Vivat GGREN!

Einführungsvortrag Wintersemester 1999/2000

Philosophie als Lebensform

Eine Einführung in die Philosophie der Renaissance



Autorin: Dr. Sabrina Ebbersmeyer
Vortrag gehalten: 1999-12-15
Text im WWW zugänglich ab: 2000-04-03
Letzte Veränderung: 2000-04-03
WWW-Redaktion: Heinrich C. Kuhn


Der Titel meines Vortrags ist geklaut. Philosophie als Lebensform ist bereits der Titel eines Buches von Pierre Hadot, in dem dieser die Funktionen von "geistigen Übungen in der Antike" untersucht [1] . Seinem Buch hat Pierre Hadot ein Zitat von Immanuel Kant vorangestellt, das ich hier gern wiedergeben möchte:

"Wann willst du anfangen tugendhaft zu leben, sagte Plato zu einem alten Mann, der ihm erzählte, daß er die Vorlesungen über die Tugend anhörte. - Man muß doch nicht immer speculieren, sondern auch einmal an die Ausübung denken. Allein heut zu Tage hält man den für einen Schwärmer, der so lebt wie er lehrt." [2]

Wir würden uns dem Urteil von Kant wohl anschließen müssen, wenngleich auch nicht unbedingt mit besonderer Freude. Philosophie, wie sie an den Universitäten gelehrt wird, ist heutzutage keine Lebensform, weder eine Seinsweise noch eine Lebenskunst. Als ein akademischer, wissenschaftlicher Diskurs über die Philosophie, hat sie wenig gemeinsam mit einem lebensweltlichen Begriff von Philosophie, wenig gemeinsam mit unseren konkreten Problemen, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind, mit unserer "Lebensphilosophie".

Diese Abtrennung der Philosophie vom Leben der sie betreibenden Personen, die uns heute so selbstverständlich ist, gehörte nicht immer zur Philosophie. Sie hat sich erst langsam herausgebildet. Es gab Zeiten, in denen die Verbindung von Philosophie und eigener Lebensführung ein zentrales Anliegen der Philosophen gewesen ist. Bevor ich Ihnen darlege, weshalb gerade die Epoche der Renaissance in diesem Kontext von entscheidender Bedeutung ist, erlauben Sie mir bitte, in wenigen Sätzen die Vorgeschichte dieser Problematik zu skizzieren. Sie beginnt, wie die meisten Geschichten der Philosophie, in der Antike.

Den Philosophen der Antike ging es mit ihrer Philosophie, wenn wir Pierre Hadot folgen wollen, immer auch und zugleich um eine bestimmte Lebensform, um die Möglichkeit eines Lebens gemäß dem Geist. Ziel der antiken Philosophenschulen ist, allgemein gesprochen, die "Veredelung des Ich" ; [3] , d.h. die Arbeit und Verbesserung an sich selbst. Diese Arbeit wird als notwendig angesehen, weil man sich zunächst einmal als fremdbestimmt begreift. Diese Fremdbestimmungen können wir auch heute an uns feststellen: wir werden geprägt durch die Erziehung, die wir uns nicht haben aussuchen können, durch "ererbte Vorurteile" - um mit Friedrich Nietzsche zu sprechen -, d.h. von unreflektiert übernommenen Urteilen anderer, und schließlich durch Gefühle, sinnliche Begierden, die uns oftmals in Situationen führen, die wir nicht gewollt haben. Sigmund Freud drückt diese Form der Fremdbestimmung so aus, daß das Ich "nicht einmal Herr ist im eigenen Hause" ;. [4] Sich aber diesen Raum zurückzuerobern, das Ich zu behaupten gegen Fremdbestimmungen, ist das Ziel der Philosophie, zumindest wenn wir Plotin zuhören, einem Neuplatoniker, der im 3. Jahrhundert n. Chr. gelebt hat. Er schreibt:

"Kehre ein zu dir selbst und sieh dich an; und wenn du siehst, daß du noch nicht schön bist, so tu wie der Bildhauer, der von einer Büste, welche schön werden soll, hier etwas fortmeißelt, hier etwas ebnet, dies glättet, das klärt, bis er das schöne Antlitz an der Büste vollbracht hat! So meißle auch du fort, was unnütz ist und richte, was krumm ist, das Dunkle säubere und mach es hell und laß nicht ab, 'an deinem Bild zu handwerken', bis dir hervorstrahlt der göttliche Glanz der Tugend (...). Bist du das geworden, (...) hast du keine fremde Beimischung mehr in deinem Innern." ; [5]

Um dies zu erreichen, um sich selbst zu einem Kunstwerk zu machen, ist eine lange Übung erforderlich, man muß seinen Lebenswandel kontrollieren können, lesen, denken und meditieren lernen. Dies alles macht die Philosophie aus, und zwar über viele Jahrhunderte und über viele Schulgrenzen hinweg.

Erst im 12. Jahrhundert, so Pierre Hadot, habe sich die Philosophie zu einer hochspezialisierten, technischen Disziplin entwickelt, die ihre spirituellen Gehalte und Intentionen an die Theologie abgegeben habe. Seither werde Philosophie als Diskurs über die Philosophie an den Universitäten geführt. Nur gelegentlich und von Zeit zu Zeit und vor allem: außerhalb der Universitäten entwickelten sich Philosophien, die die existentiellen Anliegen des Menschen betreffen, die nicht einfach intellektuell belehren, sondern zugleich auch den ganzen Menschen erfassen und transformieren wollten. Hadot beschreibt diesen Prozeß so:

"die Philosophie wurde zur 'Dienerin der Theologie' erniedrigt und hatte der Theologie begriffliches, also rein theoretisches Material zu liefern. Als die Philosophie in der Neuzeit ihre Autonomie zurückeroberte, behielt sie dennoch viele von der mittelalterlichen Auffassung ererbte Züge bei, vor allem ihren rein theoretischen Charakter, der sich sogar stetig weiter in Richtung auf eine immer größere Systematisierung entwickelte. Erst mit Nietzsche, Bergson und dem Existentialismus wird die Philosophie wieder bewußt zu einer Lebensform und einer Weise, die Welt zu sehen, zu einer konkreten Haltung." ; [6]

Von der Renaissance - und nun komme ich langsam zu meinem eigentlichen Thema - ist bei Hadot nicht die Rede. Das ist zwar schade, aber nicht weiter verwunderlich, denn die Renaissance führt - trotz vielfältiger und intensiver Forschungen, die die Besonderheit und Wichtigkeit der Epoche belegen - noch immer ein Schattendasein in der Philosophiegeschichte, eingezwängt und übersehen zwischen den Errungenschaften der Hochscholastik und dem Beginn der sogenannten modernen Philosophie mit Descartes.

Für die aufgeworfene Frage aber nach einer Philosophie, die zugleich eine Lebensform ist, und nach den geschichtlichen Orten dieser Auffassung, ist die Renaissance von zentraler Bedeutung. Denn die Renaissance setzte eben genau ein mit einer erneuten und verstärkten Orientierung an der Antike und mit einer Kritik an der Realitätsferne der scholastischen Philosophie. Und vor allem: sie setzt ein unabhängig von den Universitäten, beginnt mit der Tätigkeit von Gelehrten, die keine Universitätsprofessoren waren.

Bevor ich diesen Zusammenhang näher ausführe und Ihnen erläutern möchte, weshalb es gerechtfertigt ist, die Vorstellung von Philosophie als einer Lebensform mit der Philosophie der Renaissance in Verbindung zu bringen, möchte ich kurz einige allgemeine Bemerkungen über die Renaissance als Epoche vorausschicken.

Über die Epochenbezeichnung selbst - Renaissance - möchte ich nicht weiter sprechen. Wie Sie alle wissen, bedeutet Renaissance wörtlich übersetzt Wiedergeburt; der Terminus erhebt damit das verstärkte Interesse an der Antike zum Signum der Epoche überhaupt. Es wird oft darüber disputiert, ob der Begriff zur Bezeichnung der Jahrhunderte zwischen Mittelalter und Rationalismus angemessen sei. Ich möchte dazu nur sagen: er ist üblich, und das soll uns heute reichen.

Zeitliche wie geographische Abgrenzungen der Renaissance zu benachbarten Gebieten und Epochen haben - wie alle Epochengrenzen - eine relative Unschärfe. Je nach Interesse und Forschungsschwerpunkt lassen sich variable Daten angeben. Im allgemeinen sprechen wir, wenn wir Renaissance sagen, von der Zeit ungefähr zwischen 1350 und 1650, von der großen Pest 1348 bis zum Ende des 30jährigen Krieges 1648, von Petrarca (1304-1374) bis zu Giordano Bruno (1548-1600). Die Bewegung begann in Italien und strahlte dann auf ganz Europa aus, bis ihr von der Reformation (ca. 1517-1550)) und Gegenreformation (ca. 1555-1648) Einhalt geboten wurde.

Holzschnittartig und zur groben Orientierung läßt sich die Renaissance in drei große Bereiche einteilen:

  1. Der Humanismus, mit dem die eigentliche Renaissance beginnt. Hier sind zu nennen Francesco Petrarca, Coluccio Salutati, Leonardo Bruni, zu dem ich später noch etwas sagen werde, und andere spätere Autoren. Diese Autoren kritisieren die Schulphilosophie als realitätsfremd und beschäftigen sich statt dessen mit Fragen der Moralphilosophie und der Geschichte, der Grammatik, Rhetorik und Poetik. "Bis zur ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts hatten sich diese studia humanitatis zu einem fest umrissenen Kanon gelehrter Disziplinen entwickelt" ;. [7] Dieses Kultur- und Bildungsprogramm wurde zunächst außerhalb der Universitäten an sogenannten Humanistenschulen vermittelt. Humanisten waren nicht unbedingt Universitätsprofessoren, sondern Lehrer, Beamte, Sekretäre oder Kanzler.
  2. Ein zweiter wichtiger Bereich der Renaissancephilosophie ist der Neuplatonismus. Für viele Jahrhunderte waren die Texte der platonischen Tradition nahezu unbekannt, bzw. nicht im Original zugänglich. Dies änderte sich signifikant erst, als die Griechischkenntnisse im 14. Und 15. Jahrhundert soweit zunahmen, daß Platon und seine Nachfolger wieder im Original gelesen und mithin auch übersetzt werden konnten. Das neuerwachte und intensive Interesse an den Schriften Platons und der platonischen Tradition (an Plotin, Proklos u.a.) war insbesondere mit der Stadt Florenz verbunden. Auf Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola, zwei zentrale Autoren dieser Bewegung, komme ich später noch zu sprechen. Zu den wichtigen Themen, die durch das Aufleben des Neuplatonismus Eingang in die Philosophie der Renaissance gefunden haben, gehören an erster Stelle die Liebe und die Schönheit. Auch die neuplatonische Bewegung der Renaissance hatte ihren Schwerpunkt außerhalb der Universitäten.
  3. Als letzten großen Bereich der Renaissancephilosophie möchte ich den Aristotelismus der Renaissance kurz vorstellen. In den Standarddarstellungen der Philosophiegeschichte können Sie noch immer lesen, daß der Aristotelismus seine Blüte im Mittelalter erlebt habe, während in der Renaissance ein Geist des Antiaritsotelismus herrschte. In den letzten dreißig Jahren wurde jedoch nachgewiesen, daß in der Renaissance mehr Aristoteleskommentare geschrieben und gedruckt wurden als in der Antike und dem gesamten Mittelalter zusammen. Die Bedeutung des Aristotelismus in der Renaissance läßt sich jedoch nicht nur quantitativ bemessen, sondern auch bei bestimmten Sachthemen nachweisen. Ein Beispiel hierfür ist die Methodendiskussion, von der immer wieder behauptet wird, sie sei für die Neuzeit so relevant gewesen (man denke nur an Bacon oder Descartes). Die Methode war bereits ein zentrales Thema in der Renaissance, vor allem an der Universität Padua, wie sich aus den Werken von Nifus, Zabarella und anderen ersehen läßt. Diese Methodendiskussion war insbesondere auch für Galilei bedeutsam. Ein großer Teil der Aufarbeitung des vordem vernachlässigten Aristotelismus der Renaissance wurde geleistete durch die Cambridge History of Renaissance Philosophie (1988), an der Herr Professor Kessler maßgeblich beteiligt ist, sowohl als Autor als auch als Herausgeber.

Soviel zu der Renaissance als Epoche der Philosophiegeschichte. Kommen wir nun wieder zu unserem Thema zurück, zu der Auffassung von Philosophie als einer Lebensform in der Renaissance. Zu diesem Zweck möchte ich Ihnen drei Autoren vorstellen, für die die Philosophie mehr war als ein bloßer Universitätsdiskurs.

1.

Beginnen wir mit dem Beginn der Renaissance, mit einem Humanisten. Leonardo Bruni Aretino (1369-1444) war Kanzler von Florenz (1427-44), ein Nachfolger in diesem Amt von Coluccio Salutati, der wiederum ein Schüler Petrarcas war. Als Kanzler von Florenz propagiert Bruni das aktive Leben in einer bürgerlichen Gemeinschaft und verteidigt - ganz im Gegensatz zu Dante - die Ehe als Lebensform auch des Gelehrten . [8] Daneben hat er sich als bedeutender Übersetzer von zahlreichen griechischen Texten (Aristoteles, Platon, Plutarch u.a.) hervorgetan.

Mit Lob über die antiken Philosophen spart Bruni nicht. Den zeitgenössischen Philosophen kann er jedoch wenig Sympathie entgegenbringen. In seinen Dialogi ad Petrum Paulum Histrum (ca. 1402/1408) lamentiert er über den gegenwärtigen Zustand der Bildung, insbesondere der Philosophie an den Universitäten. Er schreibt:

"Ich kann diese hochberühmten Philosophen unserer Zeit, die das lehren, was sie selbst nicht wissen, nicht genug bewundern. Wie haben sie Philosophie lernen können, wenn sie die Literatur nicht kennen? Beim Sprechen machen sie mehr grammatikalische Fehler als Worte. Ich würde ihnen deshalb lieber beim Schnarchen als beim Reden zuhören (...) Würden sie sich nur der Unwissenheit schuldig machen, dann wären sie zwar nicht zu loben, aber unter den heutigen Verhältnissen noch zu ertragen. Wenn nun aber zu ihrer Dummheit noch so viel Arroganz hinzukommt und sie sich klug nennen und glauben, wer könnte sie dann nicht geduldig ertragen?" ; [9]

Früher, so Bruni, stand es mit der Philosophie viel besser:

"Die Philosophie wurde einst von Cicero von Griechenland nach Italien gebracht und durch den goldenen Fluß seiner Beredsamkeit bewässert. In seinen Büchern waren nicht nur das Wesen der gesamten Philosophie dargestellt, sondern auch die einzelnen Philosophenschulen genau erklärt. Dies hat, so scheint mir, auf besondere Weise dazu beigetragen, die Menschen zum Lernen anzufeuern. Wenn sich nämlich jemand der Philosophie widmete, so wählte er sich Vorbilder, um diese nachzuahmen, und er lernte nicht nur, die eigenen Ansichten zu verteidigen, sondern auch fremde zu widerlegen." ; [10]

Um Vorbilder, an denen man für das Leben lernt, geht es in der Universitätsphilosophie gar nicht mehr. Und so kritisiert Bruni an anderer Stelle ausdrücklich Philosophen, die sich nicht um das konkrete Leben der Menschen Gedanken machen und "die anders sprechen als sie handeln" (aliter loquantur, aliter vivant ). [11] Überhaupt und wiederholt bemängelt Bruni die Realitätsferne der zeitgenössischen Philosophie, deren Stagnation in immer undurchschaubarer werdenden Distinktiones, deren "Nüchternheit" und "Leere".

Bei Bruni rückt dagegen die Frage nach dem "recte vivere", der richtigen Art zu leben, die schon Petrarca und Salutati bewegte, in den Vordergrund. Bereits Petrarca hatte gefragt:

"Was nützt es, das Wesen der Tugend zu kennen, wenn wir sie nicht lieben? Oder wozu ist die Erkenntnis der Sünde gut, wenn wir sie nicht verabscheuen" ;? [12]

Aufgabe der Philosophen ist deshalb primär nicht, das Wahre zu erkennen, sondern das Gute zu befördern:

"Das sind also die wahren Philosophen und die besten Tugendlehrer, deren erste und letzte Absicht ist, den Hörer und Leser gut zu machen, die nicht nur lehren, was das Wesen von Tugend und Laster ist, und unser Ohr mit der ewigen Versicherung quälen, daß die erstere schön und das andere häßlich sei, sondern die uns Liebe und Sehnsucht nach diesem höchsten Gute einflößen und Haß gegen die Schlechtigkeit und Flucht vor der Sünde predigen." ; [13]

Ähnlich wie Petrarca will auch Bruni die "Diskrepanz von Wissen und Leben, von Reflexion und ethischer Praxis aufdecken" ; [14] . Ihm kommt es weniger auf den theoretischen Wert als auf den lebendigen Zweck der Philosophie an. Mit diesem Interesse orientiert er sich an antiken Vorbildern. Mit Platon scheint es Bruni noch einmal möglich, Philosophie und Fragen der ethischen Lebensführung, die insbesondere durch die fortschreitenden Kenntnisse in der Naturphilosophie immer stärker divergieren, miteinander zu versöhnen . [15] Florenz soll deshalb - für ihn - zu einem neuen Athen werden . [16]

Mit diesem Hinweis auf Platon und das antike Athen möchte ich zu einem zweiten Beispiel übergehen, zu dem "Neuplatoniker" Marsilio Ficino, der etwa eine Generation nach Bruni gelebt hat (1433-1499), ebenfalls in Florenz.

2.

Ficino ist zweifellos der bedeutendste Platon-Exeget der Renaissance. Er hat nicht nur die Werke Platons erstmals vollständig ins Lateinische übersetzt, sondern auch die Texte Plotins und zahlreicher anderer Neuplatoniker. Schließlich hat er zu seinen Übersetzungen ein umfangreiches Kommentarwerk geschaffen. Einen Text von Ficino möchte ich Ihnen etwas genauer vorstellen, seinen Kommentar zum platonischen Symposion.

Der auf Latein geschriebene Kommentar Ficinos geht weit über eine bloße Paraphrasierung des platonischen Textes hinaus. Er ist stilisiert zu einer Reinszenierung des Symposions in Florenz, wo sich zu Ehren des Geburts- und Todestages Platons einige gelehrte Freunde versammeln, die nach einem gemeinsamen Essen die Reden des Symposions einzeln auslegen . [17] Der platonische Text wird damit zugleich kommentiert und imitiert. Schon hier zeigt sich deutlich die Bereitschaft zur Identifikation mit dem antiken Ideal.

Die Auseinandersetzung mit der platonischen Liebe ist für Ficino nicht bloß eine Pflichtaufgabe, durch die er seinen Lebensunterhalt - als Übersetzer und Kommentator - verdient. Sie ist auch bestimmend für seinen Umgang mit anderen Menschen, wie nicht nur zahlreiche Briefe belegen, sondern auch die Widmung des Symposionkommentars an Giovanni Cavalcanti, einem jüngeren Freund Ficinos. Dort schreibt Ficino:

"Vor langer Zeit, mein ganz besonders liebenswürdiger Giovanni, habe ich von Orpheus gelernt, daß Amor existiert und daß er die Schlüssel der ganzen Welt besitzt; dann habe ich von Platon gelernt, was und wie beschaffen Amor ist. Aber welche Kraft und welche Macht dieser Gott hat, war mir vierunddreißig Jahre verborgen, bis mir ein schon göttlicher Held, da er mir mit seinen himmlischen Augen zustimmte, wie durch einen wundersamen Wink zeigte, wie groß die Macht von Amor ist" [18] .

Diese Widmung belegt, daß die theoretische Beschäftigung mit der Liebe, bei Ficino bewußt durch konkrete zwischenmenschliche Erfahrungen komplementiert wird.

Kommen wir nun zum Kommentar selbst. Durch den ganzen Text versucht Ficino zu erweisen, daß die Liebe, insbesondere auch die zwischenmenschliche, ein ausgezeichneter Weg ist, um seine Bestimmung als Mensch zu erfüllen, nämlich sich so weit wie möglich zu verbessern und dem Göttlichen anzunähern.

Die Hauptstärke der wahrhaften Liebe besteht für Ficino nun darin, daß sie dem Liebenden die Kraft verleihe, die Sinnlichkeit der Vernunft zu unterwerfen . [19] Diese Liebenden verstünden die schönen Körper nicht als ihr Ziel, sondern als Mittel, um zur geistigen Schönheit zu gelangen. Ihre Tätigkeit bestimmt Ficino als Philosophieren:

"Sie philosophieren in höchst sinnreicher und einsichtsvoller Weise derart, daß sie den Gestalten der Körper gleichsam als Fußspuren und Witterungen behutsam nachgehen und an der Hand derselben scharfsinnig die hehre Schönheit der Seele und der göttlichen Wesenheiten aufspüren. Indem sie in so besonnener Weise auf die Jagd gehen, erhaschen sie auch glücklich die gesuchte Beute." [20]

Wer sich von dieser Liebe leiten läßt, das ist für Ficino evident, werde glücklich, göttlich und lebe das eigentliche Leben des Philosophen. Der Weg des Philosophen führe also vom Sinnlichen zum Übersinnlichen, sein Ziel bestehe in der Kontemplation der Ideen, letztlich Gottes [21] . Hierin bezieht sich Ficino auf Platon und auf die christliche Tradition. Und so scheint der Liebe des Philosophen zunächst ein kontemplatives Lebensideal zu entsprechen, denn "durch die göttliche Liebe übersteigt man die Natur des Menschen und geht in Gott über" [22] .

Doch was ist damit gemeint? Das richtige Leben ist für Ficino ein solches, das gemäß dem Geist gelebt wird. Damit ist die Vorstellung verbunden, daß das eigentliche Ziel des Lebens nicht in einer oberflächlichen Geschäftigkeit besteht, sondern daß der Mensch sich an dem orientieren sollte, was das Beste an ihm ist, wo er nicht unter sein eigenes Niveau zurückfällt, sich selbst steigert und verbessert, sowohl intellektuell als auch moralisch.

Impliziert dieses Ideal notwendig Realitätsferne? Rückzug aus der Welt? Nicht unbedingt, denn die Liebe der erkennenden Seele hat auch eine ethische Seite, die nicht zu unterschätzen ist. Sie impliziert die Liebe zum Lehren [23] und damit auch eine Sorge um die Jugend, die durch die Protektion des Philosophen wiederum zur Philosophie geführt werde [24] .

Das Ende des Symposionkommentars macht deutlich, daß für Ficino das persönliche Seelenheil nicht das einzige und höchste Ziel der "sokratischen Liebe" [25] ist. Zwar führe diese Liebe den Liebenden zu seiner himmlischen Heimat zurück, doch sei sie auch der civitas, in der dieser auf Erden lebe, nützlich. Denn die Jugend werde durch einen sie wahrhaft liebenden Philosophen vor schlechtem Umgang beschützt und zum Achten der Gesetze geführt . [26] Mit der Wertschätzung des Staates und der polis-Bezogenheit der Liebe kann sich Ficino natürlich auf Platon beziehen . [27] Doch mit dem Terminus caritas patrie greift Ficino ein Anliegen von Denkern des florentinischen Renaissance-Humanismus auf.

Fassen wir zusammen: Für Ficino ist es die Aufgabe des Philosophen, sein Leben an den höchsten Idealen auszurichten. Er selbst soll sich durch die Beschäftigung mit der Philosophie verbessern. Als Folge daraus ergibt sich auch die Aufgabe, andere zur Philosophie anzustiften, was letztendlich auch dem Staate zu gute kommt.

Diese Auffassungen schlagen sich auch in der Wahl der Darstellungsweise nieder. Ficinos Text ist kein akademischer Traktat. Er referieren nicht nüchtern einen Inhalt, sondern bemüht sich, schon durch die Darstellungsweise zu fesseln. Dies hängt mit dem verhandelten Inhalt zusammen, denn schließlich geht es nicht darum, einen Gegenstand nüchtern zu analysieren und durch genaueres Lesen oder bessere Unterscheidungen stimmiger darzulegen. Es geht darum, dem Leser die Seele zu öffnen. Das intellektuelle Verständnis der Theorie ist nur die Veraussetzung, um die dort beschriebenen Erfahrungen nachzuvollziehen. Die Theorie soll nicht verbessert, sie soll realisiert werden und ihren Ausdruck in einer bestimmten Lebensform finden, die den veränderten Lebensbedingungen der Renaissance Rechnung trägt.

Ficino bewegte sich in einem Kreis von gebildeten Männern, unter denen sich ebenso wie Dichter und Künstler auch Kaufleute und Staatsmänner befanden, die sich um ihr Seelenheil und ihre Unsterblichkeit kümmerten, die jedoch nicht klerikale, sondern bürgerliche Lebensformen bevorzugten. In der platonischen Philosophie konnte Ficino seine eigenen Vorstellungen und Ideale ausgedrückt finden. Wie für Platon, so bedeutet auch für Ficino Philosophie zugleich eine bestimmte Lebensform, die an einem kontemplativen Ideal orientiert ist. Platon, ganz besonders seine Theorie der Liebe, machte es möglich, verschiedene intellektuelle Anliegen zu versöhnen und als Philosoph und Laie die höchsten Mysterien des Geistes zu zelebrieren.

Kommen wir nun zum letzten Beispiel, zu dem illustren Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494), dem Wunderkind der Renaissance. Als dieser so alt war wie ich heute, drang sein Ruhm schon weit über die Grenzen Italiens hinaus, und er selbst war schon seit einem Jahr tot.

Pico studierte bereits mit 14 Jahren in Bologna kanonisches Recht, ging dann in Ferrara humanistischen Studien nach und widmete sich der Philosophie, sowohl der aristotelischen in Padua als auch der platonischen in Florenz. Er studierte auch scholastische Philosophie, ging sogar eigens nach Paris für mehrere Monate, der Hochburg der Scholastik, um sich dort mit dieser Form des Denkens vertraut zu machen. Das Rüstzeug, das er dort erwarb, war für ihn jedoch nicht ein Selbstzweck. Vielmehr bediente er sich der scholastisch-aristotelischen wie auch der jüdischen, arabischen und platonischen Philosophie, um seiner eigenen Vorstellung von Philosophie gerecht zu werden, um sich selbst zu vervollkommnen.

Picos berühmte Rede De hominis dignitate / Über die Würde des Menschen, die als Einleitungsrede zu der von ihm geplanten Disputation von 900 Thesen geschrieben wurde, gilt spätestens seit Jacob Burkhardt als das Credo der Renaissance. Sie enthält so etwas wie ein Selbstbekenntnis des Autors. Die Aufgabe, vor die sich der Mensch als Mensch gestellt sieht, ist nach Pico die folgende:

"Ein heiliger Ehrgeiz dringe in unsere Seele, daß wir, nicht zufrieden mit dem Mittelmäßigen, nach dem Höchsten verlangen und uns mit ganzer Kraft bemühen, es zu erreichen - denn wir können es, wenn wir wollen." [28]

"Aber auf welche Weise?", fragt Pico, "Und was müssen wir schließlich tun?" [29]

Und er gibt selbst die Antwort, wir müssen Studieren und Philosophieren, wenn wir uns selbst verbessern wollen:

"indem wir durch die Morallehre den Drang der Leidenschaften zügeln, durch die Dialektik die Finsternis des Verstandes vertreiben und so gewissermaßen den Schmutz der Unwissenheit und der Laster herauswaschen, unsere Seele reinigen, damit weder die Leidenschaften blindlings wüten noch der unkluge Verstand je zu rasen beginnt. Dann wollen wir unsere wohlgeordnete und geläuterte Seele vom Licht der Naturphilosophie durchfluten lassen, um sie schließlich durch die Erkenntnis der göttlichen Dinge zu vervollkommnen." [30]

Für Universitätsprofessoren, die in ihrer Tätigkeit nur einen Beruf sehen, der sie ernährt, ohne daß sie sich auf das, was sie lehren, auch als Person einlassen, hat Pico nur wenig übrig: "Ja es ist sogar schon dahin gekommen - schreibt er -, daß (leider!) nur noch für weise gehalten wird, wer aus dem Studium der Philosophie einen Lohnerwerb macht" . [31] Für Pico hingegen ist die Philosophie eine Lebensaufgabe:

"Ich kann es mir hoch anrechnen, und mich selbst hierin zu loben werde ich mich überhaupt nicht schämen, daß ich niemals aus einem anderen Grund philosophiert habe als um zu philosophieren und aus meinen Studien, aus meinen nächtlichen Arbeiten irgendeinen anderen Lohn oder Gewinn erhofft oder erstrebt habe als die Bildung meines Geistes und die Erkenntnis der von mir immer über alles ersehnten Wahrheit. Nach ihr war ich immer so begierig, sie liebte ich so sehr, daß ich jede Sorge für private und öffentliche Angelegenheiten hinter mir ließ und mich ganz der Muße der Betrachtung hingab. (...) Die Philosophie selbst hat mich gelehrt, eher vom eigenen Gewissen als vom Urteil anderer abzuhängen und immer nicht so sehr darauf bedacht zu sein, daß ich nichts Schlechtes über mich höre, als daß ich selber nichts Schlechtes sage oder tu." [32]

Für Pico, so machen diese Worte hinreichend klar, muß die Philosophie eine Lebensform sein, um sich überhaupt Philosophie nennen zu dürfen. Mit seinem Pathos der Selbststeigerung und Selbsttransformation durch Philosophie steht Pico nicht allein. Die Beispiele ließen sich beliebig vermehren. Die Renaissance ist voll von Gestalten, die Philosophie mit dem vollen Einsatz ihrer Existenz betrieben haben.

Für mich persönlich macht diese Ausrichtung der Philosophie die Renaissance als Epoche besonders interessant. Zwar begegnet uns die Auffassung von Philosophie als einer Lebensform auch in der Antike, am überzeugendsten vielleicht in der Gestalt des Sokrates. Aber die Renaissance liegt uns zeitlich näher. Welt- und Selbstverständnis der Menschen in der Frühen Neuzeit haben mit unserer heutigen Situation mehr gemeinsam als der Kosmos der Griechen. Und in vielen Punkten scheinen zwischen dem Beginn der Neuzeit, der Renaissance, und ihrem Ende, an dem wir uns heute befinden, auffällige Ähnlichkeiten zu bestehen.

Ich möchte Sie daher alle herzlich einladen, einmal bei unserem Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance in der Ludwigstr. 31/4. vorbeizuschauen, um vielleicht einige Stunden in der sehr gut ausgestatteten Bibliothek zu verbringen oder auch, um die eine oder andere Lehrveranstaltung zu besuchen.

Vielen Dank.



Fußnoten


[1] Pierre Hadot Philosophie als Lebensform. Geistige Übungen in der Antike, übers. I. Hadot u. Chr. Marsch, Berlin 21991 (franz. Pierre Hadot Exercices spirituels et philosophie antique, Paris 1981).
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[2] Immanuel Kant Kleinere Vorlesungen: Philosophische Enzyklopädie, in: Kants gesammelte Werke, Bd. 29, Berlin 1980. S. 12.
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[3] Hadot... a.O., S. 38.
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[4] Sigmund Freud Vorlesung zur Einführung in die Psychoanalyse (1917), in: Werke, hg. A. Freud u.a. (1940-1968). Bd. 11, S. 295.
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[5] Plotin Peri tou kalou / Über das Schöne (Enneade I 6, 9). Zitiert nach: Plotin Das Schöne - Das Gute - Entstehung und Ordnung der Dinge, hg. u. übers. Richard Harder, Hamburg 1986. 24.
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[6] Hadot... a.O., S. 45.
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[7] Vgl. Paul O. Kristeller Humanismus und Renaissance I, hg. E. Keßler, übers. R. Schweyen-Ott, München s.d. (UTB 914). S. 17.
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[8] "Die erste Gemeinschaft, aus deren Multiplikation der Staat entsteht, ist die von Mann und Frau; wo diese ursprüngliche Voraussetzung nicht existiert, kann es keine Vollkommenheit geben." Leonardo Bruni Le vite di Dante et di Petrarca, in: Humanistisch-philosophische Schriften, hg. H. Baron, Leipzig/ Berlin 1928 (ND Wiesbaden 1969). S. 68 (In der deutschen Übersetzung zitiert nach Hans Baron Bürgersinn und Humanismus im Florenz der Renaissance, Berlin 1992. S. 20f.).
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[9] Leonardo Bruni Aretino Dialogi ad Petrum Paulum Istrum, übers. Chr. Baumgarth, in: Geschichte und Dokumente der abendländischen Pädagogik, hg. E. Garin, Bd. 2, Reinbek 1966, zitiert bei Stefan Otto (Hg.) Renaissance und frühe Neuzeit, Stuttgart 1984. S. 93.
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[10] Ebd. S. 92.
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[11] "Saepe enim praestantes vire (...) multa praecipiunt aliis, quae ipsi, dum agunt, praestare non possunt; ex quo fit, ut aliter loquantur, aliter vivant.<< Bruni Praefatio in traductionem Epistolarum Platonis (1427), in: Humanistisch-philosophische Schriften... a.O., S. 136.
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[12] Francesco Petrarca De sui ipsius et multorum ignorantia / Von seiner und vieler Leute Unwissenheit, übers. v. H. Hefele, Jena 1910, S. 170-173
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[13] Ebd., S. 174.
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[14] Vgl. Hanna-Barbara Gerl Philosophie und Philologie, München 1981. S. 132.
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[15] Vgl. Leonardo Bruni Prologus in Phaedonem Platonis, in: Humanistisch-philosophische Schriften...a.O., S. 3f.
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[16] Vgl. Leonardo Bruni Laudatio florentiae urbis, in: H. Baron From Petrarch to Leonardo Bruni, Chicago 1968. S. 217-263.
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[17] Vgl. Marsile Ficine Commentaire sur le banquet de Platon (franz./lat.), Paris 1956. S. 136f. (In der deutschen Übersetzung zitiert nach Marsilio Ficino Über die Liebe oder Platons Gastmahl, übers. K. P. Hasse, hg. P. R. Blum, Hamburg 1984). Zur historischen Realität des Gastmahls vgl. Marcel (1956), 25-36; Gentile (1981). Generell zur Frage nach der historischen Realität der sogenannten platonischen Akademie vgl. Hankins (1990a) u. (1991).
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[18] "Iam diu suavissime mi Ioannes esse amorem ac mundi totius habere claves ab Orpheo, deinde quid sit amor et qualis a Platone didiceram. Quam vero vim deus hic et potentiam habeat, annos me quattuor et triginta latuerat, donec iam divus quidam heros oculis mihi celestibus annuens miro quodam nutu quanta sit amoris potentia demonstraret. Hinc igitur res amatorias abunde ut mihi quidem videbar edoctus hunc de amore librum composui, quem manu mea scriptum tibi potissimum dedicare constitui, ut que tua sunt tibi reddam". Suppl.Ficin. I,87 .
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[19] "sensus rationi subiciunt" A 219.
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[20] "Hi tamquam solertissimi omnium et prudentissimi, ita philosophantur ut per corporum figuras quasi quidem vestigia sive odores providentissime gradiantur, ex iis sacrum animi numinumque decorem sagaciter investigent, atque ita prudenter venando quod cupiunt feliciter assequantur." Ficino Commentaire... a.O., S. 219. Zur Jagdmetaphorik vgl. auch A 244; Platon Symposion 184a; Nikolaus von Cues De venatione sapientiae. Später wird es die zentrale Metaphorik in De gli Eroici furori von Giordano Bruno,.
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[21] "Profecto in hominis mente eternus est amor ad divinam pulchritudinem pervidendam, cuius gratia et philosophie studia et iustitie pietatisque officia sequimur." Ficino Commentaire... a.O., S. 211.
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[22] "Divino autem furore super hominis naturam erigitur et in deum transit." Ebd., S. 257.
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[23] Vgl. Ebd., S. 225.
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[24] Vgl. Ebd., S. 244.
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[25] Zum Terminus amor socraticus vgl. Ebd., S. 240, 245, 260.
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[26] "Queritis quid amor socraticus conferat? Primo quidem ipsi Socrati plurimum ad alas recuperandas, quibus in patriam revolet, deinde civitati sue magnopere ad honeste feliciterque vivendum." Ebd., S. 260f.
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[27] Vgl. Platon Symposion 178d, 182c.
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[28] Giovanni Pico della Mirandola De hominis dignitate / Über die Würde des Menschen, übers. N. Baumgarten, hg. A. Buck, Hamburg 1990. S. 11.
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[29] "Sed qua ratione, aut quid tandem agentes?" Ebd., S. 10.
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[30] "per moralem scientiam affectuum impetus coercentes, per dialecticam rationis caliginem discutientes, quasi ignorantiae et vitiorum eluentes sordes animam purgemus, ne aut effectus temere debacchentur aut ratio imprudens quandoque deliret." Ebd., S. 14
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[31] "Quin eo deventum est ut iam (proh dolor!) non existimentur sapientes nisi qui mercenarium faciunt studium sapientiae", ebd., S. 32.
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[32] "Dabo hoc mihi, et meipsum hac ex parte laudare nihil erubescam, me numquam alia de causa philosophatum nisi ut philosopharer, nec ex studiis meis, ex meis lucubrationibus, mercedem ulla aut fructum vel sperasse alium vel quaesiisse, quam animi cultum et a me semper plurimum desideratae veritatis cognitionem. Cuius ita cupidus semper et amantissimus fui ut, relicta omni privatarum et publicarum rerum cura, contemplandi ocio totum me tradiderim; (...) Docuit me ipsa philosophia a propria potius conscientia quam ab externis pendere iudiciis, cogitareque semper, non tam ne male audiam, quam ne quid male dicam ipse vel agam." Ebd., S. 34.
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