Vivat GGREN!

Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance:

Lehrveranstaltungen Winter-Semester 2002/2003


Informationen zu:

  1. Vorlesungen:
  2. Proseminaren:
  3. Hauptseminaren:
  4. Oberseminar:
  5. Kurse:




Einführung in die Naturphilosophie

Allgemeines

Veranstaltungsart: Überblicks-Vorlesung (2stündig, NPh)
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Hörsaal wird noch bekanntgegeben / Freitags, 11-13h / ab: 18. Oktober 2002

Beschreibung:

Seitdem Aristoteles die Philosophie zum ersten Mal in unterschiedliche Bereiche eingeteilt und nach ihren Gegenständen unterschieden hat, gehört die Naturphilosophie zu den festen Bestandteilen der philosophischen Reflexion und so wie die Philosophie als Ganze im Laufe der mehr als 2 1/2 Jahrtausende ihrer Geschichte in Europa ein wechselvolles Schicksal hatte, hat auch die Naturphilosophie zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Bedingungen unterschiedliche Bedeutungen und Funktionen gehabt: nach ihrer Definition immer auf die Natur als ihren Gegenstand bezogen, mußte in gleicher Weise, wie diese Natur sich wandelte, auch die Naturphilosophie als deren Erklärung und Verständnis sich wandeln und mußte in gleicher Weise, wie die Erklärung und das Verständnis der Natur sich änderte, auch die in diesem Verständnis gemeinte Natur sich ändern.

Um daher "die Naturphilosophie" zu kennen, muß man ihre Entwicklung im Rahmen der allgemeinen Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte kennen, als deren Resultat, nicht aber Ende, die gegenwärtige Beschäftigung der Philosophie mit dem, was sie unter "Natur" besteht, verständlich werden kann.

Die Vorlesung will versuchen, die wichtigsten Problemstellungen, Funktionen, Thesen und Modelle der philosophischen Beschäftigung mit der Natur seit der Antike in ihren theoretischen Wurzeln und ihrem historischen Kontext zu verfolgen, wobei besondere Aufmerksamkeit dem Verhältnis zwischen ihren "spekulativen" und ihren "operativen" Aspekten, und der für den europäischen Kulturkreis spezifischen Entstehung einer von der Naturphilosophie unterschiedenen, autonomen Naturwissenschaft in der Renaissance geschenkt werden soll.

Literatur:

Ausführliche Literaturangaben und Textzeugnisse im Verlauf der Vorlesung.

Bemerkungen:

Wahlpflicht 3. Semester


Rezeptivität oder Produktivität: Der Begriff der Phantasie in der Renaissance

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, E, PhG, Ae, GkTPh(Spätmittelalter/Renaissance))
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Donnerstags, 10-12h / ab: 17. Oktober 2002

Beschreibung:

In der Geschichte der Philosophie bezeichnet der griechische Begriff der phantasía - lateinisch imaginatio, deutsch Einbildung oder Vorstellung - zwar nicht jenes Vermögen, das den Menschen zum Menschen macht und von den Tieren und allem anderen vergänglichen Seienden unterscheidet, wie der lógos, die ratio oder die Vernunft, denn an der phantasía haben auch viele andere Lebewesen Anteil, aber er ist doch vielleicht der Begriff, an dessen Wandel seit der Antike der Prozess des zu sich selbst kommenden und sich selbst behauptenden Menschen als Subjekt, wie er in der neuzeitlichen Philosophie gedacht wird, am deutlichsten zum Ausdruck kommt.

Denn bis weit in die Renaissance hinein konzentriert sich in der Phantasie, die im Erkenntnisprozess als Vermittler zwischen Wahrnehmung und Erkenntnis angesiedelt ist, das Vermögen des Menschen, von der in Wahrnehmung und Denken gegebenen Wahrheit abzuweichen und damit in - theoretischen - Irrtum und - praktisches - Fehlverhalten zu verfallen. Im Augenblick aber, in dem der Mensch in der Renaissance beginnt, sich als verantwortlicher Schöpfer und Subjekt seiner selbst und seiner Welt zu verstehen, erweist sich das Vermögen, über das ihm in Wahrnehmung und Erkenntnis Gegebene hinauszugehen, als Zentrum seiner schöpferischen Fähigkeiten und Manifestation des wahren Menschentums.

Im Proseminar soll dieser Prozess durch Lektüre und Interpretation zentraler Texte von Aristoteles (384-322), Gianfrancesco Pico della Mirandola (1470-1533) und Marsilio Ficino (1433-1499) dargestellt und verständlich gemacht werden.

Literatur:

Vorgesehene Texte:


Das Aristotelische "Organon" und seine Deutung im Padua des 16. Jahrhunderts. Lektüre und Besprechung ausgewählter Texte des Renaissancephilosophen Jacopo Zabarella

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, GkTPh(Antike, Renaissance), MO)
Dozent: Dr. Rudolf Schicker
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Dienstags, 17-19h / ab: 15. Oktober 2002

Beschreibung:

Das Seminar wird zunächst eine Einführung in das als "Organon" (Werkzeug) bezeichnete Schriftencorpus des Aristoteles und d.h. in die Grundgedanken und -begriffe der Aristotelischen Logik bieten. Die einschlägigen Texte hierzu werden in deutscher Übersetzung gelesen werden. Nachdem das bei der Lektüre und Besprechung Erarbeitete gefestigt ist, sollen einige Darlegungen zur geistigen Situation sowie den philosophischen Diskussionen im Padua des 16. Jahrhunderts die Lektüre von seminarthemarelevanten Texten eines der renommiertesten Denkers jener Zeit, J. Zabarellas, vorbereiten.

Bemerkungen:

Neben der philosophischen Arbeit als Hauptziel ist ein weiteres Ziel das Bekanntmachen der Studenten mit lateinischen Texten. Der Umgang mit solchen Texten soll anhand Zabarellas eingeübt werden. Allerdings ist die Kenntnis des Lateinischen keine Teilnahmebedingung.


Magie in der Renaissance: Macht und Verbrechen

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (mit Möglichkeit auch Hauptseminarscheine zu erwerben), (2stündig, GkTPh(Renaissance), NPh, PhA)
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Mittwochs, 16-18h / ab: 16. Oktober 2002

Beschreibung:

Magie gibt auf dunkle Weisen Macht über Dinge und Menschen. Als "angewandte Naturphilosophie" ist sie von hohem Interesse. Und die Renaissance ist vermutlich die Zeit ihrer größten europäischen Blüte. Im Verdacht zu stehen Magie auszüben aber bedeutet zur selben Zeit akute Lebensgefahr. Prominente und weniger prominente Texte rinascimentaler philosophischer Magie (und ihrer Bestreitung und Bekämpfung), prominente Fälle der Verfolgung von Hexen und Hexern, Hintergründe solcher Verfolgungen und ihres Endes, herausragende klassische und neüre Sekundärliteratur zu rinascimentaler Magie und Magier/innen-Verfolgung, und nicht zuletzt der Versuch uns klarer darüber zu werden, was denn Magie sei, und was nicht: Dies sind im wesentlichen die Themen denen dieses Seminar gewidmet ist.

Es ist eine Fortsetzung und Ergänzung des Proseminars "Superstitiones, Artes, Scientiæ: Dämonen, Magie, Hexerei und Schulweisheit in der Renaissance" im Sommersemester 2002. Teilnehmer/innen die an der Veranstaltung im Sommersemester teilgenommen haben sind ebenso willkommen wie Neuhinzukommende.

Teilnahmevoraussetzungen:

Bereitschaft zu regelmäßiger aktiver Teilnahme an den Diskussionen und Bereitschaft zur Übernahme eines Kurzreferats.

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Literatur:

Zur Einführung empfohlen:

Bemerkungen:

Das Seminar ist primär als Proseminar intendiert, doch gibt es für Teilnehmer/innen, die die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen die Möglichkeit auch Hauptseminarscheine zu erwerben.


Philosophie, Psychologie, Physiologie der Melancholie in der Renaissance

Allgemeines

Veranstaltungsart: Hauptseminar (3stündig, PhA, GkTPh(Renaissance))
Dozent: Dr. Michaela Boenke
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Mittwochs, 12-15h / ab: 13. November 2002

Beschreibung:

Das Seminar befasst sich mit dem Thema "Melancholie" aus naturphilosophischer und medizinhistorischer Perspektive. Es geht darum, den Weg zu rekonstruieren, der von der Bestimmung der Melancholie als Krankheit und Todsünde zu ihrer Aufwertung als Bedingung des Genies in der Renaissance führte. Im Zentrum steht Marsilio Ficinos Traktat "De triplici vita".

Teilnahmebedingungen:

Bereitschaft zur Übernahme von Referaten. Scheine werden für schriftliche Hausarbeiten vergeben.

Literatur:

Vorbereitende Lektüre: Raymond Klibansky, Erwin Panofsky, Fritz Saxl: Saturn und Melancholie. Studien zur Geschichte de Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst. Frankfurt am Main 1992.


Von der Kontemplation zur Konstruktion: Die Entstehung der neuzeitlichen Wissenschaft in der Renaissance

Allgemeines

Veranstaltungsart: Hauptseminar (2stündig, E, L, GkTPh(Spätmittelalter/Renaissance))
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Donnerstags, 18-20h / ab: 17. Oktober 2002

Beschreibung:

Von der antiken Philosophie zur vita contemplativa bestimmt, in der er seine höchste Vollendung erfährt, von der mittelalterlichen Theologie zur Gottesschau bestimmt, in der er "vergöttlicht" wird, ist der höchste Zugang des Menschen zur Realität und damit das höchste Ziel auch seines philosophischen Bemühens die betrachtende Erkenntnis des Seienden in dem, was es ist, in seinem Wesen. Wissenschaft als das Ergebnis der Erkenntnisbemühungen bildet geistig die Realität in ihrer wahren Struktur ab und gestattet daher, sie "einzusehen".

Mit dem Ende des Mittelalters und dem durch den Nominalismus Ockhams geweckten Zweifel an der Möglichkeit, sich der Realität in ihrem wahren Wesen betrachtend zu versichern, endet die "Beschaulichkeit" des menschlichen Daseins. Als Ebenbild Dei creatoris, des Schöpfergottes, ist er aufgerufen, selbst schöpferisch zu werden und sich der Realität nicht mehr betrachtend, sondern schaffend zu nähern und tätig zu versichern. Die "Neue Wissenschaft" der Renaissance, die zur Wissenschaft der Neuzeit werden wird, kann die Realität nicht mehr einfach als gegeben hinnehmen, sondern muß sie in dem, was sie ist, erst selbst "konstruieren".

Das Hauptseminar will den Prozess der Genese dieser neuen, konstruktiven Wissenschaft durch Lektüre der einschlägigen Textzeugnisse nicht in Hinblick auf seine metaphysischen oder anthropologischen Begründungen, sondern in seinen methodologischen und wissenschaftstheoretischen Weichenstellungen im Verlaufe der Philosophie des 15. und 16. Jahrhunderts untersuchen.

Literatur:

Die ausgewählten, zumeist lateinischen Texte werden mit Rohübersetzungen ins Deutsche oder andere moderne Sprachen zu Beginn des Semesters im Seminar vorliegen und können dort erworben werden.


Strategien der Moralbegründung im Humanismus der Renaissance

Allgemeines

Veranstaltungsart: Oberseminar (3stündig, Eth, GkTPh(Spätmittelalter/Renaissance))
Dozent: Prof. Dr. Eckhard Keßler
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Dienstags, 18 -21, 14tägig / ab: 22. Oktober 2002

Beschreibung:

Als Ergebnis der spätscholastischen Philosophie hat die Renaissance den Voluntarismus des Scotus und, in seiner Konsequenz, den Nominalismus Ockhams geerbt, welche die Grundlagen der traditionellen Philosophie in Frage stellen und einen Neuansatz fordern. Getragen von den Bedürfnissen der neuen bürgerlichen Laienkultur gibt die Renaissance im Italien des 14. und 15. Jhs. zunächst unter Führung der sog. Humanisten eine Antwort im Bereich der praktischen Philosophie. Unter Verzicht auf eine nicht mehr mögliche transzendente, theologische oder metaphysische Letztbegründung versucht sie, neue Modelle moralischer Handlungsorientierung zu propagieren, die dem Glück und der Wohlfahrt des Einzelnen wie der Allgemeinheit dienen sollen. Dabei werden zum ersten Mal in der Geschichte der Philosophie Strategien und Modelle einer immanent-pragmatischen Normenbegründung entwickelt.

Das Oberseminar, das als Forschungsseminar konzipiert ist, setzt das Oberseminar des SS 2002 fort. Es dient der Diskussion von Problemen und Ergebnissen der im Umkreis des Projektes "Pluralität der Erkenntnisse und Verbindlichkeit der Ordnung als innovative Momente in der Philosophie des 15. und 16. Jahrhunderts" Forschenden und steht daher primär den am SFB 573 Beteiligten offen.

Über die im Titel genannte Thematik hinaus dient das Oberseminar aber auch als Forum zur Diskussion anderer neuer Forschungsansätze und -vorhaben aus dem Bereich der Renaissance-Philosophie, sei es durch Gäste des Seminars für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance, sei es durch Doktoranden und Magistranden.

Teilnahmevoraussetzungen:

Um vorherige Anmeldung wird gebeten.


Latein LESEN lernen: Frühneuzeitliches Latein für Philosophie-Interessierte

Allgemeines

Veranstaltungsart: Kurs (Übung) (3stündig, GkTPh(Mittelalter & Renaissance))
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek / Donnerstags, 13-16h / ab: 17. Oktober 2002

Beschreibung:

Lesen Sie Latein sehr viel weniger "fließend" als z.B. Englisch? Haben Sie Schwierigkeiten Zugang zu jenem Teil der philosophischen Tradition zu finden, dessen Texte nur auf Latein vorliegen? Wollen Sie daran etwas ändern? :

Nach Teilnahme an diesem einsemestrigen Kurs sollen die Studierenden (unabhängig vom Grad der Lateinkenntnisse, die sie mitbringen):

Solche Fertigkeiten will der Kurs vermitteln.

Teilnahmevoraussetzungen:

Bemerkungen:

Aufgrund der beschränkten Zahl der zugehörigen Tutorien ist die Teilnehmerzahl leider beschränkt.


Tutorium zum Kurs "Latein LESEN lernen: Frühneuzeitliches Latein für Philosophie-Interessierte"

Allgemeines

Veranstaltungsart: Tutorium (angeboten werden sechs Tutorien [jeweils Einzelunterricht] zum Lateinkurs) (1stündig, GkTPh(Mittelalter & Renaissance))
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/IV, Raum 403 / Nach Vereinbarung mit den einzelnen Tutoriums-Teilnehmer/innen / ab: 42. oder 43. KW 20

Beschreibung:

In Einzelunterricht werden jeweils die Arbeitsergebnisse der jeweiligen der Teilnehmer/in am Kurs "Latein LESEN lernen: Frühneuzeitliches Latein für Philosophie-Interessierte" besprochen, aufgetretenen Probleme und Fragen diskutiert und soweit möglich gelöst, Hilfestellungen gegeben.

Teilnahmevoraussetzungen:

Gleichzeitige Teilnahme am zugehörigen Lateinkurs.






Verantwortlich: Dr. Heinrich C. Kuhn (hck@lrz.uni-muenchen.de)
Dokument erstellt: 2002-06-03
Dokument geändert:2002-07-23