Heinrich C. Kuhn:
Lehranstaltungs-Ankündigungen als Lehrbeauftragter (1997-1998)

(portrait of the author as an intellectual person)
Author: Heinrich C. Kuhn
Date created: 1999-04-08
Last Update: 1999-04-08

Ankündigungen für:

Dr. Heinrich C. Kuhn
P, GkTPh

Der Weg zu Machiavelli

ZEIT:

Mittwoch 18-20h

2-stündig

ORT:

Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek

 

BEGINN:

7. 5. 1997

 

 

"Bewundert viel und viel gescholten", seit Burckhardts erstem Kapitel der "Kultur der Renaissance in Italien" der vielleicht berühmteste der philosophischen Texte der Epoche, noch heute nicht nur einer der meistgelesenen, sondern auch einer der rätselhaftesten Texte der politischen Theorie überhaupt, bleibt Machiavellis Werk vom vom Fürsten ("Principe") der Beschäftigung wert. Das Seminar hat zum Ziel die Rätsel die der "Principe" bietet kennen zu lernen, und zu versuchen sie zum Teil zu lösen, zum Teil zumindest besser zu verstehen. Verständnis des Exceptionellen wird verbessert durch Kenntnis des des Normalen; Erkenntnis dessen was in einem Werk "neu" ist setzt Kenntnis dessen was vorher schon war, voraus; zum Verständnis des zunächst Unverständlichen ist Verstehen dessen was leichter verständlich ist ein häufig gangbarerer Weg.

Das Seminar wird sich daher (zusätzlich zum "Principe" selbst) mit Texten jener Traditionen der politischen Philosophien die zum Machivellis Buch hinführen beschäftigen. Vorgesehen ist die Auseinandersetzung mit Werken von Thomas von Aquin (De regimine und Politik-Kommentar), Aristoteles (Politik), Ægidius Romanus (De regimine) [weitere Fürstenspiegel sollen mindestens auf Basis der Sekundärliteratur vorgestellt werden], Marsilus von Padua (Defensor pacis) und Augustinus Niphus (De his quæ ab optimis pricipibus agenda sunt und Machiavelli-Adapatation).

Zusätzlich zur Auseinandersetzung mit dem "Fürsten" und den Texten die auf dem Weg zu seinem Verständnis liegen bietet das Seminar Einführungen in die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens auf dem Gebiet "Geistesgeschichte der Renaissance".

Ein Proseminarschein ist bei Übernahme eines oder mehrerer Kurzreferate und Anfertigung einer kurzen schriftlichen Arbeit erhältlich.

 

Zur Einführung empfohlen:

Buck, August: Machiavelli, Darmstadt 1985 (="Erträge der Forschung 226")



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Dr. Heinrich C. Kuhn
PhW, GkTPh

Warum Aristoteles lesen? Augustinus Niphus über Philosophie, Didaktik und Wahrheit. (Proseminar)

 

ZEIT:

Mittwoch 18-20h

2-stündig

ORT:

Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek

 

BEGINN:

5. 11. 1997

 

 

Anhand welcher Autoren, anhand welcher Texte an Universitäten Philosophie gelehrt wird, scheint nicht ohne Einfluß auf Weisen und Inhalte solcher Lehre, doch bewußte und explizite Reflexion der Auswahl solcher Autoren und Texte eher selten. Desto rigider die Auswahl, desto unerläßlicher und zugleich desto schwieriger scheint ihre Begründung. Der Extremfall dürfte erreicht sein, wo der universitäre "Kanon" auf einen einzigen Autor beschränkt ist. Hier wird die Legitimation vielleicht am dringendsten - und wenn sie denn gelungen sein sollte vielleicht am aufschlußreichsten für Ursachen und Folgen, für Philosophie, Didaktik und Wahrheit. Das Seminar soll der Untersuchung solcher Legitimation des Extremfalls gewidmet sein.

Daß universitärer Aristotelismus, das Festhalten an Aristoteles, Ursache wie Folge einer intellektuellen Fossilisierung der an den Hochschulen der Renaissance getriebenen und unterrichteten Philosophie gewesen sei, ist spätestens seit Ernest Renans Averroès et l'Averroisme (3. Auflage 1866) ziemlich - und immer noch -communis opinio. Daß, in voller Kenntnis möglicher Alternativen und verschiedenster Einwände, solches Festhalten wohlbegründbar ist - und zwar mit spezifischem Blick darauf, daß es sich um ein Festhalten an universitärem Lehrstoff handelt -, daß solches Festhalten seine Gründe nicht in geistiger Unbeweglichkeit sondern im Gegenteil in bewußter Auseinandersetzung damit, was Philosophie als Hochulfach leisten kann und soll haben kann, dies zeigt die Auseinandersetzung des Augustinus Niphus (ca. 1469-1538) mit der Frage cur apud omnes gentes, & quidem pluribus seculis, observatum est ut in scholis philosophorum Aristotelis libris legerentur ("warum es bei allen Völkern und seit mehreren Jahrhunderten üblich ist, daß im Unterricht in Philosophie die Bücher des Aristoteles gelesen werden").

Ein Proseminarschein ist bei Übernahme eines Kurzreferats oder Anfertigung einer kurzen schriftlichen Arbeit erhältlich. Lehramtsstudenten und an (Hochschul)didaktik der Philosophie Interessierte sind besonders willkommen.

Einen kurzen Überblick über Niphus' Leben und Werke sowie Sekundärliteratur zu ihm bietet Ch. H. Lohr: Latin Aristotle commentaries. II Renaissance authors, Florenz 1988, cc. 282a sqq. Der Text, der Seminargegenstand sein soll findet sich u.a. in: Augustinus Niphus: Expositio subtilissima collectanea commentariaque in tres libros Aristotelis de anima ..., Venedig 1503, ff. 2ra-4vb; Text und deutsche Übersetzung werden für das Seminar zur Verfügung gestellt. Zur Einführung für diejenigen, die sich schon vorab informieren wollen, werde ich ab spätestens Anfang Oktober einen Vortrag von mir über den Text im Handapparat der Bibliothek des Instituts für Geistesgeschichte der Renaissance auslegen.

 

 



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Dr. Heinrich C. Kuhn

P, GkTPh

 

Die Wiedergeburt des Nirgendwo und der Weg dorthin. Politische Utopien der Renaissance und ihre Vorgeschichte. (Proseminar)

 

ZEIT:

Mittwoch 18-20h

2-stündig

ORT:

Ludwigstr. 31/IV, Bibliothek

 

BEGINN:

13. 5. 1998

 

 

Eines ist es über existierende Staaten, so wie sie sind und so wie sie sein sollen zu schreiben, sei's im allgemeinen, sei's am impliziten oder expliziten Beispiel orientiert. Ein anderes ist die Behandlung von Staaten die es nicht gibt und das Handeln darüber, wie sie sind und wie sie sein sollten. Die erste Art des politischen Philosophierens hat eine kontinuierliche Geschichte, von der Antike bis heute, die zweite scheint nach mehreren bemerkenswerten Beispielen (nachzulesen bei Platon, Aristoteles und Diodorus Siculus) längere Zeit nicht geläufig gewesen zu sein, und erst in der Renaissance wieder zu einer - ebenfalls bemerkenswerten, die antiken Vorbilder z.T. aufnehmenden und transformierenden Wiedergeburt gekommen zu sein - in Texten die sich fast immer grundlegenden von den antiken unterscheiden. Den antiken Texten, und - besonders - einigen der - in der Tat neuen - neuen politischen Utopien der Renaissance soll das hier vorgeschlagene Seminar gewidmet sein.

 

Behandelt werden sollen u.a. Texte von Platon, Aristoteles, Thomas More, Tommaso Campanella, Francis Bacon. (Diese Texte stehen in deutschen Übersetzungen zur Verfügung.) Weitere Texte können - je nach den Interessen der Teilnehmer/innen - einbezogen werden.

Einführende und sonstige Literatur wird zunehmend ab spätestens Anfang April 1998 im Semesterapparat in der Institutsbibliothek zur Verfügung gestellt werden.

Proseminarscheine können sowohl mit schriftlichen Arbeiten, als auch mit Referaten erworben werden.

Sofern genügend Zeit bleibt werden in dem Seminar auch Einführungen zu Themen aus dem Kontext der Methoden wissenschaftlichen Arbeitens auf dem Gebiet Geistesgeschichte der Renaissance angeboten.



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