Vivat Germania latina, Vivat Latinitas teutonica!

Eckhard Keßler

Eröffnung des Kongresses:
Germania latina - Latinitas teutonica



Endlich - finally - finalmente! Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung kann unser Kongress beginnen.

Ich bin dankbar, daß Sie alle unserer Einladung zu dieser Eröffnung gefolgt sind.

Ich bin stolz, Sie alle im Namen unseres Seminars und seiner Mitarbeiter hier und heute begrüßen zu können.

Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit in den nächsten Tagen und ihre Fortsetzung in den kommenden Jahren.

Als wir den Plan zu diesem Kongress faßten, rechneten wir vor allem mit der Teilnahme deutscher Kolleginnen und Kollegen. Um so größer war unsere Überraschung, als wir Themenvorschläge aus aller Welt in großer Zahl und hoher Qualität erhielten. Das Programm, so wie es Ihnen heute vorliegt, stellt eine Auswahl von etwa 60 % der Vorschläge dar; es umfaßt 57 Vorträge, von denen nur 25, d.h. knapp 44 % aus Deutschland stammen, der Rest aus Belgien, Dänemark, England, Finnland, Frankreich, Holland, Island, Italien, Norwegen, Polen, Rußland, Schweden, Tschechien und den USA. Ich möchte Sie vor allen herzlich begrüßen und dankbar für das vielseitige Programm, das Sie uns bieten: Willkommen, benvenuti, welcome, bienvenu, salvete.

Diese Weite und Vielfalt der Themen und Perspektiven ist bereits in den "Abstracts" dokumentiert. Auf sie bezieht sich der Minister für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Bayern, Hans Zehetmair, wenn er, der selbst an dieser Universität Klassische Philologie studiert hat, in seinen Wünschen für ein gutes Gelingen unseres Kongresses, an dem er leider nicht teilnehmen kann, besonders die Internationalität und fachliche Kompetenz der Teilnehmer hervorhebt.

Aber lassen Sie mich zu jenen zurückkommen, die nicht nur durch Grüße aus der Ferne, sondern durch ihre persönliche Anwesenheit bei dieser Eröffnung unseren Bemühungen - unseren Studia - einen ehrenvollen Platz in der Vergangenheit und in der Gegenwart der akademischen Welt zuweisen.

Ich begrüße, mit großer und dankbarer Freude, Seine Königliche Hoheit Franz Herzog von Bayern, den Chef des Hauses Wittelsbach, der so wie seine Vorfahren, die diese Universität 1472 in Ingolstadt gegründet und nach einem Zwischenspiel in Landshut 1826 nach München gebracht haben, heute als Mitglied des Hochschulrates seine Hand schützend über die Ludwig-Maximilians-Universität hält. In früheren Jahrhunderten hätte es sich gehört, an dieser Stelle einen lateinischen Hymnus auf Sie, Königliche Hoheit, und auf Ihr Haus anzustimmen. Wir sind heute prosaischer und können versuchen, das gleiche statt in 529 Versen in einem Satz zu sagen: nämlich, daß so wie im Handeln Ihres Hauses zu Nutz und Frommen dieser Universität das Thema unseres Kongresses sich sinnbildlich ausdrückt, in Ihrer fortdauernden Fürsorge für sie auch die fortdauernde Aktualität unseres Themas deutlich wird. Ich danke Ihnen deshalb besonders dafür, daß Sie unserer Einladung gefolgt sind.

Ich begrüße nicht weniger dankbar Seine Magnifizenz, den Rektor der Ludwig-Maximilians-Universität München, Herrn Prof. Dr. Andreas Heldrich. Sie haben es sich, Magnifizenz, trotz mehrfacher Kongress-Eröffnungs-Verpflichtungen am heutigen Tag nicht nehmen lassen, auch unser Unterfangen noch durch ein Grußwort zu adeln. Bei einem Vertreter der Jurisprudenz, die mehr als alle anderen Disziplinen ihren Ursprung der römischen Tradition verdankt und in ihrer Geschichte enger als andere der Geschichte der lateinischen Sprache und Kultur verbunden ist, könnte dies auf einen Akt der Pietät, die eine sehr lateinische Tugend ist, gegenüber der eigenen wissenschaftlichen Herkunft schließen lassen. Aber Sie vertreten nicht nur Ihr Fach, sondern unsere ganze Universität und so möchte ich denn Ihre Anwesenheit heute auch gerne auf die ganze Universität beziehen und als ein Zeichen verstehen, daß die Universität, deren Geschicke in Ihren Händen liegt, beim Gang in die Zukunft sich auch weiterhin ihrer Herkunft bewußt bleiben wird. Daß in diesem letzten Satz das "weiterhin" nicht ohne Berechtigung steht, dafür möchte ich Ihnen persönlich besonders danken.

Schließlich begrüße ich sehr herzlich den geschäftsführenden Leiter des Departments für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft, Herrn Prof. Dr. Günter Zöller, der im Namen der universitären Einheit, der das Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance angehört, zu uns sprechen wird. Indem ich Ihnen, lieber Herr Zöller, danke, danke ich allen Kollegen von der Philosophie, die auch wenn es ihren eigenen wissenschaftlichen Interessen nicht unmittelbar diente, die Vorbereitung dieses Kongresses und generell die Tätigkeit unseres Forschungsschwerpunktes, die erst zu diesem Kongress führen konnte, immer wohlwollend und fair ermöglicht und unterstützt haben. Lassen Sie mich Ihre Anwesenheit als ein gutes Omen für die zukünftige Zusammenarbeit im Department und in der Fakultät werten.

Ich habe meine Begrüßungs- und Dankesworte mit der Planung des Kongresses und den Erwartungen begonnen, die uns vor zwei Jahren bewegten und die so außerordentlich weit übertroffen wurden. Ich muß noch einmal zu diesen Planungen und Erwartungen zurückkehren, denn ich habe dort eines nicht erwähnt, ohne das wir hier nicht zusammen wären: den nervus rerum, das Geld, das sich in unserem Falle italienisch ausspricht: i soldi. Auch hier darf ich sagen, daß unsere Erwartungen weit übertroffen wurden, denn wir mußten um das Nötige nicht feilschen, wir mußten es nur - gut philosophisch - begründen. Und da der, dem wir dies zu danken haben, der letzte Grund und die erste Ursache dieses Kongresses ist, an sich am bekanntesten, für uns aber am meisten verborgen, so daß man zuletzt zu ihm kommt, will auch ich ihn heute abend zuletzt begrüßen und willkommen heißen: Ich begrüße den leidenschaftlichen Verteidiger und Verfechter der lateinischen-humanistischen Tradition in aller Welt, den erfolgreichen Bankier, der die ökonomisch motivierte "Globalisierung" durch eine ebenso globale Wertordnung zu ergänzen fordert: ich begrüße den Presidenten der Fondazione Cassamarca in Treviso, Avvocato Onorevole Dino De Poli, und ich danke ihm und der Stiftung der Sparkasse von Treviso, deren President er ist, für die großherzige und großzügige Unterstützung unseres Kongresses, der allein durch seine Finanzierung möglich geworden ist.

Un "benvenuto a Monaco" anche a Lei, caro Presidente. La saluto alla fin fine, perchè è il vero fondamento del nostro convegno, e il fondamento non si vede alla prima vista, ma solo dopo aver remosso tutto ciò che è stato costruito al di sopra di esso. In un certo senso però Lei è stato anche la prima causa del convegno, perchè quando ci siamo incontrati per la prima volta a Venezia, era Lei che mi ha incoraggiato a sommettere un progetto del genere. Non è il momento da raccontare tutta la storia della genesi del convegno in questa sede, ma vorrei in ogni caso assicurarLa, che per noi la cooperazione con Lei e la Sua squadra era ed è ancora una cosa magnifica. Siamo pieni di gratitudine per la sovvenzione da parte della Fondazione Cassamarca e pieni di ammirazione per ciò che sta effettuando per la continuità dell'umanesimo latino in tutto il mondo. Le ringraziamo che prenderà la parola stasera anche Lei, e Le auguriamo buon successo per le Sue fatiche anche nel futuro.

I shall not continue welcoming and introducing the participants, activ or passive, one by one: old and new friends, famous colleagues and rising new stars. We will get to know one another in the course of the conference affirming and doubting, relating and listening, discussing and silent - and eating and drinking, laughing and lamenting together. In the name of the organizing team I welcome you all, cordially and grateful for your participation in this conference and hope, you will enjoy it. In case, however, that you have any questions or problems: there are some persons running around, wiht a light blue logo on their batches - like me - : They are members of the service-team and determined to help you out.

Ich könnte und sollte vielleicht an dieser Stelle Ihre Geduld nicht weiter strapazieren und das Wort, wie im Programm vorgesehen, an Seine Magnifizenz weitergeben. Ich bitte jedoch um Mißverständnisse zu vermeiden, noch drei Bemerkungen zum Gegenstand unseres Kongresses machen zu dürfen.

  1. Ein Kongress, der sich mit der lateinischen Tradition in den letzten 6 oder 7 Jahrhunderten beschäftigen will, gerät leicht in den Verdacht, von rückwärtsgewandter Nostalgie beseelt zu sein. Das wäre ein falsches Bild, denn die lateinische Tradition war selbst viel zu innovativ und dynamisch - sie hat das erfolgreichste zivilisatorische Modell, geschaffen, das die Welt je gesehen hat - als daß der Blick des antiquarischen Konservators ihr gerecht werden könnte.
  2. Von einem Kongress, der sich intensiv mit der Tradition des lateinischen Humanismus beschäftigt, könnte man erwarten, daß er sich vor allem der zwar wohlmeinenden aber zum Scheitern verurteilten Propagierung überholter und dem Leben fremd gewordener Werte widmet. Auch diese Erwartung würde die Sache nicht treffen, denn der lateinische Humanismus war viel zu sehr auf die konkrete Bewältigung der jeweils aktuellen Probleme bedacht - aus dem Humanismus der Renaissance wird die bürgerliche Moral der Neuzeit hervorgehen - als daß der Versuch einer reinen Reprise den Ehrentitel humanistisch für sich in Anspruch nehmen könnte.
  3. Ein Kongress, der Vergangenes erforschen will und dabei die Gegenwart im Blick zu haben beansprucht, könnte den Eindruck erwecken, er wolle Patentrezepte zur Gestaltung der Zukunft anbieten. Auch diesen Eindruck werden wir nicht bestätigen. Denn das "Lernen aus der Geschichte", das für die lateinisch-humanistische Tradition so zentral ist, meint nicht, daß Vergangenes sich wiederholen ließe, sondern daß zumindest der Mensch Neues nicht aus der Voraussetzungslosigkeit des Nichts schaffen kann, und daher nur innovativ und kreativ sein kann, wenn er vieles aus der unmittelbaren Erfahrung eigenen Erlebens und aus der mittelbaren Erfahrung der Geschichte kennt.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen vielseitige und erfahrungsreiche Kongresstage.



Autor (author): Eckhard Keßler
Dokument erstellt (document created): 2002-11-26
Dokument geändert (last update): 2002-11-26
WWW-Redaktion (conversion into HTML): Heinrich C. Kuhn