Übersetzung von:
Poggio Bracciolini, Gian Francesco: De miseria humanæ conditionis


Autor: Gian Francesco Poggio Bracciolini ( ---> OPAC GGREN zu Poggio)
Übersetzer: Rudolf Schicker
WWW-Redaktion: Heinrich C. Kuhn
Dokument erstellt: 1999-12-02
Dokument geändert: 1999-12-02


Johannes Franciscus POGGIUS Bracciolinus Florentinus: Das Elend der menschlichen Lage

Übersetzung nach:
Poggio Bracciolini, Gian F.: Opera Omina: Tomus primus. - Scripta in editione Basilensi anno MDXXXVIII collata, Torino [Bottega D'Erasmo] 1964, pp. 88-131


Inhaltsverzeichnis der Übersetzung





Poggio von Florenz: Das Elend der menschlichen Lage

<Vorwort>

Unter den verschiedenen Schriftstellern, die sich in ihren Studien mit unterschiedlichen Gegenständen befasst haben, scheinen mir dem Nutzen für die Menschen am nächsten diejenigen gekommen zu sein, die ihr Bemühen in die Einschränkung allzu heftiger seelischer Begierden, in die Zügelung des Ehrgeizes sowie des überflüssigen Strebens nach Dingen des Zufalls gesetzt haben. Diejenigen nämlich, die ihren Lesern das Elend der menschlichen Lage darlegen und sie darüber belehren, dass alle unsere Unbilden ihren Ausgang von den Glücksgütern nehmen und daher den Begehrlichkeiten ein Maß zu setzen sei, machen sich um die Gattung "Mensch" am allermeisten verdient. Geradezu unumgänglich nämlich werden diese überflüssigen Begierden, in denen wir versinken, zurückgedrängt und eingedämmt, wenn man erkannt hat, dass es die so stark erstrebten Gaben des Schicksals sind, welche Ursprung und Grundlage für unsere Unbilden abgeben, und dass in ihnen das menschliche Unglück seinen Sitz hat. Und gewiss zieht man sich sämtliche Ängste, Belastungen des Lebens und sämtliche seelischen Erkrankungen von den Gaben des Schicksals zu; infolge ihres gefälligen Aussehens verlocken sie die Menschen dazu, sie zu erstreben, wobei die Menschen gar nicht wissen, mit wie großen Sorgen diese Dinge sie quälen und welch schlimme Leiden sie ihnen antun, sobald sie sie besitzen. Der menschliche Geist nun ist blind, kennt die Zukunft nicht und lechzt mit allem Eifer danach, diese Dinge zu erreichen. Ohne Zweifel freilich werden die Menschen den gerade zum Lauf gereckten Fuß zurücksetzen, wenn sie daran gemahnt werden, dass man dergleichen Dingen nicht vertrauen und auf sie nicht fest hoffen darf, die der Herrschaft des Schicksals unterliegen, welches alles von oben nach unten kehrt. Der eine häuft mit großem Eifer Reichtum an, ohne zu wissen, dass er sich die Grube bereitet, in die er stürzen wird; ein anderer erwirbt sich Macht und Bedeutung, denen der Neid folgt, und wird, während er sie zu bewahren sucht, tags von Mühsal und nachts von Wachsein gepeinigt. Der eine erstrebt die höchste Stellung im Staat sowie bedeutende Ämter, um in sich selbst den Ort des Hasses und der Verbannung zu erwerben. Manche frönten der Gewaltherrschaft über ihre Staaten, anscheinend in Unwissenheit darüber, dass solche Menschen nur selten einem gewaltsamen Tod entgangen sind; und andere erstreben Frau und Kinder. Wer derartige Belastungen erfahren hat, weiß, welch große und schwere Sorgen und Ängste diese Leute mit sich tragen. Viele erfreuen sich an Gesundheit und Gestalt ihres Körpers, d.h. an Dingen, die von nur kurzer Dauer sind und die der geringste Anlass zunichte machen kann. Wir wissen, dass die höchsten Würden, Vorrangstellungen, Königtümer und Reiche nichts anderes als Schmeicheleien des Schicksals sind. Wir haben gelesen und selbst erlebt, wie vielen Menschen derlei Dinge abhanden gekommen sind, wie viele sie genarrt und wie viele sie vernichtet haben - keine geringen Beweise für das menschliche Elend! Die also, die allzu große Begierden nach den besagten Dingen aus dem menschlichen Verstand auszurotten versuchen und einen nur geringfügigen Umgang mit den Gaben des Schicksals anraten, haben als die zu gelten, die vor dem Übrigen für die körperliche und die seelische Ruhe Sorge tragen, welche beide man den übrigen Dingen vorzuziehen hätte, wenn man bei gesundem Verstand wäre.

Um auch selbst den Versuch zu machen, mit meinen unwesentlichen bei Kerzenlicht verfassten Arbeiten ein wenig Nützliches für das menschliche Leben beizusteuern, habe ich meiner geistigen Fähigkeit entsprechend in zwei Büchern zum Ausdruck gebracht, wie groß das Elend der Lage sei, in die wir hineingeboren sind, und wie sehr die Menschen von ihren Vorhaben abfallen, dass sie, nachdem sie die Schwäche der Natur durchschaut haben, beschließen, Hand an sich zu legen, da sie dem unberechenbaren Schicksal zu sehr vertraut haben, und ihren Gedanken einen ruhigeren Hafen verschaffen, von dem aus sie wie in einem Spiegel in Sicherheit die Unwetter beobachten können, die diejenigen erleben, die sich dem stürmischen Schicksal anvertraut haben. Freilich weiß ich sehr wohl, dass der von mir gewählte Stoff einen hervorragenden Geist, ausgesuchte Gelehrsamkeit sowie größte Beredsamkeit erfordert. Jedoch darf man nicht mehr von mir fordern als das, was zu leisten ich imstande bin. Die vorliegende Arbeit haben wir, wie auch immer man über sie urteilen wird, gewiss zum allgemeinen Nutzen auf uns genommen.

Gewidmet habe ich das kleine Werk Dir, hochmögender Fürst, von dem ich weiß, dass er in den Fußspuren seiner Vorgänger, der höchstberühmten Fürsten, wandelt, sich am Geist gelehrter Menschen erfreut und das von mir Geschriebene gerne liest. Obwohl ich mir sicher bin, dass Dein seelisches Gleichmaß jeglichen Verdacht auf Unglückseligkeit von sich weisen wird, glaube ich dennoch, dass die Lektüre dieses Werkes Dir nicht zu wenig nutzen wird, und zwar sowohl zur vorausschauenden Vermeidung von hinterhältigen Anschlägen des Schicksals, die das Elend dieses Lebens nicht auslassen, als auch zum Zweck Deiner Planungssicherheit. Denn wenn Du wie in einem Spiegel erkannt hast, wie viele das Schicksal gleichsam zur Belustigung des Volkes genarrt hat, und dass es in Kriegszeiten am allermeisten vermag, wirst Du Dich seiner Willkür mit größerer Vorsicht überlassen und seine Gaben mit zögernder Hand annehmen. Du hast ja, Deiner herausragenden Tüchtigkeit entsprechend, durch Deine Taten in Krieg und Frieden größten Ruhm erlangt, den Du meiner Ansicht nach nicht nur erhalten, sondern auch vermehren solltest. Ich rate Dir an, eher auf den Schutz durch Deine Fähigkeiten, die für einen Kriegsherrn erforderlich sind und sich bei Dir in ausnehmendem Maße finden, als auf die Gnade des Schicksals zu vertrauen. Am sichersten sei es, so meinen die Weisen, mit dieser "Gnade" nur selten Erfahrung zu machen.


Des hochberühmten Redners Poggio 1. Buch Über das Elend der Lage des Menschen an den hochmögenden Fürsten Sigismund Pandolphus Malatesta

Als ich im Alter von 72 Jahren aus der römischen Kurie, in der ich ungefähr 50 Jahre tätig gewesen war, nach Florenz zurückgekehrt war, nachdem man mich durch öffentlichen Ratschluss in den Sekretärsdienst unserer Republik berufen hatte, besuchte ich gewohnheitsmäßig oft den sehr berühmten und tadellosen Herrn Cosimo de' Medici. Er ist ein hochansehnlicher und den humanistischen Studien ganz hingegebener Bürger und hielt sich seinerzeit wegen eines Gichtleidens mehrere Monate zu Hause auf. Unsere Gespräche hatten verschiedene Themen; zum einen Dinge, welche die allgemeinen Studien betreffen, zum anderen das, wozu die Bürgerschaft vor allem seine Meinung zu erbitten pflegte. Einmal geschah es, dass mehrere Leute bei Cosimo anwesend waren und sich über das Wesen des Krieges, der (seinerzeit) tobte, unterhielten. Einige brachten dabei das Gespräch bereits zum dritten Mal auf die Stadt Konstantinopel und die äußerst elende Gefangenschaft, wobei sie die so unermessliche Grausamkeit der Barbaren beklagten, die sich in Mord und Totschlag an den Gläubigen ausgetobt habe. Einige andere vergrößerten mit ihren Worten das Unglück, das man auf sich genommen habe, und fürchteten künftige Gefahren für die christliche Bevölkerung, falls man einem solchen Brandherd nicht mit anderen Ratschlägen und Streitkräften zu Hilfe komme. Einzelne Leute schließlich trafen sich in der Auffassung, dass sie behaupteten, während der früheren Jahrhunderte habe es keine grausamere und vernichtendere Gefangenschaft einer Stadt gegeben. Sie erklärten, die gläubigen Christen hätten eine Wunde davongetragen, bei der zu befürchten sei, dass man sich eine allesvernichtende Seuche hole; jene Stadt (Konstantinopel) werde wie ein Tor den Teukern Zugang zur Belagerung der übrigen Staaten Europas bieten, zumal angesichts der wechselseitigen Uneinigkeit unter den Christen. Es gebe kein christliches Königreich, das befriedet wäre, fast keine Volksgemeinde und keine Provinz ohne Krieg. Die, die für gewöhnlich mit ihren eigenen Machtmitteln die Streitkräfte der Ungläubigen zurückdrängten und zerschlugen, seien in häusliche Streitigkeiten verwickelt. Italien, das als einziger Staat mit seinen Waffen zu Lande und zu Wasser die Macht der Barbaren zu Fall gebracht habe, werde von verschiedenen Kriegen geschüttelt. Sie bedauerten den allgemeinen Niedergang Griechenlands und fürchteten ihren eigenen, da alle bei der Stellung von Schutztruppen, mit deren Hilfe der feindliche Angriff eingedämmt werden sollte, zu erlahmen schienen. Als nach verschiedenen Gesprächen alle bis auf den hochgelehrten und vorzüglichen Matteo Palmieri gegangen waren, begann Cosimo uns zu fragen, was wir über diese leidvolle Gefangenschaft dächten; alle würden sie beweinen und als so schlimm darstellen, dass die Meinung gang und gäbe sei, es habe den Christen nichts Vernichtenderes widerfahren können. Zugleich klagte (querebatur!) er über die Unbeständigkeit der Zeiten sowie das Wüten des Schicksals und meinte, seit vielen Jahrhunderten habe man nichts Grausameres und Bittereres gehört.

Da sprach Matteo:"Ich meine, dass der Zusammenbruch einer so großen Stadt allein wegen der Menschlichkeit zu bemitleiden sei. Erwägt man dagegen das Wesen, die Sitten, die Lebensführung, die Treulosigkeit, die Trägheit und den Geiz der Griechen, so scheinen sie mir jedweder Strafe würdig. Zunächst: Ihr Wesen und ihre Lebensführung werden hinreichend von unserem Landsmann Cicero in der Rede für L. Flaccus zum Ausdruck gebracht; ihre 'Zuverlässigkeit', ihre 'Religion' und ihre Gesinnung, die sie seit jeher den Christen gegenüber gehabt haben, zeigen sich vor allem am Untergang der christlichen Heere, die, als sie zur Rückeroberung des Heiligen Landes aufbrachen, in verschiedenen Hinterhalten der Griechen umkamen. Schon zweimal haben sie das Bekenntnis zum katholischen Glauben auf den Konzilien abgelehnt. Freilich waren sie so feige und habgierig, dass sie, obwohl sie in Gold und Silber schwammen, für den Schutz ihrer Stadt nicht eine einzige Münze aufwenden wollten; wie ich glaube, um den Türken eine üppigere Beute zu hinterlassen. Das Gerücht, ein unvorstellbar großer Schatz sei in der Stadt gefunden worden, ist ja nur zu gewiss. Stets erflehten sie in zweifelhaften Lagen den Schutz der Päpste und ersuchten andere um die Hilfe, die sie sich selbst ohne Schwierigkeiten hätten gewähren können. Somit scheint das gegenwärtige Unglück sie nicht zufällig, sondern infolge göttlichen Richtspruchs getroffen zu haben. Indes gebe ich zu, dass, obwohl diese so große Stadt durch die Schuld der Barbaren untergegangen ist, dieselbe Grausamkeit gleichwohl auch bei ihnen zu beklagen ist. Dennoch meine ich, dass man den bedauernswerten Fall dieser so bedeutenden Stadt hoch veranschlagen und keinesfalls geringschätzen sollte. Freilich braucht man sich über dergleichen nicht in dem Maße zu wundern, wie man im allgemeinen meint, wenn man die in den menschlichen Angelegenheiten übliche Freizügigkeit und Herrschaft des Schicksals sowie dessen Unbeständigkeit im Geben und Nehmen von Macht, Fürstentümern, Reichen und Königtümern beobachtet. Es zeigt nämlich nicht erst jetzt zum ersten Mal seine Kräfte beim Umsturz von Staaten, Völkern und Provinzen. Sein Spiel, nämlich das Hohe zu erschüttern, den einen emporzuheben, den anderen hinabzudrücken, aus einem Sklaven einen König und aus einem König einen Sklaven zu machen, ist alt. Bekanntlich sind die Verödungen selbst großer Städte so zahlreich gewesen, dass es am allerwenigsten verwunderlich scheint, wenn das Schicksal im oberen Bereich donnert und die höchsten Gipfel zerstört. Ich weiß, dass nicht nur diese Stadt (Konstantinopel) von Feinden eingenommen und geplündert worden ist, sondern dass mehrere sehr große Staaten zum Gedenken an frühere Zeiten (worüber später berichtet wird) nicht nur in ähnlicher, sondern in noch größerer Niederlage und noch größerem Blutvergießen durch Feindeswut zerstört worden sind. Das Elend dieser Städte müsste man mit großem Schmerz und Tränen begleiten, stellten sich nicht eine schwerere Last an Unglückseligkeit und eine größere Furcht vor den Dingen ein, der wir einem allgemeinen Naturgesetz zufolge unterworfen scheinen. Wir hätten also nicht das Unglück und die Unglückseligkeit nur einer einzigen Stadt, sondern des ganzen Erdkreises zu beweinen; Unglück und Unsegen sind so weit verbreitet und halten die menschliche Gattung so fest im Griff, dass keine Wortmenge eine der allgemeinen Beschaffenheit der Unbilden angemessene Beredsamkeit aufbringen könnte. Ihr seht das allgemeine unseren Sinnen von Natur aus eingegebene Gesetz des elenden Lebens, das wir infolge der Schuld unseres Stammvaters erworben haben; von dieser hängt unsere gesamte Unglückseligkeit ab, von dieser leiten sich die Irrtümer, Laster und Verbrechen der Menschen her, und von diesen aus verbreitet sich das Elend dieses Lebens. Besagte Schuld hat die Möglichkeit, die Gelegenheit und den Stoff zum Sündigen und zur Abweichung von der Tugendhaftigkeit geboten. Hierdurch wäre es nur allzu deutlich, dass die Geiste der Sterblichen beweinenswerten Unbilden zum Opfer fallen, wenn man nur die Zeit hätte, unsere Unglücke einzeln zu prüfen und zu bejammern. Was nämlich ist unser Leben anderes als eine mühselige Pilgerschaft voller Irrtum und Dummheit? Der bekannte Philosoph Heraklit hat das bedacht und begleitete Dummheit und Elend der Menschen mit beständigem Weinen. Der weise Mann bedauerte, dass das Leben der Menschen so töricht sei, und trauerte darüber, dass die menschliche Gattung in den Wahnsinn abgeglitten sei, in ständiger Traurigkeit lebe, triftige Ratschläge verschmähe, die Tüchtigkeit vernachlässige, den Lastern in höchstem Eifer nachgehe, die Guten hasse, den Schlechten gewogen sei und stets blindlings und ungestüm nach dem verlange, was unseren Sinn mit den schlimmsten Ängsten, verschiedenen Beschwerden und Verstörungen umtreibt. Daher glaubt Heraklit, dies ganze Leben sei als die übervolle Quelle, der vielfache Rinnsale der Unglückseligkeit unseres lastvollen Lebens entfließen, zu beweinen."

Cosimo entgegnete:"Um wieviel besser soll Demokrit gehandelt haben, der den Irrtümern der Menschen nicht Weinen, sondern Lachen widmete! Denn was ist törichter oder eines Weisen weniger würdig, als das zu beweinen, was man nicht verbessern kann, oder als aus dem Unveränderlichen nutzlosen Schmerz zu ziehen? Ich bin eher dafür, unseren Leiden ein Maß zu setzen, als sie durch Worte noch größer zu machen, oder auf jeden Fall zu erforschen, wie wir sie uns erleichtern können. Unsere Menschennatur ist schwierig genug, und selbst wenn man Umsicht walten lässt, ist sie schwach, wenn es darum geht, unseren Unzulänglichkeiten entgegenzutreten, ganz davon zu schweigen, dass wir diesen durch unser Nachdenken und unsere Erinnerung an die Übel eine größere Bedeutung und größeres Gewicht verleihen. Ich gebe zu, dass der Lasten unseres Lebens sehr viele sind und die Schwäche der menschlichen Gattung groß ist; ich gebe zu, dass wir mehreren Schicksalswinden ausgesetzt sind und unsere Natur schwach ist. Doch sind uns auch sehr viele Vorteile und feste Schutzmittel gegeben, dank welchen wir gegenüber den Drohungen des Schicksals sowie gegenüber der von Dir geschilderten elenden (miseram!) Lage des Lebens sicher sein können. Die Natur hat uns zahlreiche Annehmlichkeiten geschenkt und uns viele auch ehrenhafte Freuden und Vergnügen zugestanden, mittels welcher wir uns dies Gewicht der Armseligkeiten erleichtern. Ferner hat sie uns Frau, Kinder, Enkel und Urenkel gegeben, damit wir in ihnen wie in einem Spiegel ein Muster unseres Bildes sehen. Gegeben hat sie zudem eine lange Ahnenreihe, Reichtum, Machtmittel, Würde, Ehren, Ämter, Machtbefugnisse und die höchste Stellung im Staat, Dinge, die uns mit einem gewissen Aufwand besänftigen und unseren Sinn, indem sie ihn von den Beschwernissen ablenken, zu ruhigeren Gedanken führen sollen. Das freilich, was am allermeisten zu schätzen ist, hat uns der Allschöpfer zugestanden, nämlich den Verstand, der über die übrigen Dinge erhaben ist; zu ihm können wir wie zu einer befestigten Burg Zuflucht nehmen, und unter seinem Schutz und im Gehorsam gegenüber seinem Rat können wir den Dingen ein Maß setzen und unsere Begierden nicht weiter, als seine Weisungen es erlauben, gehen lassen. Durch seine Weisungen gelangen wir zu einem glückseligen Leben und werden von jeglicher Unruhe, die uns die Unbilden verursachen, befreit. Gewiss wird der Verstand, wenn Du ihm gehorchst, dies erweisen, nämlich dass Du beiden Schicksalslagen gegenüber fest und beständig bist, alle Zufälle gleichmütig erträgst, unbeweglich und selbständig keine Elendswirnisse fürchtest, vor keinen Ängsten erschrickst und von der Freiheit Deiner Gesinnung Gebrauch machst, die Dich vor jedem Schicksalskrieg schützt, und dank welcher Du gegenüber gegenwärtigen Übeln standhaft und gegenüber zukünftigen furchtlos bist. Da jedoch die Tugendhaftigkeit infolge von Torheit von nur wenigen in Ehren gehalten wird, ist sowohl dem Schicksal als auch den Lastern breitester Raum gegeben, um uns mit verschiedenen Kränklichkeiten und Begierden zu verwirren. Denn da wir, gleichsam vom wahren Pfade abgekommen, den Verstand, d.h. die Tugend 'rechter Verstand' vernachlässigt und uns in vielfältige dem Verstand widerstrebende Begehrnisse verstrickt haben, finden wir keinen Hafen der Ruhe, schweifen umher, sind unstet, ängstlich und aufgeregt, da uns ja unsere Begierde ohne festes Ziel der Begehrlichkeiten hin und hertreibt. So kommt es, dass wir selbst unseren eigenen Übeln Zugang und Anlass verschaffen. Wir nehmen ja die Willkür des Schicksals, das alles nach seinem Geheiß und seiner Art entsprechend dreht und wendet, auf uns; von der Blindheit dieser Willkür wird besonders das Leben des einfachen Volkes und der Unerfahrenen beherrscht. Daher darf es nicht verwunderlich erscheinen, wenn die Lage des Menschen als in zahlreiche Unbilden verstrickt erscheint. Doch geschieht dies zweifelsohne durch unsere Schuld, nicht durch die Schuld der Natur: Wir verwandeln die Gaben der Natur, welche uns zu einem guten Leben geschenkt und durch schlechte Sitten verdorben sind, in unser Unheil, zu Sklaven des Schicksals geworden, obwohl wir frei sein könnten."

Daraufhin sagte ich: "Mateo wird es mir nachsehen, wenn ich mit wenigen Worten auf das antworte, was Du gesagt hast. Meiner Meinung nach, Cosimo, scheint es sich Dir so zu verhalten, weil Du die Übrigen vielleicht für Dir ähnlich hinsichtlich der tüchtigen Gesinnung, der Unbescholtenheit der Lebensführung, der Zuverlässigkeit sowie der Beständigkeit hältst; indes bringen nicht alle denselben Geist, denselben Verstand, dieselben Machtmittel, Vermögen, Fertigkeiten und dieselben Gaben der Natur zur Abwehr der Lebensbeschwerlichkeiten mit. An Dir erblicken wir ein einziges Beschwernis, nämlich Gicht; alles Übrige, was der Mensch vor allem zu wünschen hat, hat Gott bei Dir reichlich angesammelt, so dass sehr viele Seelen- und Schicksalsgaben dieses eine körperliche Gebrechen wettmachen können.. Doch wie sollen wir über die Anderen denken, von welchen dem einen höchste Not, dem anderen das schlimmste Übel, Dummheit, wieder einem anderen Kinderlosigkeit, noch einem anderen Blindheit, einigen ein körperliches Gebrechen, manchen Gefängnis und heimatliches Unglück und etlichen die wilde und furchtbare Natur derart zusetzt, dass sie sich von sich aus für elend erklären. Alle diese stimmen keineswegs mit Dir überein und würden mit Terenz sagen:'Wenn du hier wärst, würdest du anders denken'. Daher wundere ich mich überhaupt nicht, dass Dir unser Elend leicht oder doch nicht so ausgedehnt erscheint, dass Du alle Sterblichen für ihm unterworfen hältst; jedoch würde der, dem all das, was Du hast, fehlt, anders denken und mit einem alten Sprichwort sagen, dass ein voller Bauch leicht übers Fasten reden könne. Der Arme würde anhand seines Beispiels erweisen, dass es nichts Elenderes als die Armut gibt, der aus seiner Heimat Verbannte (würde erweisen), dass nichts unseliger als die Verbannung sei, der Ehrlose, dass nichts schwerer als Verachtung, der Blinde, dass nichts härter als Blindheit, und der Kranke würde behaupten, dass nichts elender als Krankheit sei. Die Dummen klagen nie über ihre Dummheit. Denn niemand wurde für derart verrückt erfunden, dass er über seine Dummheit geklagt oder bedauert hätte, dass ihm die Weisheit fehle. Mehrere, die von verschiedenen Unfällen umgetrieben sind, würden sich gegen Deine Ansicht empören; sie würden bekräftigen, dass nichts elender als dieses Leben sei, und würden unter Aufbietung der besterprobten Zeugen behaupten, dass nichts härter oder schwerer sei. Ein günstiges Schicksal halte nur Wenige für seiner würdig, und bei noch Wenigeren verweile es. Das Feld des widrigen Schicksals sei weit, breit und ausgedehnt, das des günstigen hingegen klein und schmal. Dieses unser Leben sei insgesamt kurz und dem Schicksal, der Wollust und der Ungleichheit geweiht, die die Taten der Menschen eher mit ungeeichter als mit geeichter Waage wäge (ponderanti ?!). Diese (Ungleichheit) sei vor allem den Guten und Tapferen feindlich, welche sie ihrer Willkür entsprechend belagere, wobei sie die besondere Feindin der Tugendhaftigkeit sei; ihren blinden Schlägen seien wir unterworfen, und wir seien von ihren Kräften in höherem Maß abhängig (obnoxios?!) als vom Verstand. Er (scil. der fiktive Gesprächspartner) würde zudem behaupten, dass der Verstand, der Deiner Argumentation nach über dem Schicksal steht, wie eingeschläfert den Schlägen des Schicksals weiche und dessen Verachtung fürchte. Daher schreibt der Sittenlehrer Seneca, wir seien unter die harte und unbesiegbare Herrschaft des Schicksals gekommen und würden nach seiner Willkür Würdiges und Unwürdiges erleiden; es missbrauche schamlos, verächtlich und grausam unsere Leiber: Die einen verbrenne es im Feuer, die anderen hetze es nackt über die unsicheren Meere. Von daher behaupten sie, unser (nostram!) ganzes Leben sei eine Bestrafung, beweinenswert, feindlich und voller verschiedener Unfälle. (Cham, unverständlich) Wenn Du nun sagst, der Verstand sei uns gegeben, um mit ihm die Schicksalskräfte zu schwächen, so gebe ich zu, dass dies, was die Seele anlangt, wahr sei, wenn überhaupt jemand von seinem Verstand freien Gebrauch machen könnte; indes stehen der Erreichung der Tugendhaftigkeit sehr viele Hindernisse und gleichsam harte Felsen entgegen. Mutter Natur hat uns nur einen Schutz zugestanden, durch den wir dem Angriff des Schicksals besser Stand halten, nämlich den des Verstandes; diesen Schutz hat sie jedoch durch sehr viele und sehr starke Feinde geschwächt. Sie hat nämlich nicht allein altgediente Soldaten, sondern auch verschiedene Maschinen und Wurfanlagen versammelt, welche den Verstand in einem fortwährenden Krieg erobern sollten. Ihr seht, wie beschaffen und wie groß nicht der Trupp, sondern das Heer der auf uns allseits einstürmenden Laster ist, durch welche die Krankheiten der Seele bei ihrem Waffengang gegen den Verstand an Kraft gewinnen; wie groß die Schlachtreihe der Ruchlosigkeit ist, die sich gegen die Tüchtigkeit erhebt, wie sehr die Weisheit von der Torheit, gestützt auf zahlreiches wahnsinniges Begleitpersonal, belagert wird. Betrachtest Du die Kräfte all dieser Feinde von Verstand und Tugendhaftigkeit, wirst Du es als für den Verstand höchst schwierig beurteilen, niedergedrückt vom Kampf gegen so viele Belagerer seine Kraft in einer so harten und widrigen Schlacht auszuüben. Habgier, Verschwendungssucht, Ausschweifung, Furcht, Unbesonnenheit, Wollust, Rivalität, Hochmut, Ehrgeiz und zahllose andere widrige seelische Verwirrungen, die stark und dem Verstand äußerst feindlich sind, führen gegen ihn Krieg und setzen ihm arg zu. Bis heute haben sich nur Wenige finden lassen, die die Kraft dieser (Feinde) mit ihrem Verstand haben überwinden können. Den größten Teil der Menschheit verführen sie und reißen sie unter ihre Botmäßigkeit. Wie wenige gute, ehrenwerte und enthaltsame Männer wirst Du selbst in den gut eingerichteten Staaten finden, die sich von der Ansteckung mit Lastern, um nicht zu sagen: von der allerelendsten Knechtschaft freihalten! Alle, spricht der Prophet, sind abgeglitten und zugleich unnütz geworden, es gibt keinen einzigen, der etwas Gutes tut. Wenn niemand etwas Gutes tut und alle abgeglitten sind, so sind sie gewiss zum Schlechten hin abgeglitten. Und da bekanntermaßen die Schlechten und Ruchlosen elend sind, folgt, dass alle vom Elend des Lebens aufgerieben werden. Was nämlich gibt es in diesem Leben Elenderes und Unseligeres, als tugendlos, den Lastern hingegeben zu sein und nicht dem Verstand zu gehorchen? Der Mensch (oder besser: das Tier), das verstandeslos ist, ist notwendigerweise dumm und töricht. Nun aber gibt es kein größeres Übel und keine größere Unbill als Torheit. Also muss man zugeben, dass alle, da sie schlecht sind, auch elend sind. Sieh zu, ob nicht Frau, Söhne, Enkel und das Übrige, was Du aufgezählt hast, und was Deiner Meinung nach dies Lebenselend vertreibt, eher als Reizmittel für die Unbilden erscheint, und ob nicht das, was Deiner Ansicht nach Freude und Lebensunterstützung ist, üppigen Stoff für Unglückseligkeit mit sich bringt! Alle jene Güter nämlich hat das Schicksal uns nur leihweise zugestanden, und es kann sie, wenn es ihm gefällt, mit dem größten Recht zurückfordern. Je mehr uns aber das Schicksal mit seinen Gaben ausstattet, desto mehr sind seine Gewalt und sein Wankelmut zu fürchten. 'O Schicksal', sagt der junge Mann bei Terenz,'wie Du doch niemals beständig gut bist! Auch der Tragödiendichter sagt:'Das Schicksal beherrscht die menschlichen Angelegenheiten ohne jede Ordnung und verteilt mit blinder Hand seine Gaben, wobei es das Schlechtere hegt.' Wie wenigen das Schicksal längere Zeit gewogen und wie unbeständig es gewesen ist, daran gemahnen die Beispiele der Vielen, die es enttäuscht hat. Eins jedenfalls steht fest: Der Verlust seiner Wohltat bringt mehr Schmerz, als ihr Besitz Vergnügen bringt. Freilich gereichen Frau, Kinder, Enkel und Verwandte zur höchsten Freude, sofern sie länger leben und gut sind. Freilich ist jedermann aufgeregt, voller Zweifel und infolge ständiger Angst unsicher, weil er entweder den Tod seiner Frau, eine Sünde seines Sohnes oder eine Erkrankung seiner Tochter fürchtet; so sagt Terenz: 'Du siehst zudem die Verwaistheit Vieler, die das Schicksal zu Macht und Würden emporgehoben hat.' Du siehst, wie der eine wegen des Todes seiner guten Kinder und der andere wegen des Lebens seiner schlechten Kinder trauert. Du siehst, dass es für Viele besser gewesen wäre, keine Nachkommen gehabt und niemals geheiratet zu haben. Du weißt, dass sehr Viele wegen ihres Reichtums umgekommen und Mehrere durch ihre Gier nach Würden aus ihren Heimatstädten verbannt worden sind. Wir wissen, dass allen diesen Gütern (sofern man sie für solche zu halten hat), die Du vorhin aufgeführt hast, ihre je eigenen Übel beigemischt und ihre je eigenen Unglücke beigebunden sind. Dem Reichtum folgt die Armut, die als die höchste Folter gilt, und der Machtfülle folgt Mittellosigkeit, dem Reichtum die Not und die Vereinsamung, der Gesundheit folgen Krankheiten, der Würde und der Ehre ist die Verachtung ganz nah, und der Nachkommenschaft folgt der Verlust der Kinder. Zuweilen verkehrt sich Herrschaft in Knechtschaft. Gar nicht will ich davon sprechen, dass das, womit man Deiner Meinung nach Glückseligkeit erwirbt, Werkzeuge für Laster, Anreize der Begierden, Lockmittel für Vergnügungen und die spitzesten Stachel für Wollüste zu sein pflegt. Denn wenn die Möglichkeit zur Sünde besteht, ist es äußerst schwierig, den Anstand zu wahren. Der Tragödiendichter sagt: 'CITE>Reiche, Machtgestützte verlangen mehr, als göttliches Recht ist, und wer zuviel vermag, will das können, was er nicht kann.' Angesichts dessen bin ich davon überzeugt, dass dieser Sturz ins Elend derart allgemein ist, dass man meiner Meinung nach niemanden von ihm ausnehmen kann."

Als ich mit meiner Rede zu Ende zu kommen schien, sprach Mateo:"Füge dem, wenn's beliebt, damit wir, wie man so sagt, auf eigene Faust etwas zustande bringen, noch Folgendes hinzu: Die Natur selbst scheint Deine Ansicht zu belegen: Sie hat als das erste Werk des Neugeborenen das Weinen, die Tränen und das Wehklagen festgesetzt, gleich als ob die Natur vorausgesehen hätte, dass sie in ein weites, unermessliches Meer der Unbilden ausgesetzt ist, über deren Last sie gleich bei der Geburt klagt und bejammert, dass mit diesem Beginn des Lebens die Grundlagen der übrigen, künftigen Zeit gelegt seien. Der Neugeborene scheint, obwohl er nichts Gutes und nichts Schlechtes kennt, durch einen Antrieb der Natur die künftigen Unglücke vorauszuahnen und durch einen natürlichen Instinkt die Nachteile des menschlichen Lebens, Krankheiten, Armut, Verbannung, den Tod unserer Liebsten, seelische und körperliche Laster sowie die übrigen Nachteile der menschlichen Gebrechlichkeit vorauszuspüren. (Vorauszuspüren scheint er auch,) dass der ungewisse Lauf unseres Lebens durch die Willkür des Schicksals noch ungewisser wird, so dass man nicht mit irgendeinem Zeitabschnitt, der frei von Ungewissheit ist, wird rechnen können. Ich fürchte, dass wir, wenn sich uns noch vor unserer Geburt die Lage dieses unseres Lebens darstellte, uns weigern würden, in einem so kleinen Schiff auf ein so weites und stürmisches Meer hinauszufahren, und diejenigen Klippen vermeiden würden, von denen wir voraussähen, dass sie unsere völlig sichere Segelfahrt bedrohen (immineri?!). Bitte bedenke, wie 'Wünschenswertes' (optanda!) und 'Angenehmes' sich den ins Leben Eintretenden bei Vergil darstellt, und bestreite, wenn Du es kannst, dass sie elend seien! Er sagt: 'Unmittelbar an der Vorhalle und gleich am Schlund des Orcus haben die Trauer und die rächenden Sorgen ihr Lager aufgeschlagen, und dort wohnen bleiche Krankheiten, das traurige Alter, die Furcht, der Übles ratende Hunger, die schändliche Armut, grässlich anzusehende Gestalten, der Tod und die Mühsal. Dann folgen der Schlaf, der Verwandte des Todes, die bösen Freuden des Geistes und an der gegenüberliegenden Schwelle der todbringende Krieg, die eisernen Gemächer der Eumeniden und die wahnsinnige Zwietracht.' Glaubst Du, da diese 'wundervolle'Schar den ins Leben Eingetretenen zugewiesen worden ist, wirklich, dass wir mit den uns verfügbaren Kräften dieser so großen Schlachtreihe von Unbilden entfliehen können? Wir werden von einer gewaltigen Last, von großen Feindestruppen und einer riesigen Schar von Beschwernissen bedrückt, Cosimo, so dass ich gar keinen Weg und keine Möglichkeit erblicken kann, den Schwierigkeiten, die von Anfang an mit uns geboren werden, zu entgehen."

Nach diesen Worten sprach Cosimo:"Lasst uns unsere Worte ein wenig genauer betrachten und Eure Ansicht ausführlicher besprechen! Ob sie zu billigen sei, mögen diejenigen sehen, die über eine höhere Gelehrsamkeit verfügen. Ich will gleichwohl das sagen, was mir geradewegs so in den Sinn kommt. Die Übrigen werden ihre Ansicht bewahren. Obwohl ich zugeben muss, dass das Schicksal, d.h. Gottes Nachsicht mir ziemlich zugeneigt gewesen ist und ich weiß, dass die von Dir angeführten Gaben der Seele in mir nur mittelmäßig vorhanden sind, so ist doch überliefert, dass es allein in dieser Stadt zu unserer und unserer Vorfahren Lebzeit Viele gegeben habe, die bis zu ihrem Lebensende in höchster Glückseligkeit gealtert sind, so dass sie nach dem Urteil Aller von diesem von Dir so genannten allgemeinen Elend auszunehmen zu sein schienen."

Da entgegnete Mateo: "Wir haben erkannt, dass Dein Vater, ein wunderbarer Mann von ausgezeichneter Frömmigkeit, von dieser Schar auszunehmen ist, dass es aber sonst keinen gibt, dem nicht Vieles zur Glückseligkeit fehlte. Dein Vater jedoch war überaus menschlich, freizügig, höchst wohltätig, und ihm schien nichts von dem zu fehlen, was die menschliche Glückseligkeit ausmacht. Er hat ja die Männer seiner Zeit reichlich an geistigen und körperlichen Vorzügen und Glücksgütern übertroffen."

Cosimo sagte: "Wollen wir nicht über uns sprechen, damit wir nicht, was vielleicht Neid erweckt, uns selbst zu empfehlen scheinen! Dies kann ich wahrhaftig sagen, dass Mehrere aus dieser Stadt in ähnlicher Glückseligkeit aus dem Leben geschieden sind; sie übergehe ich, um der Meinung des breiten Volkes, das viele verschiedene Ansichten hegt, zu entgehen. Mit mehr Recht wird unsere Rede sich mit der Prüfung der ehrwürdigen Männer des Altertums befassen, die sowohl durch ihre Gelehrsamkeit als auch durch den Ruhm ihrer Taten zu Bekanntheit gelangt sind. Von den Barbaren, die lieber Gewaltherrschern als Königen ähnlich sein wollten, will ich nicht reden; es scheint doch aber töricht zu sein, die weisesten Männer Griechenlands, Lykurg, Solon, Aristides, Lysander, Sokrates und Platon sowie die übrigen hervorragenden Philosophen, die ihre Glücksgüter aufgegeben und sich der Beschäftigung mit der Philosophie gewidmet haben, zudem Alexander, Miltiades, Agesilaos, Themistokles, Epaminondas und die übrigen obersten Herrscher Griechenlands, die für die allerglücklichsten gehalten werden, für elend zu halten. Von unseren Landsleuten hat den Brutus, den Fabricius, den Publicola Coruncianus, den Camillus, die beiden Cato, die Laelii, die Scipionen, den Rutilius und den Cicero sowie unzählige andere ihre herausragende Tüchtigkeit unberührt von jeglicher Befleckung mit Elend gehalten. Von ihnen nämlich galt, dass sie gerecht, weise und mit Tugendhaftigkeit, die alles Elend weit von sich zurückstößt, gelebt haben. Nicht also herrscht Deine 'elende Lage des Lebens' über alle Menschen, sondern sie betrifft lediglich die Dummen sowie das untätige, unerfahrene Volk, das ohne Verstand, Klugheit und Tugendhaftigkeit wie Herdenvieh allein von der Sinnesempfindung und einem jähen Willenstrieb bewegt wird. Diese Leute sind es, die, indem sie dem Schicksal ihre Hände entgegenstrecken und ihm gehorchen, sich den Unbilden der Weltzeit preisgeben. Du kennst Aristoteles' Meinung, dass nämlich das Schicksal bei den Völkern herrsche und dort am meisten ausrichte, wo sich am wenigsten Weisheit findet. Von ihm geht für uns jedweder Anlass zur Unglückseligkeit aus. Diejenigen nämlich, die sich der Lenkung durch des Schicksals Geheiß überantworten, die sich ihm überlassen, nach seinen Gaben gieren und auf es ihre Hoffnung für ihre Angelegenheiten setzen, können nicht anders als unglücklich sein; wer dagegen als Führerinnen und Lenkerinnen seiner Werke Verstand und Tüchtigkeit hat und deren Vorschriften gehorcht, ist vor jeglicher Unberechenbarkeit des Schicksals und vor jedem Elend sicher. Zwar werden sie zuweilen vom Schicksalswind geschüttelt, doch so treten sie nur desto fester gegen es auf, weil sie von ihrer Tugendhafigkeit geschützt sind, und gehen aus jedem Kampf mit dem Gegner als Sieger hervor."

Hierauf entgegnete ich: "Cosimo, ich habe nicht von dem Elend nur eines oder des anderen, sondern von dem allgemeinen Elend der menschlichen Lage gesprochen. Ich weiß, dass man einige von diesem Elendslos ausnehmen kann, welche ihre Gottesfrömmigkeit die Übrigen hinsichtlich ihrer Tüchtigkeit hat überflügeln lassen; jedoch sind diese Leute seltener als, wie man so sagt, schwarze Schwäne und weiße Raben. Alles Hervorragende hat die Natur selten sein lassen: Nur sehr wenige fügen sich dem Schiedsspruch ihres Verstandes, noch weniger lassen sich von dem leiten, was die Tugend vorschreibt. Kaum ein Einziger in den einzelnen Generationen lässt sich finden, dem man verdientermaßen Anerkennung zollen könnte. 'Einige, doch Wenige sind es', wirst Du antworten, 'die der gerechte Zeus geliebt oder die feurige Tugend zum Himmel emporgetragen hat.' Doch welcher Bruchteil ist dies unter allen Menschen zusammen? Ich rede nicht von dem einen Phoenix oder von dem Weisen der Stoiker, der niemals gefunden wurde, sondern vom Menschengeschlecht, von dem wir deutlich erkennen, dass es vom Schicksal beherrscht wird und von sich aus die Ursachen für Unbilden herbeiruft, mittels derer es dem Schicksal die Möglichkeit gibt, es zu zerfleischen. Wir alle sind von Natur aus schwach, und mit keiner Weisheit vermögen wir uns der Unberechenbarkeit des Schicksals zu widersetzen, das uns, wenn es uns sich botmäßig und untertan gemacht hat, ganz nach Lust und Laune mit fast unbegrenzten Unbilden umtreibt. Sallust schreibt, das Schicksal herrsche fürwahr in jeder Angelegenheit, und es beherrsche und mische alles eher nach Willkür denn nach Verstand durcheinander. Doch auch Cicero schreibt in seinen Briefen, in den menschlichen Angelegenheiten vermöge das Schicksal mehr als der Verstand, und anscheinend liege alle Planung beim Schicksal. Auch Theophrasts Meinung habt Ihr gelesen: Unser Leben werde vom Schicksal, nicht von der Weisheit beherrscht. Wenn dies wahr ist, sind wir notwendigerweise elend, die wir von der Fron für einen so betrügerischen, verräterischen und ungerechten Herrn gedrückt werden. Wenn Du nun glaubst, Lykurg, Solon, Sokrates. Fabricius, die beiden Cato und die übrigen von Dir Aufgezählten seien nicht im Elend gewesen, so gebe ich Dir wohl zu einem gewissen Teil zu, dass ein tugendhafter Geist keinem Elend unterliege und, indem er gleichsam sein eigener Herr ist, aller Schicksal verachte; gleichwohl kann dieses die äußeren Güter, über die es Herrin ist, durch zahlreiche Nachteile, Schmerzen, Krankheiten und Unfälle, welche zu höchstem Elend führen, ins Wanken bringen. Das Schicksal nämlich wird den, den es bei der Verteilung seiner Gaben mit Freude und Vergnügen durchströmt hat, mit Schmerz und Elend foltern, wenn es ihm diese Gaben nimmt. Wir sind ja nicht auf der Suche nach dem stoischen Weisen, der glücklich ist, auch wenn er im Stier des Phalaris sitzt, sondern wir sprechen über die gemeinsame Natur des Menschen sowie das allgemeine Elend des gesamten Menschengeschlechts. Dass dies Elend zu einem größeren Teil auch die von Dir Genannten umfasse, kannst Du nicht bestreiten. Denn entweder haben die hervorragendsten Männer, aus ihren Heimatstaaten vertrieben und verbannt, durchaus das Elend dieses Lebens erfahren, oder man hat die Staaten für elend zu halten, die sich gegenüber den Bürgern, welche sich zuhöchst um sie verdient gemacht haben, als äußerst undankbar erwiesen haben. Die Lakedaimonier, über deren Tapferkeit man viel spricht, haben den so unbescholtenen und klugen Bürger Lykurg, einen ehrwürdigen Greis, von dem sie die Gesetze, denen sie ungefähr 700 Jahre lang gehorcht haben, empfangen hatten, aus der Stadt verbannt, die er mit den besten Einrichtungen erhalten hat. Durch diese Tat allein erweist das spartanische Volk sich als äußerst elend. Die Athener scheinen in einer ähnlichen Angelegenheit als äußerst elend zu beurteilen zu sein: Sie haben Solon, einen der Sieben Weisen, der die Stadt mit hervorragenden Gesetzen bewehrt hatte, mit Verbannung bestraft, wie ich meine, um sich bei ihm mit dem Unglück der Verbannung für die so große belohnende Gabe der Gesetze zu bedanken. Den Sokrates, der vom Apollinischen Orakel als der Weiseste beurteilt worden war, haben sie mit einem völlig ungerechten Gerichtsurteil zu Boden gedrückt. Den Aristides, der als einziger in diesem so großen Staat den Beinamen ‚der Gerechte' erlangt hatte, weil er als über Gebühr gerecht erschien, haben sie in die Verbannung getrieben, so dass der Eindruck erweckt wurde (videretur!), infolge dieser Unrechtstat habe sich eher das Volk von Athen als Aristides in der Verbannung befunden. Hat man denn nicht einen Staat, der sich mit einem derart verdrehten Urteil als so undankbar zeigt, für äußerst elend zu halten, der seine besten Bürger, seine weisesten Männer und seine bedeutendsten Feldherren mit Fesseln, Gefängnis, Verbannung und gewaltsamem Tod ihr Leben zu beenden gezwungen hat? Miltiades, der weise athenische Heerführer, starb nach der berühmten Schlacht bei Marathon, in der er mit 10.000 Soldaten 100.000 Feinde besiegt hatte, auf Befehl des Volkes in Fesseln. Sein Sohn Kimon wurde aus Neid wegen seines Kriegsruhms verbannt und starb außerhalb seiner Vaterstadt. Nachdem der ausnehmend milde, freigebige und tapfere Phokion von den Athenern ungerechterweise getötet worden war, erzwang besagter Staat dessen Bestattung außerhalb der heimatlichen Grenze und gab dabei zahlreiche Beispiele, wie er die Bürger, die sich in höchstem Grade um ihn verdient machen, zu ‚belohnen' pflegt. Ein ähnliches Lebensende fand Demetrios aus Phaleros durch einen Fehler des völlig undankbaren Staates. Was soll ich von Themistokles sagen? Dessen Tapferkeit hat in einer Seeschlacht die Flotte des mächtigsten Königs, Xerxes', besiegt, wodurch die Vaterstadt ihre Rettung erlangt hat. Ist Themistokles nicht durch den Schiedsspruch eben derer, die er gerettet hatte, in der Verbannung gestorben? Denselben Tod fand der große Heerführer Alkibiades, den seine undankbare Vaterstadt zum Tod in der Verbannung gezwungen hat. Wie ich meine, legen die Fälle dieser hochberühmten Männer Zeugnis dafür ab, dass entweder die elend gewesen sind, die ein so grausames Schicksal erlangt haben, oder dass die Staaten elend gewesen sind, welche ihre Befreier und Verteidiger in einem so undankbaren Andenken an deren Wohltaten ins Gefängnis gesperrt, verbannt und getötet haben. Was nun den Alexander angeht, den Du unter denjenigen genannt hast, die man von dieser Elendslage ausnehmen könnte (possent!), so scheint gerade er mir der Elendste von allen zu sein, die je gelebt haben, war er doch grausam, trunksüchtig, hochmütig, sich über die Lage des Menschen erhebend, aufbrausend in seinem Zorn, der abscheulichste Räuber des Erdkreises und eine gottlose Seuche für seine Freunde. Welche Gemeinschaft also könnte zwischen der Glückseligkeit und so vielen Lastern bestehen? In jedem Falle keine, wenn man nicht Laster und Tugenden auf eine Stufe stellen will. Ich übergehe die Karthager, die ihre durch Tapferkeit im Kriege herausragenden Feldherren entweder verbannt oder gekreuzigt haben. Von diesen zu glauben, sie seien frei von Elend gewesen, scheint in keiner Weise Zeichen eines Klugen zu sein. Indes möchte ich zugestehen, dass nicht einmal die Römer (Romanos!), deren Tugendhaftigkeit von den Schriftstellern so sehr hervorgehoben wird, frei von dem besagten Elend gewesen sind: So undankbar haben sie sich gegenüber ihren Förderern, Verteidigern und Vorkämpfern erwiesen, so sehr haben sie untereinander getobt, so verderblich waren sie für ihre Bürger, und so ungerecht war die Schätzung, die sie der Tugendhaftigkeit entgegenbrachten! So lesen wir davon, dass ein Marcus Coriolanus, ein Camillus und so viele Scipionen, Befreier ihrer Heimat, infolge eines ungerechten Schiedsspruches durch das Volk entweder aus der Stadt verbannt worden seien, oder dass ihnen die Abbüßung einer Gefängnisstrafe anbefohlen worden sei, oder dass sie eines gewaltsamen Todes gestorben seien. Der ehrenwerte und unbescholtene P. Rutilius wurde durch einen äußerst ungerechten Volksbeschluss in die Verbannung geschickt; als Sulla ihn später zurückrief, wollte er nicht in die Heimat zurückkehren und erklärte, er könne nicht gleichmütig in eine Stadt zurückkehren, in der die Waffen mehr als die Gesetze vermöchten. Den jüngeren Cato, einen Mann von stoischer Tugendhaftigkeit, hat das römische Volk sowohl mit der Schmach der Zurückweisung als auch mit vielen weiteren Schmähungen 'ausgezeichnet'. Und gewiss haben sich Leute gefunden, die Catos Gesicht bespuckten und mit Mist bewarfen, so sehr kümmerte sich das Volk von Rom um Tugendhaftigkeit! Ich möchte behaupten, dass das römische Volk aus vielen Gründen sehr elend gewesen sei. Denn welche Glückseligkeit hätte in einer Stadt blühen können, die gegenüber denjenigen, die sich um sie verdient gemacht haben, so grausam aufgetreten ist, stets von inneren Zwisten und äußerlichen Kriegen und Niederlagen erschüttert wurde und sich durch beständiges Morden der eigenen und fremder Leute, durch Raubzüge, Kriegsbeute und Brandschatzung einen Speckgürtel zulegte? Sie hat stets den elenden Aspekt des Lebens erfahren, am meisten freilich zu jener Zeit, als sie während der Bürgerkriege von dem fürchterlichen Wüten der Diktatoren, Konsuln und Dreimänner zerrissen wurde, als aus ihr die bedeutendsten Männer abgeschöpft waren, sie von der Ächtung und der Ermordung so vieler hervorragender Männer ausgelaugt war und schließlich, nachdem ihr die Freiheit gegeben war und sie der Herrschaft eines Einzigen unterstand, die verfluchte Grausamkeit nicht von Herrschern, sondern von Verschwendern erlitt und zusammenbrach. Was konnte diesem Staat Elenderes geschehen, als M. Ciceros Haupt zusammen mit dessen rechter Hand auf Geheiß eines einzigen Trunkenboldes an eine Ruderstange angenagelt zu sehen, und zwar auf der Rednerbühne, auf der dieser außerordentliche Mann und glühende Liebhaber seiner Heimatstadt das Heil des römischen Volkes des öfteren gegen die Angriffe der vorher genannten Bürger verteidigt hatte? Was hat es für diese Stadt Unseligeres gegeben, als die Grausamkeit eines Octavius, eines Cinna, eines Carbonius, eines Marius, eines Sulla, als die Grausamkeit von drei Ungeheuern - nein, nicht die Grausamkeit, sondern das wahnsinnige, von Bürgerblut überströmende Wüten lange Zeit zu ihrem eigenen Verderben durchlitten zu haben? Mögen die Anderen sprechen und glauben, wie sie wollen: Ich jedenfalls werde niemals zugeben, dass Kaiser Augustus, bei dem das Schicksal mehr Gaben als bei irgend jemandem anders angesammelt hat, glückselig gewesen sei. Ich möchte behaupten, dass der Verräter der Menschen, der Bürger, des Vaterlandes, des Staates und Ciceros, der die Waffen, die er zum Zweck der Rettung des Gemeinwesens empfangen hatte, zur ruchlosen Knechtung eben dieses Gemeinwesens einsetzte, der dem Vaterland dessen Freiheit nahm, der Cicero, diesen unbescholtenen Mann, der sich höchste Verdienste um ihn erworben hatte, den ‚Vater des Vaterlandes', um seiner Herrschaft willen dem Antonius zur Schlächtung überließ, der schlimmer als ein Tyrann wütete und, als er das Bürgerschlachten leid war, den Ächtungen ein Maß durch seine Sättigung setzte. Ich übergehe die übrigen Dreimänner; wie 'glückselig' diese waren, zeigen sowohl ihre schandbare Lebensführung als auch das unglückliche Ende ihres elenden Lebens. Dies freilich möchte ich behaupten, dass nämlich zum einen die Stadt Rom dem von mir so genannten Unglück des allgemeinen Elends zu keiner Zeit entgangen sei, und dass zum anderen als Einziger in ihr während so vieler Jahrhunderte Quintus Metellus als glückselig gegolten habe. Wenn man allerdings die Tugendhaftigkeit so hoch schätzt, dass nur sie uns von jedweder Knechtung durch Unbilden freihalten könne, so sind notwendigerweise die Tugendlosen, d.h. die Schlechten und Lasterhaften, elend. Denn tugendlos sowie schändlichen Taten hingegeben zu sein scheint kein geringes Elend zu sein. Somit ist das ganze Leben der Sündigen elend und gibt es keine verderblichere Krankheit als die der Gesinnung. Nun aber quält das verderblichste Übel fast alle; also sind notwendigerweise alle Ruchlosen elend. Du weißt ja, wie weit die Nichtswürdigkeit reicht, wie schnell man lasterhaft wird, und wie sehr die Laster uns von allen Seiten bestürmen; wie schwierig es für uns ist, uns ihnen zu widersetzen, bezeugt unser Leben, das voll von Verbrechen und Schandtaten ist. Horaz sagt:"Niemand wird ohne Laster geboren, der Beste ist der, der von den wenigsten bedrängt wird." Daher scheint man zugeben zu müssen, dass, da alle lasterhaft sind, diese auch elend seien. Nun freilich liegt offen zutage, dass unser ganzes Leben von Lastern zerrissen wird: Der eine glüht vor Habsucht, der andere ist der Genusssucht verfallen; dieser frönt seinem Ehrgeiz, der andere wird von seinem Hochmut beherrscht. Diesen quält seine Begierde zu herrschen, jener leidet an Hass und Neid. Wir sehen, wie Manche nach fremden Mitteln trachten und einige andere dem Erwerb und der Anhäufung von Reichtum verfallen sind. Es gibt Leute, die ihre Armut zu Übeltaten treibt, und Leute, die, verführt von den mannigfachen Verlockungen der Vergnügen, vom rechten Weg abweichen. Es gibt Menschen wie Tantalos, die trotz Überflusses weder Hunger noch Durst zu vertreiben vermögen. Manche kann man sehen, die sich mit überflüssigen Mühen auf die Erlangung dessen verlegen, was, nachdem es erworben ist, kurze Zeit später seine Besitzer (nur desto) mehr belastet, so dass diese besser um die Erfüllung ihrer Hoffnung betrogen worden wären, als das zu erlangen, was sie begehrt haben. Mit allem Eifer suchen sie gerade das zu bekommen, was nur unter Schwierigkeit erlangt worden und noch schwieriger in Besitz zu halten ist. Was ist denn beständig und so fest und so haltbar von den Dingen, deren Gebrauch das Schicksal uns zugestanden hat, dass es nicht von dessen Gewalt und Willkür zerstört und vernichtet werden könnte? Alle diese Dinge werden von dem Gutdünken des Schicksals beherrscht, und dieses verspricht niemandem, ihm so und so viel zu schenken, ohne die Drohung, ihm bei Belieben ebensoviel wieder zu nehmen. Daher entspricht die Freude über das, dessen Gebrauch das Schicksal uns ermöglicht hat, der Furcht vor dem erzwungenen Verlust, wenn das Schicksal es will. Die menschlichen Angelegenheiten sind stets schwankend und im Fluss und werden niemals im selben Zustand verharren. Die Natur hat das Einzelne unter der Bedingung begründet, dass es sich zu seinem Fall und Untergang neigt. Wenn Du Dir die innerlichen Gedanken und Sorgen derer betrachtest, die allgemein für glückselig gehalten werden, wirst Du in der Tat finden, dass der schöne Schein der äußerlichen Güter eitel und der bräsige Prunk von vielen mannigfältigen Sorgen umringt ist. Ganz richtig hat Horaz geschrieben:"Nicht nämlich werden Schätze noch auch ein konsularischer Liktor die elenden Erregungen des Geistes und die Sorgen, die getäfelte Dächer umschwirren, beseitigen." Sie sind die Gäste der Mächtigeren, in deren Hallen und Schlafzimmern sie sich ihren Sitz erwählt haben. Doch wo diese Schätze vorhanden sind, dort pflegt nur selten Gemütsruhe, ein Hafen gegenüber den Sorgen oder irgendwelche Glückseligkeit zu wohnen; sie scheinen mehr Schmuck als Vergnügen an sich zu haben, sind sie doch wie Theater- oder Säulenhallenzierat zur Feier von Spielen geborgt, den man auf den Willen eines anderen hin zurückzugeben hat. Je mehr man aber von diesen Dingen besitzt, da sie ja scheinbar Begleiter des Glücks sind, desto größer ist die Sorge, sie möchten zurückgefordert werden, die einen quält. Eben die Menschen, die sich der Güter des Schicksals erfreuen, bringen des öfteren mit Worten ihre Angst, Aufgeregtheit und Furcht vor ungewissen und unvorhersehbaren Zufällen zum Ausdruck. Welche Glückseligkeit könnten denn diese geschminkten Schicksalsgaben bringen? Äußerst hart ist ja doch die Armut, der der Überfluss voraufgegangen ist! Wenn Du vermeinst, die, die sich mit den Gaben des Schicksals hervortun, seien frei von Elend, so sieh zu, ob die Sache sich nicht anders verhalte! Als glückselig gelten die, die durch Machtmittel hervorragen, die in höchstem Überfluss leben, die breite Fähigkeiten erlangt haben, die Herrschaftsstellungen erklommen haben, und denen eine Frau und der gewünschte Nachwuchs geschenkt sind. In der Tat bringen diese Dinge höchstes Vergnügen, solange sie vorhanden sind; doch sind sie ungewisse Geschenke auf Zeit, und ihre Erhaltung ist nur dem Anschein nach ein Schutzmittel. Zudem ist niemand jemals so reich gewesen, dass er seinen Begierden ein Maß gesetzt und nicht noch Größeres begehrt und zu erwerben gesucht hätte. (‚Es wächst die Liebe zum Geld, je mehr das Geld selbst wächst.') Die von diesen Begierden verursachte Erregung macht das Leben sehr unruhig. Das Gemüt nämlich, besorgt um die Zukunft, ist in Angst, weil es stets zwischen Hoffnung und Furcht schwankt und bei jedem Luftzug erschrickt. Mir jedoch scheinen die sogenannten Glückseligen desto elender als die Anderen zu sein, je größer ihre Freiheit zu sündigen ist. Wir wissen, dass allein schon die Möglichkeit, Schlechtes zu tun, den Raum fürs Sündigen schafft. (Von da ist das Sprichwort:'Wir werden durch die Möglichkeit schlechter' bekannt.) (Wir wissen,) dass dieser Satz nur allzu bewährt ist, und dass das 'Nichts im Übermaß!' nützlich ist. Denn wer enthält sich, wenn er reich und mächtig ist, üppig lebt und vom Glück begünstigt ist, des schändlichen Verhaltens, des Verbrechens und der niederträchtigen Tat? Wer von diesen Menschen nimmt in seinen Worten und Handlungen Rücksicht auf seine Pflicht? Wer folgt der Tugend? Wer gehorcht deren Anweisungen? Bei solchen Leuten besteht wahrlich für gewöhnlich eine große Leere an Rechtschaffenheit und eine sehr große Menge an Lastern. Ich will überhaupt nicht von den Königen, Fürsten und Machthabern reden, denen die Wollust eine Tugend ist und über deren Unglückseligkeit ich in einem kleinen Buch von mir gehandelt habe; nicht reden will ich auch von den Kriegsdienstleistenden, deren Leben mit allen möglichen Schandtaten besudelt ist - etwas Elenderes und Unseligeres kann es nicht geben. Übergehen will ich überdies alle Handwerker, denen Betrug mehr als (ehrliche) Arbeit hilft, sowie diejenigen, die ihr Wissen in klingende Münze umwandeln, die um des Gewinnes willen aus Recht Unrecht machen, ganz zu schweigen von denen, mit deren Beschäftigung das Lebenselend unmittelbar verbunden ist. Wie steht's mit der dummen, trägen und verstandeslosen breiten Masse, die wie die Tiere nur zum Fressen geschaffen scheint? Wirst Du nicht zugeben, dass Torheit, Unglückseligkeit und Elend sich in ihr ihre Heimstatt gewählt haben? Das Leben der Masse neigt ganz und gar zur Liederlichkeit, weil sie jedwede Tugend hintansetzt. Da also in der Volksgemeinschaft die Tugend geächtet scheint, ist diese Lebenslage notwendig elend, so dass, wenn man das verderbte Wesen und die Sitten aller möglichen Menschen genau untersucht, niemand für vom Elend dieses Lebens frei gehalten werden kann."

An dieser Stelle grinste Cosimo und sprach: "Sei vorsichtig, Poggio, dass nicht unsere sogenannten Glaubensanhänger und zumal die, die ihre Armut öffentlich zur Schau stellen und behaupten, der Richtschnur des Evangeliums zu folgen, Dich vor Gericht bringen, indem sie erklären, Deine Meinung sei nicht richtig und nicht wahr, da sie ein solches Leben führten, über welches das Schicksal in keiner Angelegenheit herrsche. Denn nachdem sie sich sämtlicher Schicksalsgüter entledigt haben und sich, wie sie sagen, auch nicht um das Morgen sorgen, leben sie frei, ruhig, glücklich und fern jeglichen Elends. Sie werden zahlreiche heilige und glückliche Männer, die aus ihrem Orden hervorgegangen sind, anführen, von denen es ein Frevel wäre, zu glauben, irgendeine Unbill habe irgendeinen Zugang bei ihnen gehabt. Denn diejenigen, die Gottes Weisungen anhangen und vom Heiligen Geist geführt werden, müssen zu Lebzeiten und nach dem Tode als glückselig gelten. Wie Du weißt, gibt es viele verschiedene Religionen und innerhalb dieser eine große Menge Menschen, von denen Du zu unserer Zeit wie auch zur Zeit unserer Vorfahren sehr Viele finden wirst, denen Gottes Güte ewigen Ruhm geschenkt hat; und diese Menschen waren gewiss frei von jedweder Unglückseligkeit. Wenn nämlich die Unglückseligkeit aus der Willkür des Schicksals, das das Seine von uns zurückfordert und alles auf den Kopf stellt, entsteht, dann sind in der Tat diejenigen, die sich von den geschminkten Schicksalsgaben losgesagt und sich im sicheren Bereich aufgehalten haben, nachdem sie ihre Schutzmacht im Lager der Tugendhaftigkeit aufgestellt hatten, des himmlischen Ruhms teilhaftig geworden. Sie waren alles andere als elend, haben vielmehr Viele durch Wort und beispielhafte Tat vom Elend des Menschenlebens befreit. Somit ist ganz offenkundig, dass dies von Dir im Munde geführte 'Elend der Natur'' nicht allen gemeinsam ist; an etwas, das 'natürlich' sein soll, müssen ja alle teilhaben."

Hierauf entgegnete ich: "Ich will mich nicht auf eine Auseinandersetzung mit denen einlassen, die Du 'Glaubensanhänger' genannt hast, Cosimo. Denn deren Sippschaft ist groß und bereit zu Herausforderungen, insbesondere mir gegenüber; sie meinen, von mir in der kleinen Schrift Contra hypocritas aeditum verletzt worden zu sein. Doch möchte ich diesen Bereich dem Mateo überlassen, dessen Autorität und Klugheit sehr groß sind; er wird frei seine Meinung sagen, was er über die Unglückseligkeit dieser Menschen denkt."

Mateo sprach: "Ich sehe, dass Du vor dieser nur zu starken Schlachtreihe Reißaus nimmst und zu vielen dieser Leute ein angenehmes Verhältnis pflegst. Und ich weiß, dass Du fürchtest, einer von denen, über die Du richtig denkst, glaube sich von Dir angegriffen; doch darf jedermann die Wahrheit sprechen, wiewohl der berühmte Terenzvers sagt: 'Willfährigkeit schafft Freunde, Wahrheit schafft Hass.' Nachdem Ihr mir diese Last aufgebürdet habt, will ich also vorbringen, wie es mir um die Glückseligkeit dieser Gläubigen zu stehen scheint. In dieser Sache, da bin ich sicher, werden es die Gelehrten, Weisen, Rechtschaffenen oder die mit sonst einer Tugend Begabten mit mir halten; die Glückseligkeit der Übrigen lehne ich als plump und albern ab. Der größte Teil dieser Gläubigen würde ohne jede Schwierigkeit eingestehen, dass ihr Leben mit zahlreichen Unbilden behaftet sei, müssen sie doch, was nur Wenige gleichmütig ertragen, für ein fremdes Begehren und für fremdes Gutdünken leben. Indes will ich zu Dir nicht, wie Poggio dies zuvor versichert hat, nur von dem einen oder dem anderen Glaubensanhänger, sondern von der allen gemeinsamen Lage sprechen, welche mir freilich ziemlich hart erscheint. Du weißt, dass Wasser von Natur aus kalt ist, und doch finden sich manche warmen Wasser; es gibt auch Wasser ohne Geschmack, gleichwohl ist das des Meeres salzig, und manche sind, abhängig von der Gegend, die sie durchfließen, bitter, manche süß. Wie die natürliche Gestalt des Menschen beschaffen ist, weiß jeder, der recht bei Trost ist. Gleichwohl werden Manche mit zwei Köpfen oder verkrüppelt oder mit doppelten Gliedmaßen oder mit einer körperlichen Schwäche oder ohne Finger oder mit zu vielen Fingern geboren, ohne dass solche Schreckensgestalten die allen gemeinsame Natur verändern. Auch ist unser (der Menschen) ganzes Wesen schwach, matt, von verschiedenen seelischen und körperlichen Krankheiten verderbt und den Sinnen unterworfen, mit denen der Apostel Paulus, wie er schreibt, einen ständigen Krieg führt; sie seien eine Art von Gesetz, das dem Gesetz des Verstandes widerstreitet, so dass er nicht das tue, was er will, sondern das, was er nicht will. Wenn also (Paulus,) das Gefäß der Erwählung, den Gott in seine Frohe Botschaft aufgenommen hat und mit dem Christus sprach, darüber geklagt hat, dass das gottgegebene Naturgesetz, d.h. unsere Sinne und die verschiedenen seelischen Krankheiten ihm feindlich gesonnen seien, so dass er das zu tun gezwungen sei, was er nicht tun wolle, was sollen wir dann von diesem Haufen menschlicher Gebrechlichkeit, der dem Gesetz der Sünde unterworfen ist, sagen? Muss man nicht eingestehen, dass die menschliche Natur unmittelbar seit unserer Geburt Unglückseligkeit und Elend auf sich gezogen habe? Wenn es dem Apostel derart schwierig erschien, dieses Elend zu vermeiden, dass er fragte:'Wer wird mich von der elenden Knechtschaft des Leibes befreien?', was wird dann den Übrigen geschehen, die von der Last des Fleisches erdrückt sind, ihren Gemütswallungen nachgeben, von Verbrechen angefüllt sind, nichts vom Verstand wissen und tugendlos wie Tiere ihr Leben dahinbringen? Auf alle Fälle gilt das Urteil, dass diese Menschen äußerst elend seien. Gewiss: Es hat Mehrere gegeben, und es gibt Mehrere, die Gott als Glückselige in diesem und im künftigen Leben auserwählt hat, doch verändern diese nicht die menschliche Natur oder unsere schwächliche Lage, sondern alle (diese Erwählten) besiegen die von dem Apostel beklagten Schwierigkeiten nicht mit ihren eigenen Kräften, sondern mit der Gnade des Allerhöchsten. Betrachtet man die Menschengattung als ganze, so ist dieser Anteil der Glückseligen lächerlich gering. Eine Schwalbe, sagt Aristoteles, zeigt noch keinen Sommer an. Wie diese ganze Erde sich zum Gesamtumfang des Alls wie ein Punkt verhält (so wollen die Sternkundigen es wissen), so wird man finden, dass die von uns namhaft gemachten Glückseligen sich wie ein Punkt zur Menge der Übrigen verhalten. Was die von Dir angeführten Glaubensanhänger anlangt, die behaupten, frei von jeglichem Elend zu sein, so halte ich sie gerade deswegen für elend, weil sie ihr Elend nicht empfinden. Als gefährlich gilt nämlich eine Krankheit, die die Glieder stumpf und unempfindlich macht. Ich gebe Dir zu, dass es Viele von diesen gibt, die ich aufgrund ihrer Unbescholtenheit, ihrer Geisteskraft und ihrer Gelehrsamkeit nie und nimmer elend nennen würde. Ich meine auch, dass die Religionsanhänger zum Schutz und zur Bewahrung des Glaubens nötig sind, da sie im Volk sehr viel bei der Eindämmung der Laster bewirken und durch Wort sowie durch tätiges Beispiel wie eine Schutzwehr für unseren Glauben sind. Doch wenn man in dieser so großen Menge verschiedener Völker und in dem so mannigfältigen und unermesslichen Menschengetümmel die Guten von den Schlechten, die Gelehrten von den Ungelehrten, die Weisen von den Toren und die Faulen von den Fleißigen trennt, so wird man auf der einen Seite Menschen finden, die man billigen kann, und auf der anderen Seite wird einem die breite, gemeine und abergläubische Masse begegnen, also Menschen, die man missbilligt (improbes!). Wenn Du glaubst, diese Leute seien frei von Elend, dann pass' auf, dass Du Dich nicht schwer täuschst! Ein Teil von ihnen weicht von der Gewohnheit der Übrigen ab und geht absichtlich der Menge aus dem Weg, die aus Liebe zu Christus die Armut verachtet, Kälte und Hitze meidet und um Durst, Hunger und die anderen Unannehmlichkeiten im Leben einen Bogen macht. Diese Leute, die nackt, von keinerlei Kleidung zusammengehalten, unverstellt und ungeschminkt in einer anderen Welt Rechenschaft über ihre Werke ablegen werden, sollen selbst sehen, ob sie glückselig oder elend sind! Dennoch sieht man einige von ihnen, die sich der römischen Kurie nähern, auf den besten Pferden reiten, mit offener Hand Aufwendungen machen und Vieles versprechen und schenken, um ihre Besitztümer, mit denen sie fern von jeder Belästigung ihr nur zu üppiges Leben dahinbringen, auf jede Art und Weise zu vermehren. Ein weiteres Geschlecht gibt es von ihnen, die sich 'Bettler' nennen, obwohl sie eher den Anschein erwecken, andere zu Bettlern zu machen, weil sie vom Schweiß der Übrigen leben und selbst keinerlei Anteil an irgendeiner Arbeit haben. Von diesen haben einige sich den Namen 'Observanz' beigelegt; welche Art Glückseligkeit sich all diesen zuschreiben lasse, weiß ich nicht. Was ich weiß, ist allein dies, dass nämlich der größte Teil derer, die sich als 'minores' bezeichnen und besagten Titel 'observantia' vor allem für sich in Anspruch nehmen, aus Landarbeitern und trägen Tagelöhnern besteht, denen es vor allem darum zu tun war, der Arbeit aus dem Weg zu gehen, denen es aber nicht um die Annahme eines Glaubens oder um die Führung eines unbescholtenen Lebens ging, ein angeberisches Völkchen, eher dem Dünkel und der Schau als der wahren Tugendhaftigkeit hingegeben. Dies Völkchen hält sich für derart heilig, unbefleckt und in seiner Lebensführung vollkommen, dass seine Angehörigen vermeinen, ihnen fehle nichts, um als glückselig zu erscheinen. Sich selbst schätzen sie hoch, die Anderen verachten sie und sind derart hochnäsig und aufgeblasen, dass sie sich selbst ihrem Oberhaupt, das schon seit Jahrhunderten als solches besteht, zuweilen widersetzen, wenn es ihren Verdiensten nicht ebenbürtig und ihres Gehorsams nicht würdig scheint. Notwendigerweise wird durch eine solche verquere Ansicht jede Staatsverfassung von Grund auf zerstört, werden doch Würden, Ämter, Aufgaben und Herrschaft nicht immer den Guten und den Besten übertragen. Jene Leute glauben, ein schäbiges und schmutziges Gewand, ein billiger Umhang, Holzsandalen, ein von den Schultern hängender Kopf, ein krummer Hals und ein blässliches Gesicht seien Zeichen von Tugendhaftigkeit und Heiligkeit; indes sind es, wie meistens der Fall, bloß Anreize für Prahlsucht. Ich gäbe zu, dass sie glückselig sind, wenn sie so wären, wie sie scheinen wollen, doch weicht ihr innerliches Leben weit von ihrer Zurschaustellung ab. Sehr häufig kann man bemerken, dass manche aufrührerisch, knechtisch ehrgeizig, schroff und selbst gegenüber Ihresgleichen schmähsüchtig sind. So geschah es unlängst zu Perugia in ihrer Generalkapitelveranstaltung. Ich weiß nicht, ob Du solche Menschen für glückselig oder für elend hältst. Ich jedenfalls bin der Ansicht, dass alle die, deren Sitten von ihren eigenen Vorschriften abweichen, äußerst elend sind, und dass sie nicht den besagten Anteil an der Glückseligkeit erlangen, es sei denn, sie hielten sich für glückselig dadurch, dass sie das Volk täuschen und hintergehen. Um aber nicht den Anschein zu erwecken, ich führte mit dieser unsteten Schar einen nutzlosen Krieg, und um sie nicht zum Schimpfen herauszufordern, lassen wir sie in ihrem Glauben an ihre Glückseligkeit dahinsiechen! Ich billige demnach Poggios Ansicht und nehme auch nicht (neque!) die, von denen Du es glaubst, von der elenden Lage dieses Lebens aus, da ich voraussehe, dass wir dieser Lage gemäß dem Gesetz unterworfen sind, welches jedem von uns von Anbeginn der Welt bei der Geburt mitgegeben worden ist. Wie Du weißt, sind wir zu mannigfachen Lebensmühen geboren, zu Nachteilen, Erschöpfungen, Gefahren, Krankheiten, Unpässlichkeiten; in diesem Leben müssen wir wie auf stürmischer, unwirtlicher See verschiedene Schiffbrüche in unseren Angelegenheiten auf uns nehmen. Für die Gegenwart gibt es keine Ruhe, keine Möglichkeit der Muße, keinen sorgenfreien Tag, keine Unterbrechung der Mühen, so dass man mit Terenz behaupten kann, wir seien zum Elend geboren. Du selbst, Cosimo, den die Anderen aufgrund Deiner langen Lebenszeit für glückselig halten, weißt, welche Gedanken, Sorgen, Belästigungen und Aufregungen Dich heimsuchen, wie wenig freie Zeit Du zur Ruhe hast, und wie wenig Zeit nur Du für Dich selbst lebst. Die Anderen wissen nicht, wie sorgenvoll der Schutz so großer Glückseligkeit sich gestaltet, und wie zweifelbeladen und angespannt die Furcht ist, mit der man sie bewahrt. Das Volk weiß nicht, wie viel der Neid in einem Staat vermag, wie sehr Viele Tugendhaftigkeit hassen, und wie groß die Rivalität unter den Ruchlosen ist. Das niedere Volk sieht auf Äußerlichkeiten, die großenteils prächtig sind: Schutzgenossenschaften, Kleidung, Ausstattung, Hausdiener, gepflegtes Geschirr, Silbertisch, eine lange Reihe Bediensteter; hierauf gaffen alle mit offenem Mund, als bestünde die Glückseligkeit in diesen Dingen. Was jedoch nicht zum Vorschein kommt und nicht gesehen wird, sind die innerlichen Katastrophen, die verborgenen Krankheiten und die abgelegeneren Wunden, die die Seele elend und unglücklich machen. Als er seine Frau zurückgewiesen hatte und Viele diese Tat, dass er eine schöne, ehrenhafte und redliche Frau, wie es schien, weggeschickt hatte, tadelten, zeigte der bekannte Bürger Roms das Schuhwerk, das er trug, und fragte, ob es ihnen passend und schön erscheine. Als sie Zustimmung nickten, sagte er:'Doch ich allein weiß, an welcher Stelle meines Fußes der Schuh drückt.' Und so ist es in der Tat: Nicht allen sind die seelischen und vor allem die beschwerlicheren Sorgen und die geistigen Erregungen der als glückselig Geltenden bekannt, die das Herz wie die Adler die Leber des Tityos zur beständigen Qual auffressen."

Hierauf sprach Cosimo: "Ich weiß, Mateo, dass unser Leben in etliche Schwierigkeiten verwickelt ist, ermüdet es doch stets im Kampf gegen die Laster. Ich weiß, dass es äußerst schwierig ist, das Schicksal mit dem Verstand zu besiegen und mit Ernst und Weisheit Ängste und drohende Beschwernisse von sich abzuhalten. Ich weiß aber auch, dass weise Männer niemals elend sind, da Tugendhaftigkeit mit Elend keine Gemeinschaft eingeht, sondern dieses weit von sich stößt. Du führst zahlreiche Beschwernisse und Lasten dieses Lebens an sowie Kämpfe gegen die Laster, von denen wir ständig belagert werden. Die Menschen werden, wie Du sagst, von etlichen seelischen und körperlichen Unpässlichkeiten gequält, denen unsere Schwäche zum überwiegenden Teil nachgibt. Freilich haben wir uns alles solches Elend nicht durch die Natur, sondern durch unseren Fehler und unsere verkehrten Sitten zugezogen, so dass nicht zu verwundern ist, wenn die schlecht eingerichtete Natur Einiger zur Ursache ihres Elends geworden sein sollte. Daher scheint mir, dass man die Schuld einiger Weniger nicht auf das Menschengeschlecht im allgemeinen beziehen darf."

Nach diesen Worten sagte Mateo: "Mir gefällt Poggios Ansicht recht gut, und Deine Einlassung, Cosimo, scheint recht leicht widerlegbar. Zuvor hatte es ja geheißen, die allgemeine Mühsal werde nicht schon deswegen aufgehoben, weil sich einige Wenige von diesem (Menschen-)Geschlecht aussondern ließen, bei denen keine Unglückseligkeit und kein Elend Platz haben. Gewiss ist es ein ungeheures Geschenk Gottes gewesen, wenn Einige diese menschliche Schwäche durch ihre tüchtige Gesinnung besiegt haben. Doch um meine Meinung zu sagen, so glaube ich, dass Sitz und Grundlage des menschlichen Lebens das Elend sei, und dass dieses weiter reiche und tiefer wurzle, als viele vielleicht vermeinen. Wenn Ihr möchtet, werde ich über dies Elend einiges Wenige dem zuvor Gesagten anfügen, was sich zu dieser meiner Ansicht fügen zu können scheint. "Gerne", erwiderte Cosimo;"ich möchte den Rest dieses Tages lieber mit Gesprächen dieser Art verbringen als mit den Floskeln der Vielen, die mir ziemlich häufig wegen ihrer Barschheit lästig fallen."

"Beginnen wir", sprach Mateo, ""mit den weniger gewichtigen (Argumenten), um danach die gewichtiger scheinenden anzupacken! Um zunächst die weniger gewichtigen mit wenigen Worten abzuhandeln, lasst uns die Hinfälligkeit und die Mannigfaltigkeit unserer Lebenszeit betrachten, in der sich die schlagendsten Beweise für das besagte Elend finden lassen! Sind nicht die Kleinkind-, die Kindes-, die Reife- und die Jugendphase, da sie voll von Dummheit, Ausgelassenheit, Schamlosigkeit und Zügellosigkeit sind, auch voller Elend? Worin unterscheidet sich das Leben während dieser Altersphasen von dem der Tiere? (Während dieser Phasen) haben die Menschen kein Vermögen des Planens, des Unterscheidens und des Voraussehens, sie lassen sich, Opfer ihrer Leidenschaften, von den mannigfaltigen Sinnesempfindungen leiten und irren so weit vom Verstand ab, dass sie fast schon wahnsinnig sind. Wenn sie dann ein wenig älter geworden sind, wundern sie sich selbst über die Albernheiten, Spiele, die Ausgelassenheit, den Jähzorn, die Unsitten, Späße, die verschiedenen Begierden und die Wollust jener Altersphasen und verurteilen sie. Sie schämen sich der Erinnerung an die Dinge, die ihnen ihr schwächliches Alter während der früheren Jahre erlaubt hat, und wir meinen, dass diese Altersphasen, die durch einen Fehler der Natur höchstselbst mangelhaft und schwächlich sind, äußerst elend seien, da sie von keinem Nutzen sind. Damit, was wir gesagt haben, deutlicher werde, prüfe die Sitten und die Lebensführung der Heranwachsenden, deren Altersphase keinen Verstand kennt und in den meisten Fällen in Lastern versunken darniederliegt! Ich weiß, dass sie, die auf Vergnügungen und üble Begierden aus sind, richtige Ratschläge und Mahner nicht schätzen, und Du weißt, dass sie zu jedweder Schandtat bereit, verschwenderisch, Aufwand treibend, hochnäsig, ausgelassen und frech sind. Die Laster dieser brodelnden Lebensphase, die sich in jedweder Schandtat entladen können, sind Legion. Das Mannesalter ist von unterschiedlichen Anstrengungen in Anspruch genommen und treibt zur Anhäufung von Geld, zum Ehrgeiz, zu Schutzgenossenschaften, Ehren, Ämtern, Machtstellungen und zur Ruhmsucht; wegen dieser Dinge sind die Menschen stets haltlos, unruhig, ängstlich, nach Neuem begierig und werden bald von Eifersucht, bald von Rivalität gequält, so dass ihr Leben sich in nichts von der Unruhe dessen zu unterscheiden scheint, der in der Unterwelt von dem ständig sich drehenden Rad gequält wird. Die 'Glückseligkeit' des Greisenalters kennst Du selbst, der Du dessen Nachteile (am eigenen Leib) erfährst. Horaz sagt:'Viele Nachteile umringen einen Greis, vor allem Schwächen: Denn quengelig sind die Greise, schwierig, griesgrämig und ängstlich so wie die, die meinen, alle Elemente würden ihnen fehlen.' Cicero versucht das Greisenalter zu entschuldigen und schreibt dessen Nachteile nicht der Lebensphase, sondern der Schuld der Menschen wegen ihres zuvor geführten Lebenswandels zu; gleichwohl führt er für so viele (tot!) Jahrhunderte nur wenige erträgliche Greise an, die selbst für den Fall, dass die übrigen (Gebrechen) wegfallen, Krankheiten und körperliche Schwäche, von denen diese Altersphase betroffen ist, elend machen würden. Zu Recht hat unser Terenz geschrieben, das Greisenalter sei an sich eine Krankheit. Und überhaupt die Uralten! Ihr Elend ist ja bekannt, und ihr Leben - ich will die übrigen (reliquas!) Schwierigkeiten dieses Lebensabschnitts hintansetzen - besteht fürwahr aus beinahe unzähligen Beschwernissen und ist ihren Angehörigen ebenso verhasst wie Fremden, so dass es ausschließlich an Schmerz und Mühsal teilzuhaben scheint. Das Lebensalter der Hochbetagten wird auch von allen verachtet, weil es zahlreiche Schwächen aufweist. Willst Du wissen, dass wir alle Lebensalter wie Elende missbilligen? Das Kind verachtet die Albernheiten der Kleinkinder, der Heranwachsende die Spiele der Kinder. Die Männer tadeln die Beschäftigungen der Heranwachsenden, bei denen Vogelfang und Jagd, übertriebene Aufwendungen und die Aufzehrung des Erbes als Tugendhaftigkeit gelten. Die Greise wiederum lehnen die Mannesjahre als aufgeregt, unruhig und überflüssigen Dingen hingegeben ab. Der Hochbetagte schilt den Greis als übermäßig neugierig und um die Zukunft besorgt, obwohl er selbst in derselben Weise belastet ist. Die einzelnen jüngeren Altersstufen verlachen den Hochbetagten als dumm, kindisch und zu nichts nutze. Auf diese Weise ist kein Lebensabschnitt frei von Elend, wenn man die allgemeine Lage der Natur betrachtet, weil jeder Abschnitt sich zu Recht tadeln lässt. Wir selbst sind es ja, die sämtliche Lebensphasen der Unwissenheit und der Unglückseligkeit zeihen, weil sie miteinander in so gegensätzlichen Beschäftigungen wetteifern. Anlässlich seines Lobes der Tugendhaftigkeit sagte Cicero in seinen Gesprächen in Tusculum: 'Ich beginne dieser Ansicht zu misstrauen und die Schwächlichkeit und Hinfälligkeit des Menschengeschlechts zu fürchten. Ich fürchte nämlich, dass die Natur, da sie uns schwächliche Leiber gegeben und diese mit unheilbaren Krankheiten und unerträglichen Schmerzen verbunden hat, uns auch eine Seele gegeben hat, die die körperlichen Schmerzen mitempfindet und (vom Körper) abgetrennt noch in ihre eigenen Ängste und Beschwernisse verwickelt ist.' Diese Worte Ciceros sagen nichts anderes aus als das allgemeine Lebenselend (miseriam!), welchem wir alle wie durch ein Naturgesetz unterworfen sind. Doch was befasse ich mich mit den Teilabschnitten dieses Lebens? Das Leben als Ganzes ist beweinenswert und elend und besteht aus mannigfaltigen Unglücken. Der Arme wird im Schweiße seines Angesichts, unter höchster Anstrengung und großer Sorge auf der Suche nach Vermögen und Glücksgütern reich, wobei er sich seinen Aufstieg zur Glückseligkeit unter großer Aufregung bahnt. Ist er reich und wohlhabend geworden, steigt er in die Armut ab, die handzuhaben elend ist und bitter lastet. Wir sehen, wie Mächtige aus ihrer Stellung gestürzt und Niederste emporgehoben werden. Der eine ist aus seiner Heimat verbannt, hat Hab und Gut aufgegeben und irrt unstet und arm durch die Welt; der andere weilt in der Heimat und wird seiner Güter oder seines Lebens beraubt. Es gibt Leute, die, weil sie an einem besseren Leben verzweifeln, mit Strick, Gift oder Schwert Selbstmord begehen. Wieder ein anderer wird von einem Dieb bestohlen oder umgebracht, sehr viele werden von Krieg, Seuche, Schiffbruch oder Feuer dahingerafft. Dieser verliert seine geliebte Frau, seine Kinder, Brüder, Verwandten und Freunde, jener sein Augenlicht, dieser seine Gesundheit; manche werden an einem Körperglied beeinträchtigt, und einigen hat das Gefängnis des Lebens Ende beschert. Viele verfluchen zuweilen, nachdem sie uralte Greise geworden sind, ihr so langes Leben, weil sie den Tod herbeisehnen. Wozu soll ich die fast unzähligen Krankheiten durchgehen, denen das Menschengeschlecht unterworfen ist? Als Zeugen dafür, in welcher Mannigfaltigkeit, Schwere, Häufigkeit und Feindlichkeit sie uns überfallen, rufe ich Dich höchstselbst auf, der Du längere Zeit unter Gicht gelitten hast. Etliche Menschen sind triefäugig, haben Magen- und Seitenschmerzen, und nur Wenige begleitet Gesundheit bis ins Greisenalter. Unsagbar viele körperliche Beeinträchtigungen gibt es, die uns ins Elend bringen können. Hinzu kommen seelische Fehler, die die körperlichen an Zahl und Gefährlichkeit übertreffen. Du siehst, wie unsere Geiste durch zwischenmenschliche Zerwürfnisse, Klagen und Auseinandersetzungen zum Hass getrieben werden. Du siehst, wie groß die Rachlust ist, und zu welchen Schandtaten sie die Menschen einst angestiftet hat. Lies nur die antiken Tragödien 'Atreus', 'Thyest' und 'Medea'! Brudermord und Bürgerkrieg! Lies den Satz Ovids:'Kein Gastfreund ist vor dem anderen sicher; der Schwiegervater nicht vor dem Schwiegersohn, und Eintracht unter Brüdern ist selten.' Wir wissen, dass Söhne auf Befehl ihrer Eltern, Eltern durch die Grausamkeit ihrer Söhne und Brüder durch einen Hinterhalt ihrer Brüder um der Herrschaft willen getötet worden sind. Wir lesen, dass Männer von ihren Frauen und Frauen infolge einer Anweisung der Männer getötet worden sind. Als Zeugen für mütterliche Grausamkeit gegen die Söhne und wiederum für Verbrechen der Söhne an den Müttern dienen die Euch bekannten Greueltaten vieler Menschen. Deshalb müsste man für den ganzen Erdkreis nur eine Tragödie schaffen, um dieses allgemeine Unglück des Menschengeschlechts zum Ausdruck zu bringen. Was soll ich von der Liebe, einer für die Menschen ganz und gar notwendigen Sache, sagen? Hat sie nicht Viele schon entweder gänzlich zugrunde gerichtet oder mit verschiedenen Schäden und Ängsten belastet? Einstmals fanden sich Menschen, denen die Ungeduld ihrer Liebe Todesanlass war. Die Geschichte von Leander und den übrigen Gestalten wollen wir übergehen. In unserem Jahrhundert hat jemand, als er die Sehnsucht nach der Geliebten nicht länger ertragen konnte, sich vor deren Haustür mit einem Strick erhängt. Die Liebe erzwingt es, Vieles zu ertragen, und wer ihrer Willkür zum Opfer gefallen ist, befindet sich im größten Elend. Nur allzu gut bekannt ist, wie Viele Neid und Rivalität - ein ungeheures Übel, das weit verbreitet ist, vor allem an den Wohnstätten von Königen, Fürsten und Tyrannen - aus ihrem Glück und aus ihrem Leben gestürzt haben. Was bei diesen (Herrschern) Scheelsucht, Herabsetzung, Rivalität und Verleumdung, die verderblichen Mägde des Neides, vermögen, zeigen die Fälle derer, die die Wollust der Herrschenden zu Fall gebracht hat. Ich übergehe die Barbaren, bei denen sich zahllose Beispiele der Grausamkeit finden lassen. Auch bei unseren Landsleuten hat der Neid fast unendliche Stürze hervorragender Personen veranstaltet (edidit!). Ihr habt von Sejan gelesen, der so ungefähr der zweite Weltherrscher war, dass er durch eine einzige Verordnung des abwesenden Tiberius Claudius zerfleischt worden sei. Der Überlieferung nach hat der Kaiser Hadrian, ansonsten ein menschenfreundlicher und weiser Herrscher, den Ehrabschneidern so viel Glauben geschenkt, dass er viele von denen, die er an höchste Stellen befördert hatte, schon auf einen leisen Hinweis der Verleumder hin aus ihrer Stellung entfernte, ohne dass der Grund hierfür bekannt gewesen wäre. Valens' und Valentinians Ungeheuerlichkeit war von der Art, dass sie auf kleine Verdachte, die von Neidern geweckt worden waren, hin herausragende Personen zu Fall brachte. Deshalb konnte man ihre Herrschaft nicht als eine solche, sondern als grausame, gottlose Schlächterei ansehen. Ich berichte nicht, was der zweite Tiberius, Nero, C. Caligula, Vitellius, Domitian, Antonius und die Übrigen wegen ihrer Grausamkeit berühmten Kaiser - nein, nicht Kaiser, sondern eine Locusta (Giftmischerin am kaiserl. Hof) und Ungeheuer für die Menschen durch die Schuld von Neid und Denunzianten wider die Unschuld vollbracht haben; das bedürfte nämlich einer langen Rede. Ganz bekannt jedenfalls ist, dass Viele, nachdem sie wegen irgendeines von Neidern aufgebrachten Verdachtes der Tyrannen und Fürsten ihnen gegenüber auf der Folter zerrissen und mit verschiedenen Foltern gequält worden waren, den Tod dem Leben vorgezogen haben, weil sie den Schmerz nicht mehr aushielten. Es gibt für den Menschen nichts Gefährlicheres als den bösen Willen des Fürsten. Dieser beendet nämlich nicht, was er begonnen hat, sondern häuft schlechte Taten auf noch schlechtere, um den Anschein zu erwecken, er habe recht gehandelt. Wen er zu hassen begonnen hat, dem wünscht er den Tod, und es gibt keinerlei Raum für Nachsicht oder Rechtschaffenheit, so dass äußerst elend die Lebenslage derer ist, die das Schicksal in Abhängigkeit von dem Belieben höherer Persönlichkeiten gebracht hat. Auf alle Fälle haben vor allem Männer, die sich durch ihre Tugendhaftigkeit auszeichnen, die Herrscher zu fürchten; für sie sind Sallust zufolge die Guten verdächtiger als die Schlechten. Ihr seht also, wie viele Übel der Neid mit sich bringt, wie vernichtend und trügerisch er ist, und wie Viele er dem Tod ausgeliefert hat. Cicero sagt:'Ich werde es dahin bringen, dass Du erkennst, dass der Mensch nichts so sehr zu fürchten habe wie den Neid.' Dieser täuscht nämlich verborgenerweise, schleicht sich unter der Bezeichnung 'Wohlwollen' in die Herzen der Menschen ein, verführt, wer ihm sein Ohr leiht, zur Vernichtung anderer, da der größere Teil der Menschheit ein offenes Ohr für Verleumder hat. Was soll ich von der Schwelgerei sprechen, wie viele Menschen sie ins Verderben geführt hat? Da sie vielfältig ist, hat sie Anlass für viele Übel geboten, welche aufzuzählen schwierig ist; doch stellen sie sich im tagtäglichen Umgang augenfällig dar. Wer ihr frönt, scheint äußerst elend zu sein, da er weit vom Verstand entfernt ist. Als noch vernichtenderes Übel gilt die Habsucht; wir können täglich erleben, wie viele Menschen sie befällt. Ich glaube, dies wahrhaftig sagen zu können, dass es kein fluchwürdigeres, schlimmeres und für das Menschengeschlecht verderblicheres Laster als die Habsucht gebe. Da ich andernorts breiter über sie gehandelt habe, will ich die Liederlichkeit dieses Lasters hier nicht ausführlicher untersuchen. Wen diese Krankheit im Griff hält, der fristet ein elendes, gottverhasstes Leben. Sie verwandelt nämlich die Menschen wie der Trunk der Kirke in äußerst verderbliche Ungeheuer, da es nichts gibt, was sich so sehr gegen den allgemeinen Nutzen, zu dessen Schutz wir geboren sind, und gegen die Natur richtete wie die Habsucht. Was soll ich von dem Zorn, dieser gottlosen Sache, erzählen, die den menschlichen Geist am allermeisten aufwühlt? Er gehorcht keiner Verstandesregung und geht dahin, wohin sein Wüten ihn zieht. Will man seine Verderbnis, seine Ungeheuerlichkeit und sein stürmisches, vernichtendes Aufbrausen erfassen, lese man Senecas Bücher Über den Zorn, und man wird gewiss erkennen, wie groß das Verderben ist, das dieses Laster dem Menschengeschlecht gebracht hat. Wer sich diesem Laster unterworfen hat, unterscheidet sich in nichts von einem Wahnsinnigen. Daher dürftest Du nicht nur einzelne Menschen, sondern auch Städte und eine ganze Nation von wildem Zorn zerstört finden. Wer hätte nicht Recht, wenn er sagte, dass diese wahnsinnige Geistesverwirrung zu verfluchen und elend sei? Sie macht nämlich nicht allein die elend, die sie ergriffen hat, sondern auch die, gegen die sie ihrer Willkür die Zügel hat schießen lassen. Unser Cicero beschreibt zahlreiche seelische Krankheiten und Verwirrungen, welche diese unsere gebrechliche und von höchstem Elend umstellte Lage bedrücken. Es gibt niemanden, der sich nicht von Wollust, Freude, Furcht, Gram oder sonst einer dem Verstand feindlichen Krankheit aufhalten ließe. Wer freilich von irgendeiner solchen Verwirrung betroffen wird, zieht sich notwendigerweise auch die mit dieser verbundenen benachbarten Verwirrungen zu. Wenn dem so ist, wer könnte dann, da er unter der natürlichen Bedingung geboren ist, irgendeiner bestimmten Verwirrung unterworfen zu sein, frei von Elend sein? Seht, was Cicero im 3. Buch der Tuskulanen erörtert! Er sagt nämlich: 'Wenn wir den Gram nicht so (gründlich) ablegen, dass wir ihn loswerden, können wir nicht ohne Elend sein.' Wenn zudem die seelischen Verwirrungen, die er als Krankheiten bezeichnet, alle außer den Weisen befallen und die von ihnen Befallenen wahnsinnig werden lassen, bis heute jedoch kein solcher Weiser gefunden worden ist, bleibt übrig, dass alle, die nicht weise sind, wahnsinnig und elend sind. Als geistig gesund werden nämlich diejenigen bezeichnet, deren Verstand von keiner Furcht wie von einer Krankheit verwirrt ist; nun aber wird man niemanden dergleichen finden; also sind notwendigerweise Alle elend. Auch jener Satz Ciceros ist vortrefflich, dass nämlich das Elend erst beendet sei, wenn das Gemüt geheilt sei, was ohne die Philosophie unmöglich sei. Doch unsere Schwächlichkeit ist offenkundig und ebenso, dass niemand Heilung bei der Philosophie sucht; daher haben alle als elend zu gelten. Jedoch scheint dieses unser Elend derart hervorzuragen und für alle sichtbar zu sein, dass es keine Philosophie gibt, die diese Leistung erbringen (praebere?!) könnte. Unser tägliches verstandesloses Leben gemahnt uns daran, dass zahllose Lebensgefahren deutlich erweisen, wie beschaffen, wie schwach und wie elend die unzulängliche Lage des Menschen ist. Außer dem Gesagten ist offenkundig, wie viele Menschen ihre Fresssucht, wie viele ein ungünstiges Klima und wie viele Krankheiten dahinraffen, wie viele Gefahren uns von wilden und von zahmen Tieren drohen, und wie viele tödliche Fallstricke uns die vielfältigen Zufälle bereiten. Alle unsere Angelegenheiten sind kurz, ungewiss und hinfällig; nichts ist so trügerisch wie das menschliche Leben, nichts ist so schwach und nichts so mühselig. Seneca glaubt, dass niemand das Leben annehmen würde, wenn er um diese Lage wüsste. Cicero zitiert Euripides' Verse, die besagen, dass es für den Menschen das Erstbeste scheinen könne, gar nicht geboren zu werden, und das Zweitbeste, schnell zu versterben. Wir müssten uns eigentlich alle versammeln und das Haus beweinen, in dem ein Kind das Licht der Welt erblickt hat, wenn wir die mannigfachen Unbilden des menschlichen Lebens bedenken; den jedoch, der die schweren Mühen durch seinen Tod beendet hat (finisset!), müssten eigentlich alle Freunde unter freudigem Lobpreis zur letzten Ruhe geleiten. Je nun, die Meinung des Dichters (Euripides) ist Zeugin dafür, dass das Leben zu betrauern und der Tod herbeizuwünschen sei; und wie ich meine, hat er Recht. Wir sind nämlich so vielen zufälligen Umständen, so vielen Geschossen des Schicksals und so häufigem Zeitwandel unterworfen, dass uns unsere schwächliche Lage äußerst hart erscheint. Wir werden ja nicht nur von den gegenwärtigen Unbilden, sondern viel eher von der Erwartung künftiger Unbilden niedergeschmettert. Weil wir über unsere Lebenszeit im Ungewissen sind, frisst die Überlegung unseren zweifelnden, unsicheren Geist auf, wann, wie und nach welchem Gesetz wir aus dem Leben wandern müssen. Freilich ist der Weg zum Tod breit, unvorhersehbar und verzweigt, während es zum Licht (des Lebens) nur einen Zugang gibt. Führe Dir bitte die verschiedenen Gefahren zu Wasser, zu Lande, bei Wind, bei Regen, bei Gewitter, bei Feuer und bei Blitz sowie die Überschwemmungen vor Augen, wodurch unser Leben zu einem ungewissen Ende fortgerissen wird, bald von dieser, bald von jener Gefahr zu Tode gebracht. An jedem Tag sehen wir neue und verschiedene Todesfälle. Fast in jedem Jahr müssen wir neue und beweinenswerte Schädigungen empfinden, so dass schon der Gedanke an diese Dinge mehr als genügt, um uns mit ständigem Elend zu quälen." Hierauf warf ich ein:"Ich kann zahlreiche Unglücke bezeugen, die ich selbst zum Teil gesehen und zum Teil gehört habe, und die durch Feuer und durch erhöhten Niederschlag herbeigeführt wurden, so dass wir auch Wasser und die übrigen Elemente zu fürchten haben. Bei meiner Rückkehr aus Britannien sah ich die große und reiche Stadt Maranum diesseits der Alpen an der italienischen Grenze durch die plötzliche Gewalt eines Flusses, der unerwarteterweise angeschwollen war, zum größten Teil zusammen mit seinen Einwohnern derart zerstört, dass keine Gebäudespuren mehr übrig waren. In unseren Tagen (um etwas, wenn auch Unbedeutendes, aus der Nachbarschaft zu erzählen, was geeignet ist, das von mir genannte Elend darzustellen) sind mehrere Häuser des Dorfes namens Burgfeld durch den Ansturm eines in der Nähe fließenden Flusses nachts zusammen mit den (sie bewohnenden) Familien bis auf den Grund zerstört worden. Ich erinnere mich, dass man, als ich noch ein Kind war, mehrere schlammüberspülte Leichen im oberen Arnotal gefunden hat. Man fand auch einen Säugling in seiner Wiege, der vor Hunger gestorben war: eine in der Tat beweinenswerte Angelegenheit, die unsere Nachbarn sehr traurig machte. Es war ein wahrlich elender Anblick, wie so viele männliche, weibliche und jugendliche Leichen, teils von wilden Tieren, teils von Vögeln zerfleischt, halbbegraben am Flussufer lagen und derart ausgezehrt waren, dass man sie nicht ohne Schwierigkeiten von einander unterscheiden konnte. Als ich in Britannien war, erfuhr ich von einem schrecklichen Unfall, der sich zuvor ereignet hatte. In dem am Meer gelegenen Teil der Provinz namens Flandern herrscht zweimal am Tag Ebbe und Flut. Das Meerwasser fließt auch in den kleinen Flüssen ungefähr 60 Meilen unter der Erde, und es strömt so stark, dass die Flüsse mit größeren Schiffen befahrbar sind. Die Einwohner halten die Flut mit Dämmen zurück, damit das Meer nicht über das Flussbett tritt. Der Meeresspiegel steigt nämlich viel höher als die übrigen. Gäbe es die Dämme nicht, könnte die Küstengegend nicht bewohnt werden, weil sie reines Sumpfland wäre. Wenige Jahre bevor ich nach Britannien reiste, geschah es, dass ein Sturm die Meeresflut peitschte, ein Damm infolge der Wassergewalt brach, die ganze Gegend auf viele Meilen hin ertrank und viele Tausend Menschen mit dem gesamten Viehbestand umkamen, da es keine Fluchtmöglichkeit gab. Aus diesem Grunde blieb das Land für längere Zeit von seinen Siedlern verlassen. Was hätte Verderblicheres und Elenderes passieren können, als dass so viele Tausende Menschen einem so plötzlichen, unvorhersehbaren und beweinenswerten Tod zum Opfer fallen, da weder der Vater seinen Kindern noch die Kinder ihren Eltern helfen konnten? Fest steht demnach, dass das Wasser zwar ein notwendiges Lebensmittel ist, gleichwohl aber Vielen schlimmes Verderben gebracht hat. Nichts Heilbringenderes als das Feuer hat die Natur uns zugestanden. Zuweilen jedoch hat es sich in unser Verderbnis verkehrt und zahlreiche Anlässe für Unbilden gegeben. Vor wenigen Jahren - ältere Geschehnisse will ich hintanstellen - ging der größere und wertvollere Teil der edlen Stadt Basel am Rhein in Flammen auf. Auf dem Weg dorthin sah ich selbst noch die rauchenden Gebäude und die zu Asche gewordenen Häuser dieser Stadt. Ich reiste einmal in eine Stadt in Niederalemannien, deren Name mir nicht einfällt, und sah, wie sie prächtig und glanzvoll mitten in einem See erbaut ist; man erreicht sie über sehr lange Holzbrücken, und in einem einzigen Sommer zerstörte sie ein Brand. Durch diesen Brand kamen Viele um. Ebenso wurden in der Stadt Gebenna zur Zeit des Papstes Martin V. sehr viele prächtige Häuser durch einen nächtlichen Brand zerstört. Ich selbst war Augenzeuge dieser schlimm anzusehenden und traurigen Angelegenheit. Dies Feuerunglück hat derart Viele um ihr Hab und Gut gebracht, dass sie danach gezwungen waren, ihr Leben in Armut und Elend zu verbringen. Jedes Lebewesen lebt vom Ein- und Ausatmen der Luft; ist diese nicht vorhanden, gibt es kein Leben mehr. Die Luft, die gleichsam Dienerin des menschlichen Lebens ist, ist so nützlich und notwendig, dass wir leichter auf die übrigen Elemente als auf sie verzichten können. Gleichwohl wird sie sehr häufig äußerst gefährlich für uns, wenn sie schlecht gemischt ist und Hungersnot, Seuche, Krankheiten oder mannigfache Unwetter bringt, die uns in Not stürzen. Unsere sogenannte Mutter Erde stellt uns alles zur Verfügung, was zur Ernährung und Körperpflege notwendig ist. Doch ebenso gehen aus ihr Beben, Gifte und Eisen hervor, durch das mehr Menschen zu Tode gekommen sind als durch irgendeine andere Seuche. Sie bringt auch Vieles zu unserem Verderben hervor, so dass es den Anschein hat, als brächte sie uns zuweilen mehr Schaden als Vorteil. Für wie elend also hat man die Lage des menschlichen Lebens zu erachten, wenn die Elemente selbst Krieg gegen uns führen? Da sei Du nun sorglos und fürchte nicht künftige Unbilden (von den gegenwärtigen will ich gar nicht reden), wo Du doch siehst, dass sich, was zu unserem Heil geschaffen ist, in Gefahr und Verderben für uns wendet! Unvorhersehbare Übel befallen uns, die manchmal so schwer sind, dass sie uns, auch wenn wir uns dagegen sträuben, mit schlimmstem Elend zermürben. Was hätte denn Unglaublicheres geschehen können als das, was unlängst einem schwerreichen Hochbetagten widerfahren ist: Sein Sohn war beim Vogelfang, wurde von einem Blitz getroffen und verstarb. Die ganze Gemeinde hat den so unseligen Unfall des edlen Jugendlichen sowie die Trauer des elenden Greises beweint. Allein in meiner kleinen Gemeinde hat in diesem Sommer ein durch einen Blitz verursachtes Feuer elf Menschen getötet. Zudem sind ca. 15 Menschen in der Nachbarschaft durch einen ähnlichen Blitzbrand verbrannt. Hat man also daran zu zweifeln, dass dieses unser so zerbrechliches, an einem seidenen Faden hängendes Leben, das solchen Stürmen und so fürchterlichen Zufällen unterworfen ist, für elend zu halten sei? Hinzu kommen Betrugsdelikte, Diebstähle, Räubereien, Angriffe von wilden Tieren, Gifte und Schlangenbisse, durch die Viele umgekommen sind. Ich habe gehört, dass in unserer Zeit ein kleiner Junge während des Morgengottesdienstes durch einen Spinnenbiss getötet worden sei. In Apulien machen kleine spinnenähnliche Tiere, sogenannte Taranteln, die sich in ländlichen Gebieten aufhalten, die von ihnen Gebissenen wahnsinnig. Jedes einzelne Wildtiergeschlecht scheint zu unserem Untergang bereit, und Du darfst mir glauben, dass Bären, Löwen, Eber, Wölfe und alle Schlangen sich auf unseren Tod verschworen haben. Was gäbe es uns Vertrauteres als die Hunde? Und doch habe ich erlebt, wie ihre wütenden Bisse etliche Menschen getötet haben. Rinder, scheinbar so nützliche und zahme Tiere, haben mit ihren Hörnern getötet. Sogar von den Pferden, dem nützlichsten Tiergeschlecht, droht uns Tod! Es gibt kein so zahmes und friedliches Tier, von dem nicht irgendein Verderben ausginge. Hitze, Kälte, Trockenheit und Feuchtigkeit haben Viele zu Tode gebracht. Neulich habe ich in Konstanz, wo das Allgemeine Konzil tagte, erlebt, wie jemand, der erfroren auf seinem Pferd saß, ins Krankenhaus verbracht wurde; er stand so aufrecht, als würde er leben. Jedes einzelne Glied war bis zu dem Grade erstarrt, dass der Leib zu Pferde ins Krankenhaus getragen wurde. Ich habe übrigens gehört, dass einige im selben Gebiet durch einen ähnlichen Tod ums Leben gekommen seien. Ihr seht also, wie viele, ja fast zahllose Lebensgefahren uns drohen, die man weder durch Planung vermeiden noch durch Klugheit verhüten noch durch Gewöhnung abwenden kann. Himmel, Erde, Wasser, Luft, Feuer, Menschen, Armut, wilde Tiere und verschiedene seelische Erregungen machen uns das Leben elend. Einige - darunter auch Bekannte aus meiner Heimat -, die von derartigen Beschwerden gequält waren, waren diese derart leid, dass sie aus Lebensüberdruss den Strick genommen haben, weil sie es für leichter hielten, ein einziges Mal zu sterben als so viele Lebensschwierigkeiten durchzustehen. Ihr habt gelesen, dass Ciceros Freund Atticus, seiner schweren Krankheit überdrüssig, fünf Tage nach seinem freiwilligen Fasten gestorben sei. Man erzählt sich von Vielen, die durch Selbstmord den Unbilden dieses Lebens entflohen seien; wer könnte an deren Unglück zweifeln, wenn er erkennt, dass sie den Tod ihrer Lebenslast vorgezogen haben? Für wie gering das Leben, das wir so hoch schätzen, zu gelten hat, möge, wer will, am den Beispielen ablesen, die Cicero im 1. Buch der Tuskulanen aufgeführt hat. Wie ihr wisst, erzählt er von Kleobis und Biton, den Söhnen einer argivischen Priesterin. Diese hatten wie Zugtiere ihre Mutter zum Opfer gefahren, und die Mutter hatte zu der Gottheit gebetet, sie möge die Söhne für deren Anstand mit der größtmöglichen Gabe belohnen, die ein Gott einem Menschen zuteil werden lassen könne. Die Söhne hätten im Anschluss an das Opfer mit der Mutter gegessen, sich schlafen gelegt und seien am nächsten Morgen tot aufgefunden worden. Cicero schreibt, dass Triphonios und Agamedes, die Erbauer des Apollontempels, ein ähnliches Gebet gesprochen hätten. Nachdem sie den Gott als Lohn für ihre Leistung um das für den Menschen Beste gebeten hätten und Apoll ihnen dies zugesagt habe, habe man sie drei Tage später tot aufgefunden. Wie 'wundervoll' und wie 'wünschenswert' also ist dies Leben, wenn der Tod gleichsam als das bessere Leben der Lohn (praemium!) für Mühsal und Anstand ist! Demnach kann niemand daran zweifeln, dass die Lage dieses Lebens elend sei, eines Lebens nämlich, dem der Tod wie ein besonderes Geschenk vorgezogen wird. Cicero zufolge gibt es keinen Sterblichen, der nicht von Schmerz und Krankheit betroffen würde. Wenn diese Ansicht wahr ist, wofür hat dann ein Leben zwischen Krankheiten und Schmerz zu gelten? Doch wahrlich für elend und unglückselig! Nun wirst Du einwenden, es habe doch etliche Menschen gegeben, die es mit Gleichmut und Beharrlichkeit ertragen hätten; indes will ich gar nicht davon reden, wie Wenige mit einer solchen Duldsamkeit begabt gewesen sind. Ich weiß, dass die Qualen durch Schmerzen und Krankheiten äußerst groß sind, die unseren Geist von der Verstandeshaftigkeit abbringen, und ich weiß auch, dass sie es sind, die das Elend hegen und nähren [†wenn ihnen Armut, Verwaistheit, Verbannung und das übrige Lebenselend scheint†, textus latinus haud sanus], dann ist, wie Seneca sagt, das ganze Leben eine Strafe; wo es aber Strafe gibt, dort gibt es auch das Elend der menschlichen Lage, wie man zugeben muss. Hierdurch ist es, wie ich meine, einsichtig, dass meine Ansicht als die allerwahrste erscheinen müsse."

Hierauf sprach Cosimo: "Gewiss kann ich zu einem Teil mit Euch einsgehen; allerdings glaube ich nicht, dass man dies Lebenselend so sehr der Natur der Dinge und der Schwäche der Menschen als vielmehr unserer eigenen Schuld zuzuschreiben habe. Sobald wir nämlich unsere Gebrechlichkeit vergessen haben und nicht an die Wankelmütigkeit des Schicksals, an den Zufall und die ungewisse Zeit denken, greifen wir im Geiste nach dem, was von ewiger Dauer ist. Wir planen in die Zukunft und beginnen eine sehr lange Abfolge von Angelegenheiten fortzudenken. Wenn dann zwischendurch eine Krankheit, ein unvorhersehbarer Tod oder die Angriffe des Schicksals, das unsere Pläne vereitelt, unsere eitlen Gedanken unterbricht, dann beschuldigen wir die Sorgen, die wir uns vergeblich gemacht, dann spüren wir unsere Unbilden, dann bemerken wir, dass wir uns allzu sehr auf die Gunst des Schicksals verlassen haben, und dann erkennen wir, dass wir es waren, die unser Elend herausgefordert haben."

Da sagte ich: "Wie mir scheint, ließe sich Vieles ausführlicher zur Bewährung meiner Ansicht sagen; doch da es schon ein wenig spät ist, und damit nicht durch die Weitschweifigkeit des Gesprächs Dein Gesundheitszustand angegriffen wird, lasst uns unsere Unterhaltung auf morgen verschieben, da wir dann mehr Zeit haben werden und es Dir passender ist!"

"Gerne!" erwiderte Cosimo; "Machen wir doch für den Rest unseres Gesprächs den morgigen Nachmittag aus! Wie sind ja schon ganz müde vom Reden und werden morgen bereitwilliger sein:" Hierauf zogen wir uns mit der Absicht, am nächsten Tag wiederzukommen, zurück.


2. Buch

Dem ersten Buch, in dem wir gemäß unseres Geistes Kraft vom Elend der menschlichen Lage gehandelt haben, hochverehrter Fürst Sigismund, werden wir dieses zweite Buch anschließen, um unsere Meinung anhand bedeutenderer Beispiele und der Erinnerung an vergangene Angelegenheiten zu verdeutlichen. In dieser Sache habe ich an die Leser folgende Bitte: Nichts scheint nützlicher, als dass dieses allgemeine Gesetz der Zerbrechlichkeit unseres Lebens allen bekannt sei, auf dass das Begehren der Menschen von der Gier nach nutzlosen Dingen abgeschreckt werde. Glaubt bitte, dass ich diese Aufgabe der Erörterung nicht zur eitlen Selbstdarstellung, sondern zur Übung des Geistes unternommen habe! Ich hielt es nämlich für besser, dies Bisschen arbeitsfreier Zeit für die Beschäftigung mit Lobenswertem aufzuwenden als es in gelangweiltem Müßiggang zu verschwenden. Zugleich wird es vielleicht Leute geben, die sich zur Beschäftigung mit dieser ausführlicheren Weise des Schreibens aufgerufen fühlen, was m. E. den Gelehrtenstudien zugute kommen wird. Weder in der Philosophie noch in einem anderen Fach hätte es ja einen solchen Fortschritt gegeben, wenn nicht frühere Schriftsteller mit dem von ihnen Gefundenen den Stoff für Einwände und besseres Wissen geliefert hätten. Von diesem Zutrauen geleitet, will ich zu unserer Erörterung zurückkehren; wenn ich etwas mit ihr ausrichte, werde ich's zufrieden sein, Lampenöl und Mühe nicht vollends vergeudet zu haben. Andernfalls werde ich zufriedener damit sein, mich vergeblich mit dieser Schreiberei abgegeben zu haben, als träge geschwiegen zu haben. Dich jedoch, Sigismund, der Du nach der Sitte der alten Fürsten das Wissen im Militärwesen beträchtlich erweitert hast, bitte ich, mit der Dir eigenen Autorität diese unsere Erörterung gegen eventuelle böswillige und neidische Angriffe zu schützen, damit wir desto leichter und mutiger das ausführen können, was dem zuvor Gesagten beigefügt werden zu müssen scheint.

Nachdem also Mateo und ich am nächsten Tag nach dem Essen wie ausgemacht zu Cosimo zurückkehrten, sagte Mateo nach der Begrüßung: "Wir sind da, um die Frage von gestern ausführlicher zu behandeln. Mir schien nämlich an unserer Erörterung noch etwas zu fehlen; an deren Beendigung hinderten uns die Kürze der (noch verfügbaren) Zeit sowie Dein Gesundheitszustand."

Cosimo entgegnete: "Dass Ihr gekommen seid, passt mir sehr gut; denn zum einen habe ich Zeit zum Reden, zum anderen scheint es mir, dass Einiges von dem, was wir gestern übergangen haben, der von mir vertretenen Ansicht noch anzufügen sei."

"Was hast Du Dir denn noch ausgedacht?" fragte ich.

Er sagte:"Ich vergaß gestern, die Reihe der von mir für glückselig Gehaltenen um etliche Leute zu erweitern: Priester, Kardinäle, Kirchenvorstände sowie alle die Streiter Christi, ich meine diese Dicken, Gutgepolsterten, die sich selbst nicht allein glückselig, sondern glückseligst dünken. Die würden gewiss Deine Ansicht verlachen, da sie sich für frei von jeglichem Verdacht, elend zu sein, halten, und niemand daran zweifelt, dass sie frei von jeder mit dem Leben verbundenen Last sind. Was fehlt ihnen denn von den für die Menschen wünschenswerten Dingen? Abgesehen von ihren Mitteln, ihrem Reichtum, ihren Würden und der äußerst hohen Autorität, die sie genießen, haben sie den anderen Menschen gegenüber eine Vorrangstellung und beherrschen sie, was als sehr angenehm gilt. Sie besitzen die Glücksgüter, die ihnen kein Zufall und keine höhere Gewalt entreißen können. Denn was von Gott gegeben ist - und sie sind ja Miterben und Diener Gottes -, bleibt bei den Völkern gültig und wird nicht durch anderweitige Beschlüsse zu Fall gebracht. Daher quält sie keine Verlustangst und keine Furcht vor Armut, so dass dies allein, auch wenn alles Übrige ihnen fehlte, solche Leute glückselig zu machen vermöchte. Zudem haben sie unsern Erretter als ihren Beschützer, hinter dessen Schild sie nichts fürchten und über andere urteilen, ohne selbst einem Urteil zu unterliegen. In tiefster Ruhe und ohne jede Mühe verbringen sie ein angenehmes Leben. Dass dies wahr ist, erweisen die zahlreichen Besucherströme unterschiedlicher Menschen, die zu ihnen wie zu fruchtbaren Äckern strömen, von denen man ohne alle Schwierigkeiten die süßesten Früchte ernten kann. Du siehst ja, dass es die Glücksgüter sind, um derentwillen mit so viel Ehrgeiz die höchsten Würden erstrebt werden, so dass man öfters erlebt, wie zum großen Schaden ganzer Gegenden und Völker zwischen den Streitern Waffengänge und grausame Kriege entfacht werden. So kommt es, dass sie sich bereichern und, was sie für die höchste Glückseligkeit halten, an nichts Mangel leiden; bei der Arbeit geben sie sich dem Nichtstun hin und verbringen ihr Leben in Muße ohne Arbeit. Niemand kann an deren Glückseligkeit zweifeln, da sie, mit keiner Belastung und keinem Schmerz belegt, ohne Schweiß und jegliche Gefahr alt werden. Dir, Poggio, der Du schon länger Umgang mit solchen Leuten gehabt und deren Lebensführung und Sitten ganz und gar durchschaut hast, muss all das viel bekannter als mir sein. Meine Meinung jedenfalls lautet, dass sie frei von jeglichem Lebenselend seien."

Da sprach ich: "Ich weiß, Cosimo, dass Du das alles mehr dem allgemeinen Gerücht entsprechend denn aus dem Grunde, weil Du es für wahr hältst, gesagt hast. Wie könnte es denn für Dich erwiesen sein, dass jene Leute irgendwelche Glückseligkeit besitzen, die sich doch selbst unglückselig zu sein scheinen? Oder wie können diejenigen der Last des Lebens entgehen, auf deren Nacken sichtbar ein Gewicht liegt, das schwerer und lastender als der Fels des Sisyphos ist? Bei Gott, ich habe bisher keinen gefunden - und ich habe 50 Jahre mit ihnen zusammengelebt!-, der sich in irgendeiner Hinsicht glückselig vorgekommen wäre und sein Leben nicht als lästig, unruhig, angstvoll und von vielen Sorgen erdrückt beweint hätte! Um einmal die Rede auf unsere Priester zu bringen, die ich für den Früheren ähnlich halte: Viele von ihnen haben sich in einem Vier-Augen-Gespräch mit mir heftig über ihre Knechtschaft für die Last des Priesteramtes beklagt und in gewisser Weise diese ‚Würde' verflucht, die die allerelendste zu sein scheine, weil sie einerseits nicht mit Ruhe für Leib und Seele und andererseits nur unter größten und schwersten Sorgen gehalten und nur unter Gefahren, Misslichkeiten und neidischen Anfeindungen vieler Ehrabschneider wieder abgegeben werden könne. So könnte man das nicht glückliche, sondern qualbesetzte Leben derer, die solch eine hohe Stellung erklimmen, als hart und widrig bezeichnen, wenn sie nur das Amt eines Priesters und nicht die Macht von Gewaltherrschern ausüben wollten; wenn sie jedoch der Letzteren Umgangsweisen pflegen, halten wir sie nicht allein für elend, sondern auch für fluchwürdig. Nun wirst Du entgegnen, dass es etliche gegeben habe, die kein elenderes Anliegen als die Wahrung des Nutzens der Verehrer Christi oder des Glaubens hatten, so dass die Menschen dergleichen Priester zu Recht für elend halten können, und ebenso das Volk, das einem solchen Hirten oder eher Wolf gläubig verfallen ist. Ein großer Teil dieser Leute war damit befasst, seine eigenen Angehörigen in Ämter hochzuhieven und zu bereichern, und für die eitle Verblasenheit der Gedanken dieser Leute gibt es Beispiele Vieler, die wir kennen. Nur selten haben sie sich mit Wissenschaft oder Religion befasst, und noch seltener stand die Tugendhaftigkeit bei ihnen hoch im Kurs; wenn ich nicht der Auffassung wäre, dass Tugendhaftigkeit sich dank Gottes Vorsorge einstelle, so könnte ich zuweilen in Klagen ausbrechen darüber, wie wenig ihm an den Sterblichen oder an deren Glauben an ihn liege. Somit gilt: Sind (die Priester) gute Menschen gewesen, haben sie als elend zu gelten aufgrund der Schwierigkeit und des Gewichtes ihrer Aufgaben sowie der vielfältigen Ängste, in denen sie sich pausenlos befinden; sind sie schlechte Menschen gewesen, so sind sie desto elender, je weiter sie sich von der priesterlichen Dienstpflicht entfernt haben. Zudem werden sie anscheinend öfters von dem Elend bedrückt, nicht so sehr, wie sie es schreiben, die Diener der Diener Christi als vielmehr der Feinde Christi zu sein - eine große Unglückseligkeit! Und wäre da nicht diese hohe Würde, der gehorchen zu müssen man vermeint, so könnte man ganz ohne Schwierigkeiten die Narben so mancher Priester unseres Jahrhunderts freilegen, um deren Elend umso deutlicher zu machen. Freilich gibt es Einige, die nicht nur nicht zu loben, sondern die nur für die Geduld Gottes, dessen Ratschlüsse unerfindlich sind, erträglich sind. Über die Kardinäle meine Meinung zu sagen getraue ich mich nicht. Wir wissen ja, dass in jeder Gesellschaftsschicht und Lebenslage das Übelste mit dem Besten vermischt ist. Wir wissen nur von einer Angelegenheit, die dieses Standes zutiefst unwürdig ist: Die Berufung Angelottis zum Kardinal durch Eugenius. Angelotti war habgierig, ein Räuber, verschlagen, ein Bösewicht, neidisch, vorlaut und schnell zur Hand, wenn es um die Verunglimpfung Anderer ging. Gleichwohl pflegte er einen beherrschten Lebensstil und war im Vergleich zu seinen sonstigen Eigenschaften von ganz und gar tadelloser Gesittung. Seinem Leben entsprach sein Tod: Während des Mittagsschlafes wurde er von einem jüngeren Kammerdiener mit einem Schwert gemeuchelt. Ach, es wäre zu wünschen, dass, wer eine so hohe Stellung erlangt, weniger Eifer bei der Anhäufung von Geld und der Rechtsbeugung an den Tag legte! Wer nämlich diesen Beschäftigungen obliegt, kann nur elend sein. Dasselbe muss man, wie mir scheint, von den Bischöfen und den Anderen, denen die kirchlichen Mittel zu Ansehen verhelfen, denken, deren Beschäftigungen weit ab von ihrem Beruf liegen. Augustinus schreibt, der Karthager Cyprian, ein hochanständiger Mann, führe Klage darüber, dass sich zu seiner Zeit habgierige, ausschweifende und lasterhafte Bischöfe fänden. Und dies beklagt er in einer Zeit, als die Christen die Verfolgung durch die Ungläubigen zu erleiden hatten! Wenn es nun aber damals, als Viele die Ehrenkrone des Martyriums empfingen, unser Glaube von heiligen Männern erleuchtet wurde, und als alle sich an ihre Armut klammerten, offenkundig einige ruchlose Bischöfe gegeben hat, was sollen wir dann glauben, dass in unserer sumpfigen, verqueren und verderbten Zeit geschehe? Wenn wir von der Lebensführung, der Gesittung und den Lastern der vielen uns Bekannten erzählen wollten, müssten wir ein langes Buch schreiben! Indes zielt unsere Rede auf Bedeutenderes. Ich habe all das lediglich berichtet, damit Du erkennst, dass genau die, die wir für glückselig halten, sämtlich keinen Anteil an der wahren Glückseligkeit haben und keineswegs vom Makel des allgemeinen Elends auszunehmen zu sein scheinen."

"Was ist denn noch 'Bedeutenderes' übrig?" fragte Cosimo. "Scheint Dir denn nicht das, was man sich über die höchsten Priester und die übrigen Würdenträger erzählt, bedeutend und wichtig genug?"

"Nein", entgegnete ich, "wenn ich über diese Dinge nach meiner Art frei sprechen könnte. Es wäre nämlich ein weites Feld, auf dem meine Rede weiter ausgreifen würde, doch halten Scham und Anstand mich zurück, Leute aus diesem Stand mit Schmach zu beflecken, die mich selbst so gut und wohlwollend behandelt haben. Überdies wäre es eine Torheit sondergleichen, von jemandem Rechenschaft für das Leben eines anderen zu fordern, der nicht einmal für sein eigenes rechenschaftsfähig ist. Lasst uns daher lieber zu etwas Anderem übergehen, was zu berichten ich mir vorgenommen hatte!"

"Wie Du willst", sagte Cosimo. "Ich jedenfalls werde sehr gerne hören, was Deiner Meinung nach dieser unserer Unterhaltung hinzuzufügen sei."

Ich sprach: "Ich hielt es für angebracht, unsere gebrechliche Lage anhand verschiedener Unglücke von Städten, Provinzen und Königreichen - ihrer lassen sich sehr viele anführen - weiter ausgreifend zu erkunden, damit allen unser beweinenswertes Lebenselend desto augenfälliger werde. Allein, ich fürchte, dass Ihr, was ich sagen will, mit Überdruss hören werdet, da ich glaube, dass Euch all dies bekannter als mir ist."

Mateo antwortete: "Keineswegs! Denn dank Deiner Erwähnung werden wir Vieles, was wir vielleicht vergessen hatten, wieder erinnern."

Darauf sagte ich: "Von der Unglückseligkeit der Frühzeit möchte ich schweigen; diese war von jedweder Schandbarkeit und Verbrechen derart beschmutzt, dass Gott alle Menschen durch eine Sintflut umkommen ließ. Ich möchte mit den Geschehnissen beginnen, die schriftlich überliefert sind, damit aus dem Berichteten die nur zu wahre Aussage entnommen werden kann, dass der Erdkreis immer zu Land und zu Wasser voll von vielen verschiedenen Unglücken gewesen sei. Als erster bekriegte der assyrische König Ninos seine Nachbarn, wobei er sich zahlreiche Völker unterwarf, und dies nicht ohne Verderben für die, die er erobert hatte. Ihm folgte seine Frau Semiramis, die Diodor zufolge in ihrer Ruhmsucht mit drei Millionen Fußsoldaten, 500.000 Reitern und 100.000 Streitwagen in Indien eindrang. Sie ließ die Ufer des Indus durch eine Brücke aus 2000 Schiffen verbinden, um sicherer angreifen und sich zurückziehen zu können. Nach einem Gefecht mit den siegreichen Indern floh sie verletzt, überquerte den Fluss und ließ, nachdem der größere Teil derer, die von dem Gemetzel übrig waren, die Brücke überquert hatte, diese niederreißen. Hierdurch kamen die, die sich auf der Brücke befanden, zu Tode, und diejenigen, die die Schiffe bestiegen hatten, wurden zum großen Teil von den Wassermassen fortgerissen; die Übrigen wurden mit all ihrem Gepäck Beute der Feinde. Das Ausmaß dieses Unglücks vieler Völker lässt sich leicht beurteilen, wenn man die Menge der Getöteten und der Gefangenen bedenkt; als gewiss steht fest, dass der größere (maiorem!) Teil des Heeres verloren ging. Zudem hat Semiramis mehrere Expeditionen zur Eroberung benachbarter Völker unternommen, wobei diese kläglich unterlagen. Es folgte der Brand im Gebiet namens Pentapolis an der arabischen Grenze; durch diesen wurden fünf sehr reiche Städte durch göttliches Urteil wegen der ruchlosen Verbrechen (ihrer Einwohner) niedergebrannt und in unfruchtbaren Staub verwandelt. Tacitus berichtet, die Städte (quas!) seien durch einen Blitz verbrannt worden. Zu Lebzeiten des Ogyges hat eine Überschwemmung zahlreiche Städte und Orte in der Provinz Achaia vernichtet. Kurz danach folgte die Hungersnot in Ägypten, der Moses durch seine Voraussicht abhalf; gleichwohl wurde diese Provinz von vielen Unbilden erdrückt. Zu dem früheren Unglück Griechenlands gesellte sich die ungeheure Überschwemmung, wobei die Wassermassen vom Meer her übers Land traten; diese Überschwemmung vernichtete den größeren Teil Thessaliens. Zu jener Zeit soll Deukalion die Menschen ein zweites Mal erschaffen haben, weil er Vielen, die ins Gebirge flohen, Schutz geboten habe. Man liest auch von einer furchtbaren Seuche, die ungefähr zur selben Zeit Äthiopien heimgesucht habe. Und Bacchus ging nach Indien, das unter beträchtlichem Unglück vieler Menschen geknebelt darniederlag, und machte es sich botmäßig. Zur selben Zeit, so berichten die Bibelgeschichten, suchten die berühmten Plagen Ägypten heim, um Rache für die Juden zu nehmen. Dann folgte die verbrecherische Ermordung der 50 Söhne zwischen Danaos und Ägisth, ferner die Verbannung des Danaos und seine Flucht nach Argos, wo er von Kelenos aufgenommen wurde und diesen durch Verrat aus dessen Reich vertrieb. Wer kennt nicht die grausame Tat des Ägypters Busiris, der seine Pferde mit seinen getöteten Gästen fütterte? Wohlbekannt sind die Verbrechen des Tantalos und des Pelops sowie der Raub des Ganymed, der Anlass für einen sehr harten Krieg war. Die Geschichte von Tereus, Philomene und Prokne, der Sohn, den seine Mutter dem Vater zum Essen vorsetzte - wen würde dies nicht zu Tränen rühren? Lest die antiken Tragödien, die Troerinnen, die Medea, den Oedipus, den Atreus, den Hippolytos und all die vielen anderen, die das Unglück jener Zeit enthalten und Jahrhunderte vorstellen, die voller Elend (miseriarum!) waren! Auf dem Erdkreis gibt es keine Familie, kein Volk, keine Provinz, die nicht irgendeine Seuche und verschiedene Zufallsumstände heimgesucht hätten; Kriege, Seuchen, Erdbeben, Hungersnöte, vernichtete Städte, Herrschaftswechsel haben es der menschlichen Gattung niemals erlaubt, sich eines Friedens fern von fast unzähligen Unbilden zu erfreuen. Vor dem Makedonier Alexander haben Ehrgeiz zu herrschen, Zwietracht, Kriege, innere Streitigkeiten und auf andere übertragene Machtbefugnisse während vieler Jahrhunderte die Skythen, Parther, Assyrer, Perser, Armenier und schließlich ganz Asien geknebelt. Die Könige und Tyrannen dieser Völker waren nicht zuverlässig oder fromm, haben kein Bündnis eingehalten, waren unmenschlich und haben sich stets durch wechselseitiges Morden bereichert. Väter haben gegen ihre Söhne, Kinder gegen ihre Eltern, Brüder gegen ihre Brüder und Frauen gegen ihre Männer bis aufs Messer gewütet. Gar nicht reden will ich von der Ermordung des Perserkönigs Kyros durch Thamys, auch nicht von den Blutbädern, die Kambyses, Xerxes, der Schreck Griechenlands, und viele andere Könige angerichtet haben. Was lässt sich erdenken, das grausamer, unmenschlicher und elender wäre als der Umstand, dass Darius und 50 Brüder, die Söhne des Artaxerxes, gemeinsam auf den Tod des Vaters hingearbeitet haben? Dafür haben sie die verdiente Todesstrafe erhalten. Was ist fürchterlicher als Ochus, der dem Artaxerxes in puncto Grausamkeit nachfolgte? Er ließ alle seine Brüder, 70 an der Zahl, um der Herrschaft willen töten. Den Darius brachte, nachdem er von Alexander besiegt worden war, der Verrat der Seinen ums Leben. Ich will gar nicht die Hinterhalte, die Verrate und die mannigfaltigen Folterungen von Königen und Tyrannen in Eurem Geist wieder aufleben lassen; Ihr kennt all das ja nur allzu gut. Dies allerdings will ich wirklich behaupten, dass bis zur Zeit Alexanders ganz Asien von vielfältigen Heimsuchungen zerrieben war. Welche Heimsuchung für Asien war größer als die Widerfahrnis in Xerxes' Reich? Er war, nachdem er mit 1000.000 Menschen nach Griechenland übergesetzt hatte, so ziemlich der einzige, der fliehen konnte; fast sein gesamtes Heer war den Waffen, dem Hunger und einer Seuche zum Opfer gefallen. Was soll ich von Alexanders Taten sagen? Er hat sein ganzes Reich mittels Raubzügen, Brandschatzung, Blutbädern und Verwüstung von Provinzen und Städten erworben. Wir können sehen, in welcher 'Glückseligkeit' die von ihm unterworfenen Völker nach seinem Tode gelebt haben. Ihr habt gelesen, unter wie vielen und wie gesitteten Führern diese so vielen Reiche aufgeteilt wurden. Es ist wundersam zu wissen, wie groß der Zwist und der Schaden waren, die folgten, mit welchem Hass (die Führer) gestritten haben, und wie viele Völker bei den Kämpfen fielen. Sie scheinen sich nachgerade mit hingebungsvoller Mühe auf ihr eigenes Verderben und das jener Völker verschworen zu haben; so schwankend, so unzuverlässig und so trügerisch ist das Schicksal bei den Diadochen gewesen, dass man sich nichts Wilderes oder Katastrophaleres erdenken kann. Denn die Gier nach Herrschaft war so entwickelt, dass selbst Schwestern ihr naturgegebenes Vermögen ablegten und einen mörderischen Wettkampf veranstalteten. Es folgten die Römer: Sie unterwarfen Asien und zwangen es zum Gehorsam. Asien gelangte in römische Knechtschaft, nachdem seine Herrscher zum Teil getötet, zum Teil besiegt und zum Teil in ein Freundschaftsbündnis aufgenommen waren, und nach viel Blutvergießen, Räubereien und der Zerstörung (excidio!) von Städten, Völkern und Gebieten. Unser Landsmann Cicero ist ein unbezweifelbarer Zeuge dafür, nach welchem Recht, mit welcher Gerechtigkeit und mit welcher 'Selbstbescheidung' die Römer diese Völker beherrscht haben. Sehr häufig nämlich hat er sich über Habsucht und Ungerechtigkeiten der Beamten beklagt, und er sagt, es seien mehr verbündete Städte durch die römischen Winterlager als durch feindliche Waffen zerstört worden. Gewiss haben sie auch Asien und sämtliche ihnen Untergebenen mit völlig ungerechter Sklaverei unterdrückt; nichts Schlimmeres kann es geben! Was soll ich von Mithridates, dem König von Pontos, erzählen, der fast 40 Jahre lang gegen die Römer Krieg führte und schließlich, nachdem er völlig besiegt war, zum Strick griff? Was soll ich von Antiochos, dem äußerst mächtigen König Asiens reden? Der nahm, nachdem er in einer Schlacht besiegt worden war, die nach dem Belieben des Siegers gestellten Friedensbedingungen an und musste zum größeren Teil aus dem von ihm besessenen Reich weichen. Was soll ich Tamerlan anführen (so hieß der Mann mit Beinamen), der aus Skythien mit einer unermesslichen Barbarenschar wilder Völker aufbrach, den Euphrat überschritt und ganz Asien verwüstete? Dass er Damaskus, die von ihm eroberte äußerst glanzvolle syrische Stadt, ausgeraubt, Caesarea und Sebastia zerstört, Smyrna gewaltsam erobert hat, von dort nach Skythien zurückgekehrt ist und aus der Beute eine prächtige Stadt erbaut hat? Er hat auch den König der Türken, der über einen großen Teil Asiens gebot, unter großem Blutvergießen auf dessen Seite in einer Schlacht besiegt und gefangengenommen und führte ihn als Schauspiel des Schicksals wie ein Tier, das man in eine Höhle gesperrt hat, durch fast ganz Griechenland. (Was soll ich weiterhin erwähnen) die unzähligen prächtigen griechischen Städte, die die gesamte Küste Asiens besetzt hatten und von Grund auf zerstört wurden? Die Reiche der Armenier, der Meder, des Pontos, der Perser, der Assyrer, der Lyder sowie die übrigen Reiche Asiens wurden ausgelöscht und fielen vollständig der Herrschaft einiger Weniger anheim. So kamen nicht allein Staaten, sondern auch Reiche schwer zu Fall, was sich als vornehmlicher Beweis für unsere Schwäche erkennen lässt. In der Tat hat alles Menschliche, wie groß und bedeutend es auch sei, sein eigenes Schicksal, so dass sich in unseren Tätigkeiten nichts von Bestand finden lässt. Wer von den Männern jener Zeit hätte je geglaubt, dass Babylon, diese so prächtige und mit so großer Mühe, so hohem Aufwand und so vielen Tausenden Menschen erbaute Stadt, einmal zugrunde gehen werde? Viel wird über Babylons Mauerumfang berichtet, der ungefähr 45 Meilen betrug. Vieles wird über die Mauerbreite berichtet, die viel größer war als die Breite, die zwei Wagen zugleich zur Durchfahrt benötigen. Die Mauerhöhe soll 50 Ellen betragen haben; 250 Türme sollen gestanden haben, die es in Breite und Höhe mit der Mauerpracht aufnehmen konnten. Da der Euphrat mitten durch die Stadt floss, verband diese ihre beiden Teile mit einer fünf Stadien langen Brücke, einem bewundernswerten Werk. Außerdem fügte sie auf jeder Brückenseite zwei Burgen an, deren eine einen Umfang von 7000 und deren andere von 3000 Schritt hatte. Diese Stadt soll innerhalb nur eines Jahres mit hierzu ausgewählten 300.000 Menschen in einer Tagesleistung von einem Stadion erbaut worden sein. Man baute auch einen hängenden Garten an, der zu den sieben Weltwundern zählt. Von diesem Aufwand und dieser Größe verschiedener Dinge sind nur noch wenige Spuren übrig, und der Name dieser so berühmten Stadt ist in dieser Gegend vergessen. Asien war für seine fast unzähligen herausragenden Städte bekannt, an die sich heute niemand mehr erinnert; an einigen Orten hat sich der Städtename erhalten. Ich will gar nicht die unzähligen Kriege aufführen, die römische Fürsten bei den verschiedenen Völkern Asiens angezettelt haben. Es gab nämlich nur Wenige, die nicht mit wechselndem Kriegsglück gegen die Assyrer oder die Perser, die Skythen oder die Parther gekämpft haben, und viele von ihnen findet man als Sieger, noch mehr als Besiegte wieder. Trajan hat ja die Armenier, die Perser, die Skythen und die Parther besiegt, deren Könige aus ihrer Stellung entfernt und alle Reiche zu Provinzen gemacht. Zuvor hatte Crassus die Parther angegriffen, wurde jedoch mittels einer Tücke gefangengenommen und getötet. Antonius forderte sie nochmals mit einem starken Heer heraus, sah sich jedoch zu seiner größten Schmach infolge materieller Not zum Abzug gezwungen. Danach griff Ventidius Bassus Parthien an, besiegte die Parther in einer Schlacht und wirkte darauf hin, dass sie späterhin von Augustus Frieden forderten. All dies läuft darauf hinaus, dass deutlich ist, dass Asien sich stets in großem Elend befunden hat. Ich will die Verwüstung der so bekannten Stadt Jerusalem übergehen (ein nur zu gut bekanntes Ereignis), ebenso den Einsturz des allerprächtigsten Tempels, da die Juden es waren, deren Schuld ein solches Unglück herbeigeführt hat. Blicke nun gen Westen, nach Griechenland, und rolle dessen alte Jahrbücher auf: Du wirst in der Tat kein Volk finden, das reicher an allen möglichen Unglücken und Mühsalen ist! Es ist so, dass alle Tragödien, welche die Griechen in schriftlicher Form hinterlassen haben, das Elend ihrer Epoche enthalten. Die Griechen haben ohne Unterlass Kriege im Ausland und im Inland geführt. Ja, ich meine wirklich sagen zu wollen, dass dieses Volk alle anderen an Elend übertroffen habe. Bedenke doch nur, dass die einst so mächtigen Städte Sparta und Athen, Griechenlands Leuchten, Theben, Argos, Mykene und die übrigen, am Meer gelegenen Städte entweder von Grund auf zerstört oder zu unbedeutenden Städtchen verwandelt wurden! Sieh Dir nur die so große Zahl der einstmals prachtvollen Landgemeinden an, die jetzt Staub sind! Bedenke die einst so zahlreich bevölkerten Provinzen Thessalonien, Achaia, Böotien, Euböa, Arkadien, Jonien und die Peloponnes! Heute sind das von nur Wenigen bewohnte Landschaften ohne Städte, von denen es heutzutage gar keine oder nur geringe Spuren gibt, die das menschliche Elend bezeugen; gleichwohl ist bekannt, dass es in diesen Landschaften glanzvollste Gemeinden gegeben hat. Und denke an die sehr vielen einst dichtbesiedelten, heute völlig verlassenen Inseln! Doch was halte ich mich mit Klagen über Städte auf? Die Reiche von Makedonien und Epeiros, die viele Beispiele der Unglückseligkeit bieten, sind gestürzt. Alexander von Pherai wurde, wie man liest, von einem Speer durchbohrt und fiel tot um, nachdem er von Epeiros aus ins Bruttierland übergesetzt hatte und die Römer beim Acheron bekriegen wollte. Auch Pyrrhos, der König von Epeiros, soll besiegt aus Italien abgezogen sein, nachdem er das Meer überquert und die Römer angegriffen hatte. Anschließend soll er bei der Belagerung von Argos von einem Ziegel erschlagen worden und gestorben sein. Ihr wisst, dass Perses, der König von Makedonien, im Krieg von den Römern besiegt wurde und als mit goldenen Ketten gefesselter Gefangener den Triumphzug des Paulus Aemilius geschmückt hat. Wenn nun aber die Unglückseligkeit sehr vieler Könige so groß war, was hat man dann von den Übrigen zu halten, derer jeden einzelnen sein Unglück drückt? Was hat man von dem gemeinen Volk zu halten, an dem nach Ansicht der Weisen das Schicksal seine Macht ausübt? Alle an Griechenland grenzenden Völker haben keine Könige mehr; die Sarmaten, die Thraker und die Hirkaner sind ihres Reiches verlustig gegangen und in die Gewalt von Tyrannen gelangt. Die in Europa lebenden Skythen, die sogenannten Tartaren, haben ihre Herrschaftsgebiete aufgeteilt und liegen in ständigem Krieg gegeneinander; sie ziehen rastlos umher und wechseln öfters ihre Herrscher. Die Moesier, die Ungarn, die Polen, die Rutenier sowie die übrigen benachbarten Nordvölker waren, wie man liest, ohne Waffen stets unruhig und haben entweder andere bekriegt oder waren untereinander aufständisch. Ganz Germanien ist immer von mannigfachen Unruhen erschüttert gewesen und hat entweder seine Nachbarn zum Waffengang herausgefordert oder mit sich selbst Krieg geführt. Ein großer Teil Germaniens wurde unter nicht geringen Verlusten von den Römern unterworfen; später wurde das Land mehrmals von den Ungarn verwüstet. Die Königreiche Dakien, Schweden, Norwegen und das Reich der Goten waren früher stets im Besitz von mehreren Königen und sind es zuweilen auch heute noch. Die Herrschaftswechsel erfolgten nicht ohne menschliches Blutvergießen und die Verwüstung ganzer Gebiete. An Germanien grenzt, getrennt durch den Rhein, Gallien, das ebenfalls in nicht gerade geringfügige oder kurze Unglücke verwickelt gewesen ist. Lassen wir die früheren Jahrhunderte beiseite, über die sich mehr Mythisches als Wahres berichten lässt; wir glauben gleichwohl, dass diese (Jahrhunderte unserer Zeitrechnung) von einem den früheren Zeiten ähnlichen Schicksal aufgewühlt sind. Nach acht Jahren, unter großem Blutvergießen, mannigfachen Niederlagen, begleitet vom beklagenswerten Untergang sehr vieler Städte und der Verwüstung von Provinzen, zwang Caesar das von der Ermordung vieler Stämme erschöpfte Gallien zum Gehorsam gegenüber dem römischen Reich. Später musste es der Willkür und dem Wüten verschiedener Kaiser gehorchen. Nach Konstantins Herrschaft wankten Roms Kräfte durch die Schuld der Herrscher; als die Gallier wegen der Habsucht und der Grausamkeit der römischen Statthalter mehrmals abgefallen waren und, in der Wankelmütigkeit des Schicksals erfahren, durch schwere Niederlagen geschwächt waren, boten sie auswärtigen Völkern die Gelegenheit zum Einmarsch und zur Besetzung. Zunächst ließ der barbarische Stamm der Franken, die, wie es heißt, aus dem Sieger Land ausgezogen waren, sich unter der Herrschaft von Theodosius und Arcadius in den germanischen Städten am Rhein nieder, setzte dann über den Rhein über, stieß bei Trier mit den römischen Heerführern Quintius und Heraclius zusammen, besiegte und vernichtete deren Heer und tötete sie. Nach Einnahme der Stadt plünderten und brandschatzten sie diese im Jahre 286. Nach Trier zerstörten sie Köln. Anschließend marschierten sie gegen das innere Land Galliens, Paris, Senonen- und Karnutenland, und besetzten dann die restlichen Städte sowie die gesamte Küste, das von ihnen so genannte 'Francia'. Die Vandalen, die Gallien zweimal verwüsteten, rieben sie in einem riesigen Gemetzel auf. Nach ihnen beanspruchten die von den Germanen abstammenden Alemannen den gesamten nebenrheinischen Landstrich, von dem sie nicht weit entfernt sind. Sie haben ihren Stammesnamen von der Rheinmündung bis zu den Alpen ausgeweitet, und nach ihnen wurde das Land 'Alemannia' genannt. Als der Frankenkönig Chlodwig mit ihnen zusammenstieß und schwächer als sie war, gelobte er für den Fall seines Sieges seinen Übertritt zum Christentum. Er besiegte die Alemannen und erfüllte mit der Hilfe des Bischofs Remigius sein Gelübde. Zudem gestand Theodosius den Gothen Aquitanien zu. Da kamen überfallartig die Burgunder, ein kriegerischer Stamm, aus dem Norden und nahmen den Teil Galliens in Besitz, der noch heute 'Burgund' heißt. Diese setzten einen König für sich ein, forderten einen großen Teil Galliens zum Krieg heraus und fochten des öfteren mit ihren Nachbarn. Nach einer Herrschaft von 130 Jahren gerieten sie schließlich, von den Kaisern Otto I. und Konrad besiegt, unter deren Herrschaft. Die Normannen endlich wanderten aus dem von ihnen so genannten 'Nortus' (Norden) aus und verheerten Gallien an mehreren Stellen. Sie vernichteten zunächst den vornehmen Handelsplatz Dorestanum an der Mündung der Maas, griffen Gallien auf dem Weg über die Loire an, nahmen mehrere Städte ein, zu denen Nantes, Angers und Tours gehört haben sollen, und plünderten sie zur Zeit Kaiser Lothars im Jahre 837. Dann kehrten sie in ihre Heimat zurück, kamen kurze Zeit später mit einer größeren Mannschaft zurück, verwüsteten auf dem Weg über die Mündung der Seine ein zweites Mal Gallien und beanspruchten mit Waffengewalt denjenigen Teil für sich, der heute nach ihrem Stammesnamen 'Normannia' heißt. Als Reichshauptstadt wählten sie sich Rothomagum. Nachdem sie dort längere Zeit in feindlicher Gesinnung den benachbarten Gebieten gegenüber geherrscht hatten, unterlagen sie schließlich der Tapferkeit der Franken und wurden deren Reich zugeschlagen. Als letzte suchten die Briten, nachdem sie von der Insel Britannien infolge von Bürgerkriegen vertrieben worden waren, den Küstenstreifen Gallien auf, an dem die Veneter lebten, nahmen ihn in Besitz und nannten ihn nach ihrer früheren Heimat 'Bretagne'. Für wie groß hat man den Schaden und die Verwüstung zu halten, die diese so große Überschwemmung Galliens mit verschiedenen Volksstämmen mit sich brachte? Gewiss für außerordentlich groß und von der Art, dass sie eine beispielgebende Zeugin für das enorme Elend unserer Lage ist. Indes war Gallien auch nach Festigung der fränkischen Herrschaft vor Angriffen der Barbaren und vor Kriegen nicht sicher. Nachdem die Herrschaft auf die Germanen übergegangen war, verwüsteten die Ungarn zweimal Germanien und Gallien und rückten nicht ohne die Ermordung vieler Menschen und nicht ohne Katastrophen ab. Auch die Frankenkönige wurden durch zahlreiche Kriege gegen ihre Nachbarn in Atem gehalten. Es folgten während mehr als 300 Jahren unaufhörliche Kriege zwischen den Königen von Gallien und England; wieviel Blut bei den vielen Schlachten strömte, hat sowohl die frühere als auch unsere Epoche erlebt. Hinzu kommen Kriege, die schon mehr als nur Bürgerkriege sind, die plötzlich zwischen den gallischen Fürsten ausgebrochen waren und infolge verderblicher Parteienbildung mehrere Jahre anhielten, wie wir vor kurzem erlebt haben. Da fehlte gewiss keine Sorte von Unglück oder Grausamkeit. Diese Angelegenheiten zeigen deutlich, dass das Elend der menschlichen Lage am stärksten in diesem Volk ausgegriffen hat. Was soll man von der Insel Britannien sagen? Haben wir nicht gelesen, dass auch sie lange Zeit von mannigfaltigen Stürmen gebeutelt worden ist und so ziemlich die äußersten Zerstörungen hat erleiden müssen? Ich übergehe die Zeit, da sie den Römern zu gehorchen hatte, nachdem sie unter einer schlimmen Niederlage ihre Freiheit verloren hatte; nachdem sie mehrmals von den Kaisern abgefallen war, wurde dieser Abfall mit hohem Blutzoll geahndet. Nachdem sie das römische Joch völlig abgeschüttelt hatten und verschiedene Könige, die ämterlos ausgegangen waren, untereinander in wechselweisem Totschlag und Städteverwüstung gewütet hatten, machten die Angeln sich von Germanien auf und setzten auf die Insel über; nachdem sie den Schutz für eine einzige Partei übernommen hatten, hatten sie späterhin über Besiegte wie über Sieger gleichermaßen Befehlsgewalt. Seitdem hat die Insel ihren früheren Namen verloren und ist zweimal unter den Stammesnamen und die Gewalt der Angeln gelangt. Gleichwohl war sie auch danach nicht arm an inneren Auseinandersetzungen. Denn vor etwas mehr als 300 Jahren, nachdem ein Krieg bei ihnen ausgebrochen war, bemächtigte sich der Normannenführer Wilhelm, von der einen Partei gerufen, der Herrschaft, und auch in unserer Epoche ist, wie wir wissen, durch den Wechsel und das Gemetzel zwischen Königen und Fürsten sehr viel Blut vergossen worden. Nunmehr lasst uns zu Spanien, einem nicht eben kleinen Teil Europas, übergehen! Ich sehe von dem Elend der alten Zeit ab, das Spanien von Tyrannen erlitten hat. Die Mythen erzählen, Diomedes sei von Herkules niedergemetzelt worden, weil er seine Pferde mit Menschenfleich gefüttert habe. Ich übergehe die Titanen und alle Tyrannen der Vorzeit. Nachdem Karthager und Römer die Herrschaft angetreten hatten, wurde Spanien zu beider Beute und wurde während vieler Jahrhunderte durch beständige Kriegsverwüstungen geschwächt; schließlich gehorchte es den römischen Waffen, von denen die Spanier, dies darf man getrost glauben, mit der gewohnten Habgier und Willkür behandelt worden sind. Als das römische Reich wankte, verheerten die Vandalen unter ihrem Führer Alarich Spanien. Danach eroberten und plünderten die Goten Rom, setzten erst nach Afrika und von daher nach Spanien über und herrschten dort ungefähr 260 Jahre. Später kam Spanien unter die Herrschaft der Mauretanier, die es (eam!) bis zur Zeit Karls des Großen hielten und gegen das ganze (spanische) Geschlecht vielfältige Grausamkeiten verübten. Karl besiegte die Mauretanier und befreite die Provinz von der Knechtschaft für die Barbaren. Danach wurde der größere Teil Spaniens von den Afrikanern unterdrückt. Noch heute halten die Mauren den am Meer liegenden Landesteil, der mit einem neuen Namen 'Reich von Granada' heißt. Auch die Küstenteile Aragon und Valencia sind vor etwas weniger als 200 Jahren von den Barbaren rückerobert worden, ebenso die Balearen, die zum Herrschaftsbereich (der Spanier) gehört hatten. Das vornehmliche Zeichen dafür, dass diese Gebiete im Besitz der Barbaren waren, ist die Tatsache, dass die gesamte Küste von Mauren bewohnt ist, die, weil sie in ihrer Ungläubigkeit verharren, den christlichen Königen steuerpflichtig sind. Diese so einschneidenden mannigfachen Veränderungen geben Anlass zu einer zweifelsfreien Vermutung, dass nämlich alle Spanier zu keiner Zeit frei von Elend gewesen sind. Gehen wir, wenn es Euch recht ist, über zu dem Spanien gegenüberliegenden Afrika, und untersuchen wir, in welcher ‚Glückseligkeit' dieses Land seinen Herren gehorcht hat! Ein großer Teil Afrikas wird von dem an Äthiopien angrenzenden Libyen eingenommen. Die Afrer, dann die Numider, die Getuler, die Mauretanier und die Mesuler, Provinzen, die einstmals verschiedenen Königen unterstanden - alle diese (Stämme) haben die Völker stärker als die Barbarentyrannei unterdrückt; in ihrer Gier nach fremdem Besitz nämlich lagen sie in ständigem Krieg, und zwar wegen der Begehrlichkeit ihrer Könige, die nach Fremdem strebten. Zuerst soll das Volk der Gorgonen in Afrika geherrscht haben und von Zeus' Sohn Perseus besiegt worden sein. Von diesen stammten die waffenvernarrten libyschen Amazonen ab, die nicht nur gegenüber Afrika feindlich gestimmt waren, sondern nach Asien zogen und einen großen Teil dieses Landes verwüsteten. In Afrika unterwarfen sie sich mehrere Völker. Als sie mehrere Städte beherrschten und (die Bevölkerung) bis hin zu den Jugendlichen getötet hatten, zerstörten sie die Atlantischen Inseln und machten von ihrem Sieg in grausamerer Weise Gebrauch, als es zur Einschüchterung der Nachbarn angemessen gewesen wäre. Nachdem mit diesen ein Friede vereinbart worden war, wandte die Amazonenkönigin Mirrhina, gestützt auf ein Heer von 30.000 Fußsoldaten und 2000 Reitern, die Waffen gegen die Nachbarstämme; die Amazonen besiegten diese Stämme und herrschten bis zur Ankunft Herkules', der ihr Reich zerstörte, in Libyen. Zuvor hatte Dionysios alle Titanen besiegt. Die übrigen Provinzen Afrikas gehorchten bis zu der Zeit von Karthagos Herrschaft Königen, die untereinander Kriege stifteten. Dann folgte die Herrschaft Karthagos, die mit dem Unglück Vieler erlangt wurde. Die Karthager gaben sich mit den Grenzen Afrikas nicht zufrieden und taten Spanien viel Elend an; sie bekriegten Sizilien und Sardinien, und überall wurde Krieg mit ungewissem Ausgang und unter wechselseitigem Verderben geführt. Dann folgten der erste, der zweite und der dritte Krieg gegen die Römer (alle drei waren äußerst hart), und es scheint etwas Wundersames, zu sagen, wieviel Menschenblut dabei vergossen worden ist. Diese Kriege freilich haben den Fall nicht allein Karthagos, sondern ganz Afrikas mit sich gebracht. Ungefähr 40 Jahre lang focht Karthago gegen die Römer zu Land und zu Wasser, wurde schließlich unterworfen, eingenommen, gebrandschatzt und zerstört; nichts Grausameres ließ sich erdenken als eine so prächtige, so mächtige und in ihren Taten so herausragende Stadt, die geplündert und bis auf den Grund zerstört worden ist, ohne einer einzigen der schlimmsten Unbilden entgangen zu sein. Der Überlieferung zufolge betrug der Umfang der Stadt 22.000 Schritt und 2000 Schritt die Burgmauern. Das Feuer benötigte 17 Tage, um die Gebäude der ganzen Stadt zu vernichten, was der größte Beweis für das menschliche Unglück ist. So viele harte Kriege, denen (die Karthager) unter hohen Verlusten an eigenen Leuten zum Opfer fielen, so viele und bedeutende Fürsten und Heere, die verloren gingen und niedergemetzelt wurden, ein derart grausamer Untergang einer so großartigen Stadt, so viele niedergebrannte Gebäude und so viele Tausende Menschen in trauriger Knechtschaft: Erweist all das nicht, wie unstet die vom Schicksal verliehene Macht, wie brüchig und hinfällig die Lage des menschlichen Schicksals und wie elend unser Leben ist, und gemahnt es uns nicht daran, dass in diesem Lauf des Lebens nichts vor Unglücksfällen sicher sein kann? Hinzu kommt die Gefangenschaft des Königs Syphax; in einer Schlacht besiegt, geriet er unter Scipios Befehlsgewalt, wurde mit den übrigen Gefangenen nach Rom geschickt und starb in Tibur. Nach dem Tode des numidischen Königs Masinissa herrschte Jugurtha mit List und Tücke. Er wurde aber selbst besiegt, geriet lebendig in Marius' Gewalt, schritt in Fesseln vor des Triumphators Marius Wagen einher und starb kurze Zeit darauf durch Sturz vom Tarpeischen Felsen. Später wurde durch Erlass des Tiberius Gracchus Karthago wiederhergestellt, und man entsandte eine Kolonie dorthin. Gleichwohl war es dieser Stadt und Provinz nicht länger verstattet, sich des Friedens zu erfreuen. Zunächst wurde sie vom Bürgerkrieg Pompeius', dann von dem Caesars zerrissen. Es folgten die Goten und die Vandalen, die Karthago lange Zeit in Besitz hatten; schließlich wurde die Stadt, wie man liest, von Belisarios befreit. Daraufhin wurde sie von vielen belastenden Vorgängen heimgesucht und wurde ein zweites Mal durch die Grausamkeit der sogenannten Sarazenen-Barbaren zerstört und niedergeworfen in einem solchen Maße, dass nur wenige Spuren von ihr übrig sind. Nicht übergehen darf man die beweinenswerte Verwüstung des einst so wohlhabenden Königreichs Zypern, die, wie wir wissen, kurz vor dem Jahre 300 stattfand. Eine Flotte des ägyptischen Königs namens Soldanus griff die Insel an, und man nahm den unvorhersehbarerweise daherlaufenden König fest. Die Reichshauptstadt Nikosia und die gesamte Insel außer einigen wenigen Landstädten wurden geplündert; Beute und König wurden nach Ägypten verbracht. Der König hatte vertraglich vereinbart, jährlich eine Abgabe zu zahlen, und kehrte völlig mittellos auf die verlassene Insel zurück. Nachgerade schwer und beweinenswert scheinen die an Grausamkeit hervorstechenden Schicksalsfälle der übrigen Völker und Städte zu sein, von denen ich erzählt habe. Jedoch scheint die Härte des Schicksals in den Ruinen Roms und Italiens, die ich mir gleichsam für das Ende der Schlacht aufgespart habe, noch zugenommen zu haben, so dass es nicht zu verwundern ist, dass die Rom untergebenen Provinzen völlig zusammengebrochen sind, als sie Rom, die Königin der Erde, und Italien, die Herrscherin über die Völker, so übel zerrissen und gepeinigt sahen. Wir haben gelesen, dass Italien vor der Gründung Roms stets unruhig gewesen sei, und zwar sowohl von außen als auch von innen her. Griechische Stämme besetzten mehrere Küstenstriche und Binnenland. An der nördlichen Adria befinden sich Mantua, Padua und Ancona, Städte, die Auswärtige gegründet haben, die ihrerseits von den Trojanern abstammten. An der südlichen Adria befinden sich Luna, Pisa, Poplonia, Cumae, Neapel und Tarent sowie der ganze am Meer und Richtung Griechenland gelegene Landstrich; diese Städte sollen griechische sein. Zuvor war Saturn nach Italien geflohen und hatte den Ort inne, wo sich heute der Kapitolinsberg befindet. Nach ihm erbaute Euander den Palast und begründete dort die Reichsmacht. Danach wurde Aeneas mit seinen Schiffen nach Latium verschlagen, was nicht ohne Krieg, den Turnus unter vielem Blutvergießen vom Zaun brach, abging. Als Wohnsitz wählte er sich Lavinium, was ihm der König Latinus zugestand. Die Arkader und Pelasger bewohnten Latium und vertrieben die Umbrer von ihrer Wohnstatt. Auch die Städte Agilla und Cora wurden von den Pelasgern bzw. von dem Trojaner Dardanos gegründet. Die Etrusker dehnten ihr Herrschaftsgebiet bis zu den Alpen aus, nachdem sie das gesamte später ‚Gallia cisalpina' genannte Gebiet unterworfen hatten. Zudem hatten sie die ganze sich am nördlichen Meeresteil erstreckende Gegend in Besitz; an der Küste hatten sie eine Stadt erbaut, die sie ‚Adria' nannten; von ihr erhielt auch das Meer seinen Namen. Später marschierten mehrmals die Gallier, die Senonen, die Insubrer und die Boier über die Alpen nach Italien. Sie vertrieben die Etrusker und drangen durch die heutige Lombardei bis nach Rimini vor. Es folgte die Gründung Roms durch Romulus, eine Stadt, die man getrost als Geißel nicht nur Italiens, sondern des ganzen Erdkreises bezeichnen kann. Indem sie nämlich unter Vernichtung zahlloser Städte, unter Verwüstung vieler Provinzen und unter dem Verderben für sehr viele Völker ihren Herrschaftsbereich auszudehnen und auch die Nachbarn zu unterwerfen trachtete, ballte sie so viel Macht in sich, dass sie zwangsweise unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrach. Während die Römer ihre Nachbarn zu unterwerfen versuchten und von äußeren Feinden angegriffen wurden, konnten sie durch schwere Niederlagen dem schlimmsten (extremam!) Schicksal ausweichen. Zuerst kosteten die Gallier, dann Pyrrhus in zwei Schlachten viel italisches Blut. Dann kann man vor allem Hannibal, der während 14 Jahren Italiens und Roms Kräfte aufrieb und mehrere Städte einnahm und zerstörte, als Heimsuchung Italiens bezeichnen. Dann kamen die Cimbern dazu - auch ihr Einmarsch nach Italien war mit der Ermordung vieler römischer Soldaten verbunden -, und hätte sich ihnen nicht der wackere Marius entgegengestellt, wäre es um das römische Reich geschehen gewesen. Anschließend brachen Bürger- und Sklavenkriege aus, die nur unter schweren Niederlagen und dem Fall mehrerer Städte beigelegt werden konnten. Allerdings scheinen die Unbilden Roms mehr als die Italiens gewesen zu sein. Rom nämlich ist niemals von privaten Zwistigkeiten, von inneren Kämpfen, von hausgemachten Streitigkeiten, von äußeren Kriegen und von Bürgerkriegen zur Ruhe gekommen. Solange es von Königen beherrscht wurde, war die Zivilcourage diesen gegenüber so feindlich eingestellt, dass Brutus gezwungen war, seine hohe Gesinnung dadurch zu verbergen, dass er vorgab, verrückt zu sein. Als die Freiheit errungen war, gab es, wie Ihr wisst, den Auszug des Volkes; Ihr kennt die langwierigen Kämpfe zwischen ihm und den Senatoren, die Aufstände der Tribunen, die mörderischen Streitigkeiten zwischen diesen und den Senatoren, Ihr wisst von der Verbannung hochanständiger Bürger, die sich um das Vaterland verdient gemacht hatten. Feststeht also, dass Rom stets von Kriegen und inneren Kämpfen heimgesucht gewesen ist. Was soll ich davon erzählen, dass in Italien, Spanien, Gallien, Germanien, Asien, Afrika, Europa und Griechenland römische Heerführer besiegt, Heere in die Flucht geschlagen und niedergemetzelt, Kaiser gemeuchelt worden sind? Dass auf dem ganzen Erdkreis Blut vergossen wurde und Rom immer mannigfachen Gefahren ausgesetzt war? Was soll ich von den fast unzähligen Städten erzählen, die infolge ungleicher Kampfbedingungen zerstört wurden, von den verwaisten Provinzen und den vernichteten Völkern? Was soll ich von den so grausamen und ruchlosen Bürgerkriegen reden, die Rom zerfleischt haben? Es mutet wundersam an, zu sagen, welchen Schaden, welches Verderben und welchen Brand diese Kriege in Rom, in Italien und schließlich auf fast der ganzen Erde angerichtet haben. Mehrmals haben die Bürger unter schlimmem Morden gegeneinander gekämpft. Ein wie trauriger und abscheulicher Anblick war es, auf dem Marktplatz, der Rednerbühne und in der Kurie die aufgenagelten Köpfe der Geächteten und die Versteigerungen, bei denen Hab und Gut der verurteilten Bürger verkauft wurden, ansehen zu müssen! Gleichwohl war das Allergrausamste und Abscheulichste der dritte (Bürger-)Krieg, in dem die Freiheit gänzlich verloren ging. Zu jener Zeit wurden durch eine einzige Verordnung 4000 Bürger geächtet und kamen durch verschiedene Strafen zu Tode. Für wie groß hat man erst das Gemetzel von Bürgern und Auswärtigen zu halten, das im Gebiet von Pharsalos, in Afrika, in Spanien und in Rom selbst stattfand, als die Grausamkeit Marius', Sullas, Carbos und Cinnas nach dem Blut der Bürger dürstete? Caesars Sieg wirkte sich milder, der der Tribunen, die den Staat erdrückten, verderblicher aus. In der Tat ist die Lage jener Zeit für äußerst elend zu halten, als es keine Gerechtigkeit und keine Gleichheit gab, als nichts heilig, zuverlässig oder sicher war und niemand wissen konnte - allerorts traf man ja auf eine Woge der Grausamkeit -, wann er für sich eine unverrückbare Grenze des Lebens ansetzen könne. Falls es nötig wäre, könnte ich in lauterer Wahrheit bezeugen, dass Rom und Italien selten eine größere Verheerung durchlitten haben als die durch Hannibal. Zeugen hierfür sind die bei Trebia, am Trasimenischen See, bei Cannae, bei Bruttii und an vielen anderen Orten getöteten Heere; Zeugin ist ferner die sehr vornehme Stadt Capua, die gewaltsam zurückerobert worden und durch die Ermordung eines Teiles der Bürger sowie durch den Verkauf eines anderen Teiles grausam zerstückelt wurde. Zeuginnen sind ferner sehr viele andere Städte Italiens, die in diesem Krieg durch Feindeswut zerstört wurden. Zu keiner anderen Zeit und in keiner anderen Epoche wurde Italien derart versehrt. Nach so vielen Niederlagen folgte die Regentschaft Augustus'; dank dessen Herrschaft kam Italien ein wenig von den Kriegen zur Ruhe, was freilich, wie bekannt, auf hilfreiche Vorsehung zurückzuführen ist. Die nachfolgenden Herrscher waren keine Menschen, sondern nutzlose Ungeheuer, hervorgebracht zum Verderben der Menschen, die Tiberii, Caligulae, Nerones, Vitellii, Domitiani und mehrere Andere, die wie liederliche Tyrannen nur Grausamkeit, Verwüstung, Unmenschlichkeit und Verruchtes im Kopf hatten und einzig an die Vernichtung der Stadt und die Herrschaft dachten. Sie brachten mit ihren Verbrechen die Kräfte des Reiches derart ins Wanken und schwächten sie mit der Ermordung hervorragender Persönlichkeiten so stark, dass die nachfolgenden Kaiser deren Ungeheuerlichkeit mit keinem einzigen Vorzug (wenn es denn überhaupt gute Kaiser gab) wettmachen konnten. So schienen sie nicht Kaiser, sondern fürchterlich wilde Tiere zu sein, geboren nur dazu und allein darauf aus, Rom zu vernichten, Italien zu verwüsten, alle Provinzen ins Verderben zu stürzen und die hervorragendsten Persönlichkeiten zu ermorden. Es war eher ihre Sattheit als ihr Wille, die sie von ihrer blutigen Schlächterei wegriss. Man kann neben den anderen Katastrophen, die Rom erlebte, noch die Feuerschäden nennen, die fast die ganze Bürgerschaft dahinrafften. Ein früherer Brand, auf Neros Geheiß gelegt, hat fast alle die berühmten Gebäude, allen ehemaligen Glanz der Denkmäler und alle Tempel vernichtet. Von den 14 Stadtbezirken wurden sieben bis auf den Grund zerstört; von drei Häusern waren nur Spuren übrig. Vier Bezirke, die dann zur Zeit Vespasians eine ähnliche Feuersbrunst zerstörte, blieben verschont. In Gestalt Constantins folgte (secuta!) die schlimmste Seuche für Rom und das Reich: Wie eine Stiefmutter ließ er Rom im Stich, kümmerte sich überhaupt nicht um die Stadt und gründete in Thrakien dort, wo Byzanz war, ein Neues Rom; dies gab den Anlass für Roms Fall, Italiens Untergang und die Schwächung des Reiches. Statt nur eines wurden zwei Kaiser gewählt, weil ein einziger nicht tüchtig genug war, die Reichswürde allein zu schützen. Hieraus ergaben sich alle möglichen Übel: Statt nur eines Ungeheuers wurden zwei geweckt, die wie übelste Schlächter die Ermordung bekannter, weiser sowie in Friedens- und Kriegszeiten nützlicher Männer anordneten. So brach die Reichsmacht zusammen, und da die Ratschläge weiser Männer fehlten, konnten die Barbarenvölker gen Italien marschieren, und zahlreiche Provinzen wurden von der Grausamkeit der Herrscher zum Abfall bewogen, um ihr Joch abzuschütteln. Sehr elend war in der Tat das Schicksal Roms und Italiens, waren sie doch zum Gehorsam nicht gegenüber italischen, sondern halbbarbarischen Herrschern und so grausamen Tyrannen gezwungen. Die vielfältigen Katastrophen der früheren Zeit, von denen ich berichtet habe, scheinen beweinenswert; weitaus grausamer und härter aber waren die, die später folgten. Denn im Laufe ungefähr eines Jahrhunderts ist Rom unter großem Verderben für ganz Italien fünfmal von Barbarenvölkern eingenommen und geplündert worden. Bekanntlich wurde die Stadt von den Goten, die zur Zeit des Honorius über Pannonien nach Italien herabmarschiert waren, erst unter Führung Alarichs, dann, wenige Jahre später, unter dessen Nachfolger Astulphus eingenommen und völlig geplündert. Ungefähr 40 Jahre nach der Eroberung durch Alarich landeten die Hunnen unter Führung des Gensericus von Afrika her, wohin Gensericus von Spanien kommend übergesetzt hatte, mit Schiffen in Italien an und besetzten und plünderten Rom. Gensericus kehrte beutebeladen durch Kampanien, dessen Städte er zerstörte und das er verwüstete, nach Afrika zurück und ehelichte Eudoxa, vormals Frau des Valentinian. Dann griff Odoaker, König der Turcilinger und Herculer, Italien an, besiegte am Ticino den Patrizier Orestes, stürzte Augustulus und bemächtigte sich Roms. Als er jedoch zehn Jahre nach seinem Einfall in Rom und Italien vom Gotenkönig Theoderich bei Ravenna getötet wurde, bot er den Gotenfürsten, die Ravenna für sich als Reichssitz bestimmt hatten, Anlass zur Verwüstung Italiens. Von ihnen allen war Totila der grausamste König: Er sammelte seine ihm verbliebenen Leute, brachte über viele Städte, unter welchen auch die unsere gewesen sein soll, Unheil, belagerte Rom, hungerte es aus und zwang es so dazu, sich ihm zu ergeben. Dann plünderte er die Stadt brutaler als die anderen, riss die Mauern ein, brannte Häuser nieder und führte Gefangene ab, und dies mit einer solchen Grausamkeit, dass Rom, zur Heimstatt nur für wilde Tiere geworden, 40 Tage unbewohnt war. Kurz hierauf kehrte er, milder gestimmt, nach Rom zurück und übernahm die Herrschaft über die Stadt, die von den vielen Katastrophen derart geschwächt war, dass ihr von ihrem ehemaligen Glanz nur noch der Name blieb. Anschließend war sie eine Zeitlang Gotenkönigen und verschiedenen Kaisern und Tyrannen untertan. Deren Willkür ausgesetzt, verlor sie nicht nur ihr Reich, sondern vermochte auch kaum, sich mittels fremder Kräfte auf den Beinen zu halten. Zu diesen Verwüstungen Roms und Italiens kam der Schwall der Langobarden hinzu, eines wilden Barbarenstammes, der einen großen Teil Italiens beherrschte. Sie hatten ja das gesamte Gebiet von Gallia cisalpina, das heute, nach ihnen benannt, ‚Lombardei' heißt, sowie fast den gesamten Landstrich an der nördlichen Adria von Ravenna bis Beneventum inne. Sie herrschten etwas länger als 200 Jahre in Italien und waren zum Verderben Vieler den Römern und den Päpsten feindlich gesonnen. Um deren Verbrechen einzudämmen, rief man Pippin und den späteren Kaiser Karl nach Italien zu Hilfe, die Desiderius völlig besiegten und das Land von der langobardischen Knechtschaft befreiten. Zuvor und kurz danach hatte auch ein ungeheuerlicher Haufen Mauren das bereits geschwächte Italien angegriffen; sie hatten für längere Zeit Beneventum, Niceria sowie mehrere Nachbarstädte, die sie mit Gewalt eingenommen hatten, inne. Nach der Zerstörung von Portuensis griffen sie sehr oft das römische Gebiet an und beraubten die Peterskirche ihres gesamten Schmucks. Hierüber erregt, ließ Papst Leo III. um den Vatikan herum eine Mauer bauen, um diesen Ort vor dem Barbarenangriff sicherer zu machen. Gleichwohl ließ weder der Sieg über die Langobarden noch die Vertreibung der Mauren Italien zur Ruhe kommen und erlaubte es auch Rom nicht, den Frieden zu genießen. Denn nachdem Karl die Kaiserwürde übertragen worden war, gehorchte der eine Teil (Italiens) griechischen Kaisern, der andere Teil den Nachfolgern Karls, wodurch sowohl in Rom als auch andernorts Streitigkeiten und Kriege entstanden. Danach gab es in Italien mehrere Tyrannen, Könige und Kaiser, die die Stadt unablässig peinigten und restlos ausplünderten. In dem Teil Italiens, der heute 'Königreich Neapel' heißt und vom Bürgerkrieg erschöpft war, erbat sich die eine, schwächere Partei Hilfe von den Normannenfürsten Robert und Richard, die vor dem Jahre 1300 mit mehreren Soldaten ihres Volkes dorthin gefahren waren. Als zwischen ihnen längere Zeit Kriege tobten, vermehrten die den Normannen nachfolgenden Führer mittels des Unglücks anderer durch Waffengewalt ihre Macht so sehr, dass später, als zwei Männer um die Herrschaft stritten, Roger mit Hilfe des Papstes Anaklet zum König gekürt wurde. Späterhin wurde dieses Königreich sehr häufig kriegerisch angegriffen, und bis in unsere Tage hinein haben Könige verschiedener Völker in diesem nicht eben unbedeutenden Wettstreit die Herrschaft an sich gerissen. Welcher ‚Ruhe' die benachbarten Gebiete sich erfreuen, die sich der römischen Kirche unterstellt haben, konnten wir selbst erleben. (Von der Lage in früheren Zeiten möchte ich gar nicht reden.) Die Etrusker führen bis heute häufig Krieg gegeneinander. Es gibt keine etruskische Gemeinde, die nicht von Parteiumtrieben in ihrem Inneren aufgewühlt worden wäre, solange diese unsere Stadt einen Großteil Etruriens in Besitz hatte. Doch können wir Etrurien als eine Provinz bezeichnen, die bis heute unruhig ist; nach dem Jahre 300 hat stets irgendeine Gemeinde unter einem inneren oder einem äußeren Krieg zu leiden gehabt. Die Stadt Genua, heute eine sehr starke Seemacht, wurde vor wenig mehr als 500 Jahren von einer maurischen Flotte eingenommen, verwüstet und zerstört. Die Städte der sogenannten Lombardei wurden von der Grausamkeit sowohl von Kaisern als auch von Tyrannen, denen sie lange Zeit untergeben waren, heimgesucht. (Von den Unbilden früherer Zeiten will ich schweigen.) Friedrich I. belagerte die Stadt Mailand drei Jahre lang und zwang sie durch Aushungerung zur Aufgabe; seine Grausamkeit tobte sich in dieser Stadt aus, indem er Häuser anzünden, Gebäude niederreißen und Bürger gefangen nehmen ließ. Dieser so üblen Verheerung fügte er die Zerstörung von Papia und Piacenza hinzu. Zudem sind etliche von Kaisern belagerte und eingenommene Gemeinden von verschiedenen Unbilden gebeutelt worden, und nur wenige Ortschaften dieses Volkes konnten (potuerunt!) der Grausamkeit von Kaisern oder Tyrannen, die ihre jeweiligen Städte gewaltsam eingenommen hatten (secuti!) der vom Verstand gegebenen Ratschläge zur wahren Freiheit gelangen. Diese wird dann eingetreten sein, wenn wir unseren Geist zur Selbstbetrachtung und zum Sich-selbst-Denken zurückgerufen haben, den verderblichen Einfluss der Laster von uns fernhalten, die sinnlichen Reizmittel und Verlockungen der Gelüste verachten und dem Gebot des Verstandes gehorchen, und wenn wir, der Tugendhaftigkeit wie einer Führerin bei unseren Handlungen folgend, ihren Weisungen wie denen einer Lehrerin für gutes Leben gehorchen. Sie wird uns von jeglicher Lebenslast und Verwirrung abbringen und uns vor jedweder Unglückseligkeit schützen. Sie wird die Waffen zur Verfügung stellen, mit deren Hilfe wir die Geschosse des Schicksals verachten werden. Sie wird uns daran erinnern, überflüssige Mittel geringzuschätzen, und daran, dass wir Glücksgüter nicht wie unseren Besitz, sondern wie eine Leihgabe zu behandeln haben, zu deren Rückerstattung wir bereit sind, wenn es der Willkür des Gebers so passt. Die Tugendhaftigkeit wird uns lehren, dass man diese Schicksalsgaben mit derselben Gleichmut besitzen und zurückzulassen hat. Wie Ihr wisst, gibt es zahlreiche Zeugnisse hervorragender Männer, die uns in der guten und verstandesgeleiteten Lebensführung unterweisen können. Wenn wir unter Leitung der Tugendhaftigkeit unsere Lebenstätigkeiten einrichten, werden wir jeden Angriff des Schicksals verachten. Indes gilt es, sich die folgende Vorschrift gegenwärtig zu halten: Man unternehme keine Handlung, die man später bereut! Stehen uns die Schicksalsgaben zu Gebote, mögen wir uns nicht überheben! Fehlen sie uns, mögen wir es leicht nehmen! Meines Erachtens wird uns viel der Gedanke nützen, dass das Schicksal sich uns zuweilen entgegenstellt, damit wir tapfer gegen es ankämpfen und es in seiner eigenen Disziplin besiegen. Tugendhaftigkeit gibt nämlich nicht in günstigen, sondern in widrigen Zeiten einen Beweis ihrer selbst. Bei günstigem Wind kann man nicht erkennen, ob der Schiffsführer sich aufs Steuern versteht, sondern erst bei Sturm und Gegenwind. Die Kraft des Schicksals ist nicht so unbeugsam, dass nicht ein Tapferer und Beständiger sie überwinden könnte. Viele haben mit ihm gerungen und sind als Sieger hervorgegangen. Das Gemüt ist gegenüber dem Geheiß des Schicksals frei, wenn dieses Reichtum, Macht, Gesundheit, Frau und Kinder wegnimmt. Verzichten wir gleichmütig auf seine Geschenke und seien wir des Glaubens, dies geschehe dank der allerhöchsten Vorsehung Gottes, der für unsere Angelegenheiten recht sorgt, da er allein weiß, was uns von Nutzen sein wird! Wir sind es, die unsere Übel veranlassen und hegen! Unsere Wünsche richten sich oft gegen uns selbst, und wir streben nach Vielem, das uns zum Verderben gereicht und uns, wenn wir es erlangt haben, mit größtem Kummer und Elend quält. Wir wünschen uns Glücksgüter, Reichtum, Ämter, Befehlsgewalt und alles Übrige, worüber das Schicksal verfügt; doch sind dies Dinge, die mehreren Menschen Armut, Verbannung, Gefängnis, Tod und tiefste Unglückseligkeit gebracht haben. Wir müssen also dem Hinterhalt des Schicksals entgehen und vor allem das zu erlangen suchen, worüber wir selbst Verfügungsgewalt haben, und was uns, solange wir leben, nicht im Stich lässt, und, wenn wir tot sind, uns nicht weggenommen werden kann. Dies werden uns Tugendhaftigkeit und Verstand erweisen, und wer deren Anweisungen folgt und deren Ratschlag gehorcht, wird sicherer leben, ohne das Schicksal zu fürchten und ohne Opfer irgendeines Elends oder einer Unglückseligkeit in seinem Leben zu sein."

Nach diesen Worten und nachdem sich zwischenzeitlich Viele im Hause versammelt hatten, die Cosimos Hilfe und Rat benötigten, sagte Mateo: "Da wir uns genügend miteinander unterhalten haben, ist es Zeit, diesen Leuten Platz zu machen!"

"Wie Du willst!" entgegnete Cosimo, "allerdings hatte ich an unseren Gesprächen sehr viel Vergnügen. Die Stimmen der anderen sind manchmal ein wenig lästig."