Prof. Dr. Eckhard Keßler
Dokument erstellt: 2003-05-27
Letzte Änderung: 2003-05-27
WWW-Redaktion: Helga Pirner-Pareschi
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116. Biagio Pelacani da Parma: Utrum anima intellectiva possit a corpore separari, ed. G. Federici Vescovini (Le Quaestiones de anima di Biagio Pelacani da Parma) Florenz 1974, 55:
Ob die intellektuelle Seele vom Körper getrennt werden kann?
Gott kann sie vom Körper trennen, da er allmächtig ist. Also etc. Der Vordersatz ist offenbar, da er keinen Widerspruch in sich schließt.
117. Gijsbert van den Brink: Almighty God. A Study of the Doctrine of Divine Omnipotence, Kampen 1993
118. J.P. Beckmann: Ockham - Bibliographie 1900 - 1990, Hamburg 1990
119. W. Vossenkuhl / R. Schönberger: Die Gegenwart Ockhams, Weinheim 1990
120. Klaus Bannach: Die Lehre von der doppelten Macht Gottes bei Wilhelm von Ockham. Problemgeschichtliche Voraussetzungen und Bedeutung. Wiesbaden 1975
121. Wilhelm von Ockham: Summa Logicae I,15, dt. v. Ruedi Imbach in: W.v.O: Texte zur Theorie der Erkenntnis und der Wissenschaft, lt./dt. hg.,übers. u. komm. v. R. Imbach, Stuttgart, Reclam, 1984, 67 f.:
Kein Universale ist eine Einzelsubstanz und der Zahl nach eine. Behauptete man das Gegenteil, dann ergäbe sich, daß Sokrates ein Universale wäre, weil es keinen einleuchtenden Grund gibt, wieso ein Universale eher eine Einzelsubstanz wäre als eine andere. Keine Einzelsubstanz ist also ein Universale.
Aber jede Substanz ist der Zahl nach eine und eine Einzelsubstanz, weil jede Substanz entweder (1) ein Ding ist und nicht viele oder (2) mehrere Dinge.
(1) Wenn sie ein Ding ist und nicht mehrere, dann ist sie der Zahl nach eine; dies nämlich wird von allen das der Zahl nach Eine genannt.
(2) Wenn aber eine Substanz mehrere Dinge ist, dann ist sie (2.1) mehrere Einzeldinge oder (2.2) mehrere Universalien.
2.1) Wenn das erste gilt, dann ergibt sich, daß eine Substanz mehrere Einzelsubstanzen wäre; aus dem gleichen Grunde könnte man sagen, daß eine Substanz mehrere Menschen sei. Und dann folgt, daß, obschon das Universale von einem Besonderen unterschieden würde, es von den Besonderen nicht unterschieden würde.
(2.2) Wenn hingegen eine Substanz mehrere Universalien wäre, dann nehme ich eines davon und frage: Entweder ist es mehrere Dinge oder eines und nicht mehrere.
(2.2.2) Im zweiten Fall ergibt sich, daß es ein Einzelding ist.
(2.2.1) Im ersten Fall frage ich: Entweder handelt es sich um mehrere Einzeldinge oder um mehrere Universalien. Es ergibt sich dann entweder ein unendlicher Prozess, oder man kommt zu dem Schluß, daß keine Substanz ein Universale ist, so daß sie nicht ein Einzelnes ist. Daraus ergibt sich, daß keine Substanz universal ist.
122. Wilhelm von Ockham: Summa Logicae I,15, dt. v. Ruedi Imbach in: W.v.O: Texte zur Theorie der Erkenntnis und der Wissenschaft, a.a.O. (Nr. 118) p. 73:
Aus diesen Sätzen und aus vielen anderen erhellt, daß das Universale eine Intention der Seele ist, die von vielen ausgesagt werden kann.
Dies kann durch Vernunftgründe (ratione) bekräftigt werden, denn jedes Universale kann, gemäß der Auffassung aller, von vielen ausgesagt werden. Aber nur eine Intention oder ein konventionell eingesetztes Zeichen, nicht aber eine Substanz, hat diese Fähigkeit. Also ist nur eine Intention der Seele oder ein konventionelles Zeichen ein Universale.
123. Wilhelm von Ockham: Quodlibeta septem VI, q. 29, ed. J.C. Wey (Opera Theologica IX) St. Bonaventure, N.Y., 1980, 697:
Wahrheit und Falschheit eines Satzes... sind relative Konzepte, die die Sätze selbst bezeichnen, aber nicht absolut, sondern Wahrheit bzw. dieses Konzept "Wahrheit" bezeichnet zugleich über den Satz hinaus, den er bezeichnet, auch noch, daß es so in der Sache ist, wie durch den Satz ausgedrückt wird. Und Falschheit drückt aus, daß es nicht so in der Sache ist, wie es durch den Satz ausgedrückt wird.
124. Wilhelm von Ockham: Prolog zum Physikkommentar, dt. v. Ruedi Imbach in: W.v.O: Texte zur Theorie der Erkenntnis und der Wissenschaft, a.a.O. (Nr. 118) p. 205 f.:
Zum ersten Punkt ist zu sagen, daß die Naturphilosophie von den sinnlichen Substanzen handelt, und zwar in erster Linie von den aus Stoff und Form zusammengesetzten und in zweiter Linie von gewissen abgetrennten Substanzen.
Zur Einsicht in das Gesagte muß man wissen, daß jedes Wissen sich auf ein Verknüpftes (complexum) oder auf Verknüpfte (complexa) bezieht. Und so wie Verknüpfte durch das Wissen gewußt werden, ebenso gehören die Unverknüpften (incomplexa), aus denen Verknüpfte zusammengesetzt sind, zum Bereich dieses Wissens. Nun sind aber die Verknüpften, welche durch die Naturwissenschaft gewußt werden, nicht aus sinnlichen Dingen oder Substanzen zusammengesetzt, sondern aus Intentionen oder Begriffen der Seele, welche solchen Dingen gemeinsam sind. Und deshalb handelt im eigentlichen Sinne die Naturwissenschaft weder von vergänglichen und werdenden Dingen, noch von natürlichen Substanzen, noch von beweglichen Dingen, denn solche Dinge sind in keinem durch die Naturwissenschaft gewußten Schlußsatz Subjekt oder Prädikat. Vielmehr handelt die Naturwissenschaft im eigentlichen Sinne von den solchen Dingen gemeinsamen Intentionen der Seele, die in vielen Aussagen genau für diese Dinge supponieren, obschon in gewissen Aussagen, wie sich zeigen wird, solche Begriffe für sich selbst supponieren. Und genau das sagt der Philosoph, nämlich daß das Wissen nicht Einzelnes, sondern Allgemeines, welches für die Einzeldinge supponiert, beinhaltet. Redet man allerdings metaphorisch und ungenau, dann kann man trotzdem sagen, die Naturphilosophie handle von vergänglichen und beweglichen Dingen, weil sie von den Termini, die für solche supponieren, handelt.
125. Wilhelm von Ockham: Prolog zum Sentenzenkommentar I,1, dt. v. Ruedi Imbach in: W.v.O: Texte zur Theorie der Erkenntnis und der Wissenschaft, a.a.O. (Nr. 118)p.147 f.:
Die beiden Erkenntnisse werden auf folgende Weise unterschieden: Die intuitive Erkenntnis ist eine solche Erkenntnis, kraft derer gewußt werden kann, ob ein Ding ist oder nicht, so daß, wenn das Ding ist, der Intellekt unmittelbar urteilt, daß es ist, und mit Evidenz erkennt, daß es ist, es sei denn, er werde zufällig wegen der Unvollkommenheit dieser Erkenntnis daran gehindert. Und desgleichen, wenn eine solche vollkommene Erkenntnis eines nicht-existierenden Dinges durch die Macht Gottes erhalten würde, könnte der Intellekt kraft dieser unverknüpften Erkenntnis mit Evidenz erkennen, daß dieses Ding nicht ist.
Desgleichen: Die intuitive Erkenntnis ist solcherart: Wenn gewisse Dinge erkannt werden, von denen das eine einem anderen inhäriert oder von denen das eine örtlich vom anderen entfernt ist oder auf eine andere Weise zu ihm in Beziehung steht, wird kraft dieser unverknüpften Erkenntnis dieser Dinge unmittelbar gewußt, ob das Ding inhäriert oder nicht, und ebenso bezüglich der anderen kontingenten Wahrheiten, es sei denn, diese Erkenntnis sei allzu schwach oder es bestehe ein anderes Hindernis. So z.B. wird, sofern Sokrates in Wirklichkeit weiß wäre, jene Erkenntnis des Sokrates und der Weiße, kraft deren mit Evidenz erkannt werden kann, daß er weiß ist, intuitive Erkenntnis genannt. Und überhaupt ist jegliche unverknüpfte Erkenntnis eines oder mehrerer Termini, eines oder mehrerer Dinge, kraft derer mit Evidenz eine kontingente Wahrheit, vornehmlich über etwas Gegenwärtiges, erkannt wird, eine intuitive Erkenntnis.
Die abstraktive Erkenntnis hingegen ist jene Erkenntnis, kraft derer bezüglich eines kontingenten Dinges nicht mit Evidenz gewußt werden kann, ob es ist oder nicht. Und auf diese Weise abstrahiert die abstraktive Erkenntnis von der Existenz und der Nicht-Existenz, weil durch sie von einem existierenden Ding nicht mit Evidenz gewußt werden kann, daß es existiert, und von einem nicht-existierenden Ding, daß es nicht existiert - im Gegensatz zur intuitiven Erkenntnis.
126. Christopher Lewis: The Merton Tradition and Kinematics in Late Sixteenth and Early Seventeenth Century Italy, Padua 1980.
127. Erich Hochstetter: "Viator mundi. Einige Bemerkungen zur Situation des Menschen bei Wilhelm von Ockham", in: Franziskanische Studien 32 (1950) 1-20
Wâr um ein mensch werde verloren
daz ander ze gnâden sî erkorn
swer des frâget, des ist ze vil:
got sol und mac tuon swaz er wil.
[aus: Hugo von Trimberg: Der Renner]
128. Giovanni Villani: Cronica. Con le continuazioni di Matteo e Filippo, ed. G. Aquilecchia, Turin 1979, 288:
Leser, merke wohl, daß die oben beschriebenen Katastrophen und Erdbeben große Zeichen und Strafen Gottes sind und nicht ohne tiefen Grund und ohne Gottes Zustimmung geschehen; und es sind solche Wunder und Zeichen, die Jesus Christus seinen Jüngern vorhersagte, verkündend, daß sie erscheinen sollten am Ende der Welt.
129. R. Ruggiero / A. Tenenti: Die Grundlegung der modernen Welt. Spätmittelalter, Renaissance, Reformation (Fischer Weltgeschichte Bd.12), Frankfurt 1967
130. H. Pirenne: Sozial- und Wirtschaftsgeschichte Europas im Mittelalter 2München 1971
131. Alfred von Martin: Soziologie der Renaissance, 3München 1974
132. Anthony Molho (Hg.): Social and Economic Foundations of the Italian Renaissance, New York 1969
133. Robert S. Lopez: The Three Ages of the Italian Renaissance, Boston / Toronto 1970
134. Lynn White Jr.: Medieval Technology and Social Change, Oxford 1962
135. Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien, 1860
136. Jules Michelet: Historie de France t.VII: Histoire de France au seizème siècle (Renaissance), Paris 1857, 14 f.
137. August Buck (Hg.): Zu Begriff und Problem der Renaissance (Wege der Forschung 204) Darmstadt 1969
138. W.K. Ferguson: The Renaissance in Historical Thought. Five Centuries of Interpretation, Cambridge, Mass. 1948
139. Pierre Belon: Observation de plusieurs singularitez et choses memorables, trouvées en Grece, Asie, Judée, Egypte, Arabie et autres pays estranges, Paris 1553
140. Giorgio Vasari: Le Vite de'più eccellenti pittori,scultori e architetti nelle redazioni del 1550 e 1568, ed. R. Bettarini, Florenz 1967
141. Friedrich Immanuel Niethammer: Der Streit des Philanthropinismus und des Humanismus in der Theorie des Erziehungs-Unterrichtes unserer Zeit, Jena 1808, Reprint Weinheim 1968
142. August Buck: Humanismus. Seine europäische Entwicklung in Dokumenten und Darstellungen (Orbis academicus I,16) München / Freiburg 1987
143. Georg Voigt: Die Wiederbelebung des klassischen Altertums oder das erste Jahrhundert des Humanismus, Berlin 1859
144. R. Klibansky: The Continuity of the Platonic Tradition during the Middle Ages, London 1950
145. R.R. Bolgar: The Classical Heritage and Its Beneficiaries, London 1954
146. Paul Lawrence Rose: The Italian Renaissance of Mathematics. Studies on Humanists and Mathematicians from Petrarch to Galileo, Genf 1975
147. G.W.F. Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie II,iii,B.; Suhrkamp Werkausgabe, hg.v. E. Moldenhauer / K.M. Michel, Bd. 20, Frankfurt 1971, 18:
"Menschen gärender, brausender Natur, von unstetem und wildem Charakter, enthusiastischem Wesen, das nicht die Ruhe der Wissenschaft gewinnen konnte. Man findet so bei ihnen große Originalität; der Inhalt aber ist höchst vermischt und ungleich...
Diese merkwürdigen Erscheinungen gleichen wesentlich der Auflösung, dem Erdbeben und den Eruptionen eines Vulkans, der sich im Innern gebildet hatte und der eine neue Schöpfung hervorbrachte; seine Schöpfungen sind noch wild und unregelmäßig... Die Zeit war reich an solchen Individuen, die sich auf die gewaltsamste und korrupteste Weise herumgetrieben haben im Gedanken, im Gemüt wie in den äußerlichen Verhältnissen.
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