Startseite/Home

Gastvortrag Stefan Heßbrüggen am 30. Oktober 2017:

Das Leben der Pflanzen: Telesio, Taurellus, Zumel, Suárez



Das Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance beehrt sich, zu folgendem Vortrag mit anschließender Diskussion einzuladen:

Termin:
Montag, 30. Oktober 2017, 10h c.t.
Ort:
Ludwigstraße 31, Raum 028
Vortragender:
Dr. Stefan Heßbrüggen-Walter (Higher School of Economics (National Research University), Moskau)
Vortragstitel:
Das Leben der Pflanzen: Telesio, Taurellus, Zumel, Suárez
Erläuterungen von Herrn Heßbrüggen zum Vortrag:
Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde die aristotelische Abgrenzung zwischen Pflanzen und der unbelebten Natur von zwei Seiten aus in Frage gestellt. Telesio wies die Widersprüchlichkeit der aristotelischen Unterscheidung von belebten und unbelebten Naturkörpern nach und zog den Schluss, dass alle Naturkörper die Ursache aller ihrer Veränderungen in sich tragen und somit nach aristotelischem Verständnis belebt sind. Taurellus suchte umgekehrt zu zeigen, dass vegetative Funktionen wie Nahrung oder Wachstum keine Lebensäußerungen sind und somit Pflanzen nicht als lebendig gelten können. Im Vortrag erörtere ich, wie der Thomist Zumel und der Jesuit Suárez auf diese Herausforderungen reagieren. Zumel stimmt Telesio zu, dass die Abgrenzung von Lebewesen und einfachen Naturkörpern kaum gelingt. Seine Lösung würde es rechtfertigen, Pflanzen aus dem Bereich des Lebendigen auszuschließen. In seinen Disputationes Metaphysicae scheint Suárez in eine ähnliche Richtung zu denken. Erst in seinem Kommentar zu De Anima entwickelt er einen Begriff des Lebens, der allen herkömmlich als lebendig angesehenen Wesen gerecht werden soll. Ob dies gelingt, ist eine andere Frage. Der scholastische Aristotelismus hatte an der Schwelle zum 17. Jahrhundert anscheinend keine guten Gründe für die Lebendigkeit der Pflanzen mehr vorzubringen.



Kontakt: Dr. Heinrich C. Kuhn oder Sekretariat des Seminars
Dokument erstellt: 2017-10-11
Dokument geändert: 2017-10-11
Redaktion: Dr. Heinrich C. Kuhn