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Petrarcas "De remediis": Ethik ohne Richtschnur?


Autor: Heinrich C. Kuhn


Vorbemerkung: Dies ist meine eigene Version, mit Textstand 2005-04-24, geringfügig tippfehler-etc-bereinigt 2007-08-20 (ohne solche Bereinigung als PDF-Dokument veröffentlicht seit November 2006. Der Textstand der inzwischen in dem von Sabrina Ebbersmeyer und Eckhard Keßler herausgegebednen Band "Ethik - Wissenschaft oder Lebenskunst? - Modelle der Normenbegründung von der Antike bis zur Frühen Neuzeit" (Berlin : Lit, 2007), pp. 127-141 veröffentlicht ist, ist in dem in dem er sich vom hier in diesem HTML-Dokument vorgelegten unterscheidet, primär dem Herausgabeprozess, und nicht mir, dem Autor zu verdanken … . Sollte ich selbst den Text je zitieren oder überarbeiten oder sonstwie weiterverarbeiten, so werde ich mich wohl auf die hier vorgelegte HTML-Version beziehen.


Dokument veröffentlicht: 2007-08-20
Letzte Änderung: 2007-08-20


Petrarcas "De remediis": Ethik ohne Richtschnur?

1. Hinleitung

Man erwarte sich nicht zu viel: "Petrarcas 'De remediis': Ethik ohne Richtschnur?" ist dieser Beitrag überschrieben, und das Fragezeichen am Ende dieses Titels scheint mir widerständig: Auch am Ende werde ich es nicht durch ein Ausrufezeichen ersetzen können. Doch auch falls es bleiben sollte scheint die Frage der Untersuchung wert.

Zum ersten ist der Text, Petrarcas De remediis utriusque fortunæ, bestehend aus zwei Vorworten und 254 untereinander kaum oder gar nicht verbundenen Texten zu unterschiedlichsten Anlässen glücklich oder unglücklich zu sein, ist dieses Werk wohl der Untersuchung wert, und ist's auch wert, in einer thematisch die Epochen überspannenden Tagung wie dieser behandelt zu werden. Zum anderen ist die Frage danach, ob da eine "Ethik ohne Richtschnur" vorliege nicht zuletzt auch die Frage danach, ob es einen spezifischen, gar originellen Beitrag zur Ethik in diesem durchaus geschmähten [1] Werk Petrarcas [2] gibt.

Zunächst zum Text: auch abgesehen vom Lob durch Bocaccio und Salutati [3] und durch Petrarca selbst (einen einen ganzen Bücherschrank könne das Werk ersetzen, meinte er )[4] : auch abgesehen von diesem Lob, und zunächst auch abgesehen vom Inhalt des Werkes: scheint der Text der Beachtung wert: denn: seine risnascimentale Rezeption und Verbreitung ist, gelinde gesagt, beträchtlich: Mindestens 254 Handschriften, deutlich mehr als für jedes andere lateinische Werk Petrarcas sind uns von De remediis erhalten .[5] Willard Fiske [6] hat für die Zeit bis 1650 26 vollständige und 12 unvollständige Druck-Ausgaben des Lateinischen Textes [7] gezählt, dazu für Druckausgaben von Übersetzungen: 1 Tschechische, 1 Niederländische, 1 Englische, 3 Französische ,[8] 12 Deutsche, 4 Italienische, 6 Spanische, 1 Schwedische .[9] Die Ausgaben reichen vom Folianten für die Bibliothek [10] bis zum echten Taschenbuch, für den intendierten Gebrauch als Vademecum: gerade mal 10.4 mal 7.4 mal 2.5 cm misst etwa der Buchblock der Genfer Stœrschen Ausgabe von 1628 .[11]

In diesem Text hier werde ich versuchen eine Lektüre der Dialoge von Petrarcas De remediis utriusque fortunæ vorzuschlagen, gemäß welcher Lektüre diese Texte i.d.T. Ratschläge dazu geben, wie man sich verhalten und wie man handeln solle, doch Ratschläge, die weder auf der Lehre einer bestimmten philosophischen Schule beruhen, noch auf den Lehren mehrerer solcher Schulen, noch auf einem bestimmten Verständnis von Tugend oder Tugenden, noch auch (in vielen Fällen) auf religiösen Überzeugungen, noch auf bestimmten anthropologischen Vorannahmen, noch auf irgendwelchen grundlegenden Maximen, noch auf ein bestimmtes höchstes Ziel ausgerichtet sind. Gemäß solcher Lektüre der Dialoge, bietet Petrarca Ethik, aber eine recht spezielle Ethik: eine Ethik die ohne Richtschnur arbeitet. Ich werde nicht versuchen, die Metaethik einer solchen Ethik ohne Metaethik zu präsentieren, sondern zu zeigen was Petrarca tut, und dass der fehlende Gebrauch einer Metaethik kein bug sondern ein feature ethischer Algorithmen, die sich in den Dialogen von De remediis finden, ist.


2. Petrarcas Lesehilfen

Petrarcas Werk so zu lesen scheint zunächst sinnlos: widerspricht es doch dem, was uns Petrarca selbst im ersten der Vorworte zu De remediis lehrt:

Das erste dieser Vorworte scheint eine klare Lesehilfe, eine eindeutige Gebrauchanweisung zu geben: Ausgangspunkt ist die Unsicherheit und Veränderlichkeit alles menschlichen ,[12] Folge davon ist ständige Sorge .[13] Wir führen einen ständigen Krieg gegen Fortuna, in dem allein die Tugend, die Virtus uns siegreich machen kann; ohne solchen Sieg sind und bleiben wir der Fortuna Spielball .[14] Hilfe gewährt die Lektüre der Werke edler (und vornehmlich antiker) Schriftsteller, und Zustimmung zu dem was sie schreiben .[15] Alles ist nicht lesbar, kurzgefasstes daher besonders nützlich .[16] Mehr dazu gleich. Kurzgefasst versteht sich.

Zweierlei Streit haben wir mit Fortuna: im Glück und im Unglück, bei delectabilia und tristitia .[17] Mäßigung, Temperantia ist eine schwierige Tugend .[18] Die Erfahrung zeigt: Gefährlicher noch als Glück ist uns Unglück .[19] Die milde Fortuna erweicht uns den Geist.

Seneca hatte — um das ihm zugeschriebene De remediis fortuitorum geht es hier — , Seneca hatte in seinem weitverbreiteten Büchlein kurz vom Unglück gehandelt .[20] Petrarca nimmt dies auf, und schreibt noch drüber hinaus auch über den Umgang mit Glück, und schreibt, er habe in den paar Tagen, die er an seinem De remediis geschrieben habe auch einige nützliche Abschweifungen zu Tugenden und Lastern eingefügt .[21] Nützlich sei sein Buch, ein gemeinsames kurzes Heilmittel [22] (sozusagen ein Patentrezept) gegen jedes Üble und jedes Gute gebe's zwar nicht, aber hier eine kleine Medikamentenbüchse, die sicheres Gegengift gegen beiderlei Fortuna enthalte .[23]

Beide Gesichter Fortunas sind zu fürchten, und doch müssen beide ertragen werden. Das eine bedarf des Zügels, das andere des Trostes, hier muß die gehobene Stimmung gerückt, dort die ermüdete neu erquickt und aufgerichtet werden .[24] Tugend möge man der Fortuna entgegensetzen, insbesondere Fortitudo, Tapferkeit, die Ruhe, tranquilitas "in den Wirbeln des Geschicks" gibt .[25] Die von Petrarca gegebenen Heilmittel, so schreibt er selbst, sind wirksam .[26]

Und dann, zum Schluss, nochmal eine klare Leseanweisung :[27]

Einlesen wirst Du dich so: es werden jene vielberufenenen und untereinander verwandten vier Affekte: Hoffnung (oder Begierde) und Freude, Furcht und Schmerz, die von den beiden Schwestern Glück und Unglück in gleichartigen Geburten zur Welt gebracht wurden, bald von hier, bald von dort den menschlichen Geist bestürmen. Burgherrin aber ist die Vernunft: sie möge ihnen allen als einzige antworten, möge mit Schild und Helm, mit den ihr eigenen Kräften und der ihr eigentümlichen Kraft, mehr noch freilich mit Hilfe vom Himmel die rings schwirrenden Geschosse der Feinde zerstreuen. <§> Auf deinen Geist setze ich meine Hoffnung, dass Du leicht entscheidest, wem der Sieg gehört.

Nichts von "Ethik ohne Richtschnur": ganz im Gegenteil: dies klingt etwas so, als erwarte uns eine dramatisierte (und christianisierte) Fußnote zu Texten Senecas wie dessen 92. Brief [28] oder, vor allem, dessen Schrift über die Seelenruhe De tranquilitate animi [29] wo Seneca Unerschütterlichkeit [30] als höchstes Ziel vertritt, und mittelmäßige Leute wie unsereinen auffordert die Gelüste, die cupiditates zurückzudrängen und Ausgeglichenheit, temperies zu erreichen. Und kurz sollte sie sein, diese Fußnote, das hatte Petraca ja mehrfach versprochen.


3. Probleme mit den Lesehilfen

Das ein und andere von dem was Petrarca in diesem Vorwort zu De remediis über De remediis schreibt, scheint nicht recht zu stimmen:

Zunächst das mit der Kürze: Die wunderschön kleine Stœr'sche Ausgabe von 1628, ist doch in sehr kleiner Schrift gesetzt, 254 Folioseiten hat der Text in den Opera omnia von 1554, 5 Bände insgesamt umfasst die englische kommentierte Übersetzung Rawskis, wovon allein zwei daumendicke Bände für den Text der Übersetzung.

Und, wozu braucht es 254 Dialoge um gerade mal vier gegen die Vernunft streitende Affekte abzuwehren? Und wievielen potentiellen Lesern nützt wirklich die Behandlung so abgelegener Gründe zum Glücklichsein wie es das Erreichen des Papstthrons [31] ist?

Und wie steht es mit dem Vorrang der himmlischen Hilfe in einem Text in dem die Zahl der Bezüge auf Cicero die der Bezüge auf die Bibel weit übersteigt, es Petrarcas Lieblingskirchenvater Augustinus gerade mal auf 16 Anführungen bringt, der Kaiser Augustus hingegen auf 45, Julius Cäsar auf 51, Jesus Christus hingegen nur auf 16 ?[32]

Und wie steht es mit der Bedeutung der Mäßigung? Warum wird im Dialog zur Tugend [33] die Demut, die humilitas gelobt ,[34] nicht aber die temperantia, die Mäßigung? Ist die — von Petrarca mit Verve vertretene — Position, dass Ruhe, tranquilitas, ein höchst prekärer, bedenklicher, gefährlcher Zusand sei, und kein Anlass sich wohlzufühlen ,[35] ist dies wirklich mit den Positionen eines Vorbilds Seneca vereinbar? Wie stimmt die wiederholte Behauptung in den Abschnitten im Zweiten, den Unglücken gewidmeten Buch zu den Lastern, Vernunft können helfen gegen Unglücksfälle, nicht aber gegen Laster [36] zur behaupteten Burgherrinnenrolle der Vernunft? Und ist die Vernunft wirklich von Bedeutung für den Weg zur Tugend, da doch die Vernunft selbst als Dialogfigur sagt, Ursache an Mangel an Tugend sei zweifelos Mangel an Willen, Tugend lasse sich durch Willen erlangen ?[37] Ist die Dialog-Figur Vernunft vernünftig, wenn sie die Dialog-Figur Trauer, die bedauert neidisch zu sein, beschimpft, statt ihr Trost oder Hilfe zu bieten ?[38]

Und: so überzeugend, dass man, wie es Petrarca von dem Widmungsempfänger Azzo im Vorwort zum Ersten Buch in der Ihnen vor kurzem vorgelesenen Lesegebrauchsanweisung hofft, leicht entscheiden könnte wem der Sieg gehört, so überzeugend ist die ratio, die Vernunft gegenüber ihren Dialogpartnerinnen (meist "Freude" [gaudium] oder Schmerz [dolor]) nun auch wieder nicht: Herr Worstbrock sah — wenn ich mich richtig erinnere — in seinem Vortrag bei unserer Petrarcajubiläumsvorlesungsreihe [39] in keinem einzigen Fall einen klaren Sieg der Vernunft über die Affekte, und ein eindrückliches Beispiel für eine trotz aller rationalen Argumente weiterjubilierenden Figur Freude findet sich z.B. in Dialog I,43 (De librorum copia )[40] ? Und in mindestens einem Falle gibt es eine klare, eindeutige, eingestandene Niederlage der Vernunft, mit blutigen Folgen: in Dialog I, 101 ("Vom Rachenehmen"/"De vindicta ")[41]

(Erwähnt sei hier, dass mir erst in der Diskussion nach meinem Vortrag auf der Münchner Tagung "Ethik - Wissenschaft oder Lebenskunst" im November 2004, klar geworden ist, dass die Einwürfe der Dialogpartner(innen) der Vernunft zumindest eines klar machen: Das Scheitern der bisherigen Argumentationen der Vernuft zumindest in bezug auf ihre jeweilge Dialogpartnerin bzw. ihren Dialogpartner: Die Dialoge sind keine Abhandlungen bei denen spätere Argumente auf früheren gründeten: jede der Stellungnahmen der Dialogperson Vernunft ist in sich eigenständig. Auch für diese Einsicht gilt mein herzlicher Dank den Teilnehmeinnen und Teilnehmern an der Diskussion zu meinem Vortrag.)

All das mag reichen, um zu erklären, warum ich nicht dabei stehen bleibe Petrarcas Vorwort gelesen habend sein De remediis nur so zu lesen wie es das erwähnte Vorwort vorschlägt.

Festgehalten sei an bisherigen Ergebnissen: Der Text ist · keine kurzgefasste Gebrauchanweisung wie man mit Glück und Unglück generell umgehen sollte, sondern er geht ins einzelne, · rät zu Einzelfällen, dies durchaus nicht nicht nur anhand von solchen aus der weit verbreiteten Alltagserfahrung. · Es geht nicht (oder nicht primär) darum wie die Vernunft Affekte abwehrt, · und Vernunft ist nicht klare Siegerin gegen die Affekte. · Temperantia ist nicht das anzustrebende Leitziel, · Tranquilitas gar ist bedenklich, · Vernunft ist gegen Laster wirkungslos (ihre Rolle ist es also nicht Laster durch Tugenden zu ersetzen), · Tugenden werden durch Willen erreicht, nicht durch Vrernunft — obwohl es die Vernunft ist, deren Reden und Stellungnahmen und Argumentationen den weit überwiegenden Teil des Werkes ausmachen, · Belege, Begründungen Beispiele haben zum weit überwiegeneden Teil ihre Wurzel nicht in theologischem sondern in weltlichem, für die — zahlreiche Exempla und Textstellen anführenden — Argumentationen ist die nicht-christliche Antike weit stärker vertreten als die biblischen und nachbiblischen christlichen Traditionen und Texte.


4. Was Petrarcas De remediis ist — und was nicht

Was also bietet uns De remediis utriusque fortunæ wirklich? Vieles, und wohl auch vieles was ich bislang nicht gesehen habe.

Ein Nachschlagewerk, wo man, wenn man sich in einem Glücks- oder Unglücksfall, einer erfreulichen oder betrüblichen Situation befindet nachschlagen kann, ob sie dort erwähnt ist, und im Falle dass sie erwähnt ist an der entsprechenden Stelle nachlesen kann, wie man sich zu einer solchen Situtation stellen, wie man sich in ihr verhalten solle? Gewiss: auch das. Doch ist der Text keiner, der einem ein einfaches "wenn Du in Situation A bist, so gehe Weg B" böte, Petrarcas Werk unterscheidet sich in Stil und Inhalt drastisch von "normaler" Ratgeberliteratur der Renaissance wie sie von Rudoph M. Bell beschrieben worden ist [42] — und dies auch da, wo (wie etwa bei Fragen der richtigen Behandlung des eigenen Nachwuchses) durchaus inhaltliche Parallelen gegeben sind.

Ist Petarcas Text ein Findemittel, dass einem thematisch geordnet einschlägige Exempla und Zitate anbietet? Gewiss auch dass.

Zudem bietet er: unter anderem: mindestens auch: · Beispiele nachahmenswerten lateinischen Stils für diejenigen, die an derlei interessiert sind, · Texte die durchaus geeignet sind, den Leser zum Schmunzeln zu bringen ,[43] · Paradoxes, das durchaus seinen Eingang in spätere Werke des literarischen Genres der Paradoxa gefunden hat .[44]

Die große Vielfalt des Textes, die reiche und erfreuliche Uneinheitlichkeit, den Mangel an dogmatischem Vorgehen, und ein Argumentieren, das eines für einen frei bleibenden, mündigen, selbst entscheidenden Leser ist, habe ich bereits gegen Ende meines Beitrags zum Gedächtnis der 700. Wiederkehr des Geburtstags Petrarcas an der Ludwigmaximilians-Universität München gepriesen. Und hatte dann und dort abschließend behauptet, das Werk sei "ein irritierendes, ein spannendes Werk, ein für lange Zeit und vielleicht auch heute beachtliches Werk, in dem auf eine wohl damals und vielleicht auch heute sehr moderne Weise Moralphilosophie betrieben wird ."[45]

Der Rest dieses Beitrags wird Bemerkungen zu diesem wie gewidmet sein.

Man griffe zu kurz, und läse ihn falsch, würde man Petrarcas De remediis als Kasuistik ,[46] lesen, denn es finden [47] keine Subsumptionen statt, keine Unterordnungen der Probleme oder der Antworten und Antwortvorschläge unter allgemeinere Regeln. Und auch wenn man von derlei Unterordnungen absieht — wie es Blaise Pascal in der Präsentation kasuistischer Handlungsbeurteilungen in seinen Lettres provinçales tat [48] ist die Ähnlichkeit gelinde gesagt gering.

Man läse ihn wohl auch falsch, läse man ihn als einen Text, der Lösungen für Probleme von Fall zu Fall und rein fallbezogen bietet. Petrarcas Ethik ist keine Situationsethik im modernen Sinne .[49] Es handelt sich auch um kein Werk moralischen Partikularismusses :[50] Petrarca geht es, so wie ich ihn lese, nicht um die Lösung von Problemen bei der Bestimmung dessen, was moralisch erlaubtes, verbotenes, oder gebotenes Handeln ist.

Alle derartigen Versuche den Text Petrarcas als Vorläufer oder frühes Beispiel späterer Moraltheologien oder Moralphilosophien zu lesen scheinen mir unangebracht.

Nicht nur Ethik ohne Richtschnur sondern darüber hinaus auch keine kasuistische, oder situationsethische oder partikularistische Ethik. Und dennoch ein lesbarer, lesenswerter, bedenkenswerter ethischer Text? Wäre es nicht besser gewesen den beitrag zu überschreiben "Petrarcas 'De remediis': Text ohne Ethik!"? Ich denke nicht.


5. Zwei Algorithmen in De remediis

Petrarcas De remediis scheint mir kein Text ohne Ethik, denn, so scheint mir, zwei Weisen, zwei "Methoden", zwei Algorithmen der Bestimmung des jeweils in einer Situation richtigen Handelns finden sich in mehreren der Dialoge: nicht als Weisen, Methoden, Algorithmen beschrieben, aber als solche rekonstruierbar. Desgleichen findet sich mindestens ein Mittel zur rechten Einschätzung von Situationen in denen man sich befindet zu kommen.

Der erste der Algorithmen sei an zwei Beispielen vorgestellt:

Zunächst: an einem Beispiel für den Bereich privaten Handelns: De remediis II, 44 (De contumaci filio / "Über einen ungeratenenSohn "):[51] ratio gibt in diesem Dialog mehrere Ratschläge, was in einem solchen Fall zu tun sei — einige davon mit einander vereinbar, einer jedoch nicht. In der Reihenfolge des Textes sind dies: man möge die eigene Widerspenstigkeit in der eigenen Jugend gegen den eigenen Vater erinnern; man möge warten, dass die Missgeratenheit mit der Zeit und zunehmendem Alter des Sohnes vergehe; man möge sich damit trösten durchaus nicht allein in solcher Lage zu sein; man möge ihm trotz allem herzliche Liebe erweisen — er brauche sie; man möge geduldig sein; man möge versuchen ihn zu bessern; und dann: der letzte, einschneidende, zumindestens mit der Aufforderung geduldig zu sein bestenfalls teilweise kompatible Ratschlag: man möge den Sohn des Hauses verweisen.

Und dann an einem Beispiel aus dem Bereich öffentlichen Handelns: De remediis II, 74 (De bello civili / "Über den Bürgerkrieg "):[52] Auch hier ist der Rat der Vernunft mehrfacher Rat: Zunächst: Selbst nichts zu tun, alles zu unterlassen, was etwa zum Bürgerkriege führen könnte, sei's in Taten sei's in Worten .[53] Und falls der Bürgerkrieg denn schon ausgebrochen ist: Wenn man keine Schuld am Bürgerkriege trägt, so kann einem immerhin das Bewusstsein der eigenen Unschuld Trost sein. Darüber hinaus: Inmitten des Streits sei man Zeuge der Forderung nach Frieden. Und wenn das nichts hilft, so ergreife man Partei für Freiheit und Gerechtigkeit, ohne auf die Größe dieser Partei und die Erfolgsaussichten zu achten .[54] Wenn man selbst machtlos sei, so möge man andre gewinnen, durch die Macht seiner Rede. Und wenn das nicht hilft, so möge man beten — und alles tun, was zu den Aufgaben eines guten Bürgers gehört .[55] Die "officia boni civis": dies ist ein Verweis auf Senecas 93. Brief [56] über den frühzeitigen Tod des Philosophen Metronax, so dass damit immerhin das Nichtachten der Gefahr frühzeitigen eigenen Todes, vielleicht gar der Griff zur Waffe mitgedacht ist.

Die gewaltsame Aktion als Mittel in der politischen Auseinandersetzung, zum Schluss, nach andren "friedliches" Verhalten anratenden Ausführungen der Dialogperson ratio (und ebenfalls nicht als direkte unmissverständliche aber dennoch klare Aufforderung — ja wohl klarere als im eben erwähnten Dialog II,74) findet sich auch am Ende von Dialog II,39 (De iniusto domino / "Über einen ungerechten Herrscher "):[57] Alle der Unterdrückten hätten einen ihnen bekannten Feind, der Unterdrücker aber viele ihm unbekannte Feinde — was ein ihm sehr gefährlicher Zutand sei—, und wenn das Vaterland einen (einzigen) guten Bürger habe, so werde es den schlechten Herrn nicht lange haben .[58]

Mehrere Ratschläge also jeweils, teils miteinader vereinbar, teils nicht und zur Auswahl, und dabei stets die "sanfteren" Handlungsweisen zuerst, und die "heftigeren" zuletzt: Im Falle des ungeratenen Sohnes zunächst die Ratschläge die die eigene Haltung zu diesem betreffen, dann jene, die das Einwirken auf ihn betreffen, dann der der Trennung. Im Falle des Bürgerkriegs zunächst das was zum Vermeiden desselben beitragen kann, dann der Versuch wieder Frieden zu erreichen, dann das Partei-Ergreifen, und das für die ergriffene Partei handeln: zunächst durch Reden, und wenn auch das nicht hilft: durch Beten und Bürgerlich Handeln. Und auch im Falle des ungerechten Herrschers zuletzt der Hinweis darauf, dass, so's auch nur einen einzigen Guten Bürger gebe, der Tyrann sich nicht halten werde. Dass zurückhaltendere Handeln vor dem weniger zurückhaltenden zu versuchen, Härte erst einzusetzen wo Weichheit wirkungslos war: dies ist also die erste der "Methoden" der Handlungsauswahl, die ich aus Petrarcas De remediis lese.

Doch die Ratschläge von De remediis betreffen nicht nur Handlungen zu denen geraten wird, sondern auch Haltungen zu Situationen: Im erwähnten Dialog II, 74 Über den Bürgerkrieg findet sich — noch nach der erwähnten Aufforderung zum "bürgerlichen Handeln" —: Falls auch das nichts helfen sollte, so möge es einem Trost sein, dass nicht nur einzelne Menschen, sondern auch all ihre Städte und Staaten vergänglich sind .[59] Und: dieser Rat, solche Erkenntnis ist nach Petrarca ein Heilmittel, das nicht nur für Bürgerkriege, sondern für alle Unglücksfälle taugt: "Diese Überlegung wird dich fester machen gegen alle Zufälle, gegen die öffentlichen wie die privaten "[60] Und dieses, sich beim Handeln der Unbeständigkeit und (oft schnellen) Vergänglichkeit des Gegenwärtigen bewusst zu sein, findet sich in De remediis immer wieder, und nicht nur in den Dialogen des zweiten, den Unglücksfällen gewidmeten Teils, sondern auch in denen des ersten .[61]

Und noch auf eine zweite Methode der Bestimmung richtigen Handels möchte ich das Augenmerk richten, eine, die Petrarca selbst zum Teil immer wieder anwendet, in den beiden Teilen von De remediis und darüber hinaus .[62]

Diese Methode ist mehrteilig, hat verschiedene Aspekte, und ist doch eine. Es geht darum, den Rat der Abwesenden zu nutzen. In Dialog II, 53 (De absentia amicorum / "Über die Abwesendheit der Freunde ")[63] findet sich der Ratschlag, auf die Alten (Cicero, Epikur, Seneca) zu hören, und die Abwesenden im Geiste zur Unterredung heranzuziehen. Und immer wieder, höchst häufig im ganzen Werk findet sich die Anführung von Autoren, Autoritäten, und die Aufforderung, auf deren Aussagen zu hören, ihren Rat zu hören, sich mit ihnen auseinanderzusetzen: Was ja doch wohl darauf hinausliefe, auch mit ihnen, den nicht räumlich sondern zeitlich getrennten, in Unterredung zu treten. Solches in Unterredung treten bedeutet übrigens kein einfaches Zuhören-und-Zustimmen: Petrarca selbst kritisiert z.B. mehmals Seneca .[64] Und dass ein und die selbe Aussage eines von diesen Unterredungspartnern Hilfe in mehr als nur einer Situation geben kann, zeigt Petrarcas eigene Mehrfachverwendung ein-und-desselben Dictums .[65] Analoges gilt wohl für die neueren und älteren Exempla, die ebenfalls Orientierung in unterschiedlichen Lagen geben können .[66]


6. Schlussbemerkungen

All dies bedeutet nicht, dass wir hier einfache Regeln vor uns hätten, wie wir irgendwelche Normen anwenden könnten. Aber wir haben Gesichtspunkte und Methoden, wie wir in unterschiedlichen Lagen zu rationalen Haltungen und Handlungen kommen können .[67] Dass es selbst bei Kenntnis dessen was rational ist nicht sets zu rationalen Haltungen, rationalem Verhalten kommen wird: das findet sich, wie erwähnt, auch in De remediis selbst .[68] Und das Einnehmen der Haltung, das wählen der für seine jeweilige Situation ihm "richtigen" Entscheidung bleibt Sache des sich Verhaltenden und des Handelnden, nicht Sache Petrarcas und seiner Dialogfigur ratio. Gerade weil Petrarcas De remediis keine Moralphilosophie mit Richtschnur, sondern eine Moralphilosophie ist, ◊ die nicht einer Schule verpflichtet ist, ◊ die nicht eine Maxime zur Leitmaxime erklärt, ◊ nicht richtiges Handeln aus einem einfachen Tugendkonzept ableitet, ◊ nicht das Gute durch Rückführung auf die Aussagen heiliger Texte bestimmt, ◊ noch in allen Ratschlägen das Erreichen eines höchsten Ziels anstrebt, · wohl aber Verfahren lehrt, wie man uanabhägig von Schulen, Maximen, Tugendkonzepten und oft auch unabhägig von religiösen Überzeugungen situationsgemäß richtiges Sichverhalten und Handeln finden kann, · grade desshalb ist Petrarcas De remediis in meinen Augen ein Beispiel einer jenseits von ethischen Grundüberzeugungen anwendbaren Moraphilosophie, und ein Text von beträchtlichem Interesse.

Zumindest in der letzten Aussage, dass der Text einer von beträchtlichem Interesse sei, gehe ich wohl mit den vielen, die ihn über die Jahrhunderte immer wieder abschrieben oder abschreiben ließen, druckten und drucken ließen, übersetzten, kauften, lasen überein.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass meine Weise Petrarcas De remediis zu lesen, nicht die einzig mögliche, einzig legitime, gar notwendige Weise ist, diesen Text zu lesen. Aber mir scheint es eine Gewinn und Verständnis bringende Leseweise zu sein.


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Fußnoten

[1] Nicholas Mann hat De remediis im Cambridge Companion to Renaissance Humanism charakterisiert als: höchst idiosynkratisch, auf gewisse Weise mittelalterlich (was wohl nicht lobend gemeint war), ein Werk ohne Synthese, ohne einen systematischen moralphilosophischen roten Faden (abgesehen von "christlicher Verachtung weltlicher Güter" und Trost in der Tradition des Boëthius), ohne Stachel, ohne irgendwelche philosophische Innovation: (Mann 1997, 13f.:) "… the most idiosyncratic and somehow medieval way in the major treatise of Petrarch's maturity, De remediis untriusque fortune ('On the Remedies of Both Kinds of Fortune') of 1366. This moral encyclopedia, providing remedies for the undesirable effects of good fortune and consolation for the bows of ill fortune, is modelled upon Cicero's Tusculan Disputations and takes the form of a series of dialogues between a Stoically-minded Reason and the four emotions (condemned by the Stoics): Joy and Hope, Sorrow and Fear. It contains an enormous amount of explicitly classical material: more than 500 examples drawn from antiquity and a great deal of implicit quotation of Roman writers. It might be seen as the peak of Petrarch's literary achievement, and yet it is a work without synthesis. There is no systematic moral-philosophical thread running through it other than a conventional / Christian scorn for worldly goods, and consolation for adversity in the tradition of Boethius. The classical material therefore loses its sting; the Stoic echoes of Cicero and Seneca disappear in a mass of material reinforcing more orthodox views. What Petrarch does not achieve here, in what was to be internationally his most popular work for at least two centuries, is any kind of philosophical renewal which might lead us to regard him as the founder of the deeper vein of humanism that goes beyond the mere reading and using of texts." — Wie weit diese Charakterisierung von De remediis ("Stoically-minded Reason" / "the Stoic echoes of Cicero and Seneca disappear ") in sich konsistent ist, sei dahingestellt..

Conrad Rawkski hielt es für fraglich ob Petrarcas Werk heute überhaupt Leser haben könne (Rawski 1967, 1: "Today, the reader, if there is a reader …".), und hielt es für höchst schwierig zu sagen, was denn je die Leser an dem Text faszinierte (a.a.O., 8).

Und das Ausmaß moderner sekundärliterarischer Befassung mit dem Werk ist entsprechend gering (vgl. die Ergebnisse meiner Beipspielrecherchen in Kuhn 2004: http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/SekLit/P2004A/Kuhn.htm#FN5 , dort auch Angaben zu weiterer Sekundärliteratur.

Die Interpretation von Giuseppe Tognon in der zweisprachigen kommentierten Ausgabe von Christophe Carraud (Carraud 2002, Bd. 2, 7-18) und Christophe Carraud (a.a.O., Bd. 2, 19-42) kommen soweit ich sehe durchaus zu einer positiveren Beurteilung, aber ich muss offen gestehen, dass ich Schwierigkeiten habe, ihre (meinen Augen teilweise recht assoziativ erscheinenden) Argumentationen nachzuvollziehen. Die zu den einzelnen Teilen des Werkes Petrarcas gegebenen Kommentare jedoch sind häufig durchaus nützlich, und bieten manches, das sich in den Kommentaren Rawskis (siehe folgende Fußnote) nicht findet.
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[2] Lateinische Zitate gebe ich nach Petrarca 1554, da diese Ausgabe durch den 1965er Reprint die am leichtesten überall zugängliche sein dürfte; Ausnahme dabei: das was in Petrarca 1975 zugänglich ist. Zu verweisen ist auch auf zwei neuere Übersetzungen (in einem Fall auch mit lateinischem Text, in beiden Fällen mit ausführlichen Kommentaren, wobei ich mir über das Abhängigkeitsverhältnis der späteren zur früheren nicht völlig im Klaren bin [vgl. Fußnote 4]): Rawski 1991 (Rawski 1 mit Rawski 5) und: Carraud 2002. Dem der Zugang zu einer vollständigen Version von Petracas De remediis sucht, ohne des Lateinischen hinreichend mächtig zu sein, seien diese beiden Übersetzung mit ihren Kommentaren herzlich empfohlen.
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[3] Rawski 1967, 8.
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[4] Petrarca 1554, Præfatio I, p. 4: "ad id maxime respexi, ne armarium evolvere …". Das "armarium" hier übertragen auf Bibliothek ist auch die Lösung in der Englischen Übersetzung Rawskis (Rawski 1, 6): "consider first that you will no longer have to consult a whole library …"; Carraud übersetzt (Carraud 2002, Bd.1, 17; im Anschuss an Rawski?): "qu'il ne soit pas nécessaire de remuer toute une bibliothèque …"
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[5] So das Ergebnis einer Suche in der Datenbank Petrarcae codices Latini (Rauner 1998, benutzt wurde das Exemplar der BSB via Citrix ICA Client). Hier einige Zahlen und Detailangaben: · De remediis: 254, wovon 89 mehr oder minder fragmentarisch (Darunter: Exzerpte aus I: 10, Exzerpte aus II: 5; Einzelexzerpte: 1.5-8, 1.87, 1.107, 1.69, 1.8 [2mal so einzeln!], 1.31, 2.39; Vorwort I: 4mal, Vorwort II: 3mal.), · De vita solitaria: 160, wovon ca. 31 mehr oder minder fragmentarisch, · Psalmi penitentiales: 138, wovon 5 fragmentarisch, · Secretum: 97 (101-4 "Fehltreffer"), · Africa: 91, · Vitae (Terenz, Caesar, Scipio): zusammen 75, viele fragmentarisch, · Orationes: zusammen 75, wovon 49mal die contra tempestates, · De sui ipsius et multorum ignorantia: 51, wovon 13 fragmentarisch, · Invective contra medicum: 48, wovon 7 fragmentarisch, · De viris illustribus: 40, wovon 16 fragmentarisch, ·De otio religioso: 38, wovon 6 fragmentarisch, · Invectiva contra Gallum: 29 (28+1 [Treffer bei "invective contra gallum"]), wovon 6 fragmentarisch und 4 fraglich (was soweit erkennbar wohl ebenfalls bedeutet: excerpta …), · Invectiva contra quendam magni status hominem: 10, · Testamentum: 8, · De vera sapientia: 6, · De contemptu mundi: 1, · ··· Angaben zu den Briefen zu machen ist eher problematisch: ♦ Treffer mit Suchwort "Epistolae": 48 (wovon metricae: 27, de rebus senilibus: 1, ad defunctos: 1), ♦ 1225 Treffer für "epistola ad*" (meist Briefe aus fam. oeder sen.), ♦ "Rerum senilium libri": 20, wovon 10 fragmentarisch, ♦ "Rerum familiarium libri": 54, wovon alle bis auf 8 mehr oder minder fragmentarisch.
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[6] Fiske 1888.
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[7] Ohne 3 Ausgaben von De vera sapientia.
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[8] Und 8 weitere für die Jahre 1660 mit 1883; mir ist unbekannt, ob es Untersuchungen zu dieser "späten" volkssprachlichen Rezeption von Petrarcas De remediis in Frankreich gibt.
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[9] Zur rinascimentalen Verbreitung vgl. auch die Literaturangaben bei McClure 1991, 207n38.
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[10] So z.B. das Format der erwähnten Opera omnia ([Petrarca 1554]in denen es erster Text Petrarcas ist), aber auch mindestens 1 Druck einer alten deutschsprachigen Fassung (Frankfurt [Christ. Egenolffs Erben] 1584: Petrarca 1584)
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[11] Ed. "ex typographia Iacobi Stœr. Genevæ 1628: Petrarca 1628.
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[12] Praef. I (Petrarca 1975, 48). Deutschsprachige Zitate wede ich wetgehend nach Schottlaenders Übersetzung in dieser Ausgabe geben. Entwürfe etc. von Rudolf Schottlaender zu dieser Übesetzung finden sich übrigens laut MALVINE/Kalliope (MALVINE Consortium 2003, , Suche am 19. April 2004) in der Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin, Nachl. 359 (Rudolf Schottlaender)/Mappe 1-570.
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[13] Praef. I (Petrarca 1975, 48).
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[14] Praef. I (Petrarca 1975, 50).
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[15] Praef. I (Petrarca 1975, 42).
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[16] Praef. I (Petrarca 1975, 54): quia simul omnia vel legere vel audire vel meminise non potes, utilisimis quidem et (quando brevitas est amica memoriae) brevissimis quoquoe te fulgias.
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[17] Praef. I (Petrarca 1975, 56).
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[18] Praef. I (Petrarca 1975, 58).
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[19] Praef. I (Petrarca 1975, 58).
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[20] Praef. I (Petrarca 1975, 60).
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[21] Praef. I (Petrarca 1975, 60).
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[22] Praef. I (Petrarca 1975, 62): "remedium breve"
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[23] Praef. I (Petrarca 1975, 62): "non ineficax antidotum in exigua pixide"
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[24] Praef. I (Petrarca 1975, 63).
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[25] Praef. I (Petrarca 1975, 68, 69).
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[26] Praef. I (Petrarca 1975, 70).
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[27] Praef. I (Petrarca 1975, 70-73, Unterstreichungen in der deutschem Übersetzung im Text der Übersetzung, Sperrungen von mir. Hier der lateinische Text: Sic autem ad legendum venies, quasi quattuor illae famosiores et conanguinae pasiones animi: spes seu cupiditas, et gaudium, metus et dolor, quas duae / sorores aequis partubus prosperitas et aversitas peperere, hinc ilinc humano animo insultent; quae vero arci praesidet ratio, his omnibus una respondet clipeoque et galea szisque artibus et propria vi, sed caelestis magis auxilio circumfrementia hostium tela discutiat. Ea mihi de tuo ingenio spes est, und victoria stet, facile iudices.
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[28] Seneca 1987, 386-409.
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[29] Seneca 1997, 101-173.
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[30] "non concuti" (II, 3: Seneca 1997, 110)
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[31] I, 107.
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[32] Siehe Rawski 5, 265-351 ("Names, Authors, and works referred to in the translation"). Entsprechend auch das Bild gemäß der indices Carrauds (Carraud 2002, Bd. 2, 679-801: wenn ich richtig gezählt habe: 15 Stellen für Augustinus, 51 für Augustus, 10 für Jesus Christus, 49 für Julius Cäsar.
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[33] I, 10
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[34] I, 10 (Petrarca, 1545, 14): "Fundamentun veræ virtutis humilitas".
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[35] I, 90.
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[36] So zu Beginn von II, 107 (Zorn), II, 108 (Völlerei).
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[37] II, 104 (Mangel an Tugend generell) und II, 109 (torpo in agendis), der erste Aspekt (Mangel an Tugend als freiwilliges Übel) auch in II, 107 (Zorn), II, 108 (Völlerei)
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[38] II, 106.
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[39] Vgl. http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/LV/ExtraOrd/P2004/
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[40] Petrarca 1975, 90-105; die Ausagen des gaudium in deutscher Übersetzung zitiert bei http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/SekLit/P2004A/Kuhn.htm#Stelle44
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[41] Petrarca 1975, 122-135. referiert bei http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/SekLit/P2004A/Kuhn.htm#Stelle45
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[42] Bell 1999. Einen ersten Blick auf einschlägige Ratschläge aus derlei Ratgeberliteratur bietet auch Text des Verlags unter URL http://www.press.uchicago.edu/Misc/Chicago/042103.html. Die Endnoten des Buches sind im WWW zugänglich: cf. http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/Scripts/ir.pl?A=bell%2C+r&T=notes&URLstring=&W=2&Format=7
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[43] Man mache den Versuch, und lese direkt hintereinander I, 80 (wo es gegen die Freude über einen guten Lehrer geht) und II, 40 (wo es um den Nutzen eines ungelehrten, schlechten Lehrers geht).
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[44] Vgl. hierzu Kuhn 2004
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[45] a.a.O.
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[46] Vgl. z.B. Forschner 1992.
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[47] Zumindest in der Regel — ich kann nicht garantieren, irgendwo einzelnes Auftreten von derlei überlesen zu haben.
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[48] Pascal 1981, insbes. Briefe 5 und 7
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[49] Vgl. z.B. Schöpf 1992, insbes. die Definition cl. 251a: "Eine E. die die Bestimmung des Guten ausschließlich von der jeweiligen S. abhängig macht u. allgemeine Werte und Normen leugnet, nennen wir Situationsethik." [Kursive im Original]. Auch Dancy 2004 hat nach Themen, Fragen, Beispielen keinerlei Ähnlichkeit mit dem was sich in Petrarcas De remediis findet.
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[50] Vgl. Dancy 2001.
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[51] Petraca 1554, 166f.
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[52] Petraca 1554, 188f.
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[53] Petraca 1554, 189: "vel materia vel flatu".
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[54] Menenius Agrippa und Cato von Utica werden als Beispiele angeführt. Vgl. Rawski 4, 256f.
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[55] Petraca 1554, 189: "omnibus boni civis officium imple".
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[56] z.B.: http://www.splash.it/latino/index.htm?noinc=yes&path=/seneca/epistulae_morales_ad_lucilium/!15!liber_xv/093.lat
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[57] Petrarca 1554, 162f.
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[58] Petrarca 1554, 163: "Omnes vos unum habetis notum hostem, unus ille multos habet incognitos, periculosior status. … et sane si vel unum patria civem bonum habeat, malum dominum diutius non habebit."
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[59] Petraca 1554, 189
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[60] Petraca 1554, 189: "Hæc te cogitatio firmiorem contra omnes casus tam publicos quam privatos faciet, hæc tibi demum & si non amœnam aque utcunque tollerabilem viam sternet, and inopiam, ad exilium, & ad mortem … ."
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[61] z.B. I,85 (De bono domino / "Über einen guten Herrscher" [Petrarca 1554, 87-89, hier 88f.]) und I,82 (De patre bono / "Über einen guten Vater [Petrarca 1554, 86])
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[62] Am eindrücklichsten wohl im Secretum (jetzt neu zugänglich in der Ausgabe und Übersetzung durch Gerhard Regn (Regn 2004).
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[63] Petrarca 1554, 172ff.
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[64] Etwa in I, 2 (De forma corporis eximia [Petrarca 1554, 8-10, hier 9f]) und II, 118 (De voluntaria in seipsum manum iniectione [Petrarca 1554, 235-238, hier 236])
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[65] So übernimmt z.B. Dialog II, 51 ("Über den Verlust des Bruders " [Petraca 1554, 171f.]) einen guten Teil der Argumentationen, die sich in dem Seneca zugeschriebenen Werk De remediis fortuitorum (Ps.-Seneca 1984) [das Werk galt bis spätestens Lipsius als Werk Senecas, seit spätestens Lipsius als fälschlich Seneca zugeschrieben, Newman versucht in seiner Ausgabe die Autorschaft Senecas plausibel zu machen, doch nicht mit Gründen die mich zur Zustimmung zwängen, so dass ich mit meinem ästhetischen Urteil dem Lipsius' beipflichte, und das Werk nicht als eines Senecas sehe]) finden, dort (bei Ps.-Seneca) jedoch im Kapitel über den Verlust einer guten Ehefrau (Ps.-Seneca, 1984, 127-129) — ohne jedoch darauf zu verzichten, das (ziemlich misogyne) Material auch in seinem (Petrarcas) eignen Dialog über den Verlust der Ehefrau (II, 18 (Petrarca 1554, 146f.) ebenfalls einzusetzen.
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[66] Ein Beispiel einer Doppelverwendung eines Exemplum ist Spurina bzw. der Toskanische Jüngling in I, 2 (De forma corporis eximia [Petrarca 1554, 8-10, hier 9]) und II, 1 (De deformitate corporis [Petrarca 1554, 125f., hier 126]).
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[67] Dass aus derlei "induktivem" Vorgehen keine stabile prinzipielle Begründung der moralischen Richtigkeit eines bestimmten Vorgehens, sondern nur Orientierungshilfe gewonnen werden kann (vgl. Ricken 2003, pp. 28s) sei zugegeben, doch ist reale Orientierungshilfe mehr als manch andre Ethik de facto leistet.
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[68] Siehe etwa die ungebremste Bücherbesitzfreude in Dialog I,43 (De librorum copia [Petrarca 1975, 90-105]) und siehe oben zu I, 101.
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