Vivat Germania latina, Vivat Latinitas teutonica!

Jerzy Starnawski

Die Beziehungen des Humanisten Georg Sabinus (1508-1560) zu Polen



Georgius Sabinus (Georg Schüler oder Schuler, manchmal Schalter genannt), Sohn Balthasars (gest. 1543) und der Agnes, geb. Crusin, war Brandenburger. Er studierte in Wittenberg, besuchte aber die Universitäten in Krakau und in Padova. Seit 1532 pries er in seinen Dichtungen den brandenburgischen Markgrafen und Kurfürsten Joachim II. (1505-1571). Im Jahre 1536 wurde er als Professor der Poesie und der Beredsamkeit an die Universität in Frankfurt an der Oder berufen, drei Jahre später, 1539, wurde er dort zum Rektor gewählt. Fünf Jahre später, 1544, wurde er Begründer und erster Rektor der Universität in Königsberg in Preussen. Er war dort Rektor in den Jahren 1544-1547 und nachher im Jahre 1553/1554. Nachdem er zehn Jahre in Königsberg unterrichtet hatte, kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er bis zum Ende des Lebens blieb. Er war zweimal verheiratet: zuerst mit der Tochter Philipp Melanchthons, Anna, dann, nach dem Tode der Gemahlin, mit Anna, Tochter des Christoph Cromers aus Königsberg [1] . Er war Protestant, doch hatte er Kontakte mit dem italienischen Kardinal Pietro Bembo (1470-1547), dem vortrefflichen Humanisten, und mit den polnischen Bischöfen.

Im Jahre 1556 ging Sabinus als Botschafter (Orator) des magdeburgischen Erzbischofs Sigismund nach Wilna [2] , im Juni 1558 nach Posen als Botschafter des brandenburgischen Kurfürsten [3] .

Aus dem 16. Jh. Haben wir ein Zeugnis für die große Autorität des Sabinus [4] , im 18. Jh. wurde er einige Male erwähnt als ein Dichter, der mit Polen in Kontakt war, wie Eobanus Hessus und in den Niederlanden Joannes Secundus [5] . Am Anfang des 19. Jh. wurde Sabinus von einigen Literaturhistorikern sogar als polnischer Dichter betrachtet [6] . Wenn wir jedoch seine Beziehungen zu Polen und die Beziehungen des Konrad Celtes (Celtis, 1459-1508) vergleichen, bemerken wir, dass Celtis zwei Jahre in Polen lebte (1489-1491) und eine Gesellschaft unter dem Namen Sodalitas litteraria Vistulana gründete, Sabinus hingegen besuchte Polen als Fremdling, doch sind seine Beziehungen mit unserem Lande bedeutender als die von Celtis.

Der brandenburgische Kurfürst Joachim II. war erstmal (ab 1524) mit Magdalene (1507-1534), Tochter des sächsischen Herzogs Georg (1471-1539) und Barbara (1478-1534), einer Tochter des polnischen König Kasimir den Jagellonen (1427-1492) verheiratet. Magdalenes Tod hat Sabinus in einem kurzen Gedicht, Epitaphium Magdalenae, filiae Georgii, Ducis Saxoniae, coniugis Joachimi II, Marchionis Brandenburgensis, gepriesen, welches später als Elegie IV 9 veröffentlicht wurde [7] . An die polnische Abstammung Magdalenes erinnern die Verse 11-14:

Nec minus illustris materno glorior ortu.

Mater Sarmatici filia regis erat.

Saepe rebellantes cuius victoria Moscos

Compulit imposito subdere colla iugo.

Viele Jahre später verfasste Sabinus ein Epigramm Ad Sgismundum, Archiepiscopum Magdenburgensem, Sigismundi Regis Poloniae ex filia nepotem (S. 273). Sigismund (1538-1566) , Sohn Joachims II. und Hedwigs (1513-1573), Tochter des polnischen Königs Sigismund I. (1467-1548), war Erzbischof von Magdeburg seit 1553. Der Dichter erinnert an die Eigenschaften des königlichen Großvaters:

Quanta Sigismundi gravitas, sapientia, virtus,

Quem coluit regem Sarmatis ora, fuit:

Tanta tibi gravitas, illius tanta nepoti

Virtus, tamque sagax contigit ingenium (V. 1-4).

Im Jahre 1536 wendete sich Sabinus mit einem poetischen Brief Ad Andream Cricium, Archiepiscopum Gnesnensem, später Elegie III 4. Andreas Cricius (1482-1537), der 1535 Melanchthon nach Polen eingeladen hatte, hatte versprochen nach Wittenberg zu kommen, um an der Hochzeit des Sabinus mit Melanchthons Tochter teilzunehmen. Sabinus dagegen kam nach Krakau zur Hochzeit Joachims II. mit seiner zweiten Frau, Hedwig (1513-1573), Tochter des Königs Sigismund I. Sabinus schreibt dazu:

Tempore Sarmatici qua Regis in urbe Sabinus,

Quae tenet a Graccho condita nomen, eram (V. 1-2).

Über seine eigene Hochzeit bekundet Sabinus Folgendes:

At iam tempus adest, cum nata Melanchtone virgo

Est thalami consors Anna futura mei (V. 15-16).

Die weiteren Verse bezeugen, dass Cricius nicht kommen konnte:

Ergo per hos elegos me certior indice factus,

Non potes huc quanquam carpere Praesul iter (...)(V. 21-22).

Erasmus von Rotterdam (1469-1536) stand wie dem Cricius, so dem Sabinus nahe. Sabinus kannte bestimmt den Ciceronianus des Erasmus (1529), in dem die Erwähnung der polnisch-lateinischen Dichter mit den folgenden Worten eingeleitet wurde: "Horum princeps est Andreas Cricius ... " [8] . Deswegen lesen wir in dem poetischen Brief an Cricius das Lob des Erasmus:

Sustulit indigno mors funere nuper Erasmum:

30 Perdidit o quantum Teutona terra decus!

Illius asseruit nobis facundia laudem,

Roma prius vivo quam Cicerone tulit:

Barbariemque rudem nostro quibus expulit aevo,

Invicto calamo scripta diserta dedit.

35 Illius ubertas, et divitis aurea linguae

Instar inexhausti copia fontis erat. (V. 29-36).

Im Titel des Gedichtes hat Sabinus Cricius als Erzbischof bezeichnet. Cricius wurde zum Erzbischof am 29. Oktober 1535 ernannt, sein Ingress wurde am 21. April 1536 gefeiert [9] . Dazu folgende Apostrophe:

50 Condita non tristi gratetur epistola versu,

Amplior accessit quod tibi nuper honos:

Quodque suprema tenes sacrae fastigia sortis,

Inclita Sarmatiae Rex ubi sceptra gerit.

Evehit indignos fortunaque tollit in altum,

Saepe malis amplas caecaque praebit opes.

55 Haec, tua sed meruit pietas, haec praemia, virtus:

Nemo magis tanto dignus honore fuit.

Im Jahre 1543 entstand die Ecloga (...) de Gallo ad Ticinum capto scripta ad Stanislaum a Lasco, Poloniae Baronem (120 V., S. 256-260). Adressat ist Stanisł aw Ł aski (gest. 1550), der Woiwode von Sieradz. Die Ekloge wurde in der Form des Dialogs zwischen den fiktiven Personen: Lycidas und Aegon geschrieben. Es ist vielleicht kein Zufall, dass der erste Name in einer polnischen Idylle von Simon Simonides (1558-1629) angenommen wurde. Jedoch gibt es in der Ekloge von Sabinus außer der Apostrophe an Ł aski nichts, was Polen betrifft.

Das wichtigste Poem des Sabinus, Polen betreffend, De nuptiis incliti Regis Poloniae Sigismundi Augusti et Elisae, Caesaris Ferdinandi filiae (550 V., S. 237-256), wurde in Krakau 1543 veröffentlicht. Die Hochzeit Elisabeths (1526-1545), der Tochter Ferdinands I. (gest. 1564), des Königs der Tschechen und Ungarn, und späteren Kaisers und der Anna aus der Jagellonischen Dynastie, mit dem polnischen König Sigismund August fand in Krakau am 6. Mai 1543 statt. Das Epithalamium beginnt mit einer Paraphrase der Invokation in Ovidis Metamorphoseon libri, auf die sich der Dichter ausdrücklich bezieht:

Vos mihi, quae puero Nasonis amabile carmen

Dulcia Pegasei dictastis numina fontis (V. 1-2).

...... ...... ...... ...... ...... ...... ...... ...... ...... ...

10 Aspirate mihi, coeptisque favere Camoenae (V. 10).

Die Beschreibung Polens (V. 12-14) ist anmutig:

Istula coeruleus tumidarum rector aquarum

Nymphis iura dabat, qua vertice Carpathu; salto

Frigida Sarmatiae prosperat iugera (...).

Das Hauptthema des Poems (ungefähr 400 V.) ist ein Katalog der polnischen Könige, wie in dem Zyklus Vitae Regum Polonorum von Clemens Janicius (1516-1543), die 20 Jahre nach dem Tode des Verfassers (1563) veröffentlicht wurden.

Krakus wird im Poem des Sabinus als Stadtgründer vorgestellt, der Erdhügel bei Krakau als sein Grab:

Condidit auspiciis ittic felicibus urbem,

Quae vetus a Graccho ducit Cracovia nomen.

Surgit ad hanc urbem terrena mole sepulcrum

Vastum, immane, ingens, quo conditus ipse quiescit (V. 61-64).

Die Stelle über Lechus II. hat den Charakter eines Epigramms:

Pingitur in tela saevissimus alter ab illo

Sceptra gerens Laechus, qui solus arbiter esset

Sarmatiae, solus rerumque teneret habenas (...).(V. 65-67).

"Mesco, dux Poloniae, babtisatur" -heißt es in einem Jahrbuch von 996. Sabinus rühmt darin die Leistung des christlichen Fürsten:

65 Primus erat Christum profitetur, primus adorat

Et veterum cultus abolet, ritusque sacrorum. (V. 171-172).

Die Faulheit von Mieszko II. (König in den Jahren 1025-1033) wird in den folgenden Versen geschildert:

Alter at ignavo similis similisque puellae

Mesco figuratur: mollissima purpura corpus

Velat (...) -(V. 181-183).

Es erscheinen die Konsequenzen der Faulheit:

185 Huius molliciem vitamque perosus inertem

Vandalus arma capit, capit arma Bohemus, et acer

Qui colit Austriacae Moravus confinia terrae,

Excutiuntque iugum, noluntque subesse Polonis. (V. 185-188).

Im Vers 186 finden wir eine Anadiplase in chiastischer Stellung. Die Legende des hl. Stanislaus (getötet 1079) beginnt mit folgendem Distichon:

205 Ac te dive nisi pia Stanislae monetem

Sacra obtruncasset acynae crudus ad aras. (V. 205-206).

Sabinus wiederholt den Bericht des Johannes Dlugossus (1415-1480), dass König Boleslaus II. der Kühne (gest. 1079) von den eigenen Hunden zerissen wurde. Kasimir der Gerechte (1138-1194) wird erwähnt als ein Herrscher der "abrogat iniustas leges". (V. 243), Kasimir der Große (1310-1370) als "pacis amator". Er wird gepriesen als Begründer des Bezirks Kasimir von Krakau, als ein König, der in seiner Hauptstadt vier andere Könige aufgenommen hat.

Quin et turrigeris Gracchi sub moenibus amplam

Ponit, et ipse suo nomine nuncupat urbem.

Quattuor externos et eodem tempore reges

300 Magnificis epulos lautissimus excipit hospes (...)(V. 297-300).

Wo der Verfasser über die Tugenden Hedwigs (1374-1399), Gemahlin des Königs Władysław II. Jagello (1377-1434) spricht, erinnert er auch an die Gründung der Universität:

Accademia Carcoviensis

Erigis instaurans et dulcibus artia Musis

His, ubi flaventes celer Istula volvit arenas.(V. 321-322).

Der Tod des Königs Władysław III. während der Schlacht bei Warna (1444) wird in solchen Worten berichtet:

Heu miserande puer: te clare Borysthene tellus,

350 Te cum Danubio pater Istula luget ademptum

Limosoque gemunt Varnae sub gurgite Nympae. (V. 349-351).

Die Gestalt des Königs Johann I. Albrecht (1459-1501) schildernd, bemerkt Sabinus die Fürsorge, die er dem Dichter Philippus Callimachus Buonaccorsi (1437-1496) gewidmet hat :

Tristia lugubres tibi funera Musae.

370 Nam tu Callimachum, genuit quem Thuscia vatem

Dulcia Pieridum tangentem plectra favebas. (V. 369-371).

Am Ende des Poems kommt die Oratio Istulae ad sponsam et regem (V. 460-544), die mit Worten beginnt, die an Vergils Georgica (II 173) erinnern:

460 Salve virginei decus inclita Nympha pudoris,

Sarmatici consors, Romani filia regis (...). (V. 460-461).

An den König Sigismund August wendet sich die Weichsel mit folgenden Worten:

Tu quoque rex animi praestans, qui clara parentis

Aeneademque refers, Augusti nomina, salve. (V. 477-478).

Die Weichsel ermahnt den König, die Beispiele seines Vorfahren anzunehmen:

Quos toga, quos acris commendat gloria Martis,

Hos propone tibi morem vitaeque magistros (...).(V. 492-493).

Nach der Rede der Weichsel endet der Dichter mit dem Distichon, das im ersten Ves eine schöne Alliteration enthält, im zweiten einen griechischen Hochzeitruf:

Omnis at ore fremens populus plaususque per urbem

550 "Hymen, o hymenaee, hymen hymenaee" sonabat. (V. 549-550).

Dieses Poem von Sabinus übte einen Einfluss auf einen späteren deutsch-lateinischen Dichter aus, auf Jacobus a Falkenberg (Pseud. Milichius), der im Jahre 1573 ein Gedicht an den polnischen König Heinrich Valesius schrieb. Es gibt similia zwischen den beiden Gedichten, Beispiele:

Sabinus

Vanda

(...) Quae cum mille procis (...)

placeret (...) (V. 73)

Popelus

(...) ignavique simillimus (...)

patris (V. 146)

Piastus

Iustitiae vindex (V. 150)

Casimirus

Pellitur infelix patriis Casimirus

ab oris (V. 191)

Falkenberg

(...) Vanda regit, mille adamata

procis (V. 12)

(...) similis filius ergo patri

(V. 18)

iustitiae (...) tenax (V. 20)

V. 28 identisch

Das Poem über die königliche Hochzeit aus dem Jahre 1543 wurde dem Stanislaus Dziaduski (gest. 1559), Starost von Konin, dediziert. Einige Wochen früher, im April 1543, schrieb Sabinus einen Brief an Dziaduski (S. 457-463), in dem der Dichter bittet, das Poem, welches er für die königliche Hochzeit vorbereite, dem König zu überreichen. Der Brief enthält ein Lob der polnischen Geschichte und der polnischen Kultur. Dabei nennt Sabinus seine Quellen. Er hat die Werke der polnischen Geschichtsschreiber gelesen: von Dlugossus (der noch nicht gedruckt war, aber von allen Gelehrten und Schriftstellern gelesen), Miechovita, Decius. Die Polen stammten nach seiner Meinung von den Heneten aus Asien ab, von denen Herodot berichtet. Die polnische Sprache sieht er in Zusammenhang mit der illyrischen. Er hebt die Aktivität der Krakauer Akademie, " (...) quae longo tempore praecipuum universae philosophiae domicilium fuit". Er zählt die vornehmsten polnischen Schriftsteller, u.a. Hosius, Orichovius, Cromerus, " (...) in quibus lineamenta Tulliana dictionis comparent". Zu dieser Zeit waren drei Bücher Elegien von Clemens Janicius erschienen, von denen Sabinus schrieb: "praeclarum sui specimen dedit". Diese seine Übersicht über die polnische zeitgenössische Literatur ist wichtig als erste Betrachtung dieser Art, obwohl nur vier Schriftsteller genannt werden, unter ihnen Orichovius, im Jahre 1543 Verfasser nur eines Werkes, De bello adversus Turcas suscipiendo (...) ad equites Polonos oratio.

Als Rektor der Königsberger Universität reiste Sabinus von Frankfurt an der Oder aus durch Posen; der Brief an Joachim Camerarius, Rektor der Universität in Leipzig, wurde in Posen geschrieben. Der poetische Brief an den Kardinal Bembo über die Universität Königsberg (1544, 82 V., Elegie V 5, S. 153-156) stellt die Bevölkerung der baltischen Länder als ungeschliffene vor; die neue Universität bringe die nützliche Beschäftigung mit den Wissenschaften:

Namque fevox hominum genus est et agreste sub arcto,

Notitiam nondum quod pietatis habet.

75 Coeruleos instar, sed adorat numinis angues,

Mactatoque litat sacra nefanda capro.

Discat ut ergo pios ad Baltica littora ritus,

Exuat et mores vulgus agreste suos,

Optimus ingenuas Princeps hic excitat artes,

80 Adductasque Deas ex Helicone fovet. (V. 73-80).

Der Brief von Johannes Malecki (Sandecki, gest. 1567) an Sabinus, der erstmals 1551 veröffentlicht wurde [10] , ist ein Zeugnis der interessanten Inspirationen in der schöpferischen Kraft Maleckis. Hieronymus Sandecki (1525-1583), Johannes' Sohn, Lobredner der Dichtungen von Sabinus ("qui tuis scriptis plurimum delectari solet"), verpflichtet den Vater dem Brandenburger die Sitten der Preussen, der Litauer, der Ruthenen und der anderen Völker, zwischen denen er jetzt beschäftigt sei, zu schildern. Der lange Brief ist ein Vortrag vor allem über die Gebräuche.

Sabinus benachrichtigte als Rektor der Königsberger Universität in einem Brief vom 30. Juni 1549 an Melanchthon, seinen Meister und Schwiegervater, dass er an den Lehrstuhl der Theologie den Litauen Stanislaus Rapagelanus berufen habe; eine besondere Fähigkeit sei die Kenntnis der polnischen Sprache. Doch starb Rapagelanus (Rafałowicz) 1545 [11] .Zuvor hatte Sabinus ein kurzes Gedicht dem Professor noch geschrieben, Solutio quaestionis iocosae ad Stanislaum Rapagelanum Lithuanum (6 V., S. 300).

Die Beziehungen von Sabinus zu den polnisch-lateinischen Dichtern der ersten Hälfte des 16. Jh. waren sehr lebendig. Es wurden schon Cricius und Janicius genannt. Es gibt auch eine sehr interessante Korrespondenz zwischen Joannes Dantiscus (1485-1548) und Sabinus aus den Jahren 1546 und 1547. Sabinus hatte dem Dichter - Bischof ein Gedicht von 30 Hendekasyllaben geschickt, in dem er sich als "cultor Pieriae (...) artis" vorstellt. Er wendet sich an den Bischof (Antistes venerande) und an den Dichter, dem die Musen günstig seien. Dantiscus antwortete mit einem Gedicht in demselben Metrum (52 V.). Er huldigte dem Kollegen und er wünschte ihm das Alter Nestors. Seine eigenen Dichtungen schätzte er im Vergleich mit den Dichtungen von Sabinus niedrig ein:

Boni consule, mi Sabine, quaeso,

Non tuis similes Catullianis,

40 Qui dulces redolent salem ac leporem,

Cum multa simul eruditione. (V. 38-41). (...).

Sabinus schickte Dantiscus unverzüglich einen zweiten poetischen Brief; diesmal war er länger (56V.), datiert vom 4. Juni 1546. Die Antwort von Dantiscus war am nächsten Tage schon bereit. Darin beschreibt der ermländische Bischof seine Residenz Heilsberg, Stadt an der Alle, mit folgenden Versen:

Nam Phoebi rapido sub igne vobis

Est longo procul urbs petenda cursu

10 Quae ripas iacet adfluentis Allae,

Allae, cuius agunt choros ad amnem,

Ludentes per amoena rura Nymphae

Cum pictis et Oreadas Napaeis. (V. 8-13).

 

Das ist ein ferner Widerhall des Mythus über Ceres und Proserpine in der Erzählung von Ovid (Metam. V 385 ff):

Haud procul Hennaeis lacus est a moenibus altae,

Nomine Pergus, aquae (...).

Im Folgenden äußert Sabinus den Wunsch, den Bischof Dantiscus zu besuchen, in der Gesellschaft seiner Frau und des Hellenisten an der Königsberger Universität, Isinderus ("Socraticae magister artis", V. 39). Die Antowrt von Dantiscus zählt 64 V. Er nimmt das Gedicht von Sabinus als die Blumen, die in der Gegend der Alle blühen an, sein, "carmen" sei "dulce, suave, perpolitum" (V. 9). Er lädt Sabinus mit seiner Frau und mit Isidorus zu Pfingsten nach Heilsberg ein. Jedoch müsse er, so sagt er, in diesem Moment das Gedicht beenden, da er den Botschafter des preussischen Herzogs einladen müsse. Das seien die Verpflichtungen des ermländischen Bischofs. Unter diesen umständen schickte er "versiculi parum diserti" (V. 63), die des berühmten Adressaten nicht würdig seien.

Die Gedichte, die Sabinus an Dantiscus geschrieben hat, sind zahlreicher als die von Dantiscus an Sabinus. In einem Gedicht von 46 Versen vergleicht Sabinus das poetische Talent des ermländischen Bischofs mit den Fähigkeiten des Orpheus:

Si quid carminibus moveris ergo,

Amphion quibus et canorus Orpheus

25 Moverat lapides, ferasque tigres ... . (V. 23-25).

Das Vorbild des Horaz ist hier leicht zu erkennen, bei dem wir (De arte poetica) lesen:

Silvestres homines sacer interpresque deorum

Caedibus et victu foedo deterruit Orpheus,

Dictus ob hoc lenire tigres radibosque leones,

Dictus et Amphion, Thebanae conditor urbis,

395 Saxa movere. (...) (V. 391-395).

Sabinus hat dem Dantiscus ein Buch dediziert; die Widmung enthält nur 6 Verse. Dieses Buch Dantiscus lobt in einem Gedicht Ende Februar oder Anfang März 1547 sehr hoch. Er schickt dem Rektor der Köngisberger Universität ein Poem über Lucretia, das uns nicht überliefert ist. In ihrer poetischen Korrespondenz haben Sabinus und Dantiscus nur ein Metrum gebraucht, nachdem der ganze Zyklus Hendecasyllaborum liber genannt ist. Im Jahre 1548 hat Sabinus diesen Zyklus (Gedichte der beiden Dichter) veröffentlicht.

Dantiscus war als Bischof Mäzen des Dichters Eustathius Knobelsdorf (1519-1571), wie Cricius - Mäzen von Janicius. Ein poetischer Brief von Sabinus An Eustachium Knobelsdorf, Canonicum Varmiensem, Poetam clarissimum (22 V, El. VI 10, S. 183) stammt aus dem Jahre 1548. Sabinus hatte von diesem Dichter ein Poem Divi Poloniae Regis Sigismundi I. Epicedion (1548) erhalten. In dem ersten Versen charakterisiert Sabinus in folgenden Worten die Dichtkunst des jungen Knobelsdorf:

Moesta quibus defles extincti funera Regis,

Legimus hic elegos, culte Poeta tuos.

Miratique sumus lugubri carmine tantas,

Tamque graves a te res potuisse cani.

5 Nam tua dum tristes deplorat Musa quaerelas

Atque Sigismundi fata suprema dolet (...).

Sabinus wiederholt seinen Gedanken aus dem Poem über die Hochzeit des Königs Sigismund August mit Elisabeth:

At tibi quando favent sic aspirantque Camoenae (...) (V. 17).

Das Epigramm Ad Stanislaum Hosium, Episcopum Varmiensem, Prosopopeia Poematum Georgii Sabini (10 V.) ist 1551 entstanden (S. 287-288). Es enthält das Lob des neuen Bischofs (1504-1579), Bischof ab 1549 und seines poetischen Talents. Es wird auch der polnische König erwähnt, der den Bischof ernannt hat. In einem anderen Epigramm, Ad Episcopum Varmiensem Stanislaum Hosium (18 V., El. VI 14, S. 189-190) nimmt Sabinus Abschied, denn die Kontakte werden jetzt rar, weil Sabinus die Königsberger Universität verläß t:

Invida me cogit fortuna relinquere sedem,

Quam mihi Regali Bregela monte dedit (...).(V. 1-2).

Sabinus nennt von den vornehmsten Männern der Epoche die drei, die ihm besonders nahe stehen: Kardinal Bembo, Dantiscus, Hosius:

Quam mihi dulcis amor, quam nomen amabile Bembi,

Lumine vitali cum frueretur, erat,

Et pars quanta mei Dantiscus pectoras olim

Tu modo pars animae tanta futura meae.

15 Utque illos colui, sic te, dignissime Praesul,

In quamcumque licet sim regione, colam. (V. 11-16).

In einem kleinen Epigramm (8 V.) hat Sabinus die Dichtungen des Andreas Muncer von Elbing (S. 289) gelobt, die wir nicht kennen. In einem anderen (16 V.) preist er das Talent des Alexander Suchten aus Danzig (S. 295-296); jedoch erwähnt er nicht die Beziehungen Suchtens mit Polen. Suchten war Schüler der Akademie zu Krakau, wo er bei Paulus Crosnensis (gest. 1517) studiert hatte. Wichtig ist Sabinu's Epigramma inscriptum termino in finibus Lithuaniae et Prussiae posito (6 V.) -(S. 277):

Quando Sigismundus patriis Augustus in oris

Primus et Albertus Marchio iura debant,

Inde Jagellonis Litavorum Principis urbes

Hicque Borussorum pace regebat opes,

5 Haec erecta fuit moles, quae limine fines

Signat, et aborum separat arva Ducum.

Die Elegie V 4 In peregrinationem Stanislai a Lasco (76 V.) -(S. 150-153) muss vor dem Tode des Woiwoden von Sieradz Stanisław Łaski (1550) etstanden sein, aber das genaue Datum ist uns nicht bekannt. Am Anfang schreibt der Dichter über das Wappen der Familie:

Lascus, Jasoniam cuius celeberrima navim

Gens, insigne vetus nobilitatis habet (...).

Im Folgenden erzählt Sabinus über Stanislaus Łaskis Reisen, als er, Botschafter des Königs von Frankreich, Franciscus I., nach Augsburg zum Kaiser Karl I. gesandt wurde. Er hat Spanien, Skandinavien, Ägypten, Palästina ... besucht:

45 Inque Palästina, Christi cunabula vidit,

Regnaque primaevi quae tenuere patres.

Adde, quod Aegypti Regem, quod et ostia Nili,

Pyramidas vidit, Memphi, quod alta tuas,

Et Lybiae tractus, et quae Sidonia Dido

Imperio tenuit Punica regna suo.

Quid loquar undantem Flammis ardentibus Aetnam,

Cuius Mulciberi follibus antra gemunt?

...... ...... ...... ...... ...... ...... ...... ...... ...... ...... ..........

Aut quid Parthenopem? Aut quid loquar inclita Romae

Moenia, flave tuis Tybri propinqua vadis?

Aut dites Arni populos? Urbemque potentem,

Quae tenes Adriaci regna sceptra maris?

55 Inde Tridentinas ad Norica rura per Alpes

Venit, et ex illis contulit hospes iter (...).

(V. 41-48, 51-56).

Auf dieselbe Weise werden manche Provinzen des Königsreichs Polen aufgezählt.

Ein kurzes Epigramm widmet Sabinus Ad Reverendum et Magnificum virum Dominum Joannem Preremsky, Vicecancellarium Regni (26 V.) -(S. 339-340). Joannes Przerębski (1519-1562) wurde 1558 Vizekanzler des Königreichs, ab 1559 war er Erzbischof von Gnesnen und Primas von Polen. Den Vizekanzler lobte Sabinus als die rechte Hand des Königs:

Qualis lucida, quam mihi dedisti

Dono, gemma micante fulget auro,

Nomen tale tuum, tuusque talis

Splendor Sarmatica relucet aura.

5 Tu Regis quasi pectus, os, ocellus,

Omnes praecipuas gravesque regni

Causas eloquio tueris, omnes

Res et consilio tuo gubernas.

Tu ius dicit, ut alter Ulpianus

10 Regis nomine (...). (V. 1-10)

Sabinus wurde von Przerębski beschenkt. Er wurde auch beschenkt von Elisabeth Radziwiłł, geborene Szydłowiecka (1533-1562), Gemahlin des Mikołaj Radziwiłł des Schwarzen (1515-1565), Woiwode von Wilna, des Besitzers von Ołyka. Das Gedicht, später Elegie VI 16, ist eine Ode auf den goldenen Ringe, den die Prinzessin ihm geschenkt hat, In annulum inclitae coniugis illustrissimi Principis Nicolai Radevilae, Ducis Olycae, Palatini Vilnensis (30V.) -(S. 195-196). Die Prinzessin hatte den goldenen Ring von ihrem Finger abgenommen und ihn dem Dichter gegeben:

Annule, quem digito tulit inclita Principis uxor,

Ac mihi pergratum munus habere dedit (...) . (V. 1-2)

In einem Gedicht, das nach dem Jahre 1548 entstanden ist, lesen wir über Wilna, über die berühmten Stadtmauern, über den Namen der Stadt, der sich vom Fluss ableitet:

(...) celeberrima Regis

Moenia, quae Vilnae nomen, ab amne tenent. (V. 7-8)

Die Elegie VI 12 Ad Joannem Bogum, Regis Poloniae aulicum (38 V., S. 187-188) ist rätselhaft. Sabinus schickte nämlich einem uns gar nicht bekannten königlichen Hofmann ein Buch und bat, dass er dies lese. Wir lesen in der Elegie über die Erziehung des Dichters selbst, der, von Ovids Autobiographie inspiriert (Trist. IV 10, 1) schreibt:

Et Sulmone satus pharetzali lusor amoris

Ipse mihi dono plectra sonora dedit. (V. 23-24).

Einige weniger wichtige Einzelheiten sollen ausgelassen werden. Die Materialien gibt es reichlich. Der Dichter, der viele Jahre in der Nähe des Königreiches Polen lebte, interessierte sich wirklich für die polnische Kultur seiner Zeit ; er beschäftigte sich mit Polens Geschichte. Als erster Rektor der Königsberger Universität war er Stütze des Kreises, dessen Beziehungen mit Polen nach der Veröffentlichung der zahlreichen Bände der Elementa ad fontium editiones in neuem, sehr interessantem Lichte stehen, weil die Elementa... Material für weitere Forschungen enthalten.



[1] Vgl. Max Töppen: Die Gründung der Universität zu Königsberg und das Leben ihres ersten Rectors, Georg Sabinus. Königsberg 1844.

[2] Vgl. Elementa ad Fontium editiones. Bd. 43. Romae 1978, S. 145-146.

[3] Vgl. Ibid. Bd. 50. Romae 1980, S. 132.

[4] Vgl. Joannes Rybinski: De linguarum in genere, tum Polonicae seorsim praestantia et utilitate oratio. Gedani 1589.

[5] Vgl. vor allem Janociana sive clarorum atque illustrium Poloniae auctorum maecenatumque memoriae miscellae. Vol. 1. Varsaviae et Lipsiae 1776 S. 232-241.

[6] Vgl. Hieronim Juszyński: Dykcyjonarz poetŏw polskich (Lexikon der polnischen Dichter). Bd. 2. Krakŏw 1820 S. 147-149; Michał Wiszniewski: Historia literatury polskiej (Geschichte der polnischen Literatur). Bd. 6. Krakŏw 1844 S. 334-336. Sabinus' Biogramm existiert in der Zeitschrift "Przyjaciel Ludu" (Freund des Volkes) -1841 Jg 8 Nr 21 S. 161-162.

[7] In der Sabinus' Ausgabe aus dem Jahre 1563 Epitaphium Magdalenae - S. 119-120. Die Seiten aus dieser Ausgabe sind im Folgenden in dem Haupttexte in Klammern angegeben.

[8] Vgl. Erasmus von Rotterdam: Opera omnia. Bd. 2. Hrsg. Von Pierre Mesnard. Amsterdam 1971 S. 601.

[9] Vgl. Stefan Zabłocki: Andrzej Krzycki. In: Polski słownik biograficzny (Das Polnische biographische Lexikon). Bd. 15. Wrocław 1970 S. 544-549.

[10] Vgl. De Russorum, Moscovitarum et Tartarorum religione (...) e diversis scriptoribus (...) . Spirae 1582 S. 257-264.

[11] Vgl. Janusz Małek, Wojciech Polak: Stanisław Rapagelan. In: Polski słownik biograficzny. Bd. 30. Wrocław 1987 S. 576-578



Autor (author): Jerzy Starnawski
Dokument erstellt (document created): 2002-08-13
Dokument geändert (last update): 2002-08-20
WWW-Redaktion (conversion into HTML): Manuela Kahle & Stephan Halder