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Continuing apocalypsis (Börnchen, 2008-07-22) (Read 1755 times)
hck
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Continuing apocalypsis (Börnchen, 2008-07-22)
23.07.2008 at 09:54:21
 
It's a review, but not of a book dedicated to reanissance intellectual history.
 
So it's off topic for this forum.
 
But it has a general first part which I guess I might just quote or point to when I have to deal next time with the position  that the switch from the classical M.A. (i.e. the one introduced here ca. in the 1970s) to the "Bolognese" model of modular BAs followed by MAs, or students using google and/or wikipedia, or aiming at academic education for 40+% of the population, or something else which happened after the introduction of the regrettable habit to lecture in various vernaculars instead of Latin means the end of scholarly endeaveours and universities meriting the name of "university", etc. etc. pp.
 
The item in question is:
Stefan Börnchen: Die Germanistik in ihrem Siegeslauf hält weder Bachelor noch Bologna auf? Das erste Komplettlehrbuch für das »BA-Studium Germanistik« liegt vor. (Rezension über: Klaus-Michael Bogdal / Kai Kauffmann / Georg Mein: BA-Studium Germanistik. Ein Lehrbuch. Reinbek: Rowohlt 2008.) In: IASLonline [22.07.2008]
 
And the first 7.2 paragraphs (i.e. the ones I'd make use of in the above mentioned type of situation) read:
Quote:
Corrupti mores depravatique. Die Menschheit
im freien Fall
[2]


Was uns Menschen und unsere Welt betrifft, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte ist: Unsere Welt ist nicht in Ordnung. Die gute ist: Sie war es nie, und es ist noch immer weitergegangen. Schon Adorno beschwert sich über die anarchischen Verhältnisse von 1968. 1 Schon Shakespeares Hamlet leidet an der frühneuzeitlichen Welt, die aus den Fugen geraten ist. 2 Und schon die Klassiker klagen. »[C]orrupti mores depravatique sunt«, »verdorben sind die Sitten«, schreibt Cicero, 3 und Seneca: »quae fuerant vitia, mores sunt«, »was einst Laster waren, sind jetzt die Sitten«. 4 Am drastischsten aber heißt es bei Sophokles: »Ungeheuer ist viel und nichts / Ungeheurer als der Mensch.« 5
[3]


So gesehen, befinden wir Menschen uns schon seit Jahrtausenden im freien Kultur- und Sittenverfall, und offenbar dauert er immer noch an. Wir sind durchs goldene, silberne und vermutlich auch durch einen Großteil des eisernen Zeitalters gerauscht. 6 Und ein Ende des Sturzes ist auch jetzt, im Informations-Zeitalter, nicht in Sicht. Daraus folgt dreierlei. Entweder die Fallhöhe ist immens groß. Oder wir fallen sehr langsam. Oder wir fallen überhaupt nicht.
[4]

Bologna und Bachelor, eschatologisch
[5]


Nun hat, wer sich den beklagten Zeitläufen zum Trotz der Kultur nahe fühlt, meist nicht nur einen kritischen Geist, sondern auch eine dramatische Ader und wird sich deshalb regelmäßig für die eschatologisch getönte Vorstellung vom kulturellen Fall aus dem Paradies entscheiden. Das ist jedenfalls zur Zeit in den Feuilletons zu beobachten, wo häufig die als »Bologna-Prozess« bezeichnete Universitätsreform und der damit auch in Deutschland eingeführte »Bachelor« samt seiner Wirkung auf die Studierenden als jüngste Symptome des allgemeinen Kulturverfalls gelten.
[6]


Zwar wurde über diesen Verfall immer schon geklagt, so die These, aber erst heute wird er auch zu Recht beklagt: Im »Hinweis auf das Alter der Beschwerde über Studenten«, las man im März 2008 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, liege »noch kein zureichender Grund, sie für unsachgemäß zu halten. Auch wenn es schon tausendmal gesagt wurde, könnte es ja heute stimmen.« 7 Und, glaubt man dem Feuilleton, es soll stimmen: Die Studierenden lesen angeblich keine Klassiker mehr, 8 und »die Professorenschaft« hat beim Bologna-Curriculum »versagt«. 9 Mit Bologna soll er nun endgültig da sein, der Kulturverfall. Jetzt aber wirklich.
[7]

Faustischer Drang, pragmatischer Sinn
[8]


So verstanden ist Bologna eine Art Bildungsapokalypse – nur dass eben im Unterschied zum Original vergangener Zeiten (Offb. 10, S. 8–11) keine Bücher mehr verschlungen werden.

 
And: if you read German: you should definitley access the original, and follow the footnotes to the text quoted above: they are fun to read too!
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