Prof. Dr. Eckhard Keßler

Geschichte der Philosophie II: Philosophie des späten Mittelalters und der Renaissance

Überblicksvorlesung

Teil 1


Dokument erstellt: 2003-04-25
Letzte Änderung: 2003-04-25
WWW-Redaktion: Helga Pirner-Pareschi & Heinrich C. Kuhn





Sommer-Semester 2003

Prof. Dr. Eckhard Keßler

Überblicksvorlesung:

Geschichte der Philosophie II:

Die Philosophie des späten Mittelalters und der Renaissance

Mi. 10-11; HS E02, Schellingstr. 3,   Fr. 11-13; HS 112 Hauptgebäude  

BEGLEITENDES TUTORIUM: DI. 9 - 11 h, Ludwigstr. 31, 4. Stock (Raum 406)

Zaklina Dodig MA / Martin Schmeißer MA,

Weitere Informationen unter martinschmeisser@hotmail.com

BEGLEITENDE BZW. ERGÄNZENDE PROSEMINARE IM SS 2003:

Spätes Mittelalter:

Rémi Brague: Thomas von Aquin: Traktat von den Gesetzen,  Di. 14-16

Renaissance:

Eckhard Keßler: Verständnis und Funktion der Rhetorik

in der philosophischen Tradition von der Antike bis zur frühen Neuzeit Do. 10-12

Heinrich C. Kuhn: Spannungen und Spannendes in Petrarcas

"Heilmittel gegen gutes und schlechtes Glück"    Mi. 16-18

Sabrina Ebbersmeyer: Woher weiß ich, wie ich handeln soll?

Moralphilosophie und Rhetorik in der Renaissance. Beginn 15.4.  Di. 10-12

Rudolf Schicker: Giambattista Vico und die frühneuzeitliche

Methodendiskussion       Di. 17-19

Andreas Sonneck: Das Bild des Menschen bei Erasmus, Vives und

Mazzoni (Einführung in die Lektüre lateinischer philosophischer Texte Mi. 18-20

Heinrich C. Kuhn: Frühneuzeitliches Latein für Philosophen   Do. 13-16

HINWEIS

Gastprofessur:

Prof. Dr. Christia Mercer, Columbia University in the City of New York 

Vorlesung: From Aquinas to Berkeley:

Philosophical Views about Substance,Matter, Cause, and Explanation

2 stündig, Raum 406, Ludwigstr. 31IV,   Beginn 21. 05. 03   Mi. 10 - 12

At the center of scholastic, Renaissance, and early modern philosophy stands the related notions of substance and matter. For philosophers as diverse as Aquinas, Galileo, Descartes, Leibniz, Spinoza, and Berkeley, these notions must be understood before we can explain the natural world. In this course, we will survey the views of these philosophers about substance, matter, cause, explanation, and the foundations of science. Our main questions will be: what is material substance and how do such substances explain the natural world?

Hauptseminar: Leibniz and the German Roots of his Thought

3-stündig, Raum 406, Ludwigstr. 31IV,   Beginn 20. 05. 03   Di., 14.30 - 17

According to the traditional story about the development of European philosophy prior to Kant, the great Leibniz rejected the conservative scholasticism of Protestant Germany and developed his metaphysics in response to the new philosophies of Bacon, Descartes, and Hobbes. In this seminar, we will identify the German roots of Leibniz¹s philosophy in an attempt to better understand his methodology and metaphysics. We will survey some of the methodological and metaphysical views of German thinkers like Alsted, Kircher, Jakob Thomasius, and Clauberg; and then use this material to excavate Leibniz¹s philosophy of reconciliatio.

I. Die Philosophie des späten Mittelalters

1. W. Totok: Handbuch der Geschichte der Philosophie. Bd.2: Mittelalter, Frankfurt 1973

2. Philosophy and Science in the Middle Ages (Contemporary philosophy. A new survey, ed. Guttorm Fløistad, vol. VI), 2 Bde., Dordrecht 1990

3. Rolf Schönberger / B. Kible (Hgg.): Repertorium edierter Texte des Mittelalters aus dem Bereich der Philosophie und angrenzender Gebiete, Berlin 1994

4. Friedrich Ueberweg: Grundriß der Geschichte der Philosophie. Bd. 2: Die patristische und scholastische Philosophie, hg. v. B. Geyer, 11 1927, Reprint Darmstadt 1967

5. Martin Grabmann: Die Geschichte der scholastischen Methode, 2 Bde., Freiburg 1909-11, Reprint Graz 1957

6. Martin Grabmann: Mittelalterliches Geistesleben Bd. I, München 1926, Bd.II, München 1936, Bd. III, München 1956.

7. Josef Pieper: Scholastik. Gestalten und Probleme der mittelalterlichen Philosophie, München, dtv, 1978

8. Kurt Flasch: Geschichte der Philosophie in Text und Darstellung Bd. 2: Mittelalter,, Stuttgart (Reclam) 1982

9. Kurt Flasch: Das philosophische Denken im Mittelalter. Von Augustin zu Machiavelli, Stuttgart (Reclam) 1986

10. Peter Schulthess / Ruedi Imbach: Die Philosophie im lateinischen Mittelalter. Ein Handbuch mit einem bio-bibliographischen Repertorium, Zürich 1996

11. F. van Steenberghen: La philosophie au XIIIe siècle, Louvain 1966 (Die Philosophie im 13. Jahrhundert, dt. v. M. Roesle, Paderborn 1977)

12. N. Kretzmann / A. Kenny / J. Pinborg (edd.): The Cambridge History of Later Medieval Philosophy. From the Rediscovery of Aristotle to the Desintegration of Scholasticism 1100-1600 [CHLMP], Cambridge 1982

13. John Marenbon: Early Medieval Philosophy (480-1150): An Introduction, London / New York 1983; Later Medieval Philosophy (1150-1350). An Introduction, London / New York 1987

14. Aurelius Augustinus (354-430): De doctrina christiana II,60; in: Oeuvres vol. 11, edd. G. Combés / M. Farges, Paris 1949, 330:

Wenn aber die sogenannten Philosophen, vor allem die Platoniker, etwa etwas gesagt haben, das wahr und unserem Glauben angemessen ist, ... dann sollten wir das nicht nur nicht verabscheuen, sondern uns im Gegenteil von ihnen, als wären es unrechtmäßige Besitzer, zu unseren Zwecken aneignen. Denn wie die Ägypter nicht nur Götzenbilder besaßen und drückende Lasten, die das Volk Israel verabscheute und floh, sondern auch Gefäße und Schmuck aus Gold und Silber und Kleider, die jenes Volk beim Auszug aus Ägypten sich lieber gleichsam zu besserem Gebrauch aneignete - nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Geheiß Gottes, wobei die Ägypter selbst, ohne es zu wissen, das hergaben, was sie nicht gut gebrauchen konnten (Vgl. Exodus III,22; XII,35), so besitzen auch die Lehren aller Heiden nicht nur erlogene und abergläubige Erfindungen und schwere Lasten überflüssiger Mühen, welche jeder von uns, der unter der Führung Christi aus der Gemeinschaft der Heiden auszieht, verabscheuen und meiden muß, sondern sie enthalten auch die freien Künste (liberales disciplinas), die für den Gebrauch der Wahrheit überaus geeignet sind und einige überaus nützliche moralische Vorschriften und man findet auch einiges Wahre bei ihnen über die Verehrung des einen Gottes, das der Christ als deren Gold und Silber... von ihnen zum richtigen Gebrauch der Verkündigung des Evangeliums rauben soll...

15. Aurelius Augustinus: De doctrina christiana II,40; a.a.O. (Nr. 14) 302:

Aber diesen ganzen Teil der menschlichen Unterweisungen (humanarum institutionum), die zur Notdurft des praktischen Lebens beitragen (quae ad usum vitae necessarium proficiunt), sollte ein Christ auf keinen Fall meiden, sondern im Gegenteil in ausreichendem Maße betrachten und seinem Gedächtnis einprägen.

16. Aristoteles: Metaphysik I,2; 982 b 12 ff.:

Verwunderung (thaumázein) veranlaßte zuerst wie noch jetzt die Menschen zum Philosophieren, indem man anfangs über die unmittelbar sich darbietenden unerklärlichen Erscheinungen sich verwunderte, dann allmählich fortschritt und auch über Größeres sich in Zweifel einließ...

Wenn sie also philosophierten, um der Unwissenheit zu entgehen, so suchten sie die Wissenschaft offenbar des Erkennens (eidénai) wegen, nicht um irgendeines Nutzens willen. Das bestätigt auch der Verlauf der Sache; denn als so ziemlich alles zur Bequemlichkeit und zum Genuß des Lebens Nötige vorhanden war, da begann man diese Art der Einsicht zu suchen.

Daraus erhellt also, daß wir sie nicht um irgendeines anderweitigen Nutzens willen suchen, sondern, wie wir den Menschen frei nennen, der um seiner selbst, nicht um eines anderen willen ist, so ist auch diese Wissenschaft allein unter allen frei; denn sie allein ist um ihrer selbst willen.

17. Platon: Siebter Brief 341 c-d

Von mir selbst wenigstens gibt es keine Schrift über diese Gegenstände, noch dürfte eine erscheinen; läßt es sich doch in keiner Weise, wie andere Kenntnisse (mathémata), in Worte fassen, sondern indem es, vermöge der langen Beschäftigung (synousía) mit dem Gegenstande und dem Sichhineinleben (synzên), wie ein durch einen abspringenden Feuerfunken plötzlich entzündetes Licht in der Seele sich erzeugt und dann durch sich selbst Nahrung erhält.

18. Sextus Empiricus: Grundriß der Pyrrhonischen Skepsis I,12, 25 f.; übers.v. M. Hossenfelder, Frankfurt 1968, 100

Wir sagen nun, bis jetzt sei das Ziel des Skeptikers die Seelenruhe in den auf Meinung beruhenden Dingen und das maßvolle Leiden in den aufgezwungenen. [26] Denn der Skeptiker begann zu philosophieren, um die Vorstellungen zu beurteilen und zu erkennen, welche wahr sind und welche falsch, damit er Ruhe finde. Dabei geriet er in den gleichwertigen Widerstreit, und weil er diesen nicht entscheiden konnte, hielt er inne. Als er aber innehielt, folgte ihm zufällig die Seelenruhe in den auf Meinung beruhenden Dingen.

19. Seneca: Briefe an Lucilius 106, 11 f.:

Ich will selbst sagen, was dir vielleicht auf der Zunge liegt: wir schieben eigentlich nur Steinchen hin und her. An überflüssige Fragestellungen vergeuden wir unseren Scharfsinn. Die machen nicht gut, höchstens gelehrt. Die Weisheit (sapere) ist eine viel zugänglichere, ja viel einfachere Sache. Um guten Sinnes zu werden (ad mentem bonam), bedarf es keiner umfangreichen Wissenschaften (litterae). Wir aber, die wir alles ins Überflüssige ausweiten, machen das Gleiche auch mit der Philosophie. Wie bei allen anderen Dingen leiden wir auch in den Wissenschaften unter Maßlosigkeit (intemperantia). Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir. Lebe wohl.

20. Pierre Hadot: Philosophie als Lebensform. Geistige Übungen in der Antike, dt. v. Ilsetraut Hadot / Christiane Marsch, Berlin 1991

21. Marinus (5. Jh.n.Chr.): Vita Procli, in: Procli Philosophi Platonici Opera inedita, ed. V. Cousin, Paris 1864, Repr. Frankfurt 1962, col. 23 / 24:

So las er (sc. Syrianos) zusammen mit Proklos in weniger als zwei Jahren alle Werke des Aristoteles, die Logik, Ethik, Politik, Physik und ebenso die theologische Wissenschaft. Als er aber in diesen - als gleichsam einführenden und kleinen Mysterien (mysteríai) - hinreichend unterwiesen war, führte er ihn zur heiligen Lehre (mystagogía) Platons selbst, und dies nach der Ordnung (táxis) und nicht, wie es im Orakel heißt, "mit grenzüberschreitendem Fuße", und er ließ ihn bei ihm die wahrhaft göttlichen Mysterien (theías óntos teletás) schauen mit den ungetrübten Augen der Seele und dem reinen Blick des Geistes.

22. Ilsetraut Hadot: "La division Néoplatonicienne des écrits d'Aristote", in: Jürgen Wiesner (Hg): Aristoteles. Werk und Wirkung. Paul Moraux gewidmet. Bd. II: Kommentierung, Überlieferung, Nachleben. Berlin 1987, 249-285

23. Commentaria in Aristotelem Graeca [CAG], edita consilio et auctoritate academiae litterarum regiae Borussicae, 23 Bde., 3 Suppl. Bde., Berlin 1891 - 1903

24. L. G. Westerink (Hg.): Anonymous Prolegomena to Platonic Philosophy III (Introduction, text, translation and indices), Amsterdam 1962,

25. Ilsetraut Hadot: "Les introductions aux commentaires exégétiques chez les auteurs Néoplatoniciens et les auteurs Chrétiens", in: Michel Tardieu (Hg.): Les règles de l'interpretation, Paris 1987, 99-119.

26. Henri de Lubac S.J.: Exégèse médiévale. Les quatre sens de l'écriture, 4 Bde., Paris 1959 (Vgl. auch: Eugenio Garin: Geschichte und Dokumente der abendländischen Pädagogik I: Mittelalter, dt. v. Eckhard Keßler, Reinbek 1964, mit zweisprachigen Quellen zum "vierfachen Sinn der Schrift" von Hieronymus bis Dante, p. 257-282)

27. Isidori Hispalensis Episcopi (Isidor von Sevilla, ca. 570-636): Etymologiarum sive Originum libri XX, ed. W. M. Lindsay, 2 Bde., Oxford 1911, Lib. I-III

Die Grundlage der mittelalterlichen Artistenfakultät

ARTES LIBERALES  ARISTOTELISCHE PHILOSOPHIE
Trivium:Grammatik
Rhetorik
Dialektik~~~Organon:~~~~~~~~~~~~~~~~Isagoge Porphyrii
De categoriis Aristotelis
De perihermeniis Aristotelis
De formulis syllogismorum
De divisionibus definitionum
De topicis
De oppositis
Analytica posteriora
Poetica
   Philosophia actualis moralis
dispensativa
civilis
   Philosophia inspectivanaturalis
Quadrivium:Arithmetica
Musica
Geometria
Astronomia
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~doctrinalis
    divina

Vgl. auch Martianus Capella (5. Jh. p. Chr.): De nuptiis Mercurii et Philologiae, ed. A. Dick, Leipzig 1925 (Engl. Übers.: W.H. Stahl / R. Johnson / E.L. Burge: Martianus Capella and the Seven Liberal Arts, 2 Bde., New York, Columbia UP, 1971

28. Aurelius Augustinus (354-430): Vom Gottestaat VIII, 4, dt. v. W. Thimme, 2 Bde., Zürich 1955, Bd.1, 417 f.:

Plato aber... habe die Philosophie vollendet. Er teilte sie in drei Teile, einen ethischen (moralis), der sich vor allem mit dem Handeln (actio) befaßt, einen physischen (naturalis), bei dem die Betrachtung (contemplatio) überwiegt, und einen rationalen (rationalis), der das Wahre vom Falschen zu unterscheiden lehrt. Dieser letztere ist freilich auch für die beiden anderen, also das Handeln und die Betrachtung, nötig, und zumal die Betrachtung setzt sich die Einsicht in die Wahrheit (perspectio veritatis) zum Ziel. So ist diese Dreiteilung nicht in Widerspruch mit jener Unterscheidung, die das ganze Weisheitsstreben (studium sapientiae) in Handlung und Betrachtung bestehen läßt...

[418] Vielleicht vertreten diejenigen, die man weithin als scharfsinnigste und zuverlässigste Kenner Platons rühmt... die Ansicht, daß bei Gott die Ursache des Seins (causa subsistendi), der Grund des Erkennens (ratio intelligendi) und die Ordnung des Lebens (ordo vivendi) zu finden ist, drei Aussagen, von denen sich die erste auf den natürlichen, die zweite auf den rationalen, die dritte auf den moralischen Teil der Philosophie bezieht.

Wenn nämlich der Mensch so von Gott geschaffen ist, daß er mit dem, was sein Höchstes ist, das, was das Höchste von allem ist, nämlich den einen, wahren, besten Gott (unum, verum, optimum Deum) berührt (attingat), ohne den kein Wesen besteht (nulla natura subsistit), keine Lehre einleuchtet (nulla doctrina instruit) und keine Betätigung frommt (nullus usus expedit), nun wohlan, so soll man ihn suchen, in welchem alles wirklich (secura) ist, auf ihn schauen, in welchem alles gewiß (certa) ist, ihn lieben, in welchem alles gut (recta) ist.

29. Platon: Timaeus a Chalcidio translatus commentarioque instructus, ed. L.H. Waszink (Plato Latinus, ed. R. Klibansky, Bd. IV), London / Leyden 1962

30. Johannes Scotus Eriugena (810-877): De divisione naturae libri quinque, diu desiderati, Oxford 1681, Reprint Frankfurt 1964 (Periphyseon / De divisione naturae, ed. I.P. Sheldon-Williams / L. Bieler, 3 Bde., Dublin 1978-81; dt. v. L. Noack: Über die Einteilung der Natur, Leipzig 1874, Repr. Hamburg 1983)

31. Thierry von Chartres († 1150): De sex dierum operibus, ed. N.M. Häring, in: Archives d'histoire doctrinale et littéraire du Moyen Âge 22 (1955) 183-216

32. Wilhelm von Conches (1080-1154): De philosophia mundi, ed. G. Maurach, Pretoria 1974

33. Bernardus Silvestris (fl. 1147): Cosmographia, ed. P. Dronke, Leiden 1978 (dt. v. W. Rath: Aus der Schule von Chartres I, Stuttgart 1989; engl. v. W. Wetherbee, New York 1973)

34. Bernard C. Dod / Charles H. Lohr: "Aristotle in the Middle Ages", in: CHLMP, a.a.O. (Nr.21), 45-98 [Dod: "Aristoteles latinus" 45-79; Lohr: "The medieval interpretation of Aristotle" 80-98]

Die Etappen der Entstehung des lateinischen Aristoteles:

1. Bis ca. 1120: Wiederentdeckung der über die sog. Logica vetus (Isagoge, Kategorien, Lehre vom Satz) hinausgehenden Übersetzungen des aristotelischen Organons durch Boethius

Analytica priora Topica  Sophistici Elenchi

2. Neue Übersetzungen im 12. Jahrhundert.

a. Jacobus de Venetiis (ca. 1125-1150; aus dem Griechischen, vermittelt durch Konstantinopel):

Analytica priora Topica  Sophistici Elenchi Analytica posteriora

Physica   De anima Parva naturalia Metaphysica

b. Johannes ? (vor 1159):

Analytica posteriora

c. Henricus Aristippus (vor 1162, Sizilien, aus dem Griechischen):

Meteora IV

d. Gerhard von Cremona († 1187, Toledo, Übersetzung aus dem Arabischen):

Analytica posteriora

Physica  De caelo De generatione et corruptione  Meteora I-III

e. Alfred Sarashel (vor 1200, Toledo, aus dem Arabischen):

De mineralibus (Avicenna) De plantis (Nikolaus von Damaskus)

3. Übersetzungen im 13. Jahrhundert

a. Michael Scotus (fl. 1215-1236: Toledo / Sizilien; aus dem Arabischen):

Physica  De caelo De anima De animalibus  Metaphysik

Außerdem den größten Teil der Kommentare des Averroes

b. Hermannus Alemannus (1243-44; aus dem Arabischen)

Rhetorica

c. Robert Grosseteste († 1253, aus dem Griechischen)

De caelo  Ethica Nicomachea 

d. Bartholomaeus de Messina (fl. 1258-66; aus dem Griechischen)

Magna Moralia

e. Wilhelm von Moerbeke (1215-1286; aus dem Griechischen)

Fast das Gesamtwerk des Aristoteles, darunter zum ersten Mal:

De motu animalium De progressione animalium  Politica Poetica.

Außerdem eine große Zahl von spätantiken, griechischen Aristoteleskommentaren.

35. J.T. Muckle: "Greek works translated directly into Latin before 1350", in: Medieval Studies IV (1942) 33-42; V (1943) 102-114

36. Walter Berschin: Griechisch-Lateinisches Mittelalter. Von Hieronymus zu Nikolaus von Cues, Bern-München 1980

37. G.E. von Grunebaum: Das Fortleben der Antike im Islam, Zürich / Stuttgart 1965

38. Majid Fakhry: A History of Islamic Philosophy, New York, Columbia UP, 1970

39. A. Badawi: La transmission de le Philosophie Grecque au Monde Arabe, Paris 1968

40. F.E. Peters: Aristoteles Arabus. The Oriental Translations and Commentaries in the Aristotelian Corpus, Leiden 1968

41. F. Rosenthal: Knowledge Triumphant. The Concept of Knowledge in Medieval Islam, Leiden 1970

42. Hugo von St. Viktor (ca. 1097-1141): Didascalicon. De studio legendi IV,1, ed. Ch. H. Buttimer, Washington D.C. 1939, 70, 12-16:

Diese Schriften pflegt der katholische Glaube (fides catholica) die göttlichen zu nennen. Die Schriften der Philosophen strahlen, wie eine Wand aus Schlamm, die weiß getüncht ist, gewaltig nach Außen im Glanze der sprachlichen Formulierung (nitore eloquii), denn wenn sie manchmal auch den Schein der Wahrheit (species veritatis) vorschützen, so ist ihm doch das Falsche beigemischt, und so verdecken sie den Schlamm des Irrtums, als würden sie ihn mit einer äußeren Farbe überziehen.

43. Dominicus Gundissalinus [Gundisalvi] (fl. 1130-1180): De divisione philosophiae, Prologus, ed. Ludwig Baur (Beiträge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters IV, Heft 2-3) Münster 1903, 4.20-5.17:

Von dem aber, was zum Geist gehört, ist manches schädlich (noxia), anderes eitel (vana), anderes nützlich (utilia). Schädlich sind die Laster wie der Hochmut, der Geiz, leere Ruhmsucht und Ähnliches. Eitel sind weltliche Ehren und magische Künste. Nützlich sind die Tugenden (virtutes) und die ehrenhaften Wissenschaften (honeste sciencie), in denen beiden die gesamte Vollkommenheit (tota perfectio) des Menschen besteht. Denn weder die Tugend allein ohne Wissenschaft noch die Wissenschaft ohne Tugend macht den Menschen vollkommen.

Die ehrenhafte Wissenschaft (honesta sciencia) aber ist einerseits göttlich (divina) andererseits menschlich (humana).

Die göttliche Wissenschaft aber ist jene, von der wir wissen, daß sie den Menschen auf Veranlassung Gottes (deo auctore) überliefert worden ist, wie das Alte und das Neue Testament. Deshalb lesen wir im Alten Testament immer wieder: "...hat der Herr gesprochen" und im Neuen: "...sagte Jesus zu seinen Jüngern".

Menschlich aber wird die Wissenschaft genannt, von der man zeigt, daß sie durch menschliche Überlegungen (humanis racionibus) hinzuerfunden wurde (adinventa est), wie alle sogenannten freien Künste. Von ihnen weiß man, daß einige zur Beredsamkeit (eloquentia), andere zur Weisheit (sapientia) gehören.

Zur Beredsamkeit gehören nämlich alle, die richtig und schmuckvoll zu reden lehren, wie die Grammatik, die Poetik, die Rhetorik und die menschlichen Gesetze.

Zur Weisheit aber gehören alle, die die menschliche Seele entweder zur Erkenntnis der Wahrheit erleuchten (ad cognicionem veritatis illuminant) oder zur Liebe zum Guten entzünden (accendunt ad amorem bonitatis).

Und sie alle sind Wissenschaften der Philosophie.

44. Dominicus Gundissalinus: De divisione philosophiae, o.c. (Nr.43) p.38. 7-9:

Auf viele Weisen wird diese Wissenschaft (d.h. die Metaphysik) bezeichnet: denn man nennt sie "göttliche Wissenschaft" (sciencia divina) in Hinblick auf ihren vornehmsten Teil (a digniori parte), da sie bei Gott untersucht, ob er ist und beweist, daß er ist.

45. Averroes (1126-1198): Philosophie und Theologie von Averroes, dt. v. M. J. Müller, München 1875, Neudruck, eingl. v. M. Vollmer, Weinheim 1991 (Reihe Collegia) (arabisch/italienisch: Averroè: Il trattato decisivo sull'accordo della religione con la filosofia, Mailand, BUR, 1994; Faith and Reason in Islam. Averroes' Exposition of Religious Arguments, tr. Ibrahim Najjar, Oneworld 2001)

46. Averroes: Philosophie und Theologie von Averroes, a.a.O. (Nr. 45) 6 f. (it. Ausg. 59) [vgl. auch: pp. 16; 20-22: (it: 83; 97-101)]:





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