Vivant oratores, vivant auditores, vivat Petrarca, vivat GGREN!

Eva Schlotheuber:

Petrarca am Hof Karls IV. und die Rolle der Humanisten

(Beitrag zur Interdisziplinären Vortragsreihe durch Münchner Gelehrte zur Feier der 700. Wiederkehr des Geburtstags Francesco Petrarcas im Sommersemester 2004


Avignon, stellt Karl-Heinz Stierle in seiner neuen Petrarca Biografie fest, nicht Rom oder Paris, war die Hauptstadt des 14. Jahrhunderts [1] . Hier strömte am glänzenden Hof Papst Clemens' VI. (1342—1352) die Welt zusammen, legte so mancher, wie der Kaufmann Francesco di Marco Datini aus Florenz [2] , den Grundstein für ein Handelsimperium, begannen unzählige Klerikerkarrieren. In Avignon nahm 1346 auch das Königtum des jungen Markgrafen Karl von Mähren seinen Anfang, aber der Sohn des böhmischen König Johann, dessen Königserhebung der Papst gegen gebannten Kaiser Ludwig den Bayern (*1282—1347) eifrig betrieben hatte, konnte sich bald emanzipieren. Er schuf in Böhmen eine neue, bald weithin ausstrahlende Residenz — Prag. An diesen drei Orten der beiden universalen Mächte des Mittelalters, im traditionsreichen, aber von der Kurie verlassenen und verarmten Rom, in Avignon, der neuen Papstresidenz und im Prag Karls IV. spielte sich das politische und geistige Geschehen dieser Jahrzehnten ab, denn alle Kräfte, die um Erneuerung oder Veränderung rangen, mussten letztlich hier ansetzen.

I. Karl IV. in der Erinnerung der Humanisten

Die Humanisten behielten den großen Herrscher des 14. Jahrhunderts, Kaiser Karl IV., in guter Erinnerung. Zwei Generationen nach seinem Tod fasste einer der scharfsinnigsten Beobachter seiner Zeit, der hoch gebildete Humanist und Jurist Aenea Silvio Piccolomini († 1464) Werk und Bedeutung des Luxemburgers im Chronicon Bohemiae zusammen: Karl sei ein Mann großer Werke gewesen, der in seinem böhmischen Königreich viel für die Religion, die Autorität der Gesetze und die bonorum morum disciplina — also für die Disziplinierung der Sitten getan habe [3] . Mit der disciplina morum verwies Aenea auf eine aktuelle Reformforderung der eigenen Zeit, die auf den Konzilien in Konstanz und Basel heftig diskutiert wurde [4] . Sie meinte im engeren Sinne das regeltreue Leben der Geistlichen, im weiteren ganz umfassend eine erneute Bindung der Gesellschaft — der Laien und der Geistlichen — an christlich geprägten Normen [5] . Mit seinem unermüdlichen Einsatz für die innere Konsolidierung der Gesellschaft würdigte Piccolomini somit ein zentrales Anliegen als Grundstein der Regierung Karls IV. Die folgende Aufzählung kaiserlicher Taten veranschaulicht dieses Urteil: die Gründung der Prager Universität 1349, immerhin der ersten auf Reichsboden nördlich der Alpen, die Errichtung und Ummauerung der Prager Neustadt, zu der Karl 1348 persönlich ebenso den Grundstein gelegt hatte wie zum Bau der Karlsbrücke, nachdem die alte Brücke über die Moldau 1342 nach einem harten Winter im Schmelzwasser zerborsten war [6] . Karl hatte bereits im Jahr 1344, fährt Piccolomini lobend fort, von Papst Clemens VI. die Erhebung Prags zur Erzdözese erreicht, den Neubau des Veitsdoms als geistlichen Mittelpunkt in Angriff genommen und die alte verfallene Königsresidenz prachtvoll wieder herrichten lassen. Erwähnt werden die zahlreichen Klöster und geistlichen Gemeinschaften, die Karl ins Leben rief und großzügig ausstattete, sowie die Transferierung der Reliquien des heiligen Veit [7] . Piccolomini verweist auf den Romzug und die Kaiserwürde. Keine Berücksichtigung dagegen findet das Handeln Karls als römischer Kaiser, obwohl sich in dieser prominenten Aufzählung seine gesetzgeberische Tätigkeit, insbesondere sein Reichsgesetz von 1356, die Goldene Bulle, geradezu angeboten hätte. Doch Aenea überging diesen Aspekt herrscherlichen Wirkens weder aus Unkenntnis noch aus Nachlässigkeit, denn er schließt mit dem Hinweis: "In der Tat ein großer Kaiser — clarus profecto imperator — wenn er nicht den Ruhm seines böhmischen Regnums mehr als den römischen Kaiserreichs gesucht hätte" ;[8] . Zur Erklärung fügt er hinzu, es habe Karls großen Namen nicht wenig befleckt, dass er seinen Sohn Wenzel durch den Einsatz von viel Geld noch zu Lebzeiten zu seinem Nachfolger im Kaisertum ordinieren ließ, denn nicht leicht habe er die Kurfürsten dazu überreden können: Was er durch Vorzüglichkeit (virtus) nicht erreichen konnte, musste Geld bewirken. Aus eigenen Mitteln zu den gewaltigen Ausgaben außerstande, habe Karl dafür den Fürsten einen nicht geringen Teil des Reichsguts verpfändet — zum ewigen Schaden der Kaiserwürde. Von daher, sagt, Piccolomini, sei die römische Reichsgewalt (Romana potestas) unter Karl zugrunde gegangen und das Haupt der höchsten weltlichen Würde habe sich seitdem nicht wieder erheben können [9] .

In der humanistischen Erinnerung war Karl IV. also ein großer Herrscher, doch trübte das Bild nicht wenig sein Wirken als Kaiser — die ordnende und friedensstiftende Kaiserherrschaft über den christlichen Erdkreis hatte er nicht, wie gewünscht, errichtet, wozu er aber zweifellos in der Lage gewesen wäre. Mit welcher Kaiseridee wurde Karl IV. konfrontiert und welche Rolle spielten die politischen Ideen und Ideale der frühen italienischen Humanisten am Hof des Kaisers? Wie stellte sich Karl IV. und sein Kreis zu der Romidee Petrarcas und eines Cola di Rienzo?

II. Cola di Rienzo (1313 — 1354)

Dass es zu einer näheren Verbindung zwischen dem Sohn eines römischen Schankwirts, namens Nikolaus oder Cola di Rienzo, dem Dichterfürsten Francesco Petrarca und dem Luxemburger Markgraf Karl von Mähren kommen würde, war zu Beginn der 40er Jahre nicht abzusehen [10] . Das Jahr 1342 brachte jedoch große Veränderungen für Rom und Italien. Nicht nur, dass in Avignon mit Clemens VI. ein neuer Papst auf den Stuhl Petri erhoben wurde, der sich, statt um seine Rückkehr nach Rom, um den Ausbau des Papstpalastes in Avignon bemühte und sich hier — offensichtlich für länger — prächtig einrichtete [11] . Noch mehr trug zur allgemeinen Destabilisierung der Lage bei, dass König Robert von Neapel, eine feste Stütze des Papsttums in Italien Anfang 1343 ohne männlichen Erben gestorben war, und den Thron seiner Enkelin Johanna überlassen hatte. Über ihren Gemahl, den jungen Andreas von Ungarn, waren Verbindungen zu Ludwig I. von Polen-Ungarn (1326—1382) aus dem Haus Anjou entstanden. In der allgemeinen Verunsicherung kam es in Rom zum Aufruhr, der vom Adel geprägte Senat wurde gestürzt und eine Regierung der Dreizehnmänner eingesetzt. Man eilte diese Veränderungen dem Papst anzuzeigen und schickte als Abgesandten des Volkes den jungen Notar Cola di Rienzo nach Avignon. Seine an der klassischen Literatur geschulte Bildung und seine rhetorische Begabung empfahlen ihn ebenso zu diesem ehrenvollen Auftrag wie die Feindschaft, die er gegenüber dem Adel, den maßgebenden Familien, den Colonna und Orsini, hegte, von denen einer seiner Brüder erschlagen worden war.

Im Konsistorium vor Papst und den Kardinälen entledigte sich Cola seines Auftrags mit großer Gewandtheit, und nicht zuletzt die Freimütigkeit, mit der er über die Herrschaft und die gewaltsamen Übergriffe des Adels sprach, die die Stadt gleichsam unter sich aufgeteilt hatten, machte auf seine Hörer großen Eindruck [12] . Der Papst kündigte seinen Besuch an und ein Jubiläumsjahr 1350 als Unterstützung für die verarmte Stadt. In einem Brief nach Rom berichtete Cola überschwenglich von seinen Erfolgen [13] . Schon jetzt nannte er sich römischer Konsul und einziger Volksabgesandter der Waisen, Witwen und Armen [14] . Cola blieb noch einige Zeit in Avignon und schloss hier Freundschaft mit Petrarca, — an den damals geschlossenen Bund erinnerte sich Petrarca später ausdrücklich, als Cola di Rienzo 1352 als böhmischer Gefangener nach Avignon zurückkehrte [15] . Beide verband die Liebe zur alten Größe Roms und eine scharfe Ablehnung der Adelsherrschaft, die nach ihrem Verständnis für den gegenwärtigen Zustand Roms verantwortlich war: einer heruntergekommenen Mittelstadt von vielleicht 30 000 Einwohnern, wirtschaftlich unter der Abwanderung des päpstlichen Hofes leidend und in der Entwicklung weit hinter den oberitalienischen Städten zurückgeblieben. Gemeinsam war beiden die Idee, Rom sei unter der Herrschaft des Volkes zu alter Größe zurückzuführen. In weiteren Zusammenkünften mit dem Papst zeigte sich Clemens VI. von den Ideen des Cola di Rienzo beeindruckt, so dass er ihn unter seine Familiaren aufnahm, obwohl ein Teil seiner italienischen Kardinäle wie Petrarcas Mäzen Johann Colonna an den Reden des römischen Abgesandten wenig Gefallen fand. Clemens VI. gewährte Cola das Amt eines städtischen Notars mit dem monatlichen Gehalt von fünf Gulden, mit dem nun die öffentliche Laufbahn Cola di Rienzos in Rom begann [16] .

Zurückgekehrt begann Cola in Rom für seine politische Idee zu werben, Größe und Glanz des antiken Rom öffentlich und publizistisch sehr wirksam dem gegenwärtigen Elend gegenüberzustellen. In der eingefallenen Lateranbasilika, San Giovanni in Laterano, war ihm eine Bronzetafel aufgefallen, die einst zum Bau eines Altares verwendet worden war. Es war ein Inschriftenfragment, die Lex regia, mit der Kaiser Vespasian vom Senat das Imperium übertragen worden war. Diese Tafel ließ Cola im Chor der Lateranbasilika neu einmauern und ringsrum eine Malerei erstellen, die den römischen Senat darstellte, wie er Vespasian die Kaisergewalt übertrug [17] . Vor dem Kunstwerk nun hielt der Notar Adel und Volk eine Ansprache über die Volkssouveränität und über die vergangene Herrlichkeit eines Senats, der die Kaiserwürde verleihen konnte. Derartige neue Staatsideen und ihre Visualisierung im öffentlichen Raum waren seit einigen Jahren in den oberitalienischen Städten in Mode gekommen. Als Wandgemälde oder Raumschmuck führten eine klare symbolische Sprache [18] . Die Darstellungen korrespondierten mit den staatstheoretischen Abhandlungen, die in dieser Zeit am Hof Ludwigs des Bayern entstanden, thematisieren öffentlich als unmissverständliche Kritik an den gegenwärtigen Zuständen neue Entwürfe zum Verhältnis von Herrschaft, Gewalt und Gerechtigkeit [19] .

Die wohl eindrücklichsten Beispiele, die sich erhalten haben, sind das "Gute und das Schlechte Regiment" von Ambrogio Lorenzetti, der die Fresken für im Rathaus von Siena zwischen 1337—1339 schuf. Man brauchte keinen Prediger, nichtmals litterat zu sein, um diese Darstellungen zu verstehen [20] . Die Allegorie auf das Gute Regiment zeigt sozusagen die theoretische Grundlage einer friedlichen und guten Herrschaft: die Unterwerfung Aller, der Mächtigen und der Kleinen, unter das öffentlich Wohl im Geist der humilitas — dem Gegenteil der superbia. In einer von der humilitas geprägten Gemeinschaft führen ihre Dienerinnen, Friede, Eintracht, Klugheit und Mäßigung das Regiment. Eine herausgehobene Stellung nimmt die Iustitia ein, deren Richtspruch auch die Herrschenden band und die der Stadt geschriebenes Recht als Grundlage friedlichen Zusammenlebens übergibt. Die konkrete Wirkung eines Regiments unter der Herrschaft von Frieden und Gerechtigkeit zeigt ein zweites Fresko mit einer von Handel, Bildung und Spiel belebten Stadt und ihres contado. Dementsprechend gegenteilig dargestellt ist die Allegorie auf das Schlechte Regiment, die Tyrannis, die umgeben von Habsucht (avaritia) und Ruhmsucht (vana gloria), bekrönt vom Hochmut (superbia), mit ihren Dienerinnen, den Lastern, alles Leben in dem in dunklen Farben gehaltenen Fresco erdrückt. Die direkte Folge sind Krieg, divisio, Grausamkeit, Zerstörung. Die konkreten Auswirkungen des Schlechten Regiment sind leider aufgrund von Zerstörung kaum noch erkennbar, lediglich einige Bewaffnete, die auf Wehrlose einprügeln, lassen sich ausmachen. Die Anwendung mittelalterlicher Lasterlehren als politische Handlungsanweisung entsprach durchaus dem Zug der Zeit. Die avaritia und die superbia als movens der Tyrannis hebt Petrarca in seinen Briefen ebenso hervor, wie Karl IV. sie an zentraler Stelle seiner Autobiographie behandelt: Er bietet hier den vollständigen Lasterkatalog und verweist speziell auf die avaritia, die den schlechten Herrscher auszeichne, wobei Karl IV. ganz selbstverständlich auf Beispiele unter seinen Kollegen verweist [21] . Die Idee, ein Regiment des populo unter dem Szepter von Gerechtigkeit und Eintracht durch zu setzten, lag also in der Luft, als sich Cola di Rienzo unter dem Druck unhaltbarer Zustände an die Verwirklichung dieser Vision machte. Das erklärt auch, die spontane Zustimmung so vieler oberitalienischer Kommunen zu den Umwälzungen der römischen Stadtverfassung nach der Revolution Colas zu Pfingsten des Jahres 1347.

Eine im Geheimen agierende Gruppe von Aufständischen begann unter Colas Führung den Sturz der regierenden Adelsclique zu planen. Gleichzeitig verfiel das Königreich Neapel in Anarchie, als die Königin Johanna im September 1345 ihren jungen Gemahl Andreas kurz vor dessen Krönung zum König grausam ermorden ließ. Nun war zudem ein Rachezug des Bruders des ermordeten Königs, Ludwig I. von Polen-Ungarn, zu erwarten — also wiederum Krieg. Als Cola 1347 die Macht in Rom ergriff, schien kein Eingreifen übergeordneter Kräfte möglich: Die Kaisergewalt war seit langem durch den Kirchenbann über Ludwig den Bayern gelähmt, der zudem von dem päpstlich gestützten Gegenkönig Karl bedrängt wurde. Der Papst stand seinerseits im Schatten der Krone Frankreichs und der französische König Philipp VI. verwickelte sich mit dem Ausbruch des Hundertjährigen Krieges in schwerwiegende Auseinandersetzungen mit dem englischen König Eduard III. Seit dem Sieg Eduards in Crecy 1346 geriet zunehmend in die Defensive. Von dieser Seite war keine Hilfe zu erwarten und die Zustände in Rom erschienen zunehmend unhaltbar: "Die Stadt war in der tiefsten Not. Alle Tage ward gekämpft; überall geraubt. Man schändete Nonnen selbst Kinder; man riss das Weib aus dem Bette des Mannes. Wenn die Arbeiter an ihr Werk gingen, beraubte man sie selbst vor den Toren der Stadt. Die Pilger plünderte und erwürgte man; die Priester waren Übertäter; jede Ungerechtigkeit zügellos. Es gab kein Heilmittel mehr; allen drohte Untergang. Recht hatte nur das Schwert; keine andere Hilfe als die Selbstverteidigung mit Sippen und Freunden" ;[22] .

Am 19. Mai 1347 luden Herolde das Volk bewaffnet auf das Kapitol, Cola di Rienzo betrat die Rednerbühne, sprach von Knechtschaft und Befreiung Roms. Er nahm den antikisierenden Titel "Tribun" an, weil er ein Mann des Volkes sei und den Ruhm des alten Tribunats wieder herstellen wolle. An seiner Seite stand der päpstliche Vikar Raimund von Orvieto — die neuen Umwälzungen verliefen unblutig. Viele Adelige verließen die Stadt, Cola erließ neue Gesetze, die den Handel sicherten und geordnete Verhältnisse herbeiführen sollten. Nicht zuletzt die Errichtung öffentlicher Kornspeicher, die den periodenhaft wiederkehrenden Hungersnöten Einhalt geboten, war eine segensreiche Neuerung für das Volk — eine Maßnahme, die in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts auch in den Städten nördlich der Alpen in Angriff genommen wurde. Die Kunde, Rom sei von den Tyrannen befreit und habe seine alte Freiheit wiederhergestellt, verbreitete sich schnell. Die Boten Colas trugen die Neuigkeit in die oberitalienischen Städte, die ihn auf breiter Linie unterstützten — und man bereitete sich sogar darauf vor, ein gemeinsames — sozusagen nationales Regiment in Italien zu errichten — ein wahrhaft revolutionärer Gedanke [23] . Boten erreichten die Höfe der Könige, wobei Cola die Rienzo Ludwig den Bayern und Karl IV. aufforderte, nach Rom zu kommen und sich über den Ursprung ihrer Kaiserwürde zu verantworten. Vor allem musste der Tribun die Zustimmung des Papstes gewinnen. Papst Clemens VI. beklagte zwar, dass die Veränderungen ohne seine Zustimmung vorgenommen worden waren, aber er bestätigte Cola di Rienzo und seinen Legaten Raimund als Rektoren der Stadt [24] . Er schickte Cola als Zeichen seiner Zustimmung ein mit Silber ausgelegtes Kästchen, auf dessen Deckel die Wappen Roms, des Tribuns und des Papstes abgebildet waren — symbolische Kommunikation von klarer Aussage.

Bereits Mitte Juni des Jahres 1347 schrieb Petrarca einen öffentlichen Brief an Cola und das römische Volk, in dem er die Freiheit Roms bejubelte und die großen Familien, die seit Jahrhunderten Päpste, Kardinäle und Senatoren hervorgebracht hatten als eine Bande Räuber und Eindringlinge titulierte. "Nicht römische Bürger", schreibt Petrarca, "nein, römische Machthaber werden sie geheißen" ;[25] . Petrarca distanzierte sich damit öffentlich nicht zuletzt von seinen Gönnern, der Familie Colonna. Später sollte er über seine einstigen Mäzenen sagen, dass er sie nicht nur geliebt, sondern in gleichsam vertraulicher Hingebung immer verehrt habe, teurer jedoch sei ihm die römische Republik, teurer Italien, teurer der allgemeine Frieden und die Sicherheit. Ideal und gelebte Realität standen immer in Spannung zueinander, doch hat Petrarca seine Ideen bis zuletzt unermüdlich propagiert und mit mächtigem Wort für sie gekämpft.

Das sich die Idee einer Wiederaufrichtung antiker Größe und Stadtsouveränität in den Augen ihrer Verfechter problemlos mit christlicher Weltsicht und tiefer Religiosität verbinden ließen, zeigt Petrarcas Bemerkung, als er Cola dafür rühmt, jeden Morgen vor allen Geschäften das Abendmahl zu nehmen und zwar mit großer Andacht (cum multa devotione) und gründlicher Gewissenserforschung. Bezeichnenderweise fährt Petrarca fort: "Sicher hätte auch Augustus dies getan, hätte er nur bis in unsere Epoche gelebt" ;[26] . Seine Würdigung Colas schließt Petrarca mit einem Lektüre-Ratschlag zum Gelingen seines großen Unterfangens: "Über den älteren Cato heißt es übrigens: Sie pflegten zur Flöte zu singen von Heldentaten ruhmvoller Männer. Dies verlange ich nicht, mir wird genügen, wenn in deiner Gegenwart häufig die römischen Annalen und Geschichtswerke wieder gelesen werden." Ganz bewusst empfahl Petrarca Cola die Lektüre antiker Historiographie als angemessene Voraussetzung für einen entschlossenen Aufbruch in die Zukunft. Fünf Jahre später erklärte er gegenüber Francesco Nelli: "Und indem ich das Vergangene anpries, mahnte ich ihn (Cola) zum Vollenden" ;[27] . Indem er — wie er es ausdrückte — "dem laufenden Cola die Sporen" gab, war er ehr als nur ein Ratgeber, sondern verband in gewisser Hinsicht das eigene Schicksal mit den Vorgängen in Rom. Aus dem Sommer des Jahres 1347 sind zahlreiche Briefe an Cola überliefert, mehr noch wurden geschrieben. Einige enthielten ganz praktische Ratschläge: "Gut heiße ich auch," schreibt er Ende Juli 1347, "dass von all jenen Briefen, die Du in irgendwelche Fernen fortschickst, Abschriften bei Dir zurückbleiben, damit den geschriebenen Worten die noch zu schreibenden entsprechen und du nötigenfalls die fremden mit den Deinen vergleichen kannst. Dass Du solches tust, verrät mir die Datierung deiner Briefe, wo du in grossartiger Weise unterschreibst: 'Im ersten Jahr nach der Befreiung der Republik.' Das schmeckt nach dem Vorsatz, die Annalen zu erneuern, dieser Ausdruck tröstet, gefällt und ermuntert" ;[28] .

Colas Regiment war in den ersten Monaten erfolgreich war und seine Maßnahmen trugen viel Stabilisierung der Verhältnisse bei, aber sein Verhalten nahm phantastische Züge an und vVor allem deshalb entwickelten sich die Dinge zunehmend kritisch. Ein Ritterbad in der Porphyrwanne, einst das mutmaßliche Taufbecken Kaiser Konstantins, die Forderung, Rom sei der einzig angemessene Sitz für den Papst und nur den römischen Bürgern sei es dem Recht nach erlaubt, die Kaiserwürde vergeben, ließen die Kurie ebenso aufhorchen und misstrauisch werden. Schwerer wog hier noch die Idee eines festen Bündnisses zwischen Rom und den mächtigen oberitalienischen Städten, das auf eine Einung Italiens ausgerichtet war [29] . Später sollte Petrarca aus einem geheimen kurialen Gutachten über diesen Versuch, die Städte zu einer gemeinsamen Willensbildung zu befähigen, zitieren: Man habe dies in Avignon als "keinesfalls vorteilhaft" eingeschätzt [30] . Wie brennend all die von Cola angeschnittenen Fragen waren und auch nördlich der Alpen für relevant gehalten wurden, läßt sich daran ablesen, dass man ausgerechnet in der Kanzlei des Luxemburgers Erzbischofs Balduin von Trier, die Edikte Cola di Rienzos sammelte. Karl IV. war mit der erzbischöflichen Kanzlei nicht nur verwandtschaftlich eng verbunden, sondern der führende Trierer Notar, Kanzleibeamte und Diplomat, Rudolf Losse (um 1310—1364), trat spätestens seit der Königswahl 1346 in die Dienste Karls IV. und nahm mehrfach Gesandtschaften für ihn wahr .[31] Mit den Ideen und der Sprache Colas war Karl IV. also vermutlich schon vertraut, bevor dieser 1350 nach Prag floh. Vieles, wie die gerechte, auf Gesetze begründeten Herrschaft, die Abkehr von Habsucht und die Errichtung eines allgemeinen Friedens wird ihn mit Cola di Rienzo verbunden haben, anderes, wie dessen Meinung vom Ursprung der Kaiserwürde dagegen, musste ihn misstrauisch stimmen.

An den römischen König wandte sich Papst Clemens VI. dann auch direkt, als man sich in Avignon zum Sturz des Tribunen entschloss [32] . Clemens legte Karl IV. im Februar 1348 die Gründe dar, weshalb man Colas Regiment über Stadt Rom nicht länger zu dulden bereit war. Zu einer Verständigung mit dem römischen Köng werden ihm nicht zuletzt die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte geraten haben, als der Hof Ludwigs des Bayern den gebannten Gegnern der Kurie festen Rückhalt bot. Die vorgebrachten Argumente sind äußerst geschickt so zugeschnitten, dass Cola sich sowohl der Missachtung päpstlicher als auch kaiserlicher Rechte schuldig gemacht hatte. Clemens VI. bemühte sich sogar zu erklären, warum man den einstigen Familiaren jetzt fallen ließ. Charakterliche Mängel hätten den nicht zum Herrschen geborenen Tribunen hochmütig gemacht. Die veränderte Haltung der Kurie zeigte sich öffentlich zuerst an der Behandlung von Colas Boten. Lange hatte man sich vor ihnen verbeugt, jetzt vergriff man sich an ihnen, zerbrach den silbernen Botenstab, vernichtete die Briefe. "An der Durance gefangen," schreibt Petraca an Cola Anfang September 1347, "gequält, geschlagen und am Betreten der Stadt (Avignon) gehindert, ist dein Bote, der auch Drohungen samt Hieben und Wunden wegträgt, mit blutigem Schädel zu deinen Füßen zurückgekehrt" ;[33] . Der römische Adel und der Papst arbeiteten gemeinsam auf den Sturz des Tribunen hin. Am 3. Dezember erging eine Papstbulle an das römische Volk, Cola sei als Frevler, Heide und Ketzer gebrandmarkt. Ein Volksaufstand zwang den Tribun schließlich zur Flucht in die Engelsburg, später floh er weiter in die Abruzzen, wo er sich bei den Franziskanerspiritualen zu einem asketischen Eremitenleben zurückzog. Der Abgang des Tribuns ließ eine verwirrte, unregierbare Stadt zurück. Im nächsten Jahr brach die Pest aus und hier wie in den meisten Städten begrub man wohl zwei Drittel der Bevölkerung. Am 9. und 10. September des Jahres 1348 bebte die Erde in Rom, so dass der Lateran einfiel und die Basilika der zwölf Apostel sowie viele Geschlechtertürme einbrachen. Die Preise stiegen, ebenso die Arbeitslöhne, eine völlige Umwandlung aller Vermögensverhältnisse und eine Veränderung der Lebensformen waren die Folge — zu geordneten Verhältnissen vermochte man aus eigener Kraft nicht mehr zurückzukehren. Es ist nicht erstaunlich, dass als Folge dieser Erfahrungen apokalyptische Vorstellungen an Bedeutung gewannen.

III. Cola di Rienzos Flucht nach Prag

Mit einer Mischung aus endzeitlichen Weissagungen und revolutionären Ideen wandte sich Cola die Rienzo an den römischen König — wie Clemens VI. es wohl vorausgesehen hatte. Cola erschien als Flüchtling in Prag, eben zu Zeit als Karl IV. einen Romzug und die Krönung zum Kaiser erwog, da er jetzt nach der Versöhnung mit den Erben Ludwigs des Bayern im Besitz der Reichsinsignien war. Angesichts der ungesicherten Lage in Italien und der Abwesenheit der Kurie von Rom, reagierte man in Avignon allerdings vorsichtig auf die Ambitionen des römischen Königs: Wenn es Karl gelang, das Machtvakuum in Rom auszufüllen, war die päpstlichen Machtstellung in Italien in Gefahr. So warnte Clemens VI. 1350 seinen Kardinallegaten in Italien davor, in eventuellen Verhandlungen, die Frage der Kaiserkrönung auch nur zu berühren. Umso gefährlicher musste hier ein Bündnis zwischen dem Extribunen und dem römischen König erscheinen, vor allem wenn Karl die Ideen vom Ursprung der Kaiserwürde im römischen Volk aufgreifen sollte und diese zu machtvoller Realität werden ließ.

Die Lage Karls war somit schwierig genug, als Cola im Juni 1350 zunächst verkleidet in Prag erschien, um sich dann aber bald als der römische Tribun zu erkennen zu geben, von dem alle Welt geredet hatte. Es war nicht einer der geringsten Vorwürfe gegen Ludwig den Bayern gewesen, dass er den Gebannten an seinem Hof Zuflucht geboten hatte und eine Konfrontation mit dem Papst konnte die Chance auf eine Kaiserkrönung rasch zunichte machen. Nicht weniger problematisch war es, sich dem Urteil der Kirche jetzt ohne weiteres anzuschließen. Der römische Extribun hatte ihn um Asyl gebeten, er besaß noch viele Anhänger in Rom und war somit ein Informant ersten Ranges. Vielen alt er nach wie vor als Symbol für Frieden und Freiheit. Im Reich würde man die Reaktion des römischen Königs sicherlich genau im Auge behalten — würde er dem Papst in allem willfährig sein, sich als "Pfaffenkönig" erweisen, als den ihn seine Gegner schmähten? Bei dieser Frage ging es also nicht zuletzt um Karls Autorität und Integrität als Herrscher.

Karl IV. hat Cola di Rienzo in Prag würdig empfangen und ihm ehrenvoll Audienz gewährt — um ihn dann in Gewahrsam zu nehmen. "Der Extribun", so urteilt der nach wie vor beste Kenner der Geschichte Roms — Ferdinand Gregorovius — "war der seltsamste Abgesandte, welcher jemals aus Italien vor einem König der Römer erschien" ;[34] . Der Prager Hofchronist Benesch von Weitmühl († 1375) beschrieb seine Ankunft: Ein Mann aus Rom von großer Gelehrsamkeit sei gekommen, ein begabter Schriftsteller, der sich als von Gott gesandter Bote bezeichnet habe. Zu seiner Zeit sehr mächtig, habe aber derselbe Mann — man war sich dessen am Prager Hof also sehr wohl bewusst — es einst dreist gewagt, Ludwig von Bayern und Karl vor sich nach Rom zu zitieren, um den Urspung ihrer Kaiserwürde zu prüfen [35] . In seinen Edikten habe er sich als der Tribun Nikolaus, Ritter des Heiligen Geistes und mit vielen Kronen gekrönt, bezeichnet. Im Rat Karls und des Prager Erzbischofs Ernst von Pardurbitz hätten sich jedoch die Irrtümer des Italieners erwiesen und deshalb sei er auf der Burg Raudnitz inhaftiert worden. Es ist aufschlussreich für Karl IV. und seinen Kreis, dass man sich über die Ideen dieses Mannes, auch wenn er bereits inhaftiert war, genauen Aufschluss verschaffen wollte — man forderte Cola zur Niederschrift auf. Diese Denkschriften sind eine eigenartige Mischung aus apokalyptisch gefärbten Weissagungen, vom nahen Reich des heiligen Geistes und der Aufgabe Rienzos als Vorläufer des Kaisers in Rom [36] . Wie es vorauszusehen war, bot er sich Karl als Helfer an — er selbst könne ihm der Schlüssel zur Macht in Italien sein. In einer Nachschrift notierte man die Weissagung des Exilanten, der regierende Papst werde innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre sterben [37] — eine Vorrausage, die mit dem Tod Clemens VI. 1352 dann tatsächlich eintraf. Hörte man dies in Prag schon mit Unbehagen, so war anderes noch schwieriger. Cola teilte dem König unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit, er selbst sei ein unehelicher Sohn seines kaiserlichen Großvaters Heinrich VII .[38] . Sie seien in naher Verwandtschaft verbunden, da Heinrich VII. im elterlichen Hospiz am Tiber sich der Umarmung seiner Mutter erfreut habe — doch fügt er hinzu, Karl brauche sich dessen nicht zu schämen. Zum Schluss wird Cola wieder ganz realistisch: Der König möge die ihm winkende Kaiserwürde annehmen, seine Aussagen prüfen und sich schnell entscheiden — damit ihm nämlich die reichen Einkünfte des vom Papst ausgerufenen Jubeljahres nicht entgingen! Karl würdigte diese Ausführungen einer Antwort: Gottes Ratschluss sei unerfindlich, weshalb er ihm leider kein Wort glauben könne [39] . Den Tod eines Papstes oder die Wiederkunft des heiligen Geistes voraus zu sagen, sei eindeutig schriftwidrig — somit Häresie. Die Frage seiner Abkunft überlasse er Gottes Entscheidung, schließlich seien ja alles Menschen Gottes Geschöpfe. Politisch relevant ist Karls abschließende Bemerkung über die Zustände in Italien: So bedauernswert die Lage Roms sich darbiete, Gottes Geboten müsse er zuerst gehorchen, dann erst denen der Menschen. Rienzo möge seine frühere Stellung vergessen und bedenken, dass alles Irdische Staub und vergänglich sei. Das war weniger politisch motivierte Rede als vielmehr Karls Grundüberzeugung, die er immer wieder eindrucksvoll zum Ausdruck brachte. Sein religiös gebundenes und tief durchdachtes Weltbild gaben ihm klare Vorgaben für sein herrscherliches Handeln. Seine Auffassung von Herrschaft und die Erfahrungen seiner Jugendjahre in Oberitalien ließen ihn gegenüber einer Kaiseridee unempfindlich werden, die noch seinen Großvater, Heinrich VII., dazu getrieben hatten, die reale Herrschaft über Italien anzustreben. Heinrich VII. hatte sich ihn in lange Kämpfen mit den italienischen Metropolen verwickelt, die ihm schließlich einen frühen Tod brachten. Karl dagegen war der Überzeugung, dass Gott ihm — gegen alle menschliche Voraussicht — die Herrschaft über die Menschen anvertraut hatte, damit er die irdischen Verhältnisse, und zwar zu aller erst über die Böhmen, befriede und die christlichen Normen wieder zur Geltung bringe [40] . Diese Aufgabe war nur in Übereinstimmung mit dem Papsttum und nicht gegen dieses zu lösen, das hatten die Jahre unter Ludwig dem Bayern klar gezeigt. Ohne friedliche Übereinkunft zwischen den beiden Gewalten, Papst und Kaiser, war der täglich drohende Krieg nicht einzudämmen, konnten Konflikte nicht friedlich beigelegt werden. Diese Einstellung vertrat Karl unabhängig davon, wie der Papst als Person oder die Kurie als Institution ihre Aufgabe als geistliche Universalgewalt lösten. Denn als notwendige Instanz zwischen Gott und dem Kaiser hat Karl IV. den Papst nämlich keinesfalls betrachtet: Das zeigt nicht nur die faktische Zurückweisung päpstlicher Approbationsansprüche in der Goldenen Bulle, sondern vor allem die Darlegung vom Ursprung seiner Herrschaft im Proömium der Maiestas Carolina, seines böhmischen Gesetzbuches: Gott als Schöpfer aller Dinge, als summus opifex habe ihm als König die ordnende Macht und die richterliche Gewalt übertragen, um die durch den Sündenfall in Verwirrung, Krieg und Unheil geratene Welt durch Einsicht und gerechtes Handeln zu gottgewollter Ordnung zurückzuführen [41] . Für den Papst ist in diesem Entwurf kein Platz, er wird auch hier nicht erwähnt. Wie wenig Karl klerikaler Vermittlung bei der Erfüllung seiner Aufgaben bedurfte, zeigt auch das ikonographische Programm seiner Burg Karlstein, wo er sich hohe geistliche Handlungen vollziehend darstellen ließ, wie etwa die Kreuzerhebung zusammen mit seiner Gemahlin, vermutlich in Rückgriff auf das kaiserliche Vorbild Konstantin und Helena [42] . Karls selbstbewusster Zugriff auf die geistliche Sphäre beweist nicht zuletzt seine Autobiographie, in der er nicht nur eigene Bibelauslegungen schriftlich festhielt, sondern die schwierigsten Themen des christlichen Dogmas behandelt: die Frage nach menschlicher Schuld und Erlösung, nach Ziel und Aufgabe des Menschenlebens — Fragen, die nach kirchlicher Auffassung ausgebildeten Theologen vorbehalten waren. Seinen persönlichen Weg zum christlichen Heilversprechen formulierte Karl IV. ohne Zwischeninstanz.

Indem Karl die Kurie in Avignon von dem Christentum mit seinem für den Menschen notwendigen Heilsversprechen trennte, konnte er Papst und Kardinälen ganz nüchtern als politischer Macht begegnen. Die Kurie wird bei allem Vertrauen, das zwischen ihm und Clemens VI. in ihrer Jugendzeit bestanden hatte, kaum seinen Vorstellungen von der Vertretung Christi auf Erden entsprochen haben. Seine herrscherlichen Entscheidungen hat er offenbar anhand von Kriterien getroffen, die seiner Auffassung nach der Gott gewollten Ordnung entsprachen, da nur sie Bestand haben konnten [43] . Diese Sicht auf die Welt ließ ihn andere Prioritäten setzen als seine Vorgänger und sie hat ihm offenbar sicher die Grenzen menschlicher Macht aufgezeigt. In dieser Beschränkung lag vielleicht seine größte Stärke. Den Verlockungen der Parteien und hochfliegenden Plänen der Ideologen konnte er mit nüchterner Einschätzung der Lage begegnen. Diese kühl abschätzende Politik haben die Historiker stets an ihm hervorgehoben und sie mit einiger Verwunderung Karls tiefer Religiosität gegenüber gestellt. Aber die aus antiken und christlichen Elementen geformte mittelalterliche Morallehre, die dem 'Guten Regiment' Lorenzettis zu Grunde lag und auf die sich auch Karl IV. in seiner Autobiographie bezog, forderte vom Menschen gerade den Abstand zur irdisch vergänglich Welt mit ihren Verlockungen und propagierte ein Handeln, das sich an den christlichen Normen orientierte.

Mit Petrarca und Cola di Rienzo verband Karl die ernste Suche um Lösungen in einer als zutiefst falsch empfundenen Welt, die Liebe zu Augustinus und die hohe Bedeutung, die er der Bildung und dem Recht, als Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben beimaß. Mit Petrarca verband ihn insbesondere der ernste Versuch, die verwirrende und widersprüchliche Realität gedanklich durchdringen zu wollen, um die dahinter liegenden Prinzipien erkennen und die Verhältnisse zum Besseren wenden zu können [44] . Diese Suche hatte beide zu ganz verschiedenen Ergebnissen geführt, an denen sie ihr Leben lang festhielten. Unannehmbar musste für den König jedoch die Auffassung der Humanisten sein, das Herrschaft profanen Ursprungs sein, vom Volk ausgehen und von diesem verliehen werden konnte. Die Ideale und Visionen Petrarcas und Colas verwiesen gleichzeitig weit in die Vergangenheit und weit in die Zukunft und waren damit ihrer mittelalterlichen Umwelt gleicherweise fremd. Karls Auffassungen dagegen entsprachen nicht nur dem mittelalterlichem Denken, sondern auch der ständisch geprägten Gesellschaft in ihren vielschichtigen gewachsenen Institutionen, den geistlichen wie den weltlichen. Aus diesem Grund konnte er letztlich auch so viele Schichten der Gesellschaft hinter sich versammeln. Seine eigenständige Suche nach Lösungen ermöglichte es ihm wohl auch, die Stimmen der Humanisten als ernst gemeinte Aufrufe zur Rettung des Erdkreises gelten zu lassen, denn im Umgang mit Petrarca und letztlich auch mit Cola di Rienzo zeigte Karl immer wieder eine — und trotz spürbarer innerer Distanz — erstaunliche Souveränität.

Wiederholt bekam Cola di Rienzo Gelegenheit vor dem Herrscher und seinen Getreuen seine Ideen auszubreiten. Insbesondere mit zwei Vertrauten Karls, dem in Italien ausgebildeten Rechtsgelehrten und Mitgründer der Prager Universität, dem Erzbischof Ernst von Pardubitz [45] und dem literarisch ambitionierten Kanzler Karls IV., Johannes von Neumarkt (1315-1380 )[46] , nahm Cola selbst brieflich Kontakt auf [47] . Selbst herausragende Gestalten mit eigenem intellektuellem Profil, stießen Colas Berichte bei ihnen auf Interesse und mit diesen kaiserlichen Räten korrespondierte später auch Petrarca. Die Kanzlei eines Johann von Neumarkt hat der Tribun wohl sogar mit seiner Rhetorik beeinflusst. Auch Dante scheint bei dieser Gelegenheit als Theoretiker dem Prager Hof vermittelt worden zu sein, und zwar mit einer Abschrift seines päpstlich verurteilten Traktats "Über die Monarchie", die damals vermutlich Cola di Rienzo für einen böhmischen Auftraggeber anfertigte.

Im Februar 1351 wandte sich Petrarca dann in seinem ersten Brief an Karl IV. und dieser Brief ist sicher ein Meisterwerk europäischer Briefkunst [48] . Geschickt verbindet Petrarca sein hoch-idealistischen Anliegen mit einer ganz persönlichen Ansprache an einen Herrscher, selbstbewusst, aber die Würde seines Gegenübers wahrend, unterbreitet Petrarca dem römischen König seine Pflicht, ohne Verzug nach Rom zu kommen und das Werk des Großvaters vollenden, das diesem durch den Tod unfertig den Händen entglitten sei. Es gelte die Kaisergewalt in Italien wieder aufrichten: "Keine Sorge von allen heiligen und größten Pflichten," schreibt er, "kann schwerer wiegen, als dass Du den italienischen Erdkreis im Frieden einst" ;[49] . So stellte sich Petrarca wiederum an die Seite Colas. Eindrücklich schildert er Rom als alten Matrone, als eine von allen verlassenen Witwe, mit ergrautem Haar, zerrissenem Mantel und trauriger Blässe. Er läßt die Stadt eingedenk ihrer alten Würde direkt zum König sprechen: Ihre ganze ruhmreiche Geschichte laufe auf ihn, Karl zu, nie habe eine Stadt mehr auf einen Herrscher gewartet als jetzt Rom. Der Antwortbrief Karls, der den Dichter allerdings erst drei Jahre später erreichte, ist nicht weniger elegant — man hat vermutet, der in Prag gefangene Cola di Rienzo habe beim Abfassen Hilfe geleistet [50] . Gegenwart und Vergangenheit, schreibt Karl, muss man sorgfältig gegeneinander abwägen: Sic igitur, amice, opus est cum presentibus elapsa pensare." Alles eher anzuwenden als das Eisen verlangen die Ärzte und haben sich die Cäsaren angewöhnt. "Ein den göttlichen Plänen nicht widerstrebendes menschliches Planen", schreibt Karl IV., "lassen wir in uns zur Einsicht reifen" ;[51] .

Auf der Basis der aus Avignon eingetroffenen Prozessakten verkündete der Prager Erzbischof Ernst von Pardubitz im Sommer des Jahres 1352, Cola sei der Ketzerei für schuldig befunden worden, und Karl IV. überantwortete hierauf im Juli seinen Gefangenen den päpstlichen Boten. Schon auf der Reise nach Avignon strömte viel Volk zusammen und schwor dem Extribunen Unterstützung. In Avignon angekommen, fragte Cola nach Petrarca. Der Dichter war in Vaucluse, wandte sich aber öffentlich und schriftlich um Rettung seines einstigen Gefährten an die Römer, die er bat, Cola als Regenten der Stadt zurückzufordern. Wenngleich er Cola nicht verzeihen konnte, dass dieser im Herbst 1347 nicht männlich für seine Ideale auf dem Capitol gestorben war, sondern stattdessen die Flucht ergriffen hatte, so hielt er doch unverwandt an ihren gemeinsamen Idealen fest. In dieser ungewissen Situation starb Clemens VI., aber auch der neue Papst Innozenz VI. (1352—1362) schreckte vor einer Verurteilung zurück. Petrarca merkt an, das Volk verehre Cola als Dichter — und das käme ihm um dessen Rettung willen entgegen — allerdings habe der gute Mann bislang noch nicht einen einzigen Vers verfasst ![52]

Schließlich schickte Innozenz VI. Cola di Rienzo an der Seite des überaus tatkräftigen und umsichtigen Kardinals Albornoz (1295—1367) nach Italien zurück, der ihn auf Verlangen der Römer tatsächlich wieder als Regenten der Stadt einsetzte. Vermutlich wusste man in Avignon, dass Cola seine neue Aufgabe nicht lange überleben würde. Noch einmal emanzipierte er sich gegen marodierende Söldnerbanden in der Stadt, geriet aber bald durch politisch motivierte Morde am römischen Adel in Misskredit. Ein Putschversuch der Colonna hatte jetzt Erfolg. Cola di Rienzo wurde 1354 bei einem gewagten Fluchtversuch im Tumult erkannt und erschlagen.

IV. Petrarca und Karl IV.

Die grundsätzlichen Positionen, die Karl IV. und Petrarca in den Kämpfen um Rom und Italien eingenommen hatten, veränderten sich nicht mehr. Aber den einmal geknüpften Faden ließ man dennoch nicht abreißen. Zwischen dem Kanzler Karls, Johann von Neumarkt, Karl selbst und Petrarca entspann sich ein brieflicher Austausch. Es ging immer wieder um Italien, der römische König solle mit ordnender Hand kommen. Eine Kostprobe davon: Auf Karls abwehrenden Einwand, er wisse nicht "was für ein Ungetüm das Imperium ist" ;[53] , antwortet Petrarca den Ausspruch wiederholend: "Das war ja die zweite Deckfarbe für deine Ausflüchte. Weshalb Du diesen Ausspruch dem Augustus in den Mund legst, wundert mich, da er von Tiberius stammt. Mag sein, dass deine Sorge um gegenwärtige Geschäfte die Erinnerung an die Vergangenheit vernebelt oder dass Du gemäß einem weitverbreiteten Wortgebrauch jedweden Imperator ebenso gut als Cäsar wie als Augustus bezeichnest" ;[54] .

Ende des Jahres 1354 brach Karl IV. tatsächlich zur Kaiserkrönung nach Italien auf und es kam zu einer Begegnung in Mantua. Petrarca berichtet von diesen Treffen an seinen Freund Lello di Pietro: "Bisweilen haben wir, bloß zu zweit, die ganze Nacht mit Sprechen und Plaudern verbracht" ;[55] . Man stritt engagiert über die richtige Lebensform, ob das Leben der Tat, das Karl propagierte, dem kontemplativen Leben in Einsamkeit, dem solitären Leben Petrarcas, vorzuziehen sei. Bis zur Abreise konnte man sich nicht einigen. Beide jedoch, bemerkt Petrarca humorvoll, gaben sich später Dritten gegenüber als Sieger aus. Mit einigem Stolz berichtet Petrarca, wie er dem künftigen Kaiser, sein eigentliches Anliegen mutig und ohne Scheu nahe gebracht habe: "Dieweil der Cäsar im Gespräch beiläufig das Büchlein mit dem Titel "Von ruhmvollen Männern" (De viris illustribus) forderte, antwortete ich, es sei noch nicht fertig und bedürfe der Zeit und Muße. Und als er sich dieses für eine spätere Zeit ausbedingen wollte, antwortete ich mit der Freiheit, deren ich mich im Umgang mit den Mächtigen eher aufgrund eines Vorsatzes als dank einer natürlichen Veranlagung bediene: "Beachte wohl, es sei dir versprochen, sofern dir bis dahin die Herrschertugend erhalten bleibe und mir das Leben." Und da er sich wunderte und sich nach dem Grund der Rede erkundigte, sagte ich: "Was mich betrifft, so schulde ich einem bedeutenden Werk die gehörige Zeit meines Lebens. Was aber dich betrifft, Cäsar so wisse, dass Du nur dann des Geschenks und des Buchtitels würdig bist, wenn du nicht bloß dank deiner glanzvollen Würde oder einem prunkenden Diadem, sondern auch durch Taten und Geistesgröße den ruhmvollen Männern einst gleichkommst und ein solches Leben geführt hast, dass Du selbst, nachdem du die Alten gelesen hast, von den Späteren gelesen wirst." Petrarca schenkte Karl einige antike Goldmünzen und berichtete, um ihn anzufeuern, vom Leben und Taten der Cäsaren. Bei der Krönung mit der langobardischen eisernen Krone am 6. Januar 1355 war Petrarca anwesend, doch schlug er es trotz inständiger Bitten aus, Karl nach Rom zur Kaiserkrönung zu begleiten. Petrarca verband mit dem Italienzug des Königs die größten Hoffnungen. Er wusste nicht, dass König und Papst sich längst über die Formalitäten einig geworden waren und vereinbart hatten, dass Karl nicht länger als allein den Krönungstag, dem 5. April, in Rom bleiben solle. Karl hielt sein Versprechen, besuchte aber vorher drei Tage lang die Stadt in den Gewändern eines Pilgers. Seine Kaiserwürde hat er später in Pisa vor allem dadurch demonstriert, dass er einen Schüler Petrarcas, Zanobi da Strada zum Dichter krönen ließ. Petrarca war über das wenig engagierte kaiserliche Verhalten in Italien tief enttäuscht — und was er von der verliehenen Dichterwürde hielt, kann man einer späteren Notiz entnehmen, als er Zanobi zwar als einen gelehrten und musisch begabten Mann würdigte, aber dessen Lorbeer für barbarisch erklärte. Nahezu unglaublich sei es, dass ein germanischer Richter gewagt habe, über geistige Fähigkeiten von Italienern zu urteilen. Dem überstürzten Abzug des frisch gekrönten Kaisers aus Italien "jagte" Petrarca "mit einem scharfen und hitzigen Brief" an ihn nach: "Ein hastiger Rückzug, der — um die Wahrheit zu sagen — so recht einer Flucht glich. Bisher ist durch keinen anderen Fürsten eine so große, so blühende, so reife und würdige Hoffnung freiwillig aufgegeben worden. Du aber, Herr des römischen Kaiserreichs, sehnst dich einzig nach Böhmen! Kaiser der Römer wirst Du heißen und bloß König von Böhmen sein" ;[56] . Hier nimmt die später von Aenea Silvio Piccolomini aufgegriffene Kritik ihren Anfang.

Petrarca stand in Diensten des Galeazzo Viskonti, als er gebetenwurde, den Kasier in Prag aufzusuchen. Im Sommer des Jahres 1356 war er einen Monat am Prager Hof. Von dieser Reise, deren politischer Nutzen gering blieb, sind fast nur Klagen geblieben. Eine beschwerliche Reise, die dunklen germanischen Wälder, das raue Klima. Die Hofgesellschaft in Prag rühmt er — zwar nicht einer überragenden Bildung, aber ihrer liebenswürdigen Umgangsformen wegen [57] . Johann von Neumarkt wird wieder mit einem Lob seiner Redegewandtheit bedacht, doch klingt es ein wenig bemüht [58] . Tiefer gestaltete sich offensichtlich das Verhältnis zu Ernst von Pardubitz. Petrarcas Zeilen an ihn zeugen von scherzhaft freundlichem Umgang, der auch den Ton der Humanisten untereinander prägte: "Ich weiß noch, wie liebevoll Du mir immer wieder das Gleiche gesagt hast: "Du tust mir leid, mein Freund, weil Du zu den Barbaren gekommen bist." Ich erklärte aber, dass ich nie etwas gesehen habe, dass weniger barbarisch wäre und was noch menschlicher als der Cäsar und einige der bedeutendsten Männer seiner Umgebung. Ihre Namen verschweige ich jetzt mit Absicht. Bedeutendste Männer, sage ich, und ausgezeichnete, würdig eines längeren Gedenkens. Und was dazu gehört: überaus freundliche und umgängliche, ganz als wäre sie im attischen Athen geboren worden" ;[59] .

Petrarca hielt seine Kontakte zum Kaiserhof in Prag aufrecht, schrieb Briefe und schickte auf Wunsch auch Traktate. 1357 ernannte Karl Petrarca zum kaiserlichen Pfalzgrafen und vier Jahre später, 1361, bat er ihn eindringlich zu sich nach Prag. Petrarca wehrte ab, würdigte aber ein Dokument, um dessen Begutachtung Karl ihn gebeten hatte: Das berühmte Privilegium maius von 1359, mit dem der österreichische Herzog Rudolf IV. von Habsburg, die Erhöhung seines Hauses suchte, da ihm in der Goldenen Bulle die Vorrechte eines Kurfürsten versagt worden waren. "Lahm ist die Lüge, leicht lässt sie sich ertappen" urteilt der Dichter in seiner philologischen Untersuchung des gefälschten Privilegs [60] . Zum Beweis exzerpiert Petrarca Anreden aus Cäsars echten Briefen, die stilistisch kaum mit der Titulatur des Privilegium maius zu vereinbaren waren. "Ich könnte gründlicher verfahren. Du erkennst den Stil. Denn wenn sich Julius Cäsar hier Augustus nennt, ist das nicht nur falsch, sondern auch lachhaft; wer würde das nicht erkennen. Dass erst von seinem Nachfolger dieser Titel eingeführt wurde, das glaubte ich allen Kindern, die auch nur an die Schwelle der Schule gelangt sind, bekannt zu sein" ;[61] .

Karl IV. und Petrarca trafen sich noch einmal auf dem zweiten Romzug des Kaisers. Papst Urban V. (1362—1370) residierte bereits vorübergehend wieder in Viterbo [62] , als Petrarca dann den Kaiser Ende Mai des Jahres 1368 in Undine begrüßte. Beide waren jetzt nüchterner und ermüdet, die Zeit hatte für die Probleme Italiens noch keine Lösung gebracht. Am Ende des lang ersehnten Besuchs blieb, trotz der Krönung von Karls Gemahlin Elisabeth zur Kaiserin und eines harmonischen Schauspiels in Rom an der Seite des Papstes, der Italienaufenthalt Karls IV. ohne großen Gewinn.

Karl IV. und Petrarca verband ein tiefes Bemühen und der unerschütterliche Glaube an einen Neuanfang. Der rückblickenden Kritik Piccolominis an Karls Kaiserherrschaft hätte Petrarca wohl zugestimmt, aber Karl hätte wie bei ihrem Streitgespräch über die richtige Lebensform sicher energisch widersprochen. Was die Vergänglichkeit der Taten der Mächtigen betrifft, so stimmte jedoch Bert Brecht fast sechshundert Jahre später dem Kaiser von ganz anderer Warte aus unvermutet zu. Aber ohne Karls unermüdliches Wirken in Prag wäre es wiederum gar nicht erst zu dem Lied von der Moldau gekommen:

Bertold Brecht: Das Lied von der Moldau

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und gehen sie einher auch wie blutige Hähne
Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.

Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag
Das Große bleibt groß nicht und kein nicht das Kleine
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag!

Fußnoten

[1] Karlheinz Stierle, Francesco Petrarca. Ein Intellektueller im Europa des 14. Jahrhunderts, Wien 2003, S. 57—60. Vgl. zuletzt Petrarca und die Geschichte. Geschichtsschreibung, Rhetorik, Philosophie im Übergang von Mittelalter zur Neuzeit, 2. Aufl., 2004 (Humanistische Bibliothek 1); und die Begleitpublikationen der Ausstellungen 700 Jahre Petrarca. Eine Ausstellung der Hessischen Landesbibliothek Wiesbaden, 2. März bis 22. Mai 2004, Wiesbaden 2004; Petrarca in Deutschland. Ausstellung zum 700. Geburtstag (20. Juli 2004) im Goethe-Museum Düsseldorf in Zusammenarbeit mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 18. Juli bis 12. September 2004, Heidelberg 2004.
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[2] Vgl. Iris origo, "Im Namen Gottes und des Geschäfts. Lebensbild eines toskanischen Kaufmanns der Frührenaissance, München 1985.
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[3] Aeneae Sylvii Chronicon Bohemiae, Fontes rerum Bohemicarum 7 (1907) S. 123f. Die Neuausgabe Historia Bohemica Enea Silvio. K vydání pripravili a z latinského originálu prelozili Dana Martínková Úvodní studii napsal Frantisek Smahel, Prag 1998, war mir leider nicht zugänglich.
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[4] Berndt Hamm, Normative Zentrierung im 15. und 16. Jahrhundert. Beobachtungen zu Religiosität, Theologie und Ikonologie, in: ZHF 26 (1999) S. 163—202.
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[5] Eva Schlotheuber, Kirchenkritik und Reform. Jan Hus und Jean Gerson — zwei unterschiedliche Reformer des 15. Jahrhunderts, in: Denkweisen und Lebenswelten des Mittelalters. Münchener Kontaktstudium für Geschichtslehrer, hg. von Eva Schlotheuber unter Mitarbeit von Maximilian Schuh, München 2004, S. 121—139.
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[6] Karls Bemühungen um den Ausbau Prags hatte schon der Hofchronist Benesch von Weitmühl im Wesentlichen zusammengestellt; Benesch von Weitmühl, Cronica ecclesiae Pragensis (Chronicon Benessii de Weitmil), in: Fontes Rerum Bohemicarum, Bd. IV, hrsg. von Josef Emler, Prag 1884. 457—548, hier S. 516. Vgl. dazu Frantisek Graus, Prag als Mitte Böhmens, in: Zentralität als Problem der mittelalterlichen Stadtgeschichtsforschung, hg. von Emil Meynen, Köln/Wien 1979 (Städteforschung A/8), S. 22—47; Die Parler und der schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern. Ein Handbuch zur Ausstellung des Schnütgen-Museums in der Kunsthalle Köln, hg. von A. Legner, Köln 1978, 3 Bde.; Vgl. Ernst Eichhorn, Karl IV. und die Parlergotik in Franken und Böhmen, in: Frankenland 49 (1997) S. 32—42.
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[7] Franz Machilek, Klöster und Stifte in Böhmen und Mähren von den Anfängen bis in den Beginn des 14. Jahrhunderts, in: Deutsche in den böhmischen Ländern, hg. von Hans Rothe, Köln 1992, S. 1—27; mit instruktivem bibliographischem Anhang.
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[8] Clarus profecto imperator, nisi Bohemici regni gloriam magis quam Romani imperii quesivisset, Chronicon Bohemiae (wie Anm. 3) S. 124.
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[9] Vgl. dazu Beat Frey, Pater Bohemiae - Vitricus imperii. Böhmens Vater, Stiefvater des Reichs. Kaiser Karl IV. in der Geschichtsschreibung, 1978.
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[10] Vgl. Ronald G. Musto, Apocalypse in Rome. Cola di Rienzo and the politics of the New Age, Berkeley 2003; und die Biographie des Tommaso di Carpegna Falconieri, Cola di Rienzo, Roma 2002; Mario Emilio Cosenza, Petrarch, the revolution of Cola di Rienzo, 2. durchges. Aufl. 1986.
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[11] Vgl. Ralf Lützelschwab, Flectat cardinales ad velle suum? Clemens VI. (1342—1352) und sein Kardinalskollegium. Ein Beitrag zur kurialen Politik in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Dissertation FU Berlin, 2003.
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[12] Briefwechsel des Cola di Rienzo, hg. von Konrad Burdach und Paul Piur, Berlin 1929 (vom Mittelalter zur Reformation II, 5) Nr. 1, S. 3—15.
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[13] Briefwechsel des Cola di Rienzo, hg. von Konrad Burdach und Paul Piur, Berlin 1912, (Vom Mittelalter zur Reformation II, 3), Nr. 2 (Rienzo an den Senat und das Volk von Rom, Avignon 1343), S. 4—8.
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[14] Ebd. S. 8: Nicolaus Laurencii, Romanus consul, orphanorum, viduarum et pauperum unicus popularis legatus ad dominum nostrum Romanum pontificem, animo manuque propriis.
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[15] Vgl. ebd., über die gemeinsamen Gespräche über den Zustand Roms Nr. 3 (Petrarca an Rienzo, Avignon 1343) S. 9—11; Vgl. auch den Brief Francesco Petrarca. Aufrufe zur Errettung Italiens und des Erdkreises. Ausgewählte Briefe, hg., übersetzt und eingeleitet von Berthe Widmer, Basel 2001, (Petrarca an Francesco Nelli, 1352, Fam. 13,6) S. 164—179.
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[16] Briefwechsel des Cola di Rienzo (wie Anm. 13) Nr. 5 (Clemens VI. an Rienzo, Avignon 1344) S. 13 (Dilecto filio Nicolao Laurentii de urbe, notario camere dicte urbis, domicello et familiari nostro salutem).
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[17] Maria Andaloro, Arte e iconografia a Roma da Costantino a Cola di Rienzo, Mailand 2000; Carmela Crescenti, Cola di Rienzo. Simboli e allegorie, Parma 2003.
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[18] Malerei und Stadtkultur in der Dantezeit: die Argumentation der Bilder, hg. von Hans Belting und Dieter Blume, München 1989; vgl. Jürgen Miethke (Hg.), Das Publikum politischer Theorie im 14. Jahrhundert, München 1992 (Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien 21) S.1—24.
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[19] Jürgen Miethke und Arnold Bühler, Kaiser und Papst im Konflikt. Zum Verhältnis von Staat und Kirche im späten Mittelalter, Düsseldorf 1988, S. 48—57.
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[20] Vgl. zuletzt Dagmar Schmidt, Der Freskenzyklus von Ambrogio Lorenzetti über die gute und die schlechte Regierung; eine danteske Vision im Palazzo Pubblico von Siena, St, Gallen 2003, S. 43—57.
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[21] Vita Caroli Quarti. Die Autobiographie Karls IV., Einführung, Übersetzung und Kommentar von Eugen Hillenbrand, Stuttgart 1979, c. 2 S. 76—78; als gegenteiliges Beispiel nennt er den französischen König Philipp VI. (1293—1350), c. 3 S. 84. Vgl. allgemein Hubert Herkommer, Kritik und Panegyrik. Zum literarischen Bild Karls IV. (1346-1378), in: Rheinische Vierteljahrsblätter 44 (1980) S. 68—116; Bernd-Ulrich Hergemöller, Cogor adversum te. Drei Studien zum literatisch-theologischen Profil Karls IV. und seiner Kanzlei, Warendorf 1999 (Studien zu den Luxemburgern und ihrer Zeit 7) S. 211—339. Fidel Rädle, Karl IV. als lateinischer Autor, in: Kaiser Karl IV. Staatsmann und Mäzen, hg. von Ferdinand Seibt aus Anlaß der Ausstellungen Nürnberg und Köln 1978/79 in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Nationalmuseum und dem Adalbert Stifter-Verein München, München 1978, S. 253—260.
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[22] Ferdinand Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter Bd. II, 2, 1953—1957; ND 1988, S. 680f.
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[23] Briefwechsel des Cola di Rienzo (wie Anm. 13) Nr. 8 (Rienzos Rundschreiben an die Städte Italiens, Rom 1347) S. 17—27.
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[24] Briefwechsel des Cola di Rienzo (wie Anm. 13) Nr. 12 (Clemens VI. an den Bischof Raimund von Orvieto und Rienzo, Avignon 1347) S. 31f. Bestätigung Raimund und Colas als Rektoren der Stadt.
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[25] Aufrufe zur Errettung Italiens (wie Anm. 15) Petrarca an Cola di Rienzo und das römische Volk, 1347 (Var. 48) S. 76—103.
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[26] Ebd. (Petrarca an Cola di Rienzo, Juli 1347, Var. 38) S. 104—109.
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[27] Ebd. (Petrarca an Francesco Nelli, 1352, Fam. 13,6) S. 164—179.
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[28] Ebd. (Petrarca an Cola di Rienzo, Juli 1347, Var. 38) S. 105.
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[29] Briefwechsel des Cola di Rienzo II, 5 (wie Anm. 12) Nr. 3 (Clemens VI. an Bischof Raimund von Orvieto 19. September 1347) über die notwendige Bekämpfung Rienzos.
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[30] Ebd. (Petrarca an Cola di Rienzo, 1347, Sine nom. 3) S. 136—140;
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[31] Friedhelm Burgard, Rudolf Losse (um 1310—1363), in: Rheinische Lebensbilder 14, 1994, S. 47—70; Ders., Amtsorganisation in Kurtrier unter Erzbischof Balduin von Trier, in: Ein Eifler für Rheinland-Pfalz. Festschrift für Franz-Josef Heyen zum 75. Geburtstag am 2. Mai 2003, hg. von Johannes Mötsch, 2 Bde., Mainz 2003 (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, 105 / 1 und 2), Bd. 1, S. 279—307.
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[32] Aufrufe zur Errettung Italiens (wie Anm. 15), Clemens VI. an Karl IV., Februar 1348, S. 156—163.
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[33] Ebd., Petrarca an Cola di Rienzo, September 1347, S. 128—135.
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[34] Gregorovius, Geschichte (wie Anm. 22) S. 729f.
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[35] Benesch von Weitmühl, Cronica (wie Anm. 6) S. 518f.
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[36] Briefwechsel des Cola die Rienzo (wie Anm. 13), Rienzo an Karl IV., Prag 1350, Nr. 49 S. 191—197
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[37] Ebd. S. 197.
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[38] Ebd., Rienzo an Karl IV., Prag 1350, Nr. 50 S. 198—213, hier S. 201.
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[39] Ebd., Karl IV. an Rienzo, Prag 1350, S. 214—219.
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[40] Vgl. Jürgen Miethke, Kaiser und Papst im Konflikt: zum Verhältnis von Staat und Kirche im späten Mittelalter, Düsseldorf 1988.
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[41] Maiestas Carolina: der Kodifikationsentwurf Karls IV. für das Königreich Böhmen von 1355, auf Grundlage der lat. Handschriften, hg. und eingel. von Bernd-Ulrich Hergemöller, München 1995 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum 74) S. 32; vgl. dazu Ders., Cogor (wie Anm. ?) S. 130-147.
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[42] Vgl. Karel Stejksal, Die Wandzyklen des Kaisers Karl IV. Bemerkungen zu Neudatierungen und Rekonstruktionen der im Auftrag Karls IV. gemalten Wandzyklen, in: Umení 46 (1998) S. 19—42, der auch zu einer Neudatierung des Freskenzyklus kommt.
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[43] Vita Caroli Quarti (wie Anm. 21) c. 2 S. 72.
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[44] Vgl. zuletzt Jeffrey Schnapp, Des Dichters Traum vom Herrscher. Karl IV. trifft Petrarca in Mantua, in: Merkur. Deusche Zeitschrift für europäisches Denken 54 (2000) S. 708—717.
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[45] Vgl. Ferdinand Seibt (Hg.), Karl IV. und sein Kreis. Lebensbilder zur Geschichte der böhmischen Länder 3, München 1978, Ernst von Pardubitz S. 25—42.
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[46] Ebd. S. 67—76. Vgl. insgesamt Literatur im Umfeld des Prager Hofs der Luxemburger, hg. von Joachim Heinzle, Peter Johnson und Gisela Vollmann-Profe, Berlin 1994 (Wolfram-Studien 13).
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[47] John M. Clifton-Everest, Johann von Neumarkt und Cola di Rienzo, in: Bohemia. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der böhmischen Länder 28/1 (1987) S. 25—44.
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[48] Aufrufe zur Errettung (wie Anm. ?) S. 370—388.
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[49] Ebd. (Petrarca an Karl IV., 1351, Fam. 10,1) S. 377.
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[50] Ebd. (Karl IV. an Petrarca, Prag 1351) S. 384—389.
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[51] Ebd. S. 388.
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[52] Ebd. (Petrarca an Franesco Nelli, 10. August 1352) S. 164—179.
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[53] Ebd. (Karl IV. an Petrarca, 1352, Fam. 12,1) S. 386.
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[54] Ebd. (Petrarca an Karl IV., 1353?, Fam. 18,1) S. 410.
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[55] Ebd. (Petrarca an Lello di Pietro Stefano die Tosetti, Mailand 1355, Fam. 19,3) S. 430—432.
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[56] Ebd. (Petrarca an Karl IV., Mailand 1355, Fam. 19,12) S. 462.
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[57] Ebd. (Petrarca an Francesco Nelli, 1356, Fam. 19,13) S.468—470.
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[58] Ebd. (Petrarca an Johann von Neumarkt, 1352/1353, Fam. 10,6) S. 400.
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[59] Ebd. (Petrarca an den Erzbischof Ernst von Pardubitz, 1457, Fam. 21,7) S. 474—476.
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[60] Ebd. (Petrarca an Karl IV., Mailand 1361, Sen. 16,5) S. 508—518, hier S. 508. Vgl. dazu Peter Moraw, Das "Privilegium maius" und die Reichsverfassung, in: Fälschungen im Mittelalter. Internationaler Kongreß der Monumenta Germaniae Historica München, 16.-19. September 1986 (Schriften der Monumenta Germaniae Historica 33), S. 201—224.
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[61] Ebd. S. 512.
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[62] Vgl. Ludwig Vones, Urban V. (1362—1370): Kirchenreform zwischen Kardinalkollegium, Kurie und Klientel Stuttgart 1998 (Päpste und Papsttum 28).
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Autor: Vorname_Autor Name_Autor
WWW-Redaktion: Helga Pirner-Pareschi
Ansprechpartner für die Vortragsreihe: Heinrich C. Kuhn (hck@lrz.uni-muenchen.de)
Document created: 2004-09-21
Last update:2004-09-21