Vivat GGREN!

Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance:

Lehrveranstaltungen Winter-Semester 2001/02


Informationen zu:

  1. Vorlesungen:

  2. Proseminaren:

  3. Hauptseminaren:

  4. Oberseminar:

  5. Kursen:





Einführung in die Naturphilosophie


Allgemeines


Veranstaltungsart: Überblicks-Vorlesung (2stündig, NPh)
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Hauptgebäude, HS 146 / Freitags, 11-13h / ab: 19. Oktober 2001

Beschreibung:

Seitdem Aristoteles die Philosophie zum ersten Mal in unterschiedliche Bereiche eingeteilt und nach ihren Gegenständen unterschieden hat, gehört die Naturphilosophie zu den festen Bestandteilen der philosophischen Reflexion und so wie die Philosophie als Ganze im Laufe der mehr als 2 ½ Jahrtausende ihrer Geschichte in Europa ein wechselvolles Schicksal hatte, hat auch die Naturphilosophie zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Bedingungen unterschiedliche Bedeutungen und Funktionen gehabt: nach ihrer Definition immer auf die Natur als ihren Gegenstand bezogen, mußte in gleicher Weise, wie diese Natur sich wandelte, auch die Naturphilosophie als deren Erklärung und Verständnis sich wandeln und mußte in gleicher Weise, wie die Erklärung und das Verständnis der Natur sich änderte, auch die in diesem Verständnis gemeinte Natur sich ändern.

Um daher "die Naturphilosophie" zu kennen, muß man ihre Entwicklung im Rahmen der allgemeinen Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte kennen, als deren Resultat, nicht aber Ende, die gegenwärtige Beschäftigung der Philosophie mit dem, was sie unter "Natur" besteht, verständlich werden kann.

Die Vorlesung will versuchen, die wichtigsten Problemstellungen, Funktionen, Thesen und Modelle der philosophischen Beschäftigung mit der Natur von der Antike bis zur Gegenwart in ihren theoretischen Wurzeln und ihrem historischen Kontext zu verfolgen, wobei besondere Aufmerksamkeit dem Verhältnis zwischen ihren "spekulativen" und ihren "operativen" Aspekten, und der für den europäischen Kulturkreis spezifischen Entstehung einer von der Naturphilosophie unterschiedenen, autonomen Naturwissenschaft seit der Renaissance geschenkt werden soll.

Literatur:

Ausführliche Literaturangaben und Textzeugnisse im Verlauf der Vorlesung.

Bemerkungen:

Wahlpflicht 3. Semester


Geschichte der Philosophie III: Philosophie der Neuzeit I


Allgemeines


Veranstaltungsart: Überblicks-Vorlesung (2stündig, GkTPh (Neuzeit I))
Dozent: Dr. Martin Mulsow
Ort / Zeit / Anfang: Hauptgebäude, HS 129/ Dienstags, 12-14h / ab: voraussichtl. 16. Oktober 2001

Beschreibung:

Die Vorlesung behandelt anhand ausgewählter Schwerpunkte die Philosophie der frühen Neuzeit. Dabei wird bewußt (gegen den üblichen Kanon) nicht die Datierung von Descartes an gewählt, sondern auch die Renaissance in das Epochenverständnis eingeschlossen. Indem das 16. Und das 17. Jahrhundert als Einheit begriffen werden, besteht die Chance, die Innovation von Descartes als eine von mehreren möglichen zu verstehen und auch Gegenströmungen nicht auszublenden. Behandelt werden u.a.: Giordano Bruno - oder: Gedächtnis, Unendlichkeit und Monade; Francesco Patrizi - oder: Metaphysik, Natur und frühe Weisheit; Tommaso Campanella - oder: Astrologie, Politik und Metaphysik; Pierre Gassendi - oder: Wiederbelebung von Epikur; René Descartes - oder: Philosophie aus dem Ich; Thomas Hobbes - oder: Eigeninteresse und Mechanismus; Henry More - oder: Zwischen Platon, Descartes und der Kabbala; Leibniz - oder: Das Labyrinth der Freiheit.


Über das höchste Gut und das schlimmste Übel. Grunzdüge der stoischen Ethik


Allgemeines


Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, Eth, GkTPh (Antike))
Dozent: Dr. Sabrina Ebbersmeyer
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Dioenstags, 10-12h / ab: 23. Oktober 2001

Beschreibung:

Neben den platonischen, aristotelischen und epikureischen Entwürfen stellt die stoische Ethik eine der zentralen Position der Moralphilosophie der Antike dar. Vor allem durch die Schriften Ciceros wurden die stoischen Prinzipien auch dem Mittelalter und der Neuzeit überliefert. In seiner Schrift Über das höchste Gut und das größte Übel findet sich neben einer Darstellung der stoischen Morallehre auch eine Auseinandersetzung mit epikureischen (Buch 1 und 2), platonischen und aristotelischen (Buch 5) Konzepten, so daß sich Ciceros Text zur Einführung in antike Ethikkonzepte überhaupt eignet. Der Text soll von den Seminarteilnehmern gelesen werden; im Seminar wollen wir den Inhalt des Textes anhand zentraler Abschnitten gemeinsam erarbeiten. Ziel des Seminars ist es, anhand eines exemplarischen Quellentextes fundierte Kenntnisse über die Grundzüge der stoischen Ethik zu vermitteln.

Teilnahmevoraussetzungen:

Bereitschaft zur regelmäßigen aktiven Teilnahme.

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Kurzreferat und schriftliche Ausarbeitung oder Hausarbeit.

Literatur:

Cicero De finibus bonorum et malorum / Über das höchste Gut und das größte Übel (z.B. Reclam UB 8593; DM 22,-).


Die Seele und ihre Wissenschaft in der Schrift des Aristoteles "Über die Seele"


Allgemeines


Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, NPh; PhA; E; GkTPh (Antike/Mittelalter))
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Donnerstags, 10-12h / ab: 18. Oktober 2001

Beschreibung:

Aristoteles' Schrift Perì psychês - De anima ist die erste systematische Untersuchung über die Seele. Sie referiert und kritisiert die psychologischen Anschauungen Platons und der Vorsokratiker und entwickelt daraus eine eigene Definition dessen, was bisher als Seele bezeichnet wurde, und einen eigenen Ansatz zur Analyse ihrer Vermögen. In der Geschichte der Philosophie wird sie zum Grundtext der Psychologie von der Antike bis zur frühen Neuzeit und gewinnt fundamentale Bedeutung auch für andere Disziplinen. Da sie die Seele als Prinzip des Lebens und Beseeltheit als spezifische Differenz des Lebewesens bestimmt, stellt sie eine zentrale Schrift der Naturphilosophie dar; da sie die Vernunft als das für den Menschen spezifische Seelenvermögen bestimmt, begründet sie die Definition des letzten Zieles des Menschen in der Ethik; da sie die Tätigkeit der Vernunft analysiert, wird sie zur Grundlage der Erkenntnistheorie; da sie die Abtrennbarkeit der Vernunft vom Körper thematisiert, markiert sie den Übergang zu den immateriellen Substanzen der Metaphysik.

Im Seminar sollen die für das Verständnis der aristotelischen Seelenlehre und ihre Wirkung wichtigsten Kapitel gelesen und diskutiert werden, in denen Aristoteles die Bedeutung und Methode der Psychologie, den Begriff der Seele und die Hauptbegriffe der psychologischen Erkenntnistheorie erörtert. Gleichzeitig soll das Seminar in die Interpretation klassischer philosophischer Texte einüben

Literatur:

Textgrundlage ist die deutsche Übersetzung von Willy Theiler, die in verschiedenen Ausgaben zugänglich ist (Darmstadt, WB, 1966 / Reinbek, Rowohlt, 1968 / Hamburg, Meiner, 1995) . Zum besseren Verständnis werden auch das griechische Original und die lateinischen und englischen Übersetzungen herangezogen werden.


Denken in der Volkssprache: Gegenstandsabhängigkeit und Auswirkungen philosophischer Sprachwahl in der Renaissance


Allgemeines


Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, S, GkTPh (Renaissance))
Dozent: Dr: Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Mittwochs, 16-18h / ab: 17. Oktober 2001

Beschreibung:

In wie weit ist Denken, in wie weit ist Philosophieren abhängig von der Sprache in der es geschieht? Welche Entscheidungen betreffend Darstellung (und am Ende gar auch Inhalten) bedingt die Entscheidung in einer bestimmten Sprache zu schreiben? Wie, in wie weit, mit welchen Folgen sind philosophische Texte von einer Sprache in eine andere Sprache übersetzbar? Welche Zusammenhänge bestehen zwischen der Sprache eines philosophischen Textes und den Personen, die ihn lesen und deren etwaigen Rezeptionshaltungen? Sind etwaige Antworten auf die hier gestellten Fragen unterschiedlich, je nachdem was jeweils Gegenstand oder Gegenstandsbereich eines philosophischen Textes ist?

In Spätmittelalter und insbesondere Renaissance blüht universitäres (und zunehmend auch extrauniversitäres) Philosophieren in der Internationalen Sprache Latein. Doch zunehmend treten volkssprachliche philosophische Texte hinzu, teils Übersetzungen, teils bereits ursprünglich volkssprachlich Geschriebenes: Philosophie wird auch in den Sprachen in denen sie sich manifestiert vielfältig - und die Renaissance eignet sich (da solche Vielfältigkeit in ihr erstmals den Charakter des Außergewöhnlichen verliert) besonders zur exemplarischen Untersuchung der oben genannten Fragen.

Bedingungen, Kontexte, Folgen rinascimentalen Denkens in der Volkssprache soll dieses Seminar untersuchen, wobei der deutsche Sprachraum in der Mitte des Interesses stehen wird - zum einen um den Zugang zu entsprechenden volkssprachlichen Texten zu erleichtern, zum anderen (und vor allem) um es bereits auf der "Stufe" eines Proseminars den studentischen Teilnehmenden zu ermöglichen bzw. zu erleichtern, allerneuester Ergebnisse einschlägiger Forschung (konkret: einen Teil der Ergebnisse des Kongresses "Germania latina - Latinitas teutonica" im September 2001) in die Diskussionen einzubeziehen.

Teilnahmevoraussetzungen:

Bereitschaft zu regelmäßiger aktiver Teilnahme an den Diskussionen und Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats.

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Proseminararbeit und/oder Übernahme eines Hauptreferats; regelmäßige aktive Teilnahme.

Literatur:

Unter anderem können wir uns mit Texten (bzw. rinascimentalen Übersetzungen und Bearbeitungen solcher Texte) von Aristoteles, Albrecht von Eyb, Ficino, Vives, Cardano beschäftigen. Auch bibliometrische Daten können zum Gegenstand der Diskussion gemacht werden. Die konkrete Ausgestaltung des Seminars kann durch die Wünsche und Interessen der Teilnehmenden in erheblichem Umfang mitgestaltet werden.

Bemerkungen:

Geeignet als Begleitseminar zu den Pflicht- bzw. Wahlpflicht-Vorlesungen: · Geschichte der Philosophie II: Die Philosophie des späten Mittelalters und der Renaissance, · Theoretische Philosophie (I & II).


Was ist Glück? Aristoteles und die Diskussionen des höchsten Gutes im Europa der Renaissance


Allgemeines


Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, Eth, GkThP (Renaissance), GkTPh (Antike))
Dozent: David A. Lines, PhD
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Montags, 11-13h / ab: 15. Oktober 2001

Beschreibung:

Philosophen haben sich oft gefragt, was Glückseligkeit eigentlich ist und worin sie besteht. Ist sie die gleiche für alle, und kann jeder sie erreichen? Ist sie mit Reichtum und Zufall verbunden, oder hat sie mit politischer Tätigkeit oder Kontemplation zu tun? Diese Fragen wurden auch in der Renaissance gestellt. Viele Denker und Humanisten, egal welche philosophische Schule oder theologische Position sie vertraten, diskutierten dieses Thema in Kommentaren, Traktaten, Dialogen, Briefen und Gedichten.

In der Antike hatten bereits Plato, Aristoteles und Cicero die Grundlage für diese Diskussion gelegt. Autoren aus Mittelalter und Renaissance haben diese Voraussetzungen zum Teil übernommen (z.B. bezüglich der Teleologie), zum Teil aber auch neue Gebiete und Lösungen erkundet (z.B. bezüglich des Vorranges des tätigen oder des kontemplativen Lebens). In beiden Fällen versuchen die Denker, die möglichen Konflikte zwischen dem antiken Verständnis der Glückseligkeit und ihren eigenen christlichen Annahmen zu lösen.


Das frühneuzeitliche Verständnis von Rhetorik und Logik (Vives und Nizolius) - zugleich eine Einübung in die Lektüre lateinischer philosophischer Texte


Allgemeines


Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, GkTPh (Renaissance))
Dozent: Dr. Rudolf Schicker
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Dienstags, 17-19h / ab: 16. Oktober 2001

Beschreibung:

'Logik' als die Kunst des regelgeleiteten Denkens und Argumentierens und 'Rhetorik' als die Kunst des geordneten, schmuckvollen Sprechens gehören im Rahmen dieser beiden Definitionen eng zueinander. Dies Zugehörigkeitsverhältnis erlitt erste, tiefe Risse in der Spätantike, als man den bereits von Aristoteles vorformulierten Aspekt der Logik als Wissens- und Wissenschaftswerkzeugs zu Ungunsten der Rhetorik als schlichten Überredungsmittels zu betonen begann. Während die Rhetorik, so lautete eines der gängigen Argumente jener Tage, ihr Betätigungsfeld in eizelnen Sachverhalten des politischen und sozialen Alltags habe, arbeite die Logik mit Art- und Gattungsbegriffen und formuliere mittels dieser Begriffe verifizierbare, universal gültige u. d. h. wissenschaftstaugliche Aussagen.

Im 16. Jahrhundert nun hob eine Gegenbewegung zu der beschriebenen Gewichtung von Logik und Rhetorik an: Die Logik entferne sich, gerade indem sie mit universalen Begriffen und Aussagen arbeite, von der realen Welt, weil derlei Begriffe und Aussagen nichts als Fiktionen seien. Das abstrakte und fiktive logische Allgemeine, so fordert etwa Nizolio, sei durch das an homogenen Einzeldingen gewonnene mengenmäßige 'rhetorische Allgemeine' zu ersetzen.

Ziel des Seminars ist es, anhand ausgewählter Passagen aus den Werken M. Nizolios und J. L. Vives' in eine der wichtigsten und interessantesten frühneuzeitlichen Debatten einzuführen.

Literatur:

Texte:


Kunst und System. Studien zur idealistischen Kunstphilosophie


Allgemeines


Veranstaltungsart: Hauptseminar (2stündig, Ae, GkTPh (Neuzeit))
Dozent: Dr. Michaela Boenke
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Montags, 14-16h / ab: voraussichtl. 15. Oktober 2001

Beschreibung:

Das Seminar befasst sich mit dem Ort der Kunst in den philosophischen Systemen Schellings und Hegels. Behandelt werden in einem ersten Teil Schellings Darlegungen zur Kunst in den "Philosophischen Briefe über `Dogmatismus und Kritizismus`", im "System des transzendentalen Idealismus", den "Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums" und der Einleitung in die "Philosophie der Kunst" im Blick auf die von der jeweiligen Systemkonzeption abhangigen divergierenden Aussagen über die Beziehung von Kunst und Philosophie. Anschließend wird Hegels Asthetik auf der Grundlage der Einleitung in die "Vorlesungen uber die Asthetik" erarbeitet. Ein letzter Teil befasst sich mit der Darstellung und Kritik der idealistischen Asthetik durch Adorno in der "Asthetischen Theorie."


Die "Zeit" im Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit


Allgemeines


Veranstaltungsart: Hauptseminar (2stündig, NPh, GkTPh (Spätmittelalter & Renaissance))
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Donnerstags, 18-20h / ab: 18. Oktober 2001

Beschreibung:

In der Antike und im Mittelalter wird die Frage nach der Zeit vor allem von zwei Autoren gestellt und in der Rezeption und Kommentierung ihrer Werke diskutiert und weiterentwickelt: von Aristoteles außer in der Kategorienlehre im 4. Buch der Physik, wo Zeit als "Zahl der Bewegung" objektiviert ist, und von Augustinus im 11. Buch der "Bekenntnisse", wo Zeit als subjektives Phänomen dargestellt wird, das sich der Spannung der menschlichen Vernunft zwischen Vergangenheit schaffender Erinnerung und Zukunft entwerfender Erwartung verdankt.

Beide Alternativen bleiben auch in der Renaissance gegenwärtig und dienen weiterhin als Ausgangspunkt der akademischen Diskussion. Neue Perspektiven und Fragestellungen verändern jedoch ihre Bedeutungen und verwandeln ihre Gestalt. In der aristotelischen Tradition werden z.B. an die Kategorie des "wann?" - dank Ockhams Nominalismus - neue Realitätsanforderungen gestellt, wird die "Zahl der Bewegung" in den Bewegungstheorien der Calculatores neu verstanden, wird generell das Konzept der Zeit den Grundsätzen der neu entwickelten Naturphilosophien angepaßt. Das augustinische Zeitverständnis führt demgegenüber im Gefolge des Scotistischen Voluntarismus unter anderem zur Entdeckung der Geschichtlichkeit des Menschen, der Positivität der Vergänglichkeit als Raum menschlichen Handelns, des ökonomischen und kairologischen Umgangs mit dem kostbaren Gut der Zeit.

Im Seminar sollen beide Traditionen an exemplarischen Texten untersucht und in Hinblick auf ihren Beitrag zur Entstehung neuzeitlicher Verständnisse von Zeit und Zeitlichkeit befragt werden. Nach den grundlegenden Positionen von Aristoteles und Augustinus, Duns Scotus und Ockham sollen einschlägige Schriften von Petrarca, Alberti, Ficino und Machiavelli, von Aristoteleskommentatoren wie Toletus oder Suarez, von "Calculatoren" wie Bradwardine oder Oresme, von Naturphilosophen wie Patrizi oder Telesio, Pereira oder Bacon diskutiert werden.

Literatur:

Die - zumeist lateinisch geschriebenen - Texte werden zu Beginn des Semesters in deutschen (Roh-) Übersetzungen zur Verfügung gestellt, ebenso genauere Literaturangaben zu den einzelnen Texten.


Dogmenkritik und Frühaufklärung in den Niederlanden


Allgemeines


Veranstaltungsart: Hauptseminar (2stündig, GkTPh (Neuzeit I))
Dozent: Dr. Martin Mulsow
Ort / Zeit / Anfang: Schellingstr. 3, Raum 242 / Dienstags, 18-20h / ab: voraussichtl. 16. Oktober 2001

Beschreibung:

Zusammen mit Rohls. ¶ Für die Entstehung der Aufklärung im Rahmen einer rationalistischen Neufassung des Christentums ist ein Prozeß von großer Wichtigkeit gewesen: die Historisierung und Kritik von zentalen Dogmen der Trinität, Christologie oder Sündenlehre durch den Arminianismus - oder den radikaleren Sozinianismus. In den Niederlanden verbinden sich diese liberale theologischen Strömungen denn auch mit den avantgardistischen Philosophien: mit dem Cartesianismus, teilweise mit dem Spinozismus (Lodewijk Meyer), später mit der sensualistischen Philosophie Lockes (Jean LeClerc). Das Seminar wird diese Verbindungen analysieren. Am Anfang steht allerdings eine Analyse wichtiger Artikel aus dem sozinianischen "Rakower Katechismus", um die theologische Grundlage der Dogmenkritik zu erörtern. Das Seminar versteht sich als Wiederaufnahme eines in Deutschland lange vernachlässigten Forschungsgebietes, denn seit dem Ende der liberalen Theologie am Beginn des 20. Jahrhunderts ist der Sozinianismus kaum noch erforscht worden, geschweige denn daß seine Verbindungen zur Philosophie beachtet wurden.

Literatur:


Strategien der Moralbegründung im Humanismus der Renaissance


Allgemeines


Veranstaltungsart: Oberseminar (3stündig, Eth, GkTPh (Renaissance))
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Dienstags, 18-21h, 14tägig / ab: 23. Oktober 2001

Beschreibung:

Als Ergebnis der spätscholastischen Philosophie hat die Renaissance den Voluntarismus des Scotus und, in seiner Konsequenz, den Nominalismus Ockhams geerbt, welche die Grundlagen der traditionellen Philosophie in Frage stellen und einen Neuansatz fordern. Getragen von den Bedürfnissen der neuen bürgerlichen Laienkultur gibt die Renaissance im Italien des 14. und 15. Jhs. zunächst unter Führung der sog. Humani-sten eine Antwort im Bereich der praktischen Philosophie. Unter Verzicht auf eine nicht mehr mögliche transzendente, theologische oder metaphysische Letztbegründung versucht sie, neue Modelle moralischer Handlungsorientierung zu propagieren, die dem Glück und der Wohlfahrt des Einzelnen wie der Allgemeinheit dienen sollen. Dabei werden zum ersten Mal in der Geschichte der Philosophie Strategien und Modelle einer immanent-pragmatischen Normenbegründung entwickelt.

Das Oberseminar, das als Forschungsseminar konzipiert ist, setzt das Hauptseminar des SS 2001 fort, in dem "die Rolle der ratio in der Moralbegründung des frühen Humanismus" untersucht wurde. Es dient der Diskussion von Problemen und Ergebnissen der im Umkreis des Projektes "Pluralität der Erkenntnisse und Verbindlichkeit der Ordnung als innovative Momente in der Philosophie des 15. und 16. Jahrhunderts" Forschenden und steht daher primär den am SFB 573 Beteiligten, darüber hinaus aber auch anderen an der Problematik Interessierten offen.

Teilnahmevoraussetzungen:

Um vorherige Anmeldung wird gebeten.


Einführung in das wissenschaftliche Informationswesen, insbesondere anhand von Gegenständen aus der Geistesgeschichte der Renaissance


Allgemeines


Veranstaltungsart: Kurs: Theoretischer Teil (2stündig)
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Achtung: Ort und Zeit auf Teilnhemerwunsch hin geändert!: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek (403 und 406 [wechselnd]) / Donnerstags, 12-14h / ab: 18. Oktober 2001

Beschreibung:

Ziele des Kurses (der für Studierende aller Geisteswissenschaften vom ersten bis zum letzten Semester geeignet ist, und der dabei ist zum "Exportmodell" zu werden): · den Teilnehmenden zum einen verbesserte eigene Literatursuchen und Literaturverwendung zu ermöglichen, · und ihnen zum anderen auch außeruniversitär nutzbare und gesuchte Zusatzqualifikationen zu vermitteln die durch Besuch von philosophischen Seminaren und Vorlesungen nicht erlangt werden können.

Was für relevante Informationen gibt es? Wo findet man sie? Wie findet man sie? Wer hilft einem dabei? Wie setzt man sie für eigene Veröffentlichungen ein? Wie erzeugt man Ressourcen die für andere nützlich sind?

Die Veranstaltung soll Kenntnisse über Bedingungen, Techniken und Praktiken wissenschaftlicher Kommunikation vermitteln. Die Beispiele und Schwerpunkte werden - soweit tunlich - aus der Geistesgeschichte der Renaissance gewählt. Die im einzelnen behandelten Themen sind zum guten Teil abhängig von den Interessen und Vorkenntnissen der Teilnehmenden.

Zu den Themen, die behandelt werden, können gehören:

Teilnahmevoraussetzungen:

Studium einer Geisteswissenschaft in gleich welchem Semester. Die Teilnahme am "theoretischen Teil" ist auch ohne Teilnahme an den beiden anderen Kursteilen möglich, erscheint aber nur begrenzt sinnvoll. Bitte halten Sie mit mir Rücksprache, falls Sie nur am "theoretischen Teil" teilnehmen wollen. § Anmeldung - soweit möglich vor Anfang Oktober - wird empfohlen (Anmeldeformulare liegen ab spätestens Anfang der Semesterferien im Sekretariat des Seminars [Ludwigstr. 31/IV, Zimmer 402] aus).

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Eine (auf Wunsch auch benotete) Bescheinigung über erfolgreiche Kursteilnahme wird aufgrund regelmäßiger aktiver Teilnahme an allen drei Teilen des Kurses und ausreichender Bearbeitung der Praktikumsaufgaben erteilt.

Literatur:

Verweise auf gedruckte Literatur scheinen wegen der Weite der Gegenstände, und erfahrungsgemäß vor allem wegen der sehr raschen Veränderungen im wissenschaftlichen Informationswesen wenig sinnvoll. Zu einzelnen Themen werden Merkblätter und spezielle Internet-Resourcen zur Verfügung gestellt. Die Leitseite im Internet für diesen Kurs führt zu den elektronischen Kursunterlagen. Ihre URL ist: http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/LV/hckKurs01w/


Einführung in das wissenschaftliche Informationswesen, insbesondere anhand von Gegenständen aus der Geistesgeschichte der Renaissance


Allgemeines


Veranstaltungsart: Kurs: Praktikum (10stündig)
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek (409 und Umgebung) / Donnerstags, 15-19h, u. Freitags 9-13h / ab: 18. Oktober 2001

Beschreibung:

Zu den Zielen und den Behandelten Themen siehe die Angaben zum "theoretischen Teil" des Kurses.

Praktikum: Gelegenheit zum eigenen Üben: In diesem zweiten Kursteil werden auf Basis des im "theoretischen Teil" besprochenen verschiedene Aufgaben durch die Teilnehmer/innen eigenständig bearbeitet, wobei der Dozent jederzeit für Hilfestellungen, Rat, etc. etc. pp. zur Verfügung steht.

Die 10stündige Dauer bezieht sich nicht auf die Zeit, die alle Teilnehmenden vermutlich zur Bearbeitung der Aufgaben benötigen werden (diese Zeit ist in den meisten Fällen erfahrungsgemäß deutlich kürzer), sondern auf die Zeit, in der Sie Anspruch auf jederzeitige Unterstützung durch den Dozenten haben.

Teilnahmevoraussetzungen:

Teilnahme am "theoretischen Teil". § Anmeldung - soweit möglich vor Anfang Oktober - wird empfohlen (Anmeldeformulare liegen ab spätestens Anfang der Semesterferien im Sekretariat des Seminars [Ludwigstr. 31/IV, Zimmer 402] aus).

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Eine (auf Wunsch auch benotete) Bescheinigung über erfolgreiche Kursteilnahme wird aufgrund regelmäßiger aktiver Teilnahme an allen drei Teilen des Kurses und ausreichender Bearbeitung der Praktikumsaufgaben erteilt.

Literatur:

Siehe die entsprechenden Informationen zum "theoretischen Teil" des Kurses

Bemerkungen:

ACHTUNG: Wegen der erfahrungsgemäß erforderlichen sehr hohen Betreuungsintensität und wegen der beschränkten Zahl der zur Verfügung stehenden Praktikums-PCs ist die Teilnehmerzahl begrenzt.


Einführung in das wissenschaftliche Informationswesen, insbesondere anhand von Gegenständen aus der Geistesgeschichte der Renaissance


Allgemeines


Veranstaltungsart: Kurs: Vorstellung und Besprechung von Arbeiten (2stündig)
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, 403 / Donnerstags, 10-12h / ab: 25. Oktober 2001

Beschreibung:

Colloquium. ¶ · Zu den Zielen und den behandelten Themen siehe die Angaben zum "theoretischen Teil" des Kurses.

In diesem dritten Kursteil wird das vorgestellt und diskutiert, was die Teilnehmenden im Praktikum erarbeitet haben. Zudem besteht von Fall zu Fall die Gelegenheit zur Diskussion einschlägiger neuerer Literatur und neuerer Entwicklungen im wissenschaftlichen Informationswesen, zudem Gelegenheit zu vertiefenden Diskussionen zu Themen, die im "theoretischen Teil" behandelt wurden.

Teilnahmevoraussetzungen:

Teilnahme an den beiden anderen Kursteilen ("Theoretischer Teil" und "Praktikum"): näheres siehe dort.

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Siehe die entsprechenden Informationen zum "Praktikum".

Literatur:

Siehe die entsprechenden Informationen zum "Praktikum".

Bemerkungen:

Siehe die entsprechenden Informationen zum "Praktikum".






Verantwortlich: Dr. Heinrich C. Kuhn (hck@lrz.uni-muenchen.de)
Dokument erstellt: 2000-05-14
Dokument geändert:2001-07-27