Vivat GGREN!

Seminar für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance:

Lehrveranstaltungen Winter-Semester 2005


Informationen zu:

  1. Vorlesung:
  2. Proseminaren:
  3. Hauptseminaren:
  4. Tutorien:


Historia philosophica critica. Wer wann warum und wie Geschichte(n) der Philosophie konstruiert hat

Allgemeines

Veranstaltungsart: Spezialvorlesung (3stündig, E, GPh)
Dozent: Prof. Dr. Thomas Ricklin
Ort / Zeit / Anfang: Mo 12-14 Uhr, Hauptgebäude M 001, Do 12-13 Uhr, Hauptgebäude B 106 / Mo, 12-14h, Do 12-13h. / ab: 17. Oktober 2005

Beschreibung:

Der Titel dieser Vorlesung spielt auf eine der umfangreichsten Geschichten der Philosophie an, die ein einzelner Autor je verfasst hat, die Historia critica philosophiae Jacob Bruckers, deren sechs Bände in Leipzig zwischen 1742 und 1767 erschienen sind. Von Hegel in den Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie gründlich kritisiert, verstaubt Bruckers Philosophiegeschichte heute in den Bibliotheken und gemeinsam mit ihr unzählige andere Versuche der Frühen Neuzeit, der Renaissance sowie des lateinischen und arabischen Mittelalters, der Vergangenheit der Philosophie eine erzählbare Gestalt zu geben. Die Vorlesung möchte eine Einführung geben in die Geschichte der Philosophiegeschichten und grundsätzlich darauf insistieren, dass es nebst Diogenes Laertios, Hegel, der Cambridge History of … Philosophy und Sophies Welt zahlreiche andere Philosophiegeschichten gibt. Im Spiegel dieser Geschichten erweist sich die Philosophie als unerwartet vielfältig. Zugleich wird auch deutlich, dass es jeweils die je aktuelle Gegenwart mit ihren nicht nur philosophischen Konflikten und Projekten ist, die darüber bestimmt, was an Vergangenheit des Geistes zugelassen und wahrgenommen wird.


Angewandte Naturphilosophie der Renaissance: Der praktische Nutzen der Astronomie anhand der Gregorianischen Kalenderreform von 1582: Nikolaus von Kues, Christoph Clavius, Johannes Kepler

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, NPh, GkTPh(Renaissance))
Dozent: Dr. Friederike Boockmann
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/Erdgeschoss, E08 / Dienstags, 9-11h / ab: 18. Oktober 2005

Beschreibung:

Wie macht man einen Kalender?
Was ist bei dessen Berechnung zu berücksichtigen?
Nach welchen Kriterien wird das Osterfest bestimmt?

Diese Fragen bewegten das Alltagsleben in der Renaissance. Wie kam es dazu?

Der bis 1582 im westlichen Abendland allein geltende Julianische Kalender hatte stets eine zweifache Aufgabe zu erfüllen. Zum einen sollte er das bürgerliche Jahr in Übereinstimmung mit dem Sonnenjahr bringen und zum anderen den christlichen Festtagskalender — und hier als zentrales Ereignis das Osterfest — nach dem lunisolaren Zyklus einrichten. Da Sonnen- und Mondjahr nicht genau ein ganzzahliges Vielfaches von Tagen ausmachen, mußten bei der Aufstellung des Kalenders kleine Ungenauigkeiten zugelassen werden, die im Laufe der Jahrhunderte zu feststellbar störenden auswuchsen.

Die Differenz zwischen dem zyklisch berechneten Kalender und dem astronomischen Geschehen erkannten bereits die Gelehrten des Mittelalters sowie der frühen Neuzeit (u.a. Nikolaus von Kues) und mahnten immer wieder eine Kalenderreform an. Doch erst zur Zeit Papst Gregors XIII. kam es 1582 unter Mitwirkung von Christoph Clavius dazu. Daraus ergab sich eine der lebendigsten Diskussionen der Renaissance, bei der nicht nur angewandte astronomische Fragen erörtert wurden, sondern vor allem theologische und philosophische Argumente zur Sprache kamen.

Die Protestanten wehrten sich vehement gegen die Einführung der vom Papst ausgehenden Reform und blieben beim alten Julianischen Kalender. Infolgedessen gab es ca. 200 Jahre lang ein doppelt geführtes Datum und — abhängig davon — eine in der Regel unterschiedliche Festlegung kirchlicher Festtage. Wie zwischen den zerstrittenen religiösen Parteien eine sachliche Diskussion über schwierige astronomische Gegebenheiten und historisch gewachsene Forderungen aussehen sollte, zeigt ein kleines Werk "Ein Gespräch von der Reformation des alten Calenders", das Johannes Kepler ca. 1604 verfaßt hat. Anhand dieser didaktisch hervorragenden Schrift sollen im Proseminar die philosophischen, theologischen, astronomischen Probleme im einzelnen erörtert werden.


Was ist Zeit? Philosophische Ansätze zum Zeitbegriff von der Antike bis zur Renaissance

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, NPh, MO, GkTPh(Renaissance), L, S)
Dozent: Dr. Daniel A. Di Liscia
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/Erdgeschoss, E08 / Mittwochs, 9-11h / ab: 19. Oktober 2005

Beschreibung:

Die "Frage nach der Zeit" bedarf keiner gesonderten Vorstellung; sie beschäftigte seit der Antike bis zur Gegenwart die philosophischen Köpfe mehr oder weniger aller Richtungen, und zwar so, daß sich viele der diskutierten Fragen an vorangegangenen Positionen entwickelten. Eine historisch orientiere Einführung zur Zeittheorie erschient deshalb für Studierende der Philosophie angemessen und nützlich.

Im Seminar soll eine Reihe von Zeittheorien durchgearbeitet werden, die sich im Anschluß an die grundlegenden Auffassungen von Aristoteles und Augustinus entwickelten. Wir werden hauptsächlich auf drei mit einander eng verbundene Probleme fokussieren, die im Rahmen der Mathematik, Logik und Naturphilosophie besonders wichtig sind: a) die Kontinuität der Zeit; b) die Natur des Augenblickes, c) die Grenze zwischen dem Anfang und der Gegenwart und zwischen der Gegenwart und dem Ende.

Im Anschluß an Aristoteles werden wir einige mittelalterliche Kommentare studieren, insb. die von Thomas von Aquin und William of Ockham. Besondere Aufmerksamkeit werden wir der Tradition der calculatores widmen: wir werden uns mit verschiedenen Texten über den Augenblick (De instanti, De "incipit" et "desinit") beschäftigen, u.a. von William Heytesbury, Walter Burley und Paulus Venetus. Diese Tradition werden wir bis zur Physikkommentierung des 16. Jhs. verfolgen. Als typische Autoren der italienischen Renaissance werden wir Marsilio Ficino, Bernardino Telesio und Francesco Patrizi behandeln, von denen wir eine Auswahl aus ihren Texten, die sich auf die Zeit beziehen, analysieren werden.

Weitere Literaturhinweise werden im Seminar bekanntgegeben. Lateinkenntnisse sind willkommen, aber nicht erforderlich. Vorausgesetzt wird jedoch eine aktive Teilnahme.


Zweierlei Magie: Magie in der Renaissance und Magie in der Welt des Harry Potter

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, NPh, GkTPh(Renaissance))
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Hauptgebäude, E 206 / Mittwochs, 14-16h / ab: 19. Oktober 2005

Beschreibung:

· Was Magie sei, · was Magie bewirke, · wie man Magie wirke, · ob und wie sich magische Einwirkungen auf Natur und Menschen von anderen solchen Einwirkungen unterscheiden, · wer Magie wirken könne: dies und anderes ist in der Renaissance (vermutlich der Epoche intensivster philosophischer Beschäftigung mit Magie) durchaus umstritten, wird sehr unterschiedlich diskutiert und beantwortet.

Aber: es scheint ein Mittel zu geben, das es ermöglicht, trotz dieser Diversität der rinascimentalen Stellungnahmen zur Magie Gemeinsamkeiten und Spezifika der Magie der Renaissance zu erkennen, und besser zu verstehen, was Magie in der Renaissance ausmacht. Dies ist der Vergleich mit einer anderen (Magie der Renaissance zitierenden aber ihr gegenüber dennoch eigenartig geschichtsvergessenen) Art von Magie: Der Magie in der Welt des Harry Potter.

Beide Arten von Magie sollen in diesem Seminar untersucht und verglichen werden, zum besseren Verständnis beider aus ihren Gegensätzen (und Gemeinsamkeiten).

Die Harry-Potter-Bücher werden bekanntlich (und m.E.: zu recht) viel gerühmt und noch mehr gelesen. So genutzt wie hier vorgeschlagen können sie vermutlich auch dazu beitragen, die Faszination der ihrer Magie an Komplexität, Vielfalt und Reflektiertheit überlegenen Magie(en) der Renaissance kennenzulernen.

Teilnahmevoraussetzungen:

Bereitschaft zu regelmäßiger aktiver Mitarbeit und zur Übernahme eines Kurzreferats.

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Regelmäßige aktive Teilnahme, Proseminararbeit und/oder Übernahme eines Hauptreferats.

Literatur:

Zur Einführung/Vorbereitung empfohlen:

Sonstiges:

Unter http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/php/Kuhn/hp/05w.htm steht seit 2. August 2005 ein Dokument mit potentiell weiterführenden Informationen zur Verfügung.


Neue Ordnungen des Alten und Neuen, des Gewöhnlichen und Außergewöhnlichen in der Renaissance: Kunstkammern, Bibliotheken, Enzyklopädien, Monster und die ganze Welt

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (3stündig, (Renaissance), E, NPh)
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn, unter Mitwirkung von Manuela Kahle
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/I, 111 / Donnerstags, 13h s.t. - 15:15h / ab: 20. Oktober 2005

Beschreibung:

Naturdinge (gewöhnliche wie außergewöhnliche), Bekanntes und Unbekanntes, Wissenschaften, von Menschen gemachtes, nicht zuletzt Bücher: Wie kann, wie muss, wie sollte man derlei (und insbesondere Sammlungen von derlei) ordnen damit man das geordnete — so man es sucht — findet bzw. wiederfindet? Wie kann, wie muss, wie sollte man derlei ordnen damit man durch das so geordnete und seine Anordnung etwas lernen und/oder lehren kann? Wie dienen derlei Ordnungen der Wissenschaft bzw. den Wissenschaften, wie formen sie sie, wie konstituieren derlei Ordnungen den Blick auf das geordnete — und darüber hinaus?

Texte, Praktiken, Berichte und Überlegungen von Gelehrten vornehmlich des 16. und 17. Jahrhunderts (die einen neuen Blick auf derlei Geordnetes und seine Ordnungen zeigen, und die zum Teil bis heute in unseren Museen, Bibliotheken, Wissenschaftsauffassungen und institutionellen Ordnungen fortwirken), solche Texte, Praktiken, Berichte und Überlegungen sollen Gegenstand des Seminars sein.

Teilnahmevoraussetzungen:

Bereitschaft zu regelmäßiger aktiver Mitarbeit und zur Übernahme eines Kurzreferats.

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Regelmäßige aktive Teilnahme, Proseminararbeit und/oder Übernahme eines Hauptreferats.

Literatur:

Die weitaus meisten der behandelten Texte werden volkssprachlich sein. Lateinische Texte werden im Normallfall in zweisprachiger Ausgabe zur Verfügung gestellt.


"De dignitate hominis" — das Bild des Menschen im Renaissancehumanismus: Einübung in die Lektüre lateinischer philosophischer Texte

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, GkTPh(Spätmittelalter & Renaissance), PhA)
Dozent: Andreas Sonneck, StR
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/I, 111 / Montags, 18-20h / ab: 17. Oktober 2005

Beschreibung:

Dass sich das mittelalterliche Bild vom Menschen in der Renaissance von Grund auf wandelt und dass das neuzeitliche Menschenbild in der Renaissance wurzelt, das ist seit langem bekannt. Die "De dignitate hominis"-Literatur zeugt von diesem Wandel und kulminiert in der weithin bekannten Schrift Picos. Weniger bekannt und doch nicht weniger interessant sind lateinische Texte anderer — bisweilen namhafter — Autoren. Sie liegen in deutscher Übersetzung meist nicht vor; liegen sie aber vor, ist das nicht unbedingt eine Hilfe, denn sehr oft verstellen Übersetzungen, auch wenn sie "korrekt" sind, den Zugang zu einem Text. Das Seminar will also solche Texte im lateinischen Original lesen und interpretieren. Durch die sorgfältige Lektüre weniger kurzer Partien sollen die Teilnehmer ihre Lateinkenntnisse auffrischen und ein mikroskopisches Übersetzen üben, das die Tür öffnet zu einem vertieften Verständnis lateinisch geschriebener philosophischer Texte der Renaissance — auch dann, wenn diese durch Übersetzungen zugänglich sind.


Die Zentralperspektive und der Fortschritt: Zum Verhältnis der Geschichte von Kunst und Philosophie — eine Einführung

Allgemeines

Veranstaltungsart: Proseminar (2stündig, GkTPh(Spätmittelalter & Renaissance), NPh, E)
Dozent: Dr. Gabriele Sprigath
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/II, 208 / Montags, 17-19h / ab: 17. Oktober 2005

Beschreibung:

Bis heute herrscht die Ansicht, daß mit dem Anwenden der Zentralperspektive in Malerei und Bildhauerei der für die Neuzeit charakteristische Fortschritt beginne, weil die Bildkünstler seitdem die Natur genau und richtig nachahmen könnten. Sie entspricht der im 19. Jahrhundert verbreiteten Auffassung von Naturnachahmung, die auch den in dieser Zeit geprägten Begriffen Realismus und Naturalismus zugrundeliegt.

Wenig bekannt ist, daß das lateinische Wort perspectiva mit Optik zu übersetzen ist. Erneut ist deshalb danach zu fragen, wie diese Wissenschaft und die Entwicklung der Bildkünste zwischen 1250 und 1450 zusammenhängen.

Wir werden u.a. mit den Schriften zur Optik von Roger Bacon und von Leone Battista Alberti (1435) sowie Lorenzo Ghiberti (ca. 1450) arbeiten, die ihre Kenntnisse der perspectiva auf die Malerei und die Bildhauerei angewandt haben.

An einschlägigen Texten verfolgen wir, wie sich im gleichen Zeitraum die Stellung der Bildkünste in den verschiedenen Systemen der artes (Künsten) und scientiae (Wissenschaften) verändert.


Was sind Gefühle? — Philosophische Analysen der Emotionen in der Frühen Neuzeit (Descartes, Pascal, Spinoza, Leibniz)

Allgemeines

Veranstaltungsart: Hauptseminar (2stündig, Eth, GkTPh(Neuzeit I))
Dozent: Dr. Sabrina Ebbersmeyer
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/Erdgeschoss, E08 / Montags, 10-12h / ab: 17. Oktober 2005

Beschreibung:

Seit der Antike bis in die Gegenwart bildet die Frage nach dem Stellenwert und der Funktion von Gefühlen für den Erkenntnisprozess ein offenes Feld der Reflexion, auf dem sich widerstreitende Ansichten sichtbar werden. Handelt es sich bei Gefühlen (pathos, affectus, passio) um physiologische Zustände oder um kognitive Akte? In welchem Verhältnis stehen Rationalität und Emotionalität zueinander? Stören und hindern uns Gefühle an der Erkenntnis oder sind sie vielmehr als Stimulans für den Erkenntnisprozess notwendig, damit wir überhaupt etwas erkennen und wissen wollen?

Nach gängiger Meinung habe der Rationalismus in der Philosophie des 17. Jahrhunderts zu der Verabsolutierung eines verengten Vernunftbegriffs und einer Nichtbeachtung, Abspaltung und Verdrängung derjenigen Momente im Erkenntnisprozess geführt, die dem Bereich des Irrationalen und der Emotionen zuzuordnen sind. Diese Annahme wird im Seminar kritisch zu hinterfragen sein. Anhand von Texten von Descartes, Pascal, Spinoza und Leibniz werden wir uns mit dem Problem des Verhältnisses von Rationalität und Irrationalität beim Erkennen und Handeln beschäftigen

Bei dem Seminar handelt es sich um die Fortsetzung des im Sommersemester durchgeführten Proseminars "Was sind Gefühle? Philosophische Analysen der Emotionen von der Antike bis zur Renaissance". Neue Teilnehmer sind herzlich willkommen, werden aber gebeten, sich mit folgender Lektüre auf das Seminar vorzubereiten: Platon Timaios, Phaidros; Aristoteles De anima; Epikur Brief an Menoikeus.

Voraussetzungen für Scheinerwerb:

Regelmäßige aktive Teilnahme, Referat und Hausarbeit.

Literatur:

Die weiterer Auswahl der Quellentexte sowie weiterführende Literatur werden am Beginn des Semesters bekannt gegeben.

Bemerkungen:

Kann auch als Proseminar besucht werden.


Lukian von Samosata redivivus. Wie Philosophen im 15. Jahrhundert wieder herzhaft lachen lernten

Allgemeines

Veranstaltungsart: Hauptseminar (3stündig, GkTPh(Renaissance))
Dozent: Prof. Dr. Thomas Ricklin
Ort / Zeit / Anfang: Hauptgebäude, E 210 / Dienstags, 17-20h / ab: 18. Oktober 2005

Beschreibung:

Lukian von Samosata (um 120-180) gilt zu Recht als einer der größten Spötter der Spätantike, wobei gerne vergessen wird, dass er z.B. mit Hermotimos oder Lohnt es sich Philosophie zu studieren? auch explizit philosophische Texte geschrieben hat. Während Jahrhunderten war Lukian der lateinischen Welt unbekannt, doch dann beginnen die ersten Griechischlehrer der italienischen Renaissance ihn im Unterricht zu verwenden. Viele junge Humanisten haben ihre sprachliche Kompetenz an Lukian geübt, bald haben sie ihn übersetzt und schließlich auch imitiert und sich seiner Ironie bemächtigt. Albertis Momos und das Lob der Torheit des Erasmus sind die bekanntesten Werke, die versuchen, im Geist Lukians der eigenen Zeit zu Leibe zu rücken. Aber auch Rabelais, Thomas Morus, die Dunkelmännerbriefe, Agrippa von Nettesheims und Aretino schreiben sich in diese Tradition ein, die selbst angesichts philosophischer Fragen nicht ganz auf die Kreativität der Ironie verzichten mag. Dass die Texte dieser Autoren unterhaltsam sind, wird weit herum zugestanden. Ob sie auch philosophisch produktiv sind, wird das Seminar von Fall zu Fall zu klären versuchen.

Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass von den allermeisten im Rahmen dieses Seminars zu behandelnden Texten deutsche Übersetzungen greifbar sind.


Plato und die Liebe in der italienischen Renaissance

Allgemeines

Veranstaltungsart: Hauptseminar (3stündig, GkTPh(Renaissance), PhA)
Dozent: Prof. Dr. Thomas Ricklin
Ort / Zeit / Anfang: Hauptgebäude, E 210 / Mittwochs, 16-19h / ab: 19. Oktober 2005

Beschreibung:

Seit es den Begriff "Philosophie" gibt, steckt die Liebe drin und wer immer sich um die Etymologie der Philosophie bemüht hat, ist auch auf die Liebe gestoßen. Die Vorstellung der Liebe zur Weisheit hat lateinische Autoren während Jahrhunderten beflügelt, zum wirklich dominanten Thema wird sie dann aber mit Ficinos (1433-1499) Übersetzung von Platos Gastmahl und seinem De amore überschriebenen "Kommentar" zu diesem Werk. Was die Liebe sei, was Liebe zur Weisheit sein könnte, ob Liebe nur in Form der Liebe zur Weisheit legitim sei oder ob umgekehrt die Liebe zur Weisheit auch die Liebe von Mensch zu Mensch befruchten könnte, sind Fragen, die zahllose Autoren und einige Autorinnen von Pico della Mirandola (1463-1494), Leone Hebreo (um1460-1520) und Baldassar Castiglione (1478-1529) bis hin zu Tullia d'Aragona (1508-1556) und Sperone Speroni (1500-1588) beschäftigt haben. Im Rahmen der Diskussion dieser Fragen haben sie immer wieder von neuem versucht, der Liebe Worte zu geben, ihre philosophischen Implikationen zu benennen und ihrer existentiellen Unhintergehbarkeit gerecht zu werden.

Die zentralen Texte, die im Seminar bearbeitet werden, liegen in deutschen Übersetzungen vor.


Unterstützung und Diskussionen, insbes. zur Philosophie und Geistesgeschichte der Renaissance

Allgemeines

Veranstaltungsart: Tutorium (angeboten werden drei jeweils 2stündige Tutorien [jeweils Einzelunterricht]) (je 2stündig, GkTPh(Renaissance))
Dozent: Dr. Heinrich C. Kuhn
Ort / Zeit / Anfang: Ludwigstr. 31/I, 107 / nach Vereinbarung / ab: 42. KW 2005

Beschreibung:

Drei dieser Tutorien werden angeboten. Und zwar als Einzelunterricht, es sei denn, es finden sich mehrere Personen, die genau zum selben Thema bzw. Themanbereich ein Tutorium wünschen.

Im Tutorium kann alles behandelt werden, was Ihren Wünschen und meinen Kompetenzen entspricht: das Tutorium kann · als Begleitung anderer Veranstaltungen, · zum Erwerb von Fertigkeiten, Techniken und Kenntnissen, · zur Unterstützung der Prüfungsvorbereitung, · zur Diskussion von Texten, Problemen, Kontexten (meinen Kompetenzen entsprechend: primär - wenn auch nicht ausschließlich - der Geistesgeschichte der Renaissance), · und u.U. auch manches andere genutzt werden. Insbesondere soll Ihnen das Tutorium Hilfe, Unterstützung, Orientierung, Diskussionsgelegenheit zu dem bieten, was Sie in ihrem Studium außerhalb dieses Tutoriums beschäftigt, und zu dem, für dessen Untersuchung und/oder Diskussion Sie in anderen Lehrveranstaltungen zu wenig Gelegenheit sehen.

Teilnahmevoraussetzungen:

Die Tutorien sind für Studierende gleich welchen Semesters geeignet. Vorherige (formlose) Anmeldung ist erforderlich. Achtung: Nunmehr (2005-07-14) sind alle dieser Tutorien "vergeben". Sie können sich allerdings bei Interesse um "Nachrückerplätze bewerben … .

Bemerkungen:

Falls Sie Interesse und/oder Fragen haben: bitte melden Sie sich baldmöglichst: via eMail an hck@lrz.uni-muenchen.de , Telefonanruf (089-2180 2018), Brief (Kuhn, Hauspost 44), oder Besuch meiner Sprechstunde (Mittwochs 9-12h und nach Vereinbarung).




Verantwortlich: Dr. Heinrich C. Kuhn (hck@lrz.uni-muenchen.de)
Dokument erstellt: 2005-04-22
Dokument geändert: 2005-09-14