5. Schlussbemerkung und Ausblick

Somit ist eine erste Untersuchung der ‚magnificentia’ bei Giovanni Pontano abgeschlossen. Neben einer genaueren Betrachtung ihrer Gestaltung als aristotelischer Tugend stand dabei vor allem die Rolle des ‚aptum’ oder der ‚dignitas’ in Frage. Welche Rückschlüsse lassen sich in Bezug auf die Themenstellung ziehen? –

Von Seiten der Kunst- und Wirtschaftshistoriker schien das Problem der ‚magnificentia’ vor allem politisch-sozialer Natur zu sein. Im Laufe dieser Arbeit sollte sich herausgestellt haben, dass es dafür einen ‚tieferen’ Grund gibt: Der theoretische Begriff dieser Tugend impliziert das Politische und Soziale als seine notwendigen Aspekte. Denn die ‚Größe’ der ‚magnificentia’ beruht zum einen auf einer Einbindung in den gesellschaftlichen Kontext, ohne den sie nicht ausreichend bestimmt werden kann. Schließlich ist sie nur ein relativer Begriff, der Bezugspunkte braucht, und diese lassen sich nicht auf einer abstrakten Ebene formulieren, sondern nur im konkreten Zusammenhang der Lebenswelt. Zum anderen ist diese ‚Größe’ immer ‚Größe’ von etwas; ihr wohnt von Anfang an ein Zeigecharakter bei, ein ostentatives Moment, in dem Tugendhaftigkeit und Macht gleichzeitig in Erscheinung treten. Eine Konzentration allein auf den Machtbegriff ist in Hinsicht auf die ‚magnificentia’ also weder nötig noch machbar. Ihr politischer Charakter äußert sich in dem komplexen Zusammenspiel von persönlicher Tugendhaftigkeit des Herrschers, der sein Volk bestmöglich lenken soll, und damit verbundener Macht. Beide Moment sind im Begriff der ‚auctoritas’ vereint, die die ‚magnificentia’ darzustellen versucht.

Eine philosophische Untersuchung der ‚magnificentia’ hat also den Vorteil, ihre ‚ästhetische’ Seite auf die ‚ethische’ Seite rückbeziehen zu können. Gerade aus den Problemen, die sich ergeben, wenn man versucht, die ‚magnificentia’ als ethische Tugend zu untersuchen, lässt sich die Charakteristik ihres Erscheinungsbildes entwickeln. Die mit ihr verbundenen Begriffe wie ‚Glanz’ und ‚Pracht’ können ihre Wirkung nur entfalten, wenn sie eine Entsprechung im Benehmen des ‚magnificus’ haben. Soll die ‚magnificentia’ in oberflächlicher Weise und ohne jeden ethischen Hintergrund erzeugt werden, ist dieses Projekt zum Scheitern verurteilt und zeugt allein von der Lasterhaftigkeit seines Veranstalters.

Was die humanistische Moralphilosophie angeht, lässt sich die ‚magnificentia’ als eine ihr besonders verbundene Tugend erkennen, deren Aufschwung mit dem Aufkommen einer neuen Einstellung zum Geld und einer weltzugewandteren Ethik in Verbindung steht. Die Probleme, die mit ihrem Begriff einhergehen, und die sich vor allem an Hand der mittelalterlichen Autoren herausarbeiten lassen, treten dabei ein wenig in den Hintergrund. Stattdessen wird das konkrete Problem des ‚aptum’ angegangen, der richtigen Einordnung der ‚magnificentia’ in ihre vielfältigen gesellschaftlichen Kontexte. Anders als etwa bei Aristoteles werden ihre Möglichkeiten einzeln durchgespielt und an Hand vieler Beispiele veranschaulicht. Die Bereiche, die nicht in Pontanos Text erwähnt werden, die aber auch mit der ‚magnificentia’ zu tun haben, wie Poetik und Rhetorik, harren noch einer Untersuchung. In Frage steht, wie weit sich das Konzept der ‚magnificentia’ anwenden und ausweiten lässt, auch und gerade in Bereiche, die primär nichts zu tun haben mit dem Umgang mit Geldern. Dies wäre ein weiterer, wichtiger Ansatzpunkt, der helfen könnte, die ‚magnificentia’ aus ihren ‚angestammten’ Feldern wie Architektur und Festlichkeiten herauszulösen und sie in den Gesamtkontext einer typisch ‚humanistischen’ Tugend zu stellen, nachdem sie hier in ihrem Grundbegriff als ethische Tugend und in eben diesen Feldern untersucht worden ist.