Gegenstandes genaue und kunstvolle, d. h. den Anforderungen der Theorie entsprechende Untersuchung". [53] Weiterhin zeigt er, welche Möglichkeiten sich dem Studierenden mit ihrer Hilfe erschließen (p. 6-7), und weist zugleich auf die Notwendigkeit hin, Aristoteles und Cicero zu lesen, d. h. die Theoretiker der Antike (p. 7).

Im Sinne dieser programmatischen Äußerungen erweitert Melanchthon nicht nur die Behandlung des genus demonstrativum unter dem Stichwort docere um wesentliche Elemente der Dialektik, er verwendet für den von ihm so geschaffenen neuen Teilbereich mehrere eigene Bezeichnungen, neben genus didacticon, didacticum (p. 65; 71; 76 u. ö.) oder methodicum (p. 104) auch genus dialecticum (p. 65) und verweist auch bei der Behandlung der anderen Redegattungen mehrfach auf die grundlegende Funktion der Dialektik [54] oder einzelne von der Dialektik verwendete Termini (p. 87). Im zweiten Buch nimmt er die Anordnung der Argumente zum Anlaß, die Dialektik noch einmal zu charakterisieren (p. 110) und zwar als "präzises und sorgfältiges Beurteilen und gleichsam Überprüfen der Rhetorik" (p. 114), [55] ihren Wert zu unterstreichen und einzelne Sätze nicht nur mit Hilfe der rhetorischen Terminologie, sondern auch nach den Regeln der Dialektik einzuordnen (p. 111 und 112).

Wie kommt nun Melanchthon dazu, das docere dem genus demonstrativum einzufügen ? Nach J. W. O'Malley hat die Neubelebung des genus demonstrativum im fünfzehnten Jahrhundert zu einer Neuorientierung der Predigten vor allem zu dogmatischen Themen und zu Ereignissen aus dem Leben Jesu geführt, die sich auf die Theorie des genus laudativum, auf die "Kunst des Lobens und Tadelns" stützen. [56] In der rhetorischen Theorie werden Predigten allerdings erst gegen Ende des Jahrhunderts und nur gelegentlich berücksichtigt.

Traditionell wird dem docere zwar im Rahmen der Rhetorik eine bestimmte, wenn auch begrenzte Funktion zugewiesen; doch als Disziplin, die das docere lehrt, gilt die Rhetorik nicht, wie eine von Sextus Empiricus und Plutarch (von Athen) zitierte Definition ausdrücklich hervorhebt: "Die Rhetorik ist die Erzeugerin der Überredung durch Worte (oder Reden), die ihre Kraft in den Worten (Reden) selbst hat, überredend, nicht belehrend". [57] Und wo spätere Kommentatoren der Überzeugung (πειθώ) belehrende Funktionen einräumen, betonen sie, daß nur die διαλεκτικὴ "lehrhaft" sei (διδασκαλική), die eigentliche Rhetorik selbst jedoch "Glauben erweckend" und daß wenn man der πειθώ zwei Aspekte zubillige, der als διδασκαλική bezeichnete sich auf Beweise stütze, der "Glauben erweckende" (πιστευτική) ohne sie vorgehe. [58] Da die Rhetoriker Lehrbücher verfassen, erläutern die Kommentatoren auch die Lehrmethoden, also die Theorie und die Formen der Lehre und unterscheiden unter Berufung auf die Philosophen mehrere διδασκαλικοὶ τρόποι, einige drei, andere vier, die sich alle auf Verfahren der Logik beziehen. [59] Und in der Tat weist  schon Platon im Phaidros (265 D 3–266 C 1) das Belehren der Dialektik als Aufgabe zu, und Aristoteles schenkt ihm noch größere Aufmerksamkeit. In der Rhetorik schreibt er jeder Kunstfertigkeit die Fähigkeit zu, in Bezug auf einen bestimmten Gegenstand zu belehren und zu überreden, und grenzt die Rhetorik deutlich dagegen ab, insofern sie (nur) das πιθανόν erfaßt (und das Belehren nicht zu ihren Aufgaben gehört). [60] An der Schwelle zwischen Antike und Mittelalter schreibt Augustin in De ordine (386 n. Chr. Geb.) "Die Dialektik lehrt zu lehren und sie lehrt zu lernen" (II 38: haec [sc. Dialectica] docet docere, haec docet discere), und in seiner kleinen Schrift De dialectica definiert er sie als "Wissenschaft vom richtigen und guten Erörtern" (bene disputandi scientia); [61] und für das docere gibt er in De doctrina Christiana vor allem im vierten Buch - wenn auch nicht ohne Zögern - auf der antiken Rhetorik beruhende Regeln. [62] Denn wie nach Paulus "alles, was vormals geschrieben ist (d. h. die heilige Schrift), zu unserer Belehrung geschrieben ist" (Römer 15, 4), "muß also, wer die Heilige Schrift erläutert und lehrt, ... Gutes lehren und Böses verlernen lassen und muß bei dieser Aufgabe der Predigt die, die sich abgewendet haben, zu gewinnen suchen, die die kein Interesse haben, ermuntern, die die nicht wissen, um was es geht, mit dem vertraut machen, was sie zu erwarten haben", [63] und diese Überlegungen werden z. B. von Rabanus Maurus wörtlich in dessen De institutione clericorum übernommen. [64]

Entsprechend wird im Mittelalter das Lehren oder Belehren (docere, instruere, informare) nicht nur allgemein als Charakteristikum jeder heiligen Schrift angesehen wie etwa von Abelard, [65] sondern vor allem als zentrale Aufgabe der Predigt. Schon im Decretum Gratiani heißt es: "Jeder, der ungelehrte Gemüter lehrt und unterrichtet, muß so sein, daß er sich selbst entsprechend der Begabung der Lernenden anpassen kann", und damit werden Forderungen an den Prediger verbunden. [66] Alanus von Lille (um 1125-1203) definiert die Predigt dann als "eine offenkundige und öffentliche Belehrung über die Sitten und den Glauben, die dazu dient, die Menschen mit Hilfe vernünftiger Überlegungen und aufgrund der Autoritäten zu unterrichten", Thomas Chobham (of Salisbury, gest. um 1233) als "die Verkündung des Wortes Gottes, mit dem Ziel, über den Glauben und die guten Sitten zu unterrichten". [67] Wilhelm von Auvergne (1180-1249) spricht von den "Pflichten des Lehrens und Predigens, in denen die Schuld des priesterlichen Dienstes besteht" und bezeichnet die Predigt als "Austeilen der Wahrheit des Evangeliums", und bei dem Franziskaner John of Wales (gest. 1302) heißt es: "Die Predigt ist eine nach Anrufung der Hilfe Gottes passend eindeutige und ergebene Erklärung des gewählten Themas mittels Aufteilung und Vergleichung (,Konkordierung') mit dem Ziel, die Erkenntnis (der Hörer) zu erleuchten und deren Gefühle voll Nächstenliebe zu begeistern". [68]

Das Element des Belehrens, das zu Erkenntnissen führen soll, tritt zeitweise zurück wie einerseits die Beschreibung von Ramon Lull (um 1232-1316) zeigt, der hier wie sonst ganz eigene Wege geht: "Die Predigt ist eine sehr erhabene, sehr schwierige und sehr edle Pflicht, deswegen weil sie sich mit dem edelsten Wesen befaßt (subiective)", [69] andererseits solche Definitionen lehren wie die von Robert Basevorn (1322 ?): "Die Predigt ist eine für viele unternommene Überredung, um zu einem verdienstvollen Leben anzuleiten, innerhalb einer maßvoll begrenzten Zeit" oder die beiden von dem Benediktiner Ranulph Higden (gest. um 1365) angeführten: "Predigt heißt, nach Anrufung der Hilfe Gottes ein Thema ankündigen, das Angekündigte gliedern, das Gegliederte untergliedern, mit Gründen und Beispielen bestätigende Autoritäten heranziehen, das Herangezogene erläutern, um die Verehrung Gottes zu mehren, die kämpferische Kirche zu erklären und die Begeisterung der Menschen für Gott zu steigern, oder nach anderen: Predigt ist ein öffentliches Überreden, für viele unternommen am rechten Ort zur rechten Zeit mit dem Ziel, das Heil zu verdienen". [70] Doch etwa gleichzeitig bezeichnet der Dominikaner Jakob Fusignano (gest. 1333) in seinem Libellus artis praedicacionis den Prediger als " den als Werkzeug wirkenden Grund der religiösen Erziehung". Und in einer teilweise von ähnlichen Vorstellungen geprägten, unter dem Namen des Thomas von Aquin weit verbreiteten Zusammenstellung eines anderen Dominikaners heißt es nicht nur: "Die Predigt ist also das angemessene und passende Austeilen des Wortes Gottes"; es wird zugleich Alanus fast wörtlich zitiert. [71] Auch ein sonst nicht bekannter Autor wohl des fünfzehnten Jahrhunderts (Mauritius) stützt sich gelegentlich auf Alanus, spricht mehrfach von der Unterweisung (im Glauben) und gibt außerdem Regeln, wie man die Wunder und Leiden der Heiligen erzählen soll. [72] An der Wende des fünfzehnten Jahrhunderts zum sechzehnten bezeichnet Johann Ulrich Surgant (um 1450-1503) in seinem Manuale Curatorum nicht nur wie der Thomas von Aquin zugeschriebene Traktat die Predigt wieder als "das angemessene und passende Austeilen des Wortes Gottes", zitiert die Definition des Alanus und unterstreicht die Bedeutung des docere und der Bildung des Predigers, er bezieht sogar wichtige Aspekte der antiken Rhetorik in seine Ratschläge zur Predigt ein. [73] Das gilt in noch viel höherem Maße für Johann Reuchlin, der sich in seinem Liber Congestorum de arte praedicandi durchgehend auf die antike Theorie stützt. [74]

Denn obwohl viele der mittelalterlichen Predigtlehren gelegentlich gern antike Autoren zitieren, finden sich Spuren antiker Rhetorik nur selten bei ihnen, sieht man ab von ganz allgemeinen Bemerkungen. Rabanus Maurus greift im Abschnitt de rhetorica nur im Anschluß an Augustin und Cassiodor auf einzelne Aspekte der antiken Theorie zurück. [75] Sehr viel ausführlicher stützen sich Jahrhunderte später der Augustiner Alexander von Ashby (um 1200) und noch viel stärker Thomas Chobham (of Salisbury) auf die Rhetoriken der Antike, jedoch ohne Beachtung zu finden. [76] Solche Rückgriffe fehlen bei Guibert von Nogent (1053-1124) und Alanus von Lille, [77] und man sucht sie auch weithin vergeblich im 13. und 14. und selbst im 15. Jahrhundert. Ich nenne nur Wilhelm von Auvergne (s. A. 68), den Dominikaner Humbert von Romanis (gest. 1277), [78] Richard of Thetford, [79] John of Wales (s. A. 68), Raimundus Lullus, [80] Ps.-Bonaventura, [81] Robert von Basevorn (s. A. 70), den Dominikaner Thomas Waleys (um 1290-1349), [82] Ranulph Higden (s. A. 70), den Franziskaner Francesc Eiximenis, [83] Ps.-Thomas von Aquino (s. A. 71) oder den Franziskaner Ch. Borgsleben. [84] Allgemein folgt man dem Schema Thema, Prothema, Einführung des Themas, Aufgliederung des Themas und Erweiterung (dilatatio [85] ), und selbst der weit verbreitete, später mehrfach gedruckte Libellus artis praedicacionis des Dominikaners Jakob Fusignano (s. A. 71), der als "rein rhetorisches Hilfsbuch" und als "eine technische Anweisung für gelehrte Prediger in Klöstern und an den Universitäten" bezeichnet worden ist, [86] greift nicht auf die antike Theorie zurück, wie es Surgant oder Reuchlin zu Beginn des sechzehnten Jahrhunderts tun.

Andererseits beginnen Handbücher der Rhetorik auch erst gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts die Bedürfnisse der Prediger und der Predigt zu berücksichtigen. Jakob Wimpfeling verbindet 1499 in seiner kleinen Rhetorica ... pueris utilissima Rhetorik und Predigtlehre miteinander, indem er im Abschnitt über die Aufgaben des Redners bemerkt, daß "sich der Prediger nicht vom Redner unterscheidet" und die Pflichten des Redners auch für den Prediger gelten. [87] Und noch etwas früher führt der Franziskaner Lorenzo Gulielmo Traversagni in seiner Margarita eloquentiae castigatae ad eloquendum divina accomodata und in seiner Epitoma Margaritae castigatae eloquentiae nicht nur zahlreiche Beispiele aus der Bibel an, sondern stellt den "Säemann des Wortes Gottes" (sator verbi dei) neben den Redner (p. 218=82) und die Predigt neben Formen des genus demonstrativum, dem er besondere Aufmerksamkeit schenkt. [88]

Wir wissen nicht, welche Schriften Melanchthon beeinflußt haben. Sicher ist, daß er sowohl die rhetorischen Schriften der paganen Theoretiker aus der Antike als auch Augustins De doctrina Christiana kannte, vor allem das vierte Buch, das als De arte praedicandi bald nach 1460 mit verschiedenen Vorworten, die jeweils die Bedeutung des docere unterstreichen, in Straßburg und Mainz gedruckt wurde, [89] sicher ist, daß auch die Regula pastoralis Gregors des Großen und von den anderen Predigtlehren die Thomas von Aquino und die Henricus de Hassia zugeschriebenen sowie der Libellus artis praedicationis des Jakob Fusignano mehrfach im Druck erschienen und überall verbreitet waren, [90] und sicher ist, daß Melanchthon mit Reuchlins Liber Congestorum de arte praedicandi (s. A. 74) ebenso vertraut war wie mit den Schriften Wimpfelings; sicher ist weiterhin, daß Melanchthon die allgemeine Kritik am Dialektikunterricht der Philosophen teilte, ebenso daß er die Schriften des Aristoteles selbst, vor allem die Analytica posteriora und die anderen dialectica (wie er sie nennt: p. 7) genau kannte. Sicher ist schließlich, daß Melanchthon, wie seine Antrittsvorlesung zeigt, den verschiedenen Formen des Erläuterns, des docere und des commentari, und ihrer Bedeutung für die Ausbildung der Jugend besondere Aufmerksamkeit schenkte. Entscheidend jedoch ist, daß Melanchthon dabei, wie auch seine Antrittsvorlesung zeigt, pagane und biblische Literatur unmittelbar nebeneinanderstellt, wenn er auch den biblischen Texten eine besondere Bedeutung beimißt. [91] Er will jungen Menschen in verschiedenen Disziplinen nützen, Theologen, Juristen und anderen (cf. e. g. p. 69; 71), und die Grundlage der Theologie ist für ihn ähnlich wie für Valla, Erasmus und andere die Schriftauslegung, und deren Grundlage wiederum sind Philologie, Grammatik und Rhetorik (wie er sie versteht). [92] So erkühnt er sich, da Lehren und Erklären in den Predigtlehren ihren Platz haben, in der traditionellen Rhetorik aber kaum Beachtung finden, nicht nur diese seit Jahrhunderten vernachlässigten Bereiche in seinen De Rhetorica libri angemessen zu berücksichtigen und sie sogar sehr viel ausführlicher als die allgemein akzeptierten Aspekte zu behandeln; er verknüpft die Tradition der Predigtlehren mit der der Rhetorik, zieht zur Illustration der rhetorischen Regeln immer wieder Beispiele aus der Bibel heran (die dadurch ihrerseits rhetorisch erläutert werden) und widmet schließlich einen kurzen Abschnitt allein den besonderen Anforderungen der Predigt (103-107). Gewiß bedient sich schon Augustin in seiner Schrift De doctrina christiana der paganen Rhetorik, und ähnlich stützt sich Reuchlin in seiner Predigtlehre durchgehend auf die Theorie der antiken Rhetoriker, während Traversagni und Wimpfeling Bibel und Predigt den Weg in die Rhetorik ebnen. Doch erst Melanchthon gibt der Bibel, den sanctae historiae, den sacra und den sacrae conciones ihren Platz in einer Rhetorik. [93] Da für ihn das docere für die Verkündigung ebenso wichtig ist wie die Schriftauslegung für die Theologie, ordnet er das docere dem genus demonstrativum zu, ergänzt es durch enarrare und commentari und schafft so die theoretische Grundlage für das genus didacticon, das er dann später als eigenes, viertes genus disdascalicum neben die drei traditinellen genera stellt.

Es erübrigt sich, auf alle Passagen in den Büchern De Rhetorica einzugehen, an denen Melanchthon die Bedeutung und die Funktionen des docere erläutert oder an denen er Beispiele aus der Bibel heranzieht. Beachtung verdient, daß er zu Beginn seiner Schrift weder die Bibelexegese noch die Predigtlehre erwähnt, sondern erst nachdem er das genus demonstrativum um die "belehrende Gattung" (genus didacticon) erweitert und dieser - zögernd - mit dem Worten "vielleicht ist es erlaubt" die "erzählende Gattung" (enarratorium genus) mit den Teilaspekten "Paraphrase" (paraphrasis) und "Erläuterung" (commentari) zugeordnet hat, die er beide zum Anlaß nimmt, auf die Bibel zu verweisen (p. 30 und 33; 33-34 u. ö.). Zugleich sollte man nicht übersehen, daß er sowohl die Bedeutung der sacra, der historiae evangelicae, für die Erziehung mit Nachdruck unterstreicht, als auch neben gelegentlicher Polemik gegen die Theologen seiner Zeit (p. 120; 123, s. auch 54) Ratschläge für die Ausbildung der Theologen und deren Praxis gibt (p. 44; 69; 71, s. auch 68 und 107 [Funktion von historiae]; 89 [loci communes]) und am Ende des ersten Buches sogar den sacrae conciones einen eigenen Abschnitt widmet.

Gleich im ersten Satz läßt er dort sein Anliegen erkennbar werden: "In besonderem Maße soll die Kunst der Rede den Predigern am Herzen liegen; denn für wen ist es so nützlich, gut und richtig zu reden wie für die, denen die Gestaltung unseres Lebens (unsere Erziehung) aufgegeben ist ? Doch heute schreckt niemand mehr vor dem Studium der Beredsamkeit zurück als diese; denn sie werden in der Regel zur Tätigkeit als Priester aus der Schar des Aristoteles berufen, in keiner Hinsicht weniger ausgebildet als in den Dingen, die zu den Aufgaben eines Predigers zu rechnen sind. Was kann denn von dem, was zur Frömmigkeit gehört, was von dem, was zur Bildung gehört, wie sie dem Volk geboten wird, aus Aristoteles gewonnen werden ? Der gesamte Aristoteles, wie groß ihn auch die Engländer, die Franzosen, die Deutschen gemacht haben mit ihren faden Kommentaren treibt nur Possen. Und doch würde ich einiges bei ihm billigen, wenn es nicht durch die Unkenntnis unserer Zeitgenossen verdorben wäre". [94] Und dann beginnt er, knapp darzustellen, was ein Prediger nach seiner Meinung wissen soll. Wenn er anschließend die Predigten als darstellend oder ratend charakterisiert und fortfährt, sie lehrten entweder die Geheimnisse der Heiligen Schrift oder behandelten eine Geschichte, rieten zu etwas oder rieten von etwas ab, so knüpft er an die mittelalterlichen Definitionen an, um seine Forderungen auch mit ihnen zu begründen. Zu Beginn des zweiten Buches polemisiert er noch einmal gegen die zeitgenössischen Lehrer der Philosophie und gegen das, was man damals üblicherweise von Predigten erwartete: "Wenn man in Predigten nicht drei Thesen und ein Beispiel, wie sie die faden Possen aus Vinzentius nennen, beibringt, hat man sein Amt nicht angemessen ausgeübt". [95] Damit wird vollends deutlich, welche Überlegungen Melanchthon veranlaßt haben dieses Werk abzufassen und welche Sorgen und Wünsche ihn bei dessen Gestaltung gelenkt haben.

Er will nicht einfach ein rhetorisches Handbuch schreiben, er will Mißstände beseitigen und die rhetorische Ausbildung von Grund auf reformieren, weil sie sich teilweise auf die Brieflehre beschränkt, teilweise (nämlich das elementare Rüstzeug für sie) in den Händen der Philosophen liegt und weil ihm die Erziehung der Jugend ganz allgemein unzureichend erscheint - und deswegen geht er sehr bewußt neue, eigene Wege, wie er nicht nur in seinen ersten Reden andeutet und ankündigt, sondern auch in den De Rhetorica libri tres.

Schon in seinem Widmungsbrief deutet er eine Neubewertung der Rhetorik an, der er größere Aufgaben zubilligen will als seine Zeitgenossen, und fordert seinen Schüler in diesem Sinne ausdrücklich auf, "sich ein wenig von den verbreiteten Meinungen abzuwenden" [96] und zur früher geübten Praxis des Rhetorikunterrichts, zur Beschäftigung mit der Literatur zurückzukehren (p. 3). So verzichtet er nicht nur auf eine vollständige Darstellung des traditionellen Lehrstoffes, sondern hebt dies ebenso hervor wie die von ihm eingeführten Neuerungen, etwa die Berücksichtung des docere im Rahmen des genus demonstrativum und damit verbunden der "erzählenden Gattung" (enarratorium genus) mit paraphrasis und commentandi ratio (p. 29-33). Zwar läßt er seine "knappen Bemerkungen" (pauca) gelegentlich als fast zufällig erscheinen (p. 41: obiter incidit, ut), und seine Erörterung der "belehrenden Gattung" schließt er mit dem Hinweis, daß sie eigentlich zur Dialektik gehört. [97] Doch zeigen die häufigen Hinweise auf das docere und das von ihm eingeführte genus didacticon ebenso wie die Ausführlichkeit, mit der er diese Aspekte erörtert, daß ihn sorgfältige Überlegungen zu dieser Neuerung bewogen haben; und ein Vergleich mit der vorsichtigen Art, in der Erasmus die Theorie des Briefes um das genus familiare erweitert, [98] lehrt, wie wichtig Melanchthon seine Neuerung, sein genus didacticon ist. Daß die Unausgewogenheit hier keineswegs unbeabsichtigt ist, [99] ergibt sich aus dem Vergleich mit seinem ein wenig später erschienenen Lehrbuch der Dialektik (s. A. 51) oder mit seinen Institutiones Rhetoricae (1521), in denen zwar die Disposition auch nur sehr knapp behandelt ist, für die elocutio jedoch ausführliche Regeln gegeben werden (s. u.). Auch im einzelnen betont er nicht selten, daß er vom Üblichen abweicht, etwa wenn er die Prosopopoiien zu den Personifikationen rechnet, [100] die Bezeichnung didacticon für die causae demonstrativae der causae dialecticae vorzieht (p. 42) oder "Gemütszustände" (affectiones) nennt, was gemeinhin "Empfindungen" (passiones) heißt (p. 43). Auch sonst bedient er sich eines ungewöhnlichen Vokabulars. [101]

Damit stellt sich abschließend die Frage, wie die Eigenart der De Rhetorica libri tres zu erklären ist. Wenn ich recht sehe, ist Melanchthons Absicht nicht, das traditionelle System der Rhetorik ein wenig zu korrigieren oder zu ergänzen und die Mängel des zeitgenössischen Philosophieunterrichtes aufzuzeigen. Vielmehr will er in einer Art Programmschrift - ähnlich wie Cicero in seinen De oratore libri [102] - einige Grundfragen der Rhetorik behandeln und zugleich für eine christlich zu erziehende Jugend - nicht wie Augustin für einen doctor ecclesiasticus [103] - einer angemessenen Beurteilung der Rhetorik Bahn brechen, um deren Stellung im Unterricht an Schulen und Universitäten zu verbessern und abzusichern und den von seinen Zeitgenossen vernachlässigten, unzureichend berücksichtigten oder überhaupt übersehenen Aspekten der Rhetorik den gebührenden Platz zu verschaffen, d. h. der richtig verstandenen und gelehrten Dialektik und der Exegese, und den Nutzen der Rhetorik für alle Formen des Lehrens und Erläuterns und besonders für die Theologen und deren Aufgaben als Exegeten und Prediger zu verdeutlichen. [104] Er präsentiert die meisten Elemente der üblichen Lehrschriften, jedoch in sehr unterschiedlicher Ausführlichkeit und mit sehr eigenwilliger Prägung, die seine persönlichen Anliegen unmittelbar widerspiegeln; denn sein Ziel ist es, die Lernenden zu dem zu befähigen, was ihm wichtig erscheint, Texte aus der Bibel und andere Texte mit Hilfe der rhetorischen Schriften der Antike zu verstehen, zu paraphrasieren, zu kommentieren und zu beurteilen und selbst eigene Texte zu verfassen und zu lehren. Zugleich zeigt sich hier, wie auch in der Wittenberger Antrittsvorlesung, [105] daß Melanchthon seine theologischen Anliegen, seine Überzeugung, daß die Bibel und deren Auslegung neben die Interpretation paganer Texte zu rücken sei, nach Wittenberg mitbringt, und nicht erst dort etwa unter dem Einfluß Luthers entwickelt.

Fragt man ergänzend, welche Wirkung Melanchthons De Rhetorica libri tres gehabt haben, wie seine Vorschläge und Überlegungen aufgenommen worden sind, wie weit sie sich durchgesetzt haben, ob sie allgemein anerkannt worden sind, so ist dreierlei zu unterscheiden: erstens die Fortentwicklung seiner Ideen in seinen eigenen Schriften, zweitens die Rezeption bei seinen Schülern und schließlich die Berücksichtigung außerhalb seines unmittelbaren Wirkungskreises. [106] Seinem 1520 gedruckten Abriß der Dialektik schickt Melanchthon einen Widmunsgbrief an J. Schwertfeger voraus, in dem er zum einen bemerkt, er habe die Rhetorik im vergangenen Jahr eher hingeschüttet als verfaßt, zum anderen er habe ihr, den Erfordernissen der Sache entsprechend, einiges über die Dialektik beigegeben. [107] Die Compendiaria Dialectices Ratio selbst gibt ihm mehrfach Gelegenheit, die Zuverlässigkeit der Ergebnisse der Dialektik im Gegensatz zu denen der Rhetorik zu betonen (fol. A IIr; D Iv; IIv) und damit den Wert der Dialektik für das docere; [108] dagegen bleibt das von ihm eingeführte genus didacticum unerwähnt. Das gilt auch für die umfangreichere Neubearbeitung der Dialektik, die Melanchthon 1528 in Hagenau veröffentlicht. Wieder deutet er auf die Unterschiede zwischen den beiden artes, [109] verweist aber auch auf Überschneidungen z. B. bei den status und loci [110] und spricht mehrfach von rhetorischen Ausdrucksmitteln. Im Abschnitt über das Auffinden der loci erwähnt er Fälle für das Ratgeben (causae suasoriae) und Fälle für das Urteilen (causae iudiciales), nicht aber für das Darlegen (causae demonstrativae), und von seinem neuen genus didacticum ist nirgends die Rede. Das gilt ebenso für die 1547 publizierten Erotemata Dialectices (s. A. 11).

In den von ihm diktierten, nicht selbst verfaßten Institutiones Rhetoricae unterscheidet Melanchthon einleitend vier Aufgaben derer, die reden wollen (partes disserentium), "Finden, Urteilen, Ordnen und Formulieren" (invenire, iudicare, disponere und eloqui), und nennt dann zu Beginn der Erörterung der inventio wie selbstverständlich vier Arten von Redegegenständen oder Fällen, den, der eine Darlegung, den, der Lob oder Tadel, den, der Ratschläge und den, der ein Urteil zum Inhalt oder Ziel hat (Dialecticum, demonstrativum, deliberativum und iudiciale). Doch läßt er indirekt - wohl unbewußt - erkennbar werden, daß sich das genus dialecticum von den übrigen unterscheidet. Denn er gibt sowohl für das einfache Thema (z. B. iustitia) wie für das zusammengesetzte die loci oder organa argumentorum an, d. h. die Werkzeuge für die Argumentation, nicht ohne zugleich auf die Dialektik zu verweisen und sie von der Rhetorik abzugrenzen (fol A IIr-v). Erst das genus demonstrativum nimmt er dann zum Anlaß, auf die antike Theorie der Rhetorik zurückzugreifen, die Redeteile und die dazugehörenden Empfehlungen (mit Beispielen: fol. A IIv-B Iv); und ebenso verfährt er beim genus deliberativum (fol. B Iv-IIv) und beim genus iudiciale (fol. B IIv-C Iv). Ohne auf das von ihm eingangs genannte "Beurteilen des Gefundenen" (iudicare) einzugehen, erörtert er sehr knapp das "Ordnen" (disponere), das sich nicht leicht in Regeln fassen lasse, und gibt dann dem Formulieren, der elocutio, mehr Raum als der inventio. Auf einen gesonderten Abschnitt zur Predigt verzichtet er hier. Mag diese Schrift insgesamt ausgewogener und geschlossener erscheinen als die De Rhetorica libri tres und daher viel Anklang gefunden haben; [111] das eingangs eingefügte genus didacticum wirkt wie ein Fremdkörper, der nicht voll integriert ist.

Die unverminderte Geltung der traditionellen Dreigliederung der Rhetorik zeigt sich auch in Melanchthons Schriften der folgenden Jahre, ebenso wie die Probleme deutlich werden, die sich aus der Verknüpfung von Rhetorik und Predigtlehre und aus der Einführung des genus didacticum ergeben. In der 1529 verfaßten, um 1533 zuerst gedruckten Schrift De officiis concionatoris stellt er einleitend fest, daß das System des Predigens Abbild der Theorie der Rede sei, und er deswegen einige Formen der Predigt der Rhetorik entliehen habe. [112] Zugleich betont er, daß beim Predigen ganz auf das genus demonstrativum zu verzichten sei, da das Lob nie das wesentliche Element einer Predigt sein dürfe (fol. 115v = p. 6); und auch das genus iudiciale übergeht er, weil der Prediger nicht mit loci aus Prozeßreden streite, sondern aufgrund der Autorität der Heiligen Schrift und diese durch das genus didacticum bereitgestellt würden (fol. 116r = p. 6-7). Entsprechend schlägt Melanchthon zu Beginn vor, drei Arten von Predigten zu unterscheiden, "die belehrende, die ermunternde, die zum Glauben, und die ratende, die zu guten Sitten ermahnt"; [113] und dem genus didacticum widmet er dann eine ausführliche Darstellung mit Untergliederung in interpretatio (Texterklärung, d. h. enarratio) und methodus (Lehre, d. h. doctrinae summa), die aus der Lektüre der Schrift zu gewinnen ist (fol. 116r-122r = p. 7-14).

Später hat sich Melanchthon noch mehrfach zur Predigt geäußert, jedoch ohne auf das genus didacticum zurückzukommen. [114] In der zweiten auch gedruckten Schrift De modo et arte concionandi nennt er einleitend als "Ziel einer jeden Predigt, daß sie entweder Hörer über die Lehren (der Kirche) unterrichtet oder die Gemüter zu einer Stimmung hinführt, zum Glauben an Christus oder zur Furcht"; [115] und er unterscheidet dann zwei bzw. drei Predigtarten, eine dem Lehren gewidmete mit der Untergliederung in Catechesis, d. h. methodische Erklärung der Glaubensartikel (fol. 122v = p. 34: methodica enarratio articulorum fidei), und interpretatio scripturae, die er ausführlich erläutert (fol. 123v-140r = p. 35-51), und die andere (bzw. dritte), die Ermahnung (Adhortatio: fol. 140v-144r = p. 51-55). Dagegen bedient er sich in den nur handschriftlich erhaltenen Überlegungen Quomodo concionator novitius concionem suam informare debeat sogar der Kategorien definire und dividere, causa efficiens und causa formalis, die an die mittelalterlichen Predigtlehren erinnern (p. 17 und 18-19), und warnt zugleich vor der Gleichförmigkeit, die sich aus der Anwendung der Regeln von Rhetorik und Dialektik ergibt, ohne diese jedoch zu verwerfen (p. 24-25).

Während Melanchthon das genus didacticum also in seinen Bemerkungen zur Predigt allmählich zurücktreten läßt, [116]   gibt er ihm in seinen Elementorum Rhetorices libri duo von 1531 endgültig einen eigenen festen Platz. [117] Nach einleitenden Überlegungen zum Nutzen der Rhetorik vor allem für die Jugend (fol. A 5r-6r, s. A. 104), nach Definitionen (fol. 6r-v) und einem Abschnitt über den Unterschied zwischen Dialektik und Rhetorik (fol. 7r-8r), dessen Klärung Melanchthon angesichts ihrer Verwandtschaft offenbar weiterhin wichtig ist, wendet er sich den traditionellen drei genera causarum zu, zögert aber nicht, seine eigene Auffassung vorzutragen, "daß die lehrende Gattung ( διδασκαλικόν ) hinzuzufügen sei, die, wenn sie auch die Dialektik betrifft, doch nicht übergangen werden darf, wenn die Arten der Redegegenstände durchmustert werden, zumal sie heutzutage gerade vielfach Verwendung in den Kirchen findet, wo nicht nur ratgebende Predigten gehalten werden, sondern viel häufiger Hörer mit Hilfe der Dialektik über die Lehren des Glaubens unterrichtet werden müssen, damit sie sie in vollkommener Weise erkennen können. Es ist aber das διδασκαλικὸνgenus jenes Verfahren des Lehrens, das in der Dialektik überliefert wird, deren Teil die Rhetoren im begriffsbestimmenden Status bewahrt haben. Es steht auch das genus demonstrativum dem διδασκαλικὸν genus nahe. Denn meistens geht es im genus demonstrativum um eine Begriffsbildung, die aber durch Redeschmuck verschönt wird, damit sie wie ein Bild von Unerfahrenen leichter erfaßt werden kann". [118] Und dafür nennt Melanchthon dann den 109. Psalm als Beispiel; ergänzend fügt er noch Einzelheiten zum genus demonstrativum und zum genus deliberativum an, nicht zum genus iudiciale (fol. B 1r-v).

Dieser knappen Rechtfertigung und Illustration durch einen Psalm läßt Melanchthon allgemeine Bemerkungen zum Nutzen, welche die Kenntnis der genera bringt, folgen (fol. B 1v-3r), in denen er bezeichnenderweise nicht nur allgemein von demjenigen spricht, der in der Kirche zu lehren hat (fol. B 1v und B 2v); er veranschaulicht das Ziel des genus didascalicum (wie er es jetzt nennt), die Erkenntnis, hier durch zwei aus dem Wirken des Predigers gewählte Beipiele (fol. B 2r-v). Und im Abschnitt, den er dann dem genus didascalicum widmet, läßt er erneut dessen enge Beziehung zur Dialektik hervortreten, vor allem aber den Grund dafür, daß er dieses genus eingeführt hat. Zur Erläuterung zieht er nämlich fast nur religiöse Begriffe ("Reue", "Glaube", "christliche Gerechtigkeit", "Evangelium") heran oder Probleme, die sich aus der Bibelerklärung oder theologischen Streitgesprächen ergeben (fol. B IIIr-5r). Auch andere Teile der Elementorum Rhetorices libri zeigen, wie sehr Melanchthon bemüht ist, Theologen und Prediger und deren Aufgaben zu berücksichtigen; doch nirgends wird dies so deutlich wie durch die Einführung des genus διδασκαλικόν .

  Natürlich hat sich Melanchthon selbst in seinen Kommentaren überall der Kategorien der Rhetorik und Dialektik bedient. [119] Hier kann nur kurz deren Anwendung bei der Erläuterung der Bibel und vor allem die von ihm eingeführten Begriffe berührt werden. Auf das γένοζ διδακτικόν oder genus didacticum greift er etwa zur Charakterisierung des Römerbriefes oder des Galaterbriefes zurück; [120] daneben nennt er den Römerbrief in den Annotationes ... in Epistolas Pauli Ad Rhomanos Et Corinthios (Wittenberg 1522) eine epistola didactica (fol. M IIr) und im argumentum zu seiner Dispositio orationis in Epistola Pauli ad Romanos ordnet er ihn dem genus didacticum zu (fol. 49v). [121] In seinem späteren Kommentar zum ersten Korintherbrief erörtert er nicht nur in einem Exkurs zu 14, 3 die drei Predigtformen (genera concionum), die Paulus nach seiner Meinung unterscheidet, und nennt die species διδασκαλική neben der adhortatio und der consolatio; [122] er bemerkt einleitend, daß der erste Korintherbrief viele verschiedenartige Gegenstände aufhäuft und fährt fort: "Jedoch gehört das ganze Werk zum genus suasorioum, weil es dort Vorwürfe und Mahnungen gibt, Vorschriften über verschiedene Aufgaben, und damit verknüpft sind hier und da Reden, die lehrhaft sind, zum genus didascalicon gehörig". [123] Außerdem spricht er von einer einzelnen Passage (Röm. 5, 2) als von einem locus didacticus. [124] In seinen ebenfalls späten Erklärungen der Psalmen [125] teilt er diese zu Beginn einer Deutung des 51. Psalms in verschiedene Gruppen ein und ordnet einige dem genus διδασκαλικόν zu: "Es gibt also prophetische Psalmen, die zum genus διδασκαλικόν gehören; sie lehren, wer der Messias ist und was seine Wohltaten sind, wie Psalm 2, 110 (109), 45 und 72, andere haben die Lehre vom Gesetz zum Inhalt, z. B. über die Eintracht, andere lehren, was die Kirche ist und wo sie ist, wie Psalm 84, andere sind Tröstungen, andere Danksagungen, andere erbitten Vergebung der Sünden und andere Erlösungen. Es können die Tröstungen und Bitten zum genus suasorium gerechnet werden, wie Psalm 51", und er fährt dann mit der Bemerkung fort, die Gattungen verbänden sich miteinander. [126] An etwas früherer Stelle im Psalmenkommentar bemerkt er: "Die Arten der Psalmen müssen aufgegliedert werden, einige sind Prophezeihungen, d. h. Berichte von der Verheißung vom Sohn Gottes wie Psalm 2 ..., 44 ..., 71 ... und 110 ..." und "sie können zum genus demonstrativum oder διδασκαλικόν  gerechnet werden und zum finitivus status". [127]

Im Anschluß an Melanchthons späte Psalmenerklärungen sind im Corpus Reformatorum erst die Enarratio Psalmi Dixit dominus et aliquot sequentium, dann die Enarratio Psalmorum. Dilexi. Credidi, propter quod locutus sum. Confitemini abgedruckt, die Caspar Creuciger 1546 bzw. 1542 in Wittenberg veröffentlicht. [128] Auch er unterscheidet drei Gruppen von Psalmen, und wenn er auch neben "prophetische oder lehrhafte Psalmen" (prophetici seu didascalici) das genus suasorium und das genus νομικόν stellt, [129] ist der Einfluß Melanchthons auf seinen Schüler und Freund offenkundig, ebenso auch sonst bei der Erklärung der Psalmen [130] und im Kommentar zum ersten Timotheusbrief; der unter seinem Namen veröffentlichte Kommentar zum Johannesevangelium stammt von Melanchthon selbst. [131]

Es ist natürlich nicht möglich, hier die Werke aller Freunde und Schüler Melanchthons zu besprechen, und auch die zahlreichen Predigthandbücher des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts können hier nicht alle berücksichtigt werden. Es muß genügen, einige Beispiele anzuführen, um das Ausmaß von Melanchthons Einfluß wenigstens anzudeuten.

Wie Cruciger studiert auch dessen Altersgenosse Erasmus Sarcerius in Wittenberg und tritt dort mit Melanchthon in Verbindung. [132] Als Rektor in Siegen veröffentlicht er 1537 Lehrbücher der der Dialektik und der Rhetorik. In die Rhetorik nimmt er das genus didascalicum bzw. dialecticum auf, [133] und in seiner Methodus in praecipuos scripturae divinae locos, ad nuda didactici generis praecepta composita (Basel 1538) erscheint das didacticum genus schon im Titel. In seiner Vorrede wendet er sich ausdrücklich gegen diejenigen, "die Dialektik und Rhetorik, ... einzigartige Gaben des Heiligen Geistes, aus der Heiligen Schrift (und deren Erklärung) vertreiben" (fol. 2v), [134] betont die rhetorischen Qualitäten der Heiligen Schrift (fol. 2v-3r) und interpretiert als Beleg erst das sechste Kapitel des Matthäusevangliums (fol. 3r-4r), dann den Brief an die Philipper (fol. 4r-6r). Schließlich erklärt er, er habe die wichtigsten loci der Schrift nach dem genus διδακτικόν zusammengefaßt, um diese Methode den jungen Theologen zu empfehlen, und beschreibt sie als das genus, "durch das die Gegenstände mit Hilfe von Definition, Gründen, Teilen, Wirkungen, Verwandtem oder Gegenteiligem erklärt werden". [135] So ist es nicht überraschend, daß er in seiner postum in deutscher Sprache veröffentlichten Predigtlehre [136] die Anwendung der Methode, d. h. der Rhetorik und Dialektik, und damit seine beiden Handbücher ebenso empfiehlt wie die Werke von Agricola, Reuchlin, vor allem Melanchthon [137] , Aepinus und Artipoeus, [138] und zwar für die Praxis des Predigens und des Lehrens, aber auch für das eigene Studium (fol. Vv-VIv); ausdrückliche Hinweise auf das genus didascalicum finden sich nicht.

Ähnlich wie Sarcerius folgen auch der etwa gleichaltrige Georg Meier (Major: 1502-1574) und der um eine Generation jüngere David Chytraeus (Kochhafe: 1530-1600) dem Vorbild des Meisters in ihren Lehrbüchern und ihren Bibelerklärungen. Major wird eine große Zahl von Kommentaren zu den neutestamentlichen Briefen und einigen Psalmen verdankt, [139] dazu früh veröffentlichte Quaestiones Rhetoricae ex libris M. Ciceronis, Quintiliani et Philippi Melanch. [140] Bei der Erläuterung der Briefe beschränkt sich Major weitgehend darauf, die loci herauszustellen und durch Hinweise am Rand rhetorische Figuren oder die Struktur der Argumentation zu verdeutlichen. Den zweiten Timotheusbrief ordnet er zwar dem genus suasorium zu, betont aber ausdrücklich, daß sich loci des genus dialecticum damit verbänden (fol. 13v). Und im postum herausgegebenen und mit rhetorischem Apparat versehenen Psalterium Davidis sind die Psalmen in sechs Gruppen gegliedert [141] : "prophetische, lehrende (didascalici), ermahnende, historische, bittende und dankende ( προσευκτικοὶ καὶ εὐχαπιστικοί ) und tröstende" (fol. 4r-5v) und dann in einer etwas anders angeordneten Liste einer dieser Gruppen zugeteilt. [142] Bei der Erörterung der einzelnen Psalmen sind einerseits noch weitere Gruppen eingeführt wie ἐπαινετική , oder Mischformen wie εὐκτικὴ καὶ διδασκαλική , andererseits Zuweisungen vorgenommen, die mit der genannten Liste nicht übereinstimmen (etwa Psalm 1: genus didascalicum [fol. A 1r], vorher: bei den consolatorii und paraenetici: fol. 8r-v). Als διδασκαλικός werden z. B. die Psalmen 11, 14, 15 und andere charakterisiert, als εὐκτικός und διδασκαλικός die Psalmen 4 und 7 und Psalm 31 als εὐκτικός , εὐχαριστικὸς und διδασκαλικός.

Auch in seinen Homilien greift Major auf Melanchthon und dessen Rhetorik und Dialektik zurück, auch auf dessen Neuerung, etwa zum dreizehnten Kapitel des Römerbriefes:"Dieser erste Teil des Paulusbriefes ist belehrend, der die vielfältige und mannigfache Lehre enthält", und er setzt dies in Beziehung zu den beiden Aufgaben des Geistlichen, der Lehre und der Mahnung ( διδασκαλία καὶ παράκλησις : doctrina et exhortatio). [143]

Auch David Chytraeus verfaßt in jungen Jahren ein rhetorisches Handbuch, Praecepta rhetoricae inventionis, [144] nachdem er, wie er im Widmungsschreiben bemerkt, ergänzend zu seinen theologischen Vorlesungen seinen Studenten Melanchthons Rhetorik erklärt und durch Beispiele verdeutlicht hat (p. 2, fehlt 1576). Auch für ihn ist es selbstverständlich, (nach ausführlichen Vorbemerkungen [145] ) vier Arten von Redegegenständen anzunehmen, classes, wie er sie nennt, oder genera causarum, und zwar das " διδασκαλικόν seu doctrinale, das die Methode zeigt, wie alle Themen zu behandeln sind, über die andere zu belehren sind", [146] genus demonstrativum, genus deliberativum und genus iudiciale. Gleich anschließend zählt er dann Beispiele auf, zuerst aus dem Alten Testament, bezeichnenderweise für das genus διδασκαλικόν ausschließlich Psalmen: Beschreibungen von Person, Aufgaben, Königtum, Leiden und Auferstehung Christi, [147] Beschreibungen der Kirche (1; 118; 83; 8; 86), Lehre über die Sünde sowie die Ursache von Sünde und Tod (13; 89), Vergebung der Sünden und Rechtfertigung (31; 129; 51[1576: 50]), über den Glauben oder das in Gott zu setzende Vertrauen (90; 77; 61; 30; 4), den wahren Gottesdienst und die guten Werke (49; 80; 14; 111; 115), über den politischen und wirtschaftlichen Zustand (100; 126; 143; 127) und über die Pflichten der Priester (133; 134) und entsprechend für die anderen genera (fol. B 7r-C 1r = p. 36-38). Von den Büchern des Neuen Testamentes ordnet er die Evangelien mit der Geschichte und den Lehrern Jesu dem genus demonstrativum zu, von den Briefen des Paulus dem genus didascalicon die Briefe an die Römer, an die Galater (außer Kapitel 1 und 2), den ersten an Timotheus, an die Epheser, an die Kolosser und an Titus, dem genus suasorium seu deliberativum die Briefe an die Philipper, an die Thessalonicher, den zweiten an Timotheus, an die Hebräer und den ersten an Petrus, dem genus iudiciale den ersten Brief an die Korinther (jedenfalls die Vorwürfe am Anfang), die Rechtfertigungen in den ersten beiden Kapiteln des Galaterbriefes und die im zweiten Brief an die Korinther. Ergänzend bemerkt er, daß sich am Schluß jeweils moralische oder politische oder ökonomische Vorschriften finden oder solche über kirchliche Zeremonien. Erst nach einem Hinweis auf das vierte Kapitel des ersten Timotheusbriefes, in dem Paulus zwei Formen von Predigten unterscheide, die belehrende im genus didascalicum und die Ermahnung im genus suasorium (fol. C 1r–3r = p. 38-42), läßt er Beispiele aus Cicero und Livius und Thukydides folgen (fol. C 3r–5v = p. 42-46).

Wie diese einleitende Partie ist auch der erste, dem genus didascalicum gewidmete Abschnitt (fol. C 5v–F 1v = p. 48-90) von dem Bemühen des Verfassers geprägt, die von Melanchthon gegebenen Vorschriften zu verdeutlichen und deren Verständnis durch Beispiele sicherzustellen. Zugleich zeigen sich hier, wie schon vorher die Probleme, die das neue genus mit sich bringt. Mit fast entwaffnender Offenheit kennzeichnet Chytraeus das genus didascalicum gleich zu Beginn als " Methode des Lehrens, die in der Dialektik vermittelt wird", [148] während er vorher formuliert: "Von den Paulusbriefen gehören folgende zum genus didascalicon oder zum bestimmenden Status des genus iudiciale, der Teil des genus didascalicum ist" [149] und dann nicht einen Brief dem genus demonstrativum zuweist. Nach zahlreichen Beispielen aus der Bibel und aus heidnischen Autoren, die anders als bei Melanchthon breit ausgeführt werden, schließt Chytraeus mit einigen Mahnungen und erinnert daran, daß "das genus didascalicum die Lehre jener Methode ist, die am Ende des ersten und im gesamten vierten Buch der Dialektik des Melanchthon gelehrt wird" (fol. E 7v = p. 84-86), [150] fügt allerdings hinzu, daß die loci des genus didascalicum auswendig zu lernen seien, da sie helfen, jeweils den Redestoff zu finden und zu ordnen; und er erklärt nicht nur knapp deren Anwendung, sondern hebt auch hervor, daß diese Methode die Quelle sei, von der sich die anderen genera ableiten, und daß sie allein in Melanchthons Rhetorik gelehrt würden. So schwankt das genus didascalicum wie bei Melanchthon auch bei Chytraeus zwischen Rhetorik und Dialektik. Am Ende wendet sich Chytraeus noch den Auslegungen (enarrationes) der Autoren und Schriften zu, die er dem genus didascalicon zurechnet, da sie didaktisch sind wie Ciceros De officiis, Aristoteles' Ethik oder Paulus' Brief an die Römer oder historisch wie Livius, Vergil, das erste Buch Moses, die Bücher der Könige oder die Evangelien, und gibt einige praktische Hinweise (fol. E 8v-F 1v = p. 88-90).

Die weiteren Hauptabschnitte von Chytraeus' Praecepta sind genus deliberativum (fol. C 1r-5v = p. 92-126), genus demonstrativum (fol. H 6r-K 6r = p. 128-160) und genus iudiciale (fol. K 6r-O 3r = p. 162-192) und der dispositio (fol. O 3r-P 1v = p. 194-210) gewidmet, ein Anhang der Anordung der philosophischen Gemeinplätze (fol. P 1v-Q 1r = p. 212-226). Deutlicher als bei irgendeinem anderen Autor hat Melanchthons Neugestaltung der Rhetorik, die Betonung der grundlegenden Bedeutung der Rhetorik für die Lehre und der loci für die Rhetorik hier ihren Niederschlag gefunden in einer Zeit, in der Petrus Ramus inventio und dispositio wieder ganz für die Logik in Anspruch nimmt und elocutio und pronuntiatio in den Mittelpunkt der Rhetorik rückt. [151] Dagegen spielen für Chytraeus die loci communes eine zentrale Rolle bei der Erläuterung eines Textes neben der Erklärung des Aufbaus und der Formulierungen, wie eine Bemerkung in den Prolegomena zur In Genesin Enarratio zeigt: "und weil es bei der Erklärung der Heiligen Schrift sehr nützlich ist, die wichtigsten Stellen zu den Loci communes in Beziehung zu setzen, die die Gesamtheit der christlichen Lehre umfassen, ferner die Reihenfolge der Glieder (der Argumentationen) aufzuzeigen, und die einzelnen Wörter, Formulierungen und Redefiguren der göttlichen Rede mit Hilfe der sprachlichen Quellen und der rhetorischen Vorschriften und durch Vergleich mit ähnlichen Zeugnissen der Heiligen Schrift zu erläutern, werde ich versuchen mit Gottes Hilfe diese Aufgaben des Interpreten zu erfüllen"; und entsprechend diesem Programm sind die verschiedenen Erläuterungen biblischer Bücher von Chytraeus gestaltet. [152]

Hat Melanchthon mit seiner Neugestaltung der rhetorischen Theorie auch über seinen  Schülerkreis hinaus gewirkt auf die allgemeine Entwicklung der Rhetorik, auf die Auslegung der Bibel, auf die Predigtlehre ? Wieder können und sollen nur einige Beispiele genannt werden. So  erwähnt etwa Johannes Caesarius Melanchthon noch nicht in seiner Dialektik (zuerst vielleicht 1525 gedruckt, sicher 1526), auch nicht in späteren Auflagen, in der er Valla, Agricola, Erasmus, Vives und viele andere aufführt, wohl aber in seiner 1534 erschienenen Rhetorik, jedoch nicht das genus didacticum. [153] Andererseits gibt Martin Crusius, der 1559-1609 in Tübingen vor allem Griechisch und später auch Rhetorik lehrt, Melanchthons Rhetorik mit katechetischen Fragen und knappen Erläuterungen heraus, und sucht durch seine Antworten viele durch das genus didascalicon aufgeworfene Probleme (Herkunft, Notwendigkeit, Funktion, Verhältnis zu den anderen genera und zur Dialektik) zu lösen. [154]

In die Bibelerklärung führt schon Lorenzo Valla philologische Methoden ein, Erasmus, Jacques Lefèvre d'Etaples und andere knüpfen an ihn an, [155] und so breiten sich verschiedene Formen philologischer und rhetorischer Interpretation der Bibel im sechzehnten Jahrhundert so allgemein aus, daß es nicht möglich ist, den Einfluß eines einzelnen mit einiger Gewißheit nachzuweisen, wie etwa die Untersuchungen von S. Hausammann zu Heinrich Bullinger zeigen. [156] Zwar wird man nicht bezweifeln, daß Melanchthons Kommentare und Handbücher viel zur Verbreitung dieser Methode der Erklärung beigetragen haben; doch ist sie fraglos vielfach auch unabhängig von ihm angewendet worden und andererseits hat sie sich keineswegss überall durchgesetzt. Vielmehr bleiben schon im sechzehnten Jahrhundert manche Kommentatoren unberührt von ihr, und mit dem Verfall der Rhetorik konnte sie ganz in Vergessenheit geraten. [157] Nur die Verwendung des genus didascalicum dürfte mit Sicherheit auf Melanchthon zurückführen zu sein, dessen sich z. B. Bugenhagens Schüler Johannes Aepinus (1499-1553) in seiner In Psalmos Davidicos enarrationum ... Decas prima bedient. [158]

Am ehesten scheint es bei den Predigtlehren möglich, die Frage zu beantworten, ob Einfluß Melanchthons vorliegt oder nicht. [159] Auch Erasmus modifiziert das System der drei genera causarum, jedoch mit größerer Vorsicht als Melanchthon und nur im Rahmen einer Anweisung für Prediger. In seinem nach vielen Vorarbeiten und langem Zögern veröffentlichten Ecclesiastes [160] betont auch er die zentrale Rolle, die das docere für den Prediger spielt. [161] Nachdem er im ersten Buch zahlreiche allgemeine Forderungen genannt hat, die an einen Prediger zu stellen sind - der Untertitel lautet De dignitate, puritate, prudentia, caeterisque virtutibus Ecclesiastae (769 A-848 D) -, wendet er sich im zweiten (847 F-952 C) dessen Aufgaben  beim Predigen zu (858 A: officia in dicendo). Er schließt zunächst das genus iudiciale als unwichtig für den Prediger aus, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß etwa die Statuslehre auch für das genus suasorium nützlich sei (mit mehreren Beispielen: 858 B-E), und zählt dann die zum genus suasorium gehörenden Tätigkeiten des Predigers auf: "Er befaßt sich vor allem mit Lehren, Zureden, Ermutigen, Trösten, Rat Geben und Mahnen". [162] Von jeder gibt er eine knappe Charakteristik und stellt dabei das docere zurück, da es zu allen Redearten gehöre. Anschließend geht er auf das genus encomiasticum ein (859 A-E), ehe er sich erneut dem docere zuwendet, das er allerdings vor allem zum Anlaß nimmt, es vom delectare abzugrenzen, dem er sich mit gewisser Ausführlichkeit widmet, während er für das flectere auf eine spätere Erörterung verweist (859 F-861 E). In der Erörterung der Redeteile nutzt er die Argumentation, um das genus suasorium und das genus laudativum (880 D-886 B) zu behandeln und für das genus suasorium (877 F-880 D) mehrere Teilbereiche neu einzuführen: ein genus exhortatorium (886 B-888 C), ein genus consolatorium (888 C-889 D) und ein genus admonitorium/ obiurgatorium (889 E-892 E), das er auch ἐπιτιμητικόν oder νουθητικόν nennt. So bleibt Erasmus einerseits der Tradition der mittelalterlichen artes praedicandi verpflichtet, da er über die zu fordernde Lebensweise und die Bildung eines Predigers handelt, andererseits der Tradition der Antike, da er an den vertrauten drei genera causarum festhält. Doch zugleich weicht auch er angesichts der besonderen Aufgaben eines Predigers deutlich von der Überlieferung ab, indem er auf das genus iudiciale verzichtet, das genus demonstrativum auf das laudare beschränkt und das genus deliberativum (suasorium) durch die Teilbereiche des Ermunterns, Tröstens und Ermahnens ergänzt. Wenn er damit ähnlich wie Melanchthon seine Selbständigkeit und Originalität erweist, so ist er mit seinen Neuerungen von diesem doch ganz unabhängig. Daß er weder das Rat Geben (consulere) wieder aufgreift noch dem docere die Aufmerksamkeit widmet, die man nach seiner Ankündigung erwartet, [163] und auf eine klare Systematik und auf eine knappe Darstellung verzichtet, war für die Verbreitung seines Werkes sicher nicht förderlich.

Systematischer geht Andreas Gerhard (Hyperius: 1511-1564), ein Schüler von  Johannes Sturm, vor, der 1553 in Marburg De formandis concionibus sacris seu de interpretatione scripturarum populari libri II veröffentlicht, die er 1562 in stark erweiterter Form erneut herausgibt. [164] Eingangs trennt er zwei Formen der Schrifterklärung, eine gelehrte (scholastica), in der "das meiste nach dialektischer Kürze und Einfachheit vollbracht wird", und eine volkstümliche (popularis), " in der Fülle und Reichtum des Ausdrucks ein Höchstmaß an Charme verleiht". [165] Zu Beginn des zweiten Buches kritisiert er die Anwendung der drei traditionellen genera causarum auf die Predigt [166] und führt unter Berufung auf den Apostel Paulus (d. h. 2 Timotheus 3 und Römer 15) fünf Formen der Predigt ein, "deren erste lehrhaft genannt werden wird, die zweite widerlegend, die dritte erziehend, die vierte verbessernd, die fünfte tröstend". [167] Was von den Rednern unter dem genus iudiciale behandelt wird, so fährt er fort, kann redargutio oder correctio zugeordnet werden, was unter dem genus deliberativum und demonstrativum der institutio. Und er fügt ausdrücklich hinzu, "was auf die lehrende und ebenso auf die tröstende Gattung bezogen wird, das haben die Rhetoren nicht, da sie ja den gesamten Bereich des Lehrens und Tröstens auf die Philosophen, die Bewohner von Universitäten und Schulen ... abgewälzt haben". [168] Anschließend nennt er diesen genera entsprechende status (117-118; 57-59). Schon in der ersten Fassung wird das genus doctrinale seu didascalicum ausführlicher behandelt als die übrigen genera, [169] ergänzt übrigens durch ein sechstes, nur in der zweiten Auflage (57) vorher angekündigtes genus mixtum (189-190; 421-422); in der erweiterten gilt die Aufmerksamkeit des Autors vor allem dem genus didascalicum oder doctrinale. Auch in seinen übrigen Schriften spricht Hyperius mehrfach vom genus didascalicum [170] und in seinen Kommentaren z. B. zu den Paulusbriefen ist er bemüht, jeweils das genus anzugeben, nicht ohne bisweilen auf die von ihm eigentlich verschmähten genera, iudiciale und deliberativum, zurückzugreifen [171] Auf Melanchthon nimmt er nirgends Bezug, und wenn er dessen Schriften auch fraglos kennt und durch sie zu seiner Kritik am überlieferten System angeregt worden ist, so geht er doch seine eigenen Wege und schafft selbständig eine Theorie, die weite Verbreitung findet. Welche Bedeutung Hyperius' Predigtlehre allgemein beigemessen wird, zeigt sich nicht nur darin, daß sie sowohl ins Französische wie ins Englische übersetzt wird, [172] sondern daß sogar Alfonso Garcia Matamoros (um 1490-1572) in seiner Schrift De Methodo concionandi ausführlich gegen sie polemisiert.

1548 publiziert er in Alcalá De ratione dicendi libri duo, in denen er neben antiken Autoren Georg von Trapezunt und Agricola, Vives [173] und vor allem Erasmus ausführlich heranzieht, aber auch Melanchthons Elementorum Rhetorices libri duo. [174] Seinem späteren Werk De tribus dicendi generibus fügt er ein zweites Buch De Methodo concionandi hinzu, [175] teils weil Erasmus' Ecclesiastes inzwischen verboten ist, teils weil die Predigtlehren seiner Landsleute, des Löwener Professors Lorenzo de Villavicencio (um 1500-1581), des Hofpredigers Alonso Orozco (1500-1591) und des Arztes Andrés Sempere (1510-1572), zu knapp gehalten sind. [176]   Gleich zu Beginn fordert Garcia Matamoros mit Nachdruck gegen Erasmus und einen namentlich nicht genannten Landsmann, an den traditionellen genera dicendi festzuhalten, und wendet sich dann vor allem gegen fünf neue genera und status, da sie sich leicht den vertrauten genera zuordnen lassen. Er zählt die von Hyperius eingeführten genera auf, ohne ihn selbst zu nennen; doch daß er ihn meint, ergibt sich auch daraus, daß er auch gegen amplificatio und adfectus polemisiert, die dieser im Anschluß an seine genera behandelt. [177] Über das genus didascalicum, "das mehrere Autoren behandelt haben", deren Namen er aus Respekt nicht nennt, äußert sich Garcia Matamoros vorsichtiger, vielleicht weil er sich Melanchthon verpflichtet weiß, dessen Werk er früher zitierte (s. o.). Jedenfalls spricht er selbst im neunten Kapitel einmal vom Redegegenstand in genere didascalico. [178]

Dagegen integriert der große spanische Prediger des sechzehnten Jahrhunderts, der Dominikaner Luis de Granada (1504-1588), das genus didascalicum voll in seine 1576 in Lissabon zuerst veröffentlichte Predigtlehre. [179] Zwar legt er zunächst unter Berufung auf Aristoteles und Cicero die drei traditionellen genera causarum zugrunde, schließt aber das genus iudiciale sogleich von der Predigtlehre aus (39-40, s. auch 176-177) und behandelt nach einer Erörterung des Unterschiedes zwischen Dialektik und Rhetorik (41-46) zahlreiche Aspekte vor allem der Argumentation. In der Einleitung zum Abschnitt über die Redeteile im vierten Buch vermerkt er, daß man den drei vertrauten genera das genus didascalicum bzw. dialecticum hinzufügt habe, dessen Ziel die Erkenntnis sei. [180] In den folgenden Kapiteln behandelt er die Predigten zuerst im genus suasorium (193-199), dann im genus demonstrativum (an Festtagen: 199-208), dann solche über Evangelienauslegungen (ohne Bezug zu einem genus: 208-213), dann die aus diesen gemischte Form (213-217), ehe er sich der lehrhaften Predigtgattung zuwendet (De genere concionis didascalico: 217-218), für die er ein logisches Vorgehen empfiehlt. [181] Abschließend betont er, daß der Prediger den Unterschied zum Gelehrten nicht vergessen solle, denn dieser lehre nur, jener "müsse den Willen (der Hörer) beeindrucken und (die Bereitschaft) zum Bemühen um Frömmigkeit und Gerechtigkeit entfachen"; das sei sein Ziel (scopus). [182]

Als John Wilkins (1614-1672), berühmt als Begründer der Royal Society, in seinem Ecclesiastes (21646) eine Gliederung der Predigt in drei Teile, "Explication, Confirmation, Application" vorschlägt (5) und die Application in "Doctrinall for our information" und "practicall" aufteilt und weiter die "Doctrinall for our information" in "More generall in some truth to be acknowledged" und "More particular" und die "More generall" wiederum in "Didacticall instruction" und "Elencticall confutation" (7), weiß er vermutlich nicht, daß er letztlich von Melanchthon abhängt, obwohl er dessen Kommentare ebenso wie die des Hyperius in seinen Listen anführt. [183]

Die Bedeutung der De Rhetorica libri tres und der übrigen rhetorischen Werke Melanchthons liegt darin, daß er die Tradition der Rhetorikhandbücher mit der der artes praedicandi verknüpft und beide durch eine Theorie für lehrhafte und darstellende Texte sowie für Kommentare ergänzt, und daß er sich bemüht, durch sie, seine Kommentare und die antiken Theoretiker die Jugend zu befähigen, selbst verständlich und überzeugend zu reden und zu schreiben und die Texte, Reden und Diskussionen anderer kritisch zu beurteilen. Dadurch daß er profane Werke und Bücher der Bibel gleichberechtigt nebeneinander behandelt und die Rhetorik auch für die Predigt systematisch erschließt, hat er wesentliche Beiträge zur Entwicklung sowohl der Exegese [184] wie der Homiletik geleistet. [185]



* Den Teilnehmern an der Diskussion meines Vortrages in München, besonders O. Primavesi und K. Weiss möchte ich für wichtige Anregungen herzlich Dank sagen.

[1]Meistens wird auf de orat. II 43-71 verwiesen, doch s. die Einwände bei J. Adamietz (ed.), M. F. Quintiliani institutionis oratoriae liber III, München 1966, 93-94 und A. D. Leeman et al., M. Tullius Cicero. De Oratore libri III, I-, Heidelberg 1981-, II 238-240; passender ist de orat. III 211.

[2] III 4, 3: Nam si laudandi ac vituperandi officium in parte tertia ponimus, in quo genere versari videbimur cum querimur consolamur mitigamus concitamus terremus confirmamus praecipimus, obscure dicta interpretamur, narramus deprecamur, gratias agimus, gratulamur obiurgamus maledicimus describimus mandamus renuntiamus optamus opinamur, plurima alia ?

[3] Hier benutzt: Georgii Trapezuntii Rhetoricorum libri, Basel 1522, fol. 2r-v; 92r-99v: genus deliberativum, 100r-105v: genus demonstrativum (1433 verfaßt und um 1472 zuerst gedruckt, s. J. Monfasani, George of Trebizond, Leiden 1976, 320); G. Valla, De expetendis et fugiendis rebus opus I-II, Venedig 1501, II HH IIIr-KK IIIv (lib. XXXIX und XL; dort KK Iv-IIr ein Kapitel de scribenda historia und KK IIv-IIIr eines de genere epistolico); G. Reisch, Margarita Philosophica, Basel 1508, fol. i Vv-i VIv (zuerst Freiburg 1503, nicht Heidelberg 1496).

[4] Boethius, De topicis differentiis IV, Patrologia Latina 64, Paris 1860, 1173-1216, bes. 1205; 1216 (dazu M. Leff, in: J. J. Murphy [Hg.], Medieval Rhetoric, Berkeley 1978, 3-24, bes. 9-15); ihm folgend Abaelard: L. M. de Rijk (Hg.), Petrus Abelardus. Dialectica, Assen 1956, 459 (tract. III 2) und Spätere: L. M. de Rijk (Hg.), Logica Modernorum I-II, Assen 1962-1967, I 274-275; II 1, 141-142; 417; 431; 460 (dort II 1, 126-130 auch zum Eindringen der Dialektik in alle Wissensgebiete). Zur grundlegenden Bedeutung der Dialektik für die anderen Disziplinen s. auch Johannes von Salisbury, Metalogicon III 10 (C. C. I. Webb [Hg.], Ioannis Saresberiensis Episcopi ... Metalogicon libri III, Oxford 1929, 153-164, für die Rhetorik: 154-155, s. auch 76 [II 9], s. auch J. B. Hall et al. [Hgg.], Ioannis Saresberiensis Metalogicon, Turnhout 1991, 130-139, bes. 131-132 und 69: II 9); zum Verhältnis von Dialektik und Rhetorik s. auch Th. Offergeld (Hg.), Hugo von Sankt Viktor, Disdacalicon de studio legendi, Freiburg 1997, 150 (I 11) und 210-214 (II 30); Bibliotheca Mundi ... Vincentii Burgundi, ... Speculum Quadruplex I-IV, Douai 1624, II (Speculum  doctrinale) 211 (III 1); 280-281 (III 99); Aegidus Romanus' Brief an den Frater Oliviero, De differentia rhetoricae, ethicae et politicae (s. dazu G. Bruni, Bibliofilia 35, 1933, 306 und 308 [Nr. 15, ungenau; gedruckt nur einmal in den Tres tractatus domini Egidij de Roma, Leipzig um 1490, s. Gesamtkatalog der Wiegendrucke 6, 1934, 785-786 Nr. 7214] und J. J. Murphy, in: Arts libéraux et philosophie au moyen âge. Actes de quatrième congrès international de philosophie médiévale, Montréal 1969, 833-841; id., Rhetoric in the Middle Ages, Berkeley 1974, 98-99), und allgemein zur Rhetorik im Mittelalter B. Vickers, In Defence of Rhetoric, Oxford 1988, 214-253.

[5] J. J. Murphy, Rhetoric in the Middle Ages (s. A. 4), 194-268 und 269-355; M. Camargo, Ars dictaminis, Ars dictandi. Turnhout 1991; M. Camargo, ars dictandi, in: Historisches Wörterbuch der Rhetorik 1, Tübingen 1992, 1040-1046 und ars praedicandi, Ph. B. Roberts, ibid. 1064-1071; M. G. Briscoe, Artes praedicandi and B. H. Jaye, Artes orandi, Turnhout 1992; zu den Arengen s. nur H. Fichtenau, Arenga. Spätantike und Mittelalter im Spiegel von Urkundenformeln, Graz 1957. Daß auch die traditionelle Rhetorik weiterhin Beachtung findet, zeigt J. O. Ward, Ciceronian Rhetoric in Treatise, Scholion and Commentary, Turnhout 1995.

[6] P. Lescher, Rhetorica, Ingolstadt 1487; J. Mennel, Rhetorica Minor, Freiburg 1494.

[7] Vgl. F. J. Worstbrock, in: L. Grenzmann et al. (Hgg.), Philologie als Kulturwissenschaft. Festschrift für Karl Stackmann, Göttingen 1987, 242-269, bes. 250-260.

[8] Diese beiden genera entsprechen einigen der Aktivitäten, die Quintilian IV 3, 15 nennt. Als eigene genera begegnen sie in der Antike nur in der Brieflehre:παραμυθητικξ́ς: V. Weichert (ed.), Demetrii et Libanii qui feruntur ΤΥΠΟΙ ΕΠΙΣΤΟΛΙΚΟΙ et ΕΠΙΣΤΟΛΙΜΑΙΟΙ ΧΑΡΑΚΤΗΡΕΣ, Leipzig 1910, 2; 4-5 (Ps.-Dem. praef.; 5); παραμυθητικξ́: ibid. 14; 17; 28 (Ps.-Lib. praef.: 21) und ἀξιϖματικός: 2; 7 (Ps.-Dem. praef.; 12); παρακλητική: 14, 16, 22 (Ps.-Lib. praef.; 3). Sie werden ausführlich von Erasmus behandelt: Opera Omnia Desiderii Erasmi Roterodami I 2, Amsterdam 1972, 153-579: J.-C. Margolin (ed.), De conscribendis epistolis, die consolatoria epistola 432-463 (465), die petitoria epistola 465-476; übrigens führt Erasmus alle Brieftypen auf die drei traditionellen Redegattungen zurück (311), auch er u. a. consolatio und petitio auf das genus suasorium, s. ferner Melanchthon, De Rhetorica (p. 80) zur narratio im Bittbrief (im Rahmen des genus deliberativum).

[9] Cicero stellt zusammen z. B. docere, delectare und movere (Brutus 185), docere, conciliare und permovere (de orat. II 310), explanare, conciliare und concitare (de orat. III 104), probare, delectare und flectere (or. 69), conciliare, docere und concitare (de orat. II 128), conciliare, docere und movere (de orat. II 121), ebenso Quintilian (XI 1, 6), der gern docere, movere und delectare nebeneinanderrückt (III 5, 2; VIII pr. 7; XII 2, 11; 10, 59), gelegentlich auch conciliare, persuadere und movere (XI 3, 154).

[10] Nam hi fere a magnis rhetoribus negliguntur, et cum ea sit sola dialecticorum facultas, nihil minus  quam sua agnoscunt.

[11] Die ersten Fragen finden sich schon in Ciceros knapper Darstellung der inventio mit dem Hinweis, daß sie eher der Philosophie als der Rhetorik zuzurechnen seien (or. 44-45) und gehen in der Tat auf Aristoteles' zweite Analytik zurück (89 b 23-25), die Melanchthon gleich darauf zitiert (p. 15); sie begegnen sowohl in Ciceros Topica (82) und partitiones oratoriae als auch bei Quintilian (inst. III 5, 6; 6, 80 u. ö.). Schon in seiner Wittenberger Antrittsrede bemerkt Melanchthon, er habe früh darauf hingewiesen, daß Aristoteles in seinen Analytica posteriora Rhetorik lehre, s. R. Stupperich (Hg.), Melanchthons Werke III, Humanistische Schriften (Hg.: R. Nürnberger), Gütersloh 21969, 36. Eine ganz knappe Liste gibt er in der Compendiaria Dialectices Ratio, Wittenberg 1520, fol. C 1v, eine etwas ausführlichere Liste erst in den Erotemata Dialectices, Wittenberg 1547, fol. i VIIIv-k Ir (mit Hinweis auf Aristoteles: fol. k Ir-IVv).

[12] Et haec quidem de genere demonstrativo, quod ad docendum accomodatum (vgl. p. 13), proprie dialecticorum est, satis sit admonuisse (p. 47).

[13] P. 29: Quam latini dicunt enarrationem, Graeci diÆghsin, fortasse licebit subiicere generi demonstrativo, habet enim cum eo pleraque communia. Caeterum ipsa unius non est generis, imo in omnia promiscue cadit.

[14] Die antike Tradition kennt interpretatio und paraphrasis (vor allem poetischer Texte) im Rahmen der grammatischen und rhetorischen Ausbildung mit dem Ziel stilistischer aemulatio (vgl. H. Lausberg, Handbuch der literarischen Rhetorik I-II, München 1960, I 530-531 §§ 1099-1103; s. ferner Suet. gramm. 4, 7), während Melanchthon sicherzustellen bemüht ist, daß die Studenten die Inhalte voll erfassen.

[15] Cf. In Epistolam Pauli Apostoli ad Romanos Paraphrasis, per Erasmum Roterodamum, Basel 1518; Melanchthon hielt 1518 eine Vorlesung zum Titusbrief (vgl. K. Hartfelder, Philipp Melanchthon als Praeceptor Germaniae, Berlin 1889, 555 und W. Maurer, Der junge Melanchthon I-II, Göttingen 1967-1969, I 213, der irrig behauptet, Melanchthon habe den Brief nach dem genus narrativum ausgelegt, das es nicht gibt). Melanchthon ergänzt seine Vorlesung durch eine Ausgabe des griechischen Textes des Titusbriefes: Wittenberg 1518. P. 31: Dispeream, si quid in studiis videatur mihi ad erudienda iudicia, usui paraphraseon anteferendum.

[16] Vgl. nur O. Primavesi, Topik, Topos, in: J. Ritter et al., Historisches Wörterbuch der Philosophie I-, Darmstadt 1971-, X 1263-1269.

[17] Vgl. H.-G. Geyer, Von der Geburt des wahren Menschen, Neukirchen-Vluyn 1965, 36-48; W. Maurer (s. A. 15), I 191-214; J. Schneider, Philip Melanchthon's Rhetorical Construal of Biblical Authority: Oratio Sacra, Lampeter 1990, bes. 65-95 und id., in: T. J. Wengert et al. (Hg.), Philip Melanchthon (497-1560) and the Commentary, Sheffield 1997, 20-47; J. Knape, Philipp Melanchthons >Rhetorik<, Tübingen 1993; C. J. Classen, Die Bedeutung der Rhetorik für Melanchthons Interpretation profaner und biblischer Texte, Nachr. Ak. Wiss. Göttingen, phil.-hist. Kl. 1998, 5, Göttingen 1998, 1-40, bes. 8-18; id., Rhetorical Criticism of the New Testament, Tübingen 2000, 111-135. K. Bullemer, Quellenkritische Untersuchungen zum I. Buche der Rhetorik Melanchthons, Diss. phil. Würzburg 1902, stützt sich weitgehend auf die Neuauflage von 1542 der Elementorum rhetorices libri duo, Wittenberg 1531, ebenso H. Sick, Melanchthon als Ausleger des Alten Testaments, Tübingen 1959, 41-81; U. Schnell, Die homiletische Theorie Philipp Melanchthons, Berlin 1968, 17-26; C. Vasoli, La dialettica e la retorica dell'Umanesimo, Mailand 1968, 278-309; S. Wiedenhofer, Formalstrukturen humanistischer und refomatorischer Theologie bei Philipp Melanchthon I-II, Bern 1976, 368-376; 430-450, auch 450-471.

[18] P. 11: Memoriam ac pronunciationem natura suppeditat, et in eis quid ars possit ex aliis autoribus disces: "Erinnern und Vortragen stellt die Natur bereit, und was die Theorie (Kunst) in diesen Bereichen vermag, wirst du von anderen Verfassern lernen."

[19] P. 11: Ego in hoc potissimum rhetorica scribo, ut locos inventionis iudicii et dispositionis aliquanto facilius assequare quam vulgo traduntur: "Ich verfasse ein Werk zur Rhetorik vor allem mit dem Ziel, damit man sich die Topoi des Auffindens, des Beurteilens und des Anordnens ein wenig leichter aneignen kann, als sie sonst vermittelt werden."

[20] P. 5: Quare visum est mihi paucis, idque obiter tantum notare, qui dialecticorum, qui rhetoricorum usus sit. Et illa quomodo e suis autoribus peti commode possint; p. 8: Ego vero de rhetoricis pauca, neque per ocium, ob hoc potissimum scribo, ut doceam qui sit dialecticae usus, nec probari mihi ulla ex parte nostri seculi commentarios: tum si qui recta via literas aggredi volent, ad rhetorum praecepta statim se conferant, nihil in ullo genere studiorum promoturi, nisi haec meditata teneant; s. auch H. Scheible et al. (Hgg.), Melanchthons Briefwechsel Regesten I-X, Stuttgart 1977-1998, I (40) 55-56 und Texte I-, Stuttgart 1991-, I (40) 99-103; zu B. Maurus s. W. Maurer, Der junge Melanchthon (s. A. 15) I 78.

[21] Cf. e. g. p. 48 (vulgatissima); 49; 64 (rudissime); 68; 75; 78; 101; 107; 110; 118; p. 77 begründet Melanchthon seine Kürze mit den eigenen vorausgegangenen Ausführungen, p. 97 mit der allgemein verbreiteten Praxis, s. auch p. 95.

[22] S. auch p. 25; auf Aristoteles verweist er auch mehrfach schon im Widmungsbrief (p. 5; 7 und 8).

[23] Von ihm sagt er p. 78, es sei seine Absicht gewesen, ihm überall zu folgen; damit stellt sich die Frage, wen er meint, wenn er von dem Autor spricht, dem er folgt (p. 35) oder liest (p. 78).

[24] Hier benutzt: Tabulae, de schematibus Petri Mosellani. In Rhetorica Philippi Melanchthonis ... , Leipzig 1532 (zuerst gedruckt angeblich 1516, s. O. G. Schmidt, Petrus Mosellanus. Ein Beitrag zur Geschichte des Humanismus in Sachsen, Leipzig 1867, 85).

[25] R. Agricola, Dialectica, Löwen 1515 und De inventione dialectica libri omnes ... und Lucubrationes (dort 192-201 der von Melanchthon p. 70 zitierte Brief de studio an Barbirianus), Köln 1539; L. Mundt (Hg.), Rudolf Agricola. De inventione dialectica libri tres, Tübingen 1992.

[26] Desiderii Erasmi Roterodami De duplici Copia rerum ac verborum Commentarii duo, Straßburg 1514 (sehr viele Nachdrucke).

[27] Idque nobis obiter tantum facere visum est, ut studiosi ad veteres quam primum, nostris utcunque admoniti contenderent. Minore cultu scribo, nempe rudibus iisque maxime quos ipse doceo, periculum facturus, si quo modo reviviscere queat rhetorica, et usus ille declamandi ac iudicandi veterum revocari possit in scholas nostras. Sic olim dialectica docebatur, ut esset eius aliquis in omni genere literarum usus, hodie sic discuntur, idque perpetuis vigiliis ut ne possint quidem ulla ratione reliqua studia iuvare; p. 130-131: Consilium enim fuit perstringere ea, quae maxime necessaria erant adolescentibus scripturis, iisque potissimum, qui in scholis dialecticorum versantur.

[28] Daß Melanchthon die litterae, deren Beurteilung und deren Abfassung besonders am Herzen liegen, läßt er immer wieder deutlich werden, vgl. z. B. p. 14; 32; 67; 103, s. auch 3; 4.

[29] P. 32: Haec ideo scribo, ut quo iudicio tractandae sint literae, studiosos admoneam: nam qui eo est vel usu vel ingenio, ut in autoribus videre possit, quur hoc loco, quur sic singula tractentur, illum ego vehementer probandum censeo; p. 67-68: Quae omnia, si curae fuerint, pulcherrime civilium rerum sensum, nedum studia literaria erudiunt, vulgantur enim haec passim in omnem vitae humanae usum, in omnia negocia, cum publica, tum privata, in omne item genus literarum, quo minus sunt audiendi, qui iuventutem adeo impure instituunt, ut nullius rei minor ratio, quam historiae habeatur.

[30] Immer wieder hebt Melanchthon hervor, daß es ihm um die Ausbildung der Jugend geht, s. z. B. p. 10; 12-13; 16; 19; 28; 29; 39; 47; 48; 64; 71; 87; 90; 103; 107; 112; 115, auch 30; 36; 40; 44; 46; 63; 95; 106.

[31] P. 2: Sic enim existimo, magna ex parte ad impuras istas et indoctas literas animum cogi tuum, quae solae hoc tempore dicuntur philosophicae; s. ferner e. g. p. 10; 11-12; 16; 28; 43-44; 46; 47; 50; 103; 108-109.

[32] Cf. e. g. p. 10 (προγυμνάσματα, s. schon p. 2-3); 14; 19; 39; 43; 46; 114; 123; 131; ähnlich warnt auch H. Bebel, Qui auctores legendi sint, Pforzheim 1504, fol. e IIIr-v vor zu frühem Studium der Dialektik und polemisiert gegen Petrus Hispanus in seiner Apologia pro suis commentariis de abusione linguae latinae, Straßburg 1506, fol. CLXVIIIv, während er später im Opusculum de institutione puerorum, Straßburg 1513, fol. A VIIIr das Studium der principia der Dialektik mit Hilfe von Petrus empfiehlt, sofern dieser richtig erklärt wird.

[33] Mit Copulata, die Melanchthon auch in der Rede von 1518 zusammen mit Tartaretus, Eck und anderen nennt (vgl. R. Stupperich [Hg.], Melanchthons Werke III [s. A. 11], 34), meint er fraglos die kommentierten Ausgaben mit Titeln wie Copulata sex tractatuum ... u. ä. (vgl. die Liste bei J. P. Mullally, The summulae logicales of Peter of Spain, Diss. phil. Columbia University, Notre Dame 1945, 139-142; 148-149). Cf. ferner Joan. Eckii Theologi in summulas Petri Hispani extemporaria et succincta sive succosa explanatio ..., Augsburg 1516; Aristotelis Stragyritae Dialectica a Johanne Eckio ... declarata: ... videbis o Lector priscam Dialecticam restitutam ac neotericorum subtilitate copulatam, Augsburg 1517; id., Elementarius Dialectice, Augsburg 1518; id., Bursa pavonis. Logica exercitamenta Appellata parva logicalia, s. l. s. a. (alle eingesehen), s. dazu A. Seifert, Logik zwischen Scholastik und Humanismus. Das Kommentarwerk Johann Ecks, München 1978; vgl. ferner Expositio magistri Petri Tatareti super summulas Petri hispani cum allegationibus passuum Scoti doctoris ... Expositio magistri Petri Tatareti super textu logices Aristotelis..., s. l. 1504.

[34] Cf. e. g. p. 4; 5-6; 10; 11; 12; 49; 103; p. 47 bemerkt er, daß die Verfasser rhetorischer Handbücher selbst den Teil des genus demonstrativum, der sich auf das Lehren bezieht, der Dialektik zugewiesen hätten.

[35] Studies in the Renaissance 18, 1971, 9-64, zu Eck 55-60.

[36] Vgl. W. Wattenbach, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 23, 1871, 21-38, bes. 22; J. Wimpfeling, Pro concordia dialecticorum et oratorum ..., s. a. s. l. (s. dazu O. Herding D. Mertens [Hgg.], Jakob Wimpfeling. Briefwechsel I-II, München 1990, I 324-326; II 914); P. S. Allen et al. (Hgg.),   Opus Epistolarum Des. Erasmi Roterodami I-XII, Oxford 1906-1965, I 190-193 (ep. 64 aus Paris August 1497); H. und A. Holborn (Hgg.), Desiderius Erasmus Roterodamus. Ausgewählte Werke, München 1933, 154, 25-155, 4 (Methodus 1516) und 188, 1-190, 11 (Methodus 1519); Opera Omnia Desiderii Erasmi Roterodami IV 3, Amsterdam 1979: C. H. Miller (ed.), Moriae Encomium id est Stultitiae laus 148-150 und 152-154; R. Agricola, De inventione dialectica (s. A. 25), 28 (I 3, Z. 124-130); H. Bebel, Comoedia de optimo studio iuvenum, in: Oratio ad regem Maximilianum etc., Pforzheim 1504, fol. h Vv –i IIr und Disputatio cum fratre theologo, im Anhang zu: Commentaria Epistolarum Conficiendarum, Pforzheim 1508, fol. L IIIv; zu diesen und anderen Kritikern s. J. H. Overfield, Humanism and Scholasticism in Late Medieval Germany, Princeton 1984, 86-94 u. ö.; E. Rummel, The Humanist-Scholastic Debate in the Renaissance and Reformation, Cambridge Mass. 1995, 153-192 und 238-244.

[37] Ch. Fantazzi (Hg.), Juan Luis Vives, In Pseudodialecticos, Leiden 1979 (zuerst Löwen 1519, i. e. 1520).

[38] L. M. de Rijk (Hg.), Peter of Spain. Tractatus, called afterwards Summule logicales, Assen 1972; s. z. B. J. Ecks Kommentar (A. 33) und H. Bebels Kritik (A. 32).

[39] Georg verfaßt eine Isagoge dialectica, die um 1470 zuerst gedruckt und dann sehr oft nachgedruckt wird, s. J. Monfasani, George of Trebizond (s. A. 3), 328-337, hier eingesehen: Georgii Trapezontii Dialectica haec continens, Köln 1519; zu Agricola s. A. 25. Auch Polizian verfaßt einen kurzen Abriß der Dialektik, s. Omnia Opera Angeli Politiani, et alia quaedam lectu digna ..., Venedig 1498, fol. iterum aa VIIIv-iterum bb VIIIv mit praelectio de dialectuica fol. bb Ir-IIr (mit Polemik gegen die zeitgenössischen Lehrer der Philosophie, wie auch in anderen Schriften: fol. t Vv-VIIv [praefatio in Charmidem]; fol. aa Vv-Xv, bes. aa VIIv-VIIIr [praefatio in Suetonium]), wichtig außerdem seine praelectio in Priora Aristotelis Analytica. Titulus Lamia, Florenz 1492, s. ferner praelectio: cui titulus Panepistemon, Florenz 1491 (zur Dialektik: fol. b Vv-VIr, zur Rhetorik b VIr-VIIr).

[40] Rhet. 1354 a 1-11; Cic. or. 113; fin. II 17; Quint. inst. II 20, 7; Cass. inst. II 3, 2; Melanchthon De Rhet. p. 6. Zu den verschiedenen Bedeutungen von dialektikÆ und dialectica s. A. Müller, in: J. Ritter et al., Historisches Wörterbuch (s. A. 16), II 164-167 und L. Oeing-Hanhoff ibid. 176-182.

[41] Cicero or. 44-49, s. auch 113-117; Quint. inst. XII 1, 10-14 (in begrenztem Umfang).

[42] In Topica Ciceronis Commentariorum libri sex, Patrologia Latina 64, Paris 1861, 1039-1174, 1045.

[43] Johannis Scoti Erigenae, De divisione naturae libri quinque, Münster 21838, 435 (auf die Frage des Schülers, warum er Grammatik und Rhetorik übergangen habe, antwortet der Lehrer [434]: Primum quidem quia ipsae duae artes veluti quaedam membra Dialecticae multis Philosophis non incongrue existimantur); P. Iammey (Hg.), Beati Alberti Magni ... Opera I-XXI, I 695 (Topica II 1, 1).

[44] Ebenso Spätere s. z. B. L. M. de Rijk (Hg.), Logica Modernorum (s. A. 4) II 1, 32; 33, andere beschränken sich auf: quasi via in omnes alias scientias ibid. II 1, 408; II 2, 461 oder quasi via ad omnes alias artes: ibid. II 2, 459; andere formulieren: ars artium scientia scientiarumid. II 1, 412; 418; 428; 431; 435; 436; 439; II 2, 417; mit Hinweis auf Augustin: II 1, 439; II 2, 357; 379.

[45] Erotemata Dialectices (s. A. 11), fol. B IIv.

[46] G. Zippel (Hg.), Laurenti Valle repastinatio dialectice et philosophie I-II, Padua 1982, II 363-366 (zu den Kategorien) und 447 (zur Dialektik) sowie I 131-156 und 175; zu Valla s. nur P. Mack, Renaissance Argument. Valla and Agricola in the Traditions of Rhetoric and Dialectic, Leiden 1993, 22-116, s. auch  244-250.

[47] Vgl. P. Mack, Renaissance Argument (s. A. 46), 117-243; 244-250.

[48] ars probabiliter de qualibet re proposita disserendi, prout cuiusque natura capax esse fidei poterit, zitiert nach L. Mundt (s. A. 25), II 2 (Z. 96-97).

[49] Wie Agricola II 4 und 5 ausführlich darlegt, unterscheiden sich Erregen und Erfreuen hinsichtlich der Erfindung (inventio) nicht vom Belehren (docere: 216-228 Mundt). Aus der Beschreibung der Dialektik I 25 (Z. 95-99 Mundt) ergibt sich, warum es ihm überflüssig erscheint, im Rahmen der Rhetorik von inventio zu sprechen.

[50] De artibus liberalibus oratio, Hagenau 1518, fol. B Ir: Pars dialecticae quosdam argumentorum locos populariter instruens; zur Dialektik: fol. A IIr-B Ir; zu dieser Rede vgl. S. Wiedenhofer (s. A. 17), 348-351. Auch Polizian bezeichnet die Dialektik (in der praelectio de dialectica) als ars una omnium artium maxima, s. Omnia opera (s. A. 39), fol. bb Ir.

[51] De corrigendis adolescentiae studiis, in: R. Stupperich (Hg.), Melanchthons Werke III (s. A. 11), 34: Hae partes illius sunt, quam nos dialecticam, alii rhetoricam vocant: Nominibus enim variant auctores, cum ars eadem sit ("Das ist Aufgabe der Fertigkeit, die ich Dialektik nenne, andere Rhetorik. Denn die Autoren haben nicht die gleiche Terminologie, während die Fertigkeit dieselbe ist"). Zu dieser Rede s. J. Schneider, Philip Melanchthon's Rhetorical Construal (s. A. 17), 51-63.

[52] Nam et dialectica amo, et sic mihi de illis videtur, neminem recte erudiri posse, qui non et illa discat und ex dialectica pendent omnia, quae ut sunt initia studiorum, reliqua ex suo modo temperant.

[53] Dialectica primum tradenda sunt und est enim dialectica cuiusque thematis propositi exacta et artificiosa pervestigatio; vgl. auch p. 7. Die Kritik gilt nicht der Dialektik, sondern dem falschen (die Empfehlung dem richtigen) Dialektikunterricht.

[54] Z. B. p. 76-77 beim genus deliberativum (zu den Status) und p. 91-93 (zu den Argumenten), dagegen auf das genus didacticon beim genus iudiciale p. 93-94 (allgemein), p. 95-96 (zu den Status), p. 98 und 101 (zu den Argumenten) und in dem kurzen Abschnitt de sacris concionibus zu den loci für ein einfaches und für ein komplexes Thema (p. 104; 105; 106).

[55] Acre et subtile rhetoricorum iudicium, et veluti censuram, s. auch p. 124 im dritten Buch (zur elocutio).

[56] Cf. J. W. O'Malley, Praise and Blame in Renaissance Rome: Rhetoric, Doctrine and Reform in the Sacred Orators of the Papal Court, c. 1450-1521, Durham N. C. 1979, s. auch id., in: J. J. Murphy, Renaissance Eloquence. Studies in the Theory and Practice of Renaissance Rhetoric, Berkeley 1983, 238-239 und 242-250 (zu Melanchthons genus didascalicum); er nennt als Beispiel u. a. Agricolas Rede  vom 24. 12. 1485, cf. R. Agricola, ... Lucubrationes (s. A. 25) 118-125 (125-137: Erklärungen von A. Amstelredamus zu quae ad inveniendi rationem pertinere videntur). Zu möglichen Anregungen für das vierte genus bei antiken Theoretikern s. K. Bullemer (s. A. 17), 36-41, anders C. J. Classen, Rhetorica 10, 1993, 327 A. 21. Dafür, daß Melanchthon für das genus demonstrativum auf die antike Lehrdichtung zurückgreifen konnte, wie J. Knape, Philipp Melanchthons >Rhetorik< (s. A. 17), 27 A. 21 vermutet, gibt es keinen Hinweis im Text.

[57] Sextus Emp. adv. math. II (adv. rhet.): 2 ῥητορική ἐστι πειθου̑ς δημιουργὸς διὰ λόγων, ἐν αὐτοι̑ς τοι̑ς λόγοις τὸ κυ̑ρος ἕχουσα, πειστική, οὐ διδασκαλική, ähnlich Plut. frg. 197 (p. 124 Sandbach: unecht, Plutarch von Athen), s. auch Gorgias frg. 10 (L. Radermacher [Hg.], Artium Scriptores, Wien 1951, 44-45).

[58] Vgl. H. Rabe (Hg.), Prolegomenon Sylloge, Leipzig 1931, Prolegomena in Hermogenis ΠΕΡΙ ΣΤΑΣΕΩΝ , 278: δει̑ γὰρ εἰδέναι ὅτι ἡ διαλεκτικὴ ῥητορικὴ διδασκαλικὴ λέγεται : πιστευτικὴ δὲ λέγεται ἡ ῥητορικὴ αὕτη ἡ καθ ̓ ἡμα̑ς ....; 297: δει̑ γὰρ εἰδέναι ὅτι ἡ πειθὼ διττή ἐστιν ἡ μὲνδιδασκαλικὴ μετὰ ἀποδείξεως, ἡ δὲ πιστευτικὴ ἄνευ ἀποδείξεως .

[59] Vgl. H. Rabe (Hg.), Prolegomenon Sylloge (s. A. 58), Prolegomena in Hermogenis ΠΕΡΙ ΣΤΑΣΕΩΝ, 287-288: εἰσὶ γὰρ κατὰ τοὺς φιλοσόφους διδασκαλίας τρόποι τρει̑ς, κατὰ διαὶρεσιυ μὲν ... κατὰ δὲ σύνθεσιν ... κατὰ δὲ ἀνάλυσιν..., s. auch ibid. 291-292; 237. Ioannis Doxapatris ΕΙΣ ΤΟ ΠΕΡΙ ΕΥΡΕΣΕΩΣ ΕΠΜΟΓΕΝΟΥΣ ΒΙΒΛΙΟΝ , 372: φαμὲν τοίνυν, ὅτι διδασκαλικω̑ν τρόπων ὄντων τεσσάρων, διαιρετικου̑, ὁριστικου̑, ἀποδεικτικου̑, ἀναλυτικου̑, ..., s. auch 139; 316-317; 78; 169; 407.

[60] Das wird nicht ausdrücklich ausgesprochen, sondern nur impliziert: rhet. 1355 b 26-35. Welche Wissenschaften dagegen belehren und welche mehr als  andere zur Belehrung beitragen, führt er in der Metaphysik aus: 982 a 25-30; auch 982 a 12-14; zu den διδασκαλικοὶ λόγοι s. S. E. 165 a 38-b3 mit Hinweis auf die ἀπόδειξις und die ἀποδεικτικοὶ λόγοι in den Analytica posteriora.

[61] Cf. B. D. Jackson (Hg.), Augustine. De Dialectica, Dordrecht 1975, 83, s. auch 88; 90; zur Definition vgl. H. Ruef, Augustin über Semiotik und Sprache. Sprachtheoretische Analysen zu Augustins Schrift "De dialectica" mit einer deutschen Übersetzung, Diss. phil. Bern 1979, 1981, 44-45.

[62] Cf. I. Martin (Hg.), Sancti Aurelii Augustini De doctrina Christiana libri IV, Turnhout 1962, 116-167, vgl. dazu K. Pollmann, Doctrina Christiana. Untersuchungen zu den Anfängen der christlichen Hermeneutik unter besonderer Berücksichtigung von Augustinus, De doctrina christiana, Freiburg 1996, 225-241, auch 241-243 (zur Tradition). Augustin betont IV 25 (134): "Ich spreche über die Art, wie die zu belehren sind, die lernen wollen" (de modo quo docendi sunt, qui discere desiderant, loquor); es verdient Beachtung, daß er gleich zu Beginn das docere mit der narratio verknüpft: "Wenn Menschen zu belehren sind, muß dies durch einen Bericht, eine Erzählung geschehen" (IV 6 [119]: si docendi sunt, qui audiunt, narratione faciendum est).

[63] De doctr. Chr. IV 6 (119) Debet igitur divinarum scripturarum tractator et doctor... et bona docere et mala dedocere atque in hoc opere sermonis conciliare aversos, remissos erigere, nescientibus, quod agitur, quid expectare debeant, intimare.

[64] S. D. Zimpel (Hg.), Hrabanus Maurus. De institutione clericorum libri tres, Frankfurt 1996, 489-491 (III 28).

[65] R. Peppmüller (Hg.) Abaelard. Expositio in Epistolam ad Romanos I-III, Freiburg 2000, I 62, Omnis scriptura divina more orationis rhetoricae aut docere intendit aut monere (oder movere); docet quippe dum quae fieri vel vitari oportet insinuat, monet (movet) autem dum sacris admonitionibus suis voluntatem nostram dissuadendo retrahit a malis vel persuadendo applicat bonis. Während Peppmüller die Lesart monet vorzieht und Scriptorium 26, 1972, 82-97, bes. 85-86 begründet, druckt E. M. Buytaert (Hg.), Petri Abaelardi Opera Theologica I-II, Commentaria in Epistolam ad Romanos, Turnhout 1969, I 41 movere und movet und entsprechend übersetzen z. B. auch A. J. Minnis und A. B. Scott, Medieval Literary Theory and Criticism c. 1100- c. 1375. The Commentary-Tradition, Oxford 1988, 100. An diese Formulierung knüpft noch Polizian zu Beginn seiner Übersetzung von Athanasius' in Psalmos opusculum an: Omnis quidem scriptura divina magistra est et virtutis et verae fidei, vgl. Omnia Opera (s. A. 39), fol. iterum aa IVv.

[66] Cf. Ae. Friedberg (Hg.), Corpus Iuris Canonici I-II, Leipzig 1879-1881, I 594 (C. VIII q. 1, c. 12): Oportet eum qui docet et instruit rudes animas esse talem, ut pro ingenio discentium semet ipsum possit aptare .... Debet ergo ipse adprime esse eruditus et doctus, inreprehensibilis .... "Er muß also vorzüglich ausgebildet und kenntnisreich, untadelig sein ...". Zur Predigtpraxis s. jetzt B. M. Kienzle (Hg.), The Sermon, Turnhout 2000, dort 155-157 zu den Zielen der Predigt, nämlich zu unterrichten und zu ermahnen.

[67] Alani de Insulis ... Opera Omnia, Patrologia Latina 210, Paris 1855, 109-198: Summa de arte predicatoria, 111: praedicatio est manifesta et publica instructio morum et fidei, informationi hominum deserviens, ex rationum semita, et auctoritatum fonte proveniens; zu weiteren Hinweisen auf das Belehren bei Alanus vgl. M. G. Briscoe (s. A. 5), 21-23. F. Morenzoni (Hg.), Thomas de Chobham, Summa de arte praedicandi, Turnhout 1988, 15:Est igitur praedicatio divini verbi ad informationem fidei et morum nuntiatio.

[68] Das erste Zitat von Wilhelm von Auvergne findet sich in dessen Anleitung zum Beten: Rhetorica divina, in: Opera Omnia I-II, Paris 1674, I 336-406, 336 officia docendi, et praedicandi, in quibus consistit residuum (das vom Priester Geschuldete) militiae clericalis, das zweite in der Albertus Magnus zugeschriebenen Schrift De arte intellegendi. docendi. et predicandi: res spirituales et invisibiles per res corporales et e converso pulcra et utilissima, Ulm 1478-1480, fol. IIIr-v: praedicatio est dispensatio veritatis evangelicae; in seiner ars praedicandi gibt er auch Anweisungen zur enarratio, vgl. D. Roth, Die mittelalterliche Predigttheorie und das Manuale Curatorum des Johann Ulrich Surgant, Diss phil. Basel 1956, 49. Zu John of Wales s. D. Roth, 79: Praedicatio est invocato Dei auxilio, propositi thematis dividendo et concordando congrue clara et devota expositio ad intellectus catholicam illustrationem et affectus caritativam inflammationem; fast wörtlich ebenso in einer wohl 1479 anonym in Deventer veröffentlichten Informatio notabilis et praeclara de Arte praedicandi ..: Praedicatio est invocato divino auxilio dividendo subdividendo et concordando propositi thematis clara et devota expositio ad intellectus catholicam instructionem et effectus caritativam informationem (fol. Iv; keine Paginierung oder Foliierung).

[69] Vgl. F. Stegmüller (Hg.), Raimundi Lulli Opera Latina 118: Liber de Praedicatione I-II (A. S. Flores [Hg.], Palma de Mallorca 1961-1963, I 140): Praedicatio est officium altissimum, arduissimum, et nobilissimum, eo quia est de ente nobilissimo subiective. (Die Bedeutung von "subiective" ist mir unklar).

[70] Cf. Th.-M. Charland (Hg.), Artes praedicandi. Contribution à l'histoire de la rhétorique au Moyen Age, Paris 1936, 231-323: Roberti de Basevorn, Forma praedicandi, 238: est autem praedicatio pluribus facta persuasio ad merendum, moderatum tempus retinens; J. J. Murphy (Hg.), Three Medieval Rhetorical Arts, Berkeley 1971, 109-215: L. Krul, Robert of Basevorn: The Form of Preaching, 120. M. Jennings (Hg.), The ars componendi sermones of Ranulph of Higden, O. S. B., Leiden 1991, 5: "Predicatio est, invocato dei auxilio, thema proponere, propositum dividere, divisum subdividere, auctoritates confirmantes cum racionibus et exemplis adducere, et adductas explanare ad divini cultus ampliacionem, ad ecclesie militantis illustrationem, ad humani affectus erga deum inflammacionem; vel secundum alios, predicatio est publica persuasio debitis loco et tempore pluribus facta ad salutem promerendam"; der ersten Definition ähnlich ein Anonymus: "Predicatio est thematis assumpcio, ejusdemque thematis divisio, thematis subdivisio, concordantiarum congrua citacio, et auctoritatum adductarum clara et devota explanatio", zitiert nach G. R. Owst, Preaching in Medieval England, Cambridge 1926, 316 A. 1 (dort 279-308 allgemein zu den artes).

[71] Cf. Libellus artis praedicacionis compositus a fratre iacobo fusingnani ..., Köln um 1475, fol. 1v: causa agens instrumentalis sacrae erudicionis; zum Autor s. T. Käppeli, Archivum Fratrum Praedicatorum 15, 1945, 134-142. Tractatulus solennis de arte et vero modo predicandi ex diversis sacrorum doctorum scripturis et principaliter sacratissimi christianae ecclesiae doctoris Thome de aquino ex parvo suo quodam tractaculo recollectus, Nürnberg 1477, fol. AA Iv: est igitur praedicatio verbi dei conveniens et congrua dispensatio; etwas später zitiert er Alanus (s. A. 67) fast wörtlich: (predicatio verbalis vel vocalis) ... est manifesta et publica instructio fidei et morum hominum informationem deserviens, ex rationum semita, et auctoritatum fonte proveniens (fol. AA IIIr); s. dazu D. Roth (s. A. 68), 140-150. Der ebenfalls mehrfach gedruckte, dem Henricus de Hassia fälschlich zugeschriebene Tractatulus de arte praedicandi beschränkt sich auf eine Definition der ars selbst: "Die Kunst der Predigt ist eine Wissenschaft, die etwas über etwas zu sagen lehrt; und der Gegenstand dieser Kunst ist das Wort Gottes" (Ars predicandi est scientia docens de aliquo aliquid dicere. Subiectum artis illius est verbum Dei), vgl. H. Caplan, Of Eloquence. Studies in Ancient and Medieval Rhetoric, Ithaca 1970, 135-159; 143. Zu den frühen Drucken s. S. Gallick, Mediaeval Studies 39, 1977, 477-489 (nicht immer zuverlässig).

[72] Vgl. D. Roth (s. A. 68), 118-131 zum Traktat des Mauritius, dessen Definition: praedicatio non est aliud quam verbi Dei conveniens et congruens dispensatio (121); zur instructio s. ibid. 120-121; 122 A. 255; 256; 124 A. 265; 266; zum Erzählen: ibid. 122 A. 254; 256.

[73] Johann Ulrich Surgant, Manuale Curatorum praedicandi praebens modum, Basel 1502; hier benutzt: Basel 1516, Definitionen: fol 1r, s. auch 4v-9r (quid sit praedicandum); Erörterung der rhetorica humana in traditioneller Form: fol. 35v-37v (drei genera; auch sonst zahlreiche Abschnitte im Anschluß an die antike Theorie, etwa zu memoria und pronunciatio); zu Surgant s. D. Roth (s. A. 68), 7-14; 150-186 und J. Konzili, Schweizerische Zeitschrift für Kirchengeschichte 69, 1975, 265-309 und 70, 1976, 107-167, zum Manuale bes. 115-120 und 128-167.

[74] Johann Reuchlin, Liber Congestorum de Arte praedicandi, Pforzheim 1504 (Widmungsbrief datiert 1502, hier benutzt: Pforzheim 1508);   G. R. Evans, Rhetorica 3, 1985, 99-104 beschränkt sich auf eine oberflächliche Inhaltsangabe, ohne die Tradition der artes praedicandi zu berücksichtigen.

[75] Vgl. D. Zimpel (Hg.), Hrabanus Maurus. De institutione clericorum libri tres (s. A. 64), III 19 (470-472) und III 28 (489-491); zu den Kardinaltugenden III 27 (487-489), zur Dialektik III 20 (472-475).

[76] Zu Alexander von Ashby und dessen De artificioso modo predicandi s. F. Morenzoni, Studi Medievali, ser. 3, 32, 1991, 887-935 (Text: 902-935), zum Rückgriff auf die antike Theorie (Rhetorica ad Herennium und Cicero De inventione) 891-894; zu Thomas of Salisbury s. F. Morenzoni (Hg.), Thomas de Chobham, Summa de arte praedicandi (s. A. 67), 262-303.

[77] Cf. Guiberti Abbatis ... Opera Omnia, Patrologia Latina 156, Paris 1853, Liber quo ordine sermo fieri debeat: 21-32; zu Alanus von Lille s. o. A. 67.

[78] Zu Humbert de Romanis' De eruditione Praedicatorum vgl. Maxima Bibliotheca Veterum Patrum I-XXVII, Lyon 1677, XXV (424-) 426-567 und J. J. Berthier (Hg.), B. Humberti de Romanis ... Opera de vita regulari I-II, Rom 1888-1889, II 373-484.

[79] Richard of Thetford (um 1250) wird die ars dilatandi, d. h. der dritte Teil der unter Bonaventuras Namen verbreiteten ars concionandi zugeschrieben: s. D. Fleming et al. (Hgg.), D. S. S. Bonaventurae ...   Opera Omnia I-X, Quaracchi 1882-1902, IX 16-21.

[80] Obwohl Lullus eine rhetorica nova (M. D. Johnston [Hg.], Iowa City, 1991) verfaßt hat, greift er in seinem Liber de Praedicatione bei seinen Bemerkungen zum artificium (I 153-154; 231-233) oder zu den Kardinaltugenden nur sehr oberflächlich auf Anregungen aus der antiken Rhetorik zurück.

[81] Vgl. D. Fleming et al. (Hgg.), D. S. S. Bonaventurae ...   Opera Omnia (s. A. 79), IX 3-21.

[82] Cf. Th.-M. Charland (Hg.), Artes praedicandi (s. A. 70), 327-403: Thomae Waleys, De modo componendi sermones cum documentis. B. Smalley, Archivum Fratrum Praedicatorum 24, 1954, 50-107 und ead., English Friars and Antiquity in the Early Fourteenth Century, Oxford 1960, 75-108 betont und dokumentiert Thomas' Vorliebe für die heidnische Antike.

[83] Zur ars praedicandi des Francesc Eiximenis (um 1340-1409) s. P. Martí de Barcelona, Analecta Tarraconensia 12, 1936, 301-341 (Text: 304-340).

[84] Zu Ch. Borgslebens nur handschriftlich erhaltener ars praedicandi s. G. Buchwald, Franziskanische Studien 8, 1921, 67-74 (Text: 68-74); er gehört in die zweite Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts. Auch keine Spuren finden sich in der anonymen Informatio notabilis (s. A. 68).

[85] Zur dilatatio vgl. D. Roth (s. A. 68), 71-75 anhand der ganz der dilatatio gewidmeten (Richard of Thetford zuzuweisenden) Schrift (s. A. 79), s. ferner etwa Fusignanos Libellus artis praedicacionis (s. A. 71), fol. Vv-XIIIv; Ps. Thomas (s. A. 71), fol. AA IVv-BB IIIr; zu Simon Alcok s. M. F. Boynton, The Harvard Theological Review 34, 1941, 201-216 (Text: 206-216).

[86] D. Roth (s. A. 68), 102.

[87] Cf. Elegantiae maiores mit Rhetorica ... pueris utilissima, s. l. s. a. (1499, benutzt: Hagenau s. a. [1516]), fol. E Iv; zum genus demonstrativum merkt Wimpfeling an, daß auch der Prediger (concionator) es nutzen könne (fol. E Iv), und nennt als Beispiele die Lobrede des Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein auf Peter Schott (cf. Petri Schotti ... Lucubrationes ornatissimae, Straßburg 1498; M. A. und M. L. Cowie [Hgg.], The Works of Peter Schott (1460-1490) I-II, Chapel Hill 1963-1971, I 315-320), das Lob der Väter im Ecclesiasticus (44-50) und das elfte Kapitel des Hebräerbriefes (fol. E IIr); s. ferner Isidoneus Germanicus, Speyer 1497; Adolescentia, Straßburg 1500; Diatriba, Hagenau 1514; zu Wimpfelings Einfluß auf Melanchthon vgl. W. Maurer, Der junge Melanchthon (s. A. 15), I 24-28 u. ö.

[88] Margarita, gedruckt zuerst Westminster 1478, 1480 nachgedruckt; Epitoma, Westminster wohl 1481, hier zitiert nach R. H. Martin (Hg.), The Epitoma Margarite Castigate Eloquentie of Laurentius Gulielmus Traversagni de Saona, Proceedings of the Leeds Philosophical and Literary Society 20, 1986, 131-269; s. ferner R. H. Martin, Proceedings of the Leeds Philosophical and Literary Society 14, 1971, 103-187, bes. 103-126; zum Verfasser (1425-1503) s. J. Ruyschaert, Archivum Franciscanum Historicum 46, 1953, 195-210.

[89] Vgl. D. Roth (s. A. 68), 132-134.

[90] Vgl. C. J. Classen, Die Bedeutung der Rhetorik (s. A. 17), 14-15 mit A. 30; id., Rhetorical Criticism (s. A. 17), 119-121 mit A. 60 und 62.

[91] Vgl. C. J. Classen, Die Bedeutung der Rhetorik (s. A. 17), 10-11; id., Rhetorical Criticism (s. A. 17), 115-116.

[92] Vgl. nur H. und A. Holborn (Hgg.), Desiderius Erasmus Roterodamus. Ausgewählte Werke. Methodus 1516 und 1519 (s. A. 36), 151, 25-28 und 181, 15-25 (Sprachkenntnis) und 154, 10-155, 27 und 187, 1-35 (Kenntnis der Rhetorik), s. ferner J. H. Bentley, Humanists and Holy Writ, Princeton 1983; E. Rummel, Erasmus' Annotationes on the New Testament. From Philologist to Theologian, Toronto 1986; H. Graf Reventlow, Epochen der Bibelauslegung I-III, München 1990-1997, III 15-26 (Valla); 55-67 (Erasmus); 90-97 (Melanchthon). Zur Bedeutung der Schriftauslegung für Melanchthon s. auch S. Wiedenhofer, Formalstrukturen (s. A. 17), 149-154; 376-384 u. ö. (dort auch zum docere 328-336; 344-346 u. ö.).

[93] Bibel: p. 34; 35; 38; 39; 39-40; 40; 46-47; 53; 54; 60; 77; 85; 86-87; 104; 106-107; 116; 117; 119; 125; 126; sanctae historiae: p. 34; sacra: p. 33; 36; 53; 76; sacrae conciones: p. 56; 63; 103-107; 108-109; s. ferner Kirchenväter: p. 34; 49; 106, s. auch 53; Probleme eines Krieges der Christen gegen die Türken: p. 74; 79; 82; 84-85; 88; 90; 95; 128.

[94]   P. 103: Vel maxime artificium dicendi sacris concionatoribus curae sit, quos enim tam refert bene dicere, quam eos, quibus vitae nostrae formandae negocium datum est ? At hodie nulli magis abhorrent ab eloquentiae studio, quam isti, nam fere ad ecclesiasticum munus vocantur ex Aristotelico grege, nihil minus eruditi quam quae sunt ecclesiastici concionatoris. Quid enim ex Aristotele pietatis, quid eruditionis, ut vulgo docetur, peti potest ? totus Aristoteles, quantumcunque fecerunt Angli, Galli, et Germani, frigidis commentationibus, nugatur, quaedam in ipso tamen probarim, nisi depravata essent inscitia nostrorum hominum. Zum Abschnitt de sacris concionibus s. U. Schnell, Die homiletische Theorie (s. A. 17), 60-63.

[95] P. 108-109: In concionibus illis sacris, nisi tres propositiones et exemplum, ut vocant, frigidas quasdam ex Vincentio nugas protuleris, inepte functus es officio. Zur Praxis der Predigt s. A. 66, zum Gebrauch der exempla C. Bremond et al., L'«exemplum», Turnhout 1982, in der Predigt 147-164. Das Speculum maius, bestehend aus den vier Teilen Speculum naturale, doctrinale, historiale und (wohl unecht) morale des Dominikaners Vincenz von Beauvais diente über Jahrhunderte als Schatzhaus für exempla und wurde seit 1473 mehrfach gedruckt, s. auch A. 4.

[96]   P. 3: Et paulum quaeso avoca animum a vulgi opinionibus.

[97] P. 47: "Und diese Bemerkungen nun zum genus demonstrativum, das zum Lehren paßt, gehören eigentlich den Dialektikern" (Et haec quidem de genere demonstrativo, quod ad docendum accommodatum, proprie dialecticorum est).

[98] Erasmus (Opera Omnia Desiderii Erasmi Roterodami I 2, De conscribendis epistolis [s. A. 8]), betont zunächst die unendlich große Zahl der Brieftypen, erinnert an die drei traditionellen genera der Rhetorik, auf die sich die meisten der genannten Briefformen zurückführen ließen (309-311), und fährt fort: "Es wird gestattet sein, diesen drei eine vierte Art hinzuzufügen, die ich, wenn es erlaubt ist, ,persönlich' nennen würde" (311: His tribus quartum genus accersere licebit, quod, si placet, familare nominemus) und nennt dann einige Beispiele, die er hier knapp charakterisiert (311-315) und später ausführlicher illustriert (324-579, die extraordinaria genera: 541-579).

[99] Zu Beginn des Abschnitts über das genus deliberativum  sagt er selbst (p. 75): "Hier schweife ich weniger ab, hier gehe ich maßvoller vor" (minus hic evagamur, et modestius agimus).

[100] P. 60-61: Tertium genus rerum pro personis acceptarum, ubi non tantum prosopopeias comprehendi volo, sed quidquid est rerum, quae solent in ostentationis argumentum laudari. ut iustitia, fides. pax, literae, pietas, religio, plantae, animantia; und gleich darauf (p. 61): voco enim hic rem " προσωποποιηθει̑σαν "rem conceptam per se, non ut formam alterius, s. auch p. 34-35; auch die Zuordnung der Prosopopoiien, die er zugleich ganz neu auch Prosopographieen nennt, zum genus laudativum ist nicht üblich (p. 67).

[101] "Affekte" bezeichnet er mit affectus (p. 54, 56; 72-74). Auffällig ist seine Neigung, griechische Wörter unmittelbar zu übernehmen, oft auch mit griechischen Endungen: z. B. τω̑ν kategorion (p. 18), paraphrastes, exegesis, methodos (alle p. 31, dort auch paraphraseos); prosopographia (p. 67) und natürlich didacticos (mehrfach, z. B: p. 65), auffällig sind auch einige mittelalterliche Termini wie intellectivus (p. 20) oder intraneus (p. 25), neu scheinen mir z. B. enarratorius (p. 29) und exos (p. 106) und zu sein, die beide nicht bei R. Hoven, Lexique de la prose latin de la renaissance, Leiden 1994 verzeichnet sind, der 106 für das ebenfalls neue didacticus nur spätere, fraglos von Melanchthon abhängige Belege bei Ringelberg, Bullinger und Calvin anführt; τὸ σκότισον (p. 14) ist vermutlich Druckfehler.

[102] Vgl. Melanchthons Charakterisierung dieses Werkes in seinem argumentum (cf. M. T. Ciceronis de oratore libri tres, ..., Hagenau 21535, fol. 162r): "Diese Bücher enthalten eine Rhetorik, aber sie überliefern nicht nur Vorschriften, sondern urteilen auch über diese Vorschriften und zeigen die Quellen auf" (Hi libri continent Rhetoricen, sed non tantum praecepta tradunt, ..., sed iudicant etiam de praeceptis, et fontes ostendunt).

[103] Außerdem beschränkt er sich weitgehend auf Fragen der elocutio.

[104] Zum allgemeinen Nutzen der Rhetorik s. O. Berwald, Philipp Melanchthons Sicht der Rhetorik, Wiesbaden 1994, 8-24, auch 25-36.

[105] Vgl. R. Stupperich (Hg.), Melanchthons Werke III (s. A. 11), 40, 1- 41, 12 zur Schriftauslegung und Ausbildung der Prediger.

[106] Erasmus bemerkt 1522 zu Beginn des Abschnittes De demonstrativi generis epistolis: genus demonstrativum raro quidem per se adhibetur, frequenter autem in aliis generibus incidit, vgl. Opera Omnia Desiderii Erasmi Roterodami I 2 (s. A. 8), De conscribendis epistolis 513.

[107] Cf. Compendiaria Dialectices Ratio (s. A. 11), fol. A Iv: rhetoricas institutiones effudimus verius, quam scripsimus, quibus, ut argumenti ratio postulabat, perpauca de dialecticae orationis, sive ordine, sive compositione adiunximus; s. auch H. Scheible et al. (Hgg.), Melanchthons Briefwechsel (s. A. 20) Regesten I (78) 70 und Texte I (78) 179-181.

[108] Cf. Fol. A IIr: Inprimis dialecticum artificium ordo commendat, qui cum et in discendo et in docendo plurimum habeat momenti, facilius certiusque cum discunt, tum docent, quod Dialecticae periti sunt.

[109] Hier benutzt und zitiert Dialectices Libri quatuor, Leipzig 1531, fol. A 3v-4r; B 5v (officia); F 6v ("So erfaßt der Dialektiker den Gegenstand in knapper Form, die Rhetorik fügt den Redeschmuck hinzu": Ita Dialecticus breviter comprehendit argumentum, Rhetorica addit elocutionem), s. auch fol. C 8r.

[110] Propositio: Dialectices Libri Quatuor (s. A. 109), fol. E 2r-v; status: fol. E 2v; loci: fol. H 7v-8r; H 8r-I 1r, s. auch B 7v Hinweis auf weitere affectus in den Handbüchern der Rhetorik.

[111] Zu den Nachdrucken der De Rhetorica libri tres s. Verzeichnis der im deutschen Sprachbereich erschienenen Drucke des 16. Jahrhunderts 1-20, Stuttgart 1983-1993, 13, 1988, 497-498: M 4179-4186, der Institutiones Rhetoricae: ibid. 417-418: M 3514-3527.

[112]   Der entscheidende Satz Vides autem nos ex rhetorica, quoniam ratio concionandi illius artis quedam vel pars vel imago est, quaedam concionum genera mutuatos esse fehlt in der Fassung bei  G. Maior (Hg.), Enarratio Epistolae Pauli Secundae ad Timotheum, Wittenberg 1564, im Anhang: fol. 114v-122r und findet sich nur in den anderen Fassungen, s. P. Drews F. Cohrs (Hgg.), Melanchthons Schriften zur Praktischen Theologie. V 2: Homiletische Schriften; Leipzig 1929, 5-14; Zitat: 6 (zu den Ausgaben: XXXII-XXXIX); vgl. dazu U. Schnell, Die homiletische Theorie (s. A. 17), 63-77.

[113] Cf. fol. 115r: διδάκτικον (sic), ἐπιτρεπτικὸν  , quod ad credendum, παραινετικὸν , quod ad bonos mores hortatur; p. 5-6: didacticum, epitrepticum, quod ad credendum, paraeneticum, quod ad mores hortatur.

[114] Cf P. Drews F. Cohrs (Hgg.), Melanchthons Schriften V 2 (s. A. 112), 17-29 (Quomodo concionator novitius concionem suam informare debeat, s. dazu U. Schnell, Die homiletische Theorie [s. A. 17], 77-83); 33-55 (s. A. 115); 59-79 (De ratione concionandi).

[115] Cf. G. Maior, Enarratio Epistolae Pauli Secundae ad Timotheum, Anhang (s. A. 112), fol. 122r-144r; Zitat: 122v; P. Drews F. Cohrs (Hgg.), Melanchthons Schriften V 2 (s. A. 112), 33-55, Zitat: 33: Nam cuiuslibet concionis finis est proprie, ut vel doceat auditores de dogmatibus vel ut traducat animos ad aliquem affectum, ad fiduciam in Christum aut timorem, vgl. dazu U. Schnell, Die homiletische Theorie (s. A. 17), 83-100.

[116] Dies gilt vollends für die 1552 entstandene Schrift De ratione concionandi, cf. P. Drews F. Cohrs (Hgg.), Melanchthons Schriften V 2 (s. A. 112), 59-79.

[117] Wittenberg 1531, hier benutzt Wittenberg 1536, erweitert 1542; diese Auflage liegt den Nachdrucken bei C. G. Bretschneider H. E. Bindseil (Hgg.), Philippi Melanchthonis Opera I-XXVII, Halle 1834-1860, XIII col. 417-506 und J. Knape (s. A. 17), 121-165 zugrunde. Dank der Freundlichkeit des Herausgebers kann ich noch hinweisen auf V. Wels (Hg.), Philipp Melanchthon. Elementa rhetorices. Grundbegriffe der Rhetorik, Berlin 2001, der seiner Edition (mit Übersetzung) die Ausgabe Wittenberg 1539 zugrundelegt und die Varianten notiert (477-483); da mein Manuskript bereits abgeschlossen ist, kann ich leider nur noch im Ausnahmefall auf diese Ausgabe verweisen (s. A. 154).

[118] Fol. A 8v- B 1r: Ego addendum censeo διδασκαλικὸν genus, quod etsi ad Dialecticam pertinet, tamen ubi genera negociorum recensentur, non est praetermittendum, Praesertim, cum hoc tempore vel maximum usum in Ecclesiis habeat, ubi non tantum suasoriae contiones habendae sunt, sed multo saepius homines, Dialecticorum more, de dogmatibus religionis docendi sunt, ut ea perfecte cognosere possint. Est autem διδασκαλικὸν genus, methodus illa docendi, quae traditur in Dialectica, cuius particulam retinuerunt Rhetores in statu finitivo. Est et Demonstrativum genus, affine διδασκαλικω̑ (sic) generi. Plaerumque enim est definitio, sed amplificata ornamentis oratoriis, ut tanquam pictura, ab imperitis magis  conspici possit (A 8v-B 1r).

[119] Die Kommentare können hier nicht einzeln aufgezählt werden, vgl. K. Hartfelder, Philipp Melanchthon (s. A. 15), 579-620, ferner T. J. Wengert, in: T. J. Wengert et al. (Hg.), Philip Melanchthon (497-1560) and the Commentary, 106-148 und C. J. Classen, Die Bedeutung der Rhetorik (s. A. 17), 1-40 und id., Rhetorical Criticism (s. A. 17), 99-177.

[120] Cf. Artifitium Epistolae Pauli ad Romanos, in: E. Bizer (Hg.), Texte aus der Anfangszeit Melanchthons, Neukirchen-Vluyn 1966, 20-30, 20; Εξεηγησις Methodica in Epistolam Pauli προς τους γαλατας : ibid. 34-37, 34.

[121] Zuerst Hagenau 1529, hier benutzt: Hagenau 1530. Entsprechende Hinweise fehlen in den  Commentarii in epistolam Pauli ad Romanos ..., Straßburg 1540 und in der Epistolae Pauli scriptae ad Romanos Enarratio ..., Wittenberg 1556.

[122] Cf. Brevis et utilis Commentarius in priorem Epistolam Pauli ad Corinthios, Wittenberg 1561, fol. 99r-v; der Exkurs ist auch mit dem Titel De tribus contionum generibus abgedruckt bei G. Maior (Hg.), Enarratio Epistolae Pauli Secundae ad Timotheum, Anhang (s. A. 112), fol. 162v-165v, Zitat: 162v.

[123] Cf. fol. 1r: Prima epistola ad Corinthios ... multas dissimiles materias coacervat. Totum tamen corpus ad genus Suasorium pertinet, quia sunt obiurgatiines, commonefactiones, praecepta de diversis negociis, et intertextae sunt alicubi conciones, quae sunt doctrinae pertinentes ad genus Didascalicon.

[124] Cf. Artifitium Epistolae Pauli (s. A. 120) 24; s. auch ibid. A. 18 (zu der lateinischen und der griechischen Textausgabe); Theologica Institutio Philippi Melanchthonis in Epistolam Pauli ad Romanos in: E. Bizer (Hg.), Texte (s. A. 120), 90-99, 99.

[125] Cf. C. G. Bretschneider H. E. Bindseil (Hgg.), Philippi Melanchthonis Opera (s. A. 117) XIII 1017-1244 (verfaßt in den Jahren 1553-1554).

[126] Sunt igitur alii Psalmi prophetici, qui ad genus διδασκαλικὸν pertinent, docent quis sit Messias, et quae sint eius beneficia, ut Psalmus 2..., ... 110,... 45..., ... 72..., alii sunt doctrina legis, ut de concordia, 133..., alii docent quae sit Ecclesia, et ubi sit ut 84... Alii sunt consolationes, et gratiarum actiones. Alii petunt remissionem peccatorum, et alias liberationes. Possunt autem consolationes et petitiones referri ad genus suasorium, ut Psalm 51 (cf. C. G. Bretschneider H. E. Bindseil [Hgg.], Philippi Melanchthonis Opera [s. A. 117] XIII 1225). Zu Psalm 2 bemerkt er vorher (ibid. XIII 1019): principalis narratio est generis demonstrativi.

[127] Cf. C. G. Bretschneider H. E. Bindseil (Hgg.), Philippi Melanchthonis Opera (s. A. 117) XIII 1151: Discernenda esse genera Psalmorum ...; Psalmi aliquot vaticinia, id est, enarrationes promissionis de Filio Dei ut Psalmus 2 ..., 44 ... , 71 ... , 110 ..... Possunt autem referri ad genus demonstrativum vel  διδασκαλικὸν et ad statum finitivum. 1091-1094 rechnet er den Psalm 45 (44) zum genus demonstrativum, andere Teile zum genus suasorium und hebt die zahlreichen laudationes hervor; 1220 sagt er zum Psalm 133: praeceptum est de studio concordiae, laudando enim praecipit.

[128] Vgl. Verzeichnis (s. A. 111) 4, 1985, 710 C 5841 (hier eingesehen) und 5842, s. auch C. G. Bretschneider H. E. Bindseil (Hgg.), Philippi Melanchthonis Opera (s. A. 117) XIII 1245-1391 und 1391-1472. Zu Cruciger (1504-1548) s. Th. Pressel, Caspar Cruciger, Elberfeld 1862.

[129] Cf. fol. B Iv-IIr: alii sunt prophetici seu didascalici, seu proprie Evangelici, praecipue ad hoc compositi, ut doctrinam de Christi tradant ...; tertium genus est simpliciter νομικὸν, continens praecepta de bonis operibus, Ut Psalm. CXII (s. zu Psalm 112 auch fol. a IIv).

[130] Die einleitende Bemerkung zu Psalm 111 (fol. Aaa Ir) ist fast identisch mit einer Formulierung Melanchthons zu Psalm 110 (cf. C. G. Bretschneider H. E. Bindseil [Hgg.], Philippi Melanchthonis Opera [s. A. 117] XIII 1151).

[131] In epistolam Pauli ad Timotheum priorem Commentarius, Straßburg 1540 (hier eingesehen: 1542); In Evangelium Ioannis Apostoli Enarratio, Straßburg 1546 (hier eingesehen: Straßburg 1557), s. auch C. G. Bretschneider H. E. Bindseil (Hgg.), Philippi Melanchthonis Opera (s. A. 117) XV 1-440; K. Hartfelder, Philipp Melanchthon (s. A. 15), 102; 602; Th. Pressel (s. A. 128), 82 A. 9 und F. Cohrs, in: Realencyklopädie für protestantische Theologie und Kirche I-XXIV, Leipzig 41896-1913, IV 343-344 nennen ferner einen  Commentarius in Matthaeum per fidem Besodneri, Wittenberg 1564 und einen Jn Epistolam Pauli ad Romanos scriptam Commentarius, Wittenberg 1567, der im Verzeichnis (s. A. 111) 4, 1985, 714 C 5868 Crucigers gleichnamigem Sohn zugeschrieben wird.

[132] S. G. Eskuche, Sarcerius als Erzieher und Schulmann, Schulprogramm Siegen 1901.

[133] Cf. Dialectica multis ac variis exemplis illustrata, Marburg 1537; Rhetorica plena ac referta exemplis, Marburg 1537,   s. dazu G. Eskuche, Sarcerius (s. A. 132), 6; 49-52 (zur Rhetorik); 52-54.

[134] Fol. 2v: qui ... Dialecticam et Rhetoricam ... , singularia spiritus sancti dona, e sacris literis explodunt. S. auch Methodus divinae scripturae loca praecipua explicans, Halle 1539.

[135] Fol. 7r-v: Voco autem hic Methodum, διδακτικὸν docendi genus, quo res explicantur per definitionem, causas, partes, effectus, res cognatas et contraria.

[136] Pastorale Oder Hirtenbuch vom Ampt Wesen und Disciplin der Pastorn und Kirchendiener ..., Eisleben 1559, hier benutzt: 21562.

[137] Neben Dialektik, Rhetorik und Loci communes führt er (teils mit ungenauen Titeln) auf: Ratio brevis sacrarum concionum tradendarum (vgl. dazu P. Drews F. Cohrs [Hgg.], Melanchthons Schriften zur Praktischen Theologie. V 2 [s. A. 112], XXXII-XXXVI), De officiis concionatoris (s. A. 112), Brevis discendae Theologiae ratio, Wittenberg 1540 (diese drei auch abgedruckt in Melanchthons Opera Omnia I-IV, Wittenberg 1562-1564, II 7-29; 30-34 und 35-37) und Insignis et luculentissima sacrae scripturae Methodus in Mose ostensa, ... Erfurt 1546 (fol. A Vv- B IIIr).

[138] Johannes Aepinus (s. A. 158) veröffentlichte eine De sacris concionibus formandis compendiaria formula, gedruckt im Anschluß an P. Artopoeus (P. Becker), Evangelicae conciones dominicarum tocius anni, per dialectica et Rhetorica artificia breviter tractatae, Wittenberg 1537; Artopoeus selbst (1491-1563) verzichtet in seinem Ionas Propheta, et Psalmus 1, trilinguis una cum Scholiis, Basel 1543 fast völlig auf die Erläuterung der Argumentation oder der rhetorischen Figuren, im Psalterium Prophetae Davidis, Hebraeum Graecum et Latinum I-V, Basel 1548 dagegen gibt er Erläuterungen zum Inhalt und Verständnishilfen zur Struktur und zu rhethorischen Figuren sowie Hinweise für die Anwendung in der Praxis (s. auch den Index der loci communes: fol. A 4r-8r), jedoch ohne die Psalmen einzelnen genera zuzuweisen); die In priorem Divi Pauli Epistolam ad Timotheum scholia, Basel 1545 habe ich nicht einsehen können.

[139] Vgl. Enarratio Epistolae Pauli scriptae ad Ephesios collecta, Wittenberg 1552 (auch 1557); Enarratio Epistolae Pauli ad Philippenses scriptae, Wittenberg 1554 (auch 1559); Enarratio Epistolae Pauli ad Colossenses scriptae, Wittenberg 1554 (auch 1559); Series et Dispositio orationis in Epistola Pauli ad Romanos, Wittenberg 1556 ( auch 1558); Enarratio Primae Epistolarum Pauli ad Corinthios und Enarratio Secundae Epistolae Pauli ad Corinthios, Wittenberg 1558 (auch 1561); Enarratio Epistolae Pauli ad Galatas, Wittenberg 1560; Enarratio Duarum Epistolarum Pauli ad Thessalonicenses, Wittenberg 1561 (auch 1563); Enarratio Epistolae Pauli ad Hebraeos, Wittenberg 1561; Enarratio Epistolae Pauli Secundae Ad Timotheum (s. A. 112); Enarratio trium insignium Psalmorum XXII. LXVIII et LXXII, Wittenberg 1559; Psalterium Davidis, Straßburg 1594 (diese alle hier eingesehen), s. außerdem Enarratio Epistolae Pauli Primae Ad Timotheum, Wittenberg 1561; Enarratio Epistolarum Pauli ad Titum et Philemonem, Wittenberg 1565, vgl. dazu T. J. Wengert, in: H. Scheible (Hg.), Melanchthon in seinen Schülern, Wiesbaden 1997, 147 A. 87, der 142 A. 61 auch noch eine Enarratio Epistolae Pauli scriptae ad Ephesios praelecta, Anno MDLIX, Wittenberg 1561 nennt, ebenso 147 A. 88, wo er außerdem eine Enarratio in duas Epistolas Pauli, ad Philippenses et  Colossenses Praelecta, Anno 1560, Wittenberg 1561 anführt.

[140] Magdeburg 1535, vgl. Verzeichnis (s. A. 111) 13, 1988, 233 M 2138; obwohl das Werk oft nachgedruckt wurde (s. ibid. 233-235 M 2139-2155), ist es mir nicht zugänglich. Es verdient Beachtung, daß Major in seinen in Philippi Melancthonis Rhetorica tabellae auf das vierte genus bzw. die Berücksichtigung des genus didacticum im Rahmen des genus demonstrativum verzichtet (in: Tabulae, de Schematibus Petri Mosellani etc., Leipzig 1532, fol. B 8r-C 6r, bes. B 8r-C 1v). Ein genus didaskalion, von dem T. Wengert spricht (in: H. Scheible [Hg.], Melanchthon in seinen Schülern [s. A. 139], 150), gibt es weder bei Major noch bei Melanchthon.

[141] Psalterium Davidis: olim iuxta translationem veterem, ad Hebraicam veritatem recognitum, a D. Georgio Maiore. Nunc artificio brevi Rhetorico et canendi Modulis, ad singulos Psalmos adiectis, Straßburg 1594.

[142] Fol. 8 r-v: folgende Psalmen werden jeweils mit Angabe des Inhalts (teilweise mehrfach) als didascalici aufgeführt: 2; 32; 66; 109: Trinität; 50; 103; 142: Heiliger Geist; 2, 71; 109: Messias; 8; 23; 32; 88; 95; 103; 113; 120; 123; 133; 145b: Schöpfung; 32, 33; 35; 90; 138: Vorsehung; 8, 33; 34; 77; 90; 96; 103; 148: Engel; 5, 13; 35; 50; 52: Sünde; 14: Gesetz; 6; 24; 31; 50; 129; 142: Rechtfertigung; 14; 23: Gute Werke; 14; 23; 26; 83; 86; 88; 91: Kirche; 9; 31; 37; 50; 101; 129; 142: Buße; 15; 48; 115: Auferstehung; 4; 37; 43; 115; 118: Kreuz; 127: Ehe; 19; 23; 46; 60; 81; 100; 126; 143: Ämter.

[143] Prima (- sexta et ultima) pars Homeliarum in epistolas Dominicales, Wittenberg 1562-1563, I fol. 2v: Haec prior Epistolae Paulinae pars, est διδασκαλικὴ , quae variam et multiplicem doctrinam continet; zu  διδασκαλία καὶ παράκλησις , s. ferner fol. 3r, auch 19v, und zur διδασκαλία fol. 33r u. ö.; zum genus didacticum s. auch fol. 50r (zu 1 Kor. 4) und 78r, wo er vom genus didascalicum spricht, ebenso fol. 166r (zu Gal. 4), dagegen wieder vom genus didacticum fol. 203r (zu Gal. 3) und 242v (zu Rom. 1-11), ferner IV 396 (zu Eph. 4). Bei den Evangelien beschränkt er sich weitgehend darauf, die Texte zu gliedern und zu loci in Beziehung zu setzen: Prima (- sexta) pars Homeliarum in Evangelia Dominicalia et dies festos, Wittenberg 1562-1567.

[144] Wittenberg 1556 und 1576 (hier eingesehen), s. jetzt auch N. Thurn et al. (Hgg.), David Chytraeus. Praecepta rhetoricae inventionis, Rostock 2000; zu Chytraeus, s. Th. Fuchs, in: K.-H. Glaser et al. (Hgg.), David und Nathan Chytraeus. Humanismus im konfessionellen Zeitalter, Ubstadt-Weiher 1993, 33-48.

[145] Die einzelnen Abschnitte gelten Definition, Gliederung, Arten, Gründen, Zwecken etc. (fol. A 1r-B 5v = p. 8-32).

[146] Fol. B 6r-v = p. 34: διδασκαλικόν seu Doctrinale, monstrat rationem tractandi omnes res, de quibus alii docendi sunt.

[147] Psalm 2; 107 (1576: 109); 71; 88; 44; 94; 95; 96; 116; 18; 23; 28; 92; 112; 66; 15; 21; 39; 68; 117.

[148] Fol. C 5v = p. 48: genus didascalicum est Methodus docendi, quae in Dialectica traditur.

[149] Fol. C 1v = p. 38: Ex Epistolis Pauli ad Genus didascalicon, sive ad statum Finitivum Generis Iudicialis, qui pars est Generis Didascalici, pertinent.

[150] Melanchthon selbst verweist in seinen Elementorum Rhetorices libri duo (s. A. 117) zu Beginn des Abschnitts De genere didascalico (fol. B IIIr-v) auf die Dialektik.

[151] Ich verweise nur auf folgende Werke von P. Ramus: Dialecticae partitiones, (oder Dialecticae Institutiones, beide) Paris 1543 (u. ö., hier eingesehen: Basel 1575); Dialecticae libri duo, Paris 1556 (hier eingesehen: Paris 1566, Liber primus: 1-214 [De inventione], Liber secundus 215-450 [De iudicio, i. e. de disponendis argumentis]); Audomari Talaei Rhetorica, P. Rami ... praelectionibus illustrata, Paris 1567 (hier eingesehen: Audomari Talaei Rhetorica e P. Rami ... praelectionibus observata, Frankfurt 1577: Liber primus: 11-85 [De elocutione], Liber secundus 86-109 [De pronunciatione]); Professio regia, Basel 1576 (darin in Tabellenform: Rhetorica [79-92], Dialectica [93-116]); die reiche Forschung zu Ramus anzuführen, muß ich mir versagen.

[152] In Genesin Enarratio, Wittenberg 1557, hier benutzt 1568, p. 4: Et quia in Interpretatione scripturae utilissimum est, referre praecipuas partes Textus ad Locos Communes, qui summam doctrinae Christianae complectuntur: Deinde seriem membrorum ostendere, et Verba, Phrases et Figuras sermonis divini adhibitis fontibus linguarum et praeceptis artium dicendi, et collatis similibus scripturae testimoniis explicare: Deo iuvante conabor haec Interpretis officia ... obire; s. ferner In Exodum Enarratio, Wittenberg 1561; Explicatio Micheae et Nahumi Prophetarum, Wittenberg 1565; Explicatio Malachiae Prophetae ..., Rostock 1568; In Evangelion Ioannis scholia, Frankfurt 1577 (hier eingesehen); andere waren mir nicht zugänglich.

[153] Cf. Dialectica Ioannis Caesaris ... Mainz 21542 und Rhetorica Ioannis Caesaris in septem libros sive tractatus, digesta, Köln 1534 (beide hier eingesehen), wo er eingangs (fol. A IIIr) nur drei Humanisten als Autoritäten nennt, Georg von Trapezunt, F. Matarazzo und Melanchthon, diesen später aber fast nur für Einzelheiten anführt (fol. D IIIr; I Iv; I IIr; I IVv; K IVv; K Vr; K VIIIr; H Ir-v: allgemeines Lob) und an den traditionellen drei genera festhält (fol. B VIIv-VIIIr).

[154] Philippi Melanthonis Elementorum Rhetorices Libri duo Martini Crusii Quaestionibus et Scholiis explicati in Academia Tybingensi, Basel 1563 u. ö. (hier eingesehen: 1570, 48-57; 70-73, s. auch Synopsis nach 604); die Quaestiones auch allein: Tübingen 1581 und 1590. Andere "Kommentare, Kompendien und Einführungen zu Melanchthons Rhetorik" nennt V. Wels (s. A. 117), 501-503; 443 A. 4  verweist er auf Leonard Fox, The arte or crafte of rhetoryke, London (1524 oder 1529 oder 1532 – non vidi), eine Bearbeitung nicht nur von Melanchthons Institutiones Rhetoricae, sondern offenbar auch der De Rhetorica libri tres, wie die Zitate bei K. Dockhorn, in: H. Schanze, Rhetorik, Beiträge zu ihrer Geschichte in Deutschland vom 16. – 20. Jahrhundert, Frankfurt 1974, 17-42, bes. 36-40 zeigen, dessen völlig unbegründete Polemik darauf beruht, daß er Melanchthons früheres Werk nicht kennt; zu L. Cox s. Th. Cooper, in: Dictionary of National Biography 12, 1887, 411-412.

[155] Vgl. C. J. Classen, Die Bedeutung der Rhetorik (s. A. 17), 21-22.

[156] S. Hausammann, Römerbriefauslegung zwischen Humanismus und Reformation. Eine Studie zu Heinrich Bullingers Römerbriefvorlesung von 1525, Zürich 1970. Zu Zwingli s. das Register grammatischer und rhetorischer Termini in: E. Egli et al. (Hgg.), Huldreich Zwinglis Sämtliche Werke I-XIV, Zürich 1905-1963, XIII 839-864. Zu Luther, Calvin und anderen s. C. J. Classen, Rhetorical Criticism (s. A. 17), 14-15 mit A. 16.

[157] H. Betz erweckte 1974 den Eindruck, daß er diese Methode gefunden hätte, s. dazu C. J. Classen, Rhetorical Criticism (s. A. 17), 2-5 u. ö. .

[158] Frankfurt 1555, 12 ordnet er Psalm 1 dem genus didascalicum zu, gibt den status an und läßt weitere rhetorische Erläuterungen folgen, ähnlich auch zu den anderen Psalmen (ohne das genus didascalicum erneut zu nennen). Da er schon 1518-1520 in Wittenberg studierte, ist fraglich, wie weit er von Melanchthon beeinflußt wurde, s. auch A. 138.

[159] Nicht zugänglich ist mir A. de Zorrilla, De sacris concionibus recte formandis, deque ratione theologiae discendae, compendiaria formula, Rom 1543; zum Autor, der von einem gleichnamigen Benediktinerabt (1508-1570, s. Enciclopedia universal ilustrada europeo-americana I-LXX, LXX, 1930, 1440-1441) zu trennen ist, und dessen Werk s. J. W. O'Malley, Thought 74, 1979, 262-273, zur Benutzung der Werke Melanchthons 268-272.

[160] Ecclesiastes sive de ratione concionandi libri quatuor, Basel 1535; J. Clericus (Hg.), Desiderii Erasmi Roterodami Opera Omnia I-X, Leiden 1703-1706, V (767)769-1100 (danach hier zitiert).

[161] S. z. B. 801 C-802 C; 805 F-806 B; 831 C-832 A; 858 E; 798 D nennt er Christus doctorum omnium Doctor.

[162] 858 F: Ecclesiastes potissimum versatur in docendo, in suadendo, in exhortando, consolando, consulendo et admonendo.

[163] Dafür daß Erasmus "proposed instruction as a separate genus", wie K. Weiss, Archiv für Reformationsgeschichte 65, 1974, 83-108, 100 A. 78 vermutet, finde ich keinen Anhaltspunkt an den von ihm angeführten Textstellen (858 F; 862 A-B) oder sonst. Wenn Weiss das consulere meinen sollte, ist das jedenfalls weit von Melanchthons genus didacticum entfernt. Auch trifft nicht zu, daß Erasmus in der Ratio "seems to forecast his genera dicendi"; die Formulierung an der von Weiss zitierten Stelle (H. und A. Holborn [Hgg.], Desiderius Erasmus Roterodamus. Ausgewählte Werke [s. A. 36], 301) ist viel zu allgemein.

[164] Die erste Auflage wurde 1579 in Basel nachgedruckt, die zweite erweiterte 1781 in Halle (nach diesen Ausgaben wird hier zitiert). Zu Hyperius s. G. Krause, Andreas Gerhard Hyperius. Leben – Bilder - Schriften, Tübingen 1977 (mit ausführlichem Verzeichnis der Schriften 127-158). Seine Werke zur Dialektik und Rhetorik (Zürich wohl 1566) sind mir nicht zugänglich.

[165] 1579: 7, 1781: 2: in illa pleraque ad Dialecticam brevitatem ac simplicitatem exiguntur: in ista, copia et ubertas Rhetorica plurimam adfert gratiam; s. auch De Theologo, seu de ratione studii theologici libri IIII, Straßburg 1562 (zuerst Basel 1556), 398-400.

[166] 1579: 115-118; dieser Abschnitt findet sich in der zweiten Auflage (1781) schon im ersten Buch und ist ausführlicher: 49-59.

[167] Cf. 116: quorum primum appellabitur Doctrinale seu διδασκαλικὸν : secundum, Redargutivum sive ἐλεγχικὸν : tertium, Institutivum, alias παιδευτικόν , ... quartum, Correctorium vel ἐπανθρωοτικὸν (sic): quintum, Consolatorium, παρακλητικὸν vel παραμυθικὸν , ähnlich 1781: 54-55, wo diese genera dann durch Beispiele erläutert und gerechtfertigt werden.

[168] Cf. 117: quod vero ad Doctrinale itemque ad Consolatorium genus reducatur, rhetores non habent, utpote qui universum docendi consolandique munus ad Philosophos Academiarum et Scholarum incolas ... devolverunt. Dieser Satz findet sich nicht in der Neuauflage (1781).

[169] Genus didascalicum: 118-131; 1781: 168-250 (mit vielen allgemeinen Überlegungen) und 307-337; genus redargutivum: 131-140; 1781: 351-364; genus institutivum: 140-156; 1781: 364-382; genus correctorium 156-178; 1781: 382-410; genus consolatorium: 179-189; 1781: 410-420.

[170] De Theologo (s. A. 165), 45-80 (zur Bedeutung der verschiedenen Disziplinen für die Ausbildung der Theologen, Logik: 45-52, s. auch 331; 308: einige Psalmen sind didactici et paraenetici, s. auch 308-310; 332 zu den Paulusbriefen: omnes sunt didascalici sive dogmatici generis, mit Ausnahme von 2 Kor., Phil. und Philemon, s. ferner 338 zu den vier Zentralbegriffen doctrina, redargutio etc., erläutert 338-351); Topica theologica, Wittenberg 1565 (zuerst Zürich 1564), 15v-18v: sechs Formen der concio bei Propheten und Aposteln, die nachzuahmen sind; 95 r-v: unter den loci rerum expetendarum sive fugiendarum werden im Abschnitt utile et inutile exempla aus dem genus didascalicum und institutivum notiert; die Methodi Theologiae, sive praecipuorum Christianae religionis locorum communium Libri tres, Basel 1568 (zuerst 1567) zeigen den Versuch, den gesamten Stoff der Bibel nach Regeln der Dialektik zu gliedern und auf loci zu reduzieren.

[171] Commentarii ... In Epistolam D. Pauli Apostoli ad Hebraeos, Zürich 1584, 5 (genus didacticum); ... Commentarii ... In Omnes D. Pauli Apostoli Epistolas atque etiam in Epistolam D. Judae I-IV, Zürich 1584 I 5-6 (Röm. Teil 1und 2: genus didascalicon, Kap. 12 und 13: genus institutivum, 14 und 15: genus mixtum); 183 (1 Kor.: [zögernd] genus didacticum); 337 (2 Kor.: genus iudiciale); II 1 (Gal.: genus didacticum, Teil 1: iudiciale); 88 (Eph. Teil 1: genus didascalicon, Teil 2, loci 1, 3 und 4: genus institutivum, locus 2: correctorium); III 2 (Phil.: genus deliberativum; hortatoria); 70 (Kol.: genus didacticum); 167 (1 Thess.: genus deliberativum; hortatoria); 241: (2 Thess.: genus deliberativum; consolatoria); IV 3 (1 Tim., Teil 1: genus διδασκαλικόν , das Folgende: genus παιδευτικόν , institutivum); 135 (2 Tim.: genus deliberativum; hortatoria); 181 (Tit.: epistola didactica ac proinde generis demonstrativi); 213 (Philem.: genus deliberativum; petitoria); 228 (Jud. genus deliberativum; monitoria).

[172] Enseignement à bien former les sainxtes prédications et sermons des églises du Seigneur: contenant vray methode d'interpreter et appliquer populairement les sainctes Escritures par lieux communs, artifices et observations necessaires ..., Genf 1563; The Practis of preaching, otherwise called, The Pathways to the Pulpet, London 1577. Von ihm direkt oder indirekt beeinflußt ist z. B. u. a. noch H. Müller, Orator Ecclesiasticus, Rostock 21670, 87; 88-92, zum usus didascalicus s. ibid. Index 163 mit zahlreichen Angaben, s. auch 30, zum Verfasser, Professor in Rostock (1631-1675) s. H. Bei der Wieden, in: Neue Deutsche Biographie 18, 1997, 405-406.

[173] Auch J. L. Vives verfaßte De Recte ratione dicendi libri tres. De concultatione, Löwen 1533 (hier eingesehen: E. Hidalgo-Serna et al. [Hg.], J. L. Vives, El arte rétorica. De ratione dicendi, Barcelona 1998), in denen sich zwar ein Abschnitt de docendo (II 12: 142-144) findet, aber kein Einfluß von Melanchthon, vgl. A. Martí, La preceptiva retórica española en el siglo de oro, Madrid 1972, 21-42; J. Rico Verdu, La retórica española de los siglos XVI y XVII, Madrid 1973, 220-243, bes. 228-243.

[174] Vgl. G. Galán Vioque, Rhetorica 12, 1994, 155-171, zu Melanchthon bes. 159-165 und 168-171; zu Erasmus s. auch id., Humanistica Lovaniensia 45, 1996, 372-384. Zu Garcia Matamoros s. nur A. Martí, La preceptiva retórica (s. A. 173), 141-154; J. Rico Verdu, La retórica española (s. A. 173), 123-134.

[175] De Tribus dicendi generibus, sive de recta informandi styli ratione commentarius: cui accessit de Methodo concinandi (sic) liber unus, Alcala 1570, abgedruckt in seinen Opera Omnia, Madrid 1769, 425-700 (Buch I: Widmung 425-431, An den Leser 432-441, Text 445-522, Buch II: Vorworte 523-528, Text: 529-700); nach dieser Ausgabe wird hier zitiert.

[176] Opera Omnia (s. A. 175), 436-437. Cf. Lorenzo de Villavicencio, De formandis sacris concionibus, seu de Interpretatione scripturarum populari, Libri III, Antwerpen 1565 (auch im Anhang von De recte formando studio theologico libri quatuor, Köln 1575 [dort 121 ein Hinweis auf das genus didacticum] und in: Degli Autori del ben parlare per Secolari, e Religiosi opere diverse I-XV, Venedig 1642-1643, XV: Dell' Eloquenza ecclesiastica, 89-264; 195-196 [II 1] werden Hyperius' fünf genera aufgezählt, 196-202 [II 2] das genus didascalicum behandelt: das Werk ist weitgehend von Hyperius abhängig, s. dazu auch A. Martí, La preceptiva retórica [s. A. 173], 219-221); welche Schrift von Alonso Orozco hier gemeint, ist mir nicht sicher (vgl. Enciclopedia universal [s. A. 159] 40, 1930, 662-664; J. Simón Díaz, Bibliografia de la literatura Hispanica I-XVI, Madrid 1950-1994, V, 1958, 231-249; A. Palau y Dulcet, Manual del Librero Hispano-Americano I-XXVIII, Barcelona 21948-1977, 12, 1-6 Nr. 204419-204495; A. Martí, La preceptiva retórica, 228-229 zweifelt sogar an der Existenz eines Werkes De arte concionandi); Andrés Sempere, Methodus oratoria. Item et de Sacra Ratione Concionando libellus, Valencia 1568; zu A. Sempere s. A. Miró, El humanista Andrés Sempere. Vida y obra, Alcoy 1968, bes. 97-100; A. Martí, La preceptiva retórica, 169-174; J. Rico Verdu, La retórica española (s. A. 173), 207-212.

[177] Opera Omnia (s. A. 175), 530-533; cf. A. Hyperius, De formandis concionibus (s. A. 164), 1579: 85-94 und 94-115, 1781: 98-107 und 108-130.

[178] Opera Omnia (s. A. 175), 531: Nam de genere didascalico permulti auctores, quos religionis gratia tacitus praetereo, pertractarunt; 609: Hanc methodum in formandis sacris concionibus et in proponenda materia in genere didascalico, in propositionibus etiam principalibus et subsidiariis deducendis, ex Cicerone instituto sequetur concionator.

[179] Ecclesiasticae Rhetoricae, sive de ratione concionandi libri sex, Lissabon 1575 (1576), hier benutzt: Köln 21582. Zu seinem umfangreichen Gesamtwerk s. nur J. Simón Díaz, Bibliografia (s. A. 176) XIII 583-684; A. Martí, La preceptiva retórica (s. A. 173), 95-101.

[180] 176: Additum est his didascalicum seu dialecticum genus ... Huius autem generis finis cognitio est.

[181] 218: In hoc igitur genere hic fere ordo servandus erit, ut primum ostendamus quid res sit, deinde qualis sit ... Tum causas eius et effectus, ac postremo eius partes per divisionem indagemus.

[182] 218: concionatur autem voluntatem movere, et ad pietatis et iustitiae studium inflammare debet.

[183] Ecclesiastes or A Discourse concerning the Gift of Preaching as it fals under the rules of Art, London 21646; Kommentare Melanchthons: 32; 34; 36-40; 43 s. auch 49; Kommentare des Hyperius: 39; 41-42, s. auch 24; 43; zum Autor, später Bishof von Chester, s. F. Sanders, in: Dictionary of National Biography 20, 1900, 264-267.

[184] Er versucht nicht, "die Verfasser der Psalmen und die Propheten als Rhetoren im Stile Ciceros anzusehen, die ihr Anliegen nach allen Regeln der Hohen Kunst zu vertreten suchen", wie H. Sick, Melanchthon als Ausleger (s. A. 17), 81 formuliert, er rückt nur die Autoren der Bibel gleichberechtigt neben die der heidnischen Antike und beurteilt ihre Werke nach denselben Maßstäben.

[185] In dem sehr ausführlichen, von zahlreichen Autoren verfaßten Artikel Predigt in der Theologischen Realenzyklopädie 27, 1997, 225-330 wird Melanchthon nur einmal wegen des Einflusses seiner Postilla (1549) erwähnt (298), etwas ausführlicher und eher angemessen, wenn auch sehr knapp H. M. Müller, ibid. 15, 1986, 533 im Artikel Homiletik (526-565).



Autor (author): Carl Joachim Classen
Dokument erstellt (document created): 2002-08-13
Dokument geändert (last update): 2002-08-19
WWW-Redaktion (conversion into HTML): Manuela Kahle & Stephan Halder