Vivant oratores, vivant auditores, vivat Petrarca, vivat GGREN!

Heinrich C. Kuhn:

Spannungen und Spannendes in Petrarcas Schrift über die Heilmittel gegen beiderlei Fortuna

(Beitrag zur Interdisziplinären Vortragsreihe durch Münchner Gelehrte zur Feier der 700. Wiederkehr des Geburtstags Francesco Petrarcas im Sommersemester 2004


Ein Beitrag über "Spannungen" und gar "Spannendes" ausgerechnet in Petrarcas De remediis utriusque fortunæ ?[1] Ausgerechnet zu De Remediis? Dieser vielgescholtenen Sammlung von zwei Vorworten und 254 untereinander kaum oder gar nicht verbundenen Texten zu unterschiedlichsten Anlässen glücklich oder unglücklich zu sein? Nicholas Mann hat sie im Cambridge Companion to Renaissance Humanism charakterisiert als: höchst idiosynkratisch, auf gewisse Weise mittelalterlich (was wohl nicht lobend gemeint war), ein Werk ohne Synthese, ohne einen systematischen moralphilosophischen roten Faden (abgesehen von "christlicher Verachtung weltlicher Güter" und Trost in der Tradition des Boëthius), ohne Stachel, ohne irgendwelche philosophische Innovation .[2] Conrad Rawkski hielt es für fraglich ob Petrarcas Werk heute überhaupt Leser haben könne ,[3] und hielt es für höchst schwierig zu sagen, was denn je die Leser an dem Text faszinierte .[4] Und das Ausmaß moderner sekundärliterarischer Befassung mit dem Werk ist entsprechend gering .[5] Wäre also den 132 Anlässen für Unglücklichsein, die Petrarca im zweiten Buch von De remediis anführt ein 133ster Anlass hinzuzufügen: Einen Beitrag von mir zu De remediis zu lesen?

Falls dem so sein sollte, so liegt es an mir, und nicht an Petrarca und seinem Werk. Denn dass seine Schrift Über die Heilmittel gegen beiderlei Fortuna durchaus geeignet ist gelesen zu werden, studiert zu werden, rezipiert zu werden, das belegt: eben ihre Rezeption. Nicht die heutige. Wohl aber die rinascimentale. Mindestens 254 Handschriften, deutlich mehr als für jedes andere lateinische Werk Petrarcas sind uns von De remediis erhalten .[6] Willard Fiske [7] hat für die Zeit bis 1650 26 vollständige und 12 unvollständige Druck-Ausgaben des Lateinischen Textes [8] gezählt, dazu für Druckausgaben von Übersetzungen: 1 Tschechische, 1 Niederländische, 1 Englische, 3 Französische ,[9] 12 Deutsche, 4 Italienische, 6 Spanische, 1 Schwedische .[10] Und auch explizites Lob für den Text aus prominenter Feder gibt es: Von Petrarca selbst, versteht sich: einen ganzen Bücherschrank könne das Werk ersetzen .[11] Gelobt wird die Schrift aber auch von Bocaccio und Salutati .[12]

Die Ausgaben reichen vom Folianten für die Bibliothek [13] bis zum echten Taschenbuch, für den intendierten Gebrauch als Vademecum: gerade mal 10.4 mal 7.4 mal 2.5 cm misst etwa der Buchblock der Genfer Stœrschen Ausgabe von 1628 .[14]

Was die vielen Abschreiber, Übersetzer, Exzerpierer, Herausgeber, Leserinnen und Leser früherer Zeit an dem Werk faszinierte lässt sich in den meisten Fällen nicht mehr feststellen .[15] Heutiger Gelehrsamkeit scheint es (mit Ausnahme der beiden Vorworte und des Traktats über die Würde des Menschen, aus dem Herr Keßler im ersten der Vorträge dieser Reihe zitiert hat) wohl häufig eher anstrengend .[16]

Das erste dieser Vorworte scheint eine Lesehilfe, eine Gebrauchanweisung zu geben: ♦ Ausgangspunkt ist die Unsicherheit und Veränderlichkeit alles menschlichen ,[17] ♦ Folge davon ist ständige Sorge .[18] ♦ Wir führen einen ständigen Krieg gegen Fortuna, in dem allein die Tugend, die Virtus uns siegreich machen kann; ohne solchen Sieg sind und bleiben wir der Fortuna Spielball .[19] Hilfe gewährt die Lektüre der Werke edler (und vornehmlich antiker) Schriftsteller, und Zustimmung zu dem was sie schreiben .[20] Alles ist nicht lesbar, kurzgefasstes daher besonders nützlich .[21] Mehr dazu gleich. In Kürze versteht sich.

Zweierlei Streit haben wir mit Fortuna: im Glück und im Unglück, bei delectabilia und tristitia .[22] Mäßigung, Temperantia ist eine schwierige Tugend .[23] Die Erfahrung zeigt: Gefährlicher noch als Glück ist uns Unglück .[24] Die milde Fortuna erweicht uns den Geist.

Seneca hatte - um das ihm zugeschriebene De remediis fortuitorum geht's hier, auf das ich noch zurück kommen werde - , Seneca hatte in seinem weitverbreiteten Büchlein kurz vom Unglück gehandelt .[25] Petrarca nimmt's auf, und schreibt noch drüber hinaus auch über den Umgang mit Glück, und schreibt, er habe in den paar Tagen, die er an seinem De remediis geschrieben habe auch einige nützliche Abschweifungen zu Tugenden und Lastern eingefügt .[26] Nützlich sei das Buch, ein gemeinsames kurzes Heilmittel [27] (sozusagen ein Patentrezept) gegen jedes Üble und jedes Gute gebe's zwar nicht, aber hier eine kleine Medikamentenbüchse, die sicheres Gegengift gegen beiderlei Fortuna enthalte .[28]

"Beide Gesichter Fortunas sind zu fürchten, und doch müssen beide ertragen werden. Das eine bedarf des Zügels, das andere des Trostes, hier muß die gehobene Stimmung gerückt, dort die ermüdete neu erquickt und aufgerichtet werden ."[29] Tugend möge man der Fortuna entgegensetzen, insbesondere Fortitudo, Tapferkeit, die Ruhe, tranquilitas "in den Wirbeln des Geschicks" gibt .[30] Die von Petrarca gegebenen Heilmittel, so schreibt er selbst, sind wirksam .[31]

Und dann, zum Schluss, nochmal eine klare Leseanweisung :[32]

Einlesen wirst Du dich so: es werden jene vielberufenenen und untereinander verwandten vier Affekte: Hoffnung (oder Begierde) und Freude, Furcht und Schmerz, die von den beiden Schwestern Glück und Unglück in gleichartigen Geburten zur Welt gebracht wurden, bald von hier, bald von dort den menschlichen Geist bestürmen. Burgherrin aber ist die Vernunft : sie möge ihnen allen als einzige antworten, möge mit Schild und Helm, mit den ihr eigenen Kräften und der ihr eigentümlichen Kraft, mehr noch freilich mit Hilfe vom Himmel die rings schwirrenden Geschosse der Feinde zerstreuen. <§> Auf deinen Geist setze ich meine Hoffnung, dass Du leicht entscheidest, wem der Sieg gehört.

Klingt etwas so, als erwarte uns eine dramatisierte (und christianisierte) Fußnote zu Texten Senecas wie dessen 92. Brief [33] oder, vor allem, dessen Schrift über die Seelenruhe De tranquilitate animi [34] wo Seneca Unerschütterlichkeit [35] als höchstes Ziel vertritt, und mittelmäßige Leute wie unsereinen auffordert die Gelüste, die cupiditates zurückzudrängen und Ausgeglichenheit, temperies zu erreichen. Und kurz sollte sie sein, diese Fußnote, das hatte uns Petrarca ja mehrfach versprochen.

Doch das ein oder andere scheint nicht zu stimmen, scheint missverständlich, vielleicht missverstanden, vielleicht falsch, teils ziemlich paradox, auf alle Fälle nicht so zu sein wie erwartet.

Zunächst das mit der Kürze: Die Ausgabe von 1628, die ich Ihnen vorhin gezeigt habe, ist doch in sehr kleiner Schrift gesetzt, 254 Folioseiten hat der Text in den Opera omnia von 1554, 5 Bände insgesamt umfasst die englische kommentierte Übersetzung Rawskis, wovon allein zwei daumendicke Bände für den Text der Übersetzung.

Und, wozu braucht's 254 Dialoge um gerade mal vier gegen die Vernunft streitende Affekte abzuwehren? Und wievielen potentiellen Lesern nützt wirklich die Behandlung so abgelegener Gründe zum Glücklichsein wie es das Erreichen des Papstthrons [36] ist?

Und wie steht's mit dem Vorrang der himmlischen Hilfe in einem Text ♦ in dem die Zahl der Bezüge auf Cicero die der Bezüge auf die Bibel weit übersteigt, ♦ es Petrarcas Lieblingskirchenvater Augustinus gerade mal auf 16 Anführungen bringt, der Kaiser Augustus hingegen auf 45, ♦ Julius Cäsar auf 51, Jesus Christus hingegen nur auf 16 ?[37]

Und wie steht's mit der Bedeutung der Mäßigung? Warum wird im Dialog zur Tugend [38] die Demut, die humilitas gelobt ,[39] nicht aber die temperantia, die Mäßigung? Ist die - von Petrarca mit Verve vertretene - Position, dass Ruhe, tranquilitas, ein höchst prekärer, bedenklicher, gefährlicher Zustand sei, und kein Anlass sich wohlzufühlen ,[40] ist dies wirklich mit den Positionen eines Vorbilds Seneca vereinbar? Wie stimmt die wiederholte Behauptung in den Abschnitten im Zweiten, den Unglücken gewidmeten Buch zu den Lastern, Vernunft können helfen gegen Unglücksfälle, nicht aber gegen Laster [41] zur behaupteten Burgherrinnenrolle der Vernunft? Und ist die Vernunft wirklich von Bedeutung für den Weg zur Tugend, da doch die Vernunft selbst als Dialogfigur sagt, Ursache an Mangel an Tugend sei zweifellos Mangel an Willen, Tugend lasse sich durch Willen erlangen ?[42] Ist die Dialog-Figur Vernunft vernünftig, wenn sie die Dialog-Figur Trauer, die bedauert neidisch zu sein, beschimpft, statt ihr Trost oder Hilfe zu bieten ?[43]

Und, wie überzeugend ist die ratio, die Vernunft gegenüber ihren Dialogpartnerinnen (meist "Freude" [gaudium] oder Schmerz [dolor])? Stimmt es, dass man, wie es Petrarca von dem Widmungsempfänger Azzo im Vorwort zum Ersten Buch in der Ihnen vor kurzem vorgelesenen Lesegebrauchsanweisung hofft, "leicht entscheiden" kann "wem der Sieg gehört"?

Trotz zahlreicher guter und wohldokumentierter Gründe der Vernunft gegen Freude am Besitz großer Büchermengen [44] scheint die Dialogfigur "Freude" in ihrer Freude am Buchbesitz nicht im mindestens nachzulassen: hören Sie, wie unverändert freudig es ist, was sie in diesem Dialog vorbringt:

Bücher habe ich in großer Menge.
[…]
Bücher habe ich in reicher Fülle.
[…]
Eine Unmenge Bücher habe ich.
[…]
Eine unermessliche Menge von Büchern gehört mir.
[…]
Unabschätzbar groß ist die Menge meiner Bücher.
[…]
Unzählige Bücher habe ich.
[…]
Ich habe eine hübsche Menge Bücher.
[…]
Ich habe Überfluss an Büchern.
[…]
Ich habe die Bücher zur Unterstützung des Lernens.
[…]
Ich habe viele Bücher verschiedenster Art.
[…]
Von Büchern ersten Ranges habe ich eine große Zahl zusammengebracht.
[…]
Viele erstklassige Bücher hüte ich.

Mag diese bücherfreudige Unbelehrbarkeit des gaudium noch amüsant sein, etwas von Gaudi haben, so ist's in einem anderen Dialog deutlich ernster, die Niederlage der Vernunft ernster, die Folgen blutig: Es geht um De remediis I, 101: "Vom Rachenehmen"/"De vindicta ":[45] etwas lang, doch auch ziemlich dramatisch:

Gaudium freut sich: Der Feind ist ihm in die Hände gefallen: jetzt kann er sch rächen.

Ratio rät dies nicht als Gelegenheit zur Rache sondern zur Selbsterkenntnis zu nützen, Selbsterkenntnis ob Gaudium Sklave des Zornes oder Freund der Milde sei.

Gaudium ist ungerührt: Rache sei ihm möglich.

Ratio verweist darauf, dass zwar die Rache möglich sei, doch gehöre sie sich nicht.

Rache sei süß entgegnet die Freude.

Bittrer sei nichts als der Zorn, antwortet die Vernunft, und die beste Art sich zu Rächen sei: verschonen.

Zulässig sei die Rache insistiert die Freude.

Doch befriedigender und schöner und besser das Verzeihen, das Vergessen des von andren einem angetanen Unrechts, sagt die Vernunft, und verweist auf Cäsar, der durch solches Vergessen berühmt geworden sei.

Befriedigend aber sei ihr die Rache, führt die Freude an.

Doch nur für den Augenblick, das Erbarmen jedoch für immer, antwortet die Vernunft.

Und ehrenhaft sei sie, die Rache, weiss die Freude.

Noch ehrenhafter aber, so die Vernunft, sei das Erbarmen. Benötigen doch alle Menschen Erbarmen. Und ohne Erbarmen kein Ende von Verbrechen und Schuld, keine Wiederherstellung menschlicher Gesellschaft, keine Ende des Zornes Gottes, keine Ende der Verderbnis. Der biblische Prediger wird zitiert: falsch sei es einem Mitmenschen zu zürnen und für die eigenen Sünden Gott um Erbarmen zu bitten.

Nicht er sei's der begonnen habe mit dem Unrecht, sagt Gaudium, er räche sich ja nur.

Die Ratio entgegnet: Angleichung an das was man bei dem an dem man sich räche ablehne, schlecht werden wie er, das sei die Folge der Rache.

Gaudium bleibt unerschüttert: Er wolle sich rächen, und erlaubt sei das auch.

Die Vernunft antwortet: Wollen solle man's nicht. Und verboten sei's auch, durch göttliches Gesetz, und zitiert die einschlägigen Bibelstellen. Gott sei die Rache zu überlassen um eignes Heil zu erlangen.

Nichts da, so Gaudium, entschlossen sei er sich zu rächen.

Die Vernunft wählt eine andere Verteidigungsposition, will Zeitgewinn erreichen: sie bittet den Vollzug der Rache zu verschieben, Zorn verschwinde mit der Zeit.

Unerschütterlich bleibt Gaudium zum Vollzug der Rache entschlossen.

Bedenke die Folgen, die sich ergebenden Nachteile für dich selber, bittet dreimal, und dreimal vergeblich die Ratio.

Rache entledige ihn eines Feindes ist nun das Argument des Gaudium.

Verschonung aber, so die Vernunft, beseitige gleichzeitig einen Feind und gewinne einen Freund, und belegt dies mit den Lehren der Römischen Geschichte.

Angestachelt fühle er sich zur Rache, so Gaudium.

Länglich rät darauf, mit Zitat Senecas, und mit Bibelzitat, Vernunft abzulassen von der Rache. Und dringt erneut mit verschiedenen Argumenten wenigstens auf Verschiebung des Vollzugs. Und schiebt, als die Freude nicht einlenkt, historische Exempla nach, die zum Rechttun ermahnen, gibt zu dass Selbstbeherrschung schwer sei, und bittet das Gute zu tun, bittet - als auch dies die Freude nicht erweicht - um menschliches Verhalten, bittet nochmals die Folgen zu bedenken.

Eine kleine Pause, eine kurze Abwesendheit der Freude ist hier zu denken.

Gaudium kehrt zurückt, und meldet: er hat sich gerächt.

Die Vernunft hat verloren .[46]

Ich habe Ihnen dies so ausführlich referiert, zum einen um ein Beispiel dafür zu geben, wie (und wie buntgemischt) Argumentationen in De remediis sein können, aussehen, und zum anderen, um zu zeigen, dass die Dialoge von De remediis bisweilen den Gesprächspartnern der Ratio mehr überlassen, als nur durch ein gelegentliches Äquivalent eines "gewiss oh Sokrates" Monologe der Vernunft zu gliedern.

Am hier gewählten Beispiel lässt sich auch sehen, welche Arten von Argumenten der Vernunft zur Verfügung stehen: Klassiker-Zitate, Bibel-Zitate, historische Exempla, Verweise auf Alltagserfahrung, Einsatz des Verstandes. In diesem Beispiel hatte alles was die Vernunft vortrug nur ein einziges Ziel: den Vollzug der Rache zu verhindern. Doch nicht immer ist's in De remediis so einfach.

Ich wähle ein weiteres Beispiel, diesmal nicht aus dem Buch über Glücksfälle, sondern aus dem Buch über Unglücksfälle, nicht über Privates, sondern über Politisches: II, 74: De bello civili / "Über den Bürgerkrieg ".[47]

Hier ist der Rat der Vernunft mehrfacher:

Zunächst: Selbst nichts zu tun, alles zu unterlassen, was etwa zum Bürgerkriege führen könnte, sei's in Taten sei's in Worten .[48]

Und falls der Bürgerkrieg denn schon ausgebrochen ist: Wenn man keine Schuld am Bürgerkriege trägt, so kann einem immerhin das Bewusstsein der eigenen Unschuld Trost sein.

Darüber hinaus: Inmitten des Streits sei man Zeuge der Forderung nach Frieden.

Und wenn das nichts hilft, so ergreife man Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, ohne auf die Größe dieser Partei und die Erfolgsaussichten zu achten .[49]

Wenn man selbst machtlos sei, so möge man andre gewinnen, durch die Macht seiner Rede.

Und wenn das nicht hilft, so möge man beten - und alles tun, was zu den Aufgaben eines guten Bürgers gehört .[50] Die "officia boni civis": dies ist ein Verweis auf Senecas 93. Brief [51] über den frühzeitigen Tod des Philosophen Metronax, so dass damit immerhin das Nichtachten der Gefahr frühzeitigen eigenen Todes, vielleicht gar der Griff zur Waffe mitgedacht ist.

Und falls auch das nichts hilft, so möge es einem Trost sein, dass nicht nur einzelne Menschen, sondern auch all ihre Städte und Staaten vergänglich sind.

Ein mehrfaches Vorgehen also, je nach der Situation in der man sich befindet: Schädliches unterlassen, versuchen Frieden zu erreichen, dann bei Misserfolg Partei ergreifen, die eigene Partei redend vergrößern, wenn's nichts hilft beten und bürgerlich handeln, und Vergänglichkeit alles menschlichen als Trost nehmen.

Und: dieser Rat, solche Erkenntnis ist nach Petrarca ein Heilmittel, das nicht nur für Bürgerkriege, sondern für alle Unglücksfälle taugt: "Diese Überlegung wird dich fester machen gegen alle Zufälle, gegen die öffentlichen wie die privaten "[52] .

Dass mehr als ein Weg dem Dialogpartner zur Auswahl empfohlen wird, dies findet sich auch sonst: z.B. in De remediis II, 44 : De contumaci filio / "Über einen ungeratenen Sohn ":[53] · man möge die eigene Widerspenstigkeit in der eigenen Jugend gegen den eigenen Vater erinnern, · man möge warten, dass die Missgeratenheit mit der Zeit und zunehmendem Alter des Sohnes vergehe, · man möge sich damit trösten durchaus nicht allein in solcher Lage zu sein, · man möge ihm trotz allem herzliche Liebe erweisen - er brauche sie, · man möge geduldig sein, · man möge versuchen ihn zu bessern, · man möge ihn des Hauses verweisen.

Und, zu Ende von De remediis II, 74 ("Über den Bürgerkrieg") hatte Petrarca ja darauf verwiesen, dass das hier gesagte nicht nur für das in diesem Dialog behandelte von Nutzen und Anwendbarkeit sei. Und dem entspricht auch durchaus das "transferierende" Vorgehen Petrarcas selbst in seiner Schrift über die Heilmittel gegen beiderlei Fortuna. So übernimmt sein Dialog II, 51 ("Über den Verlust des Bruders ")[54] einen guten Teil der Argumentationen, die sich in dem Seneca zugeschriebenen Werk De remediis fortuitorum [55] finden, dort (bei Ps.-Seneca) jedoch im Kapitel über den Verlust einer guten Ehefrau [56] - ohne jedoch darauf zu verzichten, das (ziemlich misogyne) Material auch in seinem (Petrarcas) eignen Dialog über den Verlust der Ehefrau [57] ebenfalls einzusetzen.

Das allgemeingültigere, Übertragbare vieler Argumente Petrarcas in De remediis ist damit angesprochen. Und damit wird sichtbar, dass die 254 Dialoge dieses Werks eben nicht so hockspezialisiert sind, dass sie stets nur für den Umgang mit dem jeweils im Dialog behandelten Glücks- oder Unglücksanlass geeignet wären, dass die einzelnen Dialoge Einstiegspunkte sind, von denen aus loslesend man Rat finden kann auch wenn man sich von dem im jeweiligen Einstiegsdialog behandelten nicht betroffen sieht. Die Fülle und potentielle Nützlichkeit des Werkes wird dadurch noch vergrößert. Es scheint mir, als ob gerade beim naïven Einsteigen und Loslesen der Reiz und die Schönheit des Textes am leichtesten erkennbar werden. Und so kann es sein, dass ich vielleicht gerade deshalb, weil ich selber kein Petrarca-Spezialist bin, sondern unter denen, die im Rahmen unserer Vortragsreihe zu Petrarca vorgetragen haben, wohl der naïvste Leser Petrarcas bin, dass ich deshalb ein Leser bin, der (wenn auch anders als die rinascimentalen Leserinnen und Leser, so doch nicht weniger) Petrarcas Werk goûtieren kann.

Doch auch eine zumindest teilweise weniger naïve Lektüre, eine die das, was vor und nach dem Werk geschrieben wurde beachtet, kann auf Reizvolles stoßen: ein Beispiel: vergleicht man die Ausführungen zum Schiffbruch in dem Seneca zugeschriebenen De remediis fortuitorum [58] mit denen Petrarcas in De remediis utriusque fortunæ II, 54 [59] und Petrarcas teilweiser Metaphorisierung des Themas Schiffbruch dort, und dies wiederum mit des Erasmus' Dialog "Naufragium ",[60] wo das Thema der Demonstration glanzvollen Stils und zugleich radikaler Stellungnahme zu richtigen und falschen Weisen des Gottesbezugs, zu radikaler Kritik frommen Aberglaubens genutzt wird, so erweist sich Petrarcas Text als nicht nur der Länge und Zeit nach in der Mitte stehend, als wohlausgewogenes Juwel.

Und der Juwelen gibt's mehr. Man lese zum Beispiel direkt nacheinander die Ausführungen in De remediis I, 80 (wo's gegen die Freude über einen guten Lehrer geht) und II, 40 (wo's um den Nutzen eines ungelehrten, schlechten Lehrers geht), man lese dies, und man mag manches, was einem vielleicht - unwahrscheinlich zwar aber nicht unmöglich - manches was einem vielleicht gar in manchen Hohen Hallen begegnet, vielleicht gar am Abend des Vortrags des hier vorgelegten Beitrags begegnet ist, mit einem Schmunzeln zu ertragen wissen.

Und manche dieser Juwelen sind durchaus von andren Autoren, nach Petrarca aufgehoben und neugefasst weiterverwendet worden, so hat z.B. das was sich in den Dialogen gegen Freude an körperlicher Schönheit [61] und gegen Schmerz über körperliche Hässlichkeit [62] steht, Eingang in die Tradition der Paradoxa mit ihren häufig nicht unamüsanten Texten gefunden .[63]

Doch zumindest mir scheint: es sind nicht allein und nicht zuerst solche Perlen, es sind nicht primär diese amüsanten Stellen, die Petrarcas De remediis zu einem Werk machen, das auch heute noch die Lektüre verdient: gewichtiger als jene funkelnden Zeilen und Seiten scheint mir:

Das Petrarcas Text i.d.T. nicht versucht seinen Lesern die Zurückweisung der Affekte der Freude und Trauer als allgemeines Allheilmittel gegen alle Arten von Glücks- oder Unglücksfällen anzuraten, Seelenruhe als aus jeder Situation heraus anzustrebendes Ziel anzupreisen, sondern sich in seinen 254 Dialogen einlässt auf die wechselhafte Fülle dessen was Menschen an scheinbar Erfreulichem und scheinbar Unerfreulichen zustoßen kann, und situationsbezogenen Rat gibt.

Die Auctoritates und exempla (seien's biblische oder antike oder zeitgenössische) werden uns nicht als etwas geboten, was uns zum handeln zwingt, ihre Lehren und Beispiele nicht als etwas dem zu folgen ist, sondern als etwas das zu bedenken ist.

Der Sieg der Vernunft ist nicht gesichert, Niederlagen der Vernunft sind zu sehen, Tugend erreicht man nicht durch Lektüre, sondern durch den eigenen Willen, durch eigne Entscheidung.

Freude und Schmerz lassen sich durch die Vernunft allein nicht zum Verschwinden bringen, ja nicht einmal immer mäßigen.

Nicht ein Rat, ein Ziel ist es, dem zu folgen uns hülfe. Sondern nicht selten haben wir unter mehreren Alternativen selbst das uns richtig erscheinende zu wählen. Petrarca überlässt uns selbst die Entscheidung, und erweitert dabei durch die Fülle seiner Argumentationen, Lesefrüchte, Exempla unsere Auswahl und damit unsere Freiheit.

Gerade weil Petrarcas Text kein Traktat mit rotem Faden ist, gerade weil er nicht aus einer einzigen Basis heraus konsistent argumentiert (und dem Leser daher nutzlos wäre so dieser Leser die Prämissen nicht akzeptiert), gerade weil er kein Buch ist, das man dem Gang der Beweise und Darlegungen folgend vom Anfang zum Ende als einen durchgehenden Text lesen könnte und sollte, gerade weil er weniger einem geraden und mehr oder minder bequemen Weg als einer Wiese voller Blumen ähnelt, gerade weil es ein Text ist, der sich der Möglichkeit des Scheiterns der Argumente und Ratschläge des Autors bewusst ist (und zum Teil für solches Scheitern Vorkehrungen trifft), ♦gerade weil es ein Text ist, der sich nicht darauf verlässt die Leser zu überzeugen, gerade weil es ein Text ist, der denen die ihn lesen die Entscheidung überlässt, gerade weil es ein Text ist, aus dem die die ihn lesen ihre Lehren selbst ziehen müssen (statt sich einfach passiv belehren zu lassen ),[64] gerade weil es kein einfacher geschlossener Text mit einfacher klarer Essenz, sondern ein offener Text ist, der auf mehr als eine Weise lesbar ist, ja vielleicht nur als solch offener Text sinnvoll lesbar ist, gerade weil hier die Spannungen zwischen Lesererwartung und Text vielleicht nie völlig aufhebbar sind, gerade deshalb scheint mir Petrarcas Schrift über die Heilmittel gegen beiderlei Fortuna ein irritierendes, ein spannendes Werk, ein für lange Zeit und vielleicht auch heute beachtliches Werk, in dem auf eine wohl damals und vielleicht auch heute sehr moderne Weise Moralphilosophie betrieben wird.

Gegen Freude an 122 scheinbaren Anlässen zum Glücklichsein hat Petrarca im ersten Teil seiner Schrift die Vernunft argumentieren lassen, gegen einen jedoch nicht: gegen die Freude daran, dass ein Beitrag ein Ende findet, die letzten Zeilen eines gelesenen Textes endlich sichtbar werden. Und so denke ich, dass selbst Petrarca mir jetzt nicht zuraten würde, noch länger hieran zu schreiben. Weshalb es hiermit genug sei, ich tue das was Petrarca selbst am Ende es letzten seiner Dialoge rät: age res tuas,: tue das Deine ,[65] und tue das meine, und ende.


Fußnoten

[1] Dieser Text - so unvollkommen er ist - wäre noch weit unvollkommener ohne die Hilfe anderer, denen Dank gebührt: Dr. Sabrina Ebbersmeyer und Prof. Dr. Eckhard Keßler für zahlreiche kürzere und längere Gespräche zu Petrarca und zu Moralphilosophie, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern meines Proseminars "Spannungen und Spannendes in Petrarcas Heilmitteln gegen gutes und schlechtes Glück" im Sommersemester 2003 (und unter diesen insbesondere Frau Gertrud Jüde, Frau Birgit Wucher, Herrn Carl Kossack, Herrn Ferdinand Deanini, Herrn Wolfgang Untergehrer) für anregende Vorträge und Diskussionen und manche Widersprüche, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Diskussion des Vortrags am 18. Mai 2004, der diesem Beitrag zugrundeliegt für ihre Diskussionsbeiträge.

Auf eine Diskussion der (sehr anregenden und von der meinen deutlich abweichenden) Auffassung von De remediis durch Prof. Dr. Franz Josef Worstbrock in seinem Vortrag vom 22. Juni 2004 gehe ich hier nicht ein: zum einen, da ich zu fürchten hätte ohne einen mir vorliegenden schriftlichen Text ihm Aussagen zu unterstellen, die nicht die seinen sein könnten, und zum anderen weil wir so weit ich sehe primär in bezug auf die vermutete "eigentliche Intention Petrarcas" von einander abweichen, und eine zur notwendiger und allgemeiner Gewissheit führende Beweisführung in bezug auf eine "eigentliche Intention" eines Autors oder Textes m.E. prinzipiell unmöglich ist; es mag sein, dass Worstbrock i.d.T. nach Jahrhunderten als erster die Intention Petrarcas in De remediis richtig verstanden hat; ob Worstbrocks Argumentation überzeugend ist, sollte (und muss wohl) jede Leserin, jeder Leser selbst für sich entscheiden; dieses erleichternde bibliographische Angaben zu einem Text mit Worstbrocks Argumentation (den wir leider nicht für diese Beitragssammlung acquirieren konnten) beabsichtige ich in der Internetversion dieses meines Beitrags nachzutragen sobald sie mir vorliegen.

Der vorliegende Beitrag wurde gegenüber der vorgetragenen Fassung nur geringfügig überarbeitet, in der Hoffnung, er möge durch weiterbestehende Nähe zu einem Text der für den mündlichen Vortrag bestimmt war, etwas weniger langweilig sein.
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[2] Nicholas Mann: "The origins of humanism" in: Jill Kraye (ed.): The Cambridge Companion to Humanism, Cambridge : Cambridge University Pres, 1997, p. 13s: "… the most idiosyncratic and somehow medieval way in the major treatise of Petrarch's maturity, De remediis untriusque fortune ('On the Remedies of Both Kinds of Fortune') of 1366. This moral encyclopedia, providing remedies for the undesirable effects of good fortune and consolation for the bows of ill fortune, is modelled upon Cicero's Tusculan Disputations and takes the form of a series of dialogues between a Stoically-minded Reason and the four emotions (condemned by the Stoics): Joy and Hope, Sorrow and Fear. It contains an enormous amount of explicitly classical material: more than 500 examples drawn from antiquity and a great deal of implicit quotation of Roman writers. It might be seen as the peak of Petrarch's literary achievement, and yet it is a work without synthesis. There is no systematic moral-philosophical thread running through it other than a conventional / Christian scorn for worldly goods, and consolation for adversity in the tradition of Boethius. The classical material therefore loses its sting; the Stoic echoes of Cicero and Seneca disappear in a mass of material reinforcing more orthodox views. What Petrarch does not achieve here, in what was to be internationally his most popular work for at least two centuries, is any kind of philosophical renewal which might lead us to regard him as the founder of the deeper vein of humanism that goes beyond the mere reading and using of texts." - Wie weit diese Charakterisierung von De remediis ("Stoically-minded Reason" / "the Stoic echoes of Cicero and Seneca disappear ") in sich konsistent ist, sei dahingestellt.
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[3] Conrad H. Rawski (trans.): Francesco Petrarca: Four Dialogues for Scholars, Ckeveland : Press of Western Reserve University, 1967, p. 1: "Today, the reader, if there is a reader …".
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[4] op. cit., p. 8
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[5] Eine Beispielrecherche in: Féderation internationale des Sociétes et Instituts pour l'étude de la renaissance (edd.): Bibliographie internationale de l'Humanisme et de la Renaissance. - 1965-1995, Genève: Droz 2000, CD-ROM liefert: · 1059 Treffer für das "Subject" "Petrarca" (und gar zusammen 3520 Treffer für die einzelnen Stichworte "Petrarca" [1374], "Pétrarque" [1604], "Petrarch" [542], · und sucht man mit "Subject" Petrarca" plus einem Stichwort, so erhält man u.a. folgende Trefferzahlen bei Verwendung folgender Stichworte: ♦ remediis: 7, ♦ africa: 17 (wovon 1 Fehltreffer), ♦ secretum: 23 … . Für die Iter Bibliography (Teil von: William R. Bowen (& al., edd.): Iter. - Gateway to the Middle ages and Renaissance, URL http://www.itergateway.org/ ergaben sich am 19. April 2004 folgende Ergebnisse: · Suche nach: any field "petrarca" OR any field "petrarch" OR any field "petrarque": 1235 Treffer. · Die Suche wurde dann eingeschränkt durch ein zusätzliches Stichwort, das jeder dieser Namensformen beigefügt wurde: ♦ any field "petrarca" AND any field "remediis" OR any field "petrarque" AND any field "remediis" OR any field "petrarch" AND any field "remediis": 6 Treffer, · analog für "africa": 8 Treffer, ♦ "sui": 3, ♦ "secretum": 13, ♦ "canzoniere": 48, ♦ "vulgarium": 13, ♦ "invective": 2, ♦ "trionfi": 19. Für Angaben zur "älteren" unter der neueren Literatur, die Petrarcas De remediis mehr oder minder obiter diskutiert siehe George W. McClure: Sorrow and consolation in Italian humanism, Princeton: Princeton University Press 1991, insbes. p. 202n1. Alles in allem: Petrarcas De remediis ist kein Text der ohne jede moderne Aufmerksamkeit geblieben wäre, im Gegensatz zu dem was in Rawskis Buch von 1967 (op. cit., p. 15) steht nicht "forgotten", aber doch ein Text deutlich am Rande des Hauptinteresses für Petrarca. Um so mehr freut es mich, dass es gelungen ist, in unserer Reihe zum 700. Geburtstag Petrarcas mit Worstbrocks Vortrag zu 'Petrarcas "De remediis". - Textstruktur und Rezeption' (am 22. Juni) noch einen weiteren Beitrag zu diesem Werk zu haben - soweit ich derzeit sehe den einzigen anderen unter all den mir (gleich wo stattfindend) bekannten Geburtstagsfeiervorträgen dieses Jubiläumsjahrs (vgl. die Zusammenstellung unter URL http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/LV/ExtraOrd/P2004/Celebrationes.htm ).
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[6] So das Ergebnis einer Suche in der Datenbank Petrarcae codices Latini (Augsburg [ERV] 1998, ISBN 3-9804409-3-1, [Bibliograhische Daten des BVB: "Petrarcae codices Latini : Datenbank lateinischer Handschriften des Franciscus Petrarca / erstellt von Erwin Rauner. - Version 1.49 // Augsburg : ERV, 1998. - 1 CD-ROM ; 12 cm + Begleith. (18 S.) // Systemvoraussetzungen: Win95 (oder NT); mindestens 8 MB, empfohlen ab 16MB RAM; Graphikauflösung mindestens 800 x 600, 256 Farben; CD-ROM-Laufwerk; CD-R lesefähig (nur zur Installation); freier Festplattenspeicher ca. 60 MB. - // ISBN 3-9804409-3-1"] benutzt wurde das Exemplar der BSB via Citrix ICA Client; in abweichender Form ist die Datenbank auch kostenlos im WWW zugänglich unter URL http://217.233.167.204/wwwroot/clm_default.htm#Petrarcae%20codices%20Latini). Hier einige Zahlen und Detailangaben: · De remediis: 254, wovon 89 mehr oder minder fragmentarisch (Darunter: Exzerpte aus I: 10, Exzerpte aus II: 5; Einzelexzerpte: 1.5-8, 1.87, 1.107, 1.69, 1.8 [2mal so einzeln!], 1.31, 2.39; Vorwort I: 4mal, Vorwort II: 3mal.), · De vita solitaria: 160, wovon ca. 31 mehr oder minder fragmentarisch, · Psalmi penitentiales: 138, wovon 5 fragmentatisch, · Secretum: 97 (101-4 "Fehltreffer"), · Africa: 91, · Vitae (Terenz, Caesar, Scipio): zusammen 75, viele fragmentarisch, · Orationes: zusammen 75, wovon 49mal die contra tempestates, · De sui ipsius et multorum ignorantia: 51, wovon 13 fragmentarisch, · Invective contra medicum: 48, wovon 7 fragmentarisch, · De viris illustribus: 40, wovon 16 fragmentarisch, ·De otio religioso: 38, wovon 6 fragmentarisch, · Invectiva contra Gallum: 29 (28+1 [Treffer bei "invective contra gallum"]), wovon 6 fragmentarisch und 4 fraglich (was soweit erkennbar wohl ebenfalls bedeutet: excerpta …), · Invectiva contra quendam magni status hominem: 10, · Testamentum: 8, · De vera sapientia: 6, · De contemptu mundi: 1, · ··· Angaben zu den Briefen zu machen ist eher problematisch: ♦ Treffer mit Suchwort "Epistolae": 48 (wovon metricae: 27, de rebus senilibus: 1, ad defunctos: 1), ♦ 1225 Treffer für "epistola ad*" (meist Briefe aus fam. oeder sen.), ♦ "Rerum senilium libri": 20, wovon 10 fragmentarisch, ♦ "Rerum familiarium libri": 54, wovon alle bis auf 8 mehr oder minder fragmentarisch.
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[7] Willard Fiske: Biographical Notices III. - Francis Petrach's Treatise De remediis utriusque fortunae, Florence : Le Monnnier 1888
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[8] ohne 3 Ausgaben von De vera sapientia.
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[9] und 8 weitere für die Jahre 1660 mit 1883; mir ist unbekannt, ob es Untersuchungen zu dieser "späten" volkssprachlichen Rezeption von Petrarcas De remediis in Frankreich gibt.
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[10] Zur rinascimentalen Verbreitung vgl. auch die Literaturangaben bei McClure, 1991, p. 207n38.
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[11] Francesco Petrarca: Opera quæ extant omnia , Tomus I, Basileæ : Henrichus Petri 1554, De remediis: Præfatio I, p. 4: "ad id maxime respexi, ne armarium evolvere …". (Ab jetzt werde ich alle lat. Zitate aus De remediis nach dieser Ausgabe geben, da sie durch den 1965er Reprint die am leichtesten überall zugängliche sein dürfte; Ausnahme dabei: das was in De remediis utriusque fortunae. - Zweisprachige Ausgabe in Auswahl, übersetzt und kommentiert von RudolfSchottlaender, München : Wilhelm Fink 1975 zugänglich ist). Das "armarium" hier übertragen auf Bibliothek ist auch die Lösung in der Englischen Übersetzung Rawskis (Remedies for Fortune Fair and Foul. - A modern English translation of De remediis utriusque Fortune, with a commentary [=De remediis utriusque fortune <engl>] [Indiana University Press] 1991, ISBN: 0-253-34849-8, 5 Bd.e, im Folgenden zitiert als Rawski 1, Rawski 2, … Rawski 5; hier: Rawski1, 6: "consider first that you will no longer have to consult a whole library …"). Carraud (Christophe Carraud [ed. & trans.], Francesco Petrarca: Les remèdes aux deux fortunes. - De remediis utriusque fortune, Grenoble: Jérôme Millon 2002, 2Bd.e, Bd. 1, p. 17) übersetzt [im Anschluss an Rawski?] "qu'il ne soit pas nécessaire de remuer toute une bibliothèque …". ··· Nebenbei: jedem der Zugang zu einer vollständigen Version von Petracas De remediis sucht, ohne des Lateinischen hinreichend mächtig zu sein, sei diese Übersetzung mit ihren Kommentaren herzlich empfohlen.
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[12] Rawski, 1967, p. 8.
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[13] So z.B. das Format der erwähnten Opera omnia (in denen es erster Text Petrarcas ist), aber auch mindestens 1 Druck einer alten deutschsprachigen Fassung (Frankfurt [Christ. Egenolffs Erben] 1584)
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[14] ed. "ex typographia Iacobi Stœr. Genevæ 1628.
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[15] Eine Studie zu Marginalnoten und anderen Lesespuren fehlt m.W., doch scheinen derartige Spuren meiner (zugegebenermaßen ziemlich geringen) Erfahrung nach auch nicht sehr häufig zu sein.
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[16] Die Interpretation von Giuseppe Tognon in der zweisprachigen kommentierten Ausgabe von Christophe Carraud (Christophe Carraud [ed. & trans.], Francesco Petrarca: Les remèdes aux deux fortunes. - De remediis utriusque fortune, Grenoble: Jérôme Millon 2002, 2Bd.e), Bd. 2 pp.7-18 und Christophe Carraud (op. cit., Bd. 2, pp. 19-42) kommen soweit ich sehe durchaus zu einer positivern Beurteilung, aber ich muss offen gestehen, dass ich Schwierigkeiten habe, ihre (meinen Augen teilweise recht assoziativ erscheinenden) Argumentationen nachzuvollziehen. Die zu den einzelnen Teilen des Werkes Petrarcas gegebenen Kommentare jedoch sind häufig durchaus nützlich, und bieten manches, das sich in den Kommentaren Rawskis nicht findet.
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[17] Praef. I (Petrarca, 1975, 48). Deutschsprachige Zitate werde ich weitgehend nach Schottlaenders Übersetzung in dieser Ausgabe geben. Entwürfe etc. von Rudolf Schottlaender zu dieser Übesetzung finden sich übrigens laut MALVINE/Kalliope (http://www.malvine.org/ , Suche am 19. April 2004) in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, Nachl. 359 (Rudolf Schottlaender)/Mappe 1-570.
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[18] Praef. I (Petrarca, 1975, 48).
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[19] Praef. I (Petrarca, 1975, 50).
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[20] Praef. I (Petrarca, 1975, 42).
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[21] Praef. I (Petrarca, 1975, 54): quia simul omnia vel legere vel audire vel meminise non potes, utilisimis quidem et (quando brevitas est amica memoriae) brevissimis quoquoe te fulgias.
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[22] Praef. I (Petrarca, 1975, 56).
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[23] Praef. I (Petrarca, 1975, 58).
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[24] Praef. I (Petrarca, 1975, 58).
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[25] Praef. I (Petrarca, 1975, 60).
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[26] Praef. I (Petrarca, 1975, 60).
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[27] Praef. I (Petrarca, 1975, 62): remedium breve
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[28] Praef. I (Petrarca, 1975, 62): non ineficax antidotum in exigua pixide
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[29] Praef. I (Petrarca, 1975, 63).
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[30] Praef. I (Petrarca, 1975, 68, 69).
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[31] Praef. I (Petrarca, 1975, 70).
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[32] Praef. I (Petrarca, 1975, 70-73, Unterstreichungen in der deutschem Übersetzung im Text der Übesetzung, Sperrungen von mir. Hier der lateinische Text: Sic autem ad legendum venies, quasi quattuor illae famosiores et conanguinae pasiones animi: spes seu cupiditas, et gaudium, metus et dolor, quas duae / sorores aequis partubus prosperitas et aversitas peperere, hinc ilinc humano animo insultent; quae vero arci praesidet ratio, his omnibus una respondet clipeoque et galea szisque artibus et propria vi, sed caelestis magis auxilio circumfrementia hostium tela discutiat. Ea mihi de tuo ingenio spes est, und victoria stet, facile iudices.
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[33] Lucius Annæus Seneca: Ad Lucilium Epistulae Morales LXX-CXXIV, [CXXV], (= "Philosophische Schriften. - Lateinisch und Deutsch, Vierter Band", ed. François Préchac, trans.Manfred Rosenbach), Darmstadt : Wissenschaftlche Buchgesellschaft 1987, pp. 386-409.
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[34] Lucius Annæus Seneca: De vita beata, de otio, de tranquilitate animi, de brevitate vitae, ad Polybium de consolatione, ad Helvetam matrem de consolatione (= "Philosophische Schriften. - Lateinisch und Deutsch, Sonderausgabe, Zweiter Band, Dialoge VII-XII, trans.Manfred Rosenbach), Darmstadt : Wissenschaftlche Buchgesellschaft 1999, pp. 101-´173.
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[35] non concuti (De tranquilitate animi, II, 3 [op. cit., p. 110])
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[36] I, 107.
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[37] Siehe den 5. Band von Petrarca/Rawski 1991, pp. 265-351 ("Names, Authors, and works referred to in the translation").
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[38] I, 10
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[39] I, 10 (Petrarca, 1545, 14): Fundamentum veræ virtutis humilitas.
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[40] I, 90.
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[41] So zu Beginn von II, 107 (Zorn), II, 108 (Völlerei).
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[42] II, 104 (Mangel an Tugend generell) und II, 109 (torpo in agendis), der erste Aspekt (Mangel an Tugend als freiwilliges Übel) auch in II, 107 (Zorn), II, 108 (Völlerei)
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[43] II, 106.
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[44] De librorum copia: I, 43 (Petrarca, 1975, 90-105)
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[45] Petrarca, 1975, 122-135.
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[46] Petrarca, 1975, 134: Vinci ab hoste praestabat: hostis victorem vicit ira.
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[47] Petraca, 1554, p. 188s.
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[48] Petraca, 1554, p. 189: vel materia vel flatu.
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[49] Menenius Agrippa und Cato von Utica werden als Beispiele angeführt. Cf. Petrarca/Rawski 1991, Bd. 4, 256s.
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[50] Petraca, 1554, p. 189: omnibus boni civis officium imple.
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[51] eg.: http://www.gmu.edu/departments/fld/CLASSICS/seneca.ep14-15.html
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[52] Petraca, 1554, p. 189: Hæc te cogitatio firmiorem contra omnes casus tam publicos quam privatos faciet, hæc tibi demum & si non amœnam aque utcunque tollerabilem viam sternet, and inopiam, ad exilium, & ad mortem … .
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[53] Petraca, 1554, pp. 166s.
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[54] Petraca, 1554, pp. 171s.
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[55] Robert J. Newman (ed. & trans.): Lucii Annaei Senecae De remediis fortuitorum liber ad Gallionem fratrem, Baltimore 1984, im Folgenden zitiert als "Ps-Seneca, 1984" (das Werk galt bis Lipsius als Werk Senecas, seit Lipsius als fälschlich Seneca zugeschrieben, Newman versucht in seiner Ausgabe die Autorschaft Senecas plausibel zu machen, doch nicht mit Gründen die mich zur Zustimmung zwängen, so dass ich mit meinem ästhetischen Urteil dem Lipsius' beipflichte, und das Werk nicht als eines Senecas sehe).
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[56] Ps.-Seneca, 1984, 127-129
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[57] II, 18 (Petrarca, 1554, pp. 146s.
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[58] Ps.-Seneca, 1984, 126: gerade mal drei Zeilen: "Naufragium feci. Cogita non quid perdideris, sed <gaude> [Ergänzung Newmans] quod evaseris. / Nudus exii. Sed existi. / Omnia perdidi. Sed cum omnibus perire potuisti".
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[59] "De gravi naufragio": Petrarca, 1554, pp. 173s.
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[60] Desiderius Erasmus: Opera omnia. - Ordinis primi tomus tertius, Amsterdam : North-Holland 1972, pp, 325-332 (=Colloquia familiaria 24).
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[61] De remediis I, 2 (Petrarca, 1554, pp. 8-10): De forma corporis eximia.
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[62] De remediis II, 1 (Petrarca, 1554, pp. 125s): De deformitate corporis.
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[63] cf. Ortensio Lando (edd. Eugenio Canone & Germana Ernst): Paradossi. - Ristampa dell'edizione Lione 1543 (enth. Reprint von: Lando, Ortensio: Paradossi, cioè sententie Fuori del comun parere ..., Lione: Gioanni Pullon da Trino 1543), Pisa, Roma: Istituti Editoriali e Poligrafici Internazionali 1999 (=Bruniana et Campanelliana : Supplementi, testi ; 1), und die französische Version dazu: Charles Estienne (ed. Trevor Peach): Paradoxes. - Édition critique, Genève: Droz 1998.
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[64] der erwähnte Dialog I,80 über den begrenzten Nutzen eines guten Lehres lässt sich natürlich auch auf Petrarca selbst beziehen … .
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[65] De remediis II, 132 (Petrarca, 1554, p. 254)
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Autor: Heinrich C. Kuhn
WWW-Redaktion: Helga Pirner-Pareschi
Ansprechpartner für die Vortragsreihe: Heinrich C. Kuhn (hck@lrz.uni-muenchen.de)
Document created: 2004-09-22
Last update:2004-09-22