Vivat Germania latina, Vivat Latinitas teutonica!

Bo Lindberg

Latein und Grossmacht

Das Latein in Schweden des 17. Jahrhunderts



Funktionen des Lateins

Im 8. Jahrhundert, zur Zeit Karls des Grossen, wurde das Latein endgültig eine gelernte Sprache, die man sich nur in den Schulen aneignen konnte, und die einer begrenzten Schicht vorbehalten war. Seitdem kann man vier Funktionen des Lateins unterscheiden. [1]

Die Kommunikation ist die Grundfunktion jeder Sprache. In der frühmodernen Epoche war Latein fortdauernd das gesprochene und geschriebene Verkehrsmittel der Gelehrten, im 17. Jahrhundert zum Teil auch das der Diplomaten.

Die bildende Funktion des Lateins ist mit dem pädagogischen Programm des Humanismus verbunden: die Idee dass man mehr Mensch (humanior) wurde wenn man sich die Sprache der alten Römer aneignete. Eine durchdachte Theorie für diese Bildung gab es im 17. Jahrhundert nicht; in der Praxis bedeutete sie dass das Latein der goldenen und silbernen Zeiten der römischen Antike imitiert wurde und dass die Geschichte der Alten als magistra vitae studiert wurde.

Die disziplinierende Funktion fällt zum Teil mit der der Bildung zusammen. Sie entspricht vor allem was man im 19. Jahrhundert "formale Bildung" nannte, d.h. die Übung der geistigen Fähigkeiten und besonders die des Verstandes durch das Studium der klassischen Sprachen. Im weiteren Sinn kann aber die Disziplinierung auch die Erziehung zu Gehorsam und Patriotismus einschliessen.

Die soziale Funktion besteht darin dass das Latein, "die Muttersprache der Gelehrten", dem Gelehrtenstand seine Identität gab. Das Latein als Markör der Zugehörigkeit zu den Gelehrten oder im 19. Jahrhundert zu den Gebildeten ist ein wohlbekanntes Phänomen. Ein anderer Aspekt der sozialen Funktion ist der repräsentative. Hier braucht man das Latein, nicht nur um einen Inhalt zu vermitteln sondern auch, und manchmal überwiegend, aus Prestigegründen: entweder weil das Latein eine hochangesehene Sprache ist, die ihrem Benutzer und seiner Botschaft Autorität und Würde verleiht, oder weil das Latein die Möglichkeit gibt, andere Sprachen, die man nicht gebrauchen will, zu vermeiden.

Diese Funktionen sind in verschiedenen Perioden des nachantiken Lateins mehr oder weniger vorwiegend. Man kann sie alle in der frühmodernen Epoche finden. Besonders charakteristisch für das 17. Jahrhundert, worum es sich hier handeln soll, ist aber die repräsentative Funktion. Im 17. Jahrhundert bestand fortdauernd die sogenannte repräsentative Öffentlichkeit, und das Latein spielte eine bedeutende Rolle in der Vorzeigung von Autorität, Rang und Status, die die repräsentative Öffentlichkeit charakterisierten. [2]

Die erwähnten Funktionen sind alle in dem Wort "Lateinkultur" einbegriffen. Mit Lateinkultur verstehe ich den Gebrauch des Lateins in verschiedenen Bereichen aber auch das Kultivieren des Lateins nach klassischen Mustern wie auch die Werte und Argumente womit dieses Kultivieren begründet wird.

Eine verspätete Lateinkultur

Eine blühende Lateinkultur war ein spätes Phänomen in Schweden. Sie fiel im 17. Jahrhundert ein, mit ihrem Gipfel in der Mitte und der zweiten Hälfte des Jahrhunderts, das heisst zu einer Zeit, als der Humanismus als lebendige Kulturströmung in den meisten Ländern vorbei war und als die führenden Kulturländer ihre Nationalsprachen schon entwickelt hatten. In dem peripherischen Land im Norden war die gelehrte Kultur immer schwach gewesen, und noch schwächer wurde sie nach der Reformation, die eine Abrüstung des Schulwesens bedeutete. Die hervorragendsten schwedischen Humanisten verliessen das Land infolge der Reformation. Zu dem Humanismus und der Lateinkultur in den übrigen nordeuropäischen Ländern - den Niederlanden, Deutschland, Polen und Dänemark - hat Schweden im 16. Jahrhundert daher kein Gegenstück.

Der Aufschwung der Lateinkultur kam mit dem Aufstieg Schwedens zu Grossmacht unter der Führung von Gustav Adolf und Axel Oxenstierna. In kurzer Zeit trat in den 20er und 30er Jahren des 17. Jahrhunderts Schweden als ein effektiver frühmoderner Staat hervor, der vermöge seines Heeres, seiner Bürokratie, seiner volksdisziplinierenden lutherischen Kirche und nicht wenigstens vermöge einer Menge von eingerufenen Offizieren, Ingenieuren und Unternehmern eine hervorragende Rolle auf der europäischen Szene spielen konnte. Diese "Grossmachtzeit" Schwedens dauerte etwa ein Jahrhundert: von 1620 bis zu den Friedensschlüssen um das Jahr 1720 die den für Schweden unglücklichen nordischen Krieg beendigten.

Die Lateinkultur die sich jetzt entwickelte war in mehrfacher Hinsicht von der neuen Grossmachtrolle abhängig und geprägt. Mehr als in anderen Ländern reflektierte die Lateinanwendung die Bedürfnisse und Bestrebungen des Staates. Erstens war es dank dem Staat dass eine reichere Lateinkultur entstehen konnte. Der Staat brauchte Beamte für die wachsende Bürokratie und für die Kirche, was einen Ausbau des Unterrichtswesens veranlasste. Dadurch wurde seinerseits ein Gelehrtenstand hervorgebracht, der die Lateinkultur tragen konnte. Zweitens war der Bedarf an lateinkundigen Personen in der Aussenpolitik der neuen und unerfahrenen Grossmacht dringend, was dem Latein in einem zentralen Bereich der Grossmachtexistenz eine wichtige Rolle gab. Schliesslich war die Lateinkultur zu ihrem Inhalt von dem Grossmachtkomplex geprägt. Die Schweden wollten den Römern ähnlich werden und gutes Latein pflegen um auf der europäischen Szene anerkannt zu werden. Gleichzeitig wollten sie aber ihre eigene Sprache und Geschichte hervorheben. Darin steckte ein Konflikt zwischen Anpassung und Selbstbehauptung, der der Lateinkultur einen gespaltenen Charakter verlieh.

Ich werde hier die Lateinanwendung aus den drei gerade angegebeben Aspekten besprechen: der Gebrauch des Lateins in der Diplomatie, die gelehrte Lateinkultur und das Verhältnis zwischen nationaler Selbstbehauptung und internationaler Lateinkultur. [3]

Diplomatie und Propaganda

Unmittelbar mit der Grossmachtstellung verknüpft war die Rolle des Lateins in Diplomatie und Propaganda. Diese kommunikative Anwendung des Lateins ist von der Forschung wenig beachtet worden. Solange Schweden eine unbemerkte Macht im Norden war, hatte man die spärlichen aussenpolitischen Beziehungen meistens auf Deutsch handgehabt. Das änderte sich als die schwedische Krone mit fast allen europäischen Potentaten in diplomatische Beziehungen trat. Das Latein war in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts noch die wichtigste diplomatische Umgangssprache, obwohl sich die Konkurrenz vom Französischen allmählich merkbar machte. Die Dokumente des westfälischen Friedens von 1648 waren auf Latein; 65 Jahre später, in den Friedensschlüssen nach dem spanischem Erbfolgekrieg, benutzte man das Französiche in allen Verträgen. [4]

Das Latein war eine neutrale sprachliche Arena, was aus Prestigegründen anziehend war: niemand hatte den Vorteil, die eigene Sprache zu benutzen. Dies war besonders wichtig für die Staaten im Norden und im Osten, deren Nationalsprachen in Europa unbekannt waren und überhaupt weniger entwickelt. Die Schweden strebten danach, das Latein in der diplomatischen Korrespondentz zu normalem Verkehrsmittel zu machen. Nach der Kanzleiordnung von 1661 sollte man alle Potentaten dazu bewegen, Latein zu gebrauchen. Falls jemand seine eigene Sprache verwendete, sollte auf schwedisch geantwortet werden. Es gab aber Ausnahmen: dem französischen König war es erlaubt, sich seiner eigenen Sprache zu bedienen ohne dass man die sprachliche Vergeltungsmassnahme ergriff, auf schwedisch zu antworten. Den deutschen Fürsten und Städten, mit denen man viel zu tun hatte, sollte es ebenso gestattet sein, auf deutsch zu schreiben, nur aber wenn die Briefe mit den richtigen Titeln des schwedischen Königs versehen waren; wenn nicht, sollten sie ungelesen zurückgeschickt werden. [5]

Ein Blick auf die Quellen bestätigt, dass die Praxis meistens der Instruktion entsprach, wenigstens bis zur Mitte des Jahrhunderts. Latein wurde in dem Briefwechsel und in den wichtigeren Verträgen mit fremden Potentaten benutzt, doch mit Ausnahmen. Die Friedensverträge mit Dänemark von 1613 und 1645 sind auf Schwedisch und Dänisch verfasst, und mit den Niederlanden und mit Frankreich wurden ihre Sprachen manchmal benutzt, wie ganz oft auch mit den deutschen Fürsten. Am konsequentesten wurden auf Latein die Beziehungen mit Polen aufgehalten. [6]

Wahrscheinlich wurde das Latein häufiger in der schriftlichen als in der mündlichen Kommunikation benutzt. Man dürfte nicht selten so verfahren haben, dass die Einleitung einer diplomatischen Mission auf Latein durchgeführt wurde - man machte sein "Complement" auf Latein, wie es manchmal heisst - wonach man zu einer anderen Sprache überging. [7] Die Funktion des Lateins war in diesen Fällen mehr zeremoniell und repräsentativ als kommunikativ. Überhaupt ist die repräsentative Lateinfunktion in der Diplomatie auffallend. In der oben erwähnten Instruktion für die schwedische Kanzlei von 1661 wird als ein besonderer Vorteil des Lateins angegeben, dass die Titulatur, die man zwischen gleichen Mächten verwendete, am leichtesten auf Latein ausgedrückt werden konnte. [8] Auf Latein gab es festgelegte Titel die überall dasselbe bedeuteten, während die auf verschiedenen Nationalsprachen formulierten Titel weder verständlich noch einheitlich waren. Die Rolle des Lateins war hier der einer wissenschaftlichen Terminologie ähnlich; man denke an Carl Linnaeus, der im 18. Jahrhundert eine einheitliche Terminologie für die Botanik mit Hilfe des Lateins schaffte.

Der repräsentative Moment in der diplomatischen Lateinanwendung verschweigt aber nicht den reellen Nutzen des Lateins als Verkehrsmittel. Obwohl französisch immer mehr an Boden gewann, blieb das Latein das ganze Jahrhundert lang die Sprache, die man überall in Europa in Reserve hatte. In Schweden betrachtete man Latein als einen unentbehrlichen Bestandteil der politischen Bildung. Es ist bekannt dass etliche von den führenden Staatsmännern Latein verstanden und auch aktiv sprachen. Gustav Adolf soll ein wahrer Polyglott gewesen sein, der Latein völlig beherrschte, und seine Tochter Königin Christina war ebenso des Lateins kundig. Axel Oxenstierna, der berühmte Reichskanzler, unterhielt sich mit dem englischen Gesandten Bulstrode Whitelocke auf Latein, als dieser im Jahre 1653 Stockholm besuchte; der Kanzler konnte nicht verstehen warum man französisch der Sprache der alten Römer vorziehen sollte, die sowohl schöner wie reicher wäre. [9]

Eine wichtige kommunikative Anwendung des Lateins, mit der Diplomatie eng verbunden, war die Propaganda. Lateinische Propagandaschriften wurden schon in dem frühen 16. Jahrhundert in Schweden verfasst. In der Grossmachtzeit wuchs ihre Anzahl bedeutend. Die Propagandaliteratur hatte verschiedene Gattungen: von den ausführlichen Erklärungen und Verteidigungen der schwedischen Aussenpolitik über die Schmähschriften und Flugblätter in Prosa und Poesie bis zu den Medaillen und Schaumünzen: alle hatten sie den Zweck, die Siege der schwedischen Heere und die Tugenden der schwedischen Könige zu verherrlichen und die Feinde zu verringern. Zu der Propagandaliteratur kann man auch die vielen Lobreden zählen, die zum Ruhm der schwedischen Könige geschrieben wurden, besonders wenn sie ausserhalb des schwedischen Reiches und für ein ausländisches Publikum verfasst wurden. Beispiele sind die Gedichte über Gustav Adolf, die sogenannten "Gustaviaden", deren Verfasser meistens keine schwedischen Untertanen waren und den König vornehmlich als gottesgesandten Retter der Protestanten preisten, nicht aber weil er der König der barbarischen Schweden und Finnen war. [10]

Als Beispiel der Propagandaliteratur soll aber keine Gustaviade angeführt werden, sondern ein elegantes und kunstvolles Specimen einer kleineren Gattung. Als die Schweden im Jahre 1644 die dänische Flotte besiegt hatten -was ein seltenes Ereignis war - verfasste Georg Stiernhielm - den man Vater der schwedischen Dichtkunst zu nennen pflegt - eine sowohl typographisch als auch poetisch kunstvolle "Siegestrophäe", deren Pointe in einem dreifaltigen Anagram ausgedrückt wird:

Danus in Sunda

nil habet

nisi nudas undas

Mit den " nackten Wellen" des Öresunds wird angedeutet , dass es keine dänischen Schiffe mehr in dem Sund gibt. [11]

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hörte das Latein auf, als Sprache der Propaganda gebraucht zu werden. Das gilt aber nur für Westeuropa; im Osten, wo sich die letzten Jahrzehnte der schwedischen Grossmachtpolitik abspielten, war das Latein immer noch ein nützliches Verkehrsmittel der Propaganda. Etliche Propagandaschriften wurden während der Kriege Karls XII. gegen Sachsen, Polen und Russland produziert. Der fleissigste und schärfste Beiträger zu der Gattung war Olof Hermelin, der als Chefsunterhändler und Propagandaminister das Heer des Königs begleitete, wobei er sowohl Betrachtungen über die Mühsale des Feldlebens wie auch Schmähschriften gegen die Feinde verfasste. Nach der schwedischen Katastrophe im Jahre 1709 bei Poltava geriet er in Gefangenschaft und verschwand; der Legende nach soll ihn der Zar wegen seiner giftigen Pamphlete mit eigener Hand ermordert haben. [12]

Gelehrte Kultur und politischer Humanismus

Wenden wir uns jetzt an die gelehrte Lateinkultur. Hier sind alle die erwähnten Funktionen zugegen, besonders aber die Bildung, und mit ihr verknüpft auch ein ideologischer Moment.

Die Voraussetzung für die Entstehung einer reicheren Lateinkultur war, wie gesagt, der schnelle Ausbau des Unterrichtswesens. Früher mussten schwedische Studenten Universitäten in Deutschland, manchmal auch in den Niederlanden besuchen; jetzt sollten sie wenigstens ihre grundlegende Bildung in einheimischen Schulen bekommen. Die Gymnasien und Universitäten die während des 16. Jahrhunderts in Deutschland gegründet worden waren, bekamen jetzt ihre Gegenstücke in dem schwedischen Reich. Gymnasien wurden in den wichtigeren Bischofssitzen gegründet, ebenso neue Universitäten in Dorpat in Livland (1632), Åbo in Finland (1640) und Lund in Schonen (1668). Diese Neugründungen, zusammen mit einem kräftigen Ausbau der Universität Uppsala in den 20:er Jahren, brachten einen Gelehrtenstand hervor, der eine humanistische Lateinkultur tragen konnte. Auf den Schulen und Universitäten entwickelten sich die akademischen Sitten und Gattungen: Vorlesungen, Collegia, Disputationen, Orationen, Programme und Dissertationen. Professoren und Studenten schlugen ihre Leiern auf Latein in Lobreden, Gedächtnisreden und andere Zufälligkeitsgattungen. Einige von ihnen wurden geschickte Lateindichter und Lateinredner. Andere verfassten gelehrte Werke auf Latein; langsam entstand eine Produktion von wissenschaftlichen Schriften. [13]

Dass ein ziemlich zahlreicher und dauerhafter Gelehrtenstand mit Latein als identitätsgebendem Kennzeichen bestand, bedeutete ein tieferes Eingliedern in die europäische respublica literaria, besonders in die gelehrte Gemeinschaft des lutherischen Deutschland. Im Vergleich zu der deutschen Gelehrtengemeinschaft war die schwedische natürlich schwächer. [14] Ihr fehlte die Tradition und das Selbstbewusstsein der deutschen Humanisten, die lange existiert hatten und nicht wie ihre schwedischen Kollegen von einer einziger Obrigkeit abhängig waren. Die Schweden schrieben wenige Briefe an einander und verhältnismässig wenige Bücher; einen einheimischen Buchmarkt gab es noch nicht, weder für lateinische noch für schwedische Bücher. Der schwedische Gelehrtenstand war keine geschlossene Gemeinschaft und entwickelte geringes Selbstvertrauen. Die soziale Funktion des Lateins, die Identität einer sozialen Schicht auszudrücken und zu stärken wurde in Schweden des 17. Jahrhunderts von der mobilitätsbefördernden Funktion des Lateins überschattet. Latein war ein Mittel zu sozialer Karriere. Etliche hervorragende Beamte und Staatsmänner von geringem sozialem Ursprung machten sich als Meister des Lateins bemerkt: Johan Skytte, Johan Adler Salvius, Mathias Biörenclou, Erik Lindschöld, Olof Hermelin und andere. [15]

Die Mentalität der schwedischen Gelehrten dürfte ebenso von der der Deutschen verschieden gewesen sein. Die pessimistische Zeitklage über Verfall der Studien und drohende Barbarei, die in den Jahrzehnten um das Jahr 1600 unter den deutschen Humanisten topisch war, fehlte auf den schwedischen Universitäten. Eher könnte man von einem Optimismus reden, einem stereotypen Optimismus im Rahmen der Erziehung der Jugend zu getreuen Untertanen und loyalen Beamten in einem erfolgreichen Staat. Der Nutzen der gelehrten Studien, Nüchternheit, das aktive Leben im Dienste des Staats und vor allem die Heldentaten des Königs gaben Stoff zu der fleissig gepflegten epideiktischen Rhetorik; Kulturpessimismus oder "contemptus mundi" im stoischen Sinne hatte hier wenigen Raum. [16]

Ideengeschichtlich kann man den Inhalt der Lateinkultur als eine Art von politischem Humanismus angeben, besonders in der ersten Hälfte des Jahrhunderts. Damit ist verstanden nicht nur die alles durchdringende Erziehung zu Staatsloyalität und Streben für das Gemeinwohl sondern auch - und das ist zum Teil etwas Originelles - die Vereinigung von Beredsamkeit und Politik. [17] Die Studien zielten auf den gebildeten Staatsmann, der vermöge seiner Beredsamkeit die Menschen überzeugt und bewegt. An der Universität Uppsala wurde dieses Bildungsziel in dem sog. skytteanischen Lehrstuhl für Beredsamkeit und Politik verkörpert. Der Lehrstuhl war im Jahre 1622 von Johann Skytte, dem hervorragenden Beamten und Kanzler der Universität, eingerichtet worden. Skytte selbst pflegte gern die lateinische Beredsamkeit. Er hatte mehrmals als erfolgreicher lateinischer Redner im Ausland aufgetreten. Als Student in Marburg hatte er die glorreiche Geschichte Schwedens in einer lateinischen Oration gepreist und als Gesandter zu den englischen und dänischen Höfen musterhafte lateinische Reden gehalten. Er war der Lehrer Gustav Adolfs gewesen und hatte den Prinzen gelehrt wie Frau Eloquentia das Herz der Menschen wohin sie will dreht und deutelt und wie der Fürst vermittelst der Beredsamkeit seine Untertanen bewegen kann Kriegsdienst zu machen und Steuer zu bezahlen. [18]

Das ist tatsächlich was Gustav Adolf tat; er setzte mehrmahls eher mit überzeugender Rede als mit Zwangsmitteln seinen Willen durch. Der König war ein bewusster Redner, der seine Reden und Erwiederungen mit Sentenzen würzte; er soll täglich Tacitus zusammen mit seinem Schwert bei sich getragen haben, zum Unterschied von Alexander dem Grossen, der Homer bei sich hatte, aber nur bei Nacht als Kopfkissen. [19] Der König dürfte tatsächlich selten Latein gesprochen haben, und die Studenten, die die Beredsamkeit auf den Universitäten lernten, wendeten wahrscheinlich meistens ihre Fertigkeit auf schwedisch an. Das Ideal des beredsamen Staatsmanns wurde aber auf Latein und mit römischen Vorbildern vorgestellt; es gehört zu den Kennzeichen der humanistischen Pädagogik, dass die Übertragung der lateinischen Modellen und Vorbilder auf die Muttersprache in der Regel negligiert wurde.

Wie grosses Gewicht man auf den Unterricht in Politik und Beredsamkeit legte, zeigt die Tatsache, dass die skytteanischen Professoren in Uppsala das ganze Jahrhundert hindurch aus Deutschland geholt wurden. Johann Simonius, Johann Freinsheim, Johann Scheffer und Elias Obrecht bekleideten diesen Lehrstuhl; ihnen sollte Johann Boecler zugefügt werden, der ein paar Jahre in Uppsala lehrte. Offenbar wollte man auf diesem prestigevollen Lehrstuhl geschickte Ausländer haben. Mit Ausnahme von Simonius kamen die erwähnten Gelehrten alle aus Strassburg. Die Universität Strassburg war ein Zentrum des politischen Humanismus. Dort lehrte Matthias Bernegger, der in der Nachfolge Justus Lipsius die politische Klugheit in den klassischen Auctoren, besonders in Tacitus, suchte. Die Strassburger Gelehrten in Uppsala von denen Scheffer der bedeutendste war, verkündeten ziemlich unprofilierte politische Ideen vom Vortritt der Monarchie und vom gemeinen Wohl und Patriotismus, zusammen mit vorsichtigen Betrachtungen über das Verhältnis zwischen Macht und Moral. Ihre Vorlesungen gründeten sich immer auf klassischen Auktoren, die aus sprachlichen, rhetorischen und politischen Gesichtspunkten kommentiert wurden. [20]

Gegen das Ende des Jahrhunderts verblasste der politische Humanismus. Das französische Ideal von dem höfischen und eleganten honnette homme ersetzte

den schwerfälligeren politischen Humanismus, der lateinische Gelehrsamkeit forderte und in der neuen europäischen politischen Kultur als pedantisch angesehn wurde. Hierzu kam, dass die Vereinigung von Beredsamkeit und Politik, die der Kern des politischen Humanismus war, unter dem absolutistischen Regime von Karl XI. und Karl XII. wenigen Raum hatte.

Die absoluten Monarchen brauchten keine Beredsamkeit um ihren Willen durchzusetzen. Wenn die politische Rhetorik zur Zeit Gustav Adolfs einen deliberativen Moment eingehalten hatte, bestand sie nunmehr aus lauter epideiktischer lobredender Rhetorik, die die Heldentaten der Könige und ihrer Heere verherrlichten. Wohl war Karl XII. ein gebildeter Mensch, der Latein lesen konnte. Seine Lektüre war aber Curtius, der von den Siegen Alexanders des Grossen erzählt, nicht der komplizierte Tacitus, den Gustav Adolf zu lesen pflegte.

Diese Veränderung bedeutete nicht die Trennung von Lateinkultur und Politik, da ja das Latein seine diplomatische und panegyrische Anwendung behielt. Aber die politische Elite fühlte sich am Ende der Grossmachtzeit nicht mehr so verpflichtet, die lateinischen Auktoren zu lesen und zu exzerpieren. Das brachte die Ablenkung der Lateinkultur von der staatstragenden Sphäre mit sich und ihre Umwandlung zu einer Angelegenheit nur für die Gelehrten.

Der Niedergang des politischen Humanismus als Bildungsideal schwächerte aber nicht die Lateinkultur. Im Gegenteil war es während der letzten Jahrzehnte der Grossmachtzeit als die vornehmsten Dichter und Redner auf Latein auftraten - Petrus Lagerlöö f, Lars Norrmann, Johann Upmarck in Uppsala, Thorsten Rudéen in Åbo, Andreas Stobaeus in Lund und der erwähnte Propagandaminister Hermelin. [21] Der Ausbau des Unterrichtswesens am Anfang der Grossmachtzeit trug jetzt seine Früchte. Literarisch gesehen erreichte jetzt die schwedische Lateinkultur ihren Gipfel. Wie hoch dieser Gipfel im Vergleich mit den neulateinischen Leistungen in anderen Ländern war, ist schwer zu entscheiden. Inhaltlich und betreffs Gattungen gab es nichts Originelles in den Gedichten und Reden der Schweden. Es waren, wie früher, Zufälligkeitsgedichte und panegyrische Schilderungen der schwedischen politischen und militärischen Erfolge. Die Qualitätsfrage ist vielleicht verfehlt, aber im allgemeinen ist zu vermuten, dass die Randländer Europas das Latein länger und sorgfältiger als die zentraleren und entwickelteren Länder gepflegt haben. [22]

Die Schweden waren auf jeden Fall stolz über ihre lateinischen Literatur und meinten dass die Anforderungen an gutes Latein auf den schwedischen Lehranstalten höher als anderswo waren. [23] Sie beklagten sich auch dass schwedische Lateindichter im Ausland nicht beachtet wurden und ärgerten sich über das Vorurteil der Ausländer dass das kalte nordische Klima die Schweden zu poetischen Leistungen unfähig machte. [24] Man wollte auch ein schwedisches Gegenstück zu den Sammlungen von lateinischen Deliciae, die in den meisten europäischen Ländern erschienen waren, hervorbringen, aber ohne Erfolg. [25] Hier wie sonst war der Prestigeaspekt wichtig. In den gelehrten Kreisen des protestantischen Nordeuropa gab es noch im Anfang des 18. Jahrhunderts gutes Ansehen, das Latein zu meistern. Hier gab es ein wenn auch begrentztes Forum für schwedische literarische Selbstbehauptung, was eine Anregung zu Bemühungen auf Latein war.

Latein und Nationalgefühl

Der Prestigeaspekt der Lateindichtung führt zu meinem letzten Thema: das Verhältnis zwischen Lateinkultur und nationaler Selbstbehauptung.

Das lateinische Element in der schwedischen Kultur war während der ganzen Grossmachtzeit stark, ja in einigen Bereichen sogar überwältigend. Das Latein beherrschte die gelehrte Welt durchaus und spielte eine Schlüsselrolle in der Diplomatie; auch in der schönen Literatur, in wie weit man zu dieser Zeit von einer solchen sprechen kann, wurde das Latein häufig gebraucht. Für Literatur auf der Muttersprache gab es erst gegen das Ende des Jahrhunderts ein Publikum. Auf schwedisch wurden Schriften von religiösem, administrativem oder wirtschaftlichem Inhalt gedruckt, und diese waren ganz zahlreich. Um die Mitte des Jahrhunderts wurden aber mehr Bücher auf Latein als auf schwedisch im Lande gedruckt; [26] wenn die akademischen Dissertationen, die ausnahmslos auf Latein waren, mitgerechnet werden sollten, würde wahrscheinlich das Latein das ganze 17. Jahrhundert hindurch die Majorität behalten.

Der Gebrauch des Lateins bedeutete in gewissem Grad die Aneignung einer fremden Identität; das Ziel des Lateinunterrichts war im Prinzip, Latein wie ein Römer zu schreiben. Es kam auch vor, dass man sich auf anderen Weisen mit der römischen Identität bekleidete: der Name Gustavus konnte durch ein Anagram mit Augustus gleichgestellt werden; Karl XI. wurde bei seiner Krönung mit römischer Kleidung ausgestattet.

Diese Identifizierung mit dem Römischen geschah aber nicht um der Römer willen sondern um das Schwedische hervorzuhalten. Rom und das Latein waren in dreifacher Weise Mittel zur Selbstbehauptung. Erstens war es ehrenvoll wenn man sich mit Rom vergleichen und gleichstellen konnte: es war eindrucksvoll, die Schweden als die neuen Römer vorzustellen. Zweitens war es ruhmvoll, hervorragende Dichter und Redner auf Latein zu haben, wie wir gerade gesehen haben. Und drittens gewährte das Latein eine prestigevolle sprachliche Arena, wo das glorreiche Schweden den Ausländern vorgezeigt werden konnte. Es ist auffallend dass die Gegenstände der Reden und der Gedichte selten aus dem Altertum geholt wurden, sondern vielmehr aus der schwedischen Vergangenheit oder Gegenwart. Die schwedische Geschichte, einschliessend berühmte Männer, Antiquitäten, alte Dokumente, Runen, Gesetze, Orte und Schlösser, wurden in lateinischen Büchern der europäischen Mitwelt vorgezeigt. [27] In Formen und auf einer Sprache die internationell anerkannt war, wurden Bücher "ad gloriam patriae illustrandam" geschrieben, um die Ehre des Vaterlandes zu beleuchten. Alle diese Bücher waren vornehmlich für ausländische Leser bezweckt; diese Literatur war eine nach aussen gerichtete Demonstration des Vaterlandes.

Gleichzeitig mit den Bemühungen, Schweden auf Latein zu rühmen, strebte man, die eigene Sprache zu pflegen und fördern. Dieselbe Eifer für die Muttersprache die früher in Frankreich, England, den Niederlanden, Deutschland und Dänemark vorgekommen war, machte sich in Schweden geltend, nur das es später geschah und von der königlichen Kanzlei dirigiert wurde. Bücher auf fremden Sprachen wurden ins Schwedische übersetzt, Gustav Adolf mahnte die Professoren, ihre gelehrten Bücher auf schwedisch zu schreiben, und es wurde sogar vorgeschlagen dass die Universitäten ganz und gar zum Schwedischen übergehen sollten. Königin Christina beabsichtigte, eine schwedische Akademie einzurichten, die Dichter bemühten sich "die Musen suethizare" zu bewegen und auf der Muttersprache zu schreiben. Im Jahre 1658 erschien unter dem Pseudonym Skogekär Bergbo eine "Klage der schwedischen Sprache dass sie nicht gebührig verehrt wird" (Thet swenska språkets klagemåhl, at thet, som sig borde, icke ährat blifwer). Sie entsprach den Schriften zu demselben Thema die in anderen Ländern erschienen waren, zum Beispiel Martin Opitzens Aristarchus sive de contemptu linguae teutonicae von 1619. [28]

Sowohl Skogekär Bergbo wie auch Opitz klagen darüber, dass ihre Sprachen nicht verehrt werden. Wohl hatte man unbestimmte Vorstellungen, dass die Entwicklung der Muttersprache den wirtschaftlichen Fortschritt fördern würde; der wichtigste Beweggrund des Sprachpatriotismus war aber das Prestige: es ging um die Ehre der schwedischen Sprache, nicht um ihren Nutzen. Auch die schwedische Sprache hatte in dem patriotischem Zusammenhang eine repräsentative Funktion. Von Volksbildung war nicht die Frage, auch nicht von einem Aufbau eines nationalen Bewusstseins das das gemeine Volk einschliess. Die Anstrengungen für das Schwedische waren hauptsächlich Intresse der politischen Elite, das heisst der adligen Schicht der Gesellschaft. Es waren die Adligen, die unter Führung des Königs die schwedische Nation vertraten und von den Gegenparteien auf dem europäischen Theater Respekt für ihre Geschichte und ihre Sprache forderten. Andererseits war das Latein auf jeden Fall unentbehrlich, wenn man die Ehre Schwedens im Ausland bekanntmachen wollte.

Es ist bemerkenswert, dass die Bestrebungen, die schwedische Sprache auf den Universitäten zu fördern scheiterten. Schwedisch gewann während des 17. Jahrhunderts Boden, aber nur auf Bereichen die neu waren oder plötzlich erweitert wurden: Adelspädagogik, Kriegeskunst, Haushalt. In die gelehrte Welt drang die einheimische Sprache nicht.

Möglicherweise gab es einen Druck von unten zugunsten der schwedischen Sprache. Ein paar Zwischenfälle deuten darauf, dass sich das Latein nicht immer unter den Studenten durchsetzen konnte. Johan Skytte beklagte sich als Kanzler der Universität Uppsala dass die Eloquenz vernachlässigt wurde, und verordnete dass die Studenten ein ganzes Jahr dem Latein widmen sollten, bevor sie mit anderen Studien anfangen dürften. [29] Im Jahre 1677 wagte es Olof Rudbeck, berühmter Naturforscher und Verkünder der gotizistischen Mythe von der ursprünglichen Weltherrschaft der alten Schweden, eine medizinische Dissektion auf schwedisch anzukündigen; eines von seinen Motiven war, dass die meisten Studenten das Latein nicht verständen. Sein Unterfangen wurde aber nicht vorbildlich. Johann Scheffer vertrat die gängige Meinung, als er meinte dass die Ausländer, wenn ihnen so was bekannt werden sollte, glauben würden, Uppsala sei eine Trivialschule und keine Universität. [30]

So erweist sich noch einmal das Prestige als ein wichtiger Aspekt der Lateinanwendung. Was "die Ausländer sagen würden" war ein starkes Argument in einem Staat der mit wechselndem Selbstvertrauen auf allen Fronten für Anerkennung zu kämpfen hatte. Auf dem Schlachtfeld war das Selbstvertrauen ziemlich gut, auf dem kulturellen Feld dagegen sehr wankend. Daher die ängstliche Beobachtung des Urteils der Umwelt.

Übrigens soll man sich nicht vorstellen, dass die Muttersprache von dem Latein unterdrückt wurde. Man sollte sich hüten, den Konflikt zwischen Latein und Muttersprache des 19. Jahrhunderts in das 17. Jahrhundert einfach zu übertragen. Trotz allem was ich über die repräsentative Funktion des Lateins im 17. Jahrhundert gesagt habe, will ich nicht den Eindruck vermitteln, dass der Lateingebrauch nur ein oberflächliches Schauspiel oder eine gigantische captatio benevolentiae in einer repräsentativen Öffentlichkeit war. Die kommunikative Funktion war bedeutend, nicht nur in der Diplomatie, die mit Prestige überlastet war, sondern auch, und vor allem, in der Wissenschaft, einem Bereich wovon nicht vieles hier gesagt worden ist. Latein entsprach den Forderungen an eine Wissenschaftssprache und konnte noch nicht durch die Muttersprache ersetzt werden. In den meisten Disziplinen war es für einen Professor leichter sich auf Latein zu formulieren als auf schwedisch. [31] Es sollte noch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts dauern, bevor sich das Schwedische als Verkehrsmittel der Wissenschaft qualifizierte, und dann nur in den praktischen Wissenschaften wo die Büchergelehrsamkeit schwächer war. In der wissenschaftlichen Blüte die Schweden zurselben Zeit erlebte war das Latein wie früher das unentbehrliche Verkehrsmittel. [32] Linnaeus, Torbern Bergman und Emmanuel Swedenborg schrieben alle ihre theoretischen Arbeiten auf Latein.

So wurde die Sprache der alten Römer auch in dieser bescheideneren und sympatischeren Grossmachtzeit das Werkzeug zu Verbreitung nicht nur der wissenschaftlichen Resultate sondern auch der schwedischen Ehre.



[1] Ich habe die Kategorien in meinem De lärdes modersmål. Latin,humanism ochvetenskap (Acta universitatis Gothoburgensis, Göteborg 1984) S 11-19 beschrieben.

[2] Der Begriff repräsentative Öffentlichkeit ist von Jürgen Habermas bekanntgemacht worden. Er versteht darunter die Phase der Geschichte des Öffentlichen zwischen klassischem Altertum und bürgerlicher Moderne, wo das Öffentliche nicht eine gemeinsame Sphäre der offenen Kommunikation und Diskussion war sondern die Sphäre der Statusrepräsentation durch Etikett, Zeremonien und lobpresiende Rhetorik. (Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft (1962; Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1991) S 58-67.

[3] Eine grundlegende Darstellung der Geschichte des Lateins und seiner Anwendungen in Schweden ist Emin Tengström, Latinet i Sverige (Bonniers, Lund 1973). Zu der neu-lateinischen Literatur in Schweden, die Kapitel von Hans Aili und Iiro Kajanto S 129-200 in A History of Nordic Neo-Latin Literature, ed. Minna Skafte Jensen (Odense University Press 1995). Auch Hans Helander, "Swedish Neo-Latin Literature 1650-1720", in: Mare Balticum - mare nostrum. Latin in the countries of the Baltic Sea (1500-1800), hrsg. von O.Merialo & R Sarasti-Wilenius (Annales Academiae Scientiarum Fennicae, Jyväskylä 1992) S 38-52. Fernere Angaben in der Bibliographie von Karen Skovgaard Jensen und Peter Zeeberg, "Recent work on Nordic Neo-Latin Literature" (1992-96), in: Symbolae Osloenses 72:1997.

[4] Zur Sprachfrage in der Diplomatie, C.- G. Picavet, La diplomatie française au temps de Louis XIV (Paris 1930) S 273-279.

[5] Samling af instructioner rörande den civila förvaltningen i Sverige och Finland, utg. av C.G. Styffe (Stockholm 1856) S 331ss.

[6] Sveriges tractater med främmande magter 5:1-2 und 6:1 (Stockholm 1903-1915). Ganz häufig sind die Dokumente keine gemeinsamen Verträge sondern Ausfestungen der einer oder anderen Partei, wobei ihre Sprache benutzt wird; so in den Friedensschlüssen zwischen Dänemark und Schweden 1613 und 1645. Mit den Russen wurde das Latein erst nach den petrinischen Reformen ein verwendbares Verkehrsmittel; die Verträge mit dem Zar sind deshalb auf schwedisch und dürfen ihre Gegenstücke auf russisch gehabt haben. Die Verträge aus der Periode 1649 bis 1721 sind noch nicht herausgegeben worden, woher mein Urteil sich auf die erste Hälfte der Grossmachtzeit beschränkt.

[7] Als der schwedische Gesandte Claes Rålamb 1657 bei dem Sultan in Konstantinopel vorgelassen wurde, sprach er Latein, aber legte eine schriftliche Übersetzung bei. Wenn er zu den "realia" kam, unterbrach ihn der Wezir mit dem Kommentar, das er selbst dem Sultan über den Inhalt der beabsichtigten Rede informiert hätte. Rålamb erzählt übrigens von einigen Gelegenheiten während seiner Reise durch Osteuropa, wo er seine Complements auf Latein aussprach, wonach das fernere Gespräch offenbar auf irgendeiner anderen Sprache geführt wurde. (Claes Rålamb, "Diarium under resa till Konstantinopel" 1657, in: Historiska handlingar 37:3 (Stockholm 1963) S 107, 70.)

[8] Samling af instructioner... S 331.

[9] Bulstrode Whitelockes Dag-Bok öfver dess Ambassade till Sverige åren 1653 och 1654 (Uppsala 1777) S 264.

[10] Dazu Hans Helanders Beitrag in diesem Buch, "The Gustavis" of Vencelaus Clemens".

[11] Stiernhielms Beitrag zu der Propaganda ist von Birger Bergh behandelt worden: "Att kriga med latinsk vers", in Litteratur og laerdom. Dansk-svenske nylatindage april 1985 (red. von M. Alenius og P. Zeeberg, Museum Tusculanum Forlag, København 1987) S 116-120.

[12] Hans Helander & Ingeborg Hermelin, "Olof Hermelins Elegi om fältlivets vedermödor", in: Kungl. Humanistiska Vetenskaps-Samfundet i Uppsala. Årsbok 1983-1984 S 43-66. Zur Propaganda, auch Hans Aili, "Swedish War Propaganda in Latin, German, and Swedish", in: Acta Conventus Neo-Latini Hafniensis, ed. Ann Moss et al. (Binghamton-New York 1994).

[13] Zu den institutionellen Verhältnissen der gelehrten Kultur der Grossmachtzeit, Sten Lindroth, Svensk lärdomshistoria. Stormaktstiden (Norstedts, Stockholm 1975) S 15-78

[14] Mein Bild von dem deutschen Humanismus ist von den Arbeiten Wilhelm Kühlmanns bestimmt: Gelehrtenrepublik und Fürstenstaat. Entwicklung und Kritik des deutschen Späthumanismus in der Literatur des Barockzeitalters (Niemayer, Tübingen 1982) und "Nationallitteratur und Latinität. Zum Problem der Zweisprachigkeit in der frühneuzeitlichen Literaturbewegung Deutschlands", in K. Garber (Hg.), Nation und Literatur in Europa der frühen Neuzeit (Niemayer, Tübingen 1989). Hierzu auch mein Aufsats "Die gelehrte Kultur in Schweden im 17.Jahrhundert. Das Problem der Rezeption", in: R. Bohn (Hg) Europa in Scandinavia. Kulturelle und soziale Dialoge in der frühen Neuzeit (Peter Lang, Frankfurt a M 1994) S 11ss.

[15] Über Lateindichtung als Werkzeug der sozialen Mobilität in Dänemark, Peter Zeeberg, "Neo-latin Poetry in its Social Context. Some statistics and some examples from sixteenth-century Denmark", in: Mare Balticum - mare nostrum , hrsg. von O.Merialo & R Sarasti-Wilenius (Annales Academiae Scientiarum Fennicae, Jyväskylä 1992) S 9-21.

[16] Zur Einfluss des Stoizismus auf die schwedische Gelehrtenkultur, Bo Lindberg. Stoicism och stat. Justus Lipsius och den politiska humanismen (Atlantis, Stockholm 2001).

[17] Der Begriff politischer Humanismus ist von Gerhard Oestreich eingeführt worden und bezeichnet bei ihm das politische Ethos das er mit Justus Lipsius verknüpft.(Oestrecih,Geist und Gestalt des frühmodernen Staates, Berlin 1969) Hier verwende ich den Begriff in einem etwas weiterem Sinn, wo Skyttes Vereinigung von Beredsamkeit und Politik, die nicht bei Lipsius programmatisch hervorgehoben ist, der Kern ist.

[18] Zu Skytte, Lindberg. a.A. S 194-204.

[19] Nach Angabe der wohl nicht vorbehaltlos zu glaubenden Leichenrede die in Leiden über Gustav Adolf gehalten wurde von Joh. Iesper Kruus, Laudatio funebris Gustavi Magni...quam in academia Lugduni Batava...dixit I.I.K (Lugduni Batavorum 1634) S 25.

[20] Lindberg a.A. S 211-282.

[21] Der Kanon der schwedischen Lateindichtung wurde schon im 18. Jahrhundert festgelegt von Johan Wåhlberg, De poetis in Svio-Gothia Latinis I-II (diss. Uppsala 1739-40). Spätere Übersichten der Lateindichtung nehmen ungefähr dieselben Dichter mit wie Wåhlberg: Olof A. Knös, Historiola litteraria poëtarum Vestrogothiae latinorum (diss Uppsala 1776-96); Johan Bergman, Den latinska diktningen i Sverige (Nyköping 1895), und die oben in N. 2 angegebenen Schriften von Tengström, Helander und Aili.

[22] So Helander, "Swedish Neo-Latin Literature 1650-1720" S 41.

[23] Claes Annerstedt, Upsala universitets historia II:2 (Uppsala 1909) S 278.

[24] So Wåhlberg a.A. S 1-3.

[25] Der Probst in Linköping Samuel Älf (starb 1799) sammelte 40 Kapseln von lateinischen Gedichten aber nichts davon wurde publiziert.

[26] Stina Hansson, Svenskans ära, svenskans nytta.Litteratur och kulturpolitik under 1600-talet (Skrifter utgivna av Litteraturvetenskapliga institutionen vid Göteborgs universitet, Göteborg 1984) S 34.

[27] Beispiele sind J. Messenius, Scondia illustrata, in den 20er und 30er Jahren in Gefängnis verfasst, herausgeg. 1700-1705; J. Scheffer, Memorabilium sueticae gentis exemplorum liber singularis 1671; J. Schefferus, Svecia litterata 1680; Johannes Bureus, Monumenta suiogothica hactenus exsculpta, 1624; Johannes Loccenius, Antiquitatum sveo-gothicarum...libri tres, 1647, Olof Rudbeck, Atland eller Manhem. 1679 (Rudbecks Monumentalwerk in gotizistischem Geist, auf Schwedish aber mit lateinischem Paralleltext); Erik Dahlberg, Suecia antiqua et hodierna (1716).

[28] Zu der Behauptung der schwedischen Kultur und Sprache, Hansson a. a. Hansson hat gezeigt dass die königliche Kanzlei hinter den meisten von den Massnahmen stand.

[29] Kanzlersbrief von Skytte 17. März 1634, in: Claes Annerstedt, Upsala universitets historia Bihang I (Upsala 1877) S 316s.

[30] Scheffers Brief in Annerstedt, a.A. Bihang II (Uppsala 1910) S 194.

[31] Helander gibt einen Beispiel, "Swedish Neo-Latin Literature 1650-1720" S 40.

[32] Dazu Lindberg, De lärdes modersmål, S 65-127.



Autor (author): Bo Lindberg
Dokument erstellt (document created): 2002-08-13
Dokument geändert (last update): 2002-08-20
WWW-Redaktion (conversion into HTML): Manuela Kahle & Stephan Halder
Schlussredaktion (final editing): Heinrich C. Kuhn