Prof. Dr. Eckhard Keßler
Dokument erstellt: 2003-06-30
Letzte Änderung: 2003-06-30
WWW-Redaktion: Helga Pirner-Pareschi
[Leitseite Unterlagen zur Vorlesung]
201. Hanna Holborn Gray: "Renaissance Humanism: The Pursuit of Eloquence", in: Journal of the History of Ideas 24 (1963)
202. Cesare Vasoli: La dialettica e la retorica dell'Umanesimo. "Invenzione" e "Metodo" nella cultura del XV e XVI secolo, Mailand 1968
203. E.J. Ashworth: "Traditional Logic", in: Cambridge History of Renaissance Philosophy (Nr.146) 143-172;
204. Lisa Jardine: "Humanistic Logic", ebd. 173-198
205. Lisa Jardine: Francis Bacon. Discovery and the Art of Discourse, Cambridge 1974
206. Lorenzo Valla (1406/07 - 1457): Opera omnia, Basel 1540 (Reprint [ergänzt] 2 Bde., Turin 1962)
207. Lorenzo Valla: Epistolae, ed. O. Besomi, Padua 1984
208. Mario Fois: Il pensiero cristiano di Lorenzo Valla nel quadro storico-culturale del suo ambiente, Rom 1969 (Bibliographie pp. 641-667)
209. P. O. Kristeller: "Lorenzo Valla", in: Acht Philosophen der italienischen Renaissance, Weinheim 1986, 17-31
210. Lorenzo Valla: In Novum Testamentum ex diversorum utriusque linguae codicum collatione adnotationes, ed. Desiderius Erasmus, Paris 1505 (Collatio Novi Testamenti, ed. A. Perosa, Florenz 1970)
211. Lorenzo Valla: De falso credita et ementita Constantini donatione, ed. W. Setz, Weimar 1976 (lat. / it. ed. Olga Pugliese, BUR, Mailand 1994)
212. Lorenzo Valla: Gesta Ferdinandi Regis Aragonum, ed. O. Besomi, Padua 1973
213. W. Setz: Lorenzo Vallas Schrift gegen die Konstantinische Schenkung, Tübingen 1975
214. Lorenzo Valla: De vero falsoque bono (= De voluptate), ed. M. de Panizza Lorch, Bari 1970
215. Lorenzo Valla: De libero arbitrio, ed. M. Anfossi, Florenz 1934 (lat. / franz. ed. J. Chomarat, Paris 1983; lat. dt. ed. E. Keßler, München 1987)
216. Maristella de Panizza Lorch: A Defense of Life. Lorenzo Valla's Theory of Pleasure, München 1985
217. Lorenzo Valla: Elegantiarum Latinae Linguae libri VI, Lyon 1551 (In Elegantiarum libros praefationes, ed. E. Garin, in: Prosatori Latini del Quattrocento, Mailand / Neapel 1952, 594-631)
218. Lorenzo Valla: Repastinatio dialecticae et philosophiae, ed. G. Zippel, 2 Bde., Padua 1982
219. H.-B. Gerl: Rhetorik als Philosophie. Lorenzo Valla, München 1974
220 R. Waswo: "The 'ordinary language philosophy" of Lorenzo Valla", in: Bibliothèque d'Humanisme etRenaissance 41 (1977) 255-271
221. Lisa Jardine: "Lorenzo Valla and the intellectual origins of Humanist dialectics", in: Journal of the History of Philosophy 15 (1977) 143-164
222. Wilhelm von Ockham: Summa Logicae I,1, dt. v. Ruedi Imbach, a.a.O. (Nr. 119), p. 19:
Ich sage aber, die Laute seien den Begriffen oder Intentionen der Seele untergeordnete Zeichen, nicht weil bei eigentlicher Auffassung des Ausdrucks Zeichen die Laute stets die Begriffe der Seele zuerst und eigentlich bedeuten, sondern weil die Laute zur Bedeutung desselben, was durch die Begriffe bedeutet wird, eingesetzt worden sind; und zwar so, daß der Begriff zuerst und von Natur aus etwas bedeutet und der Laut dasselbe an zweiter Stelle bedeutet, so daß ein zur Bedeutung eines durch einen Begriff Bedeuteten eingesetzter Laut dann, wenn der Begriff sein Bedeutetes änderte, von selbst und ohne eine neue Einsetzung sein Bedeutetes verändert.
223. Lorenzo Valla: In Elegantiarum libros praefatio, ed. E. Garin, a.a.O. (Nr. 215) 594 ff.:
Die lateinische Sprache... hat die Völker und alle Nationen in allen Künsten, die man die freien nennt, unterwiesen; sie hat sie die vorzüglichsten Gesetze gelehrt; sie hat ihnen den Weg zu jeglicher Weisheit gebahnt; sie hat es schließlich geschafft, daß man sie nicht länger Barbaren nennen konnte...
Rom zwar haben wir verloren, das Reich und die Herrschaft verloren, wenn nicht durch unsere, so doch durch der Zeiten Schuld. Und dennoch herrschen wir durch diese glänzendere Herrschaft noch immer in einem großen Teil der Erde. Unser ist Italien, unser Gallien, unser sind Spanien, Deutschland, Pannonien, Dalmatien, Illyrien und viele andere Nationen. Dort nämlich ist das römische Imperium, wo die römische Sprache herrscht....
Die Griechen können untereinander nicht zum Konsens kommen (inter se consentire non possunt) und noch viel weniger hoffen, andere zu ihrer Redeweise zu führen. Unterschiedlich sprechen bei ihnen die Autoren: attisch, äolisch, ionisch, dorisch, in der Koiné. Bei uns, d.h. bei vielen Nationen, spricht niemand anders als die römische Sprache, in der alle eines freien Menschen würdigen Disziplinen enthalten sind...
Wer sieht nicht, daß solange sie blüht, auch die Studien blühen und die Fächer, und wenn sie stirbt, auch jene? Denn wer waren die größten Philosophen, die größten Redner, die größten Juristen und die größten Autoren überhaupt? Niemand anderes als die, die sich am meisten darum bemühten, gut zu reden...
224. Lorenzo Valla: Elegantiarum liber VI, 34, Lyon 1551, p. 451 ff.:
Gegen Boethius über 'persona'
... beim Menschen bezeichnet die Person auf jeden Fall eine Qualität, durch die wir uns, einer vom anderen, unterscheiden, nach dem Geist, nach dem Körper und auch nach unseren Beziehungen zur Außenwelt. Dem Geist nach z.B.: in welchen Studien man sich übt, in der Medizin, der Jurisprudenz oder dem Kriegswesen... Und auch die Schauspieler nehmen auf der Bühne Personen an, wenn sie einen Diener spielen oder eine Magd, eine Matrone oder eine Buhle, einen Greis oder einen Jüngling... und tausenderlei Derartiges, das nicht nur einzeln in je Einem ist, sondern vielfältig, wie z.B. in mir die Person des Humanen, des Freigebigen, des Furchtsamen, des Schwachen, des Schläfrigen, des Gebildeten, des Greises, des Gatten... ist und manchmal auch des Gegenteiligen, denn im Vergleich zum sehr Tapferen, Schönen, Reichen bin ich weder tapfer noch schön noch reich, sondern schwach, ungestalt, arm. Eine andere Person bin ich also im Vergleich zu diesem als zu jenem, den ich in allem übertreffe... Daher kommt es, daß ich eine unterschiedliche und vielfältige Person habe, aber nur eine einzige Substanz.
In Gott aber setzen wir die Person... weil in Gott in Wahrheit eine dreifache Qualität ist.
225. Eckhard Keßler: "Die Transformation des aristotelischen Organon durch Lorenzo Valla", in: E. Keßler / Ch. Lohr / W. Sparn (Hgg.): Aristotelismus und Renaissance, Wiesbaden 1988, 53-74.
226. Lorenzo Valla: Repastinatio dialecticae et philosophiae II, Prooemium § 3, 4, 5, 7., a.a.O. (Nr. 216) 175 f.:
[§3] Denn die Dialektik war ursprünglich eine durchaus kurze und leichte Sache, was man aus dem Vergleich mit der Rhetorik entnehmen kann. Denn was ist die Dialektik anderes als eine Art der Bestärkung und der Widerlegung? Diese aber sind Teile der Findung (inventio), die Findung aber ist einer der fünf Teile der Rhetorik. "Sache des Dialektikers ist es, den Syllogismus zu gebrauchen". Was? Benützt ihn der Redner nicht ebenso? Natürlich benützt er ihn, und nicht nur ihn allein, sondern auch das Enthymem, das Epicheirema und auch die Induktion ist hinzuzufügen.
[§4] Aber sieh, worin sie sich unterscheiden. Der Dialektiker bedient sich so zu sagen des nackten Syllogismus, der Redner aber des bekleideten und gewappneten, mit Gold und Purpur und Perlen geschmückten, und einen umfangreichen und großen Reichtum an Vorschriften muß er sich erwerben, wenn er als Redner auftreten will. Dem Dialektiker aber, so möchte ich sagen, geziemt die Armut.
[§5] Denn der Redner will ja nicht nur belehren, wie es der Dialektiker tut, sondern auch erfreuen und bewegen, was manchmal mehr zum Sieg beiträgt als selbst der Beweis. Obwohl er nicht immer siegen will und sich nicht immer im Streit befindet, sondern sich darum bemüht, von dem Ehrenhaften und dem, was zu einem guten und glücklichen Leben beiträgt, zu überzeugen und von dem Schändlichen und Schädlichen abzuraten und zu loben und zu tadeln, was Lob und Tadel verdient...
[§7] Deshalb ist die Rhetorik außerordentlich schwierig und unzugänglich und nicht für jeden erwerbbar. Denn sie liebt es, durch die Weite des Meeres und mitten in den Wellen umherzuschweifen und mit geschwellten und knatternden Segeln dahinzufliegen; sie weicht den Fluten nicht aus, sondern beherrscht sie: ich spreche von der höchsten und vollkommenen Beredtsamkeit. Die Dialektik aber, Freundin der Sicherheit und Gefährtin der Küsten, schaut lieber auf die Erde als auf das Meer und rudert nahe den Häfen und Klippen.
227. Petrarca: Epistulae familiares VI,4; in: EN a.a.O (Nr. 176) X,78:
Wenn man fragt, warum ich gelegentlich so viele Beispiele anführe und mich mit so viel Neugier gerade mit ihnen zu beschäftigen scheine, möchte ich sagen: Ich glaube, daß der Leser des gleichen Geistes ist wie ich. Für mich gibt es jedenfalls nichts, das mich so bewegt, wie die Beispiele der großen Männer. Es macht nämlich Freude (iuvat), sich zu erheben, es macht Freude (iuvat), seinen Geist zu erproben, ob er etwas Solides an sich hat, etwas Bedeutendes und gegen die Fortuna Ungezähmtes und Ungebrochenes, oder ob er sich über sich selbst getäuscht hat. Dies geschieht sicher, außer durch die Erfahrung (experientia), die die sicherste Lehrmeisterin der Dinge (magistra rerum) ist, auf keine Weise besser, als wenn ich meinen Geist denen, denen er am ähnlichsten zu sein wünscht, annähere. So wie ich daher allen, die ich lese, dankbar bin, wenn sie mir durch häufige Beispiele diese Möglichkeit der Erfahrung geben, hoffe ich auch, Dank zu ernten von denen, die mich lesen werden. Vielleicht täusche ich mich in dieser Hoffnung: aber du wirst durch diese Darlegung nicht getäuscht, denn dies ist die einzige wahre Ursache dieses Tatbestandes.
228. Cicero: De oratore II,36:
Historia vero testis temporum, lux veritatis, vita memoriae, magistra vitae, nuntia vetustatis...
Die Geschichte aber ist der Zeuge der Zeit, das Licht der Wahrheit, das Leben der Erinnerung, die Lehrmeisterin des Lebens, der Herold des Alten
229. Donald R. Kelley: Foundations of Modern Historical Scholarship. Law and History in the French Renaissance, New York 1970
230. Lorenzo Valla: Antidotum primum, (La prima apologia contra Poggio Bracciolini) ed. A. Wesseling, Assen 1978, 112:
Aber was ist die Heilige Schrift? Jede Übersetzung des Alten und Neuen Testamentes? Aber die sind vielfältig und uneinheitlich, und eine widerspricht der anderen erheblich... Welche also von allen würdest du die Heilige Schrift nennen? Sicherlich keine, es sei denn die wahre Übersetzung... Folglich wäre meine Übersetzung, wenn sie nur wahr wäre, Heilige Schrift zu nennen, und nicht die jenes früheren Übersetzers, obwohl im eigentlichen Sinne Heilige Schrift jene ist, die die heiligen Juden und Griechen schrieben, denn das Lateinische ist nichts dergleichen.
231. Lorenzo Valla: Gesta Ferdinandi Regis Aragonum, a.a.O. (Nr. 210) Prooemium § 11:
Und, soweit ich jedenfalls urteilen kann, mehr Gewichtigkeit, mehr Klugheit, mehr politische Weisheit beweisen die Historiker in ihren Reden als irgendwelche Philosophen in ihren Lehren. Und wenn ich die Wahrheit sagen soll, aus der Geschichte floß die meiste Kenntnis der natürlichen Dinge, die später andere in Lehren verwandelt haben, die meiste Kenntnis der Sitten, die meiste Kenntnis jeglicher Weisheit.
232. Petrarca: Epistulae familiares XX,4; in: EN (Nr.176) XIII,21:
Wenn du mich, ohne dich irgendwie festgelegt zu haben, um Rat fragtest..., würde ich dich heißen, viel herumzusehen, deine Anlagen und dein Streben sorgfältig abzuwägen. Es gibt nämlich, wie in den Dingen, so auch in den geistigen Vermögen Gradunterschiede. Die eine Veranlagung verlangt dieses, die andere jenes...
Nun aber, da du nicht einen Rat suchst, was du tun sollst, sondern Hilfe bei der Durchführung..., ermahne ich dich mit allem Nachdruck, an diesem Studium, zu dem dich sei es dein Urteil, sei es dein Schicksal getrieben hat, beständig festzuhalten und nicht täglich neue Entschlüsse für dein Leben zu fassen.
Nichts ist für den Wanderer schändlicher, als nicht zu wissen, wohin er gehen will, nichts schändlicher für einen Mann, als nicht zu wissen, was er will. Umsonst wirst du die Segel setzen, wenn du das Steuer verloren hast: du wirst nämlich dahin treiben, wohin dich nicht deine Ratio, sondern Fortuna trägt. Uns muß von Anfang an feststehen, wohin wir gelangen wollen, damit wir nicht durch häufiges Wechseln der Absicht - was bei nächtlichen Verirrungen zu geschehen pflegt - während wir fortzuschreiten glauben, zum Ausgangspunkt zurückkehren...
Ich bitte dich, beginne gutes Mutes Eines zu wollen. Wenn du auf eine Küste den Bug deines Schiffes richtest, einem einzigen Wind dein Segel anvertraust, das Steuer in der Hand, dann wird deine Seefahrt sicher sein, dann wirst du zuverlässig fortschreiten, wenn nicht etwa, soweit du willst, so doch, soweit es dir vom Himmel gegeben ist.
233. Petrarca: Posteritati, in: P (Nr.176) 2-19; hier 2:
Die Kindheit hat mich betrogen, die Jugend verdorben, das Alter hat mich gebessert und mich durch Erfahrung lernen lassen, daß wahr ist, was ich schon lange zuvor immer wieder gelesen hatte, nämlich, daß die Jugend und die Lust eitel sind. Oder besser: der Schöpfer aller Zeiten und Jahre hat mich gelehrt, der die armen Sterblichen, die ohne Grund sich in Stolz erheben, zuweilen in die Irre gehen läßt, damit sie, wenn auch spät erst, ihrer Verfehlungen eingedenk, sich selbst erkennen.
234. Eckhard Keßler: "Antike Tradition, historische Erfahrung und philosophische Reflexion in Petrarcas Brief an die Nachwelt", in: A. Buck (Hg.) Biographie und Autobiographie in der Renaissance, Wiesbaden 1983, 21-34
235. P.O. Kristeller: "Die humanistische Bewegung", in: Ders.: Humanismus und Renaissance I, München 1974, 17
236. August Buck: "Matteo Palmieri als Repräsentant des Florentiner Bürgerhumanismus", in: Archiv für Kulturgeschichte 47 (1965) 77-95
237. Matteo Palmieri (1406-1475): Vita civile II, § 19-21, ed. B. Belloni, Florenz 1982, p.63:
In diesem gesetzlichen und gemeinsamen Leben werden nun zwei Dinge vor allem von uns gesucht: zuerst die Ehrbarkeit (onestá), und, gleichsam aus dem gleichen Grunde, das Nützliche (utile), das nicht weit von jenem entfernt ist. Nun ist uns durchaus nicht unbekannt, daß nach einer subtileren Wissenschaft, das Ehrenhafte (onesto) und das Nützliche (utile) miteinander verbunden sind und in keiner Weise getrennt werden können, aber wir, die wir der allgemeinen Nützlichkeit folgen, wollen nicht von eingebildeten Gütern (finte bontá) sprechen, sondern von denen, die sich in der Erfahrung des Lebens (uso della vita) gefunden haben und bei den tugendhaften Menschen (uomini virtuosi) finden. Wir gehen daher nach einer gröberen Wissenschaft vor, indem wir als Gute jene betrachten, deren Beständigkeit (constantia), Zuverläsigkeit (fede), Gerechtigkeit (equalità) und Urteil (iudicio) in höchstem Maße gebilligt werden (approvate). Diese müssen prinzipiell immer die ehrbaren Dinge wählen und ihnen die nützlichen vermählen nach Maßgabe dessen, was die Art der Materie, mit der sie sich beschäftigen, erlaubt. Da die Materie, in deren Bereich die Tugendhaften zu leben haben, das Ehrbare und das Nützliche ist, und wir beabsichtigen, von der Führung des gebilligten bürgerlichen Lebens (probata vita civile) zu sprechen, werden wir dementsprechend über eben diese reden.
238. Cicero: Vom rechten Handeln / De officiis libri III, I,14-15 (lt. / dt. hg.v. Karl Büchner, Zürich / Stuttgart 1964)
Aus diesen Dingen verschmilzt und ergibt sich das, was wir suchen, das Ehrenvolle (honestum: kalón), das auch, wenn es keine äußere Anerkennung findet, dennoch ehrenvoll (honestum) ist, und das wir in Wahrheit als das von Natur aus lobenswerte (laudabile: epainetós) bezeichnen, auch wenn es von niemandem gelobt wird (laudetur: epaínetai)
239. Jill Kraye: "Moral Philosophy", in: Charles B. Schmitt e.a.(Hgg.): The Cambridge History of Renaissance Philosophy, Cambridge 1988, 303-386
240. Raymond Klibansky: The Continuity of the Platonic Tradition during the Middle Ages, London 1950
241. Raymond Klibansky (Hg.): Plato Latinus:
I: Meno interprete Henrico Aristippo, edd. V. Kordeuter/ L. Labowsky, London 1940
II: Phaedo, interprete Henrico Aristippo, ed. L. Minio Paluello, London 1950
III: Parmenides necnon Procli Commentarium in Parmenidem pars ultima adhuc inedita, interprete Guillelmo Moerbeke, edd. R. Klibansky/ L. Labowsky, London 1953
IV: Timaeus a Chalcidio translatus commentarioque instructus, ed. L.H. Waszink, London/ Leiden 1962
242. Francesco Petrarca: Von seiner und vieler anderer Unwissenheit, in: U (Nr. 176), 119 ff.:
Wenn aber gefragt wird, wer von beiden, Platon oder Aristoteles, am meisten gerühmt wird, so antworte ich ohne Zaudern, daß Plato das Lob der Besten und Vornehmsten, Aristoteles das des gemeinen Pöbels findet. Plato wird nur von den wenigen Großen, Aristoteles hingegen von der Mehrzahl gelobt...
Und noch eines möchte ich hier mit Nachdruck sagen, um einen Irrtum meiner Richter und ähnlicher Leute zurückzuweisen: Dem Geschwätz des Pöbels folgend, pflegen sie mit ebenso großer Unverschämtheit wie Unwissenheit einzuwenden, Aristoteles habe doch viele Bücher geschrieben. Und darin irren sie sogar nicht... Aber dann behaupten sie weiter, Plato, den sie doch gar nicht kennen, und von dessen Werken sie nicht eines gelesen haben, habe gar nichts geschrieben, höchstens vielleicht einige kleine Büchlein. Das würden sie nicht sagen, wenn sie so gelehrt wären, wie sie mich ungelehrt nennen. Ich habe, obwohl ich kein Grieche noch ein Gelehrter bin, sechzehn oder noch mehr Werke zuhause, und ich zweifle, ob sie auch nur einmal den Namen von einem derselben gehört haben. Nun werden sie staunen, wenn sie das lesen! Und wenn sie es nicht glauben wollen, so mögen sie kommen und sehen.
243. Eckhard Keßler: "Der Platonismus der Humanisten", in: Philosophisches Jahrbuch 95 (1988) 1-17
244. Charles B. Schmitt: Cicero Scepticus: A Study of the Influence of the 'Academica' in the Renaissance, Den Haag 1972
245. James Hankins: Plato in the Italian Renaissance, 2 Bde., Leiden 1991
246. A. Field: The Origins of the Platonic Academy of Florence, Princeton, N.J., 1988
247. Paul Oskar Kristeller: "Platonismus in der Renaissance", in: Ders.: Humanismus und Renaissance I, München 1974, 50-68
248. Paul Oskar Kristeller: "Die platonische Akademie von Florenz", in: Ders.: Humanismus und Renaissance II, München 1976, 101-114
249. Marsilio Ficino e il ritorno di Platone, Studi e documenti, ed. Gian Carlo Garfagnini, 2 Bde., Florenz 1986
250. Marsilio Ficino: "Vorrede zur Übersetzung des Plotin", in: Opera, Basel 1576, Reprint Turin 1962, Bd.II, f.1537:
Der große Cosimo, durch Senatsbeschluß Vater des Vaterlandes, hörte zur Zeit, da in Florenz das Konzil der Griechen und Lateiner unter Papst Eugen abgehalten wurde, sehr häufig einen griechischen Philosophen mit Namen Gemistus, mit Beinamen Plethon, gleichsam ein zweiter Platon, über die platonischen Mysterien disputieren. Dessen glühende Sprache hat ihn so angesprochen und völlig begeistert, daß er daraufhin in seinem hohen Sinn die Idee einer Akademie faßte, um sie zur nächsten günstigen Gelegenheit zur Welt zu bringen. Als nun dieser große Mediceer schließlich seine große Idee gleichsam ausgetragen hatte, bestimmte er mich, den Sohn seines erlesenen Medicus Ficino, der ich damals noch ein Knabe war, für dieses Werk. Außerdem scheute er keine Mühen, daß ich alle Bücher nicht nur Platons, sondern auch Plotins auf Griechisch bekam.
251. Georgios Gemistos Plethon (1355-1452): Traité de lois, ed. C. Alexandre, Paris 1858, repr. Amsterdam 1966
252. Plethon: De Platonicae et Aristotelicae philosophiae differentia, ed. B. Lagarde, in: Byzantion 43, 1973, 312-343 (Vgl. auch Patrologia Graeca Bd.160; dt. Übers. unten, in: Nr. 308, SS. 112-150)
253. Francois Masai: Pléthon et le platonisme de Mistra, Paris 1956
254. C.M. Woodhouse: George Gemistos Plethon. The Last of the Hellenes, Oxford 1986
255. Wilhelm Blum: Politik, Philosophie und Rhetorik im spätbyzantinischen Reich: Georgius Gemistus Plethon (1355-1452), Stuttgart 1988
256. Georgios Gemistos Plethon: De Platonicae et Aristotelicae philosophiae differentia, a.a.O. (Nr. 305) p. 321 (PG 889 f.):
Sowohl die alten Griechen wie die alten Römer, die unserem Zeitalter vorausgingen, schätzten Platon bei weitem höher als Aristoteles. Der größte Teil unserer Zeitgenossen aber, und vor allem die im Westen, meinen weiser zu sein als die Alten und ziehen Aristoteles dem Platon vor; sie folgen damit einem Araber namens Averroes, der behauptet hat, daß allein Aristoteles in seinem Werk eine vollkommene Philosophie der Natur gegeben habe.
Ob dieser Mann sonst ein sicheres Urteil besaß, wüßte ich nicht ohne weiteres zu sagen, was aber die Psychologie angeht, so war sein Urteil so pervers (phaûlos), daß er behauptete, die Seele sei sterblich. Wer aber bei einer solch horrenden Unwissenheit ertappt wird, in welcher bedeutenden Sache könnte der als ernstzunehmender Richter betrachtet werden? In der Tat scheint es, daß Aristoteles durchaus diesen Irrtum nicht gelehrt hat. Denn man muß die Wahrheit sagen und darf den Mann nicht verleumden, obwohl er selbst die meisten seiner Vorgänger verleumdet hat.
Aber wenn ich auch der Meinung bin, daß es unschicklich ist, den Verleumder wiederum zu verleumden, so möchte ich doch, da es auch heute noch Menschen gibt, die Platon vorziehen, diese unterstützen und jene, sofern sie nicht allzu sehr von Streitsucht beherrscht sind, korrigieren, indem ich in aller Kürze darlege, worin sich die beiden Männer unterscheiden, und zeige, daß der eine hinter dem anderen nicht unbeträchtlich zurückbleibt. Meine Beweisführung wird dabei nicht langatmig und polemisch sein, sondern so knapp wie möglich.
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