Roh-Übersetzung von:
Cesare Cremonini: Disputatio De Coelo In Tres Partes divisa, … De Motu Cúli
(Schlusskapitel, Auswahl)


Autor: Cesare Cremonini ( ---> OPAC GGREN zu Cremonini, ---> GGRENir zu Cremonini)
Übersetzer & WWW-Redaktion: Heinrich C. Kuhn
Dokument erstellt: 2000-05-11
Dokument geändert: 2000-05-11


Cesare CREMONINI:: Über die Bewegung des Himmels (Schlusskapitel, teilweise)

Übersetzung nach:
Cesare Cremonini: Disputatio De Coelo In Tres Partes divisa, ... De Motu Cúli ..., Venetiis [Apud Thomam Balionum] 1613, pp. 262-277

Übersetzt für:
Proseminar im Sommersemester 2000: Neue Wissenschaften und alte Bücher: Alternativen der Renaissance zu Ziel, Form, Inhalt von Wissenschaft und gelehrtem Unterricht
Entstehungszeit des übersetzten Textes:
Arbeit am Text abgeschossen zwischen 6. Mai 1611 und 9. August 1612; Druck abgeschlossen verm. 28. September 1613. (siehe: Kuhn, Heinrich C.: "Venetischer Aristotelismus …", Frankfurt 1996, pp. 403-405)

Inhaltsverzeichnis der Übersetzung





Cesare Cremonini: Über die Bewegung des Himmels

p. 262

Über die Ordnung und Anzahl der Sphären: Kapitel 13

Es ist gewiss etwas großes, gegen akzeptierte Grundsätze (contra receptas sententias) zu sprechen, wie ich nun sprechen muß. Des weiteren werde ich nicht über das Vernünftige hinaus sprechen, und nachdem ich Vorkämpfer habe, <nämlich> Aristoteles und Platon, schätze ich, daß meine Aussagen sicher (tuto) vorangehen können. Und ich würde gerne auf derlei verzichten, wenn ich nicht der Ansicht wäre, daß es zu den Aufgaben eines Philosophen gehört, über den Himmel zu disputieren, und man daher kaum von diesen Dingen schweigen kann, ohne schuldig zu werden. Es gehört aber nicht zu meinem Ratschluß, daß ich die Mathematiker tadle. Ich gehöre nämlich nicht zu ihnen, da ich in einer anderen Wissenschaft, oberhalb von jenen Professoren unterrichte.

Ich werde aber sprechen, insofern es argumentierbar (rationabile) scheint, über den Rest werde ich keinerlei Streit führen.

Die Ordnung der Sphären, die gemäß den Ägyptern, Plato und Aristoteles akzeptiert ist, ist diese: Mond, Sonne, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Achte Sphäre. Jedoch haben wir in dem dem Aristoteles zugeschriebenen Buch "Über die Welt" <(Peri kosmoy)> die Venus über der Sonne, unter dem Merkur. Zuerst jedoch wird es nicht so scheinen wie diese meinten in bezug auf die anderen oberhalb von Sonne und Mond. Gemäß Ptolomaios aber ist die Ordnung so: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn, Achte Sphäre.

Zweierlei bietet sich in dieser Angelegenheit zur Überlegung an. Das eine ist, daß die Alten keine anderen Sphären über jene acht hinaus haben. Ptolomaios hat, nach

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anderen, die hierüber Erkenntnisse hatten, einen Neunten Himmel hinzugefügt. Da er nämlich die Bewegung der Achten Sphäre vom Untergang zum Aufgang wahrnahm, nachdem ein Einfacher Körper durch sich selbst sich nur mit einer einfachen Bewegung bewegen kann, urteilte er, daß es nötig ist zu sagen, eine von diesen <Bewegungen (der von West nach Ost und der von Ost nach West)> müsse dieser Sphäre eigentümlich sein, welche, wie bei Sphären der Planeten, diejenige von Untergang zum Aufgang sei; ihre andere sei durch Teilnahme an einem anderen höheren Himmel, weshalb er diesen Neunten Himmel setzte (statuit), auf daß er die Achte Sphäre vom Aufgang zum Untergag reiße, <ein Neunter Himmel>, dem eine eigene Bewegung vom Untergang zum Aufgang gelassen wird ,[1] die in höchstem Maße langsam gemacht ist, so daß sie in hundert Jahren ein Grad erreicht.

Die Späteren haben über den Neunten hinaus einen Zehnten Himmel hinzugefügt, wegen derselben Beobachtung: Sie nahmen nämlich bei den Fixsternen außer den beiden erwähnten Bewegungen noch eine andere Bewegung wahr, die sie "Zugang und Abgang" (accessus & recessus) nannten, und diese führte sie dazu, daß sie über dem Neunten Himmel einen Zehnten setzten, der das Erste Bewegbare (primum mobile) ist, und alle unteren Himmel vom Aufgang zum Untergang reißt, so daß es diese Serie der Himmel und der Bewegungen in den Himmeln gibt:

Der Zehnte Himmel ist das Erste Bewegliche, das schlechthin von Aufgang zu Untergang bewegt wird, und selbige Bewegung allen daruntergelegenen mitteilt. Der Neunte Himmel, der vom Ersten Beweglichen mitgerissen wird, hat als sich eigentümliche Bewegung die vom Untergang zum Aufgang, die allen darunterliegenden zugeteilt wird. Der Achte Himmel hat die beiden ihm mitgeteilten, und darüber hinaus eine dritte, ihm eigentümliche, die der "Zugang und Abgang" bzw. Trepidations-Bewegung genannt wird; woran die darunterliegenden alle gleicherweise teilhaben, die vom Aufgang zum Untergang aufgrund des ersten Beweglichen bewegt werden, vom Untergang zum Aufgang aufgrund des Neunten Himmels, gemäß Zugang und Abgang aufgrund des Achten Himmels. Zusätzlich zu all diesen Bewegungen haben sie <noch> andere Bewegungen: die der Exzenter und Epizyklen. Und an diese Weise hält man sich jetzt überall; und es schätzen diejenigen, die dieser Auffassung folgen, daß des Aristoteles Begründung (ratio) für nichtig zu halten sei.

Es war üblich, diesen zu widersprechen: Die Bewegung eines Himmels ist wegen der Sterne; im Neunten und Zehnten Himmel gibt es keinerlei Stern; also sind diese Himmel überflüssig. Sie antworten, daß die Bewegung dieser Himmel bei der Bewegung einiger Sterne überflüssig sei ,[2] die in anderen Himmeln existieren, mit der Bewegung des Zehnten Himmels werden nämlich alle Sterne vom Aufgang zum Untergang bewegt, und mit der Bewegung des Neunten werden sie kreisbahnig vom Untergang zum Aufgang geführt; und sie sagen, Aristoteles habe über

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die Bewegungen gesprochen, die damals bekannt gewesen seien, und da die alle auf die Bewegung der Sterne ausgerichtet erschienen, daher habe er sich so ausgesprochen.

Wir werden hierin den Aristoteles nachahmen: Wir werden reden über das was zu den Überlegungen des Naturphilosophen zu gehören scheint, und den Gestirnskundigen (Astrologi) ihre Überlegung überlassen.

Zuerst scheint es gewiss inkonvenient, daß die Himmel der Planeten keine eigenen Bewegungen haben, nachdem sie genauso Einfache Körper sind, wie die die über ihnen sind. Epizyklen sind nämlich keine Bewegungen im Bereich der Sphären. Abgesehen davon, daß man sie für unbegründbar (irrationabiles) hält.

Außerdem scheint es nicht begründbar, daß das Erste Bewegliche ohne Dichte wäre, und die durch die Vielzahl der Sterne in höchstem Maße dichte Achte Sphäre vom Aufgang zum Untergang risse. Dies nämlich ist gegen die Regel der Natur, weil das Dichte immer mehr Form hat, sofern diese in der Materie vervielfältigt wird, und folglich kräftiger in der Tätigkeit und stärker im Widerstand ist. Dies erfahren wir bei uns, daß Feuer in Eisen stärker brennt als in Spreu, so daß es wohlgemacht wäre, daß die Achte Sphäre durch die Vervielfältigung der Sterne dicht ist, so daß sie die anderen dominieren kann durch diese ihre Kraft, die stärker ist, als di aller anderen - auch wenn diese gleichzeitig genommen werden. Weshalb: daß ein Himmel der von nichtiger Dichte ist, und folglich von schwächlicher Kraft, <und> nämlich von einer natürlichen Kraft bewegt, andere regiert: dies wäre allerdings etwas Neues in der Natur.

Ich beobachte darüber hinaus eine gewisse unproportionierte Proportion bei diesen Bewegungen. Die Achte Sphäre vollendet freilich ihre Bewegung vom Untergang zum Aufgang in 36000 Jahren. Der Saturn <die seine> in 30 Jahren. So daß zwischen aneinandergrenzenden Sphären keinerlei Proportion der Bewegung zu sein scheint. Abgesehen davon, daß diese Bewegungen in aneinandergrenzenden Körpern nicht mit den Größen proportioniert werden können, in denen sie sind, was die größte unter den Regeln und Ordnungen der Natur ist. Es ist nämlich die Achte Sphäre nicht von einer derart größeren Größe im Vergleich zu der Sphäre des Saturn, wie das Übermaß bei einem Verhältnis von 30 zu 36000 sein müsste. Daß, wenn die Langsamkeit durch das vom Ersten Beweglichen in die Gegenrichtung gerissen werden kommt, sozusagen eine gewisse Gewalt mitbringt, da diese Sphären aneinandergrenzend sind,; auch so ist das Übermaß extrem sicher. Zwischen den anderen Himmeln freilich haben wir kein derartiges Übermaß der Proportion. Denn Saturn wird in 30 Jahren bewegt, Jupiter in 12, Mars in zweien, Sonne, Venus und Merkur in einem, der Mond in einem Monat. Und zugestanden daß es auch hier eine gewisse Variabilität gibt, so doch im übrigen ohne jeglichen Vergleich zu einem

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einem derartigen Übermaß, wie es zwischen der Achten Sphäre und dem Saturn besteht.

Zudem bleibt übrig, daß diejenigen, die einen Zehnten Himmel annehmen, die Zeit angeben, in der die Neunte Schale vom Untergang zum Aufgang umgedreht wird. Und wenn wir "proportionabiliter" (mit erträglicher Proportion) reden müssen, so fürchte ich, daß wir auf etwas reichlich unglaubliches kommen werden.

Ich füge hinzu, daß die Materie des Himmels desto leuchtender ist, desto reiner sie ist, und daher die geringe Kondensation in der Achten Sphäre Licht macht, und es daher derart viele Sterne in ihr gibt. Die oberen Himmel müssen daher entweder in höchstem Maße dünn (rarisimi) sein, und dann werden sie weniger geeignet sein, die darunterliegenden zu regieren, weil in dem, was weniger solide und dicht ist, weniger Kraft ist; oder wenn sie auf gleich welche Weise auch nur im geringsten kondensiert sind, werden sie insgesamt leuchtender sein, als alle Sterne, und die Sonne selbst leuchten. Und zugestandenermaßen scheint es sehr inkonvenient über einer Sphäre die mit derart vielen Sternen leuchten andere Spähren ohne Sterne und ohne Licht zu haben, außer insofern sie durchsichtig sind, was es auch in den Regionen der unteren Sphären gibt. Der Adel (nobilitas) einer Sphäre nämlich kommt von den Sternen und dem Licht, weshalb diese Himmel weniger adlig wären, als der Achte und alle die darunter sind.

Was aber die scheinbaren Bewegungen betrifft, die die Astronomen zur Vervielfältigung der Sphären geführt haben, könnte des Proklos Ansicht ausreichen, der nach Ptolomaios <schreibend> nur acht Himmel setzte. Und es gehört nicht zu diesem Werk hier über das was erscheint zu streiten, sondern nur einige Gründe zu setzen, die zeigen, daß die Ansicht, di Aristoteles unterschrieb, begründbar ist.

Eines sage ich inbezug auf die Zitterbewegung (motus trepidationis), und das ist, daß die Mathematiker die Weise verdammen, auf die jene verteidigt wird, und sagen, sie sei eigentlich unwahrnehmbar, und nicht zu beobachten.

Es ist auch konvenient, etwas zu dem zu sagen, was sie sagen: Aristoteles habe seine Aussage gesetzt inbezug auf die Bewegungen, die zu seiner Zeit bekannt waren. Ich gestehe freilich zu, daß der Philosoph <(Aristoteles)> nicht nur in diesen Dingen, sondern auch in den eigentlich naturphilosophischen Untersuchungen, immer vertreten hat, daß man auf die letzte Untersuchung setzen sollte, und den sichereren Gründen zustimmen. Und doch bin ich der Ansicht, daß er selbst niemals derartige Sphären akzeptiert hätte, so wie er auch keine Epizyklen akzeptierte, sondern den Eudoxos lobte, der sich ohne Epizyklen mühte die Phänomene zu retten. Er hat nämlich aufgrund der Natur der Sache philosophiert, was nicht leicht war, für ihn, der durch beliebige Erfindungen in die Irre geführt wurde.

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Was die Ordnung der Himmel betrifft: die Pythagoräer, die betreffend der Entfernungen der Himmel derart exakt gemessen haben, wie vielleicht niemand sonst, haben die Ordnung gesetzt, der Platon und Aristoteles gefolgt sind, d.h. daß die Sonne den zweiten Platz über dem Mond hat.

Es argumentieren die Astronomen für ihre Ordnung, nämlich das die Sonne als vierte Setzen, aus der Unterschiedlichkeit der Aspekte, von denen Ptolomaios sagt, daß sie bei den ersten vier Planeten ihren Ort haben könne, <während> man bei den anderen nichts derartiges feststellen könne, weil sie wegen der großen Entfernung zur Erde keine Unterschiedlichkeit der Aspekte haben Sie argumentieren aufgrund von Schnelligkeit und Langsamkeit der Bewegung. Desto stärker nämlich ein Himmel von der Kondition es Ersten Bewegbaren zurückweicht, desto tiefer ist er zu setzen. Der Mond wird äußerst schnell vom Untergang zum Aufgang getragen, weshalb sie ihn höchstem Abstand <vom obersten Himmel> zu lokalisieren ist. Sie warnen jedoch, daß man auf diese Weise nichts inbezug auf die Ordnung von Sonne, Venus und Merkur unter sich schließen könne, sondern nur daß sie oberhalb des Mondes sind, und sie sagen ähnlich verhalte es sich mit den drei oberen, die unter den Fixsternen sind, nicht aber bestimmt welche Ordnung unter diesen sei. Sie argumentieren aus den Verdunklungen, denn derjenige, der einen anderen Planeten verdunkelt ist tiefer, und so sagen sie, daß der Merkur unter der Venus ist, die Venus unter der Sonne, welches sie die gewichtigsten Gründe in dieser Angelegenheit nennen, von denen zwar keiner für sich selbst ausreichend sei, aber alle zusammen genommen eine Bestätigung machten. Sozusagen als ob zehn Syllogismen, die vielleicht falsch sind, einen Beweis machen würden. Es sagt freilich der Philosoph: wenn keines von beiden <zutrifft>, dann folglich <treffen> auch beide zusammen nicht <zu>.

Ptolomaios selbst zeigte im 15. Kapitel <des Almagest> daß die Sonne an vierter Stelle steht, aufgrund des Raumes, der zwischen Sonne und Mond liegen muß, der aber notwendig gefüllt werden muß. Mir scheint es wahrhaftig begründbar (rationabile), daß zwei Sterne, deren runde Figur wir wahrnehmen, die wir in anderen nicht sehen, näher als andere sind, und aneinandergrenzend, und daß zwei Sterne, zwischen denen es derart eminente Veränderung es Lichts, und Behinderung des Lichts gibt, beieinander liegen müssen, und daß zwei Sterne, durch die vor allem diese Untere Welt regiert wird, in der Nähe derselbigen sein müssen. Was aber den Raum, den Ptolomaios zugewiesen hat betrifft, so wird darauf hingewiesen, daß die Sphäre der Sonne sehr sehr tief sein muss, da sie die Sphäre eines derart großen Sterns ist, die gemäß Eudoxos und Kallip aus vielen Schalen besteht, und mehr davon, als die anderen Sphären. Diesen Raum zeigen aber jene auf, deshalb weil die Sonne in geringster Entfernung vom

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Zentrum der Erde 1070 Erdradien enthält. Der Mond wenn er am vollsten ist enthält 64 Erdradien, weshalb der unterschied zwischen der geringsten Entfernung er Sonne und der größten des Mondes 1006 Erdradien enthält. Nachdem daher kein Vakuum zwischen dem Himmel er Sonne und dem Himmel des Mondes zugestanden werden kann, und es auch nicht begründbar ist, daß die Deferenten der Verstärkung (augia) der Sonne und des Mondes mit derartiger Größe begabt sind, weil das überflüssig wäre, und nutzlos, wird konvenient dieser Raum den Sphären der Venus und des Merkur zugestanden.

Des weiteren, wie ich gesagt habe, die Sphäre in der der gewaltigste aller Sterne ist, benötigt größte Tiefe, da sie gleicherweise den größten aller Sterne mit sich tragen muß, den solidesten, den dichtesten, es ist große Kraft nötig, die in einer Materie die inbezug auf die Tiefe groß ist, ihren Ort zugewiesen erhalten muß. Und die Pythagoräer, die inbezug auf alle Entfernungen besonders kundig waren, weshalb es in höchstem Maße begründbar ist, anzunehmen, daß ihnen auch dieser große Raum bekannt war, haben doch der Sonne den zweiten Platz zugewiesen.

Was sie sagen, daß die Sonne der König er Planeten ist, und daher den mittleren Ort unter ihnen erhält: besser würden sie sie den König der Unteren Welt nennen, weil in höchstem maße gemäß jener hier das Entstehen und Vergehen stattfindet. Weshalb ich sie zurecht in der Mitte der Welt konstituiert habe, wie sie konstituiert wird, wenn sie an zweiter Stelle ist. Sie hat nämlich fünf Sphären unter sich, fünf über sich, wenn die Achte, wie auch selbige verlangen, die zurecht sozusagen als das ganze Universum aufnehmend verlangt wird, die auch daher gelegentlich "Alles" genannt wird .[3]

Andere nehmen's leichter, so daß es zulässig sei, zusagen, nichts in dieser Angelegenheit sei würdig, welchem wir leicht zustimmen.

Stärker noch freilich ist der Autorität der weisesten der Menschen, des Platon und des Aristoteles zu folgen, zu denen die Ersten der Astronomen, Eudoxos und Kallip ihre Zuflucht nahmen, und auf den Gründen, die oben aufgrund er Natur der Sache angeführt wurden zu bestehen, und die Sonne an die zweite Stelle zu setzen. Betreffend Venus und Merkur aber wird das, was in den Aussagen des Philosophen entgegengesetzt erscheint zurückgelassen. Wir wissen nämlich nicht, ob dieses Buch <(Peri kosmoy)> von Aristoteles ist, und was heißt es schon, bei einem derart knappen Werk in jener Anordnung geschlafen zu haben.

Ich unterlasse es hier, zu sagen, daß man vielleicht eine Verdunklung des Mondes durch den Schatten der Erde nicht so gut haben kann, wenn die Sonne soweit von jener entfernt ist, daß sie an vierter Stelle ist. Ich muß nämlich jetzt nicht in diese Untersuchung über die Schatten der Körper einsteigen.

p. 268


Über Exzenter: Kapitel 14

Da sie am Himmel eine erscheinende Unterschiedlichkeit in den Aspekten der Planeten beobachteten, dachten sich die Astronomen exzentrische Schalen aus, die sie folgendermaßen konstituierten:

[Rest der Seite nicht übersetzt]

p. 269

[...]

Es ist aber bei Schalen, wenn es denn Schalen sind, d.h., wie Aristoteles gesagt hat, gedrehte Kreise, <so: sie müssen> dieses bedienen, insofern sie körperliche Schalen sind.

[...]

Hierüber haben jüngere geschrieben. Averroes hat aufgrund der Älteren gegen derlei Exzenter in Kommentum 35 des zweiten Buchs von "Über den Himmel" disputiert.

[...]

p. 270

[...]

Es tadelte Averroes auch die Gründe der Astronomen. Es argumentieren, sagt er, die Astronomen,

p. 271

vom Späteren zum früheren, und dies zurecht. Die Späteren aber sind evident, die Ersteren aber, auf die sie diese zurückführen, sind in höchstem Maße unsicher, und es muß auch, wenn diese gesetzt sind, nicht notwendig so sein, weil ja durch eine andere Begründung, die in nichts der Natur widerspricht, das gleiche erhalten werden kann. Es ist nämlich auf keine Weise nötig, daß man wenn man derartige Phänomene setzt, im Himmel solche Schalen sind, die deren Ursache sind, weil es nichts verbietet, sie auch anders zu retten, was getan zu haben Eudoxos und Kallip, die bei Aristoteles und Platon unterschrieben haben, lehrten. Auch vertrat er in Kommentum 45 <seines Großen Kommentars zum> 12. Buch der Metaphysik, daß diese Exzenter jenseits der Natur seien.

[...]

Er hat einen gemeinsamen Grund gegen Exzenter und Epizyklen, denn wenn derlei Schalen gesetzt würden, so gäbe es eine andere Bewegung in der Natur, die nicht von der Mitte her, noch zur Mitte hin, noch um die Mitte herum wäre.


Über Epizyklen: Kapitel 15

"Epizykel" nennen sie eine Sphäre die in der Masse des Exzenters versenkt ist, so daß sie um ihr eigenes Zentrum kreisen kann. Diese Epizyklen hat vor allem der Anschein eingeführt: daß sich die Planeten, die in der Verdickung (auge) existieren, nicht immer auf die selbe Weise zur Erde verhalten, sondern manchmal sublimer getragen werden, und manchmal demütiger, und ihre Durchmesser manchmal größer und manchmal kleiner sind, was nicht allein aufgrund des Exzenters sein kann, da er durch en selben immer auf die selbe Weise von der Erde entfernt ist. Es wird bei zwei Verfinsterungen des Mondes beobachtet, bei denen sich Sonne und Mond an der selben Stelle befinden, und die Sonne im selben exzentrischen Ort, daß die eine länger dauert als die andere, welche Ungleichheit nicht auftreten kann, außer wegen des Eintritts des Mondes in einen größeren oder kleineren Schatten der Erde. Weshalb, da es bei beiden den selben Schatten der Erde gab,

p.272

es erforderlich ist, daß beim einen der Mond weniger entfernt von er Erde war, und beim anderen entfernter. Desto näher nämlich er Schatten der Erde ist, desto größer ist er, desto entfernter desto enger. Dies kann nicht wegen des Exzenters sein, da er sich bei der Verdunklung immer in der Verdickung befindet. Es ist daher der Epizykel nötig, damit er manchmal im erdnächsten Punkt des Epizykel ist, und manchmal im entfernten. An diesen Grund hat Averroes im Kommentum 35 des 2. Buchs "Über den Himmel" erinnert, und er hat gesagt, daß das nicht mit Notwendigkeit Epizykel mit sich bringt, a es auch aus anderem Grund auftreten kann, wahrlich wegen des Unterschieds seines Ortes wenn wir de Pole seiner Schale über die Pole einer anderen Schale bewegt vorstellen. Und er war der Ansicht, er werde eines Tages die Gestirnskunde auf Prinzipien zurückführen können, die der Natur nicht widersprechen, woran er später im Metaphsikkommentar wegen seines Alters verzweifelte.

Auch die Stationen und Rückschritte der Planeten führen sie auf diese <Epizykel> zurück, und da sie diese als in höchstem Maße evident setzen halten sie dies für ausreichend, um die Notwendigkeit dieser Schalen konstituiert zu haben. Des weiteren sind hiermit die Regeln der Natur selbst nicht einverstanden, wie Averroes gesagt hat, da eine Bewegung gegeben wird die weder aus der Mitte noch zur Mitte noch um die Mitte ist. Aber weil wenn der Wink dieser Epizyklen beobachtet wird, es scheinen wird daß auf die Weise der Übereinstimmung für vieles kein Grund angegeben werden kann, da es doch der Natur nichts macht, daß es der Fall ist .[4]

Es wird auch nötig sein, daß er Himmel geteilt ist, um diese um sich selbst rotierende Sphäre aufzunehmen. Wund was wird bei dieser Kreisbewegung ruhend sein? Das eigene Zentrum? Doch dies ist ein Punkt, und das würde ein Mathematisches Ruhendes sein, und kein Natürliches. Außerdem, daß durch die Bewegung in dieser Schale alles as zu ihr gehört bewegt werden muß, entweder durch sich selbst, oder per accidens. So sprach Aristoteles, daß es für die Bewegung des Himmels erforderlich war, einen <vom Himmel> verschiedenen Körper zu machen, der die Erde war. Und beim Himmel werden die Pole unbeweglich genannt, weil er allerkleinste Teil, der dort angenommen wird, sich in höchstem Maße langsam bewegt, und im Vergleich zu den anderen stillebleibend genannt wird. Aber, so wird jemand sagen: Ein Spielball wird doch rundgedreht, oder nicht? Aber er ist in etwas äußerlichem in dem er bewegt wird. Und es ist etwas äußerliches dabei, das die Ursache jener Bewegung ist. Sie sagen, daß Aristoteles wenn er das Rundlaufen der Sterne tadelt, keine derartige Inkonvenienz anführt. Aber er führt die evidenteren an, nicht alle. Noch auch sagt er, man könne dies nicht anführen.

Sie sagen, daß alle Planeten einen Epizykel hätten - mit Ausnahme der Sonne. Warum solche Unterschiedlichkeit in der Natur? Um wieviel

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größer als die Sonne wird der Epizykel der Venus sein?

Überhaupt scheinen die Astronomen sagen zu können, daß es so ist, aber wenn man auf die Ursachen kommt auf welche Weise es so ist, und auf welche Weise das so erfundene nicht den Regeln der Natur widerspricht, so werden sie nichts haben, was sie sagen. Sie entschuldigen aber ihre Disziplin damit, daß diese keine Aussagen über Naturdinge mache. Sie mögen aber aufmerksam sein, saß man auch nichts sagen darf, das den Grundlagen (fundamenta) der Natur widerspricht. Und darum mühten sich Eudoxos und Kallip. Es ist nämlich die Astronomie unter allen Mathematischen Disziplinen am meisten zur Natur hin geneigt.

Ist die Bewegung jener von rechts, oder von links? Oder eine von rechts und eine von links? Warum dies? Wenn es eine derartige Bewegung derartiger Sphärlein geben kann, warum kann es ihn nicht auch als Bewegung der Sterne geben, die doch auch selbst Sphärlein sind? Warum wird der Epizykel eher im Kreis bewegt als herumgewälzt? Weil er so in der Schale eingeschlossen ist? Aber wenn die Schale so geteilt werden kann, daß sie ihn aufnehmen kann, warum kann es nicht sein, daß sie durch seine Bewegung zerteilt wird? Wird ein Epizykel regelmäßig oder unregelmäßig bewegt? Warum? Einer langsamer als der andere? Aus welchem Grund? Diese scheinen freilich von geringem Gewicht, aber was die ratio philosophandi betrifft sind sich nicht so leicht. Es sprach nämlich Aristoteles gegen Empedokles und Anaxagoras, daß man nichts einfach so setzen dürfe, sondern daß man irgendeinen Grund angeben müsse. Und er verlangte von Empedokles, daß er den Grund angebe, warum soviel Zeit liege zwischen den Wechseln der Herrschaft des Streites und der Freundschaft.

Und endlich hat sich Ptolomaios um den Neunten Himmel zu setzen der Proposition bedient, daß es für einen jeglichen Einfachen Körper auch nur eine einfache Bewegung gebe. Ich weiß nicht, ob er das beim Setzen der Epizyklen vergessen hat, ob er annahm, die Bewegung des Epizykels der von der selben Substanz wie er Himmel ist in dem selbiger ist, sei die selbe Bewegung <dieses Himmels>, die die des ganzen Himmels um das Zentrum der Welt ist?


Überlegungen zum oben gesagten: Kapitel 16

Sie sagen, daß es gemäß der Ansicht des Eudoxos und Kallip im Himmel eine große Vervielfachung der Bewegungen geben werde, daß es viele Bewegungen per accidens geben werde, daß es darüber hinaus bei den Bewegungen des Himmels viel Gegensätzlichkeit geben werde, von denen allen geurteilt wird, daß sie einem ewigen Körper fern sein müsse.

Johannes

p. 274

von Jandun hat in Quästio 20 des 12. Buchs der Metaphysik eine Begründung, daß diese Schalen möglich sind, von der er der Ansicht ist, daß sie beweiskräftig ist.

Sie sagen die Gründe des Averroes gegen sie seien nichtig, und sie antworten darauf. Sie sagen, so wie die Elemente deshalb weil sie unterschiedlich sind an unterschiedlichen Orten verortet werden, so gebe es auch nichts inkonvenientes daran, daß die verschiedenen Schalen der Himmel um verschiedene Zentren kreisen. Sie bestätigen, daß sie Sache so zu setzen sei, wie sie inbezug auf diese Schalen wollen aufgrund jenem allgemeinen Prinzip: "Unnötig wird durch mehreres was durch weniger werden kann". Wenn man nämlich so setzt gibt es sowohl geringere Vervielfältigung der Schalen als auch der Bewegungen, als an Vervielfältigung gemäß Eudoxos und Kalipp nötig wäre. Sie sagen, wenn man diese <von ihnen gesetzten> setze, gebe es nichts im Himmel, über das keine Antwort gegeben werden könne; daher seien sie gut gesetzt, und <auch> anderes, das nicht im einzelnen besprochen werden muß.

Der Grund des Johanns von Jandun aber ist dieser: In den Himmlischen Körpern ist das möglich, aufgrund von dessen Annahme <ihre> Akzidentien real und wahrhaftig in ihnen existieren: aber aufgrund der Annahme von Exzentrischen Schalen und Epizyklen existieren in ihnen ihre Akzidentien real und wahrhaftig; also sind Exzenter und Epizyklen bei den Himmlischen Körpern möglich. Den Obersatz beweist er, weil keinerlei Akzidens real inbezug auf die Existenz der Sache, <und> wahrhaftig inbezug auf unser Verständnis und unsere Erkenntnis aufgrund einer in irgendeiner Form unmöglichen Annahme in einer Sache existiert. So wie die Fähigkeit zu lachen nicht real und wahrhaftig einem Menschen innewohnen kann, wenn man annimmt, daß die Form eines Felsens den Menschen forme. Der Untersatz ist offensichtlich, aufgrund der Beobachtungen. Weshalb der Grund nicht bezweifelt wird.

Die Sache inbezug auf diese Schalen ist in der Lage, daß <auch> Peripatetiker, die sonst ernstzunehmen sind, sagen, die Peripatetiker würden es vorziehen, Ausflüchte zu machen, als jenen zuzustimmen, da <doch> auch Aristoteles ruft, insbesondere bei der Kontemplation über den Himmel seien die Astronomen zu hören, und das was man als bestes findet zu unterschreiben. ICH aber fürchte mich nicht, darauf zu antworten, da ich nicht vermute, eine Ausflucht zu unterschreiben.

Die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Bewegungen im Himmel macht überhaupt nichts, sei sie eine solche der Pole oder der Weisen, solange sie um das selbe Zentrum statthaben, und es gibt da auch einerlei Gegensätzlichkeit, weil in einer Kreisbewegung keine Gegensätzlichkeit ist, die in die Natur einen Gegensatz einführen würde, weshalb die Ewigkeit aufgehoben würde, insbesondere wenn alle Bewegungen um das selbe Zentrum gesetzt werden. Noch ist auch die Gesamtbewegung

p. 275

eines Zusammengesetzten, das aus Teilen einer und der selben Natur besteht, gleich in wie unterschiedlichen Zusammensetzungen es besteht, außerhalb der Natur der Teile, gleich auf welche Weise diese sich im ganzen bewegen.

Und Bewegungen, die so als akzidentell im Himmel gemacht werden setzen nichts Inkonvenientes, und sie können auch nicht nicht von etwas anderem gemacht werden, und von etwas anderem, das ewig und unveränderlich ist. Und dem stimmt der Philosoph im 8. Buch der "Physikvorlesung" zu. Auch wenn sie aus dem selben 8. <Buch> gegen die Beseelung der Himmel argumentieren als gegen eine Seele, die akzidentell bewegen müsse. Und sie sagen: akzidentell kann as nicht sein; die Seele wird akzidentell bewegt; also kann sie nicht bewegt werden; also wird sie nicht bewegen; und so wird es keine Bewegung des Himmels geben; auf die Weise, wie auch Aristoteles dort schließt. Sie mögen zur Kenntnis nehmen, daß die Begründung des Aristoteles gut ist, ihre aber wertlos. Aristoteles lehnt sich nämlich an den Grund des Unterschieds an, indem er ein Bewegendes setzt, das damit es bewegt bewegt werden muß. Daher gilt: Wenn es nicht bewegt werden kann, so kann es nicht bewegen, und so wird es keine Bewegung geben. In unserem fall gilt derlei nicht. Es muß nämlich nicht die Seele des Himmels, damit sie bewegen kann, bewegt werden, sondern wenn sie bewegt wird, so ist dies aus einem äußeren Grunde: weil sie durch die Materie ausgestreckt ist. Wenn daher etwas Kontingentes gesetzt wird, insofern es wenn sie akzidentell bewegt wird, möglich ist, daß sie nicht bewegt wird, d.h. wenn gesetzt wird, daß wenn sie nicht bewegt wird, <darum> nicht weniger es bleibt, daß sie bewegt, weil sie nicht bewegt insofern sie bewegt wird, sondern durch ihre eigene wesentliche Kraft, der es <erst> nachher akzidentell zustößt daß sie bewegt wird; so ist auch zu sagen, daß sie auch akzidentell bewegt wird, worüber wir an anderer Stelle nachgedacht haben.

Jetzt sagen wir inbezug auf unsere Sache, daß: so viele Bewegungen im Himmel zugestanden, und auch eine Vervielfältigung der Pole über die sie statthaben, und unter Zugeständnis vieler akzidenteller Bewegungen, insofern eine Schale von der anderen bewegt wird: wir doch sagen, daß das nichts <gegen uns> sei, und <dies> um so mehr, weil alle Schalen, gleich auf welche Weise sie bewegt werden, unter einem Beinhaltenden bewegt werden, sozusagen als Teile eines Ganzen betrachtet.

Die Begründung es Johannes von Jandun hat, wie bestätigt wird, einen Untersatz, er aufgrund der Beobachtung evident ist.

Der Obersatz ist sicher nicht wahr. Ich sag's <Euch>.

Es werden alle <Phänomene> gerettet, wenn die Erde bewegt wird und der Himmel still steht, also ist es möglich, daß es so ist? Am wenigsten von allem. Derlei Begründung gilt nicht nur vom Möglichen, sondern auch vom Notwendigen, wenn man die Sache nicht anders lösen kann, wie Aristoteles im ersten Buch der "Physikvorlesung" gesagt hat, als er die Gründe der Alten für das Entstehen des Seienden widerlegte: Daß dies aber auf eine einzige Weise <erklärt werden kann>. In

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unserer Angelegenheit aber gibt es andere Weisen, die nicht gegen die Natur kämpfen, die von den Alten angenommen wurden, und denen einige der Neueren Autoren weder unbesonnen noch unbegründet anhängen.

Ähnlich: was sie sagen: "unnütz weder durch mehreres, was durch weniger werden kann": dazu gibt's eine Glosse: "falls dies genauso gut geschieht, <und> falls es nicht natürlichen Gründen widerspricht." Und Aristoteles hat gewiss gesagt, daß man den Astronomen anhängen soll, und den sichereren Notwendigkeiten, <doch> nicht beliebigen Erfindungen.

Jandun antwortet auf die Gründe des Averroes es sei vorzugehen, nachdem man diese aneinandergrenzenden Schalen gesetzt hat, doch als solche in einer Entfernung, nicht so gesetzt. daß sie direkt an jene grenzen, und keinen Abstand von anderen Teilen haben, und den Himmlischen Schalen. Aber wir haben schon die Eiche der Gründe gesagt .[5]

Sie antworten, und <so> auch andere, die sie auf ihre Weise akzeptieren. Sie sagen der Grund aufgrund dessen die Teilung der Bewegungen angenommen wird: weil es eine zukünftige Bewegung sei, die weder von der Mitte hervorgehe, noch zur Mitte, noch um die Mitte, der widerstehe dem nicht, weil Aristoteles über die Bewegungen gesprochen habe, die zu seiner Zeit bekannt waren.

Aber ich bin der Ansicht, daß Aristoteles über die Bewegungen gesprochen hat, die das Universum, das Sphärisch ist, wesentlich konstitutionieren, und daß es über diese hinaus keine gibt noch geben kann, und daß es sehr eitel ist, in den Körpern, die zuerst die Struktur der Welt konstituieren andere [unter]suchen zu wollen. Und daß Aristoteles in diesen nicht auf das Bekannte oder Unbekannte gesehen hat, sondern auf die Natur der Sache.

Wahrlich auch: daß die Bewegungen der Exzenter und Epizyklen, von denen die Pythagorärer gewiss gemurmelt haben, in jener Zeit nicht unbekannt waren. Sie behaupten auch, daß die Exzentrischen Schalen schlechthin völlig vollkommene Sphären sind, weil die ganze Sphäre, die aus ihnen konstituiert wird, vollkommen sphärisch ist; und durch keinen Grund kann davon überzeugt werden, aß alle Himmlischen Schalen Einförmig und von gleicher Dicke sind.

Des weiteren verstehen diese nicht, daß das zum Wesen einer Kreisschale gehört, daß sie <überall> von gleicher Dicke ist, wenn sie kreisförmig sein muß, und wenn sie regelmäßig und ausgleichbar bewegt werden muß, wie wir oben gesagt haben. Jene Substanz ist ähnlich, weder schwer noch leicht; sie wird durch eine in höchstem Maße einfache Formgebung geformt; woher nämlich kommt derart große Unterschiedlichkeit in der Formgebung?

Sie benennen die Averroisten als "Erroisten" in jenem Argument, daß es, wenn diese Schalen, die an einer Stelle dicker sind, gibt, notwendig ist, daß sie nicht ohne Zerteilung und Durchdringung der Himmel bewegt werden können. Sie werden nämlich nicht so bewegt, daß der dünnere Teil

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des einen auf den dickeren Ort des anderen folgt, sondern sie werden zugleich proportionierbar getragen.

Doch diese achten auf weniges. Man muß nicht nur auf die Fakten, sondern auch auf das Mögliche sehen; wenn sie von einer umdrehenden Kraft wären, so daß sie Teile veränderten, so müsste das werden. So sprach Aristoteles über das zukünftige Vakuum, wenn ein ovaler oder linsenförmiger Himmel geschnitzt wird, weil es nötig ist, daß der Himmel, gleich auf welche Weise, bewegt werden kann. So hat Aristoteles auch nicht nur bewiesen, daß die Welt faktische Eine ist, sondern auch gemäß der Möglichkeit, weil es nicht möglich ist, daß es mehrere geben kann; übrigens wurde trotzdem der Grund des Averroes nicht gut aufgenommen. Sie vergrößern das, was Aristoteles sagt. daß bei den Astronomen zu unterschreiben sei, und sagen, daß er, wenn er zur Zeit des Ptolomaios gelebt hätte, dessen Aussagen gefolgt wäre. Aber es wurde schon gesagt, daß diese Aussage <zu den Zeiten des Aristoteles> schon begonnen hatte, und <daß sie> dem Philosophen nicht gefallen hat; und daß er vorgeschlagen hat, es sei den Astronomen zuzustimmen, solange sie nicht den Gesetzen der Natur widersprechen. Freilich haben auch nach Ptolomaios seine Erfindungen dem Proklos nicht gefallen, und ich bin der Ansicht, daß sie dem Philosophen noch weniger gefallen hätten. Des weiteren reicht das schon zu dieser Sache, die wir als eine die zu überlegen ist angenommen haben nicht um gegen die Astronomen zu streiten, sondern weil es unsere Behandlung erforderte, daß wir diese Sache nicht unberührt zurückließen.






Fußnoten


[1] Verständniserleichternd wird die Unterscheidung zwischen Tagesbewegung und Jahresbewegung der Planeten etc..
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[2] will heißen: andere Sterne haben mehr als eine Bewegung, damit "überflüssige" Bewegungen, weshalb diese den beiden höchsten Sphären zuzuweisen seien.
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[3] Defekter Satz. Es geht darum, die Achte Sphäre als letzte zu zählen, die Neunte und Zehnte entweder nicht anzunehmen, oder zumindest nicht zu zählen.
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[4] ????? Korrupter Satz oder mangelnde Einsicht des Übersetzers?
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[5] Will m.E. heißen: "Wir haben schon den kräftigsten der Gründe gesagt."
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