Germania latina - Latinitas teutonica

Germania latina - Latinitas teutonica

Gründe für diesen Kongress
(Reasons for this conference)


Lateinisches Deutschland - Deutsche Latinität: Politik, Wissenschaft, humanistische Kultur vom späten Mittelalter bis in unsere Zeit

Latin Germany - German latinity: Politics, Science, Humanist Culture from the late Middle Ages to the Present


Gründe
(Reasons)



Lateinische Globalisierung einst und Globalisierung heute

Das Ende des zweiten Jahrtausends christlicher Zeitrechnung ist gekennzeichnet durch die Tendenz zur umfassenden Vereinheitlichung aller Lebensbereiche unter der Leitidee der ökonomischen Einheit, die mit dem Schlagwort der Globalisierung ins allgemeine Bewußtsein getreten ist. So neu die ökonomische Grundbestimmung dieser Tendenz sein mag, so alt ist die Tendenz selbst, die in der Vergangenheit unter politischen Vorzeichen im Imperium Romanum, unter religiösen Vorzeichen in der Civitas Christiana und unter kulturellen Vorzeichen in der Res Publica Litterarum bereits ihre die jeweils bekannte Welt umfassende Realisierung gefunden hat. Man muß nicht die Zirkularität der Geschichte vertreten, wenn man unterstellt, daß der Blick auf die Bedingungen, den Verlauf, die Implikationen und die Folgen dieser vergangenen "Globalisierungen" zur Aufklärung der gegenwärtigen Situation beitragen können.

So wie in der Gegenwart Globalisierung Hand in Hand zu gehen scheint mit der Entwicklung und Verbreitung einer - auf dem Angelsächsischen beruhenden - gemeinsamen Sprache, so scheint in der Vergangenheit "Globalisierung" gebunden gewesen zu sein an das Leben und die Leistungsfähigkeit der auf dem römischen Idiom beruhenden gemeinsamen Sprache des Lateinischen, in der der Konsens über die menschliche Welt, über das, was ist, und das, was sein soll, hergestellt, formuliert und verteidigt werden konnte. Das Schicksal der lateinischen Sprache erhält daher ein neues Interesse als Indikator für das Schicksal der in der Vergangenheit unternommenen Globalisierungsversuche, und seine Analyse kann zum Verständnis der Struktur und Dynamik des gegenwärtigen Globalisierungsprozesses beitragen.

Das Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance der Ludwig-Maximilians-Universität München beabsichtigt daher einen Kongress mit dem Titel Germania Latina - Latinitas Germanica: vita publica, scientia, studia humaniora a litteris renatis usque ad nostrum saeculum (Lateinisches Deutschland - Deutsche Latinität: Politik, Wissenschaft, humanistische Kultur vom späten Mittelalter bis in unsere Zeit / Latin Germany - German Latinity: Politics, Science, Humanist Culture from the Late Middle Ages to the Present) zu veranstalten, in dessen Verlauf die Bedeutung der lateinischen Tradition für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Raumes und die Bedeutung der deutschsprachigen Welt für die Weiterentwicklung der lateinischen Tradition seit dem Auftreten vulgärsprachlich- nationaler Eigenentwicklungen in möglichst umfassender Vielfalt ihrer Aspekte untersucht und dargestellt werden soll.


Latein: Regionale Manifestationen einer Internationalen Sprache

Wie die Sprache(n) die man "Englisch" nennt heute für die ganze Welt, so war einst Latein die "globale" Sprache der Westlichen Kultur. Mit dem Ende der Antike erlosch es als von Muttersprachlern verwendete nationale Sprache und wurde zu einer internationalen Sprache im Gebrauch von Personen aus verschiedenen Regionen für unterschiedliche Zwecke - nicht als Fremdsprache, sondern als Eigensprache zu mancherlei Zielen und in mannigfaltigen Kontexten. Solcher Gebrauch führte zu Transformationen und Anpassungen des Lateinischen gemäß den jeweiligen regionalen und funktionalen Umständen. Latein wurde eine internationale Sprache in regionalen Manifestationen. Dieser Kongress untersucht solches Latein: In "Deutschland", vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart.

Um zu Erkenntnissen über Deutschland im lateinischen Kontext und Latein im deutschen Kontext zu gelangen, um die Bedeutung der lateinischen Tradition für die Geschichte und Kultur des deutschsprachigen Raumes und die Bedeutung der deutschsprachigen Welt für die Weiterentwicklung der lateinischen Tradition seit dem Auftreten vulgärsprachlich-nationaler Eigenentwicklungen in möglichst umfassender Vielfalt ihrer Aspekte zu untersuchen und darzustellen, veranstaltet das Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance der Ludwig-Maximilans-Universität München diesen internationalen Kongress .


Latin: Regional instances of an international language

Like the language viz. languages called "English" nowadays for the whole world, Latin once was the "global" language of western culture. With the end of antiquity it ceased to be a national language spoken by native speakers and became an international language used by natives from various regions for various purposes. It was used not as a foreign language, but served as the proper language for various purposes and contexts. Use for such services brought about transformations and adaptations of Latin according to functional and regional contexts. Latin became an international language with regional instances. This conference will be about Latin in "Germany" from the late middle ages to the present.

To learn about Germany in the Latin context and about Latin in the German context, to study the importance of the Latin tradition for the history and culture of German speaking regions and the importance of German speaking reagions for the development of the Latin tradition, the Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance ( Seminary for Renaissance Intellectual History and Renaissance Philosophy of Ludwig-Maximilans-Universität München is organising this international conference .



[Leitseite/Homepage Germania latina] / [Leitseite/Homepage GGREN]

Verantwortlich/Responsible: Dr. Heinrich C. Kuhn & Prof. Dr. Eckhard Keßer
Dokument erstellt / Document created: 1999-11-08
Letzte Aktualisierung / Last update: 1999-11-08