Vivat Germania latina, Vivat Latinitas teutonica!

Jan Noble Pendergrass

Humanismus und Theologie in Johannes Altenstaigs Opus pro conficiundis epistolis (1512)



Tu vivendo bonos, scribendo sequare peritos.
(Du sollst dein Leben nach den Guten, dein Schreiben nach den Kundigen richten.)

Der Name Johannes Altenstaigs von Mindelheim kommt heutzutage bei der Besprechung des deutschen Humanismus relativ selten vor. Ihm hat Friedrich Zoepfl am Anfang des 20. Jahrhunderts eine kurze Monographie gewidmet; [1] seitdem ist nur wenig über den Mindelheimer geschrieben worden. [2] Er wird in der Fachliteratur einerseits als Anhänger der nominalistisch orientierten Theologie eines Gabriel Biel angesehen, [3] andererseits stellt man ihn als Schüler des Tübinger Rhetorikers und Humanisten Heinrich Bebel vor. Aus dem Leben und den Schriften Altenstaigs geht deutlich hervor, wie sehr für ihn Humanismus und Theologie wichtig waren. Als Mitglied der sogenannten "Bursa modernorum" an der Universität Tübingen, hat er vermutlich einige Jahre lang den Vorlesungen Wendelin Steinbachs beigewohnt und sich mit der schwierigen und oft uneleganten Terminologie des Nominalismus genauestens bekannt gemacht. Dort lernte er den zukünftigen katholischen Theologen Johann Eck kennen und hörte Johann von Staupitz predigen. Er hat aber auch, bevor und während er sich mit der Theologie ernsthaft beschäftigte, mit wahrem Enthusiasmus klassische Literatur und Rhetorik studiert. Sobald er das angebrachte Niveau erreicht hatte, erteilte er den weniger fortgeschrittenen Studenten Unterricht in lateinischer Stilistik und las gelegentlich an Bebels Stelle öffentlich Poetik. Als er sich dem Ende seines Studiums näherte, im Jahre 1508, kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Tübinger Studentenmilieu, kam die erste Ausgabe seines Vocabularius vocum [4] , ein spezifisch für das Erlernen der lateinischen Grammatik gedachtes Nachschlagwerk, heraus. Dieses unanspruchsvolle, aber auch sehr praxisnahe Handbuch war dem Tübinger Lehrplan offenbar wohl angemessen und wurde in der relativ kurzen Zeitspanne zwischen 1508 und 1523 nicht weniger als zwölf Mal neu aufgelegt. Daraufhin erfreute sich der junge Altenstaig eines nicht unbeträchtlichen Rufes als Humanist bei den einheimischen Gelehrten.

Von ungefähr 1509 bis 1512 hat er dann als Lateinlehrer am Augustinerstift Polling in Oberbayern gearbeitet. Der damalige Probst, Johann Zingiesser, hatte ihn dorthin eingeladen, damit er den jungen Stiftsbrüdern Latein nach den neuesten humanistischen Methoden beibringt. Altenstaig gab seinen Studenten Unterricht, nicht nur in lateinischer Grammatik, Rhetorik und Logik, sondern auch in der Philosophie und in biblischer Exegese. Unter seinem vigilanten Auge lasen sie das klassische Latein Ciceros, emulierten den humanistisch-raffinierten Briefstil Mario Filelfos und beseitigten vermutlich aus ihrem täglichen Gespräch die mangelhaften Redeweisen ihrer Jugend. Daß sie dabei auch Unterricht in der Naturkunde eines Albertus Magnus erhielten, soll wenigstens hier erwähnt werden, damit wir nicht vergessen, wie nahe Altenstaig trotz seines humanistischen Eifers dem Mittelalter noch stand.

Altenstaig blieb drei oder vier Jahre in Polling. In der Zwischenzeit erhielt er ein Benefizium in seiner Heimatstadt Mindelheim und empfing am Michaelistag 1511 die Priesterweihe. In dem darauffolgenden Jahr kehrte er nach Mindelheim zurück und verbrachte dort, mit wenigen Unterbrechungen, die letzten dreizehn Jahre seines Lebens. Dort scheint er ziemlich bequem gelebt zu haben, vermutlich weil er bescheidene Bedürfnisse hatte und auf die großzügige Unterstützung des Augsburger Bischofs Christoph von Stadion sowie der Mindelheimer Adelsfamilie Frundsberg zählen durfte. Nebenbei erteilte er Lateinunterricht am Augustinerkloster zu Mindelheim, jedoch ohne dafür bezahlt werden zu wollen. In Mindelheim fand er vor allem die Gelegenheit, seine humanistisch-theologischen Forschungen fortzusetzen. Außer dem oben erwähnten Vocabularius vocum, hat er im Laufe seiner Karriere noch einige Werke publiziert: ein Opus pro conficiundis epistolis (1512), ein Handbuch der Logik (Dialectica, 1514), ein Kommentar zu Heinrich Bebels vitriolischem Triumphus Veneris (1515), verschiedene moralphilosophische Traktate (diese sowohl auf Deutsch als auch auf Latein), [5] eine deutsche Isokratesübersetzung, [6] und einen recht umfangreichen Vocabularius theologie (1517), der heutzutage noch als Wörterbuch scholastisch-theologischer Fachbegriffe des hohen und späten Mittelalters gute Dienste leistet. Aus allen diesen Schriften scheint nur der letztgenannte Vocabularius theologie einen dauerhaften Erfolg gehabt zu haben. Das Werk wurde mehrere Male im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts neu aufgelegt. [7] Am Ende des 17. Jahrhunderts schrieb der Franzose Pierre Bayle in seinem Dictionnaire historique et critique das folgende lakonische Urteil über Altenstaigs Gelehrtenarbeit: "[I]l composa un Lexicon Theologicum, qui est assez bon." (Bd. 1, S. 166). Die anderen Werke Altenstaigs hat Bayle entweder nicht gekannt oder für recht unbedeutend gehalten; auf jeden Fall erwähnt er sie nicht. Wie Zoepfl in seiner Studie treffend urteilt: Altenstaigs "wissenschaftliche Tätigkeit beschränkt sich in der Hauptsache darauf, Aussprüche und Ansichten anderer Gelehrten zu sammeln, sie zusammenzustellen und daraus dann ein Resultat zu ziehen [...]. [S]eine Schriften sind vor allem Wörterbücher oder Anthologien." [8]

Wenn man bedenkt, wieviele humanistische Briefsteller allein im Zeitraum 1475 bis 1525 publiziert wurden, [9] so versteht man, daß Altenstaigs Opus pro conficiundis epistolis [10] weitgehend unbeachtet geblieben ist. Bekannte Autoren wie Francesco Negri, Agostino Dati, Nicolai Perotti, Heinrich Bebel, Erasmus und Vives, um nur einige Beispiele zu nennen, haben den Markt für diese Art Unterrichtsliteratur erheblich eingeengt. Dennoch bietet Altenstaigs Opus im Unterschied zu den Werken anderer Pädagogen jener Zeit nicht nur grammatikalische Regeln, Kompositionsratschläge und praktische Beispiele aus klassischen und zeitgenössischen Schriftstellern an, sondern auch einige umfangreiche Listen "barbarischer" Wörter, die nach Meinung des Autors im Briefwechsel sorgfältig zu vermeiden seien. Der eigentliche Titel dieses Teiles vom Werke lautet: De vocabulis, quae abhorrent a latinitate, aber man liest auch die Überschrift: De vocabulis, a quibus in epistola abstinendum. Hinzugefügt sind auch Listen von gediegenen lateinischen Ausdrücken, die dem Leser herzlich empfohlen werden. Insgesamt finden wir darin über 1700 Stichwörter; [11] ein bißchen mehr als die Hälfte davon gehören zu den vom Autor angeprangerten "Barbarismen." In seiner Behandlung jener sogenannten Barbarismen bekämpft Altenstaig auf typisch humanistische Art nicht bloß die banalen Kompositionsfehler seiner Studenten, sondern auch und insbesondere die sprachlichen Extravaganzen der scholastischen Philosophen, Theologen und Dialektiker. Er mag wohl stets den größten Respekt vor den theologischen Urteilen Gabriel Biels und Jean Gersons zeigen, so will er doch nicht deswegen ihren Stil gutheißen. Das Wort "facialiter," zum Beispiel, werde von Theologen gebraucht, "die der allerschlichtesten Redeweise gewohnt sind, die keine Freude an der Zierlichkeit empfinden und nur nach dem Sinne der Dinge schauen." Gabriel Biel, fügt er dann kritisch hinzu, gebraucht das Wort in einer seiner Predigten. [12] Ähnliche an Biel gerichtete Kritik äußert er wiederum, wenn er das Adjektiv "facialis" in der Liste der Adjektive [13] und die Verben "agonizare" [14] und "preconizare" [15] bei den Verben bespricht. Auch am Stile des Franzosen Jean Gerson findet er genügend zu tadeln, obwohl dieser, wie er meint, eleganter und korrekter schreibe als gewisse andere Theologen. Das Verbum "modulizare," das Gerson in einer seiner Predigten verwendet haben soll, werde kein zuverlässiger Latinist anerkennen. [16] Anderswo, mit Bezug auf akademische Leistungen, wirft er dem Franzosen den Gebrauch des Partizips "doctorizatus" vor. [17]

Im Allgemeinen hat Altenstaig keine hohe Meinung von den rhetorischen Fähigkeiten der Theologen. Die Theologen oder Theologaster, wie er sie hin und wieder nennt, erwecken bei ihm den Eindruck, daß sie auf den Untergang der Latinität hin arbeiteten. [18] Unter dem Stichwort "commodosus" greift er insbesondere die Tübinger Theologastern an. Für solche Leute, schreibt er, verspreche elegantes Latein nur Unheil. [19] An einer anderen Stelle im Buche beschreibt er noch in lebendiger Prosa, wie einer von ihnen ihn während einer öffentlichen Disputatio zuerst unterbrochen und dann behauptet habe, die eleganten Redeweisen der klassischen Autoren seien nur eine Korruption der Jugend. [20]

Was im Opus Altenstaigs für zahlreiche Theologen gilt, gilt auch für Prediger und Mönche. Dem Italiener Gabriel de Barletta, Autor der oft gedruckten Sermones quadragesimales (1497), wirft er das Wort "finalitas" vor:

Das Wort "finalitas" gebraucht ein gewisser Prediger Namens Barlete (die Ungebildeten sagen eher Kanzelredner oder Predigtmacher), der wie manch anderer Verfasser von Predigten uns sehr häufig mit seiner barbarischen Schriftstellerei belästigt. [21]

Die volksnahen Vokabeln "ambonista" (Kanzelredner) und "sermocinista" (Predigtmacher) [22] zählen ganz offensichtlich zu den mittel- und neulateinischen Neologismen, die Altenstaig eifrig bekämpft; der altgediegene Ausdruck für "Prediger" bleibt nach wie vor "con[t]ionator." Ein anderer Prediger, Johann Nider, soll das Wort "linguagium" häufig in seinen Sermones de tempore et de sanctis gebraucht haben; daran nimmt Altenstaig wiederum Anstoß. Wie er meint habe Nider wenig Umgang mit der lateinischen Sprache und solle lieber solche Ausdrücke für sich behalten. [23] Dasselbe gilt dann auch für den Magister Sententiarum Petrus Lombardus, der zu den kirchlichen Autoren zählt, von denen man kein Latein erlernen könne. [24] Das Wort "bursator," das Mönche angeblich verwenden, will der Mindelheimer ebenfalls nicht zulassen. [25]

Die anderen Fachleute haben ihren eigenen Jargon und werden von Altenstaig auf ähnlicher Weise behandelt. Kein umsichtiger Redner, meint er, werde jemals Vokabeln wie "essentialis," "accidentalis," "generalis," "specialis," oder "principalis" von sich hören lassen; so drückten sich nur Grammatisten, Dialektiker und Philosophen aus. [26] "Essendi, essendo, essendum": Nicht nur unwissende Leute wie Alexander sprächen auf diese Art, sondern auch der gelehrte Johannes Argyropoulos und gewisse andere Philosophen, wenn sie Sätze wie "Octo sunt modi essendi" in ihre Traktate aufnehmen. [27] Die akademischen Fachbegriffe "via moderna" und "via realium" bezeichnet er schlechthin als Produkte rezenter Philosophen und Dialektiker, die sich mit der Redekunst nicht einmal oberflächlich bekanntgemacht hätten. [28] Altenstaig sammelt auch Beispiele juristischer und medizinischer Begriffe: "certiorare" und "certificare," [29] "damnificare," [30] "promulgare," [31] "recidivare." [32] Seine Gegner, nebst der ungebildeten, ungehobelten Menge, wie er sie immer wieder nennt, sind Barbasculi und Grammatisten [33] Dialektiker, Philosophen und Theologaster, [34] Goten, Vandalen und Thraker. [35]

Obschon Altenstaig als Purist bezeichnet werden darf, ist er gewiß kein "Affe Ciceros." Seine Methode bleibt vor allem eklektisch. Neben Cicero und Mario Filelfo, deren Briefe ihm mustergültig erscheinen, [36] zählen auch Autoren wie Ambrosius und Hieronymus, Konrad Celtis, Nicolai Perotti, Francesco Negri, Heinrich Bebel und Lorenzo Valla zu seinen prinzipiellen Gewährsleuten. [37] Dies will jedoch nicht heißen, daß er nicht hin und wieder in ihren Schriften etwas Tadelnswertes entdeckt. Gelegentlich äußert er milde Kritik, wenn Hieronymus oder Augustinus rare oder postklassische Verba gebrauchen, wie beispielsweise "apostatare" (f. 80r), "colaphizare" (f. 81r) oder "evaginare" (f. 82r). Das von Hieronymus oft geschriebene Verbum "humiliare" ist seiner Meinung nach wenig elegant; dennoch, weil es an vielen Stellen der Heiligen Schrift vorkommt, wolle er es nicht gänzlich verbannen. [38] Filelfo scheint ihm das Wort "indulgentia" einmal falsch gebraucht zu haben [39] ; Calepino, den er häufig zitiert, habe zu Unrecht das Wort "sororius" als ein Synonym von "gener" (Schwager und Schwiegersohn) zugelassen. [40]

Außer den von Altenstaig angeprangerten Wörtern beinhaltet sein De vocabulis eine gewisse Anzahl von Neologismen, die ihm entweder akzeptabel erscheinen oder die er selber bei der Besprechung einzelner Wörter verwendet. Das notorisch-berüchtigte Verbum "tibisare," das einige Jahre später an prominenter Stelle in den Dunkelmännerbriefen erscheint, kommt Altenstaig sehr albern vor. Sowie "tibisare" und "vobisare," schreibt er in seinem Opus, solle man auch nicht "hecceizare" oder "singulizare" gebrauchen. Als er dann versucht, diese Wörter indigniert zu qualifizieren, fügt er wie unbemerkt einen Neologismus in seine Rede hinein: "Solche Verben sind Tavernengeschwätz (popinariae dictiones), gotisch und überaus barbarisch; nicht einmal ein halbgebildeter, kaum lateinkundiger Grammatiker verwendet sie." [41] Das hier gebrauchte Adjektiv "popinarius" scheint ein relativ neues Wort zu sein. Erasmus hat es zwar einmal verwendet, [42] aber wie Altenstaigs Antibarbarus zu verstehen gibt, war das Wort vielleicht nicht so rar, wie man ansonsten denken mag. Ein weiterer Neologismus kommt bei der Besprechung des Adverbiums "linguaciter" zum Vorschein; das Wort solle reines Küchenlatein sein: "Coquinaria est dictio." [43] Der Ausdruck "coquinaria dictio" (Küchenlatein), den wir in den üblichen Mittellateinischen und Neulateinischen Nachschlagwerken nicht finden, wird dem heutigen Lexikographen um so mehr empfohlen sein, als er aus der Feder eines Puristen kommt! Gewisse andere Neologismen findet Altenstaig nicht nur annehmbar, sondern gelegentlich auch elegant. Das neulateinische Wort "pharmacotheca" stellt er ausdrücklich zu den zierlichen Vokabeln hin, die man guten Gewissens in einem Briefe verwenden darf. Laut einer dort beigefügten Definition bedeutetet das Wort damals ebensoviel wie unsere moderne Apotheke: ein Ort, wo Kräuter und Medikamente zum Verkauf ausgestellt werden. [44]

Als Handbuch lateinischer Stilistik ist das Opus pro conficiundis epistolis zugleich präskriptiv und deskriptiv. Einerseits folgt es dem Model der italienischen Schule L. Vallas, insofern es dem Lernenden vorschreibt, wie er sich in der klassischen Sprache regelrecht ausdrücken und das Stigma der Barbarei vermeiden kann. Andererseits aber beschreibt das Werk, vielleicht mehr als andere Antibarbari jenes Zeitalters, die unkontrollierte und schließlich unkontrollierbare Proliferation neuer Wortformen in verschiedenen Bereichen der Europäischen Latinitas. Die Kritik, die wir dabei zu hören bekommen, hilft uns, jene unsichtbare, stets permeable Trennlinie, welche die Humanisten zwischen Barbarei und Neuzeit haben ziehen wollen, besser zu verstehen. Obwohl viele der Stichwörter schlechthin als studentische Schreib- und Sprachfehler bezeichnet werden dürfen, [45] so bleibt dennoch eine beträchtliche Anzahl Neologismen übrig, die dem heutigen Lexikographen von hohem Interesse sein muß. Ein letztes Beispiel aus dem De vocabulis wird dies illustrieren können. Unter dem Stichwort "altarista" schreibt Altenstaig Folgendes:

"Altarista" und ähnliche in "-ista" ausgehende Wörter sollst du nicht hernehmen. Aus diesem Beispiel wirst du erkennen, daß solche Substantive nicht lateinisch sind, wenn sie nicht aus griechischen Wörtern hergeleitet werden, die mit "-istes" beenden. Wir sagen nämlich zurecht "sophista," weil es auf Griechisch "sophistes" gibt. Dasselbe gilt auch für "rhetorista," ein von Aulus Gellius gebrauchtes Wort. Wir sagen "lanista" wegen des griechischen "lanistes." Korrekt sind auch "citharista" und "lyrista," da sie griechisch auf "-istes" beenden (allerdings sind "citharedus" und "lyricus" üblicher). Wir sagen auch zurecht "evangelista" und "baptista," wie es bei den Kirchenautoren steht. Auch "soloecista." Die anderen, die aus dem Griechischen nicht hergeleitet werden, sind, wie mein guter Bebel lehrt, gotische Wörter und barbarische Erfindungen. Solche sind beispielsweise "legista," "iurista," "latinista," "nobilista," "artista" und "sermocinista," "Thomista," "Schotista," "Occanista," "Albertista," "alphabetista," "teutonista," "lutinista" und andere ähnliche. Man sagt doch "paedagogus," nicht "pedagogista." Das Wort "canonista" können wir leichter tolerieren, da Kanon ja griechisch ist und die Griechen selber "canonistes" haben, und trotzdem sagen die Gelehrteren nicht "ius canonicum" sondern "ius pontificum." Anstatt "legista" wirst du sagen "legisperitus," "legum studiosus" oder "leguleius." Sag nicht "jurista" oder "artista," sondern "artium peritus," "artium professor" oder, wenn es sich um einen Studenten handelt, "artium studiosus," "de scholasticis iuris legibus operatus" oder "iuris" oder "artis operatus." Sag nicht "vocabulista," sondern "vocabularius qui scribit vocabula." Auch nicht "Albertista" oder "Thomista," sondern "Alberti, Thomae sequaces" oder "emulatores," und so weiter. [46]

Es geht letztenendes nicht darum, Altenstaig im Einzelnen Recht oder Unrecht zu geben, sondern viel eher auf den sprachhistorischen Wert seiner Auslese aufmerksam zu machen. Das Wort "latinista," das bereits im Mittellatein erscheint, ist neuerdings im Instrumentum Lexicographicum der Zeitschrift Humanistica Lovaniensia aufgeführt worden. [47] Man könnte dafür treffende Argumente finden, gewisse Teile aus Altenstaigs De vocabulis in zukünftige lexikologische Arbeiten miteinzubeziehen. Warum sollte man schließlich "latinista," "humanista" und "Occanista" (ein Anhänger Occams) aufnehmen, und nicht etwa "Sc[h]otista," "Albertista" oder "teutonista"?

Wie bereits gesagt wurde, sind Humanismus und Theologie die zwei Hauptpole Altenstaigs Existenz gewesen. Wenn man aber bedenkt, wie scharf er die "barbarischen Sprachfehler" der spätmittelalterlichen Philosophen, Theologen und Dialektiker verurteilt, muß man sich doch ein bißchen wundern, daß er wenige Jahre später ein mit reichlichen Zitationen versehenes Nachschlagwerk scholastischer Theologie hat verfassen wollen. Hat sich die Kluft zwischen Humanismus und "Theosophie" (wie er seine Lieblingsbetätigung gelegentlich nennt) so leicht überbrücken lassen, und wenn, dann auf welche Art? Das Vorwort zu seinem Lexicon theologicum, in dem er die Wichtigkeit des humanistischen Lateins deutlich herunterspielt, bietet eine vorläufige Antwort auf diese Frage:

"Ich dachte ich würde etwas sehr Nützliches schaffen, wenn ich in einem einzigen Band [...] die Wörter und Fachbegriffe der Theologen versammelte, ohne deren Kenntnis keiner die Heilige Schrift richtig verstehen kann. [...] Ich habe in diesem Werk die Eloquenz der Redner, den Du, Leser, von mir erwartest, nicht erstrebt, sondern bin vielmehr dem allgemeinen Gebrauch der Theologen gefolgt. Ich habe mich nicht bloß um die Eleganz der Wörter gekümmert, denn diejenigen, die lediglich dem Klang und der Eleganz raffinierter Ausdrücke nachlaufen, vertun sich gewaltig. Es geht schließlich nicht darum, auf den Glanz und die Pracht der Worte zu achten, wenn das Gespräch den höchsten und vornehmsten der Dinge betrifft. Das theologische Gespräch erscheint auch dann, wenn es unter einem billigen Strohdach haust, hinreichend geziert [...]" [48]

Die Behauptung, daß die Theologie keiner Beredsamkeit bedarf, ist ein typisches Argument der spätmittelalterlichen Scholastik gewesen. Verschwunden ist jener kompromißlose, humanistische Stolz, den er fünf Jahre früher in seinem Opus pro conficiundis epistolis an den Tag legte, wahrscheinlich zum Teil, weil hier auf ein anderes Publikum gezielt wird. Neologismen wie "beatificabile," "catechizatio," "conceptus quidditativus," "impeccabilitas" und "theosebia," [49] kommen wie selbstverständlich im Lexicon theologiae zum Vorschein, ohne daß sie durch rhetorische Formeln eingeleitet oder entschuldigt werden. Sollen wir also glauben, daß Altenstaig humanistische Gelehrsamkeit hinter sich läßt, sobald er Theologie spricht? Sicherlich nicht. Abgesehen von gewissen Vokabeln, die zum scholastisch-theologischen Wortschatz gehören, gibt es kaum etwas in dem Werke, was man "barbarisch" nennen könnte. Im Gegenteil, seine Leser erhalten leicht den Eindruck, daß er den scholastischen Jargon soweit wie möglich vermeidet und sich vor allem darum bemüht, schwierige Konzepte auf die schlichteste Weise zu vermitteln. Was den modernen Leser wohl dabei stört, oder wenigstens überrascht, ist der Umstand, daß ein Humanist (wenn wir ihn noch so nennen wollen), sich mit scholastischer Philosophie und scholastischer Theologie mit Vorliebe befaßt. Die Humanisten in den nördlichen Ländern haben den Scholastikern oft vorgeworfen, die Urtexte des Christentums zugunsten mittelalterlicher Kommentare und Anthologien vernachlässigt zu haben und wiesen sie dabei auf das Studium der klassischen Sprachen zurück. Was der humanistich gebildete Mindelheimer wohl verspürt hat, als er sich an Gerson, d'Ailly, Biel, Thomas, Scotus, Occam und die anderen Pfeiler der katholischen Kirche wandte, war das Bedürfnis, auch ihre Sprache mühsam zu erlernen, damit er sie dann mit Zuversicht und Kompetenz lesen und verstehen konnte. Das Ergebnis seiner Bemühungen auf jenem Gebiet hat sich dann in der Form eines Lexikons scholastischer Theologie schriftlich niedergelegt, eines Lexikons, das übrigens nicht ohne Erfolg die Jahrhunderte überstanden hat. Der Gedanke, sich hauptsächlich mit scholastischen Autoren zu beschäftigen, wird zweifelsohne dem Geschmack vieler zeitgenössischer Humanisten nicht zugesagt haben, aber darum soll man nicht denken, der Mindelheimer habe auf seine humanistische Bildung irgendwie verzichtet. Im Lexicon theologiae unterläßt er bloß die heikle Frage stilistischer Angemessenheit und sucht in erster Linie theologische Konzepte zu vermitteln. Auf dieser Art gelang es ihm, seinen Humanismus in den Dienst einer verjüngten Scholastik zu stellen.



[1] Friedrich Zoepfl, Johannes Altenstaig. Ein Gelehrtenleben aus der Zeit des Humanismus und der Reformation. Münster in Westf.: Verlag der Aschendorffschen Verlagshandlung, 1918.

[2] Biographische Artikel erscheinen in Die Neue Deutsche Biographie I,215-216 und Dictionnaire d'Histoire et de Géographie Ecclésiastiques II,797-798. Siehe auch Heiko Augustinus Oberman, The Harvest of Medieval Theology. Gabriel Biel and Late Medieval Nominalism, Cambridge (Mass.): Harvard University Press, 1963, S. 17-19 (und passim).

[3] Ob Biel zu Recht oder Unrecht als Nominalist bezeichnet worden ist, soll hier nicht entschieden werden. Es kann lediglich darauf hingewiesen werden, daß Obermans Darstellung nicht unbestritten bleibt. Argumente findet man bei Wilhelm Ernst, Gott und Mensch am Vorabend der Reformation: Eine Untersuchung zur Moralphilosophie und -Theologie bei Gabriel Biel, Leipzig: St. Benno-Verlag, 1972.

[4] Der eigentliche Titel lautet: Vocabularius Joannis Altenstaig Mindelhaimensis vocum, que in opere grammatico plurimorum pertinent, brevis et vera interpretatio, Hagenau: Heinrich Gran, 1508.

[5] Opusculum de amicicia continens quid amicicia vera et perfecta, Hagenau: H. Gran, 1519. Tres libri de felicitate triplici, Hagenau: Heinrich Gran, 1519. Ain nutzlich vnnd in hailiger geschrifft gegründte vnderricht, was ain Christen mensch thun oder lassen sol, Augsburg: [Grimm u. Wirsung], 1523. Von der Füllerey, Strasburg: Johann Grienynger, 1525.

[6] Isokrates von dem Reich, Augsburg: Si[l]vanus Otmar, 1517.

[7] Der Vocabularius theologie wurde in den folgenden Städten gedruckt: Hagenau und Mindelheim 1517, Lyon 1579 und 1580, Venedig 1579, 1580 und 1583, Antwerpen 1576 und Köln 1619. Der Verlag Georg Olms hat vor eingigen Jahren einen Nachdruck nach der Ausgabe Köln 1619 herausgebracht.

[8] S. 46.

[9] Für den Zeitraum 1470-1500, siehe Cecil H. Clough, "The Cult of Antiquity: Letters and Letter Collections," Cultural Aspects of the Italian Renaissance, Manchester: Manchester U. Press, 1975, S. 33-67. Einiges über den Zeitraum nach 1500 findet man in Charles Fantazzis Einleitung zu Juan Luis Vives, De conscribendis epistolis, Leiden: E.J.Brill, 1989.

[10] Joannis Altenstaig Mindelhaimensis opus pro conficiundis epistolis. De generibus epistolarum. De vocabulis, quae abhorrent a latinitate, et quae admittuntur in penum latini eloquii secundum partium orationis ordinem. De orationibus, quibus in epistolis sit abstinendum, et quibus sit utendum secundum ordinem partium orationis. De ornamentis sive coloribus rhetoricis, qui sunt orationis lumina. Epistolae discipulorum eiusdem. Discipulorum praecepta regulaeque morum et studii. Oratio eiudem de militia christiana. Hagenau: Heinrich Gran, 1512. Das Werk befindet sich als Mikrofilm in der Reihe "German Books Before 1601" (Cambridge, Mass.: General Microfilm Co., [19--], Roll 15,8).

[11] In Wirklichkeit beinhaltet sein De vocabulis weit mehr als 1700 Einträge, da unter einem einzigen Stichwort oft mehrere morphologisch oder sinnverwandte Wörter zusammen besprochen werden. Unter dem Stichwort "infirmaria" (Op. p. conf. ep., f. 62r), zum Beispiel, führt er sieben andere, morphologisch verwandte Neologismen auf: "lectoria," "scholaria," "forestaria," "prioria," "sutoria," "sartoria," "hospitalaria." Unter "civissa" (f. 58r) bespricht er die folgenden sinnverwandten Wörter: "concives," "civitatensis," "communiceps."

[12] " Facialiter vocabulum est theologorum, qui versantur in infimo dicendi charactere nec ornatu gaudent, considerantes solummodo rerum sententias, easque ponderantes eo utuntur, cum dicunt: Panis angelorum, quo angeli fruuntur facialiter [etc.]. Nos vero in hac vita sub spherum sensibilium velamine facialiter [etc.]. Id est de facie, ad faciem. Quo utitur Gabriel, theologus nostra memoria doctissimus in quodam sermone" (Op. pro conf. ep., f. 100r).

[13] " Facialis non est bonum latinum, quo theologi utuntur, et Gabriel ille noster doctissimus in sermone De assumptione [...]" (Op. p. conf. ep., f. 60r).

[14] "Agonizare minus latine dicitur pro contendere in agone, vel ut ipsi accipiunt pro certare in ultimo vitae, cum morte. Nec agonizans apud eruditos et in latinitatem receptos lego, quo utitur Gabriel in sermone de Sancto Martino. Dicunt et imperiti: Ille iacet in agone, pro spiritum exhalabit" (Op. p. conf. ep., f. 79r).

[15] "Preconizare non est bonum vocabulum [...]. Nec ab eo derivatum participium preconizans, quo utitur Gabriel in sermone"(Op. p. conf. ep., f. 85r).

[16] "Modulizare pro cantare, canere, modulari accipiunt et theologi. Gerson utitur in quodam sermone. Etsi ceteris quibusdam theologis scribit elegantius et rectius, probatus tamen in latinitate non est. In aliis eum plurimum et plerumque imitor nec a sua sententia facile descisco et discedo" (Op. p. conf. ep., f. 84r).

[17] "Doctorare barbarum. Dic tamen doctor effici, fieri [...]. Nec doctorare et doctorizare pro docere dicas. Doctorizatus utitur Gerson in sermone, etc. Sed sibi habeat" (Op. p. conf. ep., f. 81v).

[18] " Roseus, -a, -um etsi sit bonum vocabulum, ut rosea vestis, color roseus, pannus. Sed imperiti male utuntur, dicentes rosea charitas, benivolentiam, etc. Et rosatius, quod factum est ex rosa. Unde rosaceum oleum factum ex rosis. Imperiti dicunt rosacea facies, quod nullus unquam latinus dixit. Nec audivi nisi a theologastris quibusdam, qui latinitati bellum indixerunt" (Op. p. conf. ep., f. 67v). Vgl. auch s.v. "Mititas": "A nullo audivi, quam a theologastris, qui nullum cum latina lingua habent commercium" (f. 64r).

[19] " Commodosus vocabulum barbarum, quod a theologastris Tubingensibus persaepe audivi, quibus latinitas et elegans sermo est exitialis, etsi in aliis sint docti" (Op. p. conf. ep., f. 59r).

[20] " Rusticanus autem et agrestis est sermo: Videtur tibi, quod bene faciam. Videtur mihi, quod bene loqueris. Quae locutio versatur in ore barbarorum et illorum, qui latinitati renunciaverunt, quemadmodum fuit ille theologaster barbariei notissimus, qui me reprehendit in quadam disputatione publica, ineptissime et commoto stomacho et irato animo, praeferens superiores elegantes orationes a doctis usurpatas esse iuvenum corruptelam. O caput lepidum et dignum ellebero, qui sibi videtur doctissimus et haberi vult, in minoribus et q [uae] ipsi elementarii pueri norunt, lapsus est turpissime et dedecorose, qui ut erga alios etiam suos molestus et infestus Alexandri more semper extitit, in me voluit esse inhumanus et importunus, putans se recte facere, cum iniquissime egerit. Sed haec fortasse plus quam debui. [...] Charitatis est enim admonere errantes et ex iusticiae via trassilientes, ut rectum iter ad caelum arripiant" (Op. p. conf. ep., f. 97v).

[21] "Finalitas utitur Barlete concionator quidam (quem imperiti dicunt ambonistam vel sermocinistam), qui ut alii conciones scribentes vel sermones barbaris obstrepit litteris persaepe" (Op. p. conf. ep., f. 60v).

[22] "Ambonista" kommt aus dem Mittellateinischen "ambo" (Kanzel, Katheder). Luther verwendet den Ausdruck "sermocinista" im pejorativen Sinne.

[23] " Joannes Nider sermones scribens saepe linguagio utitur, sed ipse sibi habeat, qui cum latinitate habet parum comercii" (Op. p. conf. ep., f. 63r).

[24] "Missa non est latinum [...]. Ecclesiastici tamen, a quibus non est petenda latinitas, utuntur. Et magister Petrus Longobardus, disti. xiii. quarti sentent." (Op. p. conf. ep., f. 63v).

[25] "Bursator apud monachos, latine dicitur oeconomicus, dispensator vel quaestor" (Op. p. conf. ep., f. 57v)

[26] " Essentialis, accidentalis, generalis, specialis, principalis: Rhetor non utitur his, sed grammatistae, dialectici, et philosophi" (Op. p. conf. ep., f. 60r).

[27] "Essendi, essendo, essendum. Apud idoneos non reperitur, teste Valla, sed apud imperitos, ut Alexander [...] et Joannes Argyropilus, non illitteratus [...]. Et philosophi dicunt: Octo sunt modi essendi" (Op. p. conf. ep., f. 60r).

[28] " Modernus non est elegans vocabulum, pro quo tu uti potes iunior vel recentior, vel graeco vocabulo neotericus, non modernus, modernior. Item secta recentior, quam alii minus bene viam modernam dicunt. Nec via realium bene dicitur, sed secta vel heresis, non via dicendum est [...]. Sed nostrates philosophi et dialectici viam modernam vel realium, qui ne rhetoricam quidem a limine salutaverunt" (Op. p. conf. ep., f. 83v).

[29] "Certiorare et certificare non sunt oratoria et elegantia vocabula, quibus tamen iurisconsulti utuntur. Docti in epistolis scribunt: Facio te certiorem, significo, nuncio" (Op. p. conf. ep., f. 80v).

[30] "Damnificare pro damnum facere [...] frequenter utuntur iurisconsulti de restitutione" (Op. p. conf. ep., f. 82r).

[31] "Promulgare [...] verbum est iurisconsultorum et theologorum" (Op. p. conf. ep., f. 85v).

[32] "Recidivare vocabulum theologorum et medicorum pro relabi, recidere" (Op. p. conf. ep., f. 86r).

[33] Einige Beispiele aus dem Text: "Militissa latinum non est, quae barbasculi utuntur" (Op. p. conf. ep., f. 63v); "Insolens grammaticastri accipiunt pro non modesto" (f. 61v); "Morigeratus grammatistae accipiunt pro modesto" (f. 64r); "Motivus, promotivus, promotorialis, commendativus et similia nomina non apud doctos, sed frequenter apud barbasculos lego" (f. 64v); "Et dicunt stuporosum exordium barbasculi" (f. 69r); "Deflorare [...] non nisi apud grammatistas lego" (f. 82r); "Epilogare grammatistarum vocabulum" (f. 82r); "Curialis grammaticastri accipiunt pro urbano et faceto" (f. 58r); "Libellare verbum est de media grammatistra[ru]m schola depromptum" (f. 83v); "Valentius accipiunt grammatistae pro cum maiore valentia" (f. 102v).

[34] "Arenga, quo theologastri utuntur [...]" (Op. p. conf. ep., f. 57r); "Commodosus vocabulum barbarum, quod a theologastris Tubingensibus persaepe audivi" (f. 59r); "Essentialis, accidentalis, generalis, specialis, principalis: Rhetor non utitur his, sed grammatistae, dialectici et philosophi" (f. 60r); "[Mititas:] a nullo audivi quam a theologastris, qui nullum cum latina lingua habent commercium" (f. 64r); "[Rosacea facis:] nec audivi nisi a theologastris quibusdam, qui latinitati bellum indixerunt" (f. 67v); "Habitualiter vocabulum est dialecticum et theologorum" (f. 100r); "Virtualiter vocabulum est dialectic[or]um et philosophorum" (f. 102v).

[35] "Beanus nec grecum nec hebreum neque latinum, sed plane thracum" (Op. p. conf. ep., f. 57v); "Domicellus [...] vocabulum est vandalicum" f. 59v); "A verbis absoletis et inusitatis et barbaris, gotthicis et vandalicis caveas in epistolis" (f. 79r); "Grador et grado et gradatus [...] penitus gotthica sunt et barbara" (f. 82v); "Penare et penalizare barbare et gotthice [dicuntur]" (f. 84v).

[36] In einem Widmungsschreiben am Anfang des Werkes, schreibt er unter anderem das folgende Urteil: "Ex istis duobus eloquentiae luminibus, Cicerone et Philelpho, tanquam ex praecipuis, quantum mihi per ocium licuerit, genera epistolarum quaedam sumam, quae frequenter legere et discere velitis hortor et moneo" (Op. p. conf. ep., f. A4r). Und später im Werke: " Tu moneo si doctus et eruditus et latinus haberi et esse volueris, doctiorum utere consuetudine et familiaritate et lectione eruditorum, ut Ciceronis, Philelphi, et aliorum politioris linguae cultorum et amatorum" (s.v. "prebendatus," f. 67r).

[37] Soviel besagt er in einem an die Mitglieder des Augustinerstiftes Polling gerichteten Vorwort: "Sed potissimum Ambrosium, Hieronymum, Marium Philelphum, Conradum Celtem poetam laureatum, Nicolaum Perottum, Franciscum Nigrum, Bebelium nostrum et alios in latinum receptos pro viribus imitabor" (Op. p. conf. ep., f. A3v). Valla, dessen Libri elegantiarum er des öfteren mit Lob zitiert, ist ein "elegantis et limati sermonis homo" (f. 59r). Nicolai Perotti, schreibt er, ist " de latinitate meritissimus" (f. 102r).

[38] "Humiliare verbum parum elegans pro humile facere [...] quo verbo saepissime utuntur ecclesiastici, et precipue Hierony[mus...]. In multis locis sacrae scripturae invenitur, quare non omnino interdico latinitati" (Op. p. conf. ep., f. 82v-83r).

[39] "Indulgentia [...] Philel. videtur accepisse pro venia, cum ait libro septimo epistolarum scribens: Senatui et populo romano Christus optimus maximus redemtor noster, cum ex hac vita in caelum ascenderet indulgentiarum largitate dispensandum reliquit ministris suis, inprimisque romanae ecclesiae summo pontifici" (Op. p. conf. ep., f. 73r-v).

[40] "Calepinus scrib[i]t sororius dictus est cui soror mea nupsit. Similiter frater et sororis filius sororius dicitur. Ipse videat nec exemplum adducit" (Op. p. conf. ep., f. 68r). Andere Beispiele einer kritischen Haltung Calepino gegenüber befinden sich unter den Stichwörtern "insimul" (f. 100v) und "nullibi" (f. 101r).

[41] "Tibisare ineptissimum vocabulum a pronomine formatum. Sicut nec vobisare, hecceizare dicendum est. Sed dicas alloqui vel compellare numero unitatis vel singulariter, vel multitudinis numero, nec singulizare dicas, popinariae sunt dictiones et gothicae planeque barbarae, quibus ne grammaticus quidem utitur nec mediocriter doctus et infantissimi latinae linguae" (Op. p. conf. ep., f. 87r).

[42] Vgl. René Hoven, Lexique de la prose latine de la Renaissance, Leiden: E. J. Brill, 1994, s.v. "popinarius."

[43] "Linguaciter coquinaria est dictio pro linguā. Inepti dicunt lingua mea non potest linguaciter affectum socii declarare" (Op. p. conf. ep., f. 100v). Vgl. Hoven, Lexique, s.v.

[44] "Pharmacotheca, ubi venales herbae et medicamenta exponuntur, ad quam medici sua ut ita dicam recepta scribunt, quae medicamentaria vel pharma[ceuti]ca dicuntur" (Op. p. conf. ep., f. 75r). Hoven übersetzt das Wort nach Konrad Celtis als "bote à médicaments." Das Mehrzahlwort "recepta," das in Altenstaigs Definition vorkommt, ist auch nicht von klassischer Prägung (vgl. J. F. Niermeyer, Mediae latinitatis lexicon minus, Leiden: E. J. Brill, 1976, s.v.).

[45] Einige Beispiele: "frondifluus" (Op. p. conf. ep., f. 60v), "femellinus" (f. 60v), "latinicus" (f. 63v), "quotennis [...] non nisi apud triviales" (67r), "ridiculosus" (f. 67v), "succura" (f. 68v), "transillustratissimus" (f. 69r), "jesisare" (f. 83v), "lirizare" (f. 84r), "parvificare" (f. 84v), "rickmisare" (f. 86r), "urinare" (pro urinam abiicere, f. 87r), "tediare" (f. 87r), "eviter" (f. 99v), "precharissime" (f. 101v).

[46] "Altarista et similia in -sta non usurpes. Unde scias, nomina in -sta, nisi sint a grecis apud quos in -stes finiantur, latina non sunt. Dicimus enim bene sophista, quia grece sophistes, et rhetorista, quo Gellius utitur. Lanista quia grece lanistes. Citharista et lyrista, quia graeci in -stes finiunt, quamvis usitatius dicamus citharedus, lyricus. Dicimus item bene, ut est apud ecclesiasticos, evangelista, baptista. Et soloecista. Alia, quae a graecis non veniunt, ut Bebelius meus monet, barbara sunt et gothica, ut legista, iurista, latinista, nobilista, artista et sermocinista, Thomista, Schotista, Occanista, Albertista, alphabetista, teutonista, lutinista et similia. Paedagogus non pedagogista. Canonista magis tolerandum est, quia canon graecum est. Et sic graeci canonistes, quamvis apud eruditiores non ius canonicum, sed pontificium dicatur. Pro legista dicas legisperitus vel legum studiosus vel leguleius. Non jurista, artista, sed artium peritus, artium professor, vel si est scholasticus artium studiosus, de scholasticis iuris legibus operatus, vel iuris vel artibus operatus. Non vocabulista, sed vocabularius qui scribit vocabula. Item non Albertista vel Thomista, sed Alberti, Thomae sequaces vel emulatores et sic d [icitur] pluribus aliis" (Op. p. conf. ep., s.v. Altarista, f 57r).

[47] Humanistica Lovaniensia, 48 (1999), S. 450.

[48] "[R]em perutilem facturum me existimavi, si vocabula Theologorum et notamina quaedam [...] in unum colligerem volumen, sine quorum cognitione nullus recte scripturam sacram intelligere poterit. [...] Nec eloquentiam Oratorum, quam Lector desiderabis, in hoc opere sum secutus, sed Theologorum communium imitatus sum morem, nec verborum elegantium curam modo habui, quoniam qui verborum exquisitorum solummodo sonum et elegantiam sectari conati sunt, insigniter lapsi sunt. Nec ibi curandum est de verborum splendore et ornamentu, cum de rebus altissimis et optimis fit sermo. Satis autem habet venustatis sermo theologicus, etiam ubi vilibus verborum panniculis operitur [...]"(Lexicon theologicum, f. 2r-v).

[49] Diese theologischen Fachwörter wird man vergebens bei Niermeyer und Hoven suchen.



Autor (author): Jan Noble Pendergrass
Dokument erstellt (document created): 2002-08-13
Dokument geändert (last update): 2002-08-20
WWW-Redaktion (conversion into HTML): Manuela Kahle & Stephan Halder